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Rätselgedichte, Rätselreime

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Rätselgedicht Nr. 12592

von Gustav Feuerlein

Scharade (1+1 Silben)

Wer ist der Mann, der, ohne zu ermüden,
Sich täglich in den schärfsten Waffen übt,
Der Menschenblut, sogar im tiefsten Frieden, –
Das Blut der Unschuld! – zu vergießen liebt,
Ja, der, deshalb vor kein Gericht beschieden,
Sich klüglich mit dem Schein der Not umgibt,
Der oft verletzt, ob wohl er auch verbindet,
Sich bei des Nächsten Unfall wohl befindet?

Erweist er sich auch nicht als Leidensmehrer,
O so erweist der Freche tausendmal
Sich als des männlich schönsten Schmucks Verheerer,
Ihm dräut er stündlich mit gezücktem Stahl;
Und wie ein Schöps verstummt vor seinem Scherer,
Verstummt vor ihm aus Furcht (vielleicht aus Qual?)
Ein Cicero, so bald er ihn betastet,
Indes des Dreisten Zungenspiel nicht rastet.

Was Wunder! missen ihn auch alle Damen,
Die er an Suada überbietet, gern:
Ihr Mund, sein Stahl, ja! beides müsst' erlahmen,
Blieb ihnen dieser Halbbarbar nicht fern;
So nennt ihn schon mit seinem Innungsnamen
Die erste Silb' und keinen feinen Herrn,
Und auch die zweite mahnt nicht an das Feinste,
Sie nennt ein Nass, beinahe das gemeinste!

Lösung anzeigen

bar + Bier = Barbier

Anmerkungen

Suada ist der Name der römischen Göttin der sanften Überredung. Mit dem Begriff Suada bezeichnet man heute auch einen Wortschwall, einen großen Redefluss, der dem Ansprechpartner ein Thema angenehm machen soll.

Marcus Tullius Cicero (* 3. Januar 106 v. Chr. in Arpinum; † 7. Dezember 43 v. Chr. bei Formiae) war ein römischer Politiker, Anwalt, Schriftsteller und Philosoph, der berühmteste Redner Roms und Konsul im Jahr 63 v. Chr.

Verweise

Scharaden