Logo
Rätselgedichte, Rätselreime

≡ ► ◄ ▲

Rätselgedicht Nr. 12571

von Karl August Engelhardt

Rätsel

Zwei Wandrer kenn' ich, spitzet nur
die Ohren, horcht mir zu bedächtig!
der Ein' ist mittlerer Statur,
der Andre etwas lang und schmächtig,
der rennt, als ob der Kopf ihm brenne,
wenn jener gravitätisch geht.

Ihr Weg, ja wenn ich den euch nenne,
des Rätsels Deutung vor euch steht.
Wie auch der Eine rennen mag,
Nichts hilft sein Eilen, seine Schnelle,
der Andre kommt doch endlich nach
zu gleicher Zeit an Ort und Stelle.

Gemeine Wandrer sehen fein
bedächtig nach dem Wetterglase,
die nicht, mag's regnen oder schnei'n
sie wandern ruhig ihre Straße.

Gemeine Wandrer pflegen gern
zu letzen sich an Trank und Speise,
Das ist von unsern Wandrern fern,
die tun stets nüchtern ihre Reise.

Gemeine Wandrer sind bedacht
auf ein erquickend Ruhestündchen,
die unsern laufen Tag und Nacht
und ruh'n auch nicht ein halb Sekündchen.

Stumm sind sie Beide, taub und stumm,
und beide doch so deutlich sprechen,
dass man sie ohne Studium
versteht, und ohne Kopf zerbrechen.

Auch sind sie, dass es Gott erbarm!
die Blindesten von allen Blinden,
doch brauchen weder Stock noch Arm
die Wandrer, um den Weg zu finden.

Sie predigen bei Tag und Nacht
viel hohe Weisheit ambulando.
Doch wie, darauf habt weislich Acht,
durch Circulum in demonstrando.

Im Glaubenspunkte, 's tut mir leid,
muss ich sie große Ketzer nennen.
Sie zweifeln an der Ewigkeit,
Daran mögt ihr die Wandrer kennen!

Lösung anzeigen

Uhrweiser

Anmerkungen

Uhrweiser (veraltet) = Uhrzeiger

Verweise

Scharaden