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Retroanalyse im Schach

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Rochade

ist erlaubt, wenn nicht bewiesen werden kann, dass eine der daran beteiligten Figuren schon gezogen haben muss.

Die Regel ist negativ formuliert, da es in fast allen Fällen unmöglich ist, positiv zu beweisen, dass die Rochade erlaubt ist. (Man beachte, dass die En Passant Regel genau andersherum definiert ist!)

Das Rochaderecht kann mit dem En Passant Recht wechselwirken, siehe dazu die A-Posteriori Regel.


Samuel Loyd

Musical World, 1859

[r3k3/p1p5/Q3K3/8/8/8/8/8]

2+4. Matt in zwei Zügen!

[r3k3/p1p5/Q3K3/8/8/8/8/8]

Weiß ist am Zug. Schwarz muss daher zuletzt mit dem König oder dem Turm gezogen haben und darf nicht mehr rochieren. 1. Da6-a1 0-0-0 ist daher illegal; die Lösung ist 1. Da6-a1 ... 2. Da1-a8#


Wenn in einem Rückspiel eine Rochade zurückgenommen wird, darf kein weiterer Zug einer an der Rochade beteiligten Figuren zurückgenommen werden.

Leonid Borodatov

Krimskaja Pravda, 1970

[8/8/8/8/8/6P1/3P2Pk/2KR3N]

6+1. Wie hat Schwarz gerade gezogen?

[8/8/8/8/8/6P1/3P2Pk/2KR3N]

Lösung: Der schwarze König muss von g1 gekommen sein, wo er im Schach des weißen Td1 stand. Wenn wir nun 0-0-0 zurücknehmen, sind wir dem Autor in die Falle gegangen: Es gibt keinen Weg, wie der schwarze König nach g1 gelangt sein kann. Ein weißer Königszug darf nicht mehr zurückgenommen werden; Ke1, Bg2 und Bg3 bilden eine unüberwindliche Barriere.

Der letzte Zug von Schwarz war also Kg1:Sh2. Der Zug von Weiß davor war Sf1-h2 oder Sf1:h2; die Stellung ist somit aufgelöst.


Die Regeln für Rochade sind klar. Aber was ist, wenn es mehrere mögliche Rochaden gibt, die sich gegenseitig ausschließen`?

Jean Oudot

"Supplément Problèmes", L'échiquier de France, 1957

[4Q3/1p2P3/brp1k1N1/1qp1P3/4P3/1NP1P1P1/1P2P3/R3K2R]

14+7. Mate in 2

[4Q3/1p2P3/brp1k1N1/1qp1P3/4P3/1NP1P1P1/1P2P3/R3K2R]

Hier kann bewiesen werden, dass einer der beiden weißen Türme bereits gezogen hat, sodass Weiß nicht mehr beide Rochaderechte haben kann. Aber keine der beiden Rochade kann ausgeschlossen werden!

In diesem Fall sind beide Lösungen legal: 1. 0-0 und 1. 0-0-0 – trotzdem kann man nicht sagen, dass die Aufgaben zwei Lösungen hat!


Ein weiteres Beispiel für zwei sich gegenseitig ausschließende Rochaden ist die folgende Aufgabe:

Armand Lapierre

Thèmes 64, Apr. 1959

4. ehrende Erwähnung

[4k2r/p1p1p1p1/1p2P3/8/3R4/6P1/5P1P/R3K3]

7+7. Matt in zwei Zügen!

[4k2r/p1p1p1p1/1p2P3/8/3R4/6P1/5P1P/R3K3]

Schwarz und Weiß dürfen nicht gleichzeitig rochieren:

• Falls der Td4 ein Originalturm ist: a) Handelt es sich um den [Ta1], darf Weiß nicht mehr rochieren, da der Ta1 bereits gezogen haben muss. b) Handelt es sich um den [Th1], darf Weiß nicht mehr rochieren, da der weiße König bereits gezogen haben muss, um den [Th1] nach d4 zu lassen.

• Falls der Td4 durch Umwandlung entstanden ist: Die Umwandlung muss auf d8, f8 oder h8 stattgefunden haben. In allen Fällen muss entweder der schwarze Ke8 oder der schwarze Turm Th8 bereits gezogen haben. Schwarz darf also nicht mehr rochieren.

Man kann also beweisen, dass sich die beiden Rochaden gegenseitig ausschließen, aber keine der beiden Rochaden kann als unzulässig bewiesen werden. In so einem Fall darf der rochieren, der dies zuerst tut. Hat eine Rochade einmal stattgefunden, ist die andere Rochade verboten, da dann bewiesen ist, dass sie illegal ist.

In Lapierres Problem führt 1. Ta1-d1? ... 2. Td4-d8# wegen 1. ... 0-0! nicht zum Ziel. Die Lösung ist 1. 0-0-0! -- nun kann 2. Td4-d8# nicht verhindert werden, da 1. ... 0-0? illegal ist!