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Rätselgedichte, Rätselreime

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Rätselgedicht Nr. 14266

von Carl Julius Asschenfeldt

Scharade (2+2 Silben)

1. u. 2.

Was die Ersten feierlich verkünden,
Rührt in Lieb und Weh das weiche Herz;
Und der Andacht heiliges Empfinden
Trägt die fromme Seele himmelwärts.

Horch! sie rufen: Frieden sollst du finden,
Trost und Labung für der Erde Schmerz;
Offen steht die hochgewölbte Halle,
Dass dahin die Schar der Pilger walle.

Wie? der Ersten Feierlaut aufs neue?
Ja, es zieht der Landesvater ein
Durch des Volkes dichtgedrängte Reihe,
Und Kanonendonner tönt darein.

Ehrerbietung, Freude, Lieb und Treue
Soll der Ersten Laut Bedeutung sein;
Sie erflehn vom Höchsten Heil und Segen
Auf des allgeliebten Königs Wegen.

Ach, wie anders ist das Schauspiel worden
Dumpfen Schrecken bringt der Ersten Ton.
Vor den wilden, aufgeregten Horden
Ist die Ordnung und die Zucht entflohn.

Wie ein Wetter naht mit Brand und Morden
Der Zerstörung und des Aufruhrs Sohn;
Und es klagen aus des Himmels Höhe
Schauerlich die Ersten: Wehe! Wehe!

3. u. 4.

Ein Mann aus Mohrenland zog langsam heim
Auf seinem Wagen von Jerusalem,
Dahin er kam, den Höchsten anzubeten.
Sein Geist vertieft sich in der Reden Schwung,
Die Jesaias gottbegeistert schrieb.

Und als er schon das Meer von fern gewahrt,
Daran einst Gaza prangt' in seiner Größe,
Begegnet ihm, nach der Apostel Brauch
Still fürbass wandelnd an dem Pilgerstab,
Gesandt vom Engel Gottes, St. Philippus.

Der spricht zu ihm: »verstehst du, was du liesest?«
Und fängt nun an, die Schrift ihm zu erklären
Und predigt ihm das Evangelium
Von dem, der war und ist und kommen soll.

So ziehen sie der Straße weiter nach
Des Kämm'rers Herz erglüht in stillem Sehnen
Und an ein Wasser kommen sie alsbald,
Den Besorbach, der fröhlich abwärts fleust
Zum Meere hin, das Gazas Mauern netzt.

Der Wagen hält – der Kämm'rer kniet zur Erde –
Philippus spricht: »Glaubst du von ganzem Herzen?«
Und als zur Antwort jener sprach: »ich glaube.«
Weiht durch die Letzten er dem Heiland ihn,
Umrauscht vom Wellenspiel des klaren Bachs.

Der Kämm'rer blickt voll Dank zum Himmel auf
Und dann umher nach Sankt Philippo – doch
Den hat der: Geist des Herrn hinweggerückt.

Das Ganze.

Seid geweiht, ihr Ersten Beiden,
Wie zu Schmerzen, so zu Freuden
Durch das Ganze fromm geweiht;
Helft uns beten, danken, loben,
Richtet Geist und Herz nach oben,
Mahnt uns an den Wert der Zeit.

Rufet uns zum Hochzeitsfeste,
Oder als der letzten Gäste,
Oder ach, zum Trauerzug.
Was ertönt aus eurem Munde,
Trübe oder heitre Stunde
Wenn sie nur uns aufwärts trug!

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(unbekannt)

Anmerkungen

1+2 = Glocken?

Jesaja war der erste große Schriftprophet der hebräischen Bibel. Er wirkte zwischen 740 und 701 v. Chr. im damaligen Südreich Juda und verkündete diesem wie auch dem Nordreich Israel und dem anrückenden Großreich Assyrien das Gericht Gottes (JHWH). Er verhieß den Israeliten aber auch eine endzeitliche Wende zum Heil, das heißt zu universalem Frieden und Gerechtigkeit, und kündigte erstmals einen zukünftigen Messias als gerechten Richter und Retter der Armen an.

Philippus (* in Bethsaida, Galiläa; † vermutlich um 81 in Skythien in der heutigen Ukraine) gehört zu den zwölf Aposteln Jesu (Matthäus 10,3).

Der Besor ist ein etwa 111 km langes Wadi im Süden Israels und im Gazastreifen. Der Unterlauf im Gazastreifen heißt Wadi Gaza.

Quelle

Eidora, Taschenbuch auf das Jahr 1826,  Nr. 12. Herausgegeben von Hans Gardthausen. Erschienen in den Verlagen Carl Cnobloch, Leipzig, und Carl Busch, Altona.

Verweise

Scharaden