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Rätselgedichte, Rätselreime

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Rätselgedicht Nr. 11219

von Anonymus

Anagrammoid

Hat der kalte Nord das Jahr verheeret,
Und den grünen Schattenbaum entlaubt,
Goldne Ährenfelder abgeleeret,
Reben ihres süßen Schmucks beraubt;
Schweigt der Vögel Lied im Hain und fliehen
Storch und Schwalbe, die die Kälte scheun,
In entferntes, wärmres Land, und ziehen
Dafür bei uns Zipp' und Drossel ein;
Blinken die mit Schnee und Eis bedeckten Fluren
Rings umher im Morgensonnenstrahl,
Folgt der wilde Jäger treu den Spuren
Seines Wild's, durch das verschneite Tal:
Ha, dann schleichen langsam wir herüber
Zu dir, Europäer, in dem Trauerkleid,
Und umhüllen dich mit langer, trüber
Nacht, und Cimmerischer Dunkelheit.
Uns benutzet dann der ernste Weise –
Um verborgner Wahrheit sorgsam nachzuspähn.
Freunde – um im muntern Freundschaftskreise
Jede Lebensfreude zu erhöhn;
Sünder – um, beschützt von Finsternissen,
Schändliche Verbrechen ungesehn zu tun:
Müßiggänger – um auf Pflaum und weichen Kissen,
In der Trägheit Schoße länger auszuruhn.
Wiss', o Leser! auf zwölf matten Füßen,
Schleichen wir sechs Monat fast umher,
Doch, wirst du geschickt uns zu erlegen wissen:
Geben wir dir Worte sechzig und noch mehr.
Als:
[1] Den schönen Wohnplatz für die Menschen alle.
[2] Dann ein Wörtchen, das Bedenklichkeit
Eingibt.
[3] Und der Ort, wo vor dem bösen Falle
Ihrer Unschuld sich die Menschen noch gefreut.
[4] Eine kleine Frucht, die meist am Strauch nur pranget.
[5] Für den Hund ein trefflich Leibgericht.
[6] Was der Kaufmann tut, wenn Waren man verlanget.
[7] Wie die Allmacht, wenn sie schaffet, spricht.
[8] Wenn wir gehn nicht, nicht fliegen, schwimmen, fahren.
[9] Ein Gefäß, das man aus Thon gemacht.
[10] Und der Vogel, reich an Lebensjahren.
[11] Was der Weise in der Welt verlacht.
[12] Kunstkanäle, die des Menschen Leib durchkreuzen.
[13] Wenn das Laster schwelgt, ist's oft der Tugend Loos.
[14] Und ein schlanker Baum, um damit einzuheizen.
[15] Was für Freude oft, und oft für Schmerzen floss.
[16] Was, gleich einem Kleid, jedweden Baum umgibet.
[17] Wenn der Handwerksmann an fremde Orte reist.
[18] Wen der Mann oft mehr als seine Seele liebet.
[19] Und worauf man oft mit harten Flegeln schmeißt.
[20] Wie die Straße ist, die g'rad zur Hölle führet.
[21] Eine heilige, geheimnisvolle Zahl.
[22] Und ein Flitterputz, womit das Weib sich zieret.
[23] Ein Gericht, das selten fehlt beim guten Mahl.
[24] Wie die stolzen Mädchen gerne die benennen,
Die mit Schmeicheleien um ihre Liebe flehn.
[25] Wenn nicht im Galopp die raschen Pferde rennen;
Aber auch nicht matt im trägen Schritte gehn.
[26] Was im Leibe den Urin vom Blute scheidet.
[27] Der der Fäden viele über Kreuz verknüpft.
[28] Ein Gefäß, worin man Bäder zubereitet.
[29] Wo das muntre Lämmchen fröhlich tanzt und hüpft.
[30] Wenn das Hasenvölkchen man zusammen jaget.
[31. 32] Worte, wo stets eins dem andern widerspricht,
Deren Erstes, wenn du's hörst, behaget,
Sagt man's Letztre dir, Freund, so gefällt dir's nicht.
[33] Der sich oft auf reicher Alten Abfahrt freuet.
[34] Was dem Fleißigen niemals beschwerlich wird.
[35] Wie des Nachts dir zu die muntre Wache schreiet.
[36] Was im Altertum des Mannes Kinn geziert.
[37] An dem Leib ein Teil, des Schienbeins Kammerade.
[38] Wenn der Gärtner Unkraut mit Gewalt verdrängt.
[39] Und das Mittelstück an jedem Wagenrade.
[40] Was anstatt der Treffer oft der Geiz empfängt.
[41] Eine Flüssigkeit, die uns der größten Fische
Dicker Speck, doch nicht zum essen, gibt.
[42] Und ein wildes Tier, das dichte Eichgebüsche
Nur am Tag, des Nachts der Bauern Felder liebt.
[43] Auch ein Trank, der oft des Menschen Herz erquicket.
[44] Und die Pflanze, die den Labetrunk uns trug.
[45] Dann ein deutscher Mann, der Deutsche oft entzücket,
Wenn sein starkes Lied an Ohr und Herze schlug.
[46] Das, wonach das Schiff im Hafen oft sich sehnet.
[47] Und ein klein Insekt, des Fleißes schönes Bild.
[48] Jene Residenz des, welchen man gekrönet
Kürzlich hat. [49] Die Kinder tun es, wenn man schilt.
[50] Wenn wir uns mit Gott im Stillen unterhalten.
[51] Und ein Wörtchen, das man bei Bedingung spricht.
[52] Was wir oft im warmen oder kalten
Wasser tun. [53] Was macht der Schneider, wenn er sticht?
[54] Womit die Gesetze Straßenraub bestrafen.
[55] Ein Asket, durchs wahre Christentum bekannt.
[56] Was das Schicksal ist von jedem Sklaven,
[57] Wenn der Landmann Lohn für seine Mühe fand.
[58] Wenn sich Schiff an Schiff legt. [59] Hohe Mauren,
Um von ferne schon die Feinde auszuspähn.
[60] Was an Erdendingen wir so oft betrauren,
Und vielleicht der Leser längstens gern gesehn
Hier beim Logogriph; drum soll's am Schlusse stehn.
Rate nun! Es kann dies Büchlein dir versüßen
Vielleicht manchen noch, der traurig sonst entflohn,
Und dies hoffen dürfen, ja, dies wissen,
Ist für uns der schönste angenehmste Lohn

Lösung anzeigen

Winterabende

Anmerkungen

[1] Erde, [2] Aber, [3] Eden, [4] Beere, [5] Bein, [6] bieten, [7] Werde! [8] reiten, [9] irden, [10] Rabe, [11] Tand, [12] Adern, [13] Darben, [14] Tanne, [15] Tränen, [16] Rinde, [17] wandern, [18] Weib, [19] Tenne, [20] breit, [21] drei, [22] Band, [23] Braten, [24] Anbeter, [25] traben, [26] Nieren, [27] Weber, [28] Wanne, [29] Weide, [30] treiben, [31] Ja, [32] Nein, [33] Erde, [34] Arbeit, [35] Wer da? [36] Bart, [37] Wade, [38] jäten, [39] Nabe, [40] Niete, [41] Tran, [42] Eber, [43] Wein, [44] Rebe, [45] Barde, [46] Wind, [47] Biene, [48] Wien, [49] weinen, [50] beten, [51] wenn, [52] baden, [53] näen, [54] Rad, [55] Arndt, [56] dienen, [57] Aerndte, [58] entern, [59] Warte, [60]

Verweise

Anagrammoide, Anonymus