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Retroanalyse im Schach

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Die Schwalbe

Aufgaben und Lösungen

10161 - Andrej Frolkin and Anatoli Wasilenko

Die Schwalbe, Heft 173, 10/1998

1. Preis Informalturnier 1998

[bb6/qrp5/BP6/RpB5/Np2p3/k1PpPp2/2PPrPpp/Q1RK4]

15+12. Löse die Stellung auf

[bb6/qrp5/BP6/RpB5/Np2p3/k1PpPp2/2PPrPpp/Q1RK4]

Lösung

von Gerald Ettl

wEntschläge a5:b6S und b2:c3S können nicht gleich ausgeführt werden. Keine sFigur weit und breit auf dem Brett zu sehen, die sich frei bewegen könnte. Die nötige Hilfe wird von Weiß kommen müssen. Die einzige Möglichkeit in der verengten Problemlage weiterzukommen, besteht auf dem Feld a2. Hier muss eine Figur stehen. Nur welche? Das herauszufinden dürfte kein großes Problem sein. Ein wS konnte von außen zunächst das Feld a2 nie erreichen. Der sK konnte keinen weiterhelfenden Entschlag gemacht haben. Kann sich nicht mal von der Stelle bewegen. Gesucht ist nach einer Figur, die von außen nach a2 eindringen kann. Hier kommt nur ein weißfeldriger wL in Betracht. Dieser wL musste von einem sB entschlagen worden sein. Das ist völlig klar. Da schon ein weißfeldriger wL auf a6 steht, ist einer der beiden wL eine UW-Figur. Worin mag die Überlegenheit des wL bestehen? Die Stellung wird er mit alleiniger Kraft jedenfalls nicht auflösen. Also nur eine Vorbereitungsfigur. Wenn der wL auf a2 eingetroffen ist, können zunächst nur die 3 wFiguren T,D,K Kurzschritte innerhalb des Käfigs gemacht haben. Eine verführerische Überlegung wäre in dieser Lage einen wS oder UW Figur(T,D) auf das Feld d1 zu setzen. Angenommen der UW-L auf a2 entstand aus g4:h3L und der sLc5 ist noch auf dem Brett. Der schwarzfeldrige wL konnte nie nach d1. Wäre der wL ein wS ginge ja ganz einfach wSb2-d1 und Te2-e1 mit kompletter Auflösung. Entwandelt sich der wL nun auf h8 und geht gleich zurück bis Schwarz h:gS spielen kann, so könnte doch dieser wS einfach nach d1 ziehen. Nur gibt es ein kleines Problem. Der wUWLa2 konnte jetzt nicht geradlinig entwandelt haben. Mit dieser Art der Auflösung liegt Weiß völlig daneben. Nie konnten wUW-L und wS einher auf dem Brett frei rumlaufen. Zunächst stellte sich die Frage nach dem Sinn des wL. Jetzt fragt man sich, ob sich nach dem Herausspielen des wL etwas geändert hat. Die wesentlich Änderung lag in der Umgruppierung der wFiguren in dem Käfig. Als der wL auf a2 stand, spielte Weiß die wichtigen Züge Da1, Tb1, Tb2, Dc1. Was hat sich nun gegenüber vorher verändert? Nach Verlassen des wLa2 kann der sK auch nach a2 ziehen. Denn Retro: Ka2-a3, Tb1-b2 sind innerhalb des Käfigs legale Zugmöglichkeiten. Nun sieht man auch, dass es in der verführerischen Überlegung noch eine ganz andere Auflösung hätte geben können. Der wS hätte durchaus auch nach a3 ziehen können. Der wSa4 kam raus und nach Ta4-a5 konnte der ganz große Auflösungszug a5:Sb6 endlich gemacht werden. Auch weiß man bereits, dass der wL sich zu dem Zeitpunkt schon längst hätte entwandeln müssen. Angenommen der wUW-L kam von h3:g2L und der wL entwandelte sich auf g8 und nach dem zurückspielen konnte Weiß den erforderlichen wS mit g:h entschlagen, so musste der Schlag von Schwarz a:bX eine UW-Figur sein. Diese UW-X aber konnte niemals geradlinig entwandelt haben. Deshalb ist es besser, den wLc5 gleich zu Beginn schon als UW Figur zu betrachten. Wenn nämlich vorher dieser schwarzfeldrige wL auf h8 entwandelte und erst danach auf weißem Feld g:hL erfolgte, wäre vorausschauend der sB-Schlag auf schwarzem Feld a:bL gegeben. Der Ablauf ist nun völlig klar und lautet zusammenfassend so: Der wLh8 entwandelt sich auf h8, dann erst kann g:hL auf weißem Feld erfolgen. Der weißfeldrige wL dringt nach a2 ein womit die Stellung etwas gelockert wird. Der wLa2 entwandelt sich auf g8 und Schwarz konnte einen wS mit g:h entschlagen. Dieser wS geht nach a3. Man sieht deutlich, dass der S nach a3 gehen muss. Denn die andere denkbar mögliche Auflösung mit Sb2-d1 geht nun nicht mehr. Weiß hat es eilig, denn schon bald hat Schwarz seine sB auf der Grundreihe zurückgespielt. Der entscheidende Auflösungsschlag a5:Sb6 hebt die Zugnot von Schwarz auf. Das Überwechseln des wS von der h-Linie zur a-Linie dauert standardgemäß 4 Züge. Doch der Entschlag ist auf keinem günstigem Feld möglich, der den Springertransfer mit 4 Zügen bewältigt. Es würde also 5 Züge beanspruchen und somit einen Zug zu langsam sein. Weiß muss aber mit 4 Tempozügen auskommen, denn für mehr Züge ist das schwarze Spiel nicht ausgelegt. Dieses Tempo gewinnt Weiß indem er 3-zügig direkt das Feld b2 ansteuert. In der Tempodrehscheibe kann der sK ziehen und Weiß erreicht somit das Feld c4, das ihm jetzt direkt zu seinem Traumfeld führt. Somit geht es umgerechnet doch in 4 Zügen. Eine spannende Auflösung von Anfang bis Ende.

Zurück: 1.Dbl-al# g3-g2 2.Ld4-c5 g4-g3 3.Lh8-d4 g5-g4 4.h7-h8L g6-g5 5.h6-h7 h7:Lg6 6.Lf7-g6 e5-e4 7.La2-f7 e6-e5 8.Dal-bl e7-e6 9.Tbl-cl h3-h2 10.Tb2-bl h4-h3 11.Dcl-a1 h5-h4 12.Lg8-a2 d4-d3 13.g7-g8L d5-d4 14.g6-g7 d6-d5 15.g5-g6 g6:Sh5 16.Sf4-h5 d7-d6 17.Sd3-f4 Ka2-a3 18.Tbl-b2+ Ka3-a2 19.Sb2-d3+! Ka2-a3 20.Sc4-b2 f4-f3 21.Sa3-c4 f5-f4 22.Sb2-a4 f6-f5 23.Ta4-a5 f7-f6 24.a5:Sb6 etc.