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Rätselgedichte, Rätselreime

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Rätselgedicht Nr. 8313

von Carola Koch

Rätsel

Mein Wörtlein ist für vornehm und gering
Ein wohlvertraut und unentbehrlich Ding.
Aus Zinn und Holz mag es den Armen laben,
Der Reiche will es dutzendweis' aus Silber haben.

Kein Müßiggänger ist es, aber hat es gut:
Die Arbeitszeit ist länger nicht als wie ein andrer ruht.
Dann taucht es ein in einen flachen Sund
Und hebt die Last zu einem offnen Schlund;
Hat es dies zwanzig, dreißig mal gemacht,
So ist fein Tagewerk vollbracht.

Einst war ein winzig Mägdelein
Im tiefen Wald verschleppt allein;
Das hielt es in der kleinen Hand
Und hat mit diesem Gegenstand
Fünf Wölflein wacker abgewehrt
Und blieb so heil und unversehrt.

Ein Tier dagegen, das im Krautfeld weilt.
Dem hat Natur es doppelt zugeteilt.
Gleichwohl, wenn's einen Teckel auch nur wittert.
Es vor ihm bis ins Mark erzittert,
Und schon sieht man's von dannen flitzen
Nur Sonntags, auf der grünen Heiden,
Da bleibt es vor dem Jäger sitzen,
Sieht ihn vertraulich an und wackelt mit den beiden.

Lösung anzeigen

Löffel

Anmerkungen

1. Teil des Essbestecks; 2. Ohr des Hasen

Die dritte Strophe könnte sich auf folgendes Märchen beziehen:

Von einem Kinde, das unter die Wölfe geraten ist

Auf dem Riesengebirge lebte einmal eine Frau, die hatte ein dreijähriges Kind und eine Kuhherde. Die Herde aber gehörte nicht der Frau, sondern sie hütete sie nur.

Einmal saß sie mit ihrem Kinde auf einem grünen Platze nahe an dem Walde und aß mit ihrem Kinde das Mittagsbrot, während die Kühe im Grase weideten. In dem Walde gab es aber noch Wölfe, und als die Kühe in den Wald gingen, wo es kühl war und auch Gras wuchs, da dachte die Frau, der Wolf könne kommen und eine Kuh angreifen. Sie stellte die Schüssel mit dem Brei vor das Kind, gab ihm seinen hölzernen Löffel und sagte: »Da Kind, nimm und iss; nimm aber den Löffel nicht zu voll!«

Sie stand auf, ging in den Wald und wollte die Kühe heraustreiben. Wie nun das Kind so allein war und Brei aß, sprang eine große Wölfin aus dem Wald heraus, fasste das Kind mit den Zähnen an der Jacke und trug es in den Wald.

Als die Mutter zurückkam, war kein Kind mehr da, die Schüssel war umgeworfen, aber der Löffel lag nicht dabei, den hatte das Kind in der Hand behalten. Wie das die Mutter sah, dachte sie gleich, das hat kein anderer getan, als der Wolf, und lief in das Dorf und schrie entsetzlich, dass die Leute herauskämen.

Unterdessen kam ein Bote durch den Wald gegangen, der hatte sich verirrt und wusste nicht recht, wo er war. Da hörte er eine Kinderstimme laut sagen: »Geh', oder ich geb' dir was!« und wie er das Gebüsch auseinander biegt und sehen will, was denn da sein kann, sitzt ein Kind auf der Erde und vier kleine Wölfe fahren immer auf das Kind zu und schnappen nach seinen Händen, – aber die alte Wölfin war nicht dabei, denn sie war wieder in den Wald gelaufen; sie hatte das Kind ihren Jungen gebracht, wie eine Katze ihren Jungen eine Maus bringt, die mit dem Tierchen spielen, bis sie es endlich erwürgen. Wenn nun ein Wölflein nach den Händen des Kindes schnappte, schlug das Kind es mit dem Löffel auf die Nase und sagte: »Geh', oder ich geb' dir was!«

Der Bote erschrak, lief aber sogleich hin, jagte die jungen Wölfe auseinander, nahm das Kind auf die Arme und lief damit so schnell er laufen konnte, denn er fürchtete, die alte Wölfin könnte wieder kommen. Bald hörte er die Bauern aus dem Dorfe; diese kamen mit Heugabeln, Dreschflegeln, Äxten u. s. w.. und wollten die Wölfe tot schlagen. Die Mutter des Kindes war auch bei ihnen, und als sie ihr Kind wieder lebendig und unverletzt sah, so war sie sehr erfreut und dankte dem guten Mann tausendmal, und noch mehr dem lieben Gott, dass er ihr Kind nicht hatte fressen lassen. Die Bauern suchten mit dem Boten das Lager der jungen Wölfe; aber diese waren mit der Wölfin fortgelaufen in das Dickicht des Waldes.

Quelle: Kinder-Conversations-Lexikon. Eine Gabe für die lernbegierige Jugend. 5. umgearb. und verm. Aufl. [von Wilhelm Weiss, 1874]

Verweise

Homonyme, Koch