Logo
Retroanalyse im Schach

≡ ▲

Die Schwalbe

Aufgaben und Lösungen

9989 - Gianni Donati

Die Schwalbe, 02/1998

Zum Geburtstag meiner Frau Dana

[rn4kr/p1pp1ppp/6n1/8/qp6/6b1/PPPPbPPP/R1BQKBNR]

14+15. Beweispartie in 12.0 Zügen

[rn4kr/p1pp1ppp/6n1/8/qp6/6b1/PPPPbPPP/R1BQKBNR]

Lösung

Welche schwarzen Züge müssen erfolgt sein?

Um die gegebenen Positionen der schwarzen Figuren zu erreichen, müssen minimal folgende Züge geschehen sein:

  Lc8-a6-e2
  Dd8-h4-a4
  Ke8-f8-g8
  Lf8-d6-g3
  Sg8-e7-g6
  Bb7-b5-b4

Das sind insgesamt 12 Züge, mehr sind auch nicht geschehen. Im besonderen muss der [Be7] auf e7 geschlagen worden sein.

Welche weißen Züge müssen erfolgt sein?

Die weiße Stellung gibt nicht allzuviel her, um eine Zugliste wie bei den schwarzen Zügen aufstellen zu können.

Was war die genaue Zugfolge?

Schwarz hat genau zwei Züge, bevor e7 besetzt oder überquert werden muss. Der [Sb1] kann e7 als einzige weiße Figur in drei Zügen erreichen.

  1. Sb1-c3   Bb7-b5
  2. Sb3-d5   Lc8-a6 
  3. Sd5:Be7

Der Ba6 darf erst vorrücken, wenn die schwarze Dame auf a4 steht. Der La6 kann wegen des Bb5 nicht weiter. Bleibt als einziger Zug

  3.          Sg8:Se7

Weiße Züge mit dem Ta1 oder Sg1 bringen nichts ein. Weiß muss jetzt eine ungerade Anzahl von Zügen machen; Ta1 und Sg1 können ihre Ausgangsfelder nur in einer geraden Anzahl von Zügen erreichen.

Die einzige weißte Figur, die ziehen kann, ist der Be2. Wie die schwarze Zugliste zeigt, kann er (außer auf e2) auf keinem Feld der e-Linie geschlagen worden sein. Er muss also umgewandelt haben und irgendwo anders geschlagen worden sein.

Auf dem Weg zur Umwandlung behindert er die schwarzen Figuren bei ihrer Entwicklung; speziell die schwarze Dame. Die einzige Möglichkeit ist, dass die schwarze Dame erst dann zieht, nachdem der weiße Bauer umgewandelt hat. Das determiniert auch die Reihenfolge der schwarzen Züge.

  4. Be2-e4   Se7-f6
  5. Be4-e5   Lf8-d6
  6. Be5-e6

Der schwarze König muss ausweichen; einen Zug später wäre es bereits zu spät. Daher muss der Ld6 warten.

  6.          Ke8-f8
  7. Be6-e7+  Kf8-g8

Der weiße Bauer kann nur in einen Springer umwandeln. Dame und Turm würden Schach bieten; ein Läufer wäre bewegungsunfähig. Der weiße Springer muss dann in vier Zügen das Feld erreichen, auf dem er mit dem letzten Zug von Schwarz geschlagen wurde. Das kann nur e2 sein!

  8.  Be7-e8S  

Der Le6 muss Platz machen, da der weiße Springer auf f6 Schach bieten würde.

  8.           Ld4-g3
  9.  Se8-d6   Dd8-h4 

Auf jedem Feld außer f5 würde der weiße Springer die schwarze Dame behindern.

  10. Sd6-f5   Dh4-a4
  11. Df5-d4   Bb5-b4
  12. Sd4-e2   La6:Se2

q.e.d.


Lösung von Gerald Ettl:

Nach den 2 schwarzen Vorbereitungszügen musste sich schon der sSg8 bewegen. Weiß würde dann am liebsten nicht mehr ziehen wollen. Ist aber gezwungen und kann die restlichen ungeraden Züge nicht einfach mit einer Figur (T, S) abtragen. Der wBe2 könnte durch eine ungerade Anzahl von Zügen auf der e-Strecke geschlagen worden sein. Da aber Schwarz keine Zeit findet, extra auf der e-Linie einen Zwischenstopp einzulegen, musste der wB umgewandelt haben. Die UW Figur ist durch den sK eingeschränkt und war ein wS. Nach der Umwandlung sucht man fieberhaft ein passendes Feld um die IÚmwandlungsfigur loszuwerden. Man denkt hierbei spezifisch an das Feld a4. Es würde sich letzter Zug D:Sa4 wegen dem sBb4 verbieten. Überraschenderweise führt die Spurensuche nach dem Schlagfeld zu dem ursprünglichen B-Feld e2 wieder zurück. Der Effekt ist keinesfalls zu unterschätzen. Nur ein Zug mehr und die geplante Absicht ginge mehrfach daneben. Der Umfang des Brettes hier wäre gewiss groß genug um auch noch anderen Figuren gleichen Ausmaßes mehr Raum zu bieten. Die Kunst, mit möglichst wenig Steinen eine klares Thema darzustellen, ist geglückt. Thematisch sofort auf dem Punkt gebrachte gute Darstellung.

1.Sc3 b5 2.Sd5 La6 3.S:e7 S:e7 4.e4 Sg6 5.e5 Ld6 6.e6 Kf8 7.e7+ Kg8 8.e8S Lg3 9.Sd6 Dh4 10.Sf5 Da4 11.Sd4 b4 12.Sde2 L:e2