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Rätselgedichte, Rätselreime

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Rätselgedicht Nr. 8387

von Friedrich Cuno

Scharade (2+2 Silben)

Franz war in seinen frühsten Jahren
Ein Bube sonder Zucht und Scheu.
Vor ihm musst' Alles man verwahren,
Sonst nahm er's heimlich, oder frei.

Dabei war schon im Flügelkleide
Sein unempfindlich hartes Herz
Voll teufelischer Schadenfreude
Bei leidender Geschöpfe Schmerz.

Ihr Jammerton macht' ihm Vergnügen.
Oft quälte seine Mörderhand
Ein Tier, das in den letzten Zügen
Sich schon zu seinen Füßen wand.

So wuchs der Bube manche Spanne
Und mit ihm wuchs sein böser Sinn,
Und, schon emporgereift zum Manne,
Der Trieb nach Habsucht und Gewinn.

Umsonst rief Warnung ihm und Lehre
Das erste Silbenpaar oft zu.
Ihm, taub für Pflichtgefühl und Ehre,
Ließ seine Bosheit keine Ruh.

Da naht' ihm einst in schwarzer Stunde
Des Höllenfürsten finstrer Geist,
Der, mit der Leidenschaft im Bunde,
Den Menschen zum Verderben reißt.

»Was zagst Du?« sprach er. »Sei das letzte,
Wenn Dir das erste lähmt den Mut!
Dann fällt, was Dir sich widersetzte,
Und Dein allein ist Hab' und Gut!«

Und Franz, – o schaudert, reine Seelen! –
Franz wurde, was das letzte sagt.
Kaum kann, (so fängt's ihn an zu quälen,)
Er warten, bis der Morgen tagt.

»Unglücklicher, wirf vor dem Gange
Nur einen Blick noch himmelwärts!«
Er nimmt den Stahl, verzieht nicht lange
Und stößt dem ersten ihn ins Herz.

Da schüttelt Nemesis – (ihr grauet
Vor dieser Tat, –) das Schlangenhaar,
Und ob kein Auge sie geschauet,
Ist sie der Welt bald offenbar.

Nun fasst ein namenloses Beben
Das Ganze; dem der Richter ruft, –
Und schauerliche Seufzer schweben
Allnächtlich um des ersten Gruft.

Lösung anzeigen

Vater + Mörder = Vatermörder

Verweise

Scharaden, Cuno