Logo
Retroanalyse im Schach

≡ ▲

Die Schwalbe

Aufgaben und Lösungen

10098 - Alexander Kisljak

Die Schwalbe, Heft 172, 08/1998

2. Preis Informalturnier 1998

Gewidmet Günter Lauinger zu seinem 50. Geburtstag

[4nbN1/BBPPRPp1/1Pkqrp2/Kpprp3/2pp4/2P3P1/8/8]

11+12. Was war der erste Zug des weißen Bh2?

[4nbN1/BBPPRPp1/1Pkqrp2/Kpprp3/2pp4/2P3P1/8/8]

Lösung

von Gerald Ettl

Der quälende Gedanke zurück 1.Lb7c8 a6:Bb5 und schnell den wbB mit Entschlag und Zugnotaufhebung nach a zu bringen scheitert nur knapp. Nach 2.b4-b5+ kann nach dem Zug b5:Yc4 nur noch der wBb6 auf die a-Linie. Die schwarzen Züge sind verbraucht und es geht somit nicht weiter. 2.Lb8a7 a7a6 ist eine nicht weiterhelfende Verzögerung. Nicht anders verhält es sich bei 1.- a6:T,S 2.Lb8-a7 a7-a6 3.b7-b8L und wieder nur ein fehlender schwarzer Zug, sonst a6:b7 ohne Probleme. Was passiert nach 1.- a6:T,S 2.b2:Yc3 oder 2.d2:Yc3 ? Die Idee besteht darin zu versuchen die weiße Bauernstruktur mit Entschlag und Zugnotaufhebung entscheidend zu verändern. Vorher kamen die wBc7 und d7 von d2 und e2. Jetzt ist eine völlig neue Situation entstanden. Es käme in beiden Fällen zur Kollision auf der h-Linie. Die verbesserte Bauernstruktur käme ohne Erfolg wie gesehen nur gleich am Anfang in Frage. Immer wieder versucht man diesen spannenden Gedanken bis weit nach Mitternacht zu verfolgen. Die logische Notwendigkeit einer schwarze Figur ohne verbesserte Bauernstruktur, jeder B-Entschlag würde das Gegenteil bewirken, muss man sich schon mit einem Stahlschlageisen kräftig in das Gedächtnis meißeln, so unglaublich naheliegend ist der Fehlversuch. Sich an die eigentliche Auflösung heranzuwagen, geschieht erst, wenn man den irreführenden Gedanken weit genug verdrängt hat. Da ein schwarzer Figuren-Entschlag nicht zu vermeiden ist, tut man gut daran gleich das Problem mit dem wLg7 anzugehen. Die a-Linie ist dann nämlich noch für eine wUW offen. In dieser retrograden Ruhestellungsphase äußerst wichtig. Durch eine Reihe sich schwer einzustellender Assoziationen und Schlüsse verfolgt man den Weg unter gegebener Position weiter rückwärts. In der Eingeschlossenheit half natürlich nur ein sS weiter. Der sS kommt ohne Probleme raus. wS und sS bereiten sich für die Entwandlung vor. Eine syllogistische Maßnahme erfüllt den Zweck die Aufmerksamkeit auf eine besondere Figur hin zu lenken. Gemeint ist der Weg des wBh, der vorher kurz abbremsen musste. In der oberen linken Ecke sowie mit den beiden sS konnte kein Tempo gewonnen oder verloren werden. In der oberen linken Ecke muss der Weg nach dem Entschlag h:Zg für Z frei gemacht werden. Am schnellsten und ausnahmslos nur mit Z = wT. Die Begründung warum der wBc3 nicht ziehen durfte hat sich erledigt. Die streng einzuhaltende Formation in der oberen linken Ecke ist also wichtig. Der wK musste auf d8 stehen, daneben die beiden wLL. Erst dann konnte h3:tg2 geschehen. Die Hauptrolle ist schon an den wB vergeben, doch auch die Nebenrolle des wT ist glänzend besetzt. Der Tg2 kann nun schnell nach a8 entwandeln und der wb kommt gerade rechtzeitig nach a5, wo der sBh3 bereits um Hilfe ruft. Nach a6:T,Sb5 löst sich alles in Wohlgefallen auf. Warum musste der wS eigentlich erst nach h8? Weil er anfangs nicht nach a8 zurückhüpfen konnte. Somit war die h-Linie ein geeigneter Ort, den wS gegen einen wT auszutauschen. Schöne Einleitung, nicht gleich feststehende B-Struktur, gut begründete K-Wanderung nach d8, feines Entschlagmanöver g2 und Tempolimit wBh2 zeichnen das gute Stück aus.

Der wK musste auf d8 stehen daneben die beiden wL. Erst dann konnte h3:Tg2 geschehen.

1.Lc8:Sb7+ Sd8-b7+ 2.Ka6-a5 Sb7-d8 3.Lb8-a7 Sa5-b7 ... sSa5 nach g1, wK nach d8, wSa4 nach h8, h7-h8S ... 22.h3-h4! g2-g1S 23.h2-h3 h3:Tg2! 24.Ta2-g2 h4-h3 25.Ta8-a2 h5-h4 26.a7-a8T h6-h5 27.a6-a7 h7-h6 28.a5-a6 a6:D,T,Sb5 usw.