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Rätselgedichte, Rätselreime

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Rätselgedicht Nr. 3357

von Johann Gottlieb Münch

Scharade (1+1 Silben)

Als Teutsche noch in Teutschland hausten,
Die Winde noch durch Haine brausten,
Wo jetzt verschnörkelte Giebel ragen
Und Jäger, statt Stiere, Hasen jagen,
Da hieß, wie das erste Silbchen klingt,
Ein Vogel, der weder pfeift noch singt;
Gewaltig von Leib, voll Kraft und Mut;
Doch grausam dabei und dürstend nach Blut,
Der hoch die Zinnen der Felsen bewacht,
Und stolz der verkleinerten Tiefen lacht.
Doch jetzt hat das Silbchen keinen Sinn,
Läuft nur so in der Verbindung hin.

Das zweite, das dir schon der Reim verriet,
Gehört ins unsichtbare Gebiet;
Doch äußert es sich durch Wort und Tat,
Und schafft im Drang der Gefahren Rat.
Es ziert und beseelt vorzüglich den Mann,
Wiewohl man's am Weib' auch finden kann.
Es ist sein Stab, sein Anker und Schild,
Wenn rings der Sturm des Schicksals brüllt.
Vom Krieger wird es als Pflicht gefordert,
Wenn schrecklich des Kampfes Flamme lodert.

Das Ganze ist die schwerste Last,
Die Tausende drücket sonder Rast;
Verschuldet bald, bald unverschuldet
Wird sie nur unter Tränen erduldet.
Das Zweite jedoch mit Fleiß gepaart
Macht ringer das Joch und minder hart.

Lösung anzeigen

Ar + Mut = Armut

Anmerkungen

Aar = poetisch für Adler.

Teutsche und Teutschland wurde früher tatsächlich so geschrieben, allerdings nicht mehr zum Entstehungszeitpunkt dieses Rätsels. Die Schreibung deutet an, dass es sich um längst vergangene Zeiten handelt.

Verweise

Scharaden, Münch