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Rätselgedichte, Rätselreime

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Rätselgedicht Nr. 12511

von Immanuel Gottlieb Moser

Rätsel

Die Hofdame.

In fernen Landen thront ein fürstlich Weib
Mit herrlichem Gefolge, das du kennst;
Doch Eine nur der Dienerinnen ist
Dir ganz bekannt, auch ihr die Fürstin hold.

Wie liebreich weilt auf dieser Dienerin
Der Fürstin helles Auge, der sie viel,
Wie viel verdankt! Drum läuft nach ihrer Frau
Die Dienerin, wenn kaum der Tag begann;
Da trifft ein Strahl sie aus der Fürstin Aug,
Und rosig blüht ihr schönes Angesicht,
Und Freudentränen glänzen hell darin.

Das freut die Fürstin, und es spürt die Huld
Die frohe Magd, und selig lächelt sie,
Und geht ans Werk des Tages, festoniert
So prächtig, destilliert, und kocht und bratet,
Deckt ihren Tisch, besetzt die Teppiche
Mit Wohlgenüssen mannigfaltiglich;
Die Fürstin hilft, doch isst sie nicht davon.

Und ist des Tages Arbeit nun getan,
So nimmt sie Abschied von der hohen Frau,
Errötet wohl, ob sie's auch recht gemacht;
Und trauernd geht sie, noch in Trauer schön.

Da geht ihr Kammerdiener wohl voran,
Ein schöner Mann, mit silberner Livree,
Der seinen Glanz der Fürstin einzig dankt,
Und wacht bei ihr, indes sie schläft und läuft;
Denn wisst, die Dame wandelt in der Nacht.

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Sonne, Mond und Erde

Anmerkungen

Die Fürstin ist die Sonne, die Magd ist die Erde; der Kammerdiener ist der Mond.

Verweise

Worträtsel