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Rätselgedichte, Rätselreime

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Rätselgedicht Nr. 8255

von Carola Koch

Er/Sie/Es-Rätsel

Wenn die zwei sich nicht mögen leiden,
Das kann ja jeder wohl verstehn,
So gegensätzlich im Charakter wie die beiden,
Hat man nicht leicht ein Paar gesehn.

Er, blond und mit Geknall stets obenaus,
Sucht immer lust'ge Kumpanei;
Da wird gelebt in Saus und Braus,
Und jeder Luftikus ist gern dabei.

Sie, immer schwarz, 'ne richt'ge Hängeweide,
Läuft ewig nach dem Bethaus hin
Und kniet und schlägt die frommen Äuglein nieder
Und denkt an nichts als ihren Heilsgewinn

Indessen er, voll Geist und Feuer,
Reißt mit der Sprudellaune alles fort:
Die wird nach ihm genannt und ist nicht ganz geheuer,
Vollführt' die tollsten Dinge, wagt manch' wunderliches Wort!

Das Widerwärtigste an ihr
Ist unbesiegliche Rechthaberei;
Denkt einer nicht aufs Haar wie sie, so red't er irr:
»Hinaus mit ihm zum Tempel!« tönt ihr wilder Schrei.

Ihm ist es selten nur gegeben,
Zu senden seinen Perlenatem froh ins Licht;
Er liegt meist lang im Dunkeln bei den Spinneweben.
Auch macht er sich nicht viel aus Tageslicht.

Kronleuchter sind mit tausend Kerzen einzuschalten,
Gesellschaftlich Gewoge her und hin;
Da kann er seine Frohnatur entfalten,
Auch Damen legen gern die zarte Hand um ihn.

Sie tat nichts andres noch als aus ihn schimpfen,
Nennt ihn Verführer, Hirn- und Seelentrüber;
Er, viel zu vornehm, sie zu verunglimpfen,
Geht immer kühl, als wär' sie Luft, an ihr vorüber.

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der Sekt, die Sekte

Verweise

Homonyme, Koch