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Rätselgedichte, Rätselreime

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Rätselgedicht Nr. 14726

von Maria Brockmann

Rätsel

Es war einmal vor Jahren
Ein frohes, muntres Kind,
Gesund und frisch und freundlich,
Wie wen'ge Kinder sind.

Auf seinen Wangen glühte
Ein zartes, helles Roth;
Im Auge glänzte Frieden,
Fremd war ihm Sorg' und Not.

Einst saß es still zu Hause
Im trauten Kämmerlein:
Da trat mit Pfeil und Bogen
Ein schmucker Knab' herein.

Er grüßt das Mädchen herzlich,
Als hätt' er's längst gekannt;
Sie reicht zum Gegengruße
Vertraulich ihm die Hand.

Was willst du? fragt sie schüchtern,
Nicht Antwort wird zu Teil,
Der Knab greift in den Köcher,
Nimmt stumm heraus 'nen Pfeil.

Den legt er auf den Bogen
Und schießt gewandt ihn ab,
Und in des Kindes Herzen
Da fand der Pfeil sein Grab.

Drauf zieht der Bub von dannen,
Ohn sich noch umzuseh'n,
Der Maid die Sinne schwanden,
Wusst nicht, wie ihr gescheh'n.

Zuerst betört und kindisch,
Trieb sie nur Lust und Scherz;
O weh! bald musst' sie fühlen
Des Pfeiles heißen Schmerz.

Der Wangen Rosen welkten,
Und Ruh' und Fried' war hin;
Ihr Blick wurd' trüb und finster,
Und ernst war stets ihr Sinn.

Von ihren Augen fallen
Sah manche Träne man,
Und das hat mit dem Pfeile
Der böse Bub getan.

Noch immer lebt der Knabe,
Zieht in der Welt umher;
So nenn' mir seinen Namen,
Wer ist der Böse, wer?

Vielleicht traf mit dem Pfeile
Er einstens schon dein Herz.
Und dann gesteh' nur! Brachte
Er nicht auch dir schon Schmerz?

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Amor (Eros)

Verweise

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