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Rätselgedichte, Rätselreime

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Rätselgedicht Nr. 14665

von A. W. Neuber

Rätsel

Als Flut hab ich die junge Welt umfangen,
Das erste Menschenpaar als Edens Traum,
Noch schlummert jedes eitele Verlangen,
Die Leidenschaft, der Erde Lust und Bangen,
Versenkt in meines Schoßes weichen Flaum.

Ich schirme Engel, schön, wie Rosen blühen,
Und ohne Schuld, wie sie des Schöpfers Ruf,
Frei von des Lebens tausendfachen Mühen,
Im Paradiese anspruchslos zu blühen,
Als Himmelsblumen wunderhold erschuf.

Den Bettler halt' ich liebewarm umschlossen;
Mehr hat, als auf dem stolzen Herrscherthron
Der Fürst in mir des heitern Glücks genossen,
Die Wonne, die den Säugling einst umflossen,
Ist, ewig, ach! vielleicht mit mir entflohn.

Wer wagt's, sein Schicksal dem vorherzusagen,
Der unbesorgt in meinen Armen liegt;
Den Niedern kann's empor zur Krone tragen,
Den Hohen in den Staub hernieder schlagen,
Dass vor dem Sklaven der Gebieter kriecht.

Ich lass' auf seidnen, golddurchwirkten Decken
Des reichen Mannes geistesarmen Spross
In Marmorsälen sich behaglich strecken,
Auf Halmen, die des Mitleids Zähre wecken,
Bett' ich den Held, der Edens Heil entschloss.

Allein, ich sei aus Seide oder Halmen,
Wer in mir selig träumet, weiß noch nicht
Ob ihn des Unglücks Donner einst zermalmen,
Ob ihn die Gunst des Glücks aus Siegespalmen
Den Kranz des Ruhmes um die Schläfe flicht.

Kaum aber hat mein Schützling mich verlassen,
So packt des Lebens Streit ihn grimmig an,
Wie Wirbelwinde Staubatome fassen,
Ergreift die Glut, zu lieben und zu hassen,
Das schwache Herz mit ihrem Zauberbann.   

Und ist, seitdem der wilde Streit begonnen,
Mit der getauschten Wünsche flücht'gen Spiel
Des Lebens ungestümer Strom verronnen,
Dann hat das Herz den höchsten Preis gewonnen,
Erscheint das Grab, als ich ihm, sanft und kühl.

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Wiege

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