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Rätselgedichte, Rätselreime

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Rätselgedicht Nr. 9523

von Josef Wichner

Rätsel

Wenn die Schwalben heimwärts ziehn,
wenn die Fluren nicht mehr grün,
wenn das Jahr zur Neige geht
Und die Sonn' am tiefsten steht,
Zieh' ich in die Welt hinaus,
Trete ein in jedes Haus.
Ist mein Bruder abgetan,
Fang' ich euch zu dienen an,
Sage, wann nach Müh und Plag
Winkt ein Fest- und Feiertag,
Wann, wer fromm-andächtig ist,
In die Kirche geht als Christ,
Wann die Jungen wie die Alten
Gültig dürfen Hochzeit halten,
Gebe euch auch davon Kunde,
Wann man tanzt in froher Kunde,
Wann, die Sünden abzubüßen,
Mir den Leib kasteien müssen.
Auch kann ich euch lieben Leuten
Alle Himmelszeichen deuten,
Künde selbst, ob falsch — ob wahr.
Kecklich bis auf hundert Jahr
Jeglich Wetter, Schnee und Regen,
Dürre und auch Erntesegen.
So in Freuden wie in Leiden
Bin ich euch das Maß der Seiten,
Bin für euch die Jahresuhr.
Richtig geh' ich ein Jahr nur,
Dann bin ich nicht mehr zu flicken
Und ihr reißt mich meist in Stücken.
Muss da noch der Zugluft wehren,
Muss dort noch die Flamme nähren.
Ach... so ist's seit Alters schon:
Undank ist der Welten Lohn.

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Verweise

Worträtsel, Wichner