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Letzter Zug?-Rekorde: Neue Definition und neue Typen

Die Schwalbe, Heft 225, Juni 2007, S.143-145
Von Werner Keym, Meisenheim

See also: Translation to Englisch by Joost de Heer

Anmerkung: Die Aufgabe Nr. 4 aus dem abgedruckten Artikel wurde auf Wunsch des Autors durch einen neuen Rekord ersetzt.

 

Zu den bekanntesten Retro-Themen gehören die ökonomischen Rekorde mit der Forderung „Welches war der letzte Zug?“, d.h. möglichst sparsame Darstellungen des eindeutig nachweisbaren letzten Zuges. Für die ?#8211;konomie gelten folgende Kriterien:

1) möglichst wenige Steine (K, D, T, L, S, B),
2) möglichst wenige Figuren (D, T, L, S),
3) möglichst wenige Schwerfiguren (D, T),
4) möglichst wenige Damen (D).

Es lassen sich 60 verschiedene Zugarten (Rekorde) unterscheiden: K, D, T, L, S, B zieht (6 Zugarten); K, D, T, L, S, B schlägt D, T, L, S, B (30); B zieht und verwandelt sich in D, T, L, S (4); B schlägt D, T, L, S und verwandelt sich in D, T, L, S (16); B macht einen Doppelschritt (1); B schlägt en passant (1); lange und kurze Rochade (2).

Ferner werden mehrere Typen unterschieden:

Typ A: Es wird nicht angegeben, wer am Zug ist. Kein König steht im Schach (59 Zugarten; nicht e.p.-Schlag).

Typ B: Es wird angegeben, wer am Zug ist. Kein König steht im Schach (59 Zugarten; nicht e.p.-Schlag).

Typ C: Es wird nicht angegeben, wer am Zug ist. Ein König steht im Schach (60 Zugarten).

Diese Definition von Typ C ist neu! Die bisherige lautete: „Es wird nicht angegeben, wer am Zug ist. Ein König kann im Schach stehen.“ Das hatte zur Folge, dass ein A-Rekord auch C-Rekord sein konnte. Dies kritisierten Retro-Freunde immer wieder als unlogisch und im Internet finden sich unterschiedliche Definitionen. Deswegen schlug ich die neue Definition vor, die klar zwischen Typ A (ohne Schach) und C (mit Schach) unterscheidet und die mehr Rekordmöglichkeiten (vor allem im Bereich des Märchenschachs) bietet. Sie fand einmütige Zustimmung bei M. Caillaud, W. Dittmann, A. Frolkin, H. Gruber, A. Kornilow, G. Lauinger, N. Plaksin, M. Richter sowie B. Schwarzkopf und gilt mit dieser Veröffentlichung.

Im orthodoxen Bereich betrifft die neue Definition nur zwei der 178 Rekorde der Typen A, B und C, nämlich diejenigen für die Zugarten KxD und BxD=S. Selbstverständlich bleibt Nr. 1 (mit 13 Steinen) der Rekord für KxD vom Typ A (und B). Der „neue“ Rekord für Typ C (mit 14 Steinen) ist die Nr. 2, die ursprünglich für das verwandte Thema „Welches ist der Mattzug?“ konstruiert wurde. Sie ist ökonomischer als das ältere Problem von L. Borodatow, Die Schwalbe 1984, Ka7 La5 Le8 b4 – Kd8 La8 Lb7 Lc8 a6 b5 c6 d7 e7 g7, Letzter Zug? - Ebenso bleibt Nr. 3 der Rekord für BxD=S vom Typ A (und B). Der „neue“ Rekord für Typ C ist die Nr. 4, die auch 12 Steine hat, aber einen Offizier mehr.

Seit Januar 2007 findet man dankenswerterweise die von Mario Richter zusammengestellten 178 Rekorde vom Typ A, B und C in Notation im Internet, und zwar auf den Schachseiten von Otto Janko unter https://www.janko.at/Retros/Glossary/, dann weiter über Retro Corner und dort (im Abschnitt Contents) über Records in Retro analysis zu Last Move. Seit März 2007 stehen alle diese Rekorde sogar im Diagramm auf der Website von Andrew Buchanan unter http://www.geocities.com/anselan/chess. Während die Chancen, einen Rekord vom Typ A, B oder C zu übertreffen, sehr gering sind, ist das beim wenig bekannten Typ D anders.

Typ D steht für Duplex (= Typ B zweifach): Es existieren a) ein eindeutiger letzter wei?#376;er Zug für den Fall, dass Schwarz am Zug ist, und b) ein eindeutiger letzter schwarzer Zug für den Fall, dass Wei?#376; am Zug ist. Theoretisch ergeben sich 60 ∙ 59 : 2 = 1770 mögliche Zugkombinationen.

Beim Märchenschach-Treffen in Andernach 1981 stellte Bernd Schwarzkopf diesen Typ vor und regte einen kleinen Konstruktionswettbewerb dazu an. Zwei Jahre später veröffentlichte er den Artikel „Letzter Zug – Typ D“ mit ca. 35 Kombinationen (z.B. a) B-=L, b) B-=L; a) SxT, b) BxS=T) in feenschach, März 1983, Heft 64, S. 29-31. Danach trat eine lange Sendepause ein, vermutlich wegen der riesigen Zahl von 1770 Möglichkeiten.

Im Jahr 2007 ergriff M. Richter die Initiative und stellte den Teilnehmern der „Retros Mailing List“ (Näheres zur RML unter http://www.pairlist.net/mailman/listinfo/retros) die vorhandenen Rekorde vom Typ D vor. Durch den schnellen und aktuellen Austausch per E-Mail animiert, gingen einige Retro-Freunde (s.u.) auf Rekordjagd und schufen in wenigen Monaten ca. 120 neue Rekorde. Anlaufstelle ist M. Richter („mri_two(at)t-online.de“), der die neuen Rekorde prüft und in Notation in der RML veröffentlicht. Anschlie?#376;end präsentiert A. Buchanan sie im Diagramm im Internet (s.o.) und nimmt sie in seine informative Liste auf, so dass jeder Interessierte sofort sehen kann, welche Kombinationen (mit wie vielen Steinen) bereits verwirklicht sind.

Einige D-Rekorde will ich den Schwalbe-Lesern hier vorstellen. Beginnen wir mit einer Stellung von B. Schwarzkopf aus 1983 (Nr. 5). - In Nr. 6 wird erstmals die Rochade dargestellt. ?#339;brigens finden sich alle Rekorde vom Typ A, B, C und D mit Rochaden (darunter sechs Urdrucke) im Diagramm in meinem Artikel „Letzter Zug?-Rekorde mit Rochaden“ in König & Turm, Heft 22, Juni 2007. - Zu den mehrfachen Rekord-Haltern zählen auch A. Buchanan (Nr. 7), T. Le Gleuher (Nr. 8), R. Osorio & J. Lois (Nr. 9), M. Richter (Nr. 10). Das Duo aus Argentinien hält beeindruckende Rekorde mit der gleichen Zugart für Wei?#376; und Schwarz (kurz DD genannt). Von den 59 Möglichkeiten mit DD (darunter Nr. 5, 7, 9) fehlen zur Zeit nur noch 10!

Von Roberto Osorio stammt ein ganz neuer Duplex-Typ, nämlich „Equal Last move?“ (ELM). Diese Forderung verlangt dieselbe Zugart für den letzten Zug von Wei?#376; bzw. Schwarz, der jeweils eindeutig sein muss. Der Viersteiner Nr. 11 ist das Stammproblem (für die Zugart B-): Hier konnte der letzte Zug im Falle von Schwarz nur sBh3-h2 sein, im Falle von Wei?#376; folglich wBg2-g3 (nicht wBf2xXg3). Von den 60 theoretischen Möglichkeiten mit ELM gelangen B. Schwarzkopf in kurzer Zeit rund 30. Seine pfiffige Nr. 12 ist ein typisches Beispiel für ELM: Es funktioniert allein sBg3xDh2 (bzw. wBe2xDf3+), nicht der retroanalytisch ebenfalls zulässige letzte Zug sBg3xLh2, da der analoge wei?#376;e Zug wBe2xLf3+ illegal ist. Man findet die ELM-Rekorde im Internet auf den Seiten von A. Buchanan (s.o.). Eigene Rekordversuche sende man an „raosorio(at)fibertel.com.ar“.

Wer bis hierhin durchgehalten hat, löst ohne Schwierigkeiten beide Rekordversuche im Urdruckteil.


1 - Luigi Ceriani

problem 1951

1st Prize

[3bkN1K/pppprp1p/4p1p1/8/8/8/8/8]

2+11. Letzter Zug? (Rekord für KxD Type A)

[3bkN1K/pppprp1p/4p1p1/8/8/8/8/8]


2 - Werner Keym

Die Schwalbe 1990

[n1k2Rn1/BppppKp1/1p3p1p/8/8/8/8/8]

3+11. Letzter Zug? (Rekord für KxD Type C)

[n1k2Rn1/BppppKp1/1p3p1p/8/8/8/8/8]


3 - V. Bartolovic, Z. Maslar

problem 1957

6th Comm.

[2bK1kN1/1pppprp1/5p1p/8/8/8/8/8]

2+9. Letzer Zug? (Rekord für BxD=S Type A)

[2bK1kN1/1pppprp1/5p1p/8/8/8/8/8]


4 - Leonid Borodatow

Die Schwalbe, 1980

[rN3b2/pp1pp1p1/k1p5/P1K5/8/8/8/8]

3+9. Letzter Zug? (Rekord für BxD=S Type C)

[rN3b2/pp1pp1p1/k1p5/P1K5/8/8/8/8]