Logo
Rätselgedichte, Rätselreime

≡ ► ◄ ▲

Rätselgedicht Nr. 14300

von Eduard Prosch

Rätsel

Ein Wesen ist mit mir vereinet,
So eng als wie mein zweites Ich,
Das, wo ich bin, mit mir erscheinet
Und nie erscheinet ohne mich.

Es ward mit mir zugleich geboren,
Verließ mich nie im Lebensdrang,
Und ist für mich erst dann verloren
Wenn meine Sonne untersank.

Es kennet die geheimste Regung
Und regt sich immer mit im Nu,
Ermüdet nicht durch die Bewegung,
Es geht mit mir zugleich zur Ruh'.

Es folget lautlos meinen Schritten,
Hat meinen Gang genau gelernt.
Es trotzet jedem Droh'n und Bitten,
Und hat sich nie von mir entfernt.

So teilt es stets mein Tun und Handeln,
Doch in mein Inn'res dringt es nicht;
Gefühllos ist sein dunkles Wandeln
Und kalt, was nicht zum Herzen spricht.

Es wird erzeuget von der Sonne,
Vom hellen, klaren Mondenschein;
Doch fühlt es nicht des Lichtes Wonne,
Das Licht kann ihm den Tod verleih'n.

Wohl werd' auch ich dereinst erblassen,
Selbst dann fällt es von mir nicht ab;
Doch wird es endlich mich verlassen,
Wenn mich umschließt das dunkle Grab.

Es flieht, auf ewig mir getrennet,
Das stumme Wesen dann sogleich
In jenes Land, das Niemand kennet,
Zurück ins dunkle Geisterreich.

Lösung anzeigen

mein Schatten

Quelle

Sphinx. Räthsel-Gedichte von Eduard Prosch. Verlag Alexander Duncker, Berlin, 1856. Nummer 119.

Verweise

Rätsel