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Rätselgedichte, Rätselreime

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Rätselgedicht Nr. 14524

von Rudolf Treichler

Homonym

Er steigt durch hohe Felsenklüfte,
Er sinkt tief auf der Erde Grund,
Er liebt die frischen Höhenlüfte,
Doch auch die Tiefen sind ihm kund.

Er lebt als Bild vor trauten Stätten,
Er prangt an manchem Herrscher-Thron,
Er ward gehalten oft in Ketten —
Doch spricht er allen Ketten Hohn.

Er grüßt in vielen Bildgestalten,
Begleitet treu den kühnen Geist,
Der in der neuen Botschaft Walten
Am reinsten uns das Höchste weist.

Vor oder hinter jedem Haus
Liegt er und harret kühl und still,
Dass jemand komm' zu ihm hinaus —
Ein Kind, das bei ihm spielen will?

Im Sommer geht's bei ihm so zu:
Da kommen Mädchen, Kinder, Frau'n
Zu Lust und Arbeit, Red' und Ruh',
Im Winter will ihm niemand trau'n. —

Ganz anders hält's der große »Vetter«:
Bei dem ist Leben Tag und Nacht,
Bei Schnee und Regen, Sturm und Wetter
Wird dort getanzt, gescherzt, gelacht...

Ach — woll'n wir lieber weiter wandern,
Besuchen den »Gevatter«, gut?
Den kleinen, still — bescheidnen, andern,
Der für uns alle schafft mit Mut.

Und nun zum Dorf: da steht inmitten
Der, der uns schon von weitem winkt,
Mit wenigen, schnellen frohen Schritten
Stehn wir vor ihm, der freundlich blinkt.

Und neu gestärkt von seiner Labung,
So wandern still wir heim bei Nacht,
Dank seiner gastlichen Gehabung
Sind wir zu neuem Schaun erwacht:

Wir wenden himmelwärts die Blicke —
Von dorther grüßt ein zarter Kranz,
Ein bleiches Rund leucht't uns zurücke,
Umhegt von seinem fahlen Glanz.

Zuletzt dann bietet seinen Frieden
Im silberweißen Mondenglast
Er dem, dem er zur Ruh beschieden,
Als seinen letzten, müden Gast.

Nun endlich woll'n wir heimwärts reisen,
Vom Schauen müd, vom Wandern matt:
Da wird uns schnelle Heimfahrt weisen
Er, stattlich hoch, hin nach der Stadt!

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(unbekannt)

Anmerkungen

Adler? Vogel, Wappentier, Name von Gaststätten, Sternbild. Allerdings können wir nicht alles deuten. Mit welchem Adler spielen Kinder?

Verweise

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