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Rätselgedichte, Rätselreime

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Rätselgedicht Nr. 12070

Margarethe Wegener und Anna Schmidt

Logogriph

Ein freier Fürst, der zwischen zwei verfeindeten Gewalten
Sein kleines Reich von Alters her behauptet.
Er kennt der beiden Nachbarn jeden,
Und nur zu wohl versteht er ihre harte Fehde.
Der aber liebt den einen wie den and'ren
Und pfleget lächelnd ihrem Streite zuzuschauen,
Denn leicht'ren Schlages ist er als sie Beide.
Wehmütig bald, bald neckisch lustig,
Bald bedrohlich fast wie Wetterleuchten —
So fliegt es wechselnd über seine Züge, wenn er sieht:
Der Kampf ist ungleich, den die Beiden führen.
Denn grob und massig ist der Eine,
Des Anderen Wesen nur zu geistgeboren;
Und dennoch: niemals kommt der Kampf zu Ende! —
Zuweilen nur, wenn aus des guten Fürsten Antlitz
Ein voller, kraftentsandter Strahl das Treiben überleuchtet,
So wirket er mit magischer Gewalt:
er Zwiespalt schweigt, als wäre er versöhnt;
Und wie ein Hauch von morgenfrischer Kühlung,
So legt sich's herzerquickend auf den heißen Kampfplatz.
Wie dies dem Zauberer gelingt, ist sein Geheimnis.

Das erste Zeichen dieses edlen Souveräns
(Von flüchtig leichtem Stoffe ist es selber)
Verwandle nun in einen seiner Brüder,
'nen lärmend raugearteten Gesellen.
Fürwahr ein ander Bild: entflohen alle Grazien,
Geblieben nur ein sinnverwirrend Durcheinander,
Das Ohr' und Auge gröblich Dir beleidigt.

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(unbekannt)

Verweise

Logogriphe