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Rätselgedichte, Rätselreime

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Rätselgedicht Nr. 11983

von Gustav Hasper

Homonym

[1]Der Schönheit Rosen auf den Wangen,
Der Unschuld Lilien an der Brust,
So lächl' ich Dir, von Reiz umfangen,
Des ich mir selber nicht bewusst.
Denn ob ich alles auch entzücke
Durch wundersames Zauberspiel,
Geheimnisvoll mit keuschem Blicke
Nur ahnen darf ich dies Gefühl.
Wohl zieht mich's hin mit heißem Streben,
Die Wonne ist so süß, so schön,
Doch teil' ich mein empfindsam Leben,
Muss ich in ihm selbst untergehn.
Der höchste Reiz des höchsten Schönen
Durch mich wird er Dir offenbar,
Der Keuschheit Genien zu frönen
Mahnt mich ein trautes Schwesternpaar.
[2]Dort, wo in reinern Lüften freier
Der Alpenrose Kelch erblüht,
Wo hinter düstrer Wolken Schleier
Dem Blick des Berges Haupt entflieht:
Da birgt sich keusch seit ew'gen Zeiten
Die Schwester selbst dem Sonnenlicht,
Wohl schmilzt das Eis auf andern Weiden,
Auf ihrem Scheitel schmilzt es nicht.
[3]Und schimmern freundlich nun die Sterne,
Und labet alles sanfte Ruh',
Dann lächelt ihr aus weiter Ferne
Die hehre Himmelsschwester zu.
Und süße Himmelslüftchen kräuseln
Ihr nun den Busen lind und sacht,
Und traute Engellippen säuseln:
Willkommen in der stillen Nacht!
So schmückt die Schwestern ew'ge Schöne,
Gern wär' ich ihnen zugesellt,
Doch, ach! der Liebe Zaubertöne,
Sie fesseln mich an diese Welt.

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Jungfrau

Anmerkungen

1. jungfräuliches Mädchen; 2. Berg in der Schweiz; 3. Sternbild

Quelle

Abendzeitung (1820), Heft 64

Verweise

Scharaden, Hasper