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Rätselgedichte, Rätselreime

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Rätselgedicht Nr. 9189

von Heinrich Wilhelm Lehmann

Homonym und Kettenscharade

[1] Seit Erschaffung der ersten Menschen bin ich auf der Welt und doch [2] hat mich der Sündenfall des Urpaares erst auf die Welt gebracht. Adam und Eva besaßen mich in doppelter Gestalt und doch hatten sie keine Kenntnis von mir. [3] Den Griechen war ich in mehrfacher, den Römern in vielfacher Gestalt eigen; doch wussten auch sie nichts von meinen vielen andern Formen. Denn ich bin immer nach und nach entstanden, habe mich immer mehr ausgebreitet und erstrecke mich jetzt über den größten Teil der Erde; [5] doch viele kennen mich noch nicht, wiewohl sie mich besitzen. Der Heide besitzt mich, der Jude, der Mohammedaner und der Christ, [6] und doch nur wenigen von ihnen werde ich zu Teil; [5] ja viele haben noch keine Ahndung von mir und Jahrtausende werden noch vergehen, ehe sie mich kennen lernen und mich besitzen. [4] Alle Menschen kennen mich und haben mich; doch weiß nichts von mir das Kind, der Junggesell, der Wittwer und das weibliche Geschlecht. [5] Ich bin in jedem Hause und fehle doch in Manchem. [7] Man findet mich zuweilen am Himmel in einfacher, [8] in Bächen, Flüssen und Meeren in mehrfacher, und immer auf der Erde in vielfacher Gestalt. [9] Gott allein kann mich schaffen und verleihen, doch werde ich auch von Menschenhänden gemacht und einer gibt mich dem andern. [6] Nur selten werde ich den Menschen zu Teil und die mich empfangen, freuen sich. [2] Die mich haben, klagen gewaltig, und [5] wiewohl ich verschenkt werden kann, [2] können sie mich doch nicht los werden. [1] Ich schmerze oft gewaltig und [5] habe doch kein Gefühl. Großes Heil habe ich in die Welt gebracht; doch [2] will dies Niemand Wort haben, klagt über mich und verwünscht mich. [1] Sonst hatte man mich hinten und [10] trug mich hinten; [1] jetzt hat man mich hinten und [5] trägt mich vorn. Ich ziere und schmücke die Menschen und [10] schände doch das menschliche Geschlecht. [5] Ich bin oft Tausende wert, und für wenige Groschen kannst Du mich erhalten. [11] Ich flöße den Soldaten Muth ein und beflügele ihre Schritte, und [12] hemme doch den Lauf der Menschen auf verbotenen Wegen. [5] Ich bin körperlos und werde doch aus Holz und andern Stoffen verfertigt. [13] Die Frauenzimmer haben mich nur in einigen Ländern und [14] doch findet man mich fast bei allen Frauen, besonders bei den Milchfrauen. [5] Wer mich nicht hat, der [2] hat mich deshalb oft, und bekömmt er mich, wünscht er mich zum Teufel. Wer mich besitzt, eilt zu mir, um bei mir Trost zu suchen. Freischützens Samiel ist ein großer Feind von mir und [15] doch kommen durch mich viele Seelen in seine Klauen; [6] wiewohl ich ihm auch viele entreiße. [16] Weint jemand an meiner Seite, so entferne ich mich von ihm und [5] fülle mit Hoffnung seine Brust. Wiewohl ich so leicht bin, dass ich mit geringer Mühe fortgetragen werden kann, [9] so bin ich doch nicht von der Stelle zu bewegen; [5] dennoch sichert mich dies nicht vor Diebstahl. [17] Kein Dieb tastet mich an, wiewohl ich frei und unbewacht da stehe. Und stahl er mich, [10] ward ich ihm vorzeiten oft zum Lohn. [2] Auch Dir Leser werde ich zu Teil, wenn Du nicht bald errätst, wer ich bin.

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Kreuz

Anmerkungen

1. Rücken; 2. Leid/schwere Bürde; 3. kreuzförmiges Zeichen; 4. Hauskreuz; 5. Kruzifix; 6. Ordenskreuz; 7. Kreuz des Südens; 8. Tiere mit kreuzförmigem Zeichen; 9. Grabkreuz; 10. antikes Hinrichtungsinstrument; 11. Landwehrkreuz; 12. geheimer Wegweiser im Wald (Kreuz auf Schleichwegen); 13. Kreuzbandschuh; 14. Kreuzband (Tragband); 15. Kreuzflüche; 16. ?; 17. Wegkreuz

Verweise

Homonyme, Kettenscharaden, Lehmann, Neue Räthsel