Ein nützlich Ding erhielt ich weiland
Von dir, mein lieber Giseke.
Es kam, wenn ich nicht irrete,
Von ferne her, von einem Eiland.
Dir hatt' es eines Ritters Hand
Aus hohen Gnaden zugesandt.
Ich nenn' es nicht und nannt' es eben
[1]Dem Laute nach, wenn man es spricht.
Mein Freund mag sich die Mühe geben,
Die Nuss zu knacken, bis sie bricht.
Doch um ihn nicht zu sehr zu quälen,
Will ich ihn leiten auf die Spur,
Und Einiges von der Natur
und Art des Dinges ihm erzählen.
Es ist von allem das Gemeinste,
Und auch von allem schier das Kleinste.
Amphibisch zeigt es sich am Meer
Und auf dem Lande weit umher,
In Berg und Tal und Felsenklüften.
Bisweilen schwebt es auch in Lüften,
Wenn Äolus ihm Flügel leiht,
Wozu der Wandrer nicht sich freut,
Der's oft mit einem derben Fluch,
Wenn's ihm, wie Blei, die Sohlen drücket,
Zu allen lichten Teufeln schicket;
Und bald nachher — welch Widerspruch! —
Gibt er vielleicht auf andern Wegen
Dem Dinge seinen besten Segen.
Dies tat selbst mancher Herr zu Ross,
Der just nicht fest im Sattel schloss.
Ihm ward es ein Verwahrungsmittel
und obendrein ein Ehrentitel.
Man braucht es oft zum Hausbedarf,
Es macht die stumpfen Messer scharf;
Es putzet die gefegten Zimmer;
Es gibt dem Eisen, Kupfer, Zinn
Und Messing den verlornen Schimmer,
Dass sich die Magd kann spiegeln drin.
Zum Spiel für Mädchen und für Buben
Ist's wahrlich ein gefundner Schatz.
Selbst in gelehrten Arbeitsstuben
Nimmt's auf dem Schreibtisch seinen Platz.
Es dämmt der Tinte schwarzen Fluss,
Dass er das Land nicht überschwemme,
Des Kieles raschen Flug nicht hemme,
Und krönet freudig den Beschluss.
Dem Redner dient's an heil'ger Stätte
Und zeigt ihm warnend Maß und Ziel,
Dass er sie ja nicht übertrete,
Die goldne Regel: nicht zu viel!
Willst du die größte Zahl bestimmen,
Die dein Gedanke ganz ermisst,
Des Haufens, der unzählbar ist,
Der Sterne, die am Himmel glimmen,
Der Gaben, die von oben kamen:
So nennst du dieses Dinges Namen.
Hat sich ein Schalk an dich gemacht
Mit Honiglippen, die nicht taugen,
So nimm dich vor dem Ding' in Acht,
[2]Man sagt: er streut es in die Augen.
[4]Allein, willst du ein Haus dir baun,
So dient es dir zum Bau nicht übel;
Es warnt dich aber selbst die Bibel,
Als Fundament ihm nicht zu traun.
So nützt das Ding zu vielen Dingen,
Nur nicht zum Essen und zum Schlingen,
Wiewohl es Vogel Straus doch frisst,
[3]Und eine weltberühmte Torte
Den Namen führt von diesem Worte,
Worin man's Wesen gern vermisst.
Doch Punktum! Streu — ja hier liegt eben
Der Has' im Pfeffer — nichts zu streun.
Will Giseke so gütig sein,
Dies Säckelchen mir voll zu geben,
So streu ich rusch, rusch drauf und drein,
Und Er, Freund Giseke soll leben!
Sand
Ludwig August Christian Giseke, auch Gisecke (* 21. Juli 1756 in Quedlinburg; † 17. April 1832 in Braunschweig) war ein deutscher Schriftsteller, Dichter und Hofrat. Er schuf den Text des Beresinaliedes.
Aiolos oder Äolus ist in der griechischen Mythologie der von Zeus als Herrscher über die verschiedenen Winde eingesetzte Günstling der Götter. Zu den Haupt-Winden gehören Boreas (Nordwind), Euros (Ostwind), Notos (Südwind) und Zephyros (Westwind).
1. wegen zugeSANDt.
2. Redewendung: Jemanden Sand in die Augen streuen. Versuch, Jemanden zu täuschen oder abzulenken. Die Redewendung stammt von der Vorstellung, dass Sand in den Augen das Sehvermögen beeinträchtigt und die Wahrnehmung trübt.
3. Wiener Sandtorte. Sandmasse ist eine fettreiche Masse (umgangssprachlich »schwerer« Teig) aus Ei, Zucker, wenig Mehl oder Stärkepuder sowie Butter oder Margarine.
4. Das von Jesus von Nazaret erzählte Gleichnis Vom Haus, auf Felsen oder auf Sand gebaut hat als Thema, die Lehren Jesu in die Tat umzusetzen. Es wird in den Evangelien im Neuen Testament der Bibel durch das Evangelium nach Matthäus (Mt 7,24–27 EU) sowie durch das Evangelium nach Lukas (Lk 6,47–49 EU) überliefert.