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Rätselgedichte, Rätselreime

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Rätselgedicht Nr. 11995

von Gustav Hasper

Rätsel

Mich zog ans Licht, so geht die Kunde,
Ein Hirt einst auf der stillen Flur,
Jetzt bin ich mit dem Glück im Bunde,
Doch dank' ich es dem Zufall nur.
Erst durch den Tod erlang' ich Leben
Im bunt geschmückten Farbenreich,
Doch darf ich ihnen mich verweben,
Ist mir an Schönheit keine gleich.
Drum prang' ich in des Glückes Zonen,
Und bin der Erdengötter Tracht,
Stolz glänz' ich selber neben Kronen,
Ein Zeichen angestammter Macht,
Die spät'sten Enkel noch gedenken,
An die vergangne Zeit voll Schmerz,
Bewund'rung ihr und Lob zu schenken,
Schlug unter mir ein edles Herz.
Doch ohne Recht mich zu erlangen,
Das ist der Herrscher stetes Ziel,
Der Tod muss Tausende umfangen,
Als wär' zu sterben nur ein Spiel.
Und wenn den Opfern ihrer Größe
Verarmte Länder Tränen weih'n,
Dann hüllen sie der Schwachheit Blöße
Voll Hohn in meine Falten ein.
Drum, wen ich ehren soll, der trage
Stets mich als Zierde nur mit Recht,
Dass nicht dereinst mit bittrer Klage
Ihn nennt das kommende Geschlecht.

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Purpur

Quelle

Abendzeitung (1822), S. 659

Verweise

Worträtsel, Hasper