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Rätselgedichte, Rätselreime

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Rätselgedicht Nr. 12807

von Carl Schall

Scharade (2+1 Silben)

Mir ward ein Mörder präsentiert,
Der, man sah's ihm wohl an, gar manchen Mord vollführt;
Da gab man freundlich mir die zarten ersten beiden,
(Nahm ich sie sans facçon, so war ich unbescheiden,)
Und Du, o holde Blanchefleur,
Verlangtest nun von mir das Ganze;
Zu gütig meintest Du, dass willig, hin und her,
Die dritte Silbe stets nach meiner Pfeife tanze,
Die dritte, die, auf mannigfache Art, –
Bald Mann, bald Weib, – sehr Mannigfaches paart;
Doch ich war dumm und stumm und weihe Deiner Gnade
Das Ganze nun verspätet als Scharade.

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Leber + Reim = Leberreim

Anmerkungen

sans facçon (frz.) = Ungezwungenheit

Blanchefleur (»weiße Blume«) ist der Name einer Reihe von Figuren in der Literatur des Hochmittelalters. Außer in Parsifal, der Gralsgeschichte, ist Blanchefleur typischerweise eine Figur, die ihren Namen widerspiegelt – ein Bild von Reinheit und idealisierter Schönheit.

Leberreime sind eine vermutlich bis in 16. Jahrhundert zurückreichende alte deutsche Form von improvisierten Scherzgedichten. Verwendung fanden die Stegreifgedichte bei Tischgesellschaften, etwa als Trinksprüche. Ihre ungewöhnliche Bezeichnung bekamen die Leberreime nach ihren Anfangsworten.

Ferdinand Joseph Leber, ab 1778 Edler von Leber, (* 31. Dezember 1727 in Wien; † 14. Oktober 1808 ebenda) war ein österreichischer Chirurg und Folterarzt, der zur Abschaffung der Folter in Österreich beitrug.

Verweise

Scharaden