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Rätselgedichte, Rätselreime

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300 Knacknüsse

von Karl Tobiasch

Das Rätselwerk von Karl Tobiasch ist sehr umfangreich, daher haben wir jedem Werk eine eigene Seite gewidmet: 300 Knacknüsse, 200 Knacknüsse.

 

300 Knacknüsse

Gewachsen auf den Gedankenbüschen von Karl Tobiasch

Verlag: "Wie"-Verlag, Toplitz-Schönau
Datum:
Seiten: ?
Das Buch enthält 300 Rätsel aller Art, ca. 2/3 davon sind Rätselgedichte. Zu allen Rätsel gibt es auch die Lösungen.
 

Quellen und Copyright

Leider haben wir trotz intensiver Suche weder biografischen Daten von Karl Tobiasch noch aktuelle Rechteinhaber gefunden. Die Werke von Karl Tobiasch sind (wahrscheinlich) gemeinfrei, da deren Verfasser (wahrscheinlich) vor mehr als 70 Jahren verstorben ist. Jedenfalls sind die Werke vor mehr als 100 Jahren erschienen.

Rätsel aus "300 Knacknüsse"

# Erste Zeilen des Rätsels
12701 Ich habe viele Zähne, doch essen kann ich nicht; ich 23
12712 Als der Germanen schlimmen Gott hört'st du mich wohl 83
12723 Ich bin ein Handwerksmeister, dem Fuhrmann wohl 42
12734 Von vorn bin ich ein Kleingeschäft und berge oft 149
12745 Ich hin ein ruhig⸗stiller Mann, jedoch ein starker Esser; 219
12756 Kennt ihr den großen deutschen Meister, der schone 129
12767 Mit a ein Tier, mit m ein Tier und beide sind Verwandte; 285
12778 Mit B stamm' ich von Vaters Bruder, doch auch von Vater 191
12789 Weiß ist meine Schale, gelb jedoch mein Kern; frisch 90
12800 Die 5 ersten Zeichen nennen Tiere uns, die ein bisschen 143
# ist die Nummer des Rätsels hier bei uns
ist die Nummer des Rätsels in 300 Knacknüsse von Karl Tobiasch von 1919.
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Vorwort

Meine lieben Leser(innen) und Löser(innen)!

Rätsel sind Wetzsteine des Geistes. Hier erprobt sich des Lösers Scharfsinn; denn er sucht die Gedanken des Rätselmanns zu erforschen. Es ist ein Versteckspiel. Der Rätseldichter — oft freilich ist er kaum ein rechter Reimer — hält sich gleichsam verborgen und ruft nun schelmisch: Such mich! Die Rätselrater spüren nun und spähn nach seiner Spur. Welche Freude, wenn sie ihn endlich doch aufstöbern!

Das Rätselraten ist eine beliebte Beschäftigung von alt und jung. Das sehen wir schon daran, dass viele Zeitschriften regelmäßig Rätsel bringen. Dieses Raten ist aber nicht bloß unterhaltend und zeitkürzend, es ist auch nützlich und heilsam; es schärft den Verstand, fördert die Aufmerksamkeit und lehrt Geduld. Wer an Rätseln kein Gefallen findet, ist fast immer geistig schwerfällig oder aber denkfaul. Wer sich jedoch in ein Rätsel verbissen hat und sich sagt: Das muss ich lösen! der zeigt nicht nur guten, der zeigt auch festen, zähen Willen; aus dem kann einmal ein tatkräftiger, tüchtiger Mensch werden, und solche brauchen wir Deutsche, soll sich unser geliebtes Volk nach dem furchtbaren Niederbruch wieder erheben. An tatenlosen Träumern haben wir übergenug.

Seit ein paar Jahren halte ich es so, dass ich meinen Zöglingen über eine mehrtägige Freizeit, wie z. B. Weihnachten, Ostern, Rätselnüsse zu knacken gebe. Die Beteiligung ist freigestellt. Ist die Möglichkeit, die Lösungen mit Preisen zu lohnen, so werden die Arbeiten auch nach ihrer Form gewertet: Da offenbart gar mancher zeichnerisches Können, nette Schrift und Geschmack im Anordnen und Verteilen von Stoff und Bildschmuck.

Heuer habe ich eine Neuerung eingeführt: Ich habe u. a. den Vorwurf für ein Rätsel zur Bearbeitung aufgegeben. Die beste Lösung lasse ich hier folgen:

Dreisilbig.

Die erste wächst fast überall
In Wald und Feld, in Berg und Tal.
Die nächsten zwei sind Dir bekannt,
Im Teiche sind sie und am Land.

Sie spielen in dem Sonnenschein
Und komm nicht nah — sie stechen fein.
Das Ganze ist ein Vogel, sprich,
Weißt Du es denn noch immer nich’?

G. Eichler

Ist Euch, meine jungen Löser und Löserinnen, die Lösung gelungen? Wenn nicht, so sag, ich Euch zum Trost: Ich selbst habe den nämlichen Stoff zu einem Rätsel verarbeitet. Wer also das ganze Büchlein bewältigt, wird mit meiner Nuss zugleich diese da knacken. Frisch ans Werk und nicht gesäumt! Vor allem: Lass Dich nicht entmutigen, wenn Dir die Lösung nicht gleich zufliegt wie ein gebratener Vogel; dag Schlaraffenland ist eben nicht mehr. Erst wag man sich selbst erarbeitet hat, freut einen recht und je härter die Fron, je größer die Freude. »Arbeit ist des Bürgers Zierde, Segen ist der Mühe Preis,« singt unser großer Dichter Friedrich Schiller. Mit dem halt’ ich's und mit dem halt's auch Du!

Meister Schiller (1759-1805) hat selbst ein paar prächtige Rätsel gedichtet, wie auch noch andre Dichter: so der gewaltige Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe (1749—1882), der Freiheitssänger Theodor Körner (1791-1813), der formenreiche Sprachkünstler Friedrich Rückert (1788-1866) und der gemütvolle Volksdichter Johann Peter Hebel (1760-1826). Dass solche bedeutende Männer der Rätseldichtung gedachten, zeigt, dass diese Abart der Dichtkunst keineswegs nur Spielerei ist.

Nun noch ein paar Worte über die Rätsel selbst. Da gibt es

Wenn ich Dir noch einen guten Rat geben soll, so den: Verschließ den Teil mit den Lösungen (etwa durch eine Schnur oder durch festes Drüberspannen des Einfasspapiers), damit Du der Versuchung zu bald nachzusehen, leichter widerstehst. Gar wenn die Lösung leicht war, wirst Dich nur ärgern, wenn Du vorzeitig nachgeschlagen hast, und wirst denken: »Hätte ich nur noch eine Weile auggeharrt, wäre ich sicher draufgekommen!« Drum meine ich, Du solltest Dich so

zwingen lernen, dass Du erst nach je drei oder noch mehr Auflösungen nachschaust, ob sie richtig sind. Die einzelnen Lösungen angefügten Worte wollen nicht nur Dein Wissen mehren, sondern Dich auch anregen, die genannten Bücher offenen Sinnes zu lesen, die Lieder mitfühlend zu singen (oder doch so anzuhören), die Bilder sinnend zu betrachten. — Solche Schätze zu erwerben, findet sich häufig Gelegenheit: Weihnachten, der Namenstag, das Geburtsfest. Zu solcher Zeit sitzt das Geld lockerer in den Taschen von Eltern und Geschwistern, Ohmen und Muhmen, Basen und Vettern Und Du wirst alle Dir Nahestehenden umso gebefreudiger finden, se würdiger Du Dich etwaiger Geschenke gezeigt hast: Durch Fleiß und Augdauer beim Lernen, sittsames Benehmen, durch Reinhalten und Schonen von Kleidern und Büchern, durch ein gutes Zeugnis, durch ... na, Du weißt schon, wag ich meine. Es liegt also zum Großteil an Dir selbst, ob Du schon nächstens den Grundstock zu einer eigenen Büchersammlung, zur Eigenbücherei, legen kannst. Dann erst wirst Du den hohen Wert guter Bücher, Bilder und Lieder kennen lernen, dieser unwandelbaren, treuen Freunde, die uns selbst in den Tagen der Trübsal und der Trauer nicht verlassen.

Dass ich die wüsten Welschwörter Homonym. Scharade, Palindrom, Logogriph, magisches Quadrat und dgl. nicht gebrauche, ist ganz natürlich:

  1. ist es meine Pflicht als Deutscher, deutsch zu sprechen;
  2. sind die deutschen Namen schöner, augdrucksvoller und verständlicher;
  3. habe ich gar nicht das Recht, meine herrliche Muttersprache zu verschandeln und zu verhunzen.

Ich halte mich so an sag ernste Mahnwort: »Willst ein rechter Deutscher sein, halt auch Deine Sprache rein!« Das sei auch Deine Losung. Und nun Glückauf zur Lösung!

Mai 1919. Der Verfasser.