1.
In vielen Farben stell' ich dir mich dar,
Mich bringt der schönste Mond im ganzen Jahr,
Bald, wie die Liebe rot, bald unschuldsweiß,
Der Schönheit, Anmut und der Freude Preis;
In Gold getaucht siehst du mich üppig, prangen,
Wie Purpurblut, wie brennendes Verlangen,
Jungfräulich zart, errötend, wie die Scham,
Willkommen stets, wie oft und reich ich kam..
2.
Horch! es stürmt - aus Aeols Höhle
Sind die Winde losgelassen,
Einer drängt hinweg den andern;
Sorgsam blickt nach mir der Schiffer
Und der Wechsel dünkt ihn furchtbar.
Wie die Winde sich befehden,
Ob der günstige erschienen
Muss ich treulich ihm verkünden.
3.
Könnt' mein Name dir vergüten
Dieser bösen Schmerzen Wüten,
Dieses Brennen, diese Pein:
Doch der Name ist nur Schein.
4.
Ein blut'ger Kampf, ein ungeheures Kriegen!
Wie viele Edle müssen ihm erliegen!
Das Rot wird bleich, das Weiß gefärbt von Blut;
Gekrönte Opfer stillen nicht die Wut
Umsonst ist Männertrotz und Frauenweinen:
Doch Liebe weiß die Streitenden zu einen.
5.
Wie heiß ich dich, du holde Maid,
Damit ich dein gedenke?
Sie lacht und eilt zum vollen Strauch:
»Hier ist die Blumensprache Brauch —
Nimm diese zum Geschenke!«
Rose
1. Blume; 2. Windrose; 3. Gürtelrose; 4. Rosenkrieg; 5. Strauchrose
Aiolos (Aeolus, Äolus, Äol) ist der von Zeus als Herrscher über die verschiedenen Winde eingesetzte Günstling der Götter. Zu den Haupt-Winden gehören Boreas (Nordwind), Euros (Ostwind), Notos (Südwind) und Zephyros (Westwind).