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Rätselgedichte, Rätselreime

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Rätselgedicht Nr. 14635

von Alex. v. Lengerke

Scharade (2+1 Silben)

Ob dich auch früh die göttliche Kamöne
Vor manchem Erdensohne reich beglückt,
Und auf den Schwingen zarter Liedestöne
Nach höh'ren Sphären deinen Geist entrückt';
Ob auch beim schäumenden Pokal' die Träne
Des Schmerzes im umflorten Aug' erstickt:
Muss ich dich doch für schlecht begabt erkennen,
Fehlt dir, was meine ersten Silben nennen.

[1]Die Dritte liebt der Mann von Stande nimmer,
Den Häuslichkeit und stilles Wirken reizt;
Durch sie ging vieler Edlen Glück in Trümmer.
Oft sucht sie, wer nach Scheinverdiensten geizt.
[2]Auch kennst du sie im siebenfarb'gen Schimmer,
Gedoppelt, Schweifversehen und durchkreuzt
Wenn trauernd auf betaute Au'n und Matten
Hernieder blickt die Königin der Schatten.

Als noch der ersten heiliges Entzücken
In keiner Brust ein zart Geheimnis war:
Da sah man oft nach meinem Ganzen schicken,
Gehorchend seinem Spruche wunderbar.
O könnt' ich's einst in neuem Glanz erblicken,
Geschmückt mit blüh'nder Frau'n und Ritter Schar:
Wie würd' es schnell in seinen Kreis mich tragen,
Um ihm die Zweifel meiner Brust zu klagen!

Lösung anzeigen

Liebe + Hof = Liebeshof

Anmerkungen

1. Ort eines Herrschaftssitzes; 2. Licht reflektierender Bereich des Himmels um den Mond (= Königin der Schatten)

Camoenen sind ursprünglich zwei altitalische Nymphen (Numa, Egaria) mit Sibyllengaben; ihre Weissagungen erteilten sie in gebundener Rede. In späterer Zeit wurde der Name Camönen wegen gleicher Eigenschaft den Musen beigelegt, und zwar so häufig von allen Dichtern alter und neuerer Zeit für jene gebraucht, dass sich die früher eigentümliche Bedeutung ganz verlor und verwischte.

Verweise

Scharaden, Homonyme