1 und 2
Unglücklicher! wohin bist du geraten?
Dir leuchtet nimmer hier der Sonne Licht;
Auf Lust und Liebe leistest du Verzicht —
Empfängst du jetzt den Lohn von deinen Taten?
Du lächelst? Ist dein Innres frei von Schuld ?
O dann magst du noch Auferstehung hoffen;
Die Pforte steht vielleicht gar bald dir offen —
Verzage nicht und harre mit Geduld.
Ein düstres Grauen aber fasst den Bösen,
Sieht er sich hier auf einmal so allein:
Nacht in ihm, um ihn — aus der Angst und Pein
Wird ihn zu gröbrer Pein der Morgen lösen.
3 und 4
In allen Künsten steh' ich oben an —
Soll ich dir zeigen rechte Weis' und Bahn,
So schicke dich und wolle dich bequemen,
Mein Joch fürs erste treu auf dich zu nehmen.
Grüßt dich mit meinem Namen einst die Welt,
So magst du, wenn es anders dir gefällt,
Den eignen Weg zum großen Ziele gehen
und die gewohnte Fessel stolz verschmähen.
Das Ganze.
Um Mitternacht ertönt ein fromm Gebet;
Sankt Paulus kniet und Silas neben ihm —
Ihr Glaube steigt als Lobgesang zu Gott,
Der ihrer in den ersten auch gedenkt.
Urplötzlich bebt der Erde tiefster Grund,
Und alle Türen werden aufgetan.
Wild fährt das Ganze aus dem Schlaf' empor,
Und zieht das Schwert, sich selber zu erwürgen.
Doch Paulus spricht: »schau, wir sind alle hie!«
Da fällt das Ganze zu Sankt Pauli Füßen
Und fragt, erschüttert durch des Glaubens Kraft,
»Was soll ich tun, damit ich selig werde?«
Nimmt von den letzten an das Segenswort,
Des Irrwahns erste nun auf immer fliehend.
Kerker + Meister = Kerkermeister
Silas (auch: Silvanus) genannt, war ein Mitarbeiter der Apostel Paulus und Petrus und lebte im 1. Jahrhundert nach Christus.