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Retroanalyse im Schach

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Stanislav Vokal

Aufgaben und Lösungen

9603 - Stanislav Vokal

Nedelna Pravda, 1996, Nr. 2944

2. Ehrende Erwähung

Korrigierte Version vom 30.05.1997

[q1b1k2r/PppppN1p/1P4pP/8/B1P1RpQ1/8/1PP5/R3K3]

12+11. Matt in 4 Zügen

[q1b1k2r/PppppN1p/1P4pP/8/B1P1RpQ1/8/1PP5/R3K3]

Lösung

Nehmen wir einmal an, sowohl Weiß als auch Schwarz dürfen noch rochieren. Dann wurde die [Dd8] auf d8 geschlagen und die Da8 ist eine Umwandlungsfigur.

Die weißen Bauern Bb6 und Bc4 haben insgesamt vier mal geschlagen; zusammen mit der [Dd8] ist damit der Verbleib aller fünf fehlenden schwarzen Figuren geklärt.

Es muss der [Ba7] umgewandelt haben, wobei er drei mal schlagen musste: Zwei mal, um den [Ba2] zu umgehen und ein mal, um den [Ta1] zu umgehen. (Der [Ba2] konnte mangels Schlagmöglichkeiten nicht ausweichen). Dabei muss er auch den fehlenden [Bf2] geschlagen haben, der zuvor umgewandelt haben muss, und zwar auf f8, da er mangels Schlagmöglichkeiten die f-Linie nicht verlassen haben konnte. Dabei hat er das Feld f7 überquert und der schwarze König musste dem Schach durch Ziehen begegnen. Schwarz darf also nicht mehr rochieren!

Umgekehrt, wenn Schwarz noch rochieren darf, dann muss der [Ba7] auf a1 umgewandelt haben und Weiß darf nicht mehr rochieren.

Wir haben also den klassischen Fall der sich gegenseitig ausschließenden Rochaden. Die Konvention sagt nun, dass in so einem Fall genau eine Rochade erlaubt ist: Die erste Rochade verhindert die zweite.

1. Dg4-e6?  0-0!
1. Dg4-g5?  0-0!
1. 0-0-0!           (droht 2. Dg4-e6 oder 2. Dg4-g5)
Also:
1. 0-0-0    Bc7-c6
2. Sf7-d6+  Ke8-f8
3. Dg4:f4+  Kf8-g8
4. Df4-f7#
Oder:
1. 0-0-0    Ke8:f7
2. Dg4-e6+  Kf7-f8
3. De6-e7+  Kf8-g8
4. De7-e8#
Oder:
1. 0-0-0    Th8-f8
2. Td1-d7   Lc8:d7
3. Sf7-d6+  Ke8-d8
4. Dg4-d7#

Und noch ein paar Varianten mehr, aber die interessieren den Retro-Freund sowieso nicht.