Schön bin ich und lieblich und wünschenswert,
Mit Freude füll' ich die Herzen.
Wer mich noch besitzet, o! der erfährt
So leicht nicht Kummer und Schmerzen.
Nur Rosen streu' ich vor mich hin,
Ich hab' einen heitern, fröhlichen Sinn.
Ich leite zum Großen, Herrlichen an,
Ich bilde treffliche Seelen!
Wer weise stets wandelt die blumige Bahn,
Der Lohn kann ihn nimmermehr fehlen;
Auch schmück' ich mit Anmut und Schönheit aus
Und winde der Liebe Blütenstrauß.
Doch daur' ich nicht ewig, ich rausche dahin
Auf flüchtig eilenden Schwingen;
Wohl dem, dem ich half den schönsten Gewinn,
Ein dauerndes Glück zu
erringen!
Stets werd' ich in der Erinnerung blühn,
Und sie wird mit Freude die Brust durchglühn.
Noch schöner bin ich, gefällt es dir
Zu tauschen das Erste der Zeichen.
O möchten sich alle sehnen nach mir,
O mögten mich alle erreichen.
Wer auf mich nur richtet den reinen Blick,
Ihm blüht schon auf Erden das edelste Glück.
Ich führe zwar oft auf dorniger Bahn,
Auf steilen, beschwerlichen Wegen.
Doch darum leit' ich euch himmelan,
Meinen Spuren folget der Segen.
Da droben steh' ich im hellen Glanz,
Auf gekrönter Scheitel den Sternenkranz.
Denn ich bin ewig, ich weiche nicht,
Wenn alles Irdische schwindet;
Ein schönes, reines, himmlisches Licht
In mir der Sterbliche findet.
O, möchte das Erste sich stets mir weihn,
Wie selig würden die Menschen sein!
Jugend, Tugend
Nicolaus Theodor Boysen (* 2. Februar 1797 in Witzwort; † 2. Februar 1885 in Stettin) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Geistlicher. Während der Schleswig-Holsteinischen Erhebung war er 1848–1851 Abgeordneter der Schleswig-Holsteinischen Landesversammlung.