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Neue Beiträge zur Kenntnis des Volksrätsels

von Robert Petsch

PALAESTRA.

Untersuchungen und Texte aus der deutschen und englischen Philologie.

Herausgegeben von Alois Brandt und Erich Schmidt.

IV. Neue Beiträge zur Kenntnis des Volksrätsels, von R. Petsch.

BERLIN.
MAYER Z. MÜLLER.
1899.

Anmerkungen des Herausgebers

Rechtschreibung: Das Original dieses Buches ist 1869 erschienen und folgt der damals gültigen Rechtschreibung ("daß", "Litteratur", "Räthsel", usw.). Wir haben die Rechtschreibung den heutigen Gepflogenheiten angepasst – mit einigen Ausnahmen: Zum einen die Titel zitierter Werke und zum anderen Zitate, die schon damals nicht der Rechtschreibung entsprochen haben und vom Autor absichtlich in Original belassen wurden.

Formatierung: Im Original  g e s p e r r t  gesetzte Wörter haben wir kursiv gesetzt.

Fußnoten: stehen im Original am Ende der jeweiligen Seite; wir haben sie ans Ende des Dokuments gestellt und verlinkt. Beispiel: 1)

Anmerkungen: von uns stehen direkt im Text [in eckigen Klammern] oder als Fußnoten mit einer "]" als Fußnotenzeichen. Beispiel: 1]

Rätselgedichte: Franz Karl zitiert etwa hundert Rätselgedichte. Diese haben wir in den regulären Rätselkanon aufgenommen und verlinkt, um duplicate content zu vermeiden. Dies stört den Lesefluss leider etwas, aber wir sehen derzeit keine andere Möglichkeit. Jedenfalls kommt man mit dem Link "Karl" auf der Rätselseite exakt zu der verlinkenden Stelle zurück.

Verlinkungen: Wir haben auch viele Links eingefügt; teils auf unsere eigenen Seiten, teils auf Lexika und Enzyklopädien. Externe Links sind mit einem Pfeil gekennzeichnet.

Worterklärungen: Im Original stehen Worterklärungen in Runden Klammern, z.B. «Fülle (Scheune)«, heute sind eckige Klammern üblich: Fülle [Scheune]. Eckige Klammern gab es damals noch nicht außerhalb der Mathematik.

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Inhalt

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Widmung

Herrn Professor
Oskar Brenner
in dankbarer Verehrung gewidmet.

Vorbemerkung

Die nachfolgenden Blätter wollen nichts weiter geben. als eine anspruchslose stilistische Beschreibung des Volksrätsels. Die historische wie die metrische Seite musste unberücksichtigt bleiben, weil das Material dazu fehlt. Für eine Stilbetrachtung reicht das bisher Gesammelte eher aus und ich habe mich bemüht, es nach besten Kräften auszunutzen, aber nur den kleinsten Teil des durchsuchten hier abdrucken lassen. Es bedarf keiner Flut von Beweisen, wo ein einzelnes markantes Beispiel genügt.

Die Königliche Bibliothek zu Berlin, in der ich im vorigen Winter beschäftigt war, hat mir nicht nur ihre eigenen Schätze dargeboten, sondern auch von auswärtigen Instituten manches entlegene Werk vermittelt. Dem Herrn Direktor Gerhard und Herrn Oberbibliothekar Boysen in Berlin, sowie Herrn Oberbibliothekar Kerler in Würzburg bleibe ich für weitgehende Hilfe verpflichtet. Nach Abschluss der Materialsammlung hat Herr Prof. Brandl meinen mündlichen Bericht im Seminar mit wertvollen Hinweisen und Ratschlägen begleitet. Herr Prof. Brenner ist mir mit seinen Sammlungen und seiner genauen Kenntnis oberdeutscher Mundarten hilfreich beigesprungen. Endlich hat sich Herr Prof. Erich Schmidt, dem ich seit dem Anfang meiner germanistischen Studien soviel verdanke, jeder Zeit dieser Arbeit freundlichst angenommen. Meine stete, innige Dankbarkeit bleibt allen Förderern gewiss.

Würzburg, November 1898.

Dr. Robert Petsch.

Einleitung

An einer Stelle seines schönen Buches »Vom Geiste der hebräischen Poesie« mustert Herder auch eine Anzahl altjüdischer Rätsel und schließt dann:

Genug der Rätsel. Man siehet wohin ihr Blick gehet? Ähnlichkeiten der Dinge aufzufassen, und sie unter einen moralischen oder künstlerischen Gesichtspunkt zu vereinen. Alle Völker auf den ersten Stufen der Bildung sind Liebhaber von Rätseln; die Kinder sind es auch, und aus demselben Grunde. Ihr Witz und Scharfsinn, ihre Bemerkungs- und Dichtungsgabe äußert sich damit über einzelne Gegenstände auf die leichteste Weise; und der Preis, den der Erfinder sowohl als der Errater eines guten Rätsels in seinem Kreise davon trägt, ist ihnen gleichsam Kampfpreis, die unschädlichste Siegeskrone. Ich wünschte, dass wir von mehreren sinnlichen Völkern, statt Beschreibungen über den Geist derselben, Proben ihres kindlichen Witzes, ihres sich übenden Scharfsinns in Sprichwörtern, Scherzen und Rätseln hätten, wir hätten damit die eigensten Gänge ihres Geistes. Denn jeder alte Völkerstamm, den ich kenne, hat in Auffindung solcher Ähnlichkeiten bei seinen Lieblingsideen ganz seine eigne Weise. Wir haben sie aber bei wenigen, weil gerade diese Dinge zum Heiligtum jeder einzelnen Sprache gehören, und oft so schwer zu verstehen, als unübersetzbar sind.

Wenn Herder hier, kurz gesagt, volkstümliche Sammlungen verlangt, und insbesondere von Rätseln, Sprichwörtern u. dgl., so hat die Erfüllung dieses Wunsches nicht allzu lange auf sich warten lassen. Ist doch er selbst recht eigentlich der Begründer der Volkskunde in Deutschland geworden und hat doch er gerade auf diesem wie so vielen anderen Gebieten anregend auf das jüngere Geschlecht gewirkt. Von ihm erweckt, sammelt der junge Goethe im Elsass schöne alte Volkslieder an der rechten Quelle, »aus denen Kehlen der ältesten Mütterchens«, Herder und Goethe wirken auf die jugendfrische Heidelberger Romantik, deren »Wunderhorn«, vielleicht gerade durch seine philologische Unzulänglichkeit, uns der Anlass gewesen zu sein scheint, dass ein anderer derselben Schule, auch ein ganzer Mann, wie Achim von Arnim, auch ein fein empfindender Dichter, wie Clemens Brentano, dazu aber ein gründlich durchgebildeter Philologe, voller Energie und Gewissenhaftigkeit im Leben, wie im Forschen, dass Ludwig Uhland uns in seiner Volksliedersammlung ein unübertroffenes Muster der philologischen Quellenausnutzung und in der beigefügten Abhandlung die beste Darstellung dieses Gegenstandes gab. Und neben ihm standen, auch im Boden der Romantik . wurzelnd, die Brüder Grimm, hier in eifrigem Erforschen der älteren Literatur nach Sagen und Mythen begriffen, dort dem kindlich treuen Erzählertone einer »Märchenfrau« lauschend, hier das aufgezeichnete Stück alten Volksgutes mit schonender, sicherer Hand aufbessernd, und aus eigenem Geiste heraus das Fünkchen Volkspoesie, das in der neuen Zeit schon zu verglimmen schien, wieder anfachend, künstlerisch abrundend nach Form und Inhalt; dort in regem, noch nicht für die Forschung ausgeschöpftem Briefwechsel mit Jugendgenossen und Freunden, nimmer müde, immer regsam, für alles dankbar, in hingebender Liebe auch zum Kleinsten, und in sicherer Beherrschung auch des Schwersten, mitten in tiefer Gedankenarbeit auch die kleine philologische Handarbeit des Abschreibens nicht scheuend, die rechten Väter der Volkskunde. Und hinter ihnen schreitet, mächtig angefeuert durch ihren Ruf, eine wackere Gefolgschaft und rafft hie und da zusammen, was von altem bodenständigem Volksgute noch anzutreffen ist.

Freilich, meist sind es Sagen und Märchen oder größere Volkslieder, die sie in die Scheuern einsammeln. weit minder die volkstümliche Kleinpoesie. Gerade das, worauf Herder an jener Stelle hingewiesen hatte, stellt im Hintergrunde, und so auch das unscheinbare Volksrätsel. So war es denn eine befreiende Tat, dass Wilhelm Wackernagel im Jahre 1843, im dritten Bande der Hauptschen »Zeitschrift für deutsches Altertum« auf die deutsche Rätselliteratur hinwies, aus einer kurzen, aber feinen Charakteristik heraus den Literaturgeschichten jener Zeit – heute ist es freilich nicht viel besser – ihre Vernachlässigung dieses Zweiges als ein Unrecht nachwies und dem Worte die Tat folgen ließ, in Form einer Auswahl von sechzig Nummern aus einem alten Augsburger Drucke, der sich übrigens inhaltlich mit dem weiter unten zu besprechenden »Straßburger Rätselbuch« deckt. Nun war der Weg geebnet, aber mehr als ein Jahrzehnt sollte es dauern, bis sich einer fand, der darauf fortwandeln mochte. Karl Müllenhoff war es, der in den Lebensäußerungen der germanischen Stämme das gleichartige, das gemeinsame Element zu entdecken suchte; so hat denn eine Gleichung, die er aufstellt, schon ihren kulturgeschichtlichen Wert, und sein kurzer, knapper Aufsatz in Wolfs und Mannhardts »Zeitschrift für deutsche Mythologie« III 1 ff. förderte für ihn und den, der mit seinen Augen zu lesen verstand, bedeutsame Resultate zu Tage. Es ergab sich, dass ein und dasselbe Rätsel, in Deutschland von alter Zeit her bekannt und heimisch, sich im Munde schottischer Kinder vernehmen lässt und aus der Hervararsage des Nordens zu uns herüberklingt. Die Grenzen des engen Vaterlandes überschritt noch weiter ein fernblickender Wanderer im Reiche der Volkspoesie, Reinhold Köhler, durch Wiedergabe und Erläuterung alter Rätsel aus einer Weimarischen Handschrift.

Der vergleichenden Betrachtung des Volksrätsels war nun Tür und Tor geöffnet. Die Sammlung ist in vielen Teilen unseres Vaterlandes, ja in allen Gebieten der zivilisierten Welt, sogar bei den »Naturvölkern« auf Madagaskar und anderswo mit Lust und Eifer betrieben worden; ja, eine Geschichte des Rätsels1) haben wir erhalten, freilich mehr Unterhaltungsbuch als wissenschaftliche Arbeit, Kunstgebilde und Volkstümliches durcheinander, unhistorisch und unphilologisch. Die einfache, schlichte, wissenschaftliche Forschung, die Beschreibung des Volksrätsels nach seinen Abarten, nach seinen Darstellungselementen, nach seiner äußeren und inneren Form blieb zurück. Meines Wissens ist die von Richard Heinzel so meisterlich gehandhabte deskriptive Methode bis heute von niemand auf das Rätsel angewandt worden. Und der Grund ist klar. Es fehlte eben bisher an einer sicheren Grundlage für eine derartige Arbeit: an einer guten, brauchbaren Rätselsammlung großen Stils; nicht nur bei uns, sondern bei allen Nationen.

1) J. B. Friedreich, Geschichte des Räthsels. Dresden 1861.

Diese Grundlage ist jetzt vorhanden. Und wir dürfen stolz darauf sein, dass auf deutschem Boden die erste wissenschaftlich begründete und durchgeführte Sammlung von Volksrätseln entstanden ist: das treffliche Werk von Richard Wossidlo, Volkstümliches aus Mecklenburg, 1. Band. Es bietet ein fast unübersehbares Material, sorgt aber durch eine klare und verständige Anordnung, durch Hinweise und Erklärungen reichlich für das Verständnis; auch sind alle nur auffindbaren deutschen und sehr viele auswärtige Parallelen teils im Anhange angezogen, teils nach dem beigefügten Literaturverzeichnis zu ermitteln. Auf solchem Boden lässt sich wohl ein Gebäude errichten, und zu diesem wollen wir hier einige Bausteine beitragen.

Es wäre aber ungerecht, wollten wir hier nicht dankbar auch ein ungefähr gleichzeitiges Werk nennen, das uns den Rätselschatz eines anderen Volkes erschloss, die sizilianische Sammlung von Giuseppe Pitre: Indovinelli, dubbi, sciogliliugua del popolo siciliano, im 20. Bande seiner Biblioteca delle tradizioni popolari siciliane. In der Einleitung ist das italienische Rätsel nach historischen, philologischen, ästhetischen Gesichts- punkten behandelt; Anmerkungen weisen die Verbreitung der einzelnen Rätselnummern innerhalb Italiens nach.2)

2) Die spanische Sammlung von Demofllo (d. i. Machado y Alvarez), Sevilla 1880, habe ich leider in keiner deutschen Bibliothek auffinden können.

Eine große süddeutsche Rätselsammlung fehlt leider noch, nur hie und da ist manches in die Scheuern ein- gebracht. Recht nützlich sind die tirolischen Volksrätsel in Renks Sammlung (V. 5, 147 ff.).

Schon früh hat man in den Sammlungen zwei Gruppen von Rätseln unterschieden, die wirklichen gereimten Rätsel und die kurzen, in Prosa abgefassten »Scherzfragen«. Der Unterschied ist aber nicht bloß ein formeller, sondern ein wesentlicher. Jene »wirklichen« Rätsel haben den Zweck, in einer verhüllenden, das Nachdenken anreizenden, vielleicht auch verwirrenden poetischen Einkleidung einen Gegenstand zu umschreiben, der aus dieser Darlegung seines Aussehens, seiner Herkunft, seiner Tätigkeit u. s. w. durch den Verstand erkannt, d. h. erraten werden kann und soll. Diese dagegen wollen gar nicht erraten werden, sondern der Fragesteller hat meist die Absicht, selbst die Lösung zu nennen; sie haben den Hörer zum Besten, suchen ihn zu necken, sind also, eben weil die Auflösung dem Nichteingeweihten unmöglich ist, keine »wirklichen«, sondern »unwirkliche« Rätsel. Indem ich mir den Vorschlag erlaube, den gesamten Rätselschatz einer jeden Nation in diese beiden großen Hauptgruppen zu teilen, möchte ich den Kreis der letzteren noch etwas erweitern und Dinge einbeziehen, die in den meisten Sammlungen vertreten sind, obwohl sie mit dem eigentlichen Rätsel wenig zu tun haben: jene Fragen, die überhaupt unlösbar sind, und solche Weisheitsproben, die sich nicht an den Verstand, sondern an das Wissen richten, und natürlich auch keine »wirklichen Rätsel« sind. Es werden also in der als »unwirklich« bezeichneten Gruppe verschiedenartige Dinge zusammengefasst, deren Charakteristik ich unten versuchen will. Vorläufig musste ich die Begriffe feststellen, um sie bei einer Besprechung der Quellen unserer Kenntnis des deutschen Volksrätsels zu benutzen. Ich denke hier nur an literarische Quellen, denn alle Sammlungen aus dem deutschen Volksmunde hat Wossidlo a. a. 0., S. 261- 268 zusammengestellt, und seiner Liste könnte ich nichts Erhebliches hinzufügen.

Durch das ganze Mittelalter hindurch zieht sich eine Kette von Sammlungen lateinischer Rätsel in gebundener Form, die dann Reusner in seiner Aenigmatographia 1599 zusammenfasste, ohne doch die Produktion abzuschließen. Sehr viele darunter berühren sich mit unseren Volksrätseln, und es ist die Frage, in welchem Verhältnis literarisches und Volksgut zu einander stehen. Wenn ein Rätsel bei altgriechischen Schriftstellern, in neulateinischen Sammlungen und im heutigen Volksmunde auftritt, so ist kein Zweifel, dass es eben literarischen Ursprunges ist. Dahin gehören vor allem die »gelehrten« Rätsel, die doch eine gewisse Summe von Kenntnissen voraussetzen, wenn diese sich auch nur auf die Bibel beschränken. Ich denke nur an das Rätsel von Jonas3). Andererseits ist es mir völlig unzweifelhaft, dass manches Rätsel im Volke umlief, das sich die gelehrten Verfasser jener lateinischen Sammlungen aneigneten. Wie nun freilich diese echten alten Rätsel im Volk entstanden oder ins Volk gekommen seien, ob sie etwa den Weg unserer Volksmärchen mitgemacht haben, ist noch heut eine offene Frage, über die sich selbst G. Paris (im Vorwort zu Rolland, p. IX) kein abschließendes Urteil erlaubt. Natürlich brauchten aber auch jene literarischen Stücke ein Mittelglied, um ins Volk eindringen zu können, und dies Mittel bilden die im Ausgange des Mittelalters erscheinenden Volksbücher, die »Räterbüchlein« oder wie sie sonst heißen mögen. In Spanien, Italien, Frankreich, England und nicht zum wenigsten in Deutschland tauchen jene löschpapierenen, heut so seltenen Drucke auf. Vielleicht ist auch hier Frankreich für uns von der größten Bedeutung gewesen und die steifleinene Prosa unserer ältesten Rätselbücher, wie sie namentlich in der königlichen Bibliothek zu Berlin zu finden sind, lässt wohl auf eine Übersetzung schließen. Aber eine direkte Vorlage wird sich kaum auffinden lassen, denn auch die Reihe der Rätselbücher in einer bestimmten Sprache zeigt klaffende Lücken und erst eine Zusammenfassung des gesamten, erreichbaren Materials, vor allem eine Ausbeutung der Schätze des Britischen Museums, könnte hier vielleicht Resultate fördern; eine Aufgabe, die ich mir für spätere Zeit vorbehalten muss und die auch zu unserem Thema nur in loser Beziehung steht.

3) Seine Verbreitung hat Gaidoz in der Melusine B, 64 f. nachgewiesen, doch ließe sich noch manches nachtragen.

Was nun unsere deutschen Rätselbücher betrifft, deren Bibliographie Hugo Hayn im 7. Bande des Centralblattes für Bibliothekswesen, S. 517 ff. gegeben hat, so möchte ich die ganze Masse der anonym überlieferten Sammlungen, soweit sie überhaupt für uns in Frage kommen, in zwei große Gruppen teilen, deren jede auf eine heute nicht mehr aufzufindende Urform zurückzugehen scheint.

I. Das "Straßburger Rätselbuch"

Ich wähle diesen Namen nur der Bequemlichkeit wegen, denn es steht durchaus nicht fest, dass der erste verschollene Druck des Büchleins wirklich in Strassburg erschienen ist, wenn auch die mannigfache Übereinstimmung4) mit alten französischen Sammlungen, ferner das spätere häufige Neuerscheinen des Büchleins in der dortigen Druckerei von Job. Prüss diese Vermutung nahelegen. Einen dieser Drucke hat im Jahre 1876 A. F. Butsch einem Neudruck zu Grunde gelegt, der bei K. J. Trübner erschien und auch gewöhnlich als „Straßburger Rätselbuch" zitiert wird. Besser erkennt man unser Büchlein an dem all seinen verschiedenen Drucken eigenen, nur hie und da leise mundartlich umgemodelten Motto:

Wolchem an kürtzweill thet zer-
rinden. Mag woll diss buchlein durchgrynden.
Er flndt darin vill kluger 1er. Von Rettelsch
gedicht vnd vill nüwer mer.

Einige, besonders Straßburger Drucke, zeigen am Ende noch ein Verslein:

Niemant sol mirs für übel han,
ob etlich räters hie / in stan.
die ich nit wol hab besehen.
Es ist in gutem als / geschehen.

Der Verfasser hatte freilich allen Grund, seine Leser um Nachsicht zu bitten. Denn sein Buch ist ein Sammelsurium aller möglichen Dinge. Zwar folgen nach einer Anzahl gereimter Rätsel einige zusammengefasste Gruppen mit den Überschriften:

„Von Gott"; „Von den Heiligen"; „Vom Gebet"; „Vom Wasser"; „Vom Dreck"; „Von Vögeln"; „Von Fischen"; „Von Hunden"; „Von Handwerken"; „Vom Himmel"; „Vom Erdreich von den Ländern"; „Von den Menschen"; „Von den Buchstaben und der Schrift".

Doch man sieht schon an diesen Überschriften, wie wirr alles durcheinander geht, und die einzelnen Abteilungen liefern ein krauses Gemisch von Rätseln, Scherzfragen, schlechten Witzen und Rohheiten. Allein die Abteilung „Von Hunden" nimmt fast ein Drittel des ganzen Buches ein. Dafür aber finden sich darin auch etwa folgende Nummern:

„Wölchs die vier verleckten katzen sein." — „Der Fischer katzen, der Metzler katzen, wirts katzen vnd der kloster katzen",

was weder ein Rätsel ist, noch unter jene Überschrift gehört; oder

„Von wan get ydes ding vnd wo hin geet es? 4 — „Aus der jugent in der jugent in das alter",

was zwar ein bekanntes Rätsel ist1), aber auch nicht hergehört und zudem noch mit einem Schreibfehler der Handschrift abgedruckt zu sein scheint. Bisweilen scheint man den Zweck verfolgt zu haben, den Zuhörern biblische Sprüche oder dogmatische Lehrsätze einzuprägen, wie man denn auch später gern biblische oder christliche Rätselbücher für Kinder zusammenstellte. Man nehme z. B. Nr. 283:

Wer in eim menschen zehen tausend erschlagen hab. — David als der Goliam ertödt sagten die Israelitischen. Sampson hat tausent erschlagen, aber David zehen tausent.

(Bis auf die grobe Verwechselung Sauls mit Sampson nach 1. Sam. 18,7.)

Oder Nr. 30:

„Wölchs das gröst wunderwerck gottes sey." — „Das er so vill menschen geschaffen hot vnd doch keins dem andern gleich ist etc."

Dies „etc." ist für unseren Verfasser ebenso bezeichnend, wie für den ungeschickten Verfasser der Fausthistorie. Es ist ein liederlicher Stil, der oft nur Bruchstücke mitteilt. Dabei wird auch manchem Witze die Spitze umgebogen, z. B. in Nr. 27:

Was vnser hergot thet oder vbt do er zu iemsalem einreydt? — Er ging nit sonder er reidt vff dem esel.

Es muss natürlich in der Frage heißen: „einging". Einmal werden aus Versehen zwei Sprichwörter abgedruckt, und von dem naiven Compilator durch den Zusatz „Rot" als Rätsel bezeichnet, auf die aber natürlich keine Lösung folgen kann; Nr. 20 und 21:

20. Rot. ein Nagel helt ein eysen. Ein eysen ein Pferdt, ein man ein schloss. Ein schloss ein landt.

21. Rot. ein zäun wert vngeferlich drei jähr. Drey zeün ein hundt, drey Hunde ein pferdt. Drei Pferdt ein menschen, drey menschen ein schnegans, drey schnegenss ein hirtzen."

(Vgl. M. S. D. zu m. 49,5 u. Liederbuch v. Hätzleim, S. LXIX, m. 14).

Auch ein Stückchen maccaronischer Poesie wird uns gelegentlich als Rätsel aufgetischt, etwa in Nr. 110:

Ein frag, welchs dy best an den fischen zu essen sey. — Salmeus in federis, rupis, liLchtilisqz in leberis Carpeus in zünglis iss alius jm mitel drommis stockfisch in blasiis krepsius in 8chwantzi8 barba meiilein lecker biss.

Der die Verse sprachlich und metrisch in solche Unordnung gebracht hat, wird kaum des Lateinischen mächtig gewesen sein. Eigentümlich mutet uns mitten unter deutschen Volksrätseln die Nr. 52 an:

Nr. 52. Rotent: Was hot das vor ein macht / das da schneller in der nacht / laufft wan des tags weistus so sags. — Antwort der uff. Die fliessenden wasser als arestotiles sagt etc.

Beobachtung der Nachbarn äußert sich in Dorf- und Landschaftspötteleien, die wohl auch in die Form des Rätsels gegossen werden:

Nr. 259. In wölchem landt man nit ess oder trinck. — In dem elsass do zeret man, morgen zeren, zu ymss zeren, vesper zeren, abendt zeren.

Nr. 260. In wölchem landt kein pferdt sey. — In schwoben da sein ross.1)

Und auch die in Deutschland so beliebte ständische Satire kommt zu ihrem Rechte, indem der Schneider, Barbier und Müller so gut mitgenommen werden, wie die putzsüchtigen und schwatzhaften Frauen. Das sind nun schon echte Volksrätsel, die zum größten Teil heute noch lebendig sind. Sie sind nun noch viel stärker herangezogen in der zweiten Gruppe von Rätselbüchern, über die ich nicht mehr viel zu sagen habe, weil ihr Inhalt weite Strecken hindurch, wenn auch nicht dem Wortlaut nach, mit jener ersten Klasse übereinstimmt. Schon die frühesten uns erreichbaren Drucke führen den Titel:

II. "Neu-vermehrtes Rath-Büchlein",

Mit allerhand Welt- und Geistlichen Fragen, samt deren Beantwortungen.

Das Motto, das in seinen beiden letzten Zeilen an das der ersten Gruppe erinnert, aber doch dem verschiedenen Inhalt gerecht wird, lautet:

*) Heute fragt man in der Grafschaft Ruppin:

Welches Land hat die schlechtesten Pferde?

Osterreich, denn es besitzt Mähren. —

allerdings mit einem ganz anderen homonymischen Witze. V. III, S. 79, Str. 120.

Das Rockenbüchlein heiss sonst ich, Wer langweilig ist, der kauff mich, Er findt in mir viel kluger Lehr, Mit vexir, rathen und anders mehr.1)

Es hat wohl dem älteren „Räterbüchlein" viel zu verdanken, aber der Verfasser ist mit dem Stoffe frei umgegangen, seine Rätsel lesen sich meist etwas besser, und er fügt aus dem Volksmunde viele Nummern, besonders Scherzfragen hinzu. Ausserdem aber enthält das Büchlein manche, der damaligen Zeit wohl sehr willkommene Beigaben, Modephrasen für den Gebrauch im Salon, Küchenlatein u. dgl. Auch fehlen ironische Spitzen nicht, wie z. B. die boshaften Ausdeutungen von Sprichwörtern:

Recht währet lang, denn man braucht es selten.

Ein Neudruck des Büchleins existiert bis jetzt noch nicht. Der Herausgeber hätte hier eine schwierigere Aufgabe, als bei jenem älteren Büchlein, weil der Text der jüngeren Sammlung fast in jeder Neuauflage Erweiterungen und Veränderungen erfuhr, während das „Strassburger Buch" im ganzen konservativ behandelt wurde. Beide Bücher werden lange nebeneinander hergegangen sein, aber das ältere blieb, wie es von Anfang gewesen, es wurde wohl gekauft, aber kaum so beliebt wie das jüngere, das sich darum auch den Ansprüchen des jeweiligen Publikums besser anzupassen suchte.

') Dies Motto beruft sich auf ein früher erschienenes „Rockenbüchlein". Von dieser Litteratur, die wohl zur Unterhaltung in den Spinnstuben dienen sollte, ist meines Wissens nichts erhalten. Es enthielten die Heftelien wohl Rätsel, Spinnlieder, Kunststücke u. dergl. Ein kluger Buchhändler mag wohl bemerkt haben, dass die Rätsel sich der grössten Beliebtheit erfreuten und stellte das „Rathbüchleinu zusammen, wollte aber doch die Beliebtheit auch des Rockenbüchleins benutzen und wählte daher das obige Motto, in Anlehnung an ältere Formen. Wie sehr seine Spekulation glückte, zeigen die vielen Drucke, wie sie Hagen a. a. O. aufzählt, und ferner der Umstand, dass die Kockenbüchlein späterer Zeit (Vgl. meine Beschreibung in den „Mitteil. u. Umfragen zur bayerischen Volkskunde*4, IV, 1.) genau dasselbe Motto als Aushängeschild benutzten.

Die vielen gereimten, meist in Alexandrinern abgefassten Rätselsammlungen des 17. und 18. Jahrhunderts1) haben für die Volkskunde nur eine sehr geringe Bedeutung. Schon die Rätsel des oben besprochenen jüngeren Rockenbüchleins enthalten höchstens einen volkstümlichen Kern, die Einkleidung ist künstlich, schwülstig, unnatürlich. So lassen sich diese Sammlungen vielleicht für die Geschichte der einzelnen Nummern als Zeugnisse für ihr Fortleben in einer bestimmten Zeit, allenfalls auch in einer bestimmten Gegend, verwerten. Für unsere Zwecke aber, die Beschreibung des heut lebenden Volksrätsels, haben sie fast keinen Wert.

Viel besser ist handschriftliches Material zu benutzen, das schon sehr früh beginnt. Aus einer alten Weimarer Handschrift hat Reinhold Köhler (Weim. Jahrb. 5,329 ff.) 42 zum Teil sehr bemerkenswerte alte Stücke veröffentlicht. In viele gedruckte Bücher auch aus späteren Jahrhunderten sind Einträge von Rätseln gemacht; so enthält ein Exemplar des Werkes „Philosophiae colus" von Prätorius, das früher dem Romanisten Diez gehörte und sich jetzt in der Königl. Bibliothek zu Berlin befindet, wichtige Rätsel, die von einer Hand des 18. Jahrhunderts auf die Deckel geschrieben sind. Mannhardt hat sie in seiner „Zeitschrift für deutsche Mythologie", 4,405 zum Abdruck gebracht. Eine systematische Durchsuchung der älteren Bestände unserer Bibliotheken würde wohl noch manches derartige zu Tage fördern.

Endlich sind auch Rätsel in andere Volksbücher übergegangen, wie in den „lustigen Kirmesbruder", aus dem Anfange des 18. Jahrhunderts. Inwieweit sich unsere Dichter des wirklichen, volkstümlichen Rätsels bedient haben, wäre noch zu untersuchen. Für Joh. P. Hebel denke ich an anderer Stelle einiges beizubringen.

Indem ich jetzt zur eigentlichen Beschreibung unseres heimischen Rätselbestandes übergehe, mustre ich zunächst

von Ludwig, von Therander (d. h. Sommer) u. a. Man findet sie bei Wossidlo, S. 260, vollständiger bei Hayn a. a. O. aufgeführt.

%

die „unwirklichen Volksrätsel" und suche sie in ihren Hauptgattungen darzustellen, wobei ich die Beispiele für Norddeutschland besonders der Sammlung von Wossidlo (W), für Süddeutschland der Zusammenstellung von Renk (R) entnehme, gelegentlich aber auch andere Sammlungen heranziehe.

Die „unwirklichen Yolksrätsel".

Wir können hier zunächst drei Unterabteilungen scheiden, die wir der Kürze wegen als „Weisheitsproben", „Halslösungsrätsel" und „Scherzfragen" bezeichnen wollen.

I. Weisheitsproben.

Wie schon der Name sagt, wenden sich diese Fragen nicht an den überlegenden, combinierenden Verstand, sondern an das erlernte Wissen. Sie tauchen schon früh auf, sind aus den Rätselkämpfen der Hebräer bekannt und treiben lange Jahrhunderte hindurch frische Blüten, nicht zum mindesten im Germanischen. Denn die beiden Lieder der sogen. Sämundaredda, die man gewöhnlich als „Rätsellieder" bezeichnet, das Vafprüjwismöl und Alvissmöl, enthalten keine Volksrätsel, sondern Fragen, die sich auf Götter und Erde, auf tiefe Weisheit beziehen, und der glückliche Sieger, der Gott, der einmal seine Tochter, ein andermal sein Leben rettet, ist nicht der Scharfsinnigere, sondern der Gelehrtere, nicht durch Witz, sondern durch Kenntnisse hat er gesiegt.

Gerade weil diese Fragen eine gewisse Bildung vorn setzen, sind sie immer da besonders beliebt geweser diese (und vor allem geheime Kenntnisse) das Privi' gewisser bevorzugter Klassen war. Sobald das Sj Volke verfällt, muss es seinen StofFkreis bedeutend ein (daher seine verhältnismässig geringe Ausbild ur jenigen Bildungselemente, die dem Volke eben sind. So prüft es seine Bibelkenntnis und i Rechenaufgaben und Verwandtschaftsrätseln sein" \ . gäbe. Es kann hier nicht an gelegentlichem Iliiiiin . in das Gebiet des „wirklichen" Rätsels fehlen, wie übcrliaiij scharfe Grenzlinien auf diesem Gebiete nur schwer zu ziehen sind. Eine Frage, wie die nach dem Turm, der nie fertig wird, d. h. dem babylonischen Turm, kehrt in Rätselliedern und auch einzeln (W. 816) mannigfach wieder, denn jeder kennt von der Schule her diese Geschichte. Dagegen ist die anstössige Erzählung von Lots Verhältnis zu seinen Töchtern in Deutschland auffällig selten. Im Schulunterricht, wo unsere Bauernkinder die biblische Geschichte kennen lernen, werden derartige Abschnitte mit Fug und Recht fortgelassen. Nach der Schulzeit aber kümmert sich der Bauer wenig um das alte Testament. In England dagegen hört er allsonntäglich einen Abschnitt daraus in der Kirche verlesen. Der Engländer ist überhaupt bibelfester als der Deutsche, und so bildet er denn solche Rätsel mit Vorliebe weiter aus, wie z. B. das von Lots Enkeln:

Two brothers dear,

Two sister's sons are we,

our father's our grandfather,

and whose sons are we? (Greg., nr. 2.)

Vor allem aber gehören eben hierher schwierige Rechenaufgaben, die durch die Form der Einkleidung den Hörer zu verwirren und die schnelle Lösung zu verhindern suchen. Sie finden sich in Nord- und Süddeutschland, sind aber in England ebenso beliebt.

Z. B.: W. 899, aus Mecklenburg:

l)e voss de kickt in'n hohnerstall: ji sünd woll hunnert an de tall.

de hahn de secht: noch mal so väl, un drüddel so väl, un denn noch ick un du dorto,

denn siind't ihrst hunnert an de tall. (Es sind 42.)

Oder R. 215, aus Tirol:

Ein Mann fragte ein Mädel, das Gänse hütete, wie gross ihre Herde sei. Sie antwortete: zweimal so viel und halb so viel und viertel so viel, und wfenn der Herr eine Gans wär, dann wärens grad hundert. Wie viel hab ich? (Es sind 86.)

Oder aus Schottland (Ch. nr. 23):

A hapenny here and a hapmny there,

Fourpence-hapenny and a hapmny mair;

a happenny ivat, and a hapenny dry,

Fourpence hapmny and a hapenny forby:

how much is that? (A Shilling)

Man vergleiche auch das friesische (Dykstra, Uit Frieslands volksleven, 1, 257 ff., nr. 10):

ien m oardeheal (1 -+- IV2)

twa en trije en treddeheal (2 + 3-f-2l/2)

hofolle is dat? (10.)

Das letztere Rätsel ist uneingekleidet. Die Kinkleidung des englischen ist höchst charakteristisch.

II. „Halslösungsrätsel".

Das Buch der Richter (Cap. 14) erzählt von Simson, der gen Thimnath zog, um ein Weib zu freien, und unterwegs einen Löwen zerriss. Nach etlichen Tagen findet er einen Bienenschwarm im Aase des Löwen und giebt nun den Hochzeitsgästen sein berühmtes Rätsel auf: „Speise ging von dem Fresser, und Süssigkeit von dem Starken." Niemand kann es raten, bis Simsons eigene Frau die Lösung ihm abschmeichelt, und da die Gäste in echt orientalischer Weise sprechen: „Was ist süsser denn Honig? Was ist stärker denn der Löwe?" erwidert der Betrogene: „Wenn ihr nicht hättet mit meinem Kalbe gepflügt, ihr hättet mein Rätsel nicht getroffen."

Diese letzten Worte sind für uns wichtig; sie sind das Eingeständnis, dass die Lösung des Rätsels unter normalen Umständen unmöglich war. Es ist wohl das älteste Beispiel jener Lösungen, die eben nur einem, dem Fragesteller, klar sind, während die dunkle Ausdrucksweise jedem andern die Frage in das Gebiet des Unsinns zu verweisen scheint. Es handelt sich meist, wie bei Simson, um ein persönliches Erlebnis, aber nicht um ein alltägliches, sondern um ein so seltsames und ganz aussergewöhnliches, dass kein anderer aus den Vorkommnissen seines Lebens eines gleichen Falls sich erinnern und aus dessen Analogie die Lösung finden kann. Darum wirkt aber auch diese, wenn sie hernach bekannt wird, nicht in der frischen, erheiternden Weise, wie bei einem echten Volksrätsel. Der Hörer muss noch einmal die einzelnen Teile des meist dunkelen, oft auch unangenehmen Vorganges mit denen des noch dunkleren, komplizierteren und (gerade in Norddeutschland) oft zu epigrammatischer Kürze zusammengedrängten Rätsels vergleichen, allmählich erst gehen ihm die verschiedenen Beziehungen auf und diese Denkthätigkeit beeinträchtigt die Wirkung. Und da er sieht, dass eine derartige Frage zu beantworten ihm niemals möglich gewesen wäre, so erklärt er solche Rätsel am liebsten für Unsinn und wehrt sich dagegen. Dem beugt nun aber das Rätsel selbst dadurch vor, dass es eine interessante, etwas grausige, also mit dem Tone des Rätsels übereinstimmende Einkleidung annimmt, deren Charakteristisches nun darin besteht, dass der Sprecher und der Hörer des Rätsels selbst darin vorkommen, aber gewissermassen verkleidet. Dadurch wälzt der Sprecher die Verantwortung des schweren Rätsels auf den darin auftretenden schlauen Verbrecher ab, der, zum Tode geführt, den Richtern noch eine Nuss zu knacken giebt. Da das Volk in solchen Fällen immer auf Seiten des Delinquenten steht1), so ist der Hörer ganz damit einverstanden,

dass die Aufgabe gar nicht schwer genug sein kann, er wird sich vielleicht gar nicht dessen bewusst, dass er dem Rätsel gerade so unwissend gegenübersteht, wie die Richter; jedenfalls würde dies Gefühl durch die Freude über ihre Überlistung unterdrückt. So erkläre ich psychologisch das doch — besonders in Norddeutschland — ziemlich häufige Vorkommen dieser seltsamen Rätsel, deren Hauptmasse der verstorbene, um die ostpreußische Volkskunde hochverdiente Frieschbier in der Zeitschrift „Am Urquell", 4, 9 ff. zusammengebracht hat. Er nannte sie „Verbrecherrätsel", wir bezeichnen sie heute meist als „Halslösungsrätsel". Auch Wossidlo hat, S. 191—222, vieles beigebracht. Es ist sehr merkwürdig (an der Hand seiner Anmerkungen), zu sehen, wie selten •diese Rätsel im Oberdeutschen sind, gegenüber ihrer massenhaften Verbreitung im Norden. Sicherlich hat der Niederdeutsche mehr Vorliebe für derartige Dinge, indessen würde eine systematische Ausbeutung des Südens wohl noch mancher} Beitrag liefern. Auch diese Nummern haben ihre Entwicklungsgeschichte. So haben wir bei Chambers (nr. 12) ein grausiges Rätsel:

1 sat wi' my love, and I drank wi1 my love, and -my love she gave me light; TU give any man a pint o1 wine, that 'II read my riddle right.

Die Lösung ist: I sat in a chair made of my mistress's bones, drank out of her skull, and was lighted by a candle made of the sub-stance of her body.

In dieser grausigen Fassung ist nun das Rätsel bei uns gerade nicht bekannt. Immerhin ist noch ähnlich das von Simrock (leider, wie immer, ohne Quellen- und Ortsangaben) mitgeteilte Stück:

op leov* seet ik, op leev* eet ik, un leer* liich mi un likers gm mi!

ao apriekt'n fron, do ehr mann dod blevn is. op sin sark.

Dann aber hat das Rätsel in einer stark abgeschwächten Form eine geradezu einzig dastehende Verbreitung gewonnen. Es ist das „Uo-Rätsel":

Auf Ho geh ich, Auf Ilo steh ich,

Auf Ilo bin ich hübsch und fein, Kat't meine Herren, was soll das sein.

Hier handelt es sich nicht mehr um die tote Geliebte oder den Gemahl, sondern um einen Hund, aus dessen Fell sich der — oder die — Fragende hat Schuhe machen lassen. Da dies nun nicht ganz ungewöhnlich ist, so kann es schon eher eiraten werden und geht gewissermassen in die „wirklichen" Rätsel über, ist auch ohne jede Einkleidung überall 'anzutreffen.

Für Oberdeutschland führe ich ein Rätsel an, zunächst in der niederdeutschen Gestalt, die es bei W. 967, 7 hat:

Hengahn un wedderkamen, de läwigen ut den dodigen nahmen, de süss de güngen den soewten quiet. nu raadt mine herren, hiit is't tiet.

(Ein Mann ist zum Tode verurteilt. Seine Frau will ihn durch ein Rätsel befreien, kann aber keins ersinnen. Kurz vor Ablauf der ihrem Manne gewährten Gnadenfrist geht sie in ihrer Angst aufs Feld, findet hier einen verrotteten Pferdekopf, in dem ein Vogelpaar fünf Junge ausgebrütet hat. Sie nimmt di^ Jungen und das Weibchen mit, während das Männchen davonfliegt.)

Es will mir scheinen, als sei dies Rätsel eine Vermischung von zwei anderen:

1. Henging und wedderkamm.

Lebendigen ut'n doden namm

(W. 967,1): Een hett'n Stock Immen ut'n dodigen Pierkopp nahmen.

(Der letzte Ausläufer des Simsonrätsels.)

2. Eine ältere Fassung des Rätsels vom Pferdekopf. Dieses ist nun wohl in einer oberdeutschen Variante, aus Fendels in Tirol (Renk a. a. 0. Nr. 94) besser erhalten:

Es schlafen sechs in einem Tod,

Der siebente jagt den achten fort!

Ihr Herren ratet, was das sei? (Kin Vogelnest mit 6 Jungen in einem Totenkopf, dem die Alten abwechselnd zufliegen.)

Die ähnliche Situation, das im toten Körper neu entwickelte Leben1), führte wohl in Mecklenburg zur Verwechselung.

Zu diesen Rätseln, deren Lösung eben nur dem Fragesteller selbst möglich ist, gehören natürlich auchjene weitverbreiteten Rätselmärchen, in denen ein dämonisches Wesen die Nennung seines Namens verlangt, den es dann selbst verrät (Rumpelstilzchen).

Lose nur hängt mit den bisher besprochenen eine andere Art von Rätseln zusammen, die man mit etwas unbestimmtem Namen als „Rätselmärchen" bezeichnet. Auch sie bedürfen der Einkleidung, einer Erzählung, eines Gespräches, in dem aber ein wichtiges Wort durch einen anderen, meist bildlichen Ausdruck ersetzt wird. Insofern dieser sich meist an die Gestalt, die Stimme u. s. w. des bezeichneten Gegenstandes anlehnt, berührt sich diese Gruppe mit den „wirklichen" Rätseln. Insofern sie oft nur als Einkleidung eines Witzes dienen, den sie vorbereiten und für den sie Interesse erwecken wollen, gehen sie teilweise ins Gebiet der „Scherzfragen" über. So schweben sie zwischen den verschiedenen Klassen hin und her. Sie sind eigentlich eine Gruppe sui generis. Ihre äussere Form, die Erzählung, bestimmt mich, sie hier anzuschliessen.

Die einfachste Form dürfte die folgende sein:

(W. öl9): Se hebben 'n büstendräger doot maakt. (Einen Bürstenträger, d. h. ein Schwein, geschlachtet.)

Der Gegensatz zwischen Tod und Leben ist dem Volksrätsel überhaupt sehr geläufig; man denke nur an das Rätsel von der Eiche (schon bei Butsch, nr. 12) und an das von Feuer und Asche (schon bei Butsch, nr. 18).

(W. 920): Se liebben *n wulldrager *n hals afsnäden. (Einen Wollträger, d. h. ein Schaf, geschlachtet.)

Oder es wird erzählt (W. 1000,3):

En Köster salTn Hamel stählen mit'n Paster sien Pierd. Während de Prädigt kiimmt he rin na de Kirch un de Paster breckt de Prädigt af un singt von't Altoor:

„Hast du gekricht Johann Be?"

„Nein, ich hab gekricht Bonsa (Schläge) auf mei Rongsa (Rücken), und hab verloren den Benjam. Wisst em hebben, mööst em wedder lö-ö-ö-sen."

Man sieht, die beiden ersten Beispiele berücksichtigen mehr die äussere Gestalt, im letzteren sollen „Johann Be" und „Bonsa"!) klangmalend wirken. Anders wirkt noch ein derbes Rätsel, das sich wie diese ganze Gruppe nur in Norddeutschland3) zu finden scheint (W. 993), und das in seiner mildesten Form lautet:'

En Herr kümmt eens na'n Gasthuus un bestellt bi den Kellner: „Eine Portion Vorwärts, eine Portion Rückwärts, und eine Portion von hinten." De Kellner hett nich wiisst, wat dat sien süll, oewer de Mamsell hett dat utfiinnig kragen, de hett em Fisch un Kräwt un Eier kaakt.

Satirischen Charakter trägt ein anderes Stück (W. 997), das nur in Mecklenburg vorzukommen scheint: König Friedrich, der überhaupt im niederdeutschen Volksleben eine grosse Rolle spielt4), fragt einen alten Bauern, den er noch beim Ackern findet, ob er denn keine Söhne habe.

„Ja, ick heff dree stück, oewer de hebben all wat lihrt." — „Wat siind se denn?" — „De een is'n Leeger (Lüger), de tweet 'n Bedreeger (Betrüger) un de drüdd 'n Mörder."

Dat sali he em utdüden. „Je, de öllst is Preester, de tweet Koopmann, un de drüdd Soldat." — „Na, denn will ick den Mörder loshelpen, dat de vor Em ackeriert."5)

Sehr gern verbindet man derartig Itlltwl tfwwn Ketten. Dafür will ich zum Srhlusso nooh y,\vol IMiploln anführen, eines, um das Altor solohor Solimo narluuwHtton, und eines als neues Zeichen Rh* den ZuaummonlmtiH Nohl deutschlands mit England.

Im „Strassburger Rätselbucho11 hoinnt on (M IIuMi, Nr. 181):

Es was einer bescheiden zu Unnitiieit w/ili diu Imwii'Ii /ii • -111 würden geen. vnd die vnriehigen hüi mii«ii. w/in dl»« iiih«o»«m init imii werden / vn die leiit vergessen jr grbunlen / Vliil *»u mik Ii d»i" lycht das schwer hebt. / vnd das iodt d/, liduMidlf/ wij/M'IH ')

Antwort: Die bawren ho man dj<« diwh /iiti/imMMii li^l iIIm vnrüwigen sein die dur zu gHlion, 1 im«*« "«in dj< diHnl* gesehirr vergessen der iwUfViUtu. da« ,yin nll du.« lyM sein die federn im bedl. da* whwcr di<* /iH'ii.-'In n d/w v/t I)'/" das todt i>t die eM-heii. da^ l<'b<'fj<Jjjf M d«.- U-vtt i H*-

Mannigfach in XiederdeuUclilari'l v<?rl/M'it>4 fwilM'l< ol h findet es »ich im Voijrtlandej Kt vw ."/Wm-ii

Umschreibungen, durch <J3e Kuwht "'Iimh hivl^/f h Bauern- bei dem fjkhu bejr« vrSAni N*wm wt-rU-H

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III. Die Scherzfragen.

Wenige Gattungen der Volksliteratur erfreuen sich einer so weiten Verbreitung, einer solchen Langlebigkeit, eines solchen, immer neuen Reizes auf die schon oft damit geneckten Zuhörer, als diese kleinen unscheinbaren Spässe, die wir unter dem Namen „Scherzfragen" zusammenfassen. Die Nummer 202 des „Strassburger Rätselbuches":

Wülchs das getreüst thier sey. — Ein laüss, die lösst sich mit eim hencken bleibt bey jm biss in todt. —

ist heut noch in Mecklenburg (und nicht dort allein) wohl bekannt (W. 601), vielleicht auch übers Meer gewandert; wenigstens scheint mir Shakespeare einmal darauf anzuspielen, wenn er im Anfange der „Merry wives of Windsor", wo das bekannte Wortspiel zwischen luce (Hecht) und louse (Laus) gemacht wird, den Sir Hugh Ewans sagen lässt: „it is a familiär heust 1o man, and signifies-loveu.

Immerhin bieten sich gewisse Grenzen für die Verbreitung dar. In katholischen Gegenden hat fast jeder Heilige ein Spezialrätsel, kein Gegenstand in der Kirche, am wenigsten der Pfarrer selbst, ist vor dem Witze des Volkes sicher, der Inhalt der Evangelien, die Liturgie, die Gebete müssen Stoff zum Spass hergeben, alles Heilige wird profaniert, wie wir noch weiter unten sehen werden. In protestantischen Gegenden ist man schüchterner. Die höchste Person, die man anzugreifen wagt, ist der Küster, die Geistlichen werden höchstens in einem „wirklichen", also uralten, Rätsel vom „Männchen, das im Holz steht und immer spricht, ohne dass jemand ihm antwortet", oder in dem doch auch zahmen Spässchen von der Fliege, die ihnen „upp de Näs sitt", mitgenommen. Die Heiligenrätsel sind meist geschwunden, die Anspielungen auf katholische Gebräuche mussten, soweit sie

Oberhaupt erhalten blieben, notwendig verrohen. Das lehrt ein Vergleich der Nummer 36 bei Renk:

Ein Mann und ein Weib kanns thun.

Zwei Männer könnens thun,

Zwei Weiber könnens nicht. (Einander beichten.) mit der Entstellung bei Wossidlo, Nr. 877.

Der Engländer und Schotte sind noch zurückhaltender im Profanieren der Religion, wie sich denn überhaupt ihre Volksrätsel durch eine grössere Sittenreinheit auszeichnen.

Kehren wir von diesem kleinen Streifzage zu unseren Scherzfragen zurück, so müssen wir als ihren Hauptzweck die Verführung des Hörers bezeichnen, die Ablenkung seiner Gedanken auf ein Gebiet, das mit der richtigen Lösnng sehr wenig zu thun hat. Darin eben beruht sein Unterschied vom „wirklichen" Ratsei, das doch immer gewisse Handhaben znr Auffindung bietet, wenn es auch wohl daneben oder hinterher den Hörer wieder unsicher zu machen, ihn zu verwirren strebt War bei der vorhin behandelten Klasse nur eine sehr weit abliegende, daher so gut wie keine Lösung möglich, so bieten sich hier unendlich viele, die alle passen könnten, d. h. wieder so gut wie keine. Recht bezeichnend ist mir eine Anekdote, die Hebel zu seinem hübschen „Rätselhandel" verwertet hat und die er dem „Vademekum" von Mylius entnahm. Man findet sie in der trefflichen Ausgabe der Hebeischen Werke von Otto Behaghel (Spemanns National-litteratnr, Bd. 142 S. 170. Dort wird von einem schlauen Amsterdamer erzählt, der ein Rätsel aufgiebt, dass er selbst nicht lösen kann. Die kleine Erzälüung geht wohl auf eine volkstümliche Quelle zurück, sie charakterisiert eine grosse Anzahl dieser Scherzfragen. Bei vielen beruht sogar der Witz gerade auf der Unlösbarkeit, nie etwa die in Norddeutschland umlaufende Frage: „Kennst Da die Anekdote von Friedrich dem Grossen and dem Eisenbahnschaffher?" — „Nein." — „Ich auch nicht, denn damals gab es noch gar keine Eisenbahnschaffher" beweist. Aach solche (besonders beliebten) superlativischen Fragen: „Was ist das grösste Unrecht in der Kirche?" lassen natürlich unzählige

Lösungen zu und werden nur gestellt, um einen Witz einzuleiten: „Dass der Hauptmann von Kapernaum immer noch nicht Major geworden ist. 4 Die Zahl der Fragen aber, deren bestimmteres Gepräge eine feststehende Antwort erlaubt, ist Legion, und keine noch so vollständige Sammlung wird sie ganz erschöpfen können. Auch ein Typenverzeichnis würde weit über den Rahmen dieser Arbeit hinausgehen. Wir wollen hier nur die wichtigsten, im deutschen (und englischen) Volksrätsel vorkommenden Arten in einer gewissen Ordnung mustern. Eine strenge Klassifizierung ist bei einem so beweglichen Gegenstande natürlich nicht möglich und, wie alle Systematik in Sachen der Volkspoesie, eher hemmend als fördernd.

Die Verwechselungen, auf denen diese Klasse von Rätseln doch im wesentlichen beruht, sind verschiedener Art. Sie sind entweder mehr grammatischer Art, oder sie spielen in das logische Gebiet, oder endlich sie bewegen sich in Ton Versetzungen. Ganz strenge. Scheiden giebt es natürlich auch' hier nicht, und oft genug können wir mehrere Verwechselungen innerhalb desselben Rätsels aufzeigen. So heisst es bei Wossidlo (Nr. 848): „Wat is dat vör'n Minsch, wo Lief un Seel rut is?" (Wöchnerin). Man wird vielleicht auf einen Toten raten, zumal in Niederdeutschland gelegentlich „Leib und Seele" für lebende Seele überhaupt gebraucht wird.1) Denn unwillkürlich bezieht man „Lief un Seel" auf den Menschen selbst, während doch Leib und Seele eines anderen gemeint sind. Auf diese falsche Beziehung rechnet das Rätsel mit Bestimmtheit.

Solche Beziehungswechsel rein grammatischer Natur

!) Vgl. das Evarätsel in Theranders „Zeitvertreib" (1750):

Ein Jungfrau nicht eins Tages alt Nahm einen Mann gar Wohlgestalt, Eh dann verging ein ganzes Jahr, Sie ihm ein kleines Kind gebar, Und starb auch, eh sie war geborn, Ihr Leib und Seel sind unverlorn.

liegen z. B. vor, wenn zwei gleichlautende Pronominalformen auf zwei verschiedene Nomina bezogen werden.

Bekannt ist das Rätsel von den Tauben und Erbsen:

(W. 992): Wenn sie kommen, dann kommen sie nicht: wenn sie nicht kommen, dann kommen sie.

Ferner stelle ich hierher :

(W. 930): Vor unsern Duur licht'n Steen, un wenn de Hahn kreiht, denn röögt he sick (nämlich der Hahn).

Schon im „Strassburger Rätselbuch'' finden wir das Rätsel von der Haselnuss und dem Loche darin:

So du es siehst so lösst du es ligen, siehst du es nit, so hebstus vff.

das aber auch aus dem 12. Jahrhundert in lateinischer Sprache vorliegt:

Video et tollo. $i vidissem, non tulissem.*)

und noch heut im Volksmunde, besonders Oberdeutschlands, lebt, so bei Renk, Nr. 117:

Wenn mans nicht sieht, klaubt mans auf, Wenn mans sieht, lässt mans liegen.

Auch aus Frankreich ist es zu belegen:

Quand je la vois, je ne la ramasse pas, quand je ne la vois pas, je la ramasse.

Endlich auch holländisch:

Als gy het siet, soo laet gy het liggen, nid siende raept gy het op.

Ich habe alle diese Fassungen zusammengestellt, um die (mit Ausnahme des lateinischen) immer wieder hervortretende Gleichheit des Personalpronomens zu zeigen.

Ähnlich, aber doch mehr auf eine Sprachungenauigkeit als auf eine Sprachundeutlichkeit gegründet ist das Rätsel vom Loch: „Je mia dat me devan nömmt, je grötter wet et."6)

Streng genommen könnte sieh das im ersten Teile des „davon" enthaltene Pronomen natürlich nur auf „et", d. h. auf „das Loch" beziehen. Jedoch bei dem der deutschen Sprache eigenen freieren Gebrauche geht es hier auf den ganzen Gegenstand, in dem sich dieses Loch befindet. Diese in der täglichen Rede unbewusst geübte Ungenauigkeit hat das scharfe Auge des Volkes doch bemerkt.1)

Ich schliesse hier andere Beziehungsverwechselungen an, schränke mich aber bei der Wiedergabe der Beispiele auf das Nötigste ein In dem bekannten Rätsel: „Wie ist der Floh nach England gekommen?" ist mit grosser Raffiniertheit eine doppelte Bedeutung und doppelte Beziehungsmöglichkeit2) des „Wie?" (ndd. „Wo?") benutzt. Es kann sich 1) auf das Nomen beziehen und eine Beschreibung verlangen („Wie ist der Baum?" — „Grün"), oder 2) auf das Prädikat, und dann giebt die Antwort eine besondere Bestimmung für Art und Weise der Handlung. Dadurch nun, dass schon in der Frage das Prädikat verengert wird (hier durch Angabe des Zieles), wird die Aufmerksamkeit des Zuhörers auf dieses und nicht auf das Subjekt gelenkt, zumal gerade die kluge Auswahl3) Englands als überseeischen Landes eine Besonderheit des Transports zu rechtfertigen scheint. Er antwortet etwa: „zu Schiffe". Die richtige Lösung aber lautet „Schwarz". Richtig ist natürlich im eigentlichen Sinne jene Lösung so gut wie diese und tausend andere, aber „richtig" im Sinne des Fragestellers ist nur die eine, für ihn von vornherein feststehende Antwort.

Die doppelte Beziehung des „Wohin" auf 1) eine Stelle an dem Gegenstande selbst, 2) auf einen anderen Gegen-

!) Übrigens ist das Rätsel auch im Französischen (Rolland, nr. 26) zu finden, wo „enu ebenso frei gebraucht ist, wie unser „davon".

2) Doppelsinn und Beziehungsverwechselung liegen oft am gleichen Beispiel vor.

3) Dass diese Auswahl berechnet ist, zeigt z. B. W. 788: „Woans kümmt de Kreih (Krähe) in Berlin oewer't Dack?u, denn Berlin ist für den Mecklenburger die Stadt der hohen Häuser.

stand, ruft die Verwirrung in dem bekannten Kätsel hervor: „Wohin hat Adam den ersten Nagel geschlagen?" - „Auf den Kopf-"

Schon diese Beziehungsverweehselungon zeigten den scharfen Beobachtungssinn des Volkes, Kr lehrt es auch, auf doppelsinnige Sprachformen (auf doppelsinnige Wörter komme ich unten zurück) genau zu achten. Per Infinitiv bei den Verben der Wahrnehmung erlaubt eine Missdeutung; der Volkswitz lässt sich das nicht entgehen und fragt (W. 83.1): „Welche Kinder sehen ihren Vater taufen?" ■ „Die Pfarrerskinder."

In dem Satze „Zu einem gut bewaffneten Soldaten gehört vor allem ein gutes Gewehr" gebrauche ich das zweite Partizip gleichsam als Vertreter des in der deutschon Umgangssprache fehlenden Gerundivums. Die Uligenauigkeit dos Ausdrucks ist nur bei scharfem Aufpassen deutlich zu erkennen, aber das Rätsel hat sich ihrer bemächtigt und fragt: (W. 887) „Woväl Nadeln hören to 'ne upgeputzto Bruut?" — Gor keen.1)

Noch ein Punkt sei hier erwähnt. In dem Worte „Holzkiste" kann das erste Glied sowohl den Stoff bezeichnen, aus dem . die Kiste besteht, als den Zweck, zu dem-sie dient, nämlich Holz aufzubewahren. Selbst dies kehrt im Volk«-rätsei wieder (Renk 168): „Ein hölzernes Steinhäusul?" „Ein Kumpf für den Wetzstein." Der unbefangene Hörer sieht in dem „Stein-" nur den Stoff, und der scheinbare Gegensatz des „hölzern" macht ihn noch verwirrter.

Damit haben wir aber schon den Boden der Etymologie betreten, und hier eröffnet sich uns der Ausblick auf ein reich gepflegtes Gebiet des Volkswitze«, nichtige und falsch« Etymologien, Wortspielereien, Auflösung von Komposita, Vertauschung zweier Synonyma oder Homonyma, dien alle»

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geht in unsere Sammlangen ein und kaum ist es möglich, auch nur die Haupttypen liier anzuführen.

Etymologische Scherze trennen gern Zusammensetzungen. Teils richtig: „Welcher König hat kein Land?" — „Der Zaunkönig-7); teils willkürlich und fedseh {W. 517): „Welches Thier sieht dem Menschen am ähnlichsten?** — ..Musketier".

Bisweilen werden ganze Verse gebildet, die an das wirkliche Rätsel mit seiner Kunst, den Hörer zu verwirren, wohl heranreichen (W. 905a):

Es sass ein Mann und

Er hatte nicht, was er ass.

Denn hätte er gehabt, wa> er

Dann wäre er gewesen, was er ass. ^Neunaugen.)

Innerhalb eines Satzes sucht der Volkswitz gern Redensarten oder Einzelworte heraus, die eben noch eine andere Deutung zulassen, und vor allem müssen allgemein bekannte Sätze, wie Sprichwörter, Bibelstellen und Liederverse herhalten. Darauf beruhen unsere unendlich zahlreichen „Bibelfragen", von denen z. B. Haase, V. 5, 407 eine Blumenlese bietet. Sie beginnen mit Vorliebe „Wer war der erste ...", betrachten also die in der Bibel geschilderte Kultur, wie es dem Gesichtskreise des Volkes angemessen ist, als die älteste der Welt. Sie arbeiten so gut mit Beziehungsverwechselungen, als mit Homonymen, daher sie hier ihre Stellung haben sollen. So heisst es (Haase, 293): „Wer war der erste Krämer?"8) — „Simson, denn Gott nahm die Stärke von ihm." Der Doppelsinn des Wortes „Stärke" wird erst recht wirksam durch den volkstümlichen Gebrauch des „nehmen" für „entnehmen".9) In Tirol (Renk, 24) benennt man Maria mit dem

Familiennamen „Bitterlich" (denn es heisst: „Da weinte Maria Bitterlich").

Dass einzelne, aus dem Zusammenhang gerissene Zeilen zu Missverständnissen Anlass geben können, beweist die Antwort, die in einer Berliner Gemeindeschule auf die Frage „Wo liegt Mantua?" gegeben wurde: „In Banden." Ähnlich heisst es in Tirol (Renk, 18): „Woher kommt Christus beim jüngsten Gericht?" — „Von dannen." („Von dannen er kommen wird" u. s. w.)

Synonymische Scherzfragen sind im ganzen nicht häufig: „Wie kann man dürres Gras mit drei Buchstaben schreiben?" — „Heu". Dagegen giebt es unzählige homonymische Scherze, die sich auf alle Wortklassen erstrecken.

Auch hier sind eigentlich die besten Stücke auf die einzelnen Mundarten beschränkt. Plump ist die Frage, welches der grösste Heilige sei (Renk, 26), mit der Antwort: „Der Wiesbaum" (Heuliger), doch wird sie in Verbindung mit anderen Heiligenrätseln, als plötzlicher Übergang zu einem ganz anderen Gebiete ihre Wirkung nicht verfehlen. Besser ist aber (Renk, Nr. 77) die Kaffee spendende Ziege beschrieben, die auch einen „Zucker mache", d. h., wenn man sie kneife. Aus Norddeutschland führe ich etwa das Wortspiel zwischen „Weg" und „weg" an (W. 907): „Ts wech, blifft wech, un ward alldag1 bruukt", oder das von der Ziege (W. 564), die immer mehr haben will, weil sie „mäh" sagt.1)

Interessant ist die Benutzung eines geographischen Namens: „Woher kommt der Regen?" heisst es im Bergischen (Schell,

Nr. 37). „Vom Böhmerwalde" lautet die Antwort, mit Bezug auf den Nebenfluss der Donau.1)

Eine homonymische Verwechselung der verschiedenen (temporalen und lokalen) Bedeutung des Wortes „lang" liegt in der alten Scherzfrage vor: „Welche Lichter brennen länger, Wachs- oder Talgkerzen?" — „Sie brennen beide kürzer."

Mit Vorliebe aber heftet sich das Volksrätsel an die mehrfache, teils transitive, teils intransitive, oder einmal allgemeinere, dann prägnantere Bedeutung gewisser Verba. In der Nummer 572 bei Wossidlo: „Wenn man na de Apteek rinktimmt, wat rückt am ihrsten?" ist ein Fall der ersteren Art, und man kann auch hier an der Wahl der „Apotheke" das Raffinement beobachten, mit dem der Hörer des Rätsels auf ein falsches Gebiet gelockt wird.

Die mannigfachen Bedeutungen des Wortes „machen" fordern den Volkswitz geradezu heraus. So verwirren sich die Begriffe „thun" (allgemein) und „herstellen", „erzeugen", „ergeben", wenn die Frage „Was machen die zwölf Apostel im Himmel?" beantwortet wird: „Ein Dutzend"; was man ein erst vom Hörer erzeugtes Abwehrrätsel nennen könnte. Ähnlich klingt es, wenn dieselbe Antwort wohl früher von einem verlangt wurde, der in Würzburg gewesen zu sein behauptete, und den man fragte: „Was machen denn da die Brückenheiligen?" Aber dieser Lokalwitz arbeitet doch mehr mit einer anderen Bedeutung von machen, nämlich „sich befinden". Das Verbum kann auch, mit einem prädikativen Adjektiv verbunden, soviel bedeuten, als „in einen Zustand bringen". Die Möglichkeit, dies Prädikatsadjektiv auch attributiv zum Objekt zu stellen, ruft Scherzfragen wie diese hervor (W. 871/72): „Wat maakt de Köster, wenn he beiert?"2) — „Krumme Finger".

lj Als charakteristisch seien noch angeführt: Haase (V.), Nr.42 (Kartoffeln ein Stadt- und Landgericht), W. 589 (Frauen haben grössten Staat in Deutschland), ebenda 891 (Mond wiegt 1 Pfund, weil 4/4 hat) und Renk, 189 (Bei der Cigarre die ersten, bei der Schwiegermutter die letzten Züge die besten).

2) Das liiederd. „beiern" drückt eine hin- und hergehende Bewegung aus, liier „läuten", wie schon mndd.

Audi das Verbum „gehen" wird in dieser Weise ausgenutzt Natürlich berühren all solche Übergänge schon das geistige Gebiet und bewegen sich nicht mehr allein auf grammatisch-lexikalischem Boden. Man sehe W. 719: „Wohin geht die Krähe, wenn sie ein Jahr alt ist?" — „Ins zweite". Noch schwieriger natürlich ist es, wenn ein einzelnes, bekanntes Ereignis angezogen wird: „Wohin ging Christus, als er zwölf Jahre alt war?" — „Ins dreizehnte". Es sei hier noch das Rätsel vom Perpendikel (Renk 131): „Es geht alleweil etwas und kommt doch nicht weiter' — erwähnt.

Die Verwirrung steigert sich aber noch bedeutend, wenn die doppelte Bedeutung eines Wortes die des andern unterstützt: „Wo kommen alle Säcke zusammen?" — „Bei der Naht".10)

Mit grosser Vorliebe heftet sich der Volkswitz an Präpositionen und präpositionale Verbindungen mehrfacher Bedeutung. Ich lasse einige Beispiele folgen:

1) an (-innere" und _äus>ere- Berührung». W. 532: Was ist das beste am Kalbskopf? — Das Kalb, iSchon im Rockenbchl.)

2) auf («stehen auf* = nihen a) auf einem Teile seiner selbst b) auf einem Fremdkörper). Renk 25: Welche Heilige stehen in der Kirche auf der rechten Seite? — Sie stehen aUe auf den Füssen. Ähnlich W. 725. «auf- wird auch mit dem adverbialen «auf' = offen vertauscht: W. 1*4<>: Wo steit de Aben auf? — Bi't Mundlock: ein Scherz, der freilich aus mehreren Gründen nur dialektlich möglich ist.

3) in. Renk. 102: Welches ist das unverfrorenste Tier? — — Der Floh, er geht im Winter im Hemd spazieren.

4) nach. W. 042: Wona schütt de Jäger? — Xa't Laden.

5) zu. Wozu raucht man eine Zigarre? — Zu Asche ^W. 945). Oder anders: Wer kommt zum ersten in die Kirche? — Der Zweite (oberdeutsch, z. B. Renk. 43». In niederdeutschen Dialekten unmöglich: aber „zum ersten* ist auch oberdeutsch nicht gewöhnlich, und manchmal erscheint das Rätsel alt und fremdartig dadurch, dass von der geläufigen Sprache abgewichen wird.

Noch einen Schritt weiter hinein in das logische Spielgebiet treten wir, wenn wir Homonyma ins Auge fassen, die einmal einen übergeordneten, allgemeineren, dann einen besonderen, einen Einzelbegriff bezeichnen. Hierher gehören die zahlreichen Rätsel folgender Art (z. B. W. 570): „Was sieht der Katze am ähnlichsten?" — „Der Kater". (Katze einmal für die ganze Gattung, dann speziell für das weibliche Tier.)

Hierher gehört auch der als kürzende Bezeichnung für eine längere Wortreihe gesetzte Anfang, der gern für das Wortspiel benutzt wird11): „Welches ist der mittelste Buchstabe im A-B-C?" — Das B"; oder: „Was kommt gleich nach dem Vaterunser in der Kirche?" — „Der du bist im Himmel".

Ähnlich ist der Übergang vom Allgemeinen zum Speziellen bei Wossidlo, Nr. 665: „Wennihr liett de Minsch so väl Ogen as Dag' in't Johr?" — „An'n tweeten Januor".

Das führt uns auf die Neigung des Rätsels, allgemeine Verhältnisse überhaupt zu spezialisieren, um die Neugier und Spannung des Hörers aufs höchste zu steigern und dann plötzlich in das allgemeine Gebiet zurückzukehren. Z. B. Renk, Nr. 195: „Wozu hat der Müller einen weissen Hut?" ist nichts als eine Spezialisierung der Frage: „Wozu hat man einen Hut?" und die Antwort lautet hier wie dort: „Zum Aufsetzen".12)

Täglich gebrauchen wir eine grosse Menge bildlicher Redensarten, ohne uns noch ihrer eigentlichen Bedeutung bewusst zu sein, und um so erheiternder wirkt es, wenn uns der Volkswitz plötzlich darauf aufmerksam macht; darauf beruht der Hauptreiz solcher Scherze, wie sie von Höfer in dem Heftchen: „Wie das Volk spricht" zusammengefasst worden sind. So heisst es bei W. 923: „Wecker oort Lüd' nehmen eenen alles vör de Näs' wecli?" — „De Barbiere." Noch besser in Berlin: „Wer nimmt den Leuten alles vor der Nase weg und bekommt noch Geld dazu?" Oder Nr. 794: „Wer ist hochgeboren?" — „De Adeboor." (Der Storch.1) In Tirol (Renk 55) fragt man: „Welches ist der höchste Stuhl in der Kirche?" — „Der Dachstuhl." Endlich ein Beispiel aus Ruppin (Haase, V. III) Nr. 32: „Welche Augen sitzen nicht im Kopfe?" — „Die der Bäume."

Auf einer sehr willkürlichen Vertauschung von Namen und Begriffen beruhen die (wie es scheint, vorzugsweise in Norddeutschland) weitverbreiteten Buchstabenrätsel, die oft grosse Dimensionen annehmen und sich in freilich meist sehr saloppen Reimen bewegen. Die allereinfachste Form ist diese (Woss. 838): „Was steht in der Mitte von Waren?" — „Das R." *)

Die Macht der Analogie im volkstümlichen Denken bringt es mit sich, dass häufig ganz gemein menschliche, alltägliche Verhältnisse auf Vorgänge übertragen werden, mit denen sie höchstens eine unbedeutende Äusserlichkeit gemein haben; das tägliche Leben füllt den Gesichtskreis des Mannes aus dem Volke so ziemlich aus. In der Mitte steht er selbst und betrachtet von diesem Gesichtspunkt aus die Dinge, die nur von aussen in jenen Kreis hineinragen. Völlig zu erfassen vermag er sie kaum und so beachtet er sie auch nur soweit, als sie für ihn Bedeutung haben, und sucht sie an der Hand seiner alltäglichen Lebenserfahrung zu erklären und wo diese keine Erklärung darreicht, erkennt er jene Eindrücke nicht an, er nennt sie „dumm" u. dergl. So legt er deu Naturerscheinungen Absichten und Zwecke unter, wie sie ihn selbst in seinem Handeln bewegen, so erklärt er sich idcuh', uriitw., rfrliffUho Dinge höchst profan, belebt das iiffM«l>t" (inrtlt in Hai» and Feld nnd behandelt die Tiere In Hof nrid Stall afithropomorphwch. Wenn anch diese naive WtiltfMNchaiiiirw durch die wachsende Cultur allmählich verdrillet wird und für das ernate Leben ihren Wert verliert, wi vnrnotzt hIcIj doch der Mennch in Spiel und Scherz gern In Jkiiii AuffiiMMiingHart zurück, wie eben auch unsere Scherz-IVwii *lo vortreten.

|)nr mllchtigo Ton der Orgel mag wohl für das Ohr doM LhiiilinaniioH otwan an lau tos Geschrei erinnerndes haben, (lud nuch dorn im volkstümlichen Denken täglich wohl tnuNomlmiil K<^U)ton Satze „Gleiche Wirkung — gleiche I IrMiirho" schüret dio kindlich dichtende Phantasie, dass es i\\\y OivH oIhmimo ergehe, wie einem Kinde, das laut schreit mIo loldot Nohmorz. Und da der Augenschein ihn darin uuloratüUU liulom or Jon Organisten sein Instrument mit iton I liliulou boarlnutou sieht, so spezialisiert sich der Begrift do* „Sohmmouloidons" zu dorn des „Geschlagenwerdens", mut \m\\ jo nadulom man sich entweder an den Misse-Uultor odor un dio Gomisslmndolte hält: 1. Wer ist der ■'u\udor*to in dor Kitvho? Der Organist, er schlägt die OkoI (KYuk Was ist das Wehleidigste in der

Kitvho? Dio OiyoL Wonn man divinsehlägt, schreit sie. vUonk S'V*

Wu> alto jono YolksrStsoL die sioh mit dem Haushahne all uttvl sehr weit vorbauet sind, so aueh

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X V V- V die Beobachtung, dass der Hahn beim Krähen die Augen scliliesst. Nun gilt aber der Hahn dem Volke überhaupt als ein geheimnisvoller, prophetischer Vogel, der so spraehen-knndig ist, „dass man ihn aller Orten verstehen möge." (Mannhardt, Ztschr. f. d. Myth. IV, 405 ff.) So wird auch sein. „Lied" gleichsam als eine verständige, auswendig gelernte Rede gefasst, die er aufsagt, wie ein Schulknabe und wie dieser, wenn er seine Sache kann, nicht ins Buch zu sehen braucht, so heisst es auch vom Hahn (z. B. Woss. 752): „Worüm knippt de Hahn sien Ogen to, wenn he kreiht?" -„He weet sien Lex utwennig."1)

Noch drastischer wirkt folgendes Rätsel vom Hasen (W. 756): „Worüm löppt de Has' vör'n Witten Hund duller as vör'n swarten?" — „He denkt, de hett sick 1n Rock uttreckt."

Wenn sich der Volkswitz sogar an die Heilige Schrift heranwagt, und es (W. 592) als ein grosses Wunder bezeichnet, dass sich Elias auf dem Feuerwagen keinen Schaden zugezogen habe, was das Rätsel ziemlich derb ausdrückt, so können wir uns nicht wundern, wenn es auch die geistliche nnd weltliche Obrigkeit nicht scheut und besonders ihre amtlichen Verrichtungen ins Alltägliche übersetzt, wodurch sie natürlich ungewöhnlich, lächerlich, sinn- and zwecklos erscheinen müssen. Am sehlimmsten ergeht es dem Geistlichen, wenigstens in katholischen Gegenden. Seine Bekleidung mit dem Chorhemde lässt nicht nur die Kanzel als wärmsten Ort in der' Kirche erscheinen (Renk 32), sondern auch den Pfarrer als unverschämt (ebd. 41), weil er im Hemd zur Kirche kommt, oder als dnmm (ebd. 42), weil er es über den Rock zieht. Hierher gehören znmeist

In Deutschland allgemein: die französische Fassung bei Rollend (Nr. 326). der ja gedruckte und mündliche QueUen benutzt, stammt aus dem Almanach de la Gaiete pour 1830 und lautet: Pour-quoi leg coq$ farmaU-iü leg yrux quant il» ekantent? — Paree qu'il* savent leur mmriqpe par caur. Da ich es aber in sehr bedeutenden Sammlungen* die sich nur an den Volksmund halten, nicht finde, so mochte ich es für eine einfache Übersetzung halten.

die in Dentschland so beliebten Fragen nach den „drei dümmsten Creatoren", wie sie sich am besten bei W. Nr. 564 zusammengestellt finden.1)

Falsche Schlüsse auf die Ursache haben wir auch festzustellen, wenn man von dem Schmutz auf der Strasse sagt, er sei das stärkste Tier, weil es niemand aufhebt (Renk 198) und ein Fehlschluss in umgekehrter Richtung lässt es als das Beste an der schwarzen Kuli erscheinen, das«13 sie wenigstens weisse Milch giebt. (W. 593).

Zunächst müssen wir noch einen Blick auf das Gebiet der allbeliebten Ton Versetzungen werfen. Ihr Wesen besteht meist darin, dass eine Frage, gewöhnlich durch „warum?" eingeleitet, sich scheinbar auf den Inhalt des ganzen Satzes, in Wahrheit aber nur auf ein einzelnes Wort bezieht. Bisweilen sind die Antworten etwas satirisch gefärbt, z. B. Woss. 765, wonach der Nachtwächter ruft: „Hört, Ihr Herren und lasst Euch sagen . . .," weil die Frauen sich doch nichts sagen lassen. Sonst wird gern das Prädikatsverbum betont: W. 780: „Worüm pickt de Hahn uppe Ter (Erde)?" — „Weil er nicht lecken kann" u. v. a. Natürlich spielt auch hier eine Vermengung der allgemeinen und speziellen Bedeutung mit. Jedes spezielle Wort (wie oben „picken"), wird in der Umgangssprache unzählige Male in allgemeinem Sinne gebraucht (also oben = mit dem Munde, Schnabel etc. die Erde berühren), wie sich ja die Sprache zuerst die speziellen Ausdrücke bildet und dann erst zu allgemeineren aufsteigt.2) Die Frage berücksichtigt nun die besondere Bedeutung gar nicht, die Antwort dafür um so mehr. Man vgl. etwa noch (die Zahl der Beispiele

Dumm ist etwa der Nachtwächter, weil er die Zeit ausruft, nach der ihn niemand fragt, der Schornsteinfeger, weil er kratzt, wo es ihn nicht juckt, oder es werden Ausbrüche des Affekts bespöttelt, wie die Frage der Mutter an das Kind: „Wo büssing du?" während sie es doch auf dem Arm habe.

2) Für die „Naturvölker" vergl. A. Seidel, Geschichten und Lieder der Afrikaner, S. 3 ff.

ist unendlich)l): „Wieviel Flöhe gehen auf ein Pfand?" — — „Gar keiner, sie hüpfen," was noch dadurch interessant ist, dass die allgemeine Bedeutung des „gehen" in übertragenem Sinne gebraucht wird.2)

Mit der Betonung hängt auch die Trennung zusammengesetzter Wörter, Composita und dergl. zusammen. Auch die Interpunktion wird zn Verwirrungen benutzt Hier nur einige Beispiele: „Kennst Du die Schaf und Gaisgagel von einander?" — „Ja, das eine sind Schaf, das andere Dreck." (Renk 79). — Zusammenrückungen wie Dikurante Bissifiel (Die Kuh rannte, bis sie fiel), die überall weit verbreitet sind, gehören mehr ins Gebiet des Kinderspiels. — Weit bekannt ist das Wort:

Ein armer Mann in meinem Land, Der hat zehn Finger an jeder Hand Fünfundzwanzig an Füssen und Händen, Wer kann mein Rätsel drehen und wenden?

Auch in England sagt man:

Every lady in this land

Hos twenty naüs upon each kand,

Five and twenty hands and feet,

AU this is true without deeeit. (Haü., S. 82, nr. 157.)

Alle diese Rätsel erlauben, dass man die Lösung bei scharfem Hinhören und Überdenken etwa aller möglichen Betonungsweisen findet, und das geht so weit, dass bisweilen die Lösung schon im Rätsel selbst versteckt liegt: „Lirum-larumlöffelstiel, wie kann man das mit drei Buchstaben schreiben?" — das. Ganz ähnlich schottisch:

Pease-porridge hot, Pease-porridge cold, Pease-porridge in a caup (= coup), Nine days old:

Spell me that in four Utters. T-h-a-t

(Chambers, Nr. 4),

Noch verwickelter ist ein englisches Rätsel (Hall. nr. 149):

Thomas a Tattamm took two Ts,

to tie two iups to two tall trees,

to frighten the terrible Thomas a Tattamm;

Teil me how many Ts there are in all That. (2 T.)

Ganz und gar aber beruht auf der im Rätsel selbst versteckten Lösung die grosse, in England fast noch lieber als in Norddeutschland14) gepflegte Gruppe der Namen-rätsel. Zwei Abteilungen lassen sich auch hier wieder scheiden:

1) Der Name ist ein alltäglich gebrauchtes, daher im Zusammenhange nicht auffälliges, kurzes Wort. (W. 954):

Kieljus Kroljus15) halt'n Hund,

Der gab ihm einen Namen aus seinem Mund.

Also hiess Kieljus Kroljus sein Hund? „Also".

Für „Also" steht auch gern: „Wie", in Niederdeutschland: „Wo". Auch das Wort „und" wird als Eigenname gebraucht (W. 960):

Jemand und Demand de buugten en Huus, Jemand güng vor rut, Demand güng hinnen rut, Wer bleef dorin?8)

In England hat man oft ganze Gedichte, worin der betreffende Name (oft mehrmals) vorkommt; der Ratende wird noch besonders darauf aufmerksam gemacht und damit geneckt, dass er es trotzdem nicht errate. So liest man bei Halliwell (Nr. 155) nach längerer Einleitung folgende Strophe:

There's the dog, Take the dog; WhaVs the docfs name? Tve told you already.

Pray teil me again. Der Hund heisst „Take".16)

An unser Rätsel auf „Wie" erinnert die schotttische Fassung bei Chambers (a. a. O. Str. 12 b.)

As I lookit owre the castlewa*, I saw a ship sailing;. Wat tvas the king's name In that 8hip sailing? . . .

Das Necken des Ratenden haben wir auch in einem deutschen Rätsel auf „Was" (W. 955):

Ick was mal eens in* Böhmzerland, Un Böhmzerland was mi bekannt. Dor keemen de Landsherren in de Mööt17) De frögen mi, wur mien lütt Hündken heet. Mien lütt Hündken sien Naam was mi vergäten; Hefft dreemal secht, sass't noch nich weeten.

Die Wirkung wird hier noch dadurch verstärkt, dass „Was" oder „Wasser" ein in Mecklenburg beliebter Hundename ist. Das führt uns aber schon zur andern Abtheilung:

2) Ein wirklicher Name wird, vielleicht in veränderter Aussprache, in verkürzter Form, in Zerlegung seiner Silben, homonymisch gebraucht und im Rätsel versteckt.

Wir betreten noch einmal schottischen Boden und finden (bei Chambers, 12 a) ein Spiel zwischen der schottischen Form Hugli des Namens „Hugo" und dem Worte: „How", auch in schottischer Aussprache.

Doion i' yon meadow

There saxls a boat, And in that boatn

The king's son sat 1' me aye telling ye,

And ye 're neuer kenning. Hoo they ca'2) the kings son, In yon boat sailing?

Dadurch wird auch das Spiel mit dem Namen „Und" im Englisch-Schottischen noch witziger (Greg., Nr. 1231): An ist sowohl and als Ann, Anna:

An18 it's neither Peg, Meg nor Margit, IV8 my true love's name. An iVa neither Peg, Meg nor Margit, An1 — thrice Tve told her name.

Oder Andrew = and drew:

As I was going o'er Wtstmiftster bridge, I met with a WestminsUr scholar;

He pulled off his cap an drew off his glove, And wished me a very good morrow.

WJiat is his name?

So giebt es auch im Deutschen doppeldeutige Namen, z. B. den Hundenamen „Pfiff'; Schell, Aus dem Bergischen (V. 3, 296, Nr. 41): „Karl sass vor der Thür und Pfiff. Karl pfiff nicht und doch sass Karl vor der Thür und Pfiff." v)

Wir werfen noch einen Blick auf eine letzte Gruppe, die scherzhaften Rechenaufgaben. Diese bieten, soweit sie eben nicht ernst gemeint sind, und damit unter die „Wissensproben" fallen, nur zum Scheine sehr schwierige Exempel dar, je ungeheuerlicher, desto besser. Ganze Parallelreihen treten auf und steigern die Multiplikation. Der Witz besteht aber darin, dass an der ganzen Aufgabe überhaupt nichts zu rechnen ist, weil sie durch das Hervorheben eines Wortes, durch eine geringe Tonversetzung, in eine nichtige Scherzfrage zusammenfällt, was um so erheiternder wirkt, wenn der Ratende wirklich die schwere anstrengende Aufgabe zu lösen sich bemüht. W. 892:

Kenn'n Mann von Liepen, De hadd fief Kiepen, In jede Kiep' fief olle Katten, Jede oll Katt hadd fief Jung', Woväl Been güngen na Lipen?

(Twee. De Katt hetten Poten.)

Ganz ähnlich ist eine englische Fassung (Halliwell, 132):

As I was going to St Ives,

I met a man with seven wives,

Eoery wife had seven sacks,

Eoery stick had seven cats,

Eaery cat had seven kits:

Kits and cats, sacks and unves,

How many were there going to St loes?

Natürlich geht nur einer nach St.-lves, nämlich der Erzähler. Denn die anderen, die er traf, kamen schon von dort.

Hierzu gehören auch die scheinbar so schwierigen Verteilungsaufgaben. Sie sind meist dadurch sehr leicht lösbar, dass mehrere zu beteilende Personen in eine zusammenfallen. Auch sie sind in England sehr beliebt und treten gern in Reimstrophen auf. W. 901 (sehr weit verbreitet):

De Köster un sien Söster, De Preester un sien Fru, de güngen dörch de Heid un fünnen en Yagelnest mit vier Eier; jeder nehm een rut, dor bleef doch noch een in.

(Des Küsters Schwester war des Pastors Frau.)

W. 902:

Zwei Väter und zwei Söhne Die schössen drei Hasen schöne. Ein Jeder trug einen ganzen In seinem Ranzen. (Es sind Grossvater, Sohn und Enkel.19)

Das mecklenburgische Rätsel vom Küster und Pastor kehrt in eigener Fassung (mit einem vorgeflickten Teile einer älteren Rechenaufgabe?) im Schottischen wieder:

Three hail cakts, Three half cakes,

Three quarters o %anither, Atween the piper and his wife, And the fiddler and his mither, Divide without breaking the cakes.

(The piper20 s wife is the fiddler18 mother.1)

Näher steht dem deutschen Rätsel ein schwedisches:

Presten och prestens husfru, Klockarn och klockarns dotUr Gingo pa en bred wäg, Kommo tili fyra ägg, Togo sig kwar eitt; ett blof änd ock quar.21)

Alle Personen fallen auch wohl in eine zusammen. Hall., 181:

Elizabeth, Elspeth, Betsy and Bess, They all went together to seek a bird's nest, They found a bird's nest with five eggs in. They all took one1 and left four in.

Oder Chamb., 18:

A priest. and a friar, and a silly auld man, Gaed to a pear-tree, where three pears hang. Ilka ane took a pear. Hoio many hang then?

Mit diesen rasch herausgegriffenen Beispielen schliessen wir die Besprechung der unwirklichen Rätsel. Eine Gruppe aber nimmt eine eigentümliche Mittelstellung zwischen diesen und den wirklichen Rätseln ein: die Zweideutigkeiten. Ihre äussere wie innere Form, ihr Metrum und ihr Stil, ihre Lösbarkeit weisen sie den wirklichen Rätseln zu. Aber insofern sie bestimmt sind, den Hörer in Verlegenheit zu setzen, ihn zu verwirren, stellen sie sich doch auf die Seite der Scherzfragen. Ihre Deutung ist eine doppelte; einmal ist die Lösung ganz natürlich, dem alltäglichen Leben entnommen, andererseits aber können sie auch auf eine ganz andere Art gedeutet werden, und suchen durch ihre Ein-kleidang den Hörer auf eine Lösung zu bringen, die an ganz andere Saiten des menschlichen Herzens appelliert als jene erste. Bisweilen, aber nur sehr selten, ist die Deutung ins Hohe, Ideale, auch wohl Religiöse möglich, und wird dann durch eine recht triviale Erklärung des Fragestellers umgeworfen; ohne dass wir nötig hätten, hier weiter in das grosse Gebiet der Allegorie einzudringen. In den weitaus meisten Fällen sinkt die scheinbare Lösung tief in das Gemeine, Niedrige, Obscöne hinab. Wir müssen hinzusetzen, dass diese gefährlichen Scherze einen grossen Teil unserer Rätsellitteratur ausmachen, dass sie aber nieht bloss bei uns, sondern bei allen Völkern, nicht zum mindesten bei den Slaven, massenhaft auftreten.

Bei einer stilistischen Untersuchung fallen die Zweideutigkeiten unter die wirklichen Volksrätsel und sind dort, je an ihrer Stelle, mitzubehandeln. Hier folge nur noch ein Beispiel jener seltenen Art, wo religiöse Motive herangezogen werden. Das alte Rätsel steht am Anfange des „Strassburger Rätselbuches" und lautet:

Es ist von oben herab kommen,

Hat vill Leydens an sich genommen,

Von Hitz, Keltd vnd Beschneyden.

Noch vill meer müsst es leyden.

Hot nit lang doheym gesogen,

In die Frembt ist es gezogen

Mit Fiech vnd Leutten so es het,

Sein Leger waren nit linde Bet.

Lust noch Freud es nie begert,

30 Pfenning was er wert.

Verkaufft, gefangen, gebunden ward

Es hart geschlagen, gezogen, gefurt manch Fart,

Ein Kreutz gemacht, daran gespert,

Niemand ward funden, der do wert.

Sein Seit verwondt vnd ander Glider,

Nirgend geschont hoch oder nider,

Daraus flössen heilsam Bronnen,

In der Finster gantz on Sonnen.

Einem yeden Menschen zu gut,

Der sich dar zu schichenn thut.

Jeder Hörer glaubt, eine gereimte Darstellung des Lebens, Leidens und Sterbens Jesu Christi vor sich zu haben. Aber die Antwort lautet:

Ein Weinfass, Das kompt vom Baum herab, leydet Hitz so es gebrühet wird in heissem Wasser, vnd auch Kelt zu seiner Zeit. Vnd von dem Bender geschnitten. Es säugt oder facht den "Wein nit lang an ein Ort, sondern wird gefürt vnd gezogen in die Fremdt von Pferden vnd Furieuten. Sein Leger ist hart, ein klein Fass gilt 30 Pfenning. Wird gefangen, so es die Reyff hat. Gebunden, geschlagen, gezogen, gefürt hin vnd her, das Krütz vff dem Legner mit Schliessen. gespert. Die Wonden ist der Punt. vnd die Zapfenlöcher, daraus fleüst der Wein. Eim yeden zu Nutz der yn braucht. In der Finster gantz on Sonnen das ist in dem Keller.

Die wirkliehen Yolksrätsel.

*

Als ich im Jahre 1897 in Berneck oberfränkische Kinderreime sammelte, bekam ich auch folgende Verschen zu hören:

Mit dem Pfeil, dem Bogen ....

Ufm Bergli bin gesässe ....

ein Beweis, dass das Volk seine eigenen Dichtungen, sein ererbtes Stammgut von der ihm von aussen her zugeführten (in unserem Falle im Kindergarten erlernten) Poesie nicht mehr zu scheiden weiss. Das ist eine Erfahrung, die jeder Sammler auf dem Gebiete der Volkskunde machen wird, tind die ihn zur Vorsicht mahnen soll. Gewiss ist es wertvoll, zu wissen, was überhaupt im Volke umläuft, aber es ist nicht angebracht, in kritischen Sammlungen die Erzeugnisse der Kunstdichtung immer wieder von Anfang bis zu Ende abzudrucken. Die Frage nach dem Verhältnis von Volksund Kunstlied ist aber noch offen. Und der Weg, sie zu lösen, besteht wohl kaum darin, nach einem „Dichter" zu forschen, auf dessen „Kunstlied" ein sogenanntes Volkslied zurückgehe. Auch kann der Kunstdichter seinerseits aus der Volkspoesie geschöpft haben, und die Entscheidung ist oft schwierig. Wie viel mehr in älterer Zeit! Den besten sichersten Erfolg verspricht die gründliche stilistische Erforschung unseres Schatzes volkstümlicher Poesie und die Vergleichung mit dem Reichtum anderer Völker.

Für das Rätsel liegt die Sache nicht ganz so schlimm, wie für das Volkslied. So viel Rätsel auch von aussen her zu uns gekommen sein mögen — diese Einwanderung geschah zu einer Zeit, da der schaffende poetische Geist unseres Volkes noch lebendig, wach und mächtig war, dann hat sich

das Volk auch ganz und gar der Fremdlinge bemächtigt, sie nach seiner Art völlig umgemodelt und ihnen den eigenen Stempel in Stil und Metrum aufgedrückt. Natürlich ist schon in der Wahl des Stoifes, in der Aufnahme des andringenden Gutes der Volksgcist thätig gewesen. Aber hier muss sich der Forscher bescheiden. Wir wissen nicht und werden nie wissen, wie viel das Volk kennen gelernt hat und was es verworfen hat. Selbst wenn ein Rätsel in den alten lateinischen Sammlungen sehr häufig ist und in allen Sammlungen unserer Tage fehlt, so ist daraus noch kein Schluss zu ziehen. Es könnte ja beispielsweise ein ausgeprägt katholisches Stück sein, das natürlich bei Wossidlo nicht zu finden sein wird, und das vielleicht im katholischen Volke Süddeutschlands gang und gäbe ist, aber bei der unverhältnismässig schlechten Pflege* die dem oberdeutschen Rätsel bisher zu Teil geworden ist, der Aufzeichnung entbehrt. Und selbst wenn wir endlich einmal die ersehnte bayerische Rätsel-sammlung haben und auch hier diese und jene Nummer nicht finden, ist es doch möglich, dass sie: noch bis vor wenig Jahrzehnten lebendig gewesen und erst in der letzten Generation ausgestorben ist.

Woher nun aber das Volk auch seine Rätsel haben möge, ob aus eigenem Schaffen oder aus der Fremde; alles, was das Volk, ihm angemessen aufgenommen hat, alles» was • es nach seiner Eigenart umgewandelt, eingedeutscht hat, ist sein unbestreitbares litterarisches Eigentum.

Bestreitet man doch eines Dichters Eigentumsrecht nicht, wenn er einen Stoff nimmt, .woher er will, und ihn nach seiner Art behandelt. Ja, man ist ja längst darüber einig, dass es eine völlig neuschöpferische Genialität in der Poesie nicht mehr giebt, dass es immer wieder die alten Stoffe und Motive sind, und nur in der Behandlung die grosse künstlerische Persönlichkeit sich offenbart -- genau wie in der Volkspoesie, wo die alten Keime je nach dem Erdreich, das sie finden, reichere oder spärlichere Frucht tragen. Darum dürfen wir uns der Quellenfrage, die für andere Untersuchungen sehr wichtig ist, wohl entschlagen. r

Um so wichtiger aber ist es, den Stil festzustellen und festzuhalten, um dem Volksrätsel sein Recht gegen das moderne Kunsträtsel zu sichern. Niemand wird sich der vollen Würdigung der Schillerischen oder Schleiermacherischen Rätseldichtung verschliessen. Und auch ihr, oft recht unähnliches, modernes Gefolge mag im Salon, in Journalen u. dgl. seine Stätte haben. In wissenschaftliche Sammlungen aber sollten keine Machwerke eindringen, wie dieses'):

Eins, zwei, drei, ihr JagdgeseUen!

Macht euch fertig schneU zum Schuss!

Lasst die Hunde wacker betten u. s. w.

Solche Verse sind nicht populär und werden es hoffentlich nie werden. Die stilistische Beschreibung des Volksrätsels wird die Spreu vom Weizen sondern helfen. Um den grossen Unterschied zwischen Kunst- und Volkspoesie von vornherein recht deutlich auszuprägen, stelle ich die schöno Schillerische Dichtung „Das Schiff" mit einer deutschen und einer schottischen Fassung desselben Gegenstandes aus dem Volksmunde zusammen. Der grundverschiedene Stil ist ohne weiteres klar. Schiller:

Ein Vogel ist es, und an Schnelle Buhlt es mit eines Adlers Flug; Ein Fisch ist's und zerteilt die WeUe, Die noch kein grössres Untier trug; Ein Elefant ist's, welcher Türme Auf seinem schweren Nacken trägt; Der Spinnen kriechendem Gewürme Gleicht es, wenn es die Füsse regt. Und hat es fest sich eingebissen Mit seinem spitz'gen Eisenzahn, So steht's gleichwie auf festen Füssen Und trotzt dem wütenden Orkan.

Mecklenburgisch (Wossidlo 101):

Dor flücht'n Vagel stark wol na dat groot Mark.

i.) ScheU in d. Zt^chr; d. Ver. f. Volksk., 8,294, Nr. 8.

Wat dreht he in sinen Kropp ?

Dree Draht Dropp. '

Wat drecht he in sien rechten Been?

Schier un Sliepsteen. Wat drecht he in sien linken Been?

Hamer un Tang.

Schottisch (Chambers, Nr. 16):

As 1 gaed to FaHcland to a feast,

T mrt withJ (w ug y e st.

I ■ n tails. a hunder nails,

And no a fit (foot) but ane.

Wenn wir nun zum Volksrätsel selbst übergehen, so wird der Blick fast geblendet durch $ine unerschöpfliche Fülle der Formen. Äussere und innere Form, Metrum und Stil wechseln bunt ab, ein und dasselbe Rätsel verbindet von Alters her oder durch spätere Vermengung höchst ungleichartige Bestandteile, und der eiste Herausgeber, dor sich ernste Mühe um eine vernünftige Anordnung gegeben hat, Richard Wossidlo, gesteht selbst seine Verlegenheit ein, die er oft bei der Unterbringung dieser oder jener Nummern verspürt habe. Auch uns werden sich für die Einordnung oft Schwierigkeiten ergeben. Immerhin finden wir, dass man doch, vom Einfachen zum Verwickelteren aufsteigend, gewisse Gruppen unterscheiden kann. In den meisten Fällen haben wir einen einzelnen Gegenstand, der uns (auf welche Weise, wird sich weiterhin ergeben) geschildert wird. Mehr Leben gewahren wir schon, wenn die einzelnen Teile des Objekts (natürlich nicht alle, wie im Kunsträtsel, sondern nur jene, die dem Volke am meisten auffallen) für sich oder neben dem Ganzen dargestellt werden. Das führt uns weiterhin zu solchen Rätseln, die sich mit mehreren, ein Ganzes ausmachenden Einzelgegenständen beschäftigen . und endlich sind die Fälle nicht selten, wo mehrere Dinge, frei für sich, neben oder gegen einander auftreten.

Diese Beschreibuugen, die durchaus nicht ganze Sätze zu sein brauchen, sondern oft nur in einer bildlichen oder schildernden oder tonmalenden Benennung, auch wohl in der Verbindung einer solchen mit einem ausführenden Satze bestehen können, bilden den eigentlichen Kern, die Hauptsache des ganzen Rätsels. Ohne sie ist es nicht möglich, oder — „unwirklich*. Zu diesem schildernden Kerne aber treten oft noch ganz andere Bestandteile hinzu. Wenn wir jene beschreibenden und benennenden Stücke vielleicht als „Kernelement" bezeichnen können, so wollen wir dem gegenüber ein „Rahmenelement" hinzufügen. Darunter verstehen wir Sätze und Formeln, die am Anfang und Ende der Rätsel stehen, um unser Interesse für sie zu erregen, unsere Spannung zu erhöhen, die dem Ratenden die Schwierigkeit deutlich vor Augen führen, und in der sicheren Erwartung, dass er die Lösung doch nicht finden werde, gewagte Versprechungen von hohen Belohnungen nicht scheuen, die bisweilen noch an die gute alte Zeit der ernsthaften Rätselwettkämpfe erinnern. Wenn wir noch erwägen, dass nicht selten im Rätsel ein scheinbarer Gegensatz ausgedrückt wird, d. h. eine Eigenschaft in die Beschreibung eintritt, die mit einer andern im Widerpruche steht, und dies für die Spannung sehr wertvolle Element vielleicht als das „hemmende" bezeichnen wollen, so würde ein „Normalrätsel" der oben bezeichneten ersten Gruppe etwa folgende Anordnung zeigen: 1) einführendes Rahmenelement; 2) benennendes Kernelement; 3) beschreibendes Kernelement; 4) hemmendes Element; 5) abschliessendes Rahmenelement.

Solche Normalrätsel sind aber sehr selten. Ich könnte allenfalls einen Fall hier als Beispiel anführen (W. 40e):

1) In meines Vaters Garten

2) Seh ich sieben Kameraden,

3) Kein ein22), kein Bein,

4) Kann niemand erreichen.

5) Wer dieses kann raten,

dem will ich geben einen Dukaten,

Wer dieses kann denken,

dem will ich einen Louisdor schenken.

Meist fehlt das eine oder andere Rahmenelement, oder alle beide, noch öfter das hemmende Stück. Da dies aber im allgemeinen mit denselben Mitteln arbeitet, wie die Kernelemente, so bedarf es keiner gesonderten Betrachtung. Wohl aber müssen wir, um nachher desto freiere Hand zu haben, einiges vorausschicken über die Rahmenelemente.

Im allgemeinen ist zu sagen, dass der Engländer1) und der Norddeutsche die Umschließung des Rätsels weit mehr zu lieben scheinen, als der Oberdeutsche und der Romane. Da ich zum Beispiel in den beiden Sammlungen von Rolland (man hat nämlich ausser den Devinettes ou enigmes populaires de la France 1877 noch den wichtigen Band „Rimes et jeux de Tenfance" heranzuziehen, der als 14. Band der grossen Sammlung Les littöratures populaires de toutes les nations, Paris, Maisonneuve et Cie. erschien und auf S. 193-217 auch 88 Rätsel enthält) keine einzige . Sclilussformel antraf, so sali ich mich in den dialectischen Sammlungen um, fand aber selbst in der sehr reichhaltigen Zusammenstellung für Armagnac bei Blade nur ein einziges sicheres Beispiel, wo der Reim den alten Schluss erhalten hat, Nr. 15 („Der Hahn"):

Baraguin, Baragan, Debinaratz pas d'engo an!

(Vous ne le devinerez pas de cette annee).

Im Italienischen kommen die Formeln eher vor, aber auch nicht eben häufig. Als Beispiel für eine allerdings im Vergleiche zum Deutschen ziemlich zahme Belohnung sei hier angeführt (Pinie):

Alto alto padre

Bassa bassa madre

Fijolini neri, Nipotini bianchi, Chi ce 'ndovina 'n paro di guanti.

(Aus: A* Gianandrea, indovinelli marchigiani bei Pitre im Areh. d. trad. popol. 1).

Wir besprechen 1. die einführenden Rahmenelemente und betonen, um Verwirrungen vorzubeugen, gleich im Anfang, dass die Einführung für sich besteht und nichts mit der etwaigen bildlichen Einkleidung des Rätsels zu thun hat, sich also völlig loslösen lassen muss, ohne den „Kern" irgend zu berühren. Man vergleiche etwa ein schweizerisches Rätsel über die vier Elemente23):

Es seit de gross Alexander, Es lauild vieri mit enander; S'erst lauft und wird nit matt . . .

mit der mecklenburgischen Fassung24):

Es sind vier Brüder in der Welt, Die haben sich zusammengestellt, Der eine läuft und wird nicht matt . . .

Jenes fügt zu der Einkleidung noch eine Einführung, zu der es durch den Reim kam.

Seltener ist der Fall, dass eine Einführung sich durch ein mehrteiliges Rätsel, in gewissen Veränderungen, hinzieht, wie in dem schönen, mannigfach variirten französischen Rätsel von den Himmelskörpern:

Ma sceur a une pomme Qu'eile ne peut couper; Ma mbre a un foulard Qu'elle ne peut ployer; Mon pbre a des ecus Qu'il ne peut compter.

Die dreimalige Einführung, durch ihren Parallelismus charakteristisch, hat mit dem Kerne des Rätsels nichts zu

thun, sie könnte wegbleiben und durch ein prosaisches „il y a" ersetzt werden. Aber die Nennung von Schwester, Mutter und Vater, die der Fragesteller wie seine eigenen nennt, bringt uns die Gegenstände der Frage so nahe, wie er selbst uns steht. Dagegen handelt es sich nicht um eine Einführung, sondern um eine Einkleidung, um ein Bild, im englischen Sternenrätsel25):

I havs a little sister, They call her peep, peep; She wades the waters

deep, deep, deep, She climbs the mounfains

high, high, high, Poor little creature she has but one eye.

Was nun die verschiedenen Formen der Einführung betrifft, so ist zunächst die einfache Aufforderung zum Raten zu nennen. Dies Rahmenelement kann sowohl am Anfange, als am Schlüsse des Rätsels stehen und ist in der ersteren Stellung in Deutschland sehr wenig beliebt. Es sei hier die tirolische Formel angeführt (Renk 155): „Ich gieb was zu raten," die sich im Reime auf „thaten" erhalten hat. Mehr Belege bietet das Englische: I<iddle-me, riddle-me, what is thut? (Hall. pop. rh. S. 142). Oder, allisterierend fortgesponnen: Riddle-me, riddle~me, rot-tot-tot. (Chambers, Nr. IV, auch substantivisch: A riddle, a ridde, as 1 suppose. (Hall. nurs. rh. 128) oder, noch origineller: „See! see!* — „what sludi I see?*

Italienisch steht eine solche Formel gelegentlich reimend, doch selten: 'Ndovina 'ndovinaja (: paja); bei Gian-anandrea, a. a. 0.

Aus dem Französischen könnte ich nichts anführen. Es behilft sich meist mit Wendungen wie: Qui est — ce qui... Qu est — ce que ... Quelle chose est — ce qui..italienisch etwa: Qual e quella cosa . . . Cos' e u. dgl.

Wenn man keine direkte Aufforderung zum Raten aussprechen, sondern nur das Interesse erwecken will, so genügt es hierzu schon, wenn ein Ortsname genannt wird. Es ist aber auch hier Vorsicht geboten. Oft gehört der Name zur Einkleidung. Wenn es im Rätsel vom Ei z. B. heisst:

Zu Weissenburg im Dome Steht eine gelbe Blume,

so gehört Weissenburg als benennende Bezeichnung der Eierschale („Dom" von der Gestalt) mit zum Kerne des Rätsels selbst. Die Namen in der Einführung geben entweder eine Stadt an, einen Ort, der dem betr. Stamme ganz besonders vertraut ist und deshalb bisweilen an die Stelle jener alten bedeutsamen Namen des Rätselkernes tritt (so in Schlesien Breslau: „In Brass'l aim Tumme etc.") oder es wird ein Name durch den Reim bedingt, und vielleicht ein zweiter durch Alliteration oder Assonanz gefunden. Vergl. etwa aus dem Ostfriesischen (Windmühle);

Tüschen Loge un Leer, • Dar steit'n wunderlich Deer1).

Wie übrigens Rahmen- und Kernelemente neben einander treten, ja einander verdrängen können, lehrt das Rätsel vom Ei (W. 32):

Zwischen Berlin und Kopenhagen Liegt 'ne goldne Uhr begraben.

„Kopenhagen für die „Kuppe" des Eis ist sehr wohl zu verstehen; aber Berlin kann für den Mecklenburger höchstens die Bedeutung haben, wie Breslau für den Schlesier, gehört also zu den Rahmenelementen. Wie die Bezeichnung hineingekommen ist, lehrt eine Variante: „In Kopenhagen liegt eine goldene Uhr begraben," d. h. innerhalb der Schale das goldgelbe Ei (Dotter). Da man aber von vielen Rätseln her

9 Das Werk yon Hermann Meier: 200 plattdeutsche Rätsel aus dem Yolksmunde der Ostfriesen war mir nicht zugänglich. Ich benutzte den Rätselabschnitt seines Werkes: „Ostfriesland". 8. dort Kr. 17.

(vgl. jenes friesische von der Windmühle) der Zusammenstellung zweier Ortsnamen mit „Zwischen" gewohnt war, so griff man später, wo vielleicht „Kopenhagen" in seiner alten Bedeutung nicht mehr klar war, sondern die nordische Hauptstadt26) bedeutete, zu einer zweiten Hauptstadt, und so kam Berlin, nach einer Variante auch Stettin, in das Rätsel hinein.27)

Wenn kein Ortsname angegeben ist,. so sind doch in Niederdeutschland andere Ortsbezeichnungen sehr beliebt, und vielleicht noch mehr als jene geeignet, die Aufmerksamkeit zu erregen. Der Fragende stellt den Gegenstand als etwas in seiner nächsten Nähe, in oder bei seinem Hause befindliches dar.

In Braunschweig herrscht die Einleitung vor: „Hinner usen Huse."28) Da steht der Bienenkorb, ragen die Bohnen, wächst der Kohl. Auch in Mecklenburg ist die Formel „achter unser Hus" sehr beliebt;29) Die Häufigkeit geht wohl auf die Bequemlichkeit zurück, womit das Wort auf gewisse dunkle, allgemeine und als Benennung für alle möglichen Dinge gebrauchten Worte reimt, z. • B. Perlepuse (etwa: Eiszapfen) oder Kunkelfuse30) (etwa: Bienenkorb). Ein gebräuchliches Reimwort ist auch „krus" (kraus oder Krause), und wenn dieses nicht überall so bequem einzusetzen ist, wie etwa beim Kohl:

Hinner usen Huse

Steit ne Krickelkruse, (Andree, S. 854.)

so bildet man wieder eine solche allgemein giltige Benennung, den Eigennamen „Peter Kruse", also etwa vom Maulwurf:

Achter unser Hus'

Haakt Peter Krus\ (W. 53 a.1)

Spezieller wird auch die Art des Hauses angegeben (W. 50): „Achter minen Vater sinen Katen". Oder ein Teil des Hauses (W. 46): „Hinner uns' Kammer" (im Reime auf: Hammer).

Soll dagegen diese Ortsbezeichnung keine Vollzeile, sondern nur eine Halbzeile bilden, so setzt der Mecklenburger, dessen schwere, langsame Aussprache „Hinter üsem Hüse* sich nicht in die schnellere „Hinner usen Hüs da - - - " verwandeln kann, lieber: „In unsern Hof dor is___"*) u. dgl.

In Mecklenburg wird auch gern der „Garten" herein gezogen, der sehr bequem assoniert, z. B. „In meines Vaters Garten" W. 40 (: Kameraden), woraus W. 42 rLeoparden" werden. Doch wird auch, besonders in hochdeutschen Texten, diese Ortsbestimmung reimlos erhalten W. 38: „In meines Vaters Garten steht ein Baum* hier ein Baum und da ein Baum* (folgt ein rhytmisches Kettenrätsel von der Bohne). Auch „Hinter unseres Herren Garten" (: Kameraden) tritt auf (W. 41).

Ich fuge hiierzu aus dem Englischen: At the end of my yard ihere ie a val (Hall. pop. rk S. 146) und im Reime aus dem Schottischen: There sfands, a (man) tree at our houee encL (Chamb. Nr. 2). Den engen Raum des eigenen Hauses verlässt das Rätsel schon, wenn es heisst: „Twischen uns1 Huus und Xawers Huus" (W. 53b) oder „Achter Schulten Sehüün" limReiine auf „Peter Prüiin", eine gleiche Bildung wie „Peter Kruse").

Keimlos ist clif» Einführung in Ostpr^u^MMi erhalten. Tgl. etwa (in den Känd**n d»*r preu<s. Provinziaibl.. deren Kät.sel Friscb-bier meisi in seine Kammhmireii mit auf'ir*inoiNni<,r] hati: «Minder onsem Huus" si»-il e }*<M>m~ <<f"t*>i- ^j. Jn Schleswig1: „In udf Huk da Ktflt en .Mann" t] »iermi^sen. l't de Mu^kist. Ki»*l S. 73j.

Etwa W. H4. H<».

Das berühmte Rätsel vom Menschen wird gern durch eine kurze Ortsbestimmung eingeleitet. Meier (Ostfriesl. Nr. 23): „Up de Diek, dahr stahn twee Palen"; in Mecklenburg mit Binnenreim: „Uppe Däl stahn twee Pöl", u. ä. (W. 164).

Neben diese Ortsbezeichnungen tritt nun aber noch eine andere, minder deutliche Art der Einführung, die Klangzeile. Wir hatten schon den schottischen Yers: Riddle-me, riddle-me, rot-tot-tot, wo die Aufforderung zum Raten alliterierend und dann assonierend fortgesponnen war. Das gleiche Mittel, durch Klangwirkung die Aufmerksamkeit zu erregen, ist im Niederdeutschen beliebt; während aber jene schottische Zeile in ihrem Kerne doch einen Sinn enthielt, haben wir hier blosse Klangwörter, die vielleicht für sich und an anderer Stelle eine gewisse Bedeutung haben mögen, hier aber nicht. Ihre Bildung ist folgende:

A. Auf den Schluss der ersten Zeile des „Kernes" wird ein Reim gebildet: a. Am einfachsten W. 71 (Spinnrad): Wuppdi! Ick will hüt Abend up Di! — b. Oder mit Wiederholung: Ole, Ole, He-set bi mi up'n Stole (W. 62).

B. Vor das Reim wort tritt ein anderes oder mehrere, die mit ihm in Klangverbindung stehen, a. Allitterierend: ein Ansatz schon W. 68: Peterzillenzipp, Ik heff 'n Ding, dat wippt. Ausgeführter: Rüe, rüe, rip, Wo gäl is de Pip (allgemein bekannt). Oder: Rim, ram und runt, Rund herüm sin 7k bunt.!) — b. assonierend. Dies kann ich niederdeutsch weniger nachweisen; doch z. B. aus Schlesien: Ruut, ruut, guut, Fläsch an kä Bluut.31)

Noch einen Schritt höher steigen wir hinauf, wenn der Frager uns Ort und Stelle angiebt, wo er den fraglichen Gegenstand erblickt, den Vorgang mit angesehen hat. Gegenüber den oben geschilderten Ortsbestimmungen sind diese rein subjektiv gehaltene subjektive Situationsangaben, a. Auch hier haben wir bisweilen wirkliche Ortsnamen, die

aber mit dem Kenn» E-ki*eL> wec^r tfcuji & K

im Sehottisekm C^amb. Ix In :

Aä I ßb"i iHrr» E» ____

As I U i t ....

und englisch «Hall. nirs. rh- 125»:

Am I mfnt :r*rr bri i+r

u. ä.-» Dagegen scheint die Formel i HalL pop. rh. S.

As I ¥r~r T'^ery

doch mehr der Assonanz wegen zu stehen: ein fingierter Ortsname. — b. Eine allgemeinere Bezeichnung haben wir etwa noch bei Gregor Nr. IS:

As 11cent to th?

I f'lHrtd * .fi#V f-^nHr-rf/, —

c. Meist aber hält sich das Rätsel auch hier ans Haus und seine Umgebung. Eine sehr beliebte Situation im Englisch-Schottischen ist diese (Chamb. 14):

As I lookit otere my icindotc A ten o'clock at night*

und HalL p. rh. S. 145:

As I look 'd out o' my Chamber mndow.

Auch die Vorstellung der Burg taucht auf (Greg, 32):

As I leukit our ma father's casth ira\

Einfacher lautet es deutsch etwa bei W. 61:

Ik güng in de Kamer.

Der Garten tritt auf (Hall. nurs. rh. 130):

As I went trouqh the garden gap.

Das Dorf mit Strasse und Steg wird öfters herangezogen,

sonderlich im Deutschen. W. 60: Ich ging die Strasse wohl auf und ab, begegnet miß ... . Oder holsteinisch (Diermissen Nr. 3): Ik steeg mal över't Steeg. Auch ein Rätsel, das dem Kaiser im Schildbürgerbuche32) vorgelegt wird, beginnt: „Ich ging durch ein Gässlein." In die Umgebung des Dorfes führen W. 59: lk güng mal eens öwer höwen; oder der beliebte Eingang des hübschen Rätsels von der Eichel und ihren Teilen:

Ich ging einmal durchs Schilf, Da mir Gott hilf2),

wo die zweite Zeile, wohl des Reimes wegen aus irgend einer anderen, verlorenen Formel angeflickt ist.

d.8) Endlich haben wir noch Ansätze zum Zwiegespräch, die sich in verschiedener Weise zeigen. Am einfachsten W. 8: Nawersch, ick möt Di wat klagen . . . Doppelrede W. 6: „Goden Dach, Nawersch." „Schönen Dank, Nawersch." — Mit Eigennamen; im Reime (W. 7): „Goden Dach, Moder Zill, Doh mi (leih' mir) juge Rill (Harke); oder reimfrei (W. 171): „Mudder Wittsch, Mudder Wittsch, ^wat's dat vör'n Ding."

Dies wären die wichtigsten Formen der Einführung.

2) Die abschliessenden Rahmenelemente, bei den romanischen Völkern unbeliebt, erfreuen sich, wie es scheint, bei allen Stämmen germanischer Zunge grosser Verbreitung, auch da, wo die Einführungsformeln gar nicht oder seltener gebräuchlich sind. (Auch in den Niederlanden und in Süddeutschland).

Der Inhalt der Schlussformeln ist verschieden. Sie enthalten: A. die Aufforderung zum Raten; B. einen Hinweis auf die Schwierigkeit; C. eine Versprechung.

A. Aufforderungen zum Raten fanden wir in beschränktem Masse schon oben bei den Einführungen. Am

Schlüsse aber treten sie in viel grösseren Massen auf und zeigen eine reichere Entwickelung der Formen. Wir unterscheiden :

a. Reine Fragen, in Deutschland hie und da, bei ober-und mitteldeutschen Stämmen noch mehr, als bei niederdeutschen. Einfach angeklebt ist die Frage bei guten, alten Volksrätseln wohl nie. Sie ist durch den Reim angebunden. Wir steigen vom einfachsten aufwärts. „Was ist das?" (: Fass). Ostpreussisch.33) „Wat Ding is dat?" (: Gat). Vlämisch.34) „Was mag das sein?" (: Stein). Schlesisch.35) „Was mag 's echt sij?" (: drij.). Schweizerisch.36) „Wat mönst, mien Kind, wat es dat woll?" (: kroll). West-preussisch.37) „Kannst Du dat wol raden?"38) (r schaben). Mecklenburgisch. „Wat es dat for en Wunger?" (: darunger). Westpreussisch.39)

Die tirolischen Rätsel40) rekapitulieren eine Benennung aus dem Kern des Rätsels. Drei Beispiele mögen es zeigen: Renk 35, Die Orgel. „Wenn der Vater (Organist) kommt, schlägt er drein; . . . „Was wird das für ein böser Vater sein?" — Renk 110, Die Kirsche. „Es steht ein Vogel auf ein Fuss ..." „Rat, was für ein Vögele41) das wird sein?"42) — Renk 164, Die Buchstaben. „Es sind 24 Herren . . ." „Was wer'n das für Herren sein?"

b. Imperativ mit Frage. Gern verbinden sich eine oder mehrere Imperativformen mit einem direkten oder indirekten Fragesatz. Wir geben auch hier möglichst für jeden vorkommenden Fall ein Beispiel und befolgen dabei eine gewisse Ordnung, führen auch die Reime mit an (oder die Assonanzen): „Sech, bat is dat?" (: platt). Westfälisch.1) „Wat dat is, dat sech mi gau" (: dortau). Mecklenburgisch.*). „Etz root, was das iis" (: Wies). Sclilesisch.3) „Rothel, was isch das?" (: Glaas). Schweizerisch.4) „Rad mal eens, wat is dat?" (: Japp). Mecklenburgisch.43) „Rath mal,12) watt ös datt?" (: wart). Preussisch.44) „Rae mal tau, wat is dat?" (:Rad). Braunschweigisch.45) ,,Ra, ra, wat is dat?" (: satt). Ostfriesisch.46; „Rat1, wie das heisst?" (: Steiss). Deutsch.47) „Zag, wat me1 raadtelken bediet?" (: niet). Vlämisch.10) „Rat, was ist da drin?" (: Kind). Tirolisch.11) Eine Wiederaufnahme nach Art der oben besprochenen Tirolischen Rätsel kommt auch in Holland vor: „Raad, wat zijn die scherven dan13) (: kann), nachdem vorher das Siebengestirn als „zeven Scherven" gedeutet ist. Endlich ein schottisches Beispiel mit Wiederaufnahme wenigstens eines allgemeinen Wortes (Jonas):

The 'was a man of Adams race ....

. . . Teil me where this man did dwell. (. hell).

(Chamb. Nr. 3). Vgl. auch Greg. Nr. 11.

Nicht selten aber wird auch c. der reine Imperativ gesetzt, ohne eigentliche Frage, bald energischer, bald höflicher, bald endlich mit einem Hinweis auf die Schwierigkeit der Lösung. Selten dürften solche Reihen sein, wie diese (W.217b, auch Frischbier, Ztschr. f. d. Phil. IX, S. 68, Nr. 15):

Grün wie Gras, sag' mir das, Weiss wie Schnee, sage mir weh,1) Rot wie Blut, sage mir gut,

Schwarz wie Teer, sage mir dies Rätselein her.2)

Energisch klingt das englische:3) And now, Siofor your answer (: cancer). Schwächer schon schweizerisch:4) „Rot mer 's g'schwind" (: chindl Doch auch im Englischen5) milder: Read my riddle, I pray (: day). Und noch freundlicher in der Schweiz:48) „Sind so guet und rothet das" (: Glas). Weit verbreitet49) ist der Schluss: „Rat, mein lieber Michelf< (: Sichel) im Hahnenrätsel, der nur durch den Reim hervorgerufen und erhalten wurde. Doppelter Imperativ steht schottisch8): Come teil this bonny riddleum to me (: dee = die). Eine Frist wird, vielleicht als Ueberrest einer alten „Halslösung", einmal gestellt:50) „Raat min Herrn hüt Abend Klock söss" (: Prinzess).

Dagegen bilden die drei folgenden Rätsel schon den Uebergang zu jenen Schlüssen, die dem Ratenden die Schwierigkeit der Aufgabe vorhalten. „Rate mal, wer 's raten kann" (: an). Mecklenburgisch.51) Teil me this riddle, if you can (: man). Englisch.52) „Raad mar op, ge zult verliezen" (: biezen). Ylämisch.53)

Damit haben wir die Hauptformen der „Aufforderung" an der Hand von Beispielen erledigt und betonen nochmals, dass kein Rätsel im Volksmunde den Schluss einfach anflickt, sondern dass dieser immer durch Reim oder Assonanz fest mit dem Kerne verbunden ist.

B. Der Hinweis auf die Schwierigkeit soll wohl geradezu das Rätsel als aussergewöhnlicli anpreisen und des kundigen Fragestellers Ueberlegenheit darthun.

a) Auch hier sind Steigerungen zu beachten. Bisweilen wird der Gegenstand nur als etwas Rares dargestellt. So im Mecklenburgischen:54) „So wat heff 'k in minen laben noch nicli sehn" (: Been); oder englisch-schottisch, z. B. Chamb. 21: Sic a man was never seen (: baue). Oder es wird erklärt, dass nur ein Kluger die Lösung finden werde:55) He is a wise man, who can teil me that (: hat); I count him wise that, can this teil (: feil), oder spezieller: l.'ll take a good scholar, to riddle me that (: black). Diese Art ist im Deutschen noch seltener als im Englischen.

b) Bei der Vorliebe des Volkes zum Superlativischen wird meist die Lösung von vorn herein als unmöglich dargestellt; man beachte die Steigerungen unseren Beispielen: Ye winna (will not) guess that (: brak) schottisch;56) Read my riddle ye cant, However muck ye try (: by) englisch;57) „Gij kunt het niet raden, at waart gij met sessen" (: esschen) vlämisch;5) „Du sass 't nich raden, un warst du ok dull" (: krull) mecklenburgisch;8); Ye 9II guess that though ye were hanged in a tether (: leather) schottisch;7) Though ye sud clatter a day, ye 'd never clatter that (: cat) desgl.;7) Though ye guessed a day, Ye 'd no guess that (: cat) desgl.;7) „Gij kunt het niet raden, maar in honderd jaar" (: paar) vlämisch.8)

Umgekehrt wird nun aber auch der Schluss bisweilen gerade benutzt, um die Leichtigkeit der Lösung auszudrücken. Dies kann wohl zur Ermutigung der Hörer dienen, wie in einem schlesischen Rätsel (Peter 344): „Bist Du a praafr Joung, do d'rroutst Dus wool" (: Kool). — Meist aber stellt es in derber Weise die Unwissenheit dessen fest, der so ein einfaches Rätsel nicht lösen könne; so in Tirol (Renk 134): „Wenns Du nicht erratest, ein Narr bist" (: ist's), oder gröber in Mecklenburg (W. 180): „Wer dat nich raadt, de schitt de Hosen vull" (: krull).

C. Preise und Belohnungen. Wie ehemals in den alten Rätselwettkämpfen nicht selten das Haupt oder die Braut zum Pfände stand58 so hat sich in den Schlusszeilen unserer Volksrätsel noch manche Versprechung von Preis und Lohn erhalten. Freilich ist mit der Bedeutung, mit dem Ansehen des Rätsels auch der Kampfpreis oft bedenklich gesunken. Das Haupt wird nur noch in einem alten schottischen Rätsel eingesetzt (Greg. 24): Come teil me my riddle, an Vll gee ye ma head; doch bei genauem Zusehen bemerken wir zu unserer Ernüchterung, dass es sich gar nicht um den Kopf handelt, sondern um einen Topf, den sich der Sprecher übergestülpt hat und nun in kühner Übertragung „my head" nennt.

Mit mehr Ausdauer hat sich, wenigstens in Norddeutschland (in England war es wohl verpönt), das Motiv der Liebe erhalten. Bei Wossidlo finden wir reiche Ausbeute, aber die Rätsel drücken sich oft nicht eben gewählt aus. Immerhin müssen wir hier die Haupttypen1) aufführen. W. 40 f: „Wer dies kann erdenken, Dem will ich mein Herz schenken;" W. 68 b (auch Andree 25): „De dat rödt, sali bi mi slapen" (: knaken); W. 40a: „Wer dieses kann raten, der soll über Nacht bei mir schlafen." — Von „dritten" Personen: W. 40d: „Wer dies kann raten, Wer dies kann wissen, Der soll eine hübsche Jungfer küssen;" W. 202: „Wer 't kann raaden, Sali öwer Nacht bi de Jungfer slapen;" W. 217c: „Wer das kann erraten, Der soll haben 300 Dukaten Und mein Feinsliebchen küssen;" W. 101b: „Wenn Du dat raadst, sasst 'n Burgermeister sien Dochter frigen."

Vielleicht gehört es auch zu der eben besprochenen Gruppe, wenn dem klugen Errater ein Ring als Belohnung versprochen wird. So im Englischen: „If you teil me the

riddle, I 9II give yon a ring (string).59) Aber auch etwa im Sclilesischen: „Waar das d'rrout, dam win ich maen Reing schänke." (: Hände).60) Auch Geldgeschenke sind nicht unerhört (Hall. n. rh. 130): If you 'II teil me this riddle, 1'II give you a groat {: throat). Von deutschen Beispielen seien nur erwähnt W. 40 a (Var.): „Wer das kann raten, soll haben hundert Dukaten;" W. 40e: „Wer dies kann denken, dem will ich einen Louisd'or schenken." Sehr beliebt sind Getränke. Z. B. schottisch (Greg. 45 = Chamb. 1): 1 Hl give any man a pint o wine, That 61II read my riddlq right; holsteinisch (Diermissen Nr. 9): „De dat raden kann, de schall 'n besten Buddel voll Wien hebben."62) Im Mecklenburgischen etwa: W. 40b: „Wer dies kann denken, Soll sich ein Gläschen Wein einschenken;" W. 68a: „Wer das wohl kann rathen, Wer 's sich wohl kann denken, Dem will ich eine Weinkalteschale schenken."

Auch Speisen werden genannt: W. 36c: „Kannst Du dat raden, Gäw 'k Di 'n Braden." Gesteigert: W. 104i: „Der soll haben sieben Braten." Anderer Art sind Speisen, die in den Varianten zu W. 40 a aufgeführt sind, z. B.: „Dem will ich ein Hündchen braten;" „Dem will ich 7 Eier braten."

Bisweilen ist das Rätselobjekt selbst versprochen, z. B. ein Krebs: W. 175d: „Wer dat raadt, de sali enen hebben.". Ins Geschmacklose verfällt das Rätsel, wenn es sich, W. 430b, um eine Spinne handelt: „Kannst Du dat raden, Ik will Di een kaken." Bei der grossen Vorliebe für Häufungen, die jede Art der Volkslitteratur zeigt, finden wir natürlich auch hier gern mehrere Belohnungen auf einander gepfropft, z. B. W. 40c: „Können Sie 's mir. erraten, Ich geb1 Sie 'n Braten;

Können Sie 's mir erdenken, Will ich Sie eine Flasshe mit Wein schenken."

Endlich sei auch nicht verschwiegen, dass ebenso wie bei der vorigen Gruppe die Schwierigkeitsbezeichnung, so auch hier die Belohnung siel) in ihr Gegenteil wandeln kann. Es droht dem Unwissenden eine Strafe. Greg. Nr. 41 (The watch): In ye dinna (do not) teil me riddle, a 71 (/ will) shot ye wi 'ma pistal (: crystal). Damit haben wir auch die Betrachtung der abschliessenden Rahmenelemente beendet, denn blosse Füllwörter sind wohl kaum herzurechnen, wie in* jenem mecklenburgischen Rätsel von der Distel (W. 207) eines steht;

Dideldu dadeldu satt inne gröne Wisch, Hadd'n krusen Kragen um, Kyrielies!

Natürlich finden sich von hier aus mannigfache Übergänge zu jenen Elementen, die wir zum Kerne des Rätsels stellen. Schroff heben sich eben die verschiedenen Gruppen nirgends gegen einander ab; bald leiser, bald stärker sind die Differenzierungen, wie im ganzen Gebiete der Volkspoesie.

Die Kernelemente.

Wenn man eine grössere Sammlung von Volksrätseln zur Hand nimmt, so fällt es schwer, sich in dem bunten Gewirre der Formen zurecht zu finden. Unendlich scheint die Zahl der Mittel, deren sich das Rätsel bedient, und ebenso unendlich die Variationen, in denen die verschiedensten Elemente zusammengestellt werden. Bald positive, bald negative Angaben werden gemacht, bald eine äussere Eigenschaft, eine Farbe angegeben, bald die Grösse elativisch beschrieben, bald der Zweck vor Augen gestellt, und das alles in so buntem Gewirr, mit so reicher Abwechselung im selben Rätsel, dass es nicht leicht ist, nur die einzelnen Elemente für die Darstellung herauszuheben. Und auch bei diesen kommt viel darauf an, sie im Zusammenhange des ganzen Rätsels zu betrachten, da sie sonst ihre Verständlichkeit verlieren. Immerhin sondern sich bei genauer Betrachtung der

Palaestra. IV. 5

Mittel zwei Hauptgruppen von grösserem Umfang aus, die zwar auch gelegentlich in einander übergehen, im ganzen aber doch rein erhalten sind. Wir bezeichnen sie kurz als Benennung und Beschreibung. Wenn wir etwa finden:

Oben spitz und unten breit, Durch und durch voll Süssigkeit,

so haben wir eine blosse Beschreibung. In dem Rätsel:

Hanterlantant ging über das Land, Hat keiner mehr Füsse als Hanterlantant

ist dagegen die Beschreibung mit einer Benennung verbunden. Beide Arten der Bestimmung können getrennt für sich bestehen, kommen aber meist verbunden vor. Natürlich fasst unsere Betrachtung dieser beiden Darstellungsgruppen nur die formale Seite des Rätsels ins Auge. Wir dürfen die inhaltliche dabei nicht ausser Acht lassen, und müssen uns klar zu machen suchen, was das Volk von dem zu erratenden Gegenstande der Bezeichnung für wert hält, nicht nur, wie es diese Bezeichnung bewirkt. Da die Verhältnisse hier anders liegen, als bei der eigentlichen Poesie, wo sich Form und Inhalt decken sollen, da vielmehr das Volk mit seinem Formen- und Formelschatze hier ganz frei schaltet, so muss von einer getrennten Besprechung der formalen und inhaltlichen Seite abgesehen, beide müssen mit und in einander aufgearbeitet werden. Äusserlich scheiden wir zunächst nach den Einteilungsgrundsätzen, die uns eben die Form an die Hand giebt.

Das benennende Kernelement.

Wir lernten schon in „Hanterlantant" ein ausgezeichnetes Benennungswort kennen. Frisch an den Anfang des Satzes gestellt, führt es uns den Gegenstand (die Egge) selbst vor, sodass unser Interesse schon grösser ist, als wenn wir nur von ihm hörten. Die Assonanz prägt sich unserm Ohre ein und malt die eigentümliche hüpfende Bewegung und das dabei hervorgebrachte klappernde Geräusch besser, als es eine lange Beschreibung vermöchte. Aber die Beschreibung ist darum noch nicht überflüssig, wie es denn viele solche Gegenstände giebt, auf die unsere Benennung passen würde. Näher bestimmt ist sie erst dadurch, dass die bezeichnete Bewegung auf dem „Lande" geschieht und durch die in echt volkstümlicher Weise elativische Andeutung der vielen Zähne. Wie in all diesen benannten Rätseln, ist auch hier der Gegenstand belebt, ja gewissermassen personifiziert — doppelt geeignet für ein Rätsel, indem es einerseits die Aufmerksamkeit erregt, und andererseits den Hörer noch mehr verwirrt, da er doch nun zunächst an etwas Lebendiges denken wird. Wir sehen schon, wie gut sich Benennung und Beschreibung ergänzen. Die Beschreibung allein ist tot, wenn ihr nicht wenigstens das Motiv des Gegensatzes63) zu einigem Leben verhilft; die Benennung allein läuft Gefahr, vieldeutig, d. h. undeutlich zu werden und ist darum nicht recht beliebt, ausser in Rätseln über mehrere Gegenstände, wo der Contrast zweier Benennungen jede einzelne klarer macht; sonst habe ich eigentlich nur in Renks Sammlung aus Tirol ganz auffallende Beispiele gefunden. Wir hatten bei den Schlussfragen schon einmal den Tirolischen Rätseln eine Sonderstellung zuerkennen müssen, aber ich glaube, dass diese sich als oberdeutsche Charakteristika erweisen würden, wenn wir eben aus mehreren süddeutschen Landschaften Sammlungen hätten, die der Renkischen, zwar nicht umfänglichen, aber inhaltreichen entsprächen.

. Um die eben nicht häufigen Benennungen ohne folgende Ausführung gleich vorweg zu erledigen, seien hier angeführt: a. In isolirter Stellung (Renk 73/75): Nolpersteiger Annele (Katze); Strohschliefers Urschel (Maus); Wegläufers Gretel (Hund). Derlei patronymische Benennungen unterscheiden sich von dem oben erwähnten „Hanterlantant" dadurch, dass sie keine Klangwörter, sondern frei nach der Thätigkeit des betreffenden Tieres (oder nach dem Ort, nach der Stelle, wo diese ausgeübt wird), in Anlehnung freilich an schon vorhandene Wörter gebildete Bezeichnungen sind.

b. In gegensätzlicher Form. Wenn sich in dem berühmten, durch alle Sammlungen hin verbreiteten Zwiegespräch64) Wiese und Bach necken, und die erstere nach ihrem künftigen Schicksal „Kahlgeschorene" oder noch kürzer „Kahlkopp", der schlängelnde Bach aber „Knickerkrummtim" genannt wird, so ist die Lösung nicht leicht. Immerhin läuft das „Kringelkrummüm" u. s. w. doch meist mit dem Binnenreime aus: „wo wist Du henüm?", sodass wir doch schon eine Andeutung davon hören, dass es sich um einen beweglichen Gegenstand handelt. Ohne diese kleinen Hilfen könnte das Rätsel gar nicht bestehen, hat es wohl auch nicht bestanden, denn ich glaube, dass jene Form unserer Nummer die ältere ist, wo die Wiese noch einmal erwidert und derb zu verstehen giebt, dass sie noch nicht so oft geschoren, als dem Bache im Winter sein Wasser erstarrt sei. Aus solchen Elementen ist die Lösung wohl zu finden. Jene dunklere, kürzere Form ist also wohl nur ein schwacher Überrest eines alten, vollständigeren Stückes. Noch schwieriger wird natürlich der Fall, wenn die beiden Gegenstände nicht so eng zusammengehören, wie Bach und Wiese, sondern etwa Bach und Mäher kontrastiert werden:

Krickelkrummüm, Wo löppst du na? — Hakenmaschuurken, Wat fröchst du na?

Solche Rätsel sind eben auf normalem Wege nicht lösbar und gehören eigentlich zu den „unwirklichen" Stücken. Denn „ Hakenmaschuurken" bezeichnet in der Rätselsprache nur einen Gegenstand, allenfalls einen Mann,65) von hakenähnlicher Gestalt oder mit einem Haken u. dergl. versehen. Diese Benennung ist natürlich unzulänglich.

Noch kürzer reden sich Bach und Ente an (W. In): „Du olle Wickel wackel!" — ,.Du olle Plitschplatsch!"; was aber doch nicht ganz so undeutlich ist, wie das vorige, da es sich um ziemlich allgemein bekannte Benennungen handelt, die, wenigstens in Niederdeutschland, sofort verständlich sind. Beides sind Klangbilder allitterierender Bildung mit Ablaut, die erste bezieht sich auf die Gangart, die zweite auf das Geräusch, das den Gegenstand auszeichnet.

Weitaus die meisten derartigen Bildungen, vor allem die Klangwörter, beziehen sich auf das eigentliche Object des Rätsels und stehen darum auch an seiner Spitze. Es giebt aber auch etliche Fälle, wo gewisse Nebendinge mit erraten werden sollen und die Benennung der Nebenlösung und die Beschreibung der Hauptlösung sich gegenseitig ergänzen und erklären, freilich auch wieder die Auffindung erschweren. Beschreibung und Benennung gehen dann in einander über. Als Beispiel führe ich zunächst das bekannte „Flolirätsel" in folgender Form an:

Es kamen zwei gegangen, Die nahmen ein'n gefangen, Von Dribblewitz nach Tischlewitz, Von Tischlewitz nach Knackersdorf, Und da ward er gehangen.

Die eigentliche Hauptlösung lautet „Floh". Es treten aber noch andere, zu erratende Gegenstände hinzu, die Stationen auf dem Leidenswege des Gefangenen. Würden diese einfach beim natürlichen Namen genannt, so wäre das Rätsel eben kein solches mehr. Sie werden also eingehüllt, aber doch in ein so durchsichtiges Gewand, dass nun auch die Hauptlösung ohne grosse Mühe zu finden ist.

major, Schwindelmeier, -huber, -fritze u. dgl. „Major" bezeichnet zwar beim Volke eigentlich einen „Vorgesetzten" (Schwinsmajur ist der Schweinehirt), aber davon ist oben im Rätsel keine Rede mehr.

Noch klarer sind die Nebenlösungen in dem hübschen Rätsel von der Kaffeebohne (Schell 24):

Es ging ein Herr nach Bohnebach, Yon Bohnebach nach Brandebach. Von Brandebach nach Kastern, Yon Kastern nach Tastern, Yon Tastern nach Leipzig, Yon Leipzig mit der Extrapost — Da wurde er umgebracht.

Die mecklenburgische Fassung (W. 30):

Frau Bohne reist nach Brandenburg, Von Brandenburg nach Mühlenburg, Von Mühlenburg nach Kanne, Von Kanne nach Tasse, Von Tasse nach Munde, Von Munde nach Schlünde, Von Schlünde geht's im schnellen Lauf Zum Thor hinaus--

ist zwar im ganzen geschickter, lässt aber die doch sehr wirksame Bezeichnung „Leipzig" fort und verrät vor allem viel zu viel in der Benennung „Frau Bohne". Ein ganz ähnliches, sonst bisher noch nicht bekanntes Rätsel hat dann der Mecklenburger über den Brotbissen (W. 29) und ein kleineres, dialectisches Stück, das allerdings mit auf einem Wortspiel beruht, geht über das Taschenmesser um (W. 30 a): „Dor keem 'n Mann von Mannshusen, würr kort, würr lang, würr wedder kort, güng wedder na Mannshusen." (Husen = 1. Hosen; 2. = Hausen).

Endlich können wir noch jene Rätsel hierher stellen, in denen eine besondere Eigenschaft, ein Teil des Gegenstandes mitten in dem beschreibenden Teile in kühner Weise durch Benennung bezeichnet wird. Man kann das bergische Rätsel vom Schafe herziehen (Schell. Nr. 2):

. Et geng ens en Dierchen öwer de Bröck;

De Bensches gengen de Knibbel de Knick;

De Hörkes gengen de Roll de Roll.

Wenn du't nitt rötst, dann wasch de doli;

Statt der Beine treten in der mecklenburgischen Fassung die Augen ein (W. 180):

Dor leep'n lütt Männken wol öwer den Diek; De Ogen de stünnen den Kikerdenkiek, De Hoor de stünnen den Krüseldenkrull, Du sasst't nich raden, un warst du ok dull.

Anders sind Rätsel zu beurteilen, wie das pommersche vom Raben:

Es ging 'ne Dame pitschpatschieren, Die hatt' ein Kleid von Nitschnatschnieren, Und ein schwarzes Käppchen auf.1)

Das Reimwort der ersten Zeile ist eine volkstümliche Verdrehung von „spazieren"; das der zweiten dagegen ist bloss eine parallele Bildung nach dem Muster des Anfangsreimes, die weder für die Benennung, noch für die Beschreibung des Gegenstandes irgend welche Bedeutung hat, zwar im Kerne des Rätsels steht, aber für ihn ganz unwesentlich ist und darum eher jenen Rahmenelementen beizuzählen ist. Wäre keine weitere Beschreibung da, so würde sie für die Lösung ebensowenig ausreichen, wie die Bezeichnung „'ne Dame" der ersten Zeile in ihrer Allgemeinheit, und damit kommen wir schon zu jener Gruppe von Benennungen, die unter allen Umständen einer Ergänzung durch beschreibende Elemente bedürfen; wir nennen sie:

Die bedeutungslosen Benennungen. •

Sie unterscheiden sich merklich und wesentlich von den „bedeutenden" oder „bedeutsamen" Benennungen. Denn diese enthalten in sich schon einen fördernden Grundstoff, der die Beschreibung anbahnt, wie wir oben bei „Hanterlantant" sahen. Anders hier. Es sind Füllungen, die teils den mangelnden und doch vom Ohre verlangten Reim herstellen, und darum mit der Klangwirkung vorgehen, teils aber auch blosse allgemeine Wörter, die nur dem Worte „etwas" entsprechen und auf die folgende Beschreibung hinweisen. Ganz besonders in dem reimfrohen und zu merkwürdigen Wortbildungen neigenden Norddeutschland sind sie sehr beliebt.

Wir betrachten zunächst: Klangworte und Klangnamen. Diese beiden Dinge sind nicht immer leicht zu trennen, manches eigentümliche Klangwort mag aus einer verderbten Namensform entstanden sein. Die Lust des Mecklenburgers zu allitterierend-ablautenden Wortbildungen ohne jede etymologische oder klangmalende Bedeutung (Wossidlos Sammlung legt oft genug Beweis dafür ab), zeigt sich besonders an einem Beispiel, an Nr. 7, wo wir allerdings noch einmal auf die Verhüllung der Nebenlösung kommen, wenn wir nicht die drei zu erratenden Gegenstände als selbständig nebeneinander stehend ansehen wollen. Es lautet:

Goden Dach, Moder Zill, doh mi (leih mir) juge Rill! — Gah man dörch minen Hiten-Haten, Wöhr di vor minen Priten-Praten,

Up'n Tuun dor licht de Rill. (Harke, Garten, Hund.)

Der Ausgang der ersten binnenreimenden Zeile ist klar. „Rill" ist die gerillte, ausgefurchte, d. h. ausgezähnte Harke. Dann aber folgen, auf einander reimend, parallel gebildet, zwei Benennungen, so unbestimmt und dunkel (die Varianten liefern noch weiteres, sehr reiches Material), dass sie nur durch ihre beigesetzten Bestimmungen, durch die Bezeichnung des ersten als Durchgangsortes, des zweiten als gefährlichen Gegenstandes, und durch die allgemeine, durch den Tuun u.s.w. angedeutete Situation genügendes Licht empfangen.

Weiter oben haben wir schon gesehen, wie viele Bildungen auf -us versucht werden, um nur die genügenden Reimwörter zu erzielen auf jenes Rahmenelement: „Hinner unsem Huus". Wir erwähnen nur noch einmal „Kunklefus"1), woraus dann in Ostpreussen, wo man die Bedeutung, die das Wort jedenfalls einmal gehabt hat, auch nicht mehr verstand, „Funkel

Fus" oder „Kampelhaus" u. dgl. wurde.66) Besonders gern entwickeln sich hieraus Namen, meist wirkliche Familiennamen, mit Vornamen oder mit Titel versehen. Sie reimen eben entweder auf „Huus" oder „Schüiin" (Scheune), oder „Kammer" oder sonstige wichtige Rahmenelemente. Ich gebe hier eine Auswahl von Namen, die in den Sammlungen von Wossidlo, Frischbier, Andree, Rachholz 11. a. so häufig sind, dass ich die Belegstellen fortlasse: (Huus) Peter Kruus, Buur K., Doctor K., Vater K., Unkel K., oll Kluus, Vadder Pluus, Peter PL; (Fuust) Uns' Knecht Knuust; (Schttün) Vadder Kühn, Peter Plühn, Peter Prühn, Hans Prien67); „Mutter Wips", das Feuer, bei Frischbier, 23,104, im Reim auf „Mütz" gebildet, und „Annanienchen" (W. 181 f.) auf „Stühlchen". — Blosse missverständliche Verdrehungen einstmals verstandener Wörter wie „Rawedenten" (Renk 146) oder „Tractaten" (Frischbier 23, 5, wohl für „Pallisaden") gehören kaum hierher.

Doch haben wir noch andere, ebenso wenig bezeichnende Benennungen, die nicht einmal Klangwirkung ausüben, sondern lediglich der Ausfüllung der Umschreibung dienen. So bei Wossidlo, Nr. 8 („Schwein"):

Nawersch, ik mööt di wat klagen, Mi is öwer Nacht 'n Stück entflagen (entflohen); Wisst du't nich glöben, De Hoor sitten noch twischen de Kloben.

Erst die Angabe, dass der Flüchtling die „Klöben" durchbrochen und eben dabei seine Haare sich abgescheuert habe, führt uns auf eine Vermutung über die Beschaffenheit des „Stückes".

Sonst ist diese Art unbestimmter Umschreibung in Mecklenburg nicht sehr beliebt. In Ostpreussen treffen wir gern „Jungfer" und „Mannke" an, letzteres bekanntlich ein

Lieblingswort jener Gegend; z. B.: „Ich hab 'ne Jungfer, und wenn ich die abzieh1, muss ich weinen" (Zwiebel), Frischbier 9, 65; oder das Rätsel vom Pflaumenbaum:

Steit e Mannke op eenem Been, Höd' sien Schwienkes ganz alleen. Dat mannke heet Balgart (?), De Schwienkes sön alle schwärt.

Während diese Benennungen doch wenigstens etwas Persönliches an sich haben und uns zur deutlicheren Vorstellung des Gegenstandes verhelfen, sind Umschreibungen mit „Ding" oder gar mit „Etwas" unpoetisch und unwesentlich. Wohl aber kann zu ganz allgemeinen Worten eine nähere Bestimmung in so enge Beziehung treten, dass wir darin eine „bedeutsame Benennung" sehen müssen, wovon weiter unten zu sprechen ist. So greifen auch hier die Grenzgebiete ineinander über.

Die bedeutsamen Benennungen.

Die Bedeutung, die einer Benennung beiwohnt, enthält in sich schon ein Stück der Beschreibung. Schon die grosse Mehrzahl der reimenden Klangwörter malt uns die Bewegungsart, die Stimme, das Geräusch u. s. wT. aus, an denen man den Gegenstand erkennen kann, und hierzu treten neue, teils bildliche, teils direkt benennende Bezeichnungen und Umschreibungen, neue, oft kühne Bildungen, die uns das Objekt des Rätsels vor Augen stellen.

Zunächst einige Typen der Klangbilder. Wenn wir innerhalb dieser formalen Gruppe zugleich darauf achten wollen, welche Seite des Gegenstandes die Benennung ins Auge fasst, welches der Inhalt des Klanges ist, so finden wir zunächst einige Beispiele, die sich an die äussere Erscheinung halten. Besonders die Aussenseite von Gegenständen, Pflanzen und Tieren, ihre rauhe oder krause Beschaffenheit werden bezeichnet, weniger die Grösse (Gestalt), Farbe oder der Stoff, denn all dies lässt sich eben nicht

leicht im Klange wiedergeben.68) Man bildet nun die Benennung . so, dass zu einem einfach bezeichnenden Element (etwa: Haar, kraus, rauh) die andere in allitterierend = ablautender oder assonierend reimend«* Weise (reimend auf die folgende69) Zeile, wie wir es schon bei den klingenden Rahmenelementen fanden), hinzugefügt werden. Also die Katze (TirolischJ): „ffira Hara" (hockt; das Verbum half der Allitteration); das Spinnrad (Mecklenburgisch70): „Ru ru runzeljahn, Wo dick is di de Buuk upgahn"; der Kohl (Braunschweigisch): „Hinner usen Huse steit ne Krickelkruse"71); die Brennnessel (Ostpreussisch, Ztsch. f. deutsche Phil. 9, 76, Nr. 68): „Hinder onsem Hus steit 'n Krusemus". Auf die Rundung der Gestalt beziehen sich etwa: Rochh. 7: „Rügeli- Chttgeli" (Eichel) und Renk 47: „Rungungele" (Zwiebel).

Eine grössere Anzahl von Klangmalereien beschäftigt sich mit dem, was mehr plötzlich ins Auge, oder ins Ohr fällt, mit der Bewegung eines Gegenstandes, mit dem Geräusche, das diese Bewegung begleitet, mit den Lauten, die ein Tier etwa hervorbringt.

Energische Bewegungen unregelmässiger Art fasst das Rätsel seltener auf. Allenfalls könnte man das Picken der Hühner, das zwar auch meist in mehrfacher Wiederholung auftritt hierher rechnen. Es hat den Hühnern die Bezeichnung als „Herren von Hickenpicken" eingetragen. Als diese sich in eine allitterierend-ablautende: „Hickenhacken" verwandelte, trat wohl Verwirrung mit andern Bildern desselben Vorstellungskreises ein, wie mit „Gigelgagel" u. dergl., das nielit mehr verstandene „Hickenpicken" selbst verdreht, und so ergab sich jene Unzahl von VarianUMi, sie bei Wossidlo zu Nr. 20 und 21 einzusehen sind.

Regelmässig wiederkehrende mechanische Bewegung»:. nimmt das Volksrätsel mit Vorliebe in seinen Betrachtungskreis auf. So die pendelnde, gleichmässig hin und her gehende Bewegung hängender, vom Winde bewegter, oder rundlicher, ins Stehen und Liegen gebrachter, aber noch unruhiger Gegenstände. Einige Beispiele: Die aufgehängte Speckseite, nach der die begehrliche Katze schaut, heisst: „Limpelampe" (Roch. 11, Renk 71), die Kirsche wird in Mecklenburg (W. 182) personifiziert als „Johann Wrickeldiwrackel", d.h. der Wackelnde72). Der eigentümliche Gang des Hundes trägt ihm den Namen „Tolitertol&ter" ein (W. 18), und ähnlich wird die Gans (W. 112) als „Witschelwatschel" bezeichnet. Ein Rätsel von beispielloser Verbreitung ist das vom Ei, das in Mecklenburg lautet (W. 20):

Entepetente leech up de Bank, Entepetente feel von de Bank; Dor keemen de Herren von Hickenhacken, Künnen Entepetente nich wedder heil maken.

Statt „Entepetente" hat fast jeder Landstrich, beinahe jedes Dorf eine andere Benennung. An den zahllosen Namen hat sich in früherer Zeit73), als sie noch nicht in ihrer Masse bekannt waren, die Lust zum Etymologisieren gern geübt. Aber wenn wir heut die ganze Reihe der Varianten überblicken, so stellt sich die Benennung einfach als eine ganz passende Bezeichnung des schwankenden, auf die Bank gelegten Eies dar. Man vergleiche etwa noch die englische Passung:

Humpty Dumpty sat on a wall, Humpty Dumpty had a great fall; Three score men and three score more, Cannot place Humpty Dumpty, as he was before.

Oder die schweizerische:

Annebadadeli lit uf em Bank, Annebadadeli fallt ab em Bank, S'isch ken Dokter im Schweizerland, Der's Annebadadeli bümbümberlen *) cba,

wo das Schwizerland lokalpatriotisch als Heimat berufener Doktoren an Stelle des anderwärts als ideales Reich genannten „Engellandes" eintritt.

Die Bewegung der Wiege wird durch ein kurzes „Wiga Wäga" (Renk 128) wiedergegeben. Eine andere Reihe bezeichnet die auf- und abgehende, meist hüpfende Bewegung: Schlitten „G ewiggeige waggel";74) Deichsel und Wagen „Wipup un Wapup";75) Egge „Fickfack";76) Augenlid „Hippi, hoppi-hemmerli".5) Die Benennung des Siebes als „mine Dochter Hissebisse" (Frischbier, Z. f. d. Ph. 23, 56) erinnert an die niederdeutsche Bezeichnung „Bisse" für etwas schnell und unruhig umherlaufendes, z. B. eine wilde Kuh. Nur ist die Bewegung von dem, was durch das Sieb hindurchläuft, auf dieses selbst übertragen worden; ähnlich nennt man das Fenster, das zum „Gucken" dient, in Tirol nicht bloss „Gucker", sondern auch „Guggugg" (Renk 86).

Von den Benennungen der Bewegung sind die des damit verbundenen Geräusches nicht immer reinlich zu scheiden. Namen wie „Hanterlantant" oder „Fickfack" für die Egge können sich auf beides beziehen und ebenso „Knickerdeknacker", oder Namen wie „Tripptrapp" (Maus) Frischb. 11,29; „Klippermann und I£lappermann" für Pferd uud Wagen;6) „Polickerpolacker" für den Regen;7) „Zackerbacker" für den Wind;8) und „Krizkraz" für den Besen.9) Letzteres tritt in einem jener kurzen vierzeiligen Rätsel auf, in denen vier verschiedene Dinge nach ihrem Aufenthaltsorte beschrieben und nach verschiedenen Gesichtspunkten benannt werden. Das ganze lautet:

Up'n Dake Helle (Mond), Vor'n Huse Belle (Hund), In'r Stuwe Biff Baff (Bank), In'r Koke Kriz Kraz (Besen).

„Biff Baff" ftlr die Bank ist nicht ganz klar, eher würde es für den mit Schlägen bearbeiteten Hauklotz passen, wie es denn auch in Ostpreussen (Frischbier, Z. f. d. Ph. Bd. 23 Nr. 24) vorkommt. Freilich steht dort daneben „Riff-Raff" (Wiege), was auch nicht recht verständlich ist. — Andere Klangwörter sind: „Klitschklatsch" für Peitsche oder „Ticktack"1) und „Klingklang"8) für die Uhr.

Die Stimme der Tiere wird gern für ihre Benennung verwendet: Das grunzende Schwein heisst „Slirpslurr"8) oder „Griffgraff"77), der klappernde Storch Groot „Jööljapp"78) oder „Schnarraback"79), der blaffende Hund „Huffhaff"7), Maus und Frosch „Piepup" und „Quarrup"8) u. a.

Anstatt dieser Klangwörter treten in manchen Rätseln bildliche Benennungen auf, immerhin selten und nicht mit jenen Bildern zu verwechseln, die durch den ganzen Rätselkern durchgeführt werden und die ganze Beschreibung mitbeherrschen. Hier handelt es sich nur um einen einzelnen, bildlich ausgedrückten Zug. Das Rätsel vom Storch („Groot Jööljapp") arbeitet z. B. mit Klangbildern, freien Neubildungen wie „Gräsbicker" u. dergl., dazwischen aber wird der Standpunkt des Beobachters wegen seiner erhöhten Lage als „Paradies" bezeichnet. Gerade in solche aus parallelen Reihen gebildete Rätsel, wie dies (W. 12) oder das vom Menschen (W. 164), von der Kuh (W. 165) u. dergl. dringen solche Bilder zur Abwechselung gern ein. So heissen in Mecklenburg die Beine „twee Pööl", der Rumpf „Tunn" (in Ostpreussen „Spiker", d. h. Speicher, Frischb. 23,1), der Hals „Trichter", die Haare sind als „Wald", worin Jung und Alt sich ergehen, mit sichtlichem Behagen dargestellt.

Neue Bilder bringt die schweizerische Fassung desselben Rätsels (Rochholtz Nr. 64 ff.), wo etwa die Augen als „Sterne", „Nachtlieehtli", „Faischter" (Fenster), die Beine als zwei gleichgewachsene „Aspe" (Espen oder Eschen) bezeichnet werden. Ähnlich wird dort (Rochh. 2) am Schlüsse des Kuhrätsels der Schwanz als „Fleugwädeli" aufgeführt, der Hahn (Rochh. 16) heisst „Wächter uf der Wart". Das Ei tritt in zwei verbreiteten Rätseln, die freilich schon zu den durchgeführten Bildern hinüberneigen (W. 31 und 32), als „gelbe Blume" und „goldene Uhr" auf.

Weiter finden wir eine ganze Reihe Appellativa verschiedener Art als Benennungen verwendet. Sie schliessen sich gern an die äussere Erscheinung an. Schon Zahlenbezeichnungen in substantivischem Gebrauche können wir herstellen (Die Kuh):

Vieri trampe, Vieri lampe Vieri hinge Gigge Himmel.

Zweu gönd, Zweu stönd, Zweu müen mer ha, Zweu chomes sus daher.

(Rochh. 1.)

oder

(Sonne und Mond — Himmel und Erde — Holz und Wasser - Tag und Nacht), Rochh. 53.

Freilich sind jene Vierheiten beim ersteren Rätsel, die immer eng zusammengehörige Gegenstände bezeichnen, verständlicher als die Zweiheiten bei letzterem.

Auf den Gesamteindruck eines Gegenstandes beziehen sich meist substantivierte Adjektiva oder Zusammensetzungen, die solchen gleichwertig sind. Hierher gehören: „Rund", Tonne, ostpreussisch; „Bunt", Steinpflaster, ostpreussisch;1) „Helle", Mond, braunschweigisch;2) „Ruglingke", Schwein, ostpreussisch;3) „Langmann", 1) Bach, mecklenburgisch,4) 2) Wurm, mecklenburgisch,80) 3) Rauch, ostpreussisch;81) „Dickpumpele", Zwiebel, schweizerisch;1) „Grasshans", Ofen, schweizerisch; „Wittenhorg", Eierschale, mecklenburgisch.2)

Oder es wird nur ein bestimmter Teil (vielleicht als pai'8 pro toto) durch ein Adjektiv u. dgl. beschrieben und das daraus gebildete Kompositum als Benennung gebraucht, wobei auch wieder Zahlenangaben eine Rolle spielen. „Vier-bei", Schwein, schweizerisch. Hierher gehört auch jenes in den mannigfachsten Gestaltungen und Ausdeutungen weit verbreitete, fast in jeder Rätselsammlung wiederkehrende Stück vom „Einbein, Zweibein, Dreibein und Vierbein", das etwa in Mecklenburg (W. 151) lautet: „Tweebeen (Schäfer) sitt up Dreebeen (Schemel) un hadd Eenbeen (Knochen); dor keem Viorbeen (Hund) und nehm Tweebeen Eenbeen; dunn nehm Tweebeen Dreebeen un smeet Vierbeen, dat Vierbeen Eenbeen fallen leet", oder im Englischen (Hall. 126):

Txco legs sat updn three legs, With <me leg in his lap; In come8 four legs, And run8 away xoith one leg. Dp Jumps ttco legs Catches up three legs, Throws it after four legs, And makes htm bring back one leg.

Ferner: „Kruuskopp", Baum, „Kahlkopp", Nuss, mecklenburgisch3); „Patschfötke", Gans, ostpreussisch4); „Nattoors", Eimer, „Puttoors", Hund, „Rauhoors", Katze, „Fettoors", Schwein, „Griesnoors", Sau, „Bummelnoors", Birne, „Ruuch-stiert", Sau, mecklenburgisch5).

Andere Benennungen werden von der Thätigkeit des Gegenstandes, von seiner Bewegung u. s. w. hergenommen. Bisweilen begegnen wir imperativischen Namenbildungen, wie z. B. bei Renk 98, wo der Frosch „Hupfauf" genannt wird, der Hase „Baldauf'. Kürzer sind Namen wie „Belle" für den Hund (Andree 17); ebenso, doch bis zu voller Personifikation erweitert, die schottische Bezeichnung des

M Hoch. 47, 67. s) W. 31. ») W. S9. 131. Vgl. auch Xr. 1.

Frischeier, 11,8a *) W. 11, 16, 17.

Feuers (Chamb. 8): Bonny Kitty Brannie, She stands up the wa .... Echt niederdeutsche Appellativbildung ist etwa „Bommelke", was bei Frischbier 11,24 eine Eichel, ebda. 23,190 einen Eiszapfen bezeichnet.

Sonst findet man vielfach Benennungen auf -er gebildet, z. B.: Aus dem Oberdeutschen (schweizerisch): „Gumper" (Floh, Rochh. 97), „Chlebber" (Fliege, ebda.), „Stämperli, Plämperli, Horcherli, Gugguggerlr' u. s. w. (an der Kuh, ebda. 2), „Hitzgeber" (Ofen) und „Wohlleber" (mit übertragener Bezeichnung eigentlich: „woran sich Wohlleben lässt", d. h. Tisch. Vgl. Wilmanns, Deutsche Grammatik, IIa, § 227, 4, S. 292). Endlich „Chlöpfer", Uhr. Und aus dem Niederdeutschen: „Gräsbicker" (junge Gans, W. 12), . „Gräwer" (Käfer) und „Snüwer" (Sau, W. 18), im Rätsel vom Menschen (164) etwa „Smecker" (Mund), „Rüker* (Nase), „Kiker" (Auge), endlich in dem von der Kuh (165) „Lüchters" (Augen), „Stöters" (Hörner), „Napietscher" (Schwanz). Ähnliche Benennungen findet man natürlich in allen Sammlungen, in denen jene beiden Rätsel stehen, mit geringen Abweichungen (der Mund heisst etwa im Ost-preussischen „Lecker"; Frschb. 23,1). In der Zusammenstellung (Frischbier 9,8):

Hutzbutz füll 'raf, Kern Erdwenger, Wull Hutzbutz nehme, Kern Woldgänger, Nehm Erdwenger, Blef Hutzbutz ligge

ist das nicht ganz klare Hutzbutz (Eichel) vielleicht noch eine von der Bewegung hergenommene Klangmalerei. Wenigstens führt A. Dornkaat-Koolmann 2,119 „hütsein", schaukelnd hin- und herbewegen, an. „Erdwenger" (= Sau) gehört in unsere, hier besprochene Reihe; „Woldgänger" aber, die Benennung des Jägers, bezieht sich weniger auf seine Bewegung, als auf seinen Aufenthalt Denn auch Ort und Stelle, wo ein Gegenstand gewöhnlich zu finden ist, von wo er herkommt, wird gelegentlich zur Bezeichnung

Palaeetra. IV. 6

verwendet. So ist der Fisch ein „Mann von Seeland" (W. 24) und von dem frischgelegten Ei wird gesagt, es komme von „Holland" (aus dem hohlen) oder von „England" (aus dem engen Lande), wofür man später, als man den eigentlichen Sinn nicht mehr verstand, gelegentlich „Amsterdam" u. dergl. einsetzte. Eine scherzhaft gebildete Ortsbezeichnung lernten wir auch schon in „Kopenhagen" und „Wittenburg" kennen, eine andere ist im schweizerischen Rätsel von der Zwiebel (Rochh. Nr. 46) zu finden:

's chunt es Ding vo Küwenach, 's ganze Ding is siebenfach, u. s. w.

und eine etymologische Bemerkung von Rochholtz, die wohl zuverlässiger ist, als seine mythologischen Ausführungen, belehrt uns über den Doppelsinn des „Rüwenach": 1) rot- . farbig, 2) krätzig.

Die Verbindung zwischen diesen bedeutsamen Benennungen und den Beschreibungen wird durch eine Gruppe hergestellt, die aus der Vereinigung eines allgemeinen, an sich bedeutungslosen mit einem modifizierenden Elemente bestellt. Beide Teile gehören so eng zusammen, dass ich sie zu der Gruppe der Benennungen stellen möchte, denn es ist doch schliesslich logisch dasselbe, ob man sagt: „Langer" oder „Langmann" oder „Langer Mann". Das verengernde Element ist meist ein Adjektivum: Rochh. 31 „Langer Narr, dürrer Mann" (Pappel); ebd. 87 „De schwarz Frau" (Pfanne); Andree 6 „Lütjer witter Junggesell" (Meer-rettig); W. 172 ,,'ne witt Madam" (Storch); W. 59 und 183 „Rod Ding" oder „ein rotes Fräulein" (Kirsche); bisweilen eine Zahl: W. 42 ,,Z\veiunddreissig Leoparden" (Zähne) oder W. 40 „Sieben gute Kameraden" (das Siebengestirn).

Die Bewegung wird relativisch bezeichnet, wie bei W. 68 „Ding, dat wippt" (Zunge), der Stoff wird in dem weit verbreiteten Würfelrätsel hinzugefügt, etwa W. 100 „Dor flucht 'n Vagel elfenbeeu", oder „Dor fiööch 'n Vagel von Elfenbeen"; und auch im Aargau (Rochh. 17) „Vogel von Helpfebei". Endlich wird auch einmal eine lokale Bestimmung hinzugefügt, W. 16: „König Hoochhangen" (Eichel).

Die Beschreibungen, Trat uns schon bei den Benennungen eine Fülle von Formen entgegen, so wird diese bei den Beschreibungen geradezu erdrückend. Wer sich in diesem Wirrsal zurechtfinden soll, sucht vergeblich nach einem Einteilungsprinzip. Denn während die Benennung nur einen Zug darstellte, kann die Beschreibung ihrer mehrere vereinen, sie kann an den Inhalt der Benennung anknüpfen oder den Gegenstand von ganz anderer Seite ins Auge fassen; sie kann mit direkter Schilderung, mit Vergleichen und Bildern operieren, sie kann den Gegenstand selbst sprechen lassen oder von ihm erzählen; sie kann ihn in seinen Teilen ausmalen, oder auch mehrere Dinge zu einem Ganzen zusammenraffen; sie kann auch innerhalb eines Rätsels auf das mannigfachste wechseln in Auffassung und Stil.

Wir wollen uns bemühen, durch diesen Wald einen Pfad zu finden und möglichst vom einfacheren zum komplizierteren aufzusteigen. Je nach der spärlicheren oder reichlicheren Entfaltung des beschreibenden Elements, je nach der Fülle von Gegenständen, die in das Rätsel hineingezogen werden, bilden wir zunächst einige mehr äusserlich gegebene Hauptgruppen, innerhalb deren wir dann freilich, gemäss der stetig durcheinander wogenden Menge der Typen, etwas freier anordnen müssen.

I.

Ein Gegenstand (Vorgang u. s. w.) wird, als Ganzes, durch einen beschreibenden Zug bestimmt. Dies dürfte der einfachste Fall sein, kaum aber die hierhergehörigen Rätsel die ältesten. Auch genügt eine blosse, einfache Beschreibung keineswegs zur Bildung eines Rätsels; irgend eine Erweiterung tritt also hinzu; sei es die künstliche Bildung eines Gegensatzes, wie im west-preussischen Rätsel vom Kalk:

Für tilgt sonst Watersfluth, Mi sät Water erseht in Gluth.1)

Yiolet, a. a. O., Nr. 11. Das Rätsel schmeckt etwas schulmeisterlich. Kaum ist es echt volkstümlich.

«

sei es ein benennendes Element; dieses kann natürlich auch wieder bedeutungslos für die Beschreibung sein, gentigt dann aber auch nicht für ein Volksrätsel. In diesem Falle tritt Umwandlung in die Personifikation ein. Wie vorzüglich sich gerade diese Art der Einkleidung eignet, beweist uns das weit verbreitete1) Rätsel vom Eiszapfen, das etwa im Braunschweigischen lautet (Andree Nr. 3):

Am däk von fisen htise

Hangt ne Perlapiise,

Wenn de leiwe sunne schint, %

Use Perlapüse wint.

Das Wort „wint" hält die rechte Mitte zwischen einem „schmilzt", was zu viel verraten, und einem „tropft", was zu wenig sagen würde. Beides ist dort vereint, der Unter- ! gang, der „unserer P." von der Sonne droht und die Form der Auflösung. Die Zusetzung des „üse" ist im VolksrätseJ nicht bedeutungslos; der Niederdeutsche setzt sich gern durch solche Possessivpronomina und ähnliche Mittel mit dem Gegenstande in nähere Verbindung, ein Bestreben, das wir schon bei den Rahmenelementen nachweisen konnten. Um ein solches handelt es sich auch in der ersten Zeile ; unseres Rätsels. Man könnte ja darüber streiten, ob das I Rätsel überhaupt in diese Reihe gehöre, denn es enthält 1 scheinbar zwei beschreibende Elemente: eine Angabe des I Ortes („Am Dach" u. s. w.) und eine der Schicksale des 1 Gegenstandes. Betrachten wir aber die anderen überlieferten I Fassungen, etwa die mecklenburgische, so finden wir bald. I dass die Urform des Rätsels begann: „Hinner unsem Hus". I also mit einem ganz gewöhnlichen Rahmenelement, das auch I mit allen möglichen anderen Gegenständen verbunden werden I kann. Die braunschweigische Fassung zeigt aber auf das I Deutlichste — und darum ward sie an die Spitze gestellt —. I wie wenig doch dem Volke die magere Einzelbestimmung I der Personifikation zur Beschreibung und Erkennung des I Gegenstandes genügt. So erweitert sich denn das Rahmen- I

W. 45 u. d. Anm.; verbreitet ist es freilich nur auf nieder- I deutschem Gebiete. I

element zu einem beschreibenden Zujio, I.«i < Fall, so wird aus der Beschreibung sollte <,, Element gezogen, das aber auch $omor*i»ilft iili< Wärung dient (weshalb die „hemmondon" 'IV-il. sondert behandelt, sondern hier mit abgotliun \v< vergleiche etwa die braunschwiugtooho -

wurfrätsels (Andree Nr. 5):

Hinner (Wn Ii Ah«» Ploiget vadder KrlW One plautf un Am« nid. Rae mAl tau wat in d»<'(

Eigentlich beschreibend ist nur dio H#)HihiitiiuiiK I'11 die besondere Art des Pflögen«, „ohne l'fbitf iiml n\m> l> -lässt zwar den Hörer auf einen AiJg'mMwk Mul/n». on ■ : Möglichkeit des Vorganges zweifeln, kUM ihm nlfi »b/i h verstehen, dass es sich nicht urn wmn yvwOfifih' h' ti 1'lh-handelt

Noch weiter geht die I'er^/f/,t;k*t!','r >J> / h' »

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Wirkung, die der Gegenstand auf den Menschen auszuüben vermag; die Ausdrucks weise ist drastisch und recht persönlich. Diese Lebendigkeit bekommt eben das Rätsel erst bei reicherer Ausbildung; hier genügte schon der adjektivische Zusatz, der die Benennung in das Gebiet der bedeutsamen Namen erhob. Ist die Benennung aber schon an sich bedeutsam, so hat das Rätsel um so leichteres Spiel. Meist wird eben eine Schilderung des Aussehens, der Gestalt, Grösse, Farbe durch die Benennung schon vorweg genommen und das Rätsel fügt dann noch eine Bestimmung ähnlicher oder abweichender Natur hinzu. Zu stark ausgeführter Personifikation entwickelt sich die Benennung im Rätsel vom Feldweg, das etwa im Pommerischen82) lautet:

Langmann, Schlankmann, Künn he sik tiprichten, Güng he gen Himmel btchten.

Das hemmende Element unterrichtet uns zugleich über die Lage des Gegenstandes, über die Richtung, in der sich seine Länge erstreckt, natürlich in versteckter, übertragener, aber lebendiger Weise des Ausdrucks.

Unter einem hübschen Bilde schildert ein tirolisches Rätsel83) die Zerbrechlichkeit des Eies:

Mutter thuts Kuchelkastel auf Und bringts nimmer zu.

Die Benennung nach dem Aussehen ist durch eine Beschreibung der Thätigkeit ergänzt im braunschweigischen Rätsel vom Kohl (Andree 2):

Hinner fisen hüse Steit ne Krickelkrftse Je doller as de wind weit, Sik tise Krickelkruse dreit.

Endlich vereinigen sich Benennungen verschiedenster Bildung und Bedeutung mit kurzen Ortsangaben in jenen

schon erwähnten kurzzeitigen Rätseln, wofür wir noch je ein ober- und ein niederdeutsches Beispiel anführen.

Rochholtz, Zeitschr. f. deutsche Mythologie, Bd. I Nr. 87 (Pfanne, Ofen, Floh, Fliege, Uhr):

Die schwarz frau in der chuchi, De grosshans i der stube, Im sprüerbett der gumper, De chlebber a der dieli, De chlöpfer a der wand;

Andree, Nr. 17 (Mond, Hund, Bank, Besen):.

Up'n däke helle, Vor'n htise belle, In'r stüwe biff baff In'r koke kriz kraz.

ir.

Ein Gegenstand (Vorgang u. s. w.) wird, als Ganzes, durch mehrere beschreibende Züge bestimmt.

Genügen auch schon mehrere, beschreibende Elemente in den meisten Fällen durchaus zur Rätselbildung, so gewinnt doch das Stück durch Hinzutreten einer Benennung ganz ungemein an Lebendigkeit und findet um so leichter den Übergang zu der so beliebten Personifikation.

Benennende Klangbilder schildern, wie wir sahen, meist die Bewegung oder die damit verbundenen Geräusche, die Stimme eines Gegenstandes. Ergänzt werden sie aber meist in anderer Richtung. Zunächst tritt eine, freilich nicht immer sehr bezeichnende oder organisch notwendige Ortsbestimmung hinzu. Dann folgt etwa als Hauptteil eine Beschreibung des Aeusseren, wie in den oben schon in anderer Form aufgeführten Rätsel von der Egge (ostfriesisch, Meier Nr. 34):

Heitereltelt gung over't Feld,

Wel het so völ Beenen as Hetereltelt?

Oder eine Eigenschaft tritt hinzu, beim Ei etwa, wie wir schon einmal sahen, die Zerbrechlichkeit. Hierher gehört

das weitverbreitete Rätsel von „Entepetente", das in Braunschweig lautet (Andree 8):

Hummelke Trummelke lag up'r bank, Hummelke Trummelke feil von'r bank, Et was kein doctor in'n gansen land, De Hummelke Trummelke we'er mäken kann,

was in Schlesien, durch Vermischung mit einem andern Rätsel vom Ei,84) folgende Gestalt erhalten hat: „'s iis a Fääs an wänns zerschlaäu is, kääns kä Bend'r mee macha" (Peter Nr. 334).

In gleicher Richtung wie die Benennung bewegt sich die Beschreibung nur dann, wenn es sich um eine speziellere örtliche Festlegung der dort angedeuteten Bewegung handelt. Hierher gehört das ostfriesische Froschrätsel (Meier Nr. 28):

Wicker de Wacker Sprung over de Acker, Wicker de Wacker sprung in de Sloot, Noch was Wicker de Wacker neec doot.

Die Beziehung auf den Menschen deutet ein schottisches Rätsel von der Nessel an, das in seinem Kerne auch in deutschen Rätseln wiederkehrt (etwa bei W. Nr. 51). Es lautet (Chamb. 10):

Heg-beg adist the dike, Heg-beg ayont the dike, If ye touch Heg-beg, Heg-beg will gar you fike,

also mit stark persönlicher Auffassung, wie auch das schlesische Rätsel vom „Schatten", dessen Bewegung recht undeutlich gemalt wird (vielleicht mit Übertragung aus einem andern Stücke), dessen Schicksal aber um so besser (ähnlich wie im Eiszapfenrätsel), beschrieben ist (Peter 319):

Gickala Gackala Ging iwrsch Ackala, Wii d' liibe Sonne schiin, Ging Gickala Gackala wiidr hääm.

Natürlich braucht die Benennung keineswegs immer eine Klangmalerei zu sein. Enthält sie einen bildlichen Ausdruck, so wächst sich die Beschreibung gern zum vollen Bilde aus. Arbeitet sie mit einer freien Appellativbildung, so geht das Ganze leicht in eine Personifikation über. Angaben des Fundortes wechseln mit Bestimmungen über den Stützpunkt ab, den Teil des Gegenstandes, auf dem sein Gewicht ruht. Yergl. das Kirschenrätsel (Renk 110):

Steht ein Vogel auf ein Fuss, Isst kein Muss, Trinkt kein Wasser, Hat kein Wein,

Rat was für ein Vögele das wird sein?

Das Rätsel arbeitet in der Hauptsache mit hemmenden Elementen, das Bild ist sehr unvollkommen durchgeführt, weil das tertium comparationis „Steht auf ein Fuss" doch gar zu schwach ist.

Besser durchgeführt sind meist Personifikationen, wie das Rätsel vom Wurm, das im Schlesischen (Petor Nr. 341) lautet:.

'Siis ju dar Lange, Keimt heinde rai gange: Ar säet: Joet mir d* Hiinr änd d- Gäns, Forn Hounde färcht ich mich nii.

Das hemmende Element giebt eigentlich den wichtigsten Teil der Beschreibung. Der Benennung fügt die schottische Fassung noch ein wichtiges Moment hinzu, wie sie auch die Räuber auf dem Hofe noch vollzähliger nennt (Chambers Nr. 25):

Lang man legless

Gaed to the door staffless.

Goodwife, take up your deuks and hens,

For dogs and cats 1 carena.

Kürzer und unbestimmter ist eine andere schottische Fassung,85) die auch die alte Bezeichnung „lang manu fallen lässt:

Reddichy roddichy rins on the dyke, Keep aiva' yir dock in hen, I carena for yir tyke.

Gut durchgeführte Bilder begegnen nicht selten: Von der äusseren Gestalt nimmt das niederdeutsche Rätsel vom „Eiszapfen als Hammer" seine Benennung, und die Beschreibung führt dies näher aus, als hemmendes Element (etwa Meier Nr. 39):

Achter mien Vaders Kamer, Dar hangt'n blanke Hamer, De dar mit timmern kan, Dat is'n künstig Man.

Zu beachten ist die wichtige Bestimmung, die in dem Adjektivum „blank" liegt.

Ein sehr beliebtes und verbreitetes Rätsel dieser Art führt das Ei unter dem Bilde einer Tonne mit zwiefachem Tnlialt und — als „hemmendes Element" — ohne Band und Reifen vor. Hübsch wird hier die Ortsbezeichnung durch einen Ländernamen ausgedrückt, der noch eine besondere, geheime, durch eine etymologische Spielerei herausgebrachte Bedeutung hat. Man vergleiche etwa zwei mecklenburgische Fassungen (W. 25 f.):

Dor keem 'n lütt Tümming ut Holland, Hadd nich Staff oder Band, un keem liker ut Holland. —

Kümmt 'ne Tunn' ut Engelland, Ohne Bodden un ohne Band, Is tweierlei Bier. in.

„Holland" und „Engelland" sind gleichwertige Bezeichnungen. Die Beschreibung der Tonne ist durch sie schon angebahnt, darum kann sich die weitere Bestimmung schon in der Form des hemmenden Elements bewegen. Dass die Tonne trotzdem sehr fest hält, drückt die erste Fassung nochmals in neckischer Weise aus: „Keem liker ut Holland", was scheinbar auf einen weiten Weg schliessen lässt. Dafür fehlt die Angabe des Inhalts, die in der zweiten Fassung hinzutritt und wohl dem Rätsel von alter

Zeit her angehört Die beiden Hanptbezeiehnungen „Fass ohne Band" und „Fass mit zweierlei Bier4 treten aber nicht selten isoliert auf, wie denn das Rätsel auf seinen weiten Wanderungen die in fremden Sprachen natürlich nicht verständliche Ortsbezeichnung ganz oder bis auf einen schwachen Rest verloren hat Ist er doch, wahrscheinlich in deutscher Sprache, in den skandinavischen Norden gelangt Zwar hat das Rätsel der altnordischen Herwararsage (Nr. 17) vom Schwanenei wenig mit dem unsern gemeinsam:

Baru hrundir, bleüchaddafiar, Ambätiir tvaer öl til skemmu; Varat pat höndum horfit, Ne hömrum klappat; Sjä var üt riÖ eyjar ördigr, er görfti.

Es spricht mehr von den Farben der verschiedenen Teile und beschreibt im „hemmenden Elemente" die nicht gewöhnliche Herstellung, sieht nur im Dotter ein Bier und braucht nicht in litterarischem Zusammenhange mit unserem mecklenburgischen Rätsel zu stehen, denn solche Einzelzüge können an allen Punkten der Erde selbständig gefunden werden, wie denn auch das „Fass ohne Band" im Rätsel der Einwohner Madagaskars von der „kleinen Tasche mit unsichtbaren Näthen"86) eine gewisse Parallele hat. Dagegen lebt unser Rätsel noch heut im schwedischen Volksmunde: verkürzt (Ztschr. f. d. Mytb. 3, 345, Nr. 19): Eit fad u tu las äöl; dagegen vollständig und mit einer der deutschen ähnlichen, doppelsinnigen Ortsbezeichnung: in Västergötland (Bidrag tili Kännedom of de Svenska landsmälen ock svenskt folklif\ VII 4, 5 Nr. 17):

Det kom en tunna ifran inland Ock gick at utland,

Med litet tili laggar ock inte nagot tili band, Men med twä slags dricka, Men hvarken tapp aller svicka.

Anderwärts ist eine farblosere Ortsbezeichnung eingetreten. Wo man das Wortspiel nicht nachahmen konnte, behalf man sich eben, so gut es ging. Da lesen wir in den Rätseln, die Dybecks „Runa" 1849 brachte, unter Nr. 6: Det kom en tunna fr an främmande land, utan laggar och utan band, med tu slags el in.

In dieser Form ist das Rätsel zu den Lappen gekommen; es lautet dort:87) „Es kommt eine Tonne aus fremdem Land, sie hat nicht Spund noch Band, enthält aber zwei Arten von Bier." In den nichtgermanischen Sprachen (im Englischen kann ich ein ganz entsprechendes Rätsel bis heut nicht nachweisen) bleibt die Ortsbezeichnung einfach weg; die andern Teile des Rätsels erhalten sich, teils zusammen, teils vereinzelt, bisweilen auch mit neuen Zu-thaten.

Es sei mir erlaubt, noch einiges beizubringen. Die Be* Stimmung des Inhalts fehlt etwa im französischen Volksrätsel aus Bearn (Lespy, prov. du pays d. B. 1876 Rtsl. nr. 11; auch bei Rolland;:

A nouste que y ha u barricoutet Qui n'ha ni cercle ni brouquet.

Ebenso andere Fassungen, die ich hier beibringen kann, etwa aus Pineau's88) Sammlung aus Poitou (Nr. 16): Un Bac de monture qui na ni point ni coicture. Oder aus Armagnac (Bladö, a. a. 0., Nr. 97.):

Round, round comnie un barricoutet, Sense ceucle ni brouquet.

Das Rätsel scheint also in Frankreich nie die Bestimmung des zweierlei Inhalts geführt zu haben. Nun hat zwar Rolland aus den erhaltenen Ausläufern der ältesten fran-zösischenRätselbücher(Questions enigmatiques und Adevi'neaux amoureux) nichts beigebracht, und eine eigene Einsicht war mir selbst in Berlin nicht möglich. Immerhin könnte dort noch eine Fassung stehen oder wenigstens in den verlorenen älteren Büchern gestanden haben; wenigstens hat das alte StrassburgerRätselbuch in auffälligerÜbereinstimmung(Butsch, Nr. 152): „Ein Fesslein das ist voll gebunden Fast geheb on hardt'und on bandt hott auch kein reyff." Dagegen hat das Italienische die Bestimmung auch des Inhalts; die Beschreibung der Tonne ist originell umgewandelt:

Oi ho un botticino Di (lue sor}i di vino. Non si apre e non si serra Se non si butta in terra.

(Rätsel aus d. italien. Mant, bei Pitre, Arch. Bd. I, ges. v. Gianandrea.) Einen neuen .Zug fügt noch das Slavische hinzu, ein hemmendes Element: „Ich habe ein Fässclien, darauf ist kein Reifen, in dem ist zweierlei Wein und doch vermischt er sich nicht.u Das Lithauische steht dem Deutschen wieder ganz nahe: „Ein kleines Fässchen, ohne Dauben und ohne Reife, innen zweierlei Bier" (Schleicher, S. 196).

Im ganzen wird man vielleicht sagen können, dass gerade das Deutsche, vorzüglich das Niederdeutsche, weiterhin überhaupt die germanischen Sprachen besonders zu Ortsangaben neigen, wie wir ja schon bei der Betrachtung der Rahmenelemente beobachten konnten.

Endlich sei noch das in Niedordeutschland sehr bekannte Rätsel vom Bienenstock angeführt, das insofern schlecht komponiert ist, als die zweite Bestimmung von seinen Bewohnern, den Bienen, handelt, wenn man überhaupt in der ersten Zeile eine Ortsangabe wesentlicher Art und kein blosses Rahmenelement erblicken will. Es lautet etwa in Braunschweig (Andree 4):

Hinner usen hüse Dat steit ne Krickelkrackelkrüse. Se mijet herin, Se schitet her in, Un wl stippet tise brot herin.

Das Rätsel scheint aus älteren Stücken zusammengeflickt zu sein. Man vergleiche im alten Strassburger Rätselbuche (Butsch, Nr. 66): „Wölcher Dreck gut zu essen sey." — „Von der Bien, das ist das Honig." Auch ein Bienenrätsel aus Welschtirol kann herangezogen werden ^Schneller, Nr. 5):

Jo porto il manto d'oro, Che serve dl mio decoro Per prati e per giardini vada a convito, Del mio sterco ognun si lecca il dito.

Die unbenannten, nur mit Beschreibungen arbeitenden Rätsel brauchen naturgemäss eine grössere Anzahl vielseitiger Bestimmungen, wenn sie recht deutlich werden sollen. Auch hier ist die Ortsbestimmung sehr beliebt, besonders, wenn das Rätsel weiterhin nur Aussehen, Gestalt u. s. w. behandelt, doch kann sie fehlen, wenn z. B. die Geschicke, die Behandlungsarten eines Gegenstandes, die Stufen seiner Entwicklung oder Bearbeitung dargestellt werden, kurz: „seine Geschichte". Wir werden weiter unten mehr solche Stücke kennen lernen, hier genüge als Beispiel etwa das schweizerische Rätsel von der Weinrebe89):

, Hau se nid und slicli se nit,

Leg se ab und brich se nit. Mach' er* es unt' und obe guet, Ass-sie's liiier wieder thuet.

Der Gegenstand selbst wird, gerade auf Veranlassung der Ortsbestimmung, meist in irgend einer Weise eingeführt durch eine unbestimmte Bezeichnung oder ein Pronomen. Es müsste denn sein, dass die Ortsangabe selbst in partizipialer Form als Attribut des Gegenstandes in das Rätsel hineingezogen wird, was in Frankreich nicht selten ist (vgl. etwa Blade, Nr. 53, Rätsel vom Kirschbaum): „Haut mountat, tout abillat de rougeaber auch in Deutschland vorkommt, etwa in dem besonders im Vlämischen beliebten, doch auch in Mecklenburg und sonst nachweisbaren Regenbogenrätsel (W. 212):

Hooch erhoben, krumm gebogen, Wunderlich erschaffen:

Wer dat raadt, sali öwer Nacht bi mi slapen.1)

j Volksk. 1,151: »

Hoog omhooge, Krom gebogen Van God geschapen, Niemand die dar aan kan raken.

I In ähnlicher Weise verfahren noch zwei schweizerische Rätsel der Rochholtzisclien Sammlung (Nr. 36 f.):

Ilöch umme droijt, Nieder abeg'weijt.

Und in sack ie g'nait. (Laus.)

Hochgebore, Niederg'schore, Wit verbreit't,

Noch z'samme g'leit. (Heu.)

Sonst wird also der Gegenstand auf irgend eine Weise eingeführt; am stärksten tritt er hervor, wenn ihm selbst die Beschreibung in den Mund gelegt wird, wie etwa im tirolischen Rätsel vom Knoblauch (Renk, 109):

Ich wachs im Acker, Toll und wacker, Hab neun Haut, Und beiss die Leut.

Natürlich ist die Ortsangabe hier von Bedeutung, und kein Rahmenelement. Im Gegenteil scheint das ganz bedeutungslose „toll und wacker" eine blosse Reimbildung auf „Acker" zu sein, wie auch in dem gleichbedeutenden mecklenburgischen Zwiebelrätsel (W. 190):

') Mit gemildertem Schlüsse in dem jüngeren „llm-lujii-büchleia":

Ruudgebogen, hocherhobeu, Wunderbar erschaffen, Wer mir dies errathen kann, Soll heut ruhig schlaffen.

Dor steit'n Mann in'n Acker,

heet Wacker,

He bitt de Lud, un de Liid' biien em.

„Wacker" ist ein alter niederdeutscher Hundename, der sehr bald, da ja Hunde nicht selten zum Vergleich herangezogen werden, in ein Volksrätsel eingedrungen sein und sich dann als konstanter Reim auf „Acker" erhalten haben kann (vgl. Huse — Perlepuse). Ktwa „der Gedanke" bei W. 106 b: „Dor leep 'n lütten Hünning ,Wacker' de leep öwern grund-grönen Acker". Wurde dann der Name auf Rätsel übertragen, wo er keinen Sinn hatte, so wurde er entstellt (Racker, z. B. W. 190 b) oder adjektivisch ausgeformt, wie in unserm Rätsel. Nicht alle Varianten zeigen den Eingang: „Ich wachs im Acker", es steht auch da: „Dor steit'n Mann im Acker", oder kürzer: „Es steht im Acker" u. dg]., eine Benennung unbestimmter Art, aber jedenfalls immer eine Einführung. Das zweite Element, die „sieben Häute", wechselt in den Varianten mit „neun Häut"; beides bezeichnet eben nur, was dort auch zu finden ist: „viel Häute". Bestimmte Zahlen sind ja aber der ganzen Volkspoesie geläufiger, als solche unbestimmten Bezeichnungen, wie „viel", „sehr viel"u.dgl. (vgl. Wossidlos Register unter „Zahl"); uud bekannt sind G. Sachses Scherze über die Häute der Frau u. dgl. Vom Kohl heisst es (W. 189,: „Hett nägenunnägentig (99) Pelzen an." Das dritte Element, das die Wirkung auf den Menschen schildert, ist zugleich hemmender Art, indem es die Gedanken etwa auf ein Tier lenkt. Das Rätsel spielt mit dem Worte, indem es den wirklichen und übertragenen Sinn von „Beissen" verwechselt, was zur Belebung wesentlich beiträgt, was auch in einer Variante bis zum hemmenden Gegensatze gesteigert wird, wie wir oben sahen („Un de lüd' biten em"). Wir sehen aus dieser Analyse, wie viel Handhaben ein Rätsel ohne jede Benennung der Lösung bieten, wieviel Hindernisse es auch durch Reimspielereien und Hemmungen ihr bereiten kann. —

Wie unbestimmt ein derartiges Rätsel aber auch sein kann, zeigt ein anderes Rätsel, das eigentlich nur mit einem einzigen beschreibenden Zuge in gegensätzlicher Form arbeitet (Meier, ostfries. Nr. 17, Windmühle):

Tüsken Loge un Leer, Dar steit 'n wunderliek Deer. De ett un frett, Un wart nooit neet satt, Ra, ra, wat is dat.

Die Ortsbestimmung ist unwesentlich; viel bedeutsamer wird sie, je mehr die Bezeichnung des Gegenstandes an Klarheit abnimmt, etwa im folgenden von der Dachrinne (Renk 149):

Es geht etwas vom Haus, Schreit allweil: Glig, glag! Wenn ich nur alle Meine Kapplen hat.

Die Einleitung ist ganz ähnlich dem niederdeutschen Rätsel von der Schere (auch W. 107), das ich in der Mark in dieser Form hörte: „Et löppt wat ?n Weg lang, frett väl und säd toletzt: Knipps." Das hemmende Element, das Motiv der „Kappen", löst sich in ein beschreibendes auf, wenn man von der persönlichen Einkleidung des Rätsels absieht. „Kappen" sind die kleinen Vertiefungen, die der fallende Regentropfen im Sande hinterlässt, eben nicht ihrem Zwecke nach, sondern der Form nach verglichen.

Ähnlich wirkt durch Wiedergabe des Geräusches ein tirolisches Rätsel von der Uhr, mit ziemlich deutlicher Ortsangabe, die eine wreitere Bestimmung tiberflüssig macht (Renk 126):

'S ist etwas im Kammerle, Thut alleweil Timmerle Tammerle.

Ebenso kurz, aus Orts- und Thätigkeitsbeschreibung zusammengesetzt, ist das schweizerische Flohrätsel (Rochh. Nr. 9):

'S isch öppis uf em Stöckli, Und gumpet wie nes Böckli.

Personifikationen lassen ein Rätsel meist etwas weiter aufschwellen; so haben wir drei Bestimmungen im schweizerischen Rätsel von der Dornbeere (Rochh. Nr. 28):

P&l&estra. IV. 7

'S isch öppis am-ene Rainli, Streckt alle sine Bainli, Mit Angst und Noth G'friert sis Chöpfli roth.

Sehr beliebt ist eine Gruppe von Rätseln, die etwa folgendermassen zusammengesetzt sind: 1) Unbestimmte Bezeichnung des Gegenstandes selbst (Ding, etwas, es u. dgl.); 2) Ortsangabe für den ganzen Gegenstand (meist bedeutsam); 3) Bestimmung über das Verhältnis des Gegenstandes zu dem angegebenen Orte (steht auf u. dgl.); 4) Hauptteil: Ein Attribut, ein Teil des Gegenstandes, direct oder bildlich benannt (meist eingeführt durch „hat"); 5) Bestimmung über das örtliche Verhältnis dieses Teiles zum ganzen Gegenstande, Angabe des Punktes, an dem der Teil dem Ganzen an- oder eingefügt ist.

So die Gans (ostfriesisch, Meier 41):

Dar drifft'n Ding und er de Brügge, Hett'n Bruutbedd up de Rügge.

Derber das tirolische Rätsel von der Henne (Renk 80):

Springt etwas ums Haus, Hat ein Panzele im Arsch.

Ebenda von der Katze (R. 72):

Es springt etwas ums Haus Und hat a Lattle im Arsch.

Zahmer im Schlesischen (Peter 336):

'S giid of a Bood 'm An hood a Schtäckla äm Recke.

In der Schweiz sind zwei Fassungen des Rätsels zusammen-geschweisst (Rochh. 10):

'S goht öppis um euser stüdli, Und het en besen im fiidli, 'S goht ums hüs um b'lange, Im füdli e g'höörige stange.

Ebenfalls durch den Reim gebunden ist ein tirolisches Rätsel vom Wandleuchter (Renk 178):

Es hängt an der Wand, Hat ein Stabel in der Hand.

Zwei ganz ähnliche Rätsel, die Alois Menghin „aus dem deutschen Slidtirol" Nr. 2) und 6) mitgeteilt hat, werden vielleicht paarweise aufgegeben:

2. Es steht was hinterm Haus,

Und hat a roth's Kappel auf. (Erdheere.)

6. Es ist etwas vor'm Haus,

Hat ein blau's Kappel auf.90) (Weintraube.)

Zu unserer Gruppe gehört auch das Hagebuttenrätsel, das auch in Oberdeutschland die anthroporaorphische Auffassung zeigt (R. 111):

Es steht am Rain, Hat die Wampen voll.Stein.

Die niederdeutsche Neigung zur Personifikation hat dem Rätsel etwa in Mecklenburg eine weitere Ausführung verschafft. (W. 209):

Es sitzt ein Männchen im Strauch, Hat ein schwarzes Käppchen auf, Und einen roten Mantel um, Steinchen im Bauch, Wie heisst das Männchen im Strauch?

Wenn die Schlussbestimraung über den Punkt am Gegenstande, wo der beschriebene Einzelteil eingefügt ist, fehlt

(bei dem Satze „bat ein Kapple auf" fehlt sie nicht, sondern ist nur verkürzt: =auf dem Kopfe"), dann handelt es sich nicht um ein ursprünglich nach unserm Schema gebildetes Rätsel. Man sehe Peter 376 (Rauchfang):

'S seitzt ofm D&che, An hoat a Tobaksfaife.

Man möchte vielleicht ergänzen: „im Munde". Aber die niederdeutschen Fassungen zeigen, dass es sich um eine Angabe der Thätigkeit und nicht, wie bei der oben behandelten Gruppe, um das Aussehen, die Gestalt handelt. Aus der Uckermark wurde mir von M. Gerhardt freundlich mitgeteilt:

Sitt up't I)ack Un rookt ein Pip Toback.

In Mecklenburg (W. 320) mit noch stärkerer Personifikation:

Sitt'n Mann up't Dack, Rookt 'ne helle Piep Toback.

Das md. Rätsel empfand Dach : Toback natürlich nicht mehr als Reim und von da aus ging die weitere Verderbnis des Textes vor sich.

Auch sonst giebt das mitteldeutsche Rätsel oft gleichsam nur ein Surrogat der volleren niederdeutschen Fassung; so vcrgleichc man das Rätsel vom Regen (Peter 325):

'S giid ems Haus, Hackt Lächla aus.

mit der mecklenburgischen Form (W. 108):

Poli ckerp ola cker, Leep öwer minen Vader sinen Acker, Haad mihr Sporen As Hunn' Hören.1)

Auch das alte „Entepetente"-Rätsel ist in Schlesien korrumpiert (Peter, 333):

'S fällt vom dache, ?S schleet sich azwee und kaäns kä zimmerm&an mee macha.

Also die Benennung kommt hinzu, die Ortsangabe ist passender, die Regenspuren sind deutlicher und in ihrer Menge gezeichnet.

Die Verbindung von Ortsbestimmung und Thätigkeits-angabe findet öfters statt, etwa in einem tirolischen Rätsel von der Uhr (Renk 30):

Es steht auf der Mauer Und ruft alle Bauern.

Eine bildlich gefasste Ortsbestimmung kann das ganze Rätsel in den Rahmen dieses Bildes zwingen (Mutterbrust, Rochh. 74):

Hanget zweu fläschline a der wand, Die händ weder rieft no band.

Auch hier kann statt des Ortes der Stützpunkt angegeben werden (Volkskunde 1,27, Kohl):

Wat Staat er op eenm poot, En draagt zijn herte in zijn hoopd.

Dies niederländische Rätsel erscheint in Mecklenburg um einen Zug vermehrt, doch ist der Reim durch Übertragung in das Hochdeutsche vernichtet (W. 200): „Es steht auf einem Bein, ist kugelrund und trägt das Herz im Kopf."

Ist das Rätsel auf keine Weise durch eine Einführung des Gegenstandes mit „ein Ding, etwa, es" u. s. w. begonnen, so steht am Anfang gern eine Vergleichung. Diese kann sich in parallelen Reihen durch das Rätsel fortsetzen, kann aber auch in anderer Form ergänzt werden. Im deutschen Südtirol (Menghin Nr. 7) heisst es vom Strick: „Lang wie eine Stang1, Dick wie eine Maus, Hat ein hölzernen Kopf auf." Natürlich kann auch hier wieder eine Einführung bequem hinzutreten, wie etwa im schottischen Rätsel1) von der Taschenuhr:

IV8 äs rooris the meen, An as clear's crystal . .

Die Vergleichung kann auch auf eine Zeile beschränkt und (wie im Deutschen überhaupt nicht selten) durch einen beschreibenden Zug ergänzt sein. So bei Renk 69: „Rund wie ein Kreuzer Und um und um voll Federn." Bezieht sich der Vergleich nicht, wie es gewöhnlich der Fall ist, auf die äussere Gestalt, sondern auf die Thätigkeit des Gegenstandes, so kann die Ausdrucksweise natürlich nicht dieselbe sein; es muss statt des Adjektivs ein Verbum eintreten. So im lappländischen Flohrätsel (Poestion Nr. 34): „Was ist schwarz wie ein Priester, Springt wie ein Pferd, Und hundert Männer können es nicht zäumen." Schon am Schlüsse dieses Rätsels tritt das Motiv des Gegensatzes als hemmendes Element deutlich hervor, wird aber doch noch von den andern Teilen des Stückes an Bedeutung überragt, wie denn dies Verhältnis auch in deutschen Rätseln gar nicht selten ist. Man sehe etwa das niederdeutsche Rätsel von der Mühle:

Grise Grase Graue, Steit alle Nacht in'n Daue, Het kin Fleesch un het kin Blood, Un deigt doch allen Minschen good.1)

Es giebt nun aber eine ganze Reihe von Volksrätseln, die fast ausschliesslich auf die Entdeckung91 von scheinbaren Gegensätzen und Missverhältnissen ausgehen, sich also mit gewissen Klassen der „unwirklichen Rätsel" sehr nahe berühren. Vor allem der Zusammenhang von Ursache und

Folge seheint öfters gestört und das Rätsel zeigt das scharfe Auge des Volkes, das solche Gesetzwidrigkeiten überall aufzuspüren weiss. Das Bild vor allem giebt zu solchen Rätselscherzen Anlass, denn auch das beste Gleichnis hinkt nach einer Seite und das Volk deckt die wunden Punkte seiner eigenen Vergleiche rücksichtslos auf. Wenn ich von einem „Stuhlbein" spreche, so vergleiche ich die Stützen des Stuhles mit denen des Körpers, einmal ihrer Gestalt nach, indem der Unterteil schmaler als der Oberteil erscheint, und dann vielleicht noch wegen des Umstandes, dass der Körper so gut wie der Stuhl beim Stehen auf den Beinen ruht. Dass die Beine des Menschen auch zum Gehen dienen, lasse ich dabei völlig ausser Acht und hier wäre der Punkt, wo ein Rätsel einsetzen könnte.

Umgekehrt fehlt scheinbar die nötige Voraussetzung für eine Thatsache, die eigentlich deren Folge sein müsste, etwa in dem französischen Rätsel vom Winde (Blade 4):

A pas ni car ni ossis E s'enba courre pous bosquis.

Es hat nicht Fleisch noch Bein, hat keinen Körper und, fragt das Rätsel, wie kann man laufen ohne Knochen, ohne Beine?

Mit diesem letzteren Typus wollen wir uns zunächst noch etwas beschäftigen. Wie hier der Körper, so fehlt auch das Leben als Voraussetzung einer Thätigkeit, z. B. im ostfriesischen Rätsel (Meier 30) von der Feder:

'T is van Levent, 't hett geen Levent, 'T kann elk un een doch Antwort geven.1)

öfters noch handelt es sich nicht um Thätigkeiten, die ein Ganzes, wie den Körper voraussetzen, sondern um vorhandene Teile, die auf einen umfassenderen Abschnitt des Körpers schliessen lassen, diesen Schluss aber nicht rechtfertigen. Im ostfriesischen Rätsel vom Kochtopf (Meier 29)

'T hett geen Kopp un't hett doch Ohren, 'T is wal maakt, man neet geboren, 'T hett geen Foot un't hett doch Tönen, Raat't nu, wenn Ji't raden könen,

werden zwei solche parallelischen Reihen von einem andern Gegensatze, der uns zu verstehen giebt, dass wir es trotz der Ohren und Zehen nicht mit einem lebenden Wesen gewöhnlicher Art zu thun haben, unterbrochen.

Besonders bei personifizierten, unbelebten Gegenständen ist dann die Form beliebt, dass das zu einer von dem Rätselobjekt ausgeübten Handlung scheinbar notwendige Organ fehlt. Dies tritt mit dem Motive der Körperlosigkeit eingeleitet und geschlossen, in dem Rätsel vom Echo auf (Blad<§ 21):

Bia sense cos, Barlo sense lengo, Enten sens92 aureillos, E bai de VaireS)

Ein ganz ähnliches Rätsel zeichnete ich, aber in ganz korrumpierter Gestalt, aus dem vogtländischen (Treuenschen) Volksmunde auf:

Ich bin in freier Luft geboren, Ich rede ohne Mund Und höre ohne Ohren Ich hab' kein Blut, Doch hab' ich Mut, Man kann mich fordern auf Pistolen, Ich komme sicherlich,

wo noch, dank der geschickten Personifikation, ein hemmendes Element glücklich angefügt ist.

Zu den Teilen des Körpers tritt der Verstand hinzu im westpreusischen Rätsel von der Glocke (Violet Nr. 12):

Eck red aane Tung, Eck rop aane Lung, On aane Sen un Verstand Mack eck doch Freid un Leid bekannt.

Natürlich können diese Gegensatze mit anderen Elementen verbunden werden, and auch diese wieder anter sieb in scheinbar gegensatzlichem Verhältnis stehen. Ein interessantes Beispiel bietet Blade Nr. 19 (Brief):

Blanc coumo neu. Negre coumo Um tapioun* Parlo sense Ungo. Bei sens crills.1)

Ein Rätsel derselben Sammlang (Nr. 8, die Engel) zeigt ans ein Mittel, am die trotz der mangelnden Organe aasgeübte Thätigkeit in ihrer Energie noch stärker hervorzuheben:

A pas nat pe ni fa/oun, E que court coumo un demoun.

Das schlesische Rätsel vom Schnee (Peter 321):

Es fliegt und hat keine Flügel, Es sitzt und hat kein Gesäss —

ist wieder nichts anderes, als der schwache Überrest eines der ältesten und schönsten Volksrätsel, vom Schnee und der Sonne, wozu schon MüllenhofF, Zeitschr. f. d. Myth. Bd. III S. 18 ff. und neuerdings Wossidlo (zu Nr. 99) das nötige beigebracht haben. Ich will hier noch die Fassung des jüngeren Rockenbüchleins anführen:

Es kam ein Vogel federloss auf einen Baum, der blätterlos», Da kam die Mutter mundloss und frass den Vogel federloss.

Ein Hauptreiz, ein glückliches hemmendes Element, liegt darin, dass der „Baum blätterloss" in seiner wirklichen Wortbedeutung, dagegegen der „Vogel federloss" und die „Mutter mundloss" als Rätselbilder aufzufassen sind.

Zu den fehlenden Körperteilen kann auch ein scheinbar notwendiges Werkzeug, ein Fremdkörper treten, wie im Rätsel von der Uhr (Andree 35):

Wer hat keinen Stock un kann doch slan, Wer hat keine Fäute un kann doch gan.

Insofern, als zur Aufnahme der Nahrung der Bauch dient, gehört hierher auch das tirolische Rätsel vom Betttuche (Renk 141):

Es geht zum Trog trinken, Lasst die Wampen dahinten,

was in vielen Mundarten und Sprachen zu belegen ist, aber meist um die Hauptbestimmung des „Trinkens" verkürzt, wie es schon im jüngeren „Rockenbüchlein" steht: „Was geht ins Wasser und lässt den Bauch daheim?"

Wir gehen zum anderen Typus über, zu dem umgekehrten Verhältnisse: Eine Voraussetzung ist gegeben, die scheinbar notwendige Folge bleibt aber aus. Notwendig kann sie natürlich nur vermöge eines bildlichen oder doppelsinnigen Wortgebrauches erscheinen.

Zunächst ein Beispiel für den Fall, wo ein Organ vorhanden ist, aber scheinbar nicht benutzt wird. Zwei Gegensätze dieser Art sind in parallelische Reihen gebracht und durch eine nicht unwesentliche Ortsbestimmung eingeleitet in dem bis zur Selbstbeschreibung persönlich gestalteten Rätsel von der Mühle (Andree, 18):

Ik wone up'n bärge, Ik hebbe fäute un gäe nich, Ik hebbe fitjen un fleie nich.

Die scheinbar natürliche Folge einer Handlung unterbleibt, weil eine Verwechselung von Augenschein und Wirklichkeit dem Rätsel zu Grunde liegt; so im schlesischen Rätsel von der Sonne (Peter, 318): „'S giid iwrsch wass'r an werd ni nass", in gewissem Sinne auch im Rätsel vom Rauch (etwa ostfriesisch, Meier, Nr. 20):

'N Hus vul, 'N Land vul, Is doch geen Hand vul.

Ähnlich unterbleibt der mit einer Handlung, Bewegung u. s. w. gewöhnlich und scheinbar notwendig verbundene Zweck im südtirolischen Rätsel vom Strohsäck (Menghin, 5): „Bs geht zum Brunnen und trinkt nicht".

Eine starke Häufung derartiger Motive zeigt eines der allerverbreitetsten Rätsel der Weltliteratur, das Rätsel vom Sarge, der nach dem Volksrätse! seinen Zweck ganz und gar verfehlt zu haben scheint. Das bekannte, in Parallelzeilen schreitende Rätsel steht seiner Form, seinem Typus nach nicht allein. Die Sammlung von Wossidlo z. B. bietet ein Stück mit der Lösung: „falsches Geld" (Nr. 402):

Wer es macht, der sagt es nicht, Wer es nimmt, der kennt es nicht, Wer es kennt, der nimmt es nicht.

und ähnlich eine Nummer über den Prozess (404). Das merkwürdige Rätsel scheint ursprünglich aus drei gleich-massig gebauten Zeilen bestanden zu haben, die von dem Verfertiger, dem Käufer und dem Benutzer handelten. So linden wir es schon in der Mitte des 16. Jahrhunderts, in der Rätselsammlung des Lorichius (S. 45 a1), in einer einfacheren und einer mehr gespreizten Form, von denen für uns nur die erstere in Betracht kommt:

Qui manibus compingit opus non indiget illo, Quique emit hoc uti non vult, quique ulitur ipso, Ignorat quamvis habeaU tu solve quid hoc sit?

So scheint es auch in den ältesten französischen Rätselbüchern gestanden zu haben, wie es ih den Questions enig-matiques (bei Rolland, Nr. 279) lautet:

Celui qui le fait, c'est pour le vendre; Celui qui Vachete ne s'en sest pas; Celui qui s'en sert ne le voit pas.

So ging es einerseits nach Deutschland hinüber, wohl durch Vermittelung der Strassburger Drucke, und haftete in dieser einfachen Form im Süden. Vergl. Butsch, Nr. 228: „Der

es macht, der darffs nit, der es kaufft, der wils nit, der es brucht, der weiss nit". Stöber, Volksbüchlein, 1859, S. 88:

Wer's macht, brucht's nit, Wer's kauft, b'halt's nit, Wer's brucht, weiss's nit.

Renk, Nr. 148:

Der es macht, der braucht es nicht, Der es kauft, der will es nicht, Der es braucht, der weiss es nicht.

Andererseits ging es in gleicher Form in die romanischen Sprachen über; aus den italienischen Marken gehört Nr. 26 der von Gianandrea in Pitres Archivio mitgeteilten Rätsel her :

Chi la fa, la fa per vende Chi la compra, non Vadopra, Chi Vadopra, non la vede.

Mit einer kleinen Einführung geht dasselbe Rätsel in Welschtirol (Schneller, Nr. 23):

So una cosa per mia cosa, Chi la fa, la vende, Chi la compra, noi Vadopera, E chi Vadopera, noi la vede.

Gekürzt zu einem Zeilenpaare lebt es in Venedig:

Chi la fa no Vadopera, E chi Vadopera, no la vede.

(Bernoni, indov. pop. Ven. 1874, Nr. 52.)

Endlich finden wir das Rätsel entsprechend auch im hohen Norden, denn die schwedische Fassung lautet (Bidrag VII, 4, Nr. 93):

Det bor en snickare (Tischler) i var stad, Han snickrar det han inte vill ha. Den 8om köper det, gör inte med det, Ock den som fär det, vet inte om det.

Hier ist nur das Celui qui fait etwas konkreter wiedergegeben.

Dagegen weicht das Holländische insofern ab, als an Stelle des „Käufers" ein „Träger" tritt (Volksk. 1, 26>:

Die het maakt, en wil het niet, Die het draagt, begeert het niet, Die het heeft, enweet het niet

Es ist möglich, dass man unter dem die het draagt in Vlam-land den Käufer versteht oder früher verstanden hat

Jedenfalls ist die Auffassung des schottischen Volksrätsels (Chamb., Nr. 5) eine andere:

The1 was a man made a thing, And he that made it, did it bring; But het was made for did not know, Whether 't was a thing or no.

Zwischen beiden Darstellungen vermitteln die niederdeutschen Fassungen, indem sie beide, den Träger wie den Käufer, aufnehmen. So lautet bei Woss., Nr. 403:

Der es trägt, behält es nicht, Der es macht, der will es nicht, Der es kauft, gebraucht es nicht, Der es hat, der weiss es nicht.

Oder bei Andree, Nr. 11:

De et makt, de will et nich, De et dreggt, behält et nich, De et koft, de brukt et nich, Un de et brukt, de weit et nich.

Endlich sei hier noch die Beschreibung des Sarges unter dem Bilde eines Kleides erwähnt, wie sie im Vlämischen zu finden ist (Volksk. 1, Nr. 26 b):

Een kleed zonder mouven (Ärmel), Die het heeft, moet het houwen, Die het ziet, teil het niet Zag, wat me} raadselken bediet.

Dieselbe Einkleidung zeigt, noch weiter ausgeführt, ein schottisches Rätsel (Greg., 22):

The1 wiz a man, bespoke a coat, When the maker it home did bring. The man who made it, would not have it, The man who spoke fort, eudna use it, And the man who wore ity eudna teil, Whether it suited him' ill or well.

jedenfalls ein geschmackvolleres Bild, als im mecklenburgischen Sargrätsel (W. 246):

Oben Holz, Unten Holz, Vorne Holz, Hinten Holz, In der Mitte ein kalter Braten.

Wir lernten schon weiter oben das Rätsel vom Rauch kennen und damit ein Missverhältnis zwischen der Ausbreitung eines Gegenstandes und seiner Schwere. Es handelt sich oft im Rätsel um den Gegensatz zwischen gasförmigen oder geradezu unwirklichen, nur scheinbar bestehenden Körpern einerseits und festen, massiven andererseits, an die der Hörer zunächst denkt. In diese ganze Sphäre gehören Gegensatzrätsel wie diese: Blade, 44 (Wind):

Es lengd conmo uo plutuo E qu'ategn d'aci a Roumo.

Rolland, Rimes et jeux, Nr. 8 (Schatten):

Qurest-ce qui est gros comme une eglise, Et ne plse pas une cerise?

Ähnlich Rochh., 100 (Licht):

S' ist öppis so chlt as e mfts, und füllt doch alle stuben üs.

Und Woss., 346 (dasselbe):

Vor unen sössling de ganz stuw vull.

Man sieht, wie nahe sich „wirkliches Rätsel* und Scherzfrage auch hier berühren.

Aus dem Bilde oder Vergleiche heraus ergeben sich dankbare Gegensatzmotive. Als Beispiel sei etwa das weit verbreitete Rätsel vom Schnee angeführt („Bremer Kinderreime", Nr. 7):

Da kam en Man von Aken, Har en wittet Laken, Woll de ganze Welt bedecken, Konn dog nig aver de Wesser rekken.

Das Rätsel vom Fingerhut, das mit dem Bilde der Fenster arbeitet, etwa bei Renk, 176:

Es ist niedrer als eine Maus, Und hat mehr Fenster, als ein Königshaus.

kehrt in Holland wieder mit der Deutung: „Nuss":

Er is een ding, het is kleiner dan een muis, En het heeft nteer vensterjes, als het stadhuis.

Im französischen Rätsel sind kurze Vergleichsgegensätze beliebt. Z. B. Blad<5, 45 (Auge):

Es pas bestio e a peus Es pas mirail e espio Es pas nuatje e a plane.*)

oder Blad<5, 20 (Rübe):

Blanc coumo neu, e neu nes pas, Porto hoeÜlos, autre ries pas.93)

III.

Ein Gegenstand wird in seinen Teilen, seinen Entwickelungsstufen, seinem Verhalteu unter verschiedenen Umständen u. s. w. beschrieben.

Wir hatten uns im letzten Abschnitte fast nur mit solchen Rätseln beschäftigt, die eben den Gegenstand als Ganzes, den Vorgang als Einheit auffassen. Ein grosser Teil aller Volksrätsel aber hat gerade in der Einzelbeschreibung der kleineren Abschnitte, die erst ein Ganzes ausmachen, seine Hauptaufgabe. Demgemäss werden natürlich hier immer mehrere beschreibende Elemente neben einander stehen; uur wenn von allen Einzelteilen dasselbe ausgesagt wird, genügt einer oder wenige beschreibende Züge; doch wollen wir diese Gruppe hier noch fallen lassen. Eine andere Frage ist die, wie sich Benennung und Beschreibung zu einander verhalten. Da ja meist nicht nur die Einzelteile,94) sondern auch das Ganze in das Rätsel hineingezogen werden, so ergeben sich folgende Gruppen:

1) Das Ganze ist benannt, die Einzelteile von dieser Benennung beeinflusst.

An sich wenig bezeichnend sind Benennungen, die nur aus einem Personennamen bestehen. Allein in seiner Eigenschaft als solcher kann er die nachfolgende Beschreibung beeinflussen, sodass auch diese sich ganz als Personalschilderung entwickelt. So wird im welschtirolischen Rätsel (Schmeller Nr. 7l) die Kirsche als ein kleiner Mann namens Karl aufgefasst und demgemäss der Stengel als Bein, die Blüte als Käppchen. Dass für andere Körperteile, wie den Rumpf, Hals, die Arme, kein entsprechender Teil an der Pflanze zu sehen ist, wird kurzweg verschwiegen, es ist eben ein Volksrätsel, kein Kunstprodukt. Darum stehen eben der Volkspoe§ie viel weitere Strecken zu Gebote, auf denen es seine Früchte ernten kann; Vollständigkeit, Genauigkeit werden weder erstrebt, noch erwartet. Recht bezeichnend ist die englische Benennung der Kirsche mit der Durchführung der Personifikation in einem beschreibenden und einem hemmenden Element (Hall. Nurs. rh. 130):

As 1 went trough the gar den gap, Who shotild I meet but Dick Red-cap, A stick in his hand, a stone in his throat, If you'll teil me this riddle, Tll give you a groat.

Im schottischen Rätsel ist der Name weggefallen und durch eine allgemeine Bezeichnung, freilich mit bedeutsamem Attribut und durch einen weiteren, die Farbe bezeichnenden Zusatz vertreten (Chamb. nr. 11):

Riddle me, riddle me, rot-tot-tot, A little tcee man in a red red coat, A staff tn his hand and a stane tn his throat, Riddle me, riddle me, rot-tot-tot

finden. Das wäre eben Eigentümlichkeit des Kunsträtsels im Gegensatze zum Volksrätsel. Nur die „Kettenvon denen wir unten zu sprechen haben werden, sind ausgenommen. Sonst werden die markantesten Teile eines Gegenstandes herausgegriffen, i) Su » feti monte gh'e Carletto,

Col so rosso CappellettOj Cotta gamba verdesina, CavaUere, cht Fmdovma.

Ein schön durchgeführtes Bild zeigt auch das schweizerische Rätsel (Rochh. 62) vom Frühlingsquell:

Es lit eil toller bueb im hag, Und schloft und briegget was er mag.

Einen willkürlich erfundenen Namen, der wohl dem Reime seine Entstehung verdankt, aber doch für die Einkleidung des Ganzen nicht ohne Bedeutung ist, zeigt das mecklenburgische Rätsel vom Talglicht (W. 416):

Lütt Jobann Öölken, Satt up sien Stöhlken, Je länger he satt, je lütter he ward, Plumps föllt he hen.

Auch weibliche Personifikationen sind, besonders in englischen Rätseln, nicht selten. Chamb. 8 (Feuer):

Bonny Kitty Brannte,

She stands up the wa1, Gie her little, gie her muckle,

She licks up a': Gie her stanes, — she'II eat them, But water — she II dee: Come teil this bonny riddleum to me.

Oder Hall. ns. 145 (Kerze):

Little Nancy Etticoat, In a white petticoat, And a red nose. The longer he stands, The shorter he grows.

Auch allgemeinere Bemerkungen, wie „Tier" u. dgl. können die folgende Beschreibung beherrschen und zu anschaulichen Bildern durchgeführt werden. Hierher gehört das schon erwähnte schottische Rätsel vom Schiffe (Chamb. 16):

As I gaed to Falkland to a feast I met wi1 an ugly beast: Ten tails, a hunder nails, And no a fit but ane.

Als unbestimmte Benennung tritt im Deutschen gern die Bezeichnung „Vogel" auf, z. B. auf den Krebs an-

Falaestra. IV. 8

»

gewandt,95) besonders aber auf alles fliegende. Zum Bilde erweitert wird auch dieser Name, etwa im Rätsel von der Gewehrkugel (Violet, Nr. 1):

Flog en Vagel wiet von hier, Had en Zagel von Papier, Had en isernet Bucksken, Gott bewähr min Klucksken.

Seiner Schnelle wegen wird in einem wohl sehr alten und durch mannigfache Missverständnisse entstellten niederdeutschen Rätsel das Schiff mit einem Vrogel verglichen. Die Urform wird sich schwerlich jemals ganz rein ermitteln lassen.96) In Ostpreussen (Frischbier 23, S. 264, Nr. 23) lautet es:

E vagel flög stark äwer e lange mark, Hadd ön sin kropp ftf tonne hopp', Fif tonne wm, ok e fett schwtn' u. s. w.

Auch unbelebte Gegenstände, besonders solche, die zum Menschenleben Beziehung haben, geben Benennungen ab, die sich zu Bildern erweitern So ist der Apfel ein Haus; ein im Norden beliebtes Motiv, das sich besonders in einem ostfriesischen Stücke rein erhalten hat (Meier 27):

Witt sünd de Muren, Grün sünd de Büren8), Bruun sind de Papen, De alle Nacht in't Kloster slapen.

Die falsch verstandenenen „Büren" sind im Vlämischen zu „gebuuren" geworden (Volksk. 1, 30):

Groen zien de muren, Wit zien de geburen, En swart zien de papen, Die in't Kapelleken slapen.

Ganz ähnlich ist das Rätsel vom Ei, nur dass % das Bild in Niederdeutschland *) das Küken zum Hauptgegenstande zu haben seheint. Vgl. etwa die mecklenburgische Passung (W. 82): „Ich hab ein kleines Häuschen, wohn auch selber drin, ohne Thür und ohne Fenster. Wenn ich raus will, brech ich durch die Wand." Der Urform bedeutend näher steht wohl die tirolische Form, wo die 1. Person nur in der Einkleidung zu finden ist: „Ich weiss ein kleines Haus, -da ist nichts von Fenster, Thür und Thor. Und will der kleine Wirt heraus, so muss er erst die Wand durchbohren."

Durch seinen Abschluss und die Gestaltung seines Innern giebt der Mund zu ähnlichen Rätseln Anlass (Renk 8):

Timmerl, Tammerl, Dunkles Kammerl, Und ein beinernes (iatterl vor.

Auch als lebende Wesen werden die Zähne aufgefasst, am kürzesten etwa (Renk 7): „Ein Stall' voll weisse Schaf4, doch finden wir auch weitere Ausführungen, wo die Zunge ebenfalls in das Bild mit einbezogen erscheint (W. 276):

Ganzen Stall vull witt Pier, Dor geit'n roden Hingsten mang Umher.

Ein öfters benutztes, besonders gern auf den „Brief* gemünztes Bild findet sich einfacher und entsprechend verändert, auch mit Bezug auf das Ei (Renk 91 und 92):

Ein weisser See und gelbe Ilgen drin.

Eine gelbe Ilge in weissem See, Errätst du dies, errätst du meh!

Will das Rätsel aber einen Gegenstand in all seinen Teilen, von oben nach unten oder von aussen nach innen fortschreitend schildern, so muss es in die Form der parallelen Ketten gegossen werden. Selten findet sich in Deutschland diese Form auf Abstrakta angewendet. Hierher gehört etwa das Rätsel vom Jahr, das sich eines sehr hohen Alters und einer fast unübersehbaren Verbreitung erfreut, wie uns

Wünsche in der Ztschr. f. vergl. Litteraturgesch. N. F. 9,426—456 nachgewiesen hat. Ich führe hier die ostfriesische Form an (Meier 15):

Dor steit'n Boom in't Westen Heit 52 Nlisten,

In elke Nüst sind söven Jungen, Se hebben wal Namen, Man geen Tungen.

und die nächste, eigentümlich personifizierte Fassung:

Quam'n Man von Jerland, De har twolf Dochters, Un elke Dochter bina dartig Kinder.

Meist handelt es sich aber um sehr konkrete Dinge und die in Deutschland, besonders im Nordischen, heimischen Stücke weisen eine eigene rhythmische Form auf, die gelegentlich diese Rätsel ihrer eigentlichen Bedeutung entkleidet und als Spielreime in den Mund der Kinder übergehen lässt. Gute Beispiele bietet W. Nr. 37 und 38 über die Stangenbohne, und Nr. 39 über den Kürbis. Das letztere lautet:

Up den Hof dor steit 'n Pähl, Hier 'n Pähl un dor 'n Pähl; Up den Pähl dor sitt 'ne Duw, hier 'ne (u. s. f.) Von de I)uw dor flucht 'ne Fedder, Von de Fedder ward 'n Bett, In dat Bett dor licht 'n Mäten, Vor dat Bett dor steit 'ne Weeg', In de Weeg' dor licht 'n Kind, Vor dat Kind dor steit 'n Disch, Up den Disch dor licht 'n Breef, Hier 'n Breef un dor 'n Breef, In dem Brief da steht geschrieben: Du sollst Vater und Mutter lieben.

Ein ganz ähnlicher „Reim" aus Pommern (ich kenne ihn von meiner aus Treptow a. R. stammenden Grossmutter; ob er heut dort noch lebendig ist, weiss ich freilich nicht;) beginnt:

Muhme Köhlen hatt 'nen Garten, Hier 'nen Garten, da 'nen Garten, Und es war ein runder Garten u. s. w.

wo also jedes Glied noch einen gewissen Abschluss erhält. „Muhme Köhlen" ist im Beginne pommerischer Volksreime aller Art wohl bekannt; sie hat weiter keine Bedeutung als etwa Peter Kruse, ist also nicht etwa mythischer Natur.

Damit betreten wir überhaupt ein Gebiet, das der Volksdichtung (nicht bloss der unsern, man kann für gewisse Stücke bis in das Althebräische zurückgehen) wohl vertraut ist. Das Motiv der Kette oder der Häufung finden wir ja in Lieblingsnummern unserer Kinderpoesie, wie etwa im Spiele vom „Schlüssel zum Hause des hölzernen Männchens" oder in der Reihe: „Es schickt der Herr den Jockel aus" u. s. w.

Im Rätsel sind diese Dinge auch nicht etwa selten; sie finden sich auch gelegentlich, aber nicht häufig, auf mehrere Gegenstände angewendet, die nicht Teile eines Ganzen sind, sondern frei neben einander stehen. Obgleich dies in ein anderes Kapitel gehören würde, will ich mit einem derartigen, aus Schottland stammenden Stücke1) schliessen:

1. I had six lovers over the sea

Para mara dicitur a dominie,

An every ane o} them sent a compliment to me,

Ilatrum scatrum paradise temple,

Para mara etc.

2. The first was a bible, no man could read.

Para ....

The next was a mantle without a threet,

Hatrum .... Para ....

3. The third was a chicken without a bone ....

The fourth was a cherry without a stone ....

4. The fifth was a ring without a rim ....

The sixth was a baby without a name ....

5./7. How could there be a bible no man could read?

Para . . . . u. s. w.

8. When the bible is not printed, no man can read ....

When the ivool is on the sheep's back, it has not a thread ....

9. When the chicken is in the egg. it has not a bone ....

When the cherry7s in the blossom, is has not a stone, ....

10. When the ring is in the mine, it has not a rim, ....

When the baby is not chnstened, it has not a name ....

Folk-lore-Journal TT.

Inwieweit freilich solche Dinge echt volkstümlich zu nennen sind, wäre noch zu untersuchen.

2) Das Ganze ist benannt, die Einzelteile ebenfalls,

aber nicht alle mit Zügen desselben Bildes.

Der Fall, dass die Benennungen der Einzelteile ihren eigenen Weg gehen, ist höchst selten, ja man kann sagen, dass nur Ungeschicklichkeit, mangelhafte Überlieferung oder auch die Schwäche der Benennung des Ganzen (ihre Un-deutlichkeit) Veranlassung zu solchen Rätseln geben.

Recht uugeschickt ist das Rätsel vom Brunnenschwengel (Andree 15):

Use holten grotevä'er Kummt sau hoch von hiramel her, Hat en holten plock in ärse. Räe mal tau wat is dat?

Natürlich ist „Grotevaer" nur eine ganz allgemeine Benennung, wie etwa „Peter Kruse" u. dgl. Das zeigt auch schon der Umstand, dass man es für nötig hielt, eine adjektivische Bestimmung hinzuzufügen: „höltern". Auch das nächste Element, die Fahrt vom Himmel herab, fällt so aus dem Rahmen der Personifikation heraus, dass wir es kaum als „hemmend:' bezeichnen können. Um so weniger war es nötig, durch die Bezeichnung „Ars" sich wieder der Personifizierung zu nähern.

Die oberdeutsche Fassung des Hahnenrätsels (Renk 81):

Kommt der König von Engelland, Weiss und schwarz ist sein Gewand, Ein fleischener Kamm, ein fleischener Bart, Wers nit weiss, erratet's hart,

enthält in dem „fleischenen Kamm" eine Bestimmung, die nicht, wie der „fleischene Bart" im Rahmen der Personifikation liegt und nur durch das Adjektivum zum „hemmenden Elemente" wird. Aber die ganze Reihe ist an Stelle einer kürzeren getreten, etwa „hat 'nen fleeschnen Bart",1) in dem

!) Uckermärkisch. Eigene Sammlung.

Bestreben, die alten vier Hebungen herzustellen, was zumal bei der oberdeutschen Sprechweise, die ja schneller als die niederdeutsche ist, wünschenswert erschieu.97) Der Kamm ist nun aus einer anderen Gestalt desselben Rätsels hineingezogen, das etwa schloss:

hatte ein knöchern Angesicht.

Hatt 'nen Kamm und kämmt' sich nicht.2)

Also haben wir es mit einer Übertragung zu thun, nach deren Ausmerzung das Rätsel eine trefflich durchgeführte Personifikation bildet. Leider muss ich, des Raumes wegen, auf eine Darlegung der verschiedenen Typen und ihrer Verschränkungen, wie sie gerade dies Rätsel aufweist, verzichten. Auch liegt aus Oberdeutschland noch nicht genug Material vor. Jedenfalls ist das Rätsel der interessantesten eines.

Aus späteren oberdeutschen Sammlungen hoffe ich ein Bild über die ursprüngliche Gestalt der ersten Zeile des tirolischen Mohnrätsels (Renk 113) zu bekommen:

Es ist ein Pommeranzel, Hat ein schönes Kranze], Und einen langen, langen Stil.

Denn „Pommeranzel" scheint mir aus einer älteren, besseren Benennung entstanden. Jedenfalls hatte „Pommeranzel", das wohl dem Reime viel verdankt, nicht die Kraft, die Einzelteile in den Rahmen eines Bildes zu zwingen. Beide sind benannt, aber jede Benennung geht ihre eigenen Wege; ja, die zweite Benennung ist gar nicht einmal bildlich, sondern bezeichnet den Gegenstand direct beim rechten Namen.

Gesungen wäre die Zeile natürlich vierhebig (W. 21): häddn rödön Bo'ort, (Züh, wö de Schelm roort.) Beim Sprechen wird sie dreihebig und, so viel ich gehört habe (in der Mark), lässt man dann entweder eine Pause folgen, die der vierten Hebung entspricht, oder man sucht die vierte ZeiJe dreihebig zu sprechen:

Züh, wo de Sch&Lm röhrt.

2) Man beachte, dass von einem „fleischenen" Kamm keine Rede ist.

angeschlossen ist und damit die Form der Vergleichung eintritt. Wossidlo giebt Nr. 234—241 genügende Beispiele. Eines der bekanntesten ist (240) „Der Hahn":

Vorne wie ein Kamm, Mitten wie ein Lamm, Hinten wie eine Sichel, Rat, mein lieber Michel.

Nur wenn eine Klangmalerei vorliegt, fehlt die Vergleichspartikel. Im Rätsel vom Pferde (W. 236):

Vorn Knippknapp, midden Kaffsack, Hinnen as 'n Stück Garn.

steht „Knippknapp" von Rechts wegen ohne „as", „Kaffsack" nur der Symmetrie wegen, die schon durch die Alliteration mit veranlasst wird. Im Schlussgliede steht wieder „as".

Im englischen Rätsel kann ich genau Entsprechendes nicht nachweisen, wohl aber im skandinavischen. Die Katze schildert ein schwedisches Rätsel (Bidrag II 8, 8 Nr. 33):')

Före 8om ett nystan, Midt pa som en säck, Efter som en siefvakäpp.

Und im Lappischen heisst das Rätsel vom Pferde (Poestion 24):

Vorn wie ein Fässchen, Mitten wie eine Tonne, Hinten wie ein Besen.

Also auch hier haben wir die Vergleichspartikeln. Sie können fortbleiben, wenn das ganze Rätsel etwa in die Form einer Geschichte eingekleidet ist; so in dem hübschen Rätsel von der Eichel (W. 58):

Ich ging einmal durchs Schilf, Da mir Gott hilf,

Da fand ich ein weisses Stückchen,

Daraus machte ich eine Mulde, zwei Seitenstückchen

und einen kleinen weissen Priesterhut.

Überhaupt wird die Vergleichspartikel ausgelassen, wenn jenes äussere Gerüst fortfällt, wenn also über die Lage der Einzelteile nichts gesagt ist. Ich führe dazu zunächst die schwedische Fassung des eben erwähnten „Eichelrätsels" an (Dybeck, Huna, 1847 nr. 6): Twä trag, twa trags äumen, en pik, en pak, och en natmössa.

Ein schlesisches Rätsel vom Flachs (Peter 347) lautet:

A schiin s, griins Gwand, A himmelblau« Band, Mit griinr Kappe gziirt, D* Jomfan räafas aus an schmaissas wag.

Hier wird also zum Schlüsse noch einmal das Ganze durch eine Beschreibung seiner Behandlung angedeutet.

Zeitliche Abschnitte, Stufen der Entwicklung, oder Verschiedenheiten der Behandlung je nach den zeitweiligen Umständen werden seltener angedeutet. Hierher gehört etwa Renk 14 (Ofen):

Im Sommer ein Bettelmann, Im Winter ein Edelmann.

Wenigstens ein benennendes Element (zwen Röckline) für Teile des Gegenstandes enthält ein schweizerisches Rätsel von der Nuss, das seltsam aus Schilderungen des Aussehens und der Entwicklung gemischt ist (Rochh. 25):

Im Früilig chum i als Büseli a, Im Summer legg i zweu Röckline a, S' erst chaust mer abrisse, S' zweut musch mer abbisse, Wenn d' mi, wenn d' mi witt ha.

Auch im Rätsel vom Fenster (etwa Violet 15) ist nur der

letzte Teil benannt und noch dazu recht undeutlich:

Von buten blank, Von bönnen blank,

Enn de Mött ön hölternen Peter dermank.

Ähnlich ein weiteres Flachsrätsel, aus Tirol (Renk 108, vgl. 31):

Klein inglat, Gross gstinglat,

Und obendrein ein blaues Kappel? Derartige Stücke leiten über zur nächsten Gruppe.

4) Das Ganze sowohl als die Binzelteile bleiben

unbenannt.

Hier kann sich die freie Willkür, mit der das Volk seine Rätsel aufbaut, am freisten ergehen. Da fliessen die verschiedensten Formen und Auffassungen durcheinander, da eilt man von einem Gesichtspunkte mit kühnem Sprunge zum andern. Man sehe etwa das Rätsel vom Spinnrad an (W. 94):

Up dree Been stah ik, up vier Been gah ik, up fief Been loop ik. Wenn ick gah, denn brumm ik, Stah ick still, verstumm ik,

Und die barbarischen Weiber trecken mi in de Hoor. Wenn se mi noch treckt hebben, kaam ick von de Stell, Mööt ik hinner de Hell.

Das Ganze ist personifiziert, aber ohne Benennung und ohne rechte, höhere Einheit. Auch in „Hoor" wird man keine „Benennung" sehen wollen, wenn es sich um den Flachs handelt, so wenig wie in dem tirolischen Rätsel vom Gewehr die einzelnen Teile bildlich, rätselhaft benannt sind (Renk 157):

Ein Schaft und ein Rohr. Und ein Schloss liegt davor, Und ein Stock steckt daran, Greifs ja nicht an.

Auch die gleichmässige, einheitliche Beschaffenheit eines Gegenstandes wird durch die gleichförmige Beschreibung seiner Teile ausgedrückt. Vgl. „Haarstrang" (schottisch, Chambers Nr. 9):

Hair ivithout and hair ivithin, A1 hair and nae skin.

Derber ist das deutsche Rätsel vom „Heu" (etwa Andree 45):

Hinnen rü un vorne ru, Un twei eilen in ärs noch rü.

Die verschiedenen Stufen der Entwicklung, der Behandlung und Bearbeitung eines Gegenstandes werden gern zu reihenförmigen, oft parallelisch gebauten Rätseln verwendet. So heisst es in Tirol (Renk 68) vom Kalbe:

Wenns klein ist, tragen's viere nit, Wenns gross ist, tragen sie's leicht, Wenns tot ist, gehts in aller Welt herum.

Das Niederdeutsche neigt mehr dazu, die Schilderung dem Gegenstande selbst in den Mund zu legen. So lautet das mecklenburgische Rätsel vom Ochsen (W. 77):

As ik lütt wier, kiinn ik vier dwingen, As ik groot wier, künn ik hügel un barg' iiniwringen: As ik doot wier, müst ik vor Fürston un Herren up de Tafel stehn, Un mit de Bruut na'n Danzsaal gehn.

Ähnlich das Flachsrätsel (W. 77):

Als ich war jung und schön. Trug ich eine blaue Krön; Als ich war alt und steif, Banden sie mir einen Band um's Leih; Dann ward ich geknüppelt und geschlagen. Und von Kaiser un König getragen.

Die Verwendung des Flachses zu Leinwand und Papier schildert ein vlämisches Riltsel, das Roll. Dev. Nr. 94 mit anführt:

Gruen, gniai was ik in mijn joenge dagen, , Toen weck-ik van keuningen en prinsen gedragen, Maer toen ik niet meer on dacht, Toen werk-ik ter hooger scholl gehrocht

Das ebendort gegebene französische Rätsel „Quand fetais jeune fetais vert" scheint nicht volkstümlich zu sein und sieht eher wie eine Übersetzung aus.

Hierher gehört auch das weitverbreitete, oft nicht verstandene und entstellte Rätsel von der Schreibfeder (Meier 33):

Grote Herren un Potentaten Könen sünder mi neet raden,1) Sneden mi dat Lief up, Nemen mi de Seel ho rut, Gefen mi wat to supen, Un laten mi lopen.

Ursprünglich: „Können meiner nicht entraten".

Man kann schon an den eben mitgeteilten Rätseln öfters die Verwendung des Gegensatzes bemerken. Ein Lieblingsmotiv, der Gegensatz: „tot — lebendig" kam auch dort schon vor, er spielt überhaupt in dieser Form eine grosse Rolle. Mittelbar spielt er auch in das Rätsel von der Eiehe hinein (W. 78):

Als ich klein war, ernährten mich die Grossen; Und als ich gross war, ernährt ich die Kleinen; Und als ich tot war, trug ich die Lebendigen wol über die Lebendigen.

Es spricht im letzten Teile von dem Schiffe, das aus dem Holz der Eiche gezimmert ist. Dieser Gegensatz des grünen Baumes im Walde und des verarbeiteten Holzes findet sich in einem altertümlichen Rätsel vom Spinnrade, das W. 92 namhaft macht:

Aus grünem Holz bin ich ersprungen, Wie mancher Vogel hat auf meinem Holz gesungen, Ich geh und geh den ganzen Tag, Und geh auch keinen Schritt,

Und wenn man auch gleich mich mit Füssen tritt.

Hemmend wirkt der Doppelsinn des Wortes „gehen" = 1) sich bewegen, 2) von der Stelle kommen.

Mit Gegensätzen arbeiten auch die Rätsel, die uns den Gegenstand je nach den Umständen, je nach der Zeit verschieden handelnd oder behandelt zeigen; besonders gern heftet sich der Volkswitz an Dinge, die nur hin und wieder benutzt werden; so schildert er die Lichtputzscheere (W. 95):

Des Tages hab ich nichts zu thun, Man lässt mich in dem Winkel ruhn; Des abends bringt man mich herein, Dann schlucke ich Feuer und Flammen ein.

Ähnlich ist das Rätsel vom Dreschflegel (Andree 19):

An däe geit et de däle up un däl, et abends mot er in'r ecke stän. *

Das Aussehen des Gegenstandes je nach den Umständen zeigt das Rätsel vom Herdfeuer aus der Grafschaft Mark (Woeste Nr. 11);

Bi dage as en güllen Knop, det nachts as en mollhopp.

Thätigkeit und Wirkung veranschaulicht (W. 93) ein Rätsel von der Wiege:

Wenn ich stillstehe und nicht gehe, Dann sind meine Bewohnten oft unzufrieden. Wenn ich aber gehe und nicht stillstehe, Dann kann ich sie oft ins Schweigen kriegen.

Ähnlich wie in den oben besprochenen Benennungen und Vergleichen können die einzelnen Teile eines Gegenstandes auch durch kurze, einzeilige Beschreibungen geschildert und auch diese unter sich durch äusserliches Gerüst verbunden sein. Mehr bildlich ist noch das schottische Rätsel vom Suppentopf (Chamb. 6):

Mouthed like the mill-door, luggit like the cat. Though ye guessed a1 day, ye'd no guess that!

Einfacher die deutschen Stücke:

a) Neben- und bei einander. Gestalt: Menghin 1 (Ameise, tirolisch): „Oben spitzig, unten witzig, in der Mitt'n — völlig ab". Renk 105 (dasselbe): „Vorn und hinten patzet, in der Mitten glager ä". — Farben: Renk 106 (Flachs): „Braun unten, Grün au, Blau obendrau!" Halliwell 136 (Regenbogen):

Purple, yellow, red and green, The king cannot reach it nor the quem. Nor can old Noll [CromioellJ, whose power's to great. Teil me this riddle, white 1 count eight.

Stoff: Chamb. 7 (Hahn, schottisch):

Mouth o' hörn, and beard o' leather; Ye'll guess that though ye were hanged in a tether.

Geschmack: Schneller 9 (Kirsche, wälschtirolisch): „Dolce come il miele e in mezzo amaro come il fieleu.

b) Nach einander. Andree 9 (Flachs, braunschweigisch): „Groin steit et up, blü blift et stan, witt geit et tau bedde". Renk 137 (Knäuel): „Nieder wie eine Maus, und hoch wie ein Kirchturm". Renk 138 (dasselbe): „Es kugelt etwas flbern Rain, hipab getfrs ; allein, herauf ziehn's sechs Paar

t

Ross nit". Renk 147 (Krapfen): „Es geht etwas bleich zum Bronn und braun davon". Bidrag VII 4, Nr. 8 (Schuh, schwedisch): „Om dagen är hau füll med kott ock blod, om natten star han ock gapar". Peter 320 (Feuer, schlesisch): „Befind ich mich am Dache, trauerst du sehr. Bin ich am Ofen, so hast du mich lieb". Rochh. 83 (Ofen, schweizerisch): „Use grüen und inne schwarz, Summers ehalt und winters warm".

Handelt es sich um den Ton, den ein Gegenstand von sich giebt, so tritt leicht Personifikation ein. Z. B. Blade 12 (Seil, Armagnac): Arritz en debara, Plouro en mounta (lacht beim Aufsteigen, weint beim Absteigen).

Leiser klingt die Personifizierung an, wenn es sich um ein Schauen, gewaltsam herbeigeführt ist sie, wenn es sich um die Nahrung handelt. Renk 78 (Bockhorn): „Wenns aufwärts geht, schauts abwärts, Wenns abwärts geht, schauts aufwärts." Ähnlich, doch eingliedrig Renk 145, W. 293 (Axt): „Geiht to Holt un kickt to Huus." Woeste 15 (Ofen, Grafsch. Mark): „Hü stüket et in der Sit un giet ut der Mule wi'er von sik." Donner 19 (Hobel, lappisch): „Speist mit dem Munde, Giebt von sich mit dem Nacken." Andree 6 (Häckselschneide, braunschweigisch): „Hinnen frit et, Vorne schitt et."

IV.

Mehrere gleichartige Gegenstände werden gemeinsam benannt und beschrieben.

Wir hatten diese Klasse vorher von der Besprechung ausgeschlossen. Denn kraft ihrer eigenen Mittelstellung als Rätsel, die wohl mehrere Gegenstände umscliliessen und mehreres von ihnen aussagen, aber doch von allen das Gleiche, sodass sie einen einheitlichen Zug haben, fordern sie eine knappe eigene Betrachtung. Ein so bunter Formenreichtum, wie bei einigen anderen Gruppen, konnte sich hier nicht entwickeln. Es ist eine bestimmte Anzahl oder unzählbare Menge von Gegenständen, über die etwas ausgesagt wird. So steht denn immer eine Zahl (oder ein

Ausdruck der Unzahl) voran, und die Sache selbst bringt es mit sich, dass eine Benennung hinzutritt, die um so bildlicher, lebendiger ausfällt, je älter und damit sinnlicher das Stück selbst ist; es sei denn, dass die Zahl selbst personifiziert wird, wie imRätsel von den vier Elementen (Rochh. 51), ■) das doch wieder insofern aus dem Rahmen dieser Gruppe herausfällt, als nachher von jedem der Vier etwas besonderes, freilich in parallelen Reihen, ausgesagt wird. Solche Stücke gehören nur halb und halb hierher, wenn sie auch in altertümlich straffer Zusammenfassung den andern, nunmehr folgenden ähnlich, gleichwertig sind. Die einfache, substantivisch gebrauchte Zahl haben wir etwa noch in einem schweizerischen Rätsel von den vier Stäben des Garn-wendels (Rochh. 110):

Springt vier enander nö, Keiner cha den andern föh.

Dagegen stehen trefflich entworfene und durchgeführte, persönlich gehaltene Bilder, unter denen ich zunächst zwei vom Alphabet zum Vergleiche hersetze. Ein westpreussisches (Violet 2):

Et geht feewentwintig Soldaten, De wedder käken noch braden, Bloss emmer en Rehgen mascheren De Menschen to Klokhet to feren.

und ein tirolisches (Renk 164):

Es sind vierundzwanzig Herren Die regieren die Welt,

Sie essen kein Brot, Sie trinken kein Wein, Was wer'n das für Herrn sein?

Das erstere Rätsel ist gewiss besser und vielleicht auch älter. Die Appetitlosigkeit, die im zweiten Stücke die

!) Es seit de gross Alexander,

Es laufld vieri mit enander: S* erst lauft und wird nit matt, Der zweilt frisst und wird nit satt, De dritt suft und wird nit voll, De viert blost und's tönt nit wohl.

Palaestra. IV. 9

Hauptrolle spielt, ist dort auf das rechte Mass eines hem-raepden Elementes zurückgeführt, das eben vor der allzu persönlichen Auffassung warnt. Wenn dies aber wegfällt, so bleibt in dem zweiten Rätsel nichts, was zur Lösung führen könnte, denn das benennende Element „Herren" ist ganz farblos, und das „die Welt regieren" zu vieldeutig. Es bleibt nur die Zahl.

Kürzer, aber schlagend durchgeführt sind einige andere Personifikationen: Renk 70 (Kuheuter): „4 Bübele brunzen in ein Kübele," Yiolet 4 (allgemein bekannt: Windmülilen-flügel): „Vör Jungfern gripen sich dagdäglich, On kriegen sick siendäg nich."

Nicht personifiziert, aber in wohlbelebtem Bilde durchgeführt ist das Rätsel von den 30 (!) Zähnen im Englischen (Hall. nurs. rh. 141), was an oben mitgeteilte, zahlenlose Rätsel erinnert:

30 white horses upon a red hill, Now they tramp, now they champ, Now they stand still.

Weniger bezeichnend ist ein vlämisches Rätsel (Yolksk. 1,16) vom Euter:

Tus sehen hemel en ärde hangen vier lange garem (Fäden), }t zijn gern eiken of gern esschen, Ge kunt het niet raden, at waart ji met zessen.

Dazu ein merkwürdiges Rätsel von den Teilen des Nusskernes:

Er waren eens vier gewichten, Die lagen in een7 kiste, Ze lagen er paar bij paar, Ghij kunt het niet raden maar In honderd jaar.

Dieses Rätsel leitet uns in seiner deutschen Fassung (Roclili. 27, contaminirt):

Sind vier Brüeder in eim Huus. Und keine cha zum andren uus. Sind vier Brüder i der Chammer, Und chömmet doch nie z'samma.

hinüber zn jenen sehr zahlreichen, im ganzen einander ähnlichen Rätseln, die gleiche Gegenstände oder gleiche Teile von solchen unter dem Bilde von Geschwistern darstellen. Z. B. Renk 6 (Augen): „Es sind zwei Brüder zwischen (!) einem Bühel die sehen einander nie." Schwestern (wälsch-deutschtirolisch) Schneller 24 (Wagenräder): GVe quattro sorelle, le corre, le corre, ma no le te awiva mai; Renk 107 (Flachs): „77 Schwestern haben gleiche Kappen auf." Erweitert zum Bilde einer Familie — s. o. — ist das schweizerische Rätsel vom Hafen: „Drei Brüderli, Es hohles Müeterli, Und es buckligs Mandli."

Noch erübrigt es, auf die Rätsel hinzuweisen, die von einer zahllosen Menge gleicher Gegenstände handeln und wo das Volk einfach zu einer grossen Zahl, die ihm eben nichts anderes bedeutet als „sehr viel", zu greifen pflegt Z. B. Schneller 8 (Kirschen):

Alto Alto bei vedere Cinque cento cavaliere, Colla spada des foder ata. Colla testa insanguinata.

Die Teile mit Hinzuziehung des Ganzen, Rochh. 31 (Pappel): „Ein langer Narr, ein dürrer Mann, Hat 100000 Schellen an." Auch hier das Bild der Geschwister:

Sind meh as hundert G'sehwisterli98) De eine schenkt em andere i, Sie slürfent all und alle, Der letzt loht's loh falle.

V.

Mehrere Gegenstände sind zu erraten.

Es bleibt nun noch ein Wort über jene Rätsel zu sagen, die es mit mehreren Gegenständen zu tliun haben. Die Formen, wie diese im einzelnen bestimmt werden, sind hier dieselben, wie da, wo nur ein Gegenstand zu ermitteln war. im wesentlichen handelt es sich für uns um dio Komposition

Wir fragen zunächst: „Was wird zusammengestellt? Stehen die Gegenstände oder Vorgänge untereinander i einem ursächlichen Zusammenhang oder berühren sie einandei sodass die zusammengefassten Einzelheiten doch einen ein heitliclien Gegenstand oder Vorgang, ein Ganzes, ergeben V Oder sind sie nur lose neben- oder gegeneinander gestellt, etwa lediglich des Kontrastes wegen?

Die roheste Form dieser losen Zusammenstellung hatten wir in jenen kurzzeiligen Rätseln gefunden, wie (Andree 17):

Up'n däko helle, Vor'n htise belle, In'r stüwe biff baff, In'r köke kriz kraz.

Alle diese Gegenstände stehen in einer gewissen Beziehung* zum Hause; das verbindet sie, formt aber aus den vier Einzelfaktoren noch kein Ganzes. Eine festere Verbindung-kann aber schon der Kontrast bewirken. In dem Rätsel von Wiese und Bach (etwa Andree 17):

Lanke krummumme, wo wutte hen? — Körte verschorne, wo frägste nä, Kann minen weg bi dage un bi nacht flnne.

ist es gerade die Gegenüberstellung der beiden Gegenstände, die uns erst in Verbindung mit dem hemmenden Schlusselemente zur Lösung verhilft. Wir lernen auch gleich die Form kennen, in der allein solche lose Dinge wirksam verbunden werden können: die Form der parallelen Zeilen, die die Marke des Dialogs gern annimmt, einerseits, um lebendiger zu werden, dann aber, um kraft der Personifikation auch etwas zu verwirren, die Lösung zu „hemmen". Noch ein ganz ähnliches Rätsel aus der Schweiz (Rochh. 41), das Roggen und Gerste gegenüberstellt und ihre ungleichmässige Entwickelung (nicht wie dort das verschiedene Aussehen), sei hier gegeben:

O du chline, chline zwerg, Witt du no-nig us'em herd? —

O du grosses g'hüer, Bi vor dir i der schüer.

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Vorgang und darum hilft eine Hälfte die andere bestimmen. Man vergleiche etwa Rochh. 7 (Schwein und Eichel}:

Rügeli-chiigeli hoch obe, Rügeli-chügeli fallt abe, Vierbei treit's hei.

oder Renk 71 (Katze und Fleisch):

Hira Hara hockt, Limpa Lampa hangt, Hira Hara wött, Dass sie Limpa Lampa hätt.

Gerade, wenn es sich um die Schilderung von Vorgängen, Handlungen und Verrichtungen handelt, stellt das Rätsel gern etwa den Handelnden, seine Werkzeuge, den Ort der Handlung neben einander. Einige besonders bemerkenswerte Beispiele wollen wir uns zum Schlüsse ansehen, mehr nach dem Gegenstande, als nach der fast in jeder Nummer verschiedenen, bunt gemischten Form geordnet.

Die Handlung der „Predigt" drückt das vlämische Volksrätsel durch Angaben über den Prediger und die Kanzel aus. Die Zeilen sind parallel gebaut mit hemmenden Elementen, die gleich den oben beim „Vogel federlos" erwähnten doch den durch die Benennung etwas weit gesteckten Begriff wieder verengern. Volksk. 1,21:

Een huis zonder schouw, En man zonder vrouiv, En 8toel zonder biezen. Raad maar ap, ge zult verliezen.

Über die Thätigkeit ist nichts gesagt, die Schilderung der äusseren Gestalt steht im Vordergrunde.

Beides vereint findet sich in einem Rätsel, das sehr interessante Wandlungen durchgemacht hat, im Rätsel von der Schrift. Die Urform wird sich kaum wieder herstellen lassen. Am kürzesten ist die lithauische Fassung, die Schleicher S. 206 giebt: „Ein ehrbares Feld, eine wunderbare Saat4'. Das alte Bild, das wir auch im folgenden überall finden werden, zeigt uns etwas neues. Hier haben wir ein völlig durchgeführtes Bild: „Die Schrift" ist geschildert durch „die

Saat", ein Vorgang, ein" -Gerüst ist alt. Aber ii Volk einen unzweiu"ut_^: darauf, dass wir et vm

thun haben: dazt bestimmt, wie unsim. i-Rätsel! Viel klarer ^ uns Halliweli black (Bahmeneleni^ L r a^er in seiner .

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In einem französischen Rätsel sind auch die Finger mit in das Bild hineingezogen, als fünf Stiere, die am Pflugeisen ziehen (Bladg 27):

Cav blanco, semengo negro1 Cinq buüs thron a la reillo.

An Stelle der Finger tritt nun auch gern die Bezeichnung der Feder, die über das Papier dahingeht, ohne die Saat zu kennen. So lautet ein Rätsel in Landstads Sammlung norwegischer Volkslieder S. 805 ff, Nr. 14:

Liten äker heu eg, Svart konn sdr eg, Mang ein um min aker gmg, Og veit 'ki hot i ähren stend.

Ganz ähnlich heisst es in der Schweiz (Rochh. 146):

Ne wisse acher acheret me, Ne schwarze söme saijet me, S' lauft mänge drüber, stolpret net, Und weiss net, was es isch.

Und schon bei Butsch (Nr. 329) steht das Rätsel, freilich mit Fortfall des Farbengegensatzes, doch mit Hineinzieliung-der Feder in das Bild:

Ein schöner Acker woll gesehet. Gar mancher Bawer do fürgeet. Nit weiss, was man do gesehet hot.

Endlich wird • auch der schreibende Mensch mit verwendet und seine Denkthätigkeit in den Vordergrund gestellt. Das ist nicht recht volkstümlich, wenigstens in Deutschland. So kann ich denn auch hier keine germanische Fassung anführen. Wohl aber finden wir unser Rätsel schon in alten französischen Sammlungen, wie in den Adevineaux amoureux (Roll. 250):

Blanc est le champ, Noire est la semence, L'omme qui le semme, Est de tres grant science.

Im Volksmunde der Dordogne lebt es in dieser Form (ebda):

La semence est noire, La terre est blanche, Celui qui seme pense.

Und ein ganz ähnliches Stück teilt Pitre aus Sizilien mit:

Bianca muntagna E mura simenza, E l'omu chi timina Sempri penza.

Damit haben wir die Hauptformen des Rätsels kennen gelernt. Nichts hindert uns, anzunehmen, dass. die Urform die dritte Bestimmung überhaupt noch nicht kannte, sondern etwa lautete: „Weisses Feld und schwarze Saat". So schildert nämlich das Rätsel sehr gern Vorgänge, zu deren Ausführung mehrere Dinge nötig sind. Z. B. „Seefahrt" als Schloss und Schlüssel, etwa im tiroüschenRätsel (Renk 121): „Ein wassernes Gschloss und ein hölzerner Schlüssel".99) Nur tritt hier der Stoff statt des Aussehens ein, ebenso wie in dem weit verbreiteten Rätsel von der Nähnadel und dem Faden, die unter dem Bilde eines schnell beweglichen Tieres erscheinen, ein Stück, das ebenso viele Erweiterungen und Aenderungen erfahren hat, wie jenes von der Schrift. Z. B. Peter 369: „Es ist ein bleiernes Vögelein, Es hat ein flächsenes Schwänzelein." Renk 140: „Ein eiserner Hund und ein leinenes Schweiflein; je weiter das Hündlein vorwärts geht, je kürzer 's Schweiflein wird"; ähnlich, doch sehr abgeschwächt, im Lappischen (Donner-Poestion 18): „Es wandert durch den Wald und verliert den Schweif im Walde." Der Fingerhut tritt hinzu in der ostfriesischen Fassung (Meier 13): ,,'N iesdern Peerd, Mit'n flassen Steert Un 'n messken Najager."

Nicht so regelmässige Bildung zeigen andere Rätsel, die aber gleich den vorhergehenden einen Vorgang unter dem Bilde eines andern vorführen. So erscheint (Rochh. 6) die Schafschur, mit einem hemmenden Element, als Getreidemähen:

Chum erwachsen ich wieder, Maij't der Schnitter mich nieder; Macht er's aber net guet, So vergiess der Acher sis Bluet.100)

Das interessante Yolksrätsel vom Fischfang schildert diesen als einen Überfall durch Räuber. Das Haus, in das die Räuber eindringen, ist das Wasser, dann scheint es wieder das Netz zu sein, dessen Maschen „Fenster" heissen. Das Rätsel ist nicht so klar, wie die vorigen und arbeitet stark mit Hemmungen. Ich führe hier nur die schottische Fassung an (Chamb. 24), die weitere Verbreitung hat Pitre in seiner neuen sizilianischen Sammlung ausführlich nachgewiesen.

The robber8 came to our house,

When we were ä' in: The house lap out at the windows, And we were a' teilen.

Unter obseönen Bildern wird etwa das Spinnen beschrieben (z. B. W. 71), was auch auf das Besteigen eines Pferdes u. dgl. umgedeutet wird. (Vgl. Meier 40): „Ik stah vör di, Dat sali in di, Dan wil 'k up di, Dan sallt gahn."

Unklarer personifiziert, ohne Zusammenhang, sind Rätsel wie das westpreussische von der Mangel (Violet 8):

Treck heu, treck her, Twö stonen dafer, Two liegen darunger, Wat es dat fer en wunger ?

Mit dem Motiv des Gegensatzes zwischen Totem und Lebendigem arbeiten, nicht ohne Hinzusetzung der Beziehung, in der die verschiedenen Gegenstände zu einander stehen, Rätsel wie diese: Donner 10 („Kamm", lappisch): „Das Tote zieht Lebendige aus dem Walde", oder Chamb. 14 („Schiff"):

As I loökit owre my window

At ten o'clock at night, I saw the dead carrying the living.

Endlich ist noch der Fall zu erwähnen, wo zwar die Lösung die Gegenstände in deutliche und feste Beziehung zu einander stellt, im Rätsel selbst aber scheinbar ganz Unzusammenhängendes vorgeführt wird. In diesem Wirrsal, das noch durch ein buntes Gemisch von Benennungen und Beschreibungen immer beängstigender wird, liegt der Reiz solcher Stöcke, w>r >? zzz-~ * ~ Warvn mit

Tonnen, Pfaden c Ui«. F-IniM und der

Peitsche. lfaB*bet*n:.JliWIksk.1,1):

jCoi t 'Va. c rkroc. Tf*r ^ c* i"«^».

Oder die meckkol^-i^ri-? «W. :•>•:

R>. \'-.T rl-

R> ti: .iL

Mit den Stoffen arbeitet das Slr^icLe Rätsel vom Pfluge (Renk 179): „Vorn FteUc-L- Hinien Fleisch. In der Mitten Holz und Eisen.- Endlich spielen auch nieder die Farben mit hinein in einem allen Rälv?! v.»n der gemolkenen Kuh, das Meier 1221 in einer nicht ganz klaren Fassang vorführt:

r»rün "r.-I-r. Kau baven. Leer under. uver. Mit reer leerer; £::]<]««up]»en Un'n hviteo Ja:.a upp.

Damit glaube ich, soweit es nach dem vorliegenden Materiale möglich war, den hauptsachlichen Formelschatz unseres Volkes erschöpft zu haben. Eine Darstellung der äusseren, metrischen Form musste unterbleiben, da vorläufig noch das wichtigste Hilfsmittel fehlt, das wir bei unserer Untersuchung ja so oft vermisst haben: eine grosse, oberdeutsche Rätselsammlung.

1. Anhang.

Das Rockenbiichlein.

Das Büchlein enthält vier unpaginierte, durch Falz zusammengehaltene Blättchen aus grobem Papier. Der rohe, unten reimweis erläuterte Titelholzschnitt zeigt eine verwachsene, dünnbeinige Gestalt, die in der rechten Hand eine kleine, kreisrunde Schnupftabaksdose mit offenem Deckel trägt, woraus die linke den Tabak zur unförmig grossen Nase führt. Gleich auf der Rückseite des Titels beginnt der Text, ohne andere Ornamente als die im Abdruck angedeuteten Querstriche. Ich bezeichne die Blätter mit Bl. 1.) bis Bl. 4.), die Seiten je mit a und b. Die Interpunktion habe ich belassen, wie sie war. Verbessert wurde: Zeile 28: Jungfern (statt Jungern); 36: einem (statt einen); 43: kann (statt kan). Ein Abdruck der wichtigen Quelle wird hoffentlich nicht unwillkommen sein.

Roc'ziez: Süd

aiienau

sui^n*

Bl. Ib.)

I. Schöne und anmnthige Rätlisel.

Man tritt mit Füssen mich, man raufet mir die Haare 20

Aus meinen Kopf heraus, man rädert meine Waare, Das Frauenzimmer stets mit mir sich trägt und zackt, Und sonderlich durch Gunst die Finger nach mir leckt.

Ein Spinnrad.

Ich leb' in Finsterniss, ich hüpfe, tanz' und springe: 25

Ich küzle Frauenvolk, bin lustig, guter Dinge. Ich klagte sonsten nichts, ich hätt' die beste Sach, Wenn mir nur stellte nicht der Jungfern Daumen nach.

Bin Floh.

Ich bin ein Friedensmann und rede stets vom schlagen, 30 Was mir der Hammer sagt, das muss ich wieder sagen, Mein* Arbeit ist bey Nacht, der Tag ist meine Ruh, Wie in Amerika bring' ich das Leben zu.

Bin Nachtwächter.

Kurz, rund, bunt, voller Blut, im Sommer ich entstehe, 85 Im Winter komm ich nicht, auf einem Bein ich gehe, Auswendig bin ich weich, inwendig bin ich hart, Rath' zu, was ist doch das für wunderbare Art?

Eine Kirsche.

Ich bin ein halbes Jahr in Mutterleibe blieben, ' 40

Ich werde wohl zerquetscht, zerschlagen und zerrieben, Geflochten, krumm gedräht. Der erste der dies Räthsel Errathen kann, der soll bekommen

Eine Brätzel.

Aus dem Grund bis zum Mund, 45

Von dem Mund bis in Grund Steigt ein Zucker aus und ein: Rathet, was es möge seyn?

Ein Kuss.

Rundgebogen, hocherhoben, Wunderbar erschaffen, Wer mir diess errathen kann Soll heut ruhig schlaffen.

Ein Regenbogen.

Zr ur -- V

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Bl. 2b.)

IL Kurzweilige Frag und Antworten.

Es liegt in Holz und schreyt in Dorf?

Antw. Das Kind in der Wiegen. Es hat kein Blut und hat kein Leben, und kann viel 95 hundert Meilwegs Antwort geben.

Antw. Ein Brief.

Es kam ein Vogel Federloss auf einen Baum, der Blätterloss, da kam die Mutter Mundloss und frass den Vogel Federloss. " 100

Antw. Der Schnee, Baum und Sonne. Wer hat schreyen können dass die ganze Welt gehört hat?

Antw. Noa in der Arche. Wer hat auf seiner Mutter Holz gehauen?

Antw. Adam auf der Erden. 105 Wenn hat die Henne am meisten Federn?

Antw. Wenn der Hahn auf ihr ist. Wenn ist die Kuh am dicksten?

Antw. Wenn sie den Hintern leckt. Wenn fahren die Bauern am liebsten? 110

Antw. Wenn sie am ärgsten stecken. Wer geht zum ersten in die Kirch hinein?

Antw. Der Andere so nach dem Ersten kommt. Wie hat der Kinder Zebedäi ihr Vater geheissen?

Antw. Zebedäus. 115

Was ist das beste am Kalbskopf?

Antw. Das Kalb.

Was ist das Mittelste im Paternoster?

Antw. Die Schnur. Was ist das beste am Salat? 120

Antw. Dass er sich biegen lässt. Was geht ins Wasser und lässt den Bauch daheim?

Antw. Eine Kisszüche.

Was gehet über die Weissheit?

Antw. Eine Laus gehet über den Kopf weg. 125 Wo werden die meisten Krüg gehalten?

Antw. Beym Oehr.

Es brennt und ist kein Feuer, man hält's sehr werth und theuer. Es regiert sowohl in hoher Stadt als auf dem Land; zumal in des Bauern Haus, da bringt's 130 Niemand heraus. *

Antw. Eine Wassersuppe.

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BI. 3 b.)

IV. Allerhand Kunst n&d Vexier-Stttek.

Einen Faden um eine Kandel zu binden, dass 170 er nicht verbrenne. Nimm einen Faden bind ihn steif um eine Kanne, hernach nimm ein Licht und halt es an den Faden so lang: du willst, es verbrennt nicht.

Ein Schnupftuch anzuzünden, dass es doch 175 nicht verbrenne. Netze oder weiche ein Schnupftuch in starken Brandwein, hernach zünde es an, so wirds lichterloh brennen und dem Tuch doch kein Schaden wiederfahren.

Eyer in kalten Wasser zu sieden. 180

Lege Eyer in einen Topf, thue Wasser und ungelöschten, Kalch darein, so sieden sie bald.

Ein Glass so hart zu machen als Eisen, dass es , nimmermehr zerbreche. Nimm Rosshuf, distellire ein Wasser daraus, thue es 185 in ein Geschirr wie du willst, tunke das Glas fünfmal in dieses Wasser, das Wasser muss warm seyn, so wird es hart, dass es nimmermehr zerbricht.

Eine Kitt zu machen, damit man zerbrochene

Krüge und Kochhäfen verkittet. 190

Ungelöschten Kalch und Ochsenblut untereinander gemischt und damit verkitt.

Ein Licht zu machen, dass die Leuthe alle als wie die Mohren aussehen. Nimm Baumöhl, mische dasselbe mit Kühnruss, ma- 195 che vom schwarzen Garn ein Tocht und lösch andere Lichter aus, zünd dieses an, so scheinen die Leute alle, die im Gemach seyn, wie die Mohren.

Einen Kreuzer an einen Faden zu binden und den Faden hinaufbrennen lassen dass der Kreu- 200 zer nicht herabfallen thut. Mache den Faden nass und reibe ihn mit Salz ein.

Ein Licht zu machen, welches von Wind oder Regen nicht kann ausgelöscht werden. Nimm Baumwollen, lege es in Ziegelöhl, hernach 205 mach ein Licht von Ujischlitt oder Wachs, so verlöschts weder Wind noch Regen.

Zu erfahren, ob eine Jungfer noch rein sey.

Nimm Safran in den Mund, hauche oder blase ein Weibsbild damit an, bleibt sie in ihrer Farbe, so ist sie noch rein.

B1. 4 a.)

V. Zwey neue Spiun-Lieder.

Im Ton: Jungfer Lischen lag oben im Bette allein :c

W ir hocken beim Rocken und spinnen brav drauf, Der Räder ihr Tretter geht ab und geht auf. 215

Wir wenden mit Händen und Füssen dran Stärk, Und spinnen von hinnen den Flachs und das Werk.

2. Ein Rocken wie Docken, ein Rädlein scharmant, Ein Faden wie Säten, wir spinnen galant.

Kommt höret, was lehret vom Spinnen die Schrift, 220

Sie spinnten auf Spindeln und säumten sich nicht.

2. Mit spinnen musst' dienen Tobia sein Weib, Viel feyern und leyern thät sie nicht beyleib. Sie streckte die Finger und Hände braf dran, Und musste mit Spinnen ernähren den Mann. 2£5

4. Geschwinde auch spinnte die Martha gewiss, Die fleissig und häusslich sich immer erwiess.

Die Rahab die spinnte und baute viel Flachs, Und Rahel thät spinnen die Wollen des Schaafs.

5. Der Reichste und Weisste, der Salomon heisst, 230 Thät loben die Proben der Spinnerin Fleiss:

Sie gehen um gerne mit Wollen und Flachs, Sie hocken beym Rocken des Nachts und des Tags.

6. Sie zupfen und rupfen vom Rocken stets h'raus,

Sie tunken die Finger und streichen mit aus, 235

Sie sizen und schwizen und spinnen drauf fort, Sie haspeln und raspeln, dass nur a so schnorrt.

7. Sie winden und binden am Rocken den Flachs, Vom Rocken da kommt er an Spulen ganz stracks,

Vom Spuhlen wird er auf dem Haspel gewickt, 240

Beym Feuer gesotten, zum Weber geschickt.

8. Der Schneider die Kleider mit Fäden z'sammsticht, Die Finger der Spinner bedenket er nicht.

Sie recken und strecken zum Rocken die Hand,

Der Weber draus würket das Tuch und Leinwand. 245

9. Wir dienen und spinnen für Grosse und Klein, Wir müssen mit Füssen und Händen dran seyn.

Auf lustig und hurtig, schau wie ich drauf droll, Mein Rocken wird kle' nhlen wird voll.

BI. 4b.)

10. Mein Rädlein und Zeuchlein geht immer fort 'rum, 250 Jetzt sing ich und spinn ich das allerletzt Drumm. Fey er abend! Feyerabend! mein Rocken ist drunt, Wünsch gute Nacht alle! schlaft wohl und schlaf g'sund!

2. Anhang.

Über die Herausgabe von VolksrätNoln.

Bei dem lebhaften Interesse, das man jetzt, durch Wossidlos rüstiges Vorgehen angeregt, in verschiedenen Teilen unseres Vaterlandes, nicht zum wonigsten im Süden, dem Volksrätsel entgegenbringt, halte ich es nicht für überflüssig, künftigen Herausgebern zweierlei ans Herz zu legen,

Die Hauptschwierigkeit für jeden Sammler, der überhaupt Philolog genug ist, um nicht seine Materialion wirr zuNammen-zuschreiben, wie er sie bald hier, bald da aufgerafft bat, oder sich der äusserlicli bequemen alphabetischen Auffttdelung zu bedienen, liegt in der Ordnung der ItätHnl, il. h. der Uät«el-typen. Denn dass die einzelnen Varianten ziwammenzufttHaen sind, ist selbstverständlich. Man kffnnto ja nun zwei (*e«iclit«-punkte aufstellen, von der Ästhetik und von der Zweckmässigkeit her. Volkfckundliche Sammlungen aber, die mehr sein wollen als blosse Unterhaltung HbN<'ber, müssen in einer für wissenschaftliche Forschung fruchtbaren, praktischen Weise angelegt sein. Von den verschiedenen Prinzipien fillll das rein litterar-historisehe von vornherein we^. Jeder ehrliche Herausgeber wird zugehen, da«« er nlj<»i die lit|nrarlf«'he Herkunft, Verbreitung u, s, der einzelnen Nuiniiiern blutwenig weiss, dass ihm eine Ordnung der Nummern wieh diesem Grundsatz unverhalUjiMna^ii/ viel 'Ml kunlen und dem Leser nichts beifen würde, Auch der Melrlk werden wir die führende Holle nicht zustehen können. Kin» Au Ordnung nach btnjjl^hhrm^n w'mn bei d<>j V)<]/v<';.!ullj/4e)l. unserer Rätsel gar nicht durchführbar Und wln Heilige

kämen wieder für eine rein landschaftliche Sammlung in Betracht, was für eine falsche Vorstellung von unserem Formenschatze würde etwa eine für sich betrachtete Ausgabe österreichisch-schlesischer Rätsel, wo sich ja die alten Reimstrophen in Prosa aufgelöst zeigten, dem Leser gewähren. Aus demselben Grunde kann ich einer stilistischen Anordnung nicht das Wort reden. Sie ist im Grossen und Ganzen bei der mecklenburgischen Sammlung eingehalten worden. Aber bei aller Bewunderung für den feinen Takt, mit dem Wossidlo hier die Massen geschieden hat, kann ich seine mühsame Arbeit doch nicht für ganz gelungen ansehen. Es wird dabei zu Vieles auseinander gerissen und die Unterbringung etwa der verschiedenen doch nahe verwandten Rätsel von der Kirsche an drei Stellen bringt für den Benutzer manche Unbequemlichkeit mit sich. Die Anordnung nach dem Inhalt erscheint immerhin als das kleinste Übel. Haben wir einmal eine recht grosse Rätselsammlung nach Stoffkreisen geordnet vor uns, so liesse sich bequem beobachten, wie die Gegenstände vom lebendig schaffenden Geiste des Volkes oder Stammes erfasst und poetisch verarbeitet werden. Nun weiss ich freilich recht gut, dass derselbe stilistische Typus oft für verschiedene Gegenstände verwendet, dass z. B. der Kirschbaum fast ebenso wie der Nussbaum geschildert wird. In 'den allermeisten Fällen aber wird man finden, dass es sich um keine individuelle, sondern eine höchst allgemeine Schilderung handelt; Ausnahmen bestätigen die Regel, aber dafür sind ja Verweise und Anmerkungen da. Man setze also ruhig den höheren Begriff „Baum" ein und lasse die wirklichen Spezialrätsel für einzelne Bäume folgen (etwa die Nummer „Apfelbaum", Wossidlo 189). Ebenso wird man, wie ja auch Wossidlo mitten in den stilistischen Gruppen das Stück „Schwein und Eichel" mit ähnlichen Nummern unter dem Titel „Das Tier und seine Beute" zusammengefasst hat, nunmehr leicht eine ganze Anzahl von Rätseln über die Brombeere, Preisseibeere u. s. w. unter dem Oberbegriff „Beere oder Kirsche" vereinigen können. Gerade die Beziehung des einen Typus auf so und so viele einzelne Gegenstände bietet

ja dann einen eigenen Reiz. Wer Neigung und Geschick dazu besitzt, kann sich wohl auch um die Ermittelung eines „Urtypus" bemühen und diesen voranstellen. Dabei kann man noch, wie es Wossidlo that, die ganze Masse der Scherzfragen, bei denen der sachliche Inhalt nichts bedeutet (denn es ist ganz gleich, ob der Hase oder ein Reh oder ein Mensch über den Berg läuft, weil unten kein Loch durchführt), bei Seite schieben und sie in seiner unübertrefflichen Anordnung (Anfangswort und Pointe) aufführen. Will man trotzdem wissen, in welchen Rätseln und Scherzfragen etwa das Huhn vorkommt, so muss man eben zum Register greifen. Auf dieses aber sollte jeder Sammler von Volksüberlieferungen seine ganze Kraft verwenden. Da sollen nicht etwa bloss die Lösungen zu finden sein, sondern u. a. sämmtliche Realien, Orts-, Zeit- und Zahlangaben, Farbebezeichnungen, alle zum Vergleich herangezogenen Gegenstände, alle auffallenden Wortbildungen. Keine Variante sollte unberücksichtigt bleiben. Auch sollen nicht blosse Zahlen gesetzt werden; Wossidlo bietet etwa unter „Hase" an zwei Dutzend Ziffern, so dass man auf der Suche nach einem bestimmten Typus oft das ganze Buch durchblättern muss; freilich waren ihm, wie wir nur zu wohl wissen, enge Schranken gezogen. Wer die Hände freier regen darf, gebe ein „ausführliches Register" mit kurzer Angabe von Stichworten innerhalb der einzelnen Artikel.

Ein zweiter, wichtiger Punkt ist die Wiedergabe der einzelnen Rätsel. Unsere Sammlungen dienen zwei Dis-ciplinen: der Volkskunde und der Mundartenforschung. Steht uns auch die erste billig voran, so müssen wir der andern doch soviel als möglich bieten. Was sachlich keinen Wert mehr hat, kann sprachlich bedeutsam sein, selbst wenn es ins Gebiet der Entstellungen, Verdrehungen fällt. Darum spare man die Varianten nicht und gebe alle wirklichen Rätsel in 'der Mundart. Hat man nun viele Fassungen in verschiedenen Mundarten — ich denke hier etwa an die grosse bayerische Rätselsammlung der Zukunft —, so entscheide man sich entweder dafür, allemal eine bestimmte

Mundart voranzustellen oder man suclie die älteste, die best* erhaltene, die poetisch wertvollste Fassung heraus. Hier ist der Punkt, wo die Gruppierung kein blosses Handwerk mehr ist, hier darf und soll der Philolog dem Ästhetiker die Hand reichen. Was die Scherzfragen betrifft, so haben ja hier die verschiedenen Fassungen meist rein sprachlichen Wert. Es ist dieselbe Wortreihe, die etwa (um auf bayerischem Boden zu bleiben) einmal unterfränkisch, dreimal pfälzisch, ferner oberbayerisch u. s. f. erscheint. Hier möchte ich raten, dass man das ganze zunächst in der Schriftsprache gebe und dann alle anderen Fassungen nach einer festen, geographischen Ordnung folgen lasse.

Eine Übersicht der Stoffgebiete und Vorschläge für ihre Gruppierung sind mir erlassen, denn hier hat die meisterliche „Deutsche Volkskunde" von Elard Hugo Meyer (S. 332 ff.) feste Anhaltspunkte gegeben.

Druck von Carl Sälewski iiTBerlin C.

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1 ) Auch Paul Flemming erwähnt es, an der Stelle, wo er von der damals modernen Rätselunterhaltung in Gesellschaften spricht:

Der giebet Räthsel auf, worein wohl alles geht,

Was wenn wir stehen, liegt, und wenn wir liegen, steht.

Vgl. W. zu Nr. 895.

2  Man vergleiche nur Volksballaden wie die vom „Linden-schmid" (bei Uhland Nr. 189) oder Märchen wie das von den reichen Bauern, wo ein Schlaukopf das ganze Dorf ins Unglück

bringt (Grimm Nr. 61, noch klarer bei Möllenhoff, Schlesw.-Holstein. Sagen, S. 461), ohne doch an Sympathie zu verlieren.

3 ) Mit dem Norden Deutschlands und mit Friesland stimmt Britannien meist überein. In romanischen Ländern scheinen Rätsel der Art nicht so beliebt.

4 n) Man denke an Ulrich Jahns pommersche Märchensammlung.

5 ) Das „ackerieren" ist echt friedericianisch.

6 ) Bei Schell, Volksrätsel aus dem Bergischen (V. 3,293 ff.) Nr. 62.

7 ) Haase (Volksrätsel aus der Grafschaft Kuppin, V., Bd. III, Nr. M.

8 5J) In Berlin natürlich „Kolonialwaarenhändler".

9 ) Ein für allemal sei hier bomerkt, dass das Volk sich durchaus nicht bemüht, don Bibeltext streng philologisch wiederzugeben;

es macht sich in den meisten FäUen einen Spruch zurecht (überträgt auch Erlebnisse und Aussprüche von einer Person auf die « andere). Sieht man für unseren Fall Jud. XVI an, so steht dort v. 19: „Da war seine Kraft von ihm gewichen." und v. 20: „Er wusste nicht, dass der Herr von ihm gewichen war." Aber die Thatsache war bekannt genug und wurde in einem kurzen Spruche dargestellt.

Das streift hinüber in das Gebiet der Ausdeutungen von Tierstimmen und anderen unartikulierten Lauten. Auf die Handwerkerwitze wird immer noch zu wenig geachtet. Ein sehr hübsches Beispiel bei Andree, S. 845.

10  alle zusammen, omnes. 2) jeder für sich: und «zusammenkommen" können 1) mehrere Gegenstände. 2i die Teile eines Gegenstandes. Ein anderes Wortspiel mit der Redensart „Was giebt's" (= 1) was begiebt sich? und 2) was ergiebt sich?) s. bei Renk, 45.

11  Beide weit verbreitet, z. B. W. 829 und 874.

2) In Ober franken hörte ich: „Was hat es zu bedeuten, wenn ein Schornsteinfegergesell mit einer rothaarigen Bäckerstochter im Schnee tanzt?" — „Nix" (oder auch: „Was ists, wenn . . . .?u — „Winter"). Vgl. noch bes. W. 624, 714-716 und Renk 97.

12 ) Siehe W. Nr. 470—474. Die Verse streifen bisweilen ans Zweideutige.

PaJa-^ra. TV. 3

13  Man vergl. etwa noch als besonders bezeichnend: W. 771, 778, auch 638, 709, 710 und Renk, 184 ff.

14 *) In Süddeutschland scheinen diese Dinge weniger beliebt.

15 ) Verderbt aus „Kaiser Karolus".

16 ) Auch schottisch, wo der Hund Bean heisst, im Wortspiel

17  Am Zoll. 2) called. «) Vgl. englisch: Halliwell, a. a. 0., Nr. 123.

18 ) Stark vergröbert z. B. bei Dykstra (s. o.), nr. 80, aus dem Friesischen:

Petrus sat bift vuur en Poepte. Maar Petrus poepte niet, Zoo onfatsvenlijk was Petrus niet Maar: P. sat bift vuur en Poepte.

19 ) Schon im alten „Strassburger Bätseibuch", Nr. 311: Zwen Vätter und zwen Sün, Fingen drey Hassen küen, Das yedem ward einer Vnnd mangelt keiner.

20 So bei Gregor, a. a. O., Nr. 16.

21  Russwurm in d. Ztschr. f. d. Mythol. m, S. 864, nr. 107.

22 ) Eigentlich Eichen. Im Binnenreime darauf int da* folgend* Bein ans Buchen entstanden. Ursprünglich wohl:

Kein Buchen, kein Eichen, kann niemand Hrn'hdn»!».

Die Unerreichbarkeit „hemmt*, weil «ie «Wählbar d«r orutun Zeüe widerspricht

Palaestra. IV. 4

t) Für Skandinavien liegt mir nicht genug Material vor, desgl. für Spanien und die slavischen Länder.

23 Rochholtz, Ztschr. f. deutsche Myth. I, S. 147, nr. 51.

24 ) W. 154 b.

25  Halliwell, S. 81, Nr. 151.

26 Durch eine ganz allgemeine Bezeichnung ersetzt in Österreich (Vernaleken-Branky, Spiele und Reime, Nr. 38): In dem Berge Sinai Liegt ein gelbes Blümelein. Der Berg Sinai ist dem eigentlichen Kinderliede wohl bekannt.

27 ) Natürlich kann ich hier nicht alle die interessanten Varianten durchsprechen, wie sie W. S. 26 zusammenstellt.

28 ) Da Wossidlo hierauf noch nicht verweisen konnte, bemerke ich, dass man jetzt auch 68 braunschweigische Rätsel in R. Andrees trefflichem Werke über die Volkskunde dieses Landes finden kann. (S. 354—359.)

29 *) Vgl. etwa W. 45, 47, 48, 53,- 55, 56, 57, 198 ff.

30 ) Obscön W. 1000, nr. 1. Vgl. ten Doornkaat-Krolmann, Ostfriesisches Wörterbuch IT, S. 406—407.

31  Peter, a. a. O., Nr. 337.

32  Ich benutze die Ausgabe von 1800. Berlin Yt 7571.

33  Neue Pr. Prov. B1I. I, Nr. 11.

34  „Volkskunde", Bd. I, S. 18 ff., Nr. 36.

35  Peter, a. a. O., 346.

36 4 Rochholtz, Z. d. My., I, Nr. 18.

37 5) Violet, Neringia od. Gesch. d. Danziger Nehrung, Danzig 1864, enthält S. 198—200 auch 15 westpreussische Rätsel, die Woss. leider nicht kannte. Unser Stück: Nr. 7.

38  W. 213.

39  Yiolet, a. a. O., Nr. 8.

40 8) Vielleicht auch anderswo, ich kann es aher nur für Tirol beweisen.

41 9) Anders „Vogel" im Ostpreussischen: „De Piepopp on de anaaropp ginge oppe Barg ropp: 8 Fööt on eene Tagel, Roth wat öss datt vor ee Vagel?" (Maus und Frosch.) Prov. Bll., a. a. O., Nr. 17.

42 10) Gehört freilich eigentlich unter die Gruppe: Imperativ Frage, sei aber aus naheliegenden Gründen hierher gestellt.

43 i) Wonste, a. a. O. Nr, 31. 2) w. 211. 3) Peter, a. a. O. Nr. 383.

44 4) Rochholtz, a. a. O. Nr. 139. 5) W. 119. 6) Prov. Bl. a. a. O. Nr. 43.

45  Andree, a. a. O. z. B. Nr. 5. *) Meier, a. a. O. Nr. 17. ») Schild

46 bürgerbuch. «>) Volkskunde I Nr. 26b. ") Renk Nr. 133.

47 12) Mit einer Namennennung: Schill 48: „Fladderjahn, rat

48 ) Hall. nurs. rh. 144. *) Rochholtz, a. a. O. Nr. 15. 101) W. 179. 6) Hall. pop. rh. S. 148. i) Etwa Rochholtz Nr. 15, Peter Nr. 32G.

49 2) Hier wird dann noch eine Versprechung angefügt.

50 *) Chamb. 8. 9) W. 144. Vgl. dort noch Nr. 175b: „Nun ratet, Ihr Alten und Jungen (: lung').'

51 ) W. 178.

52 u) Hall. nurs. rh. 142.

53 Volksk. Bd. I Nr. 24.

54  w. 171.

55  Haü. pop. rh. S. 144, 146, 149.

56  Chamb. 15. *) Hall. p. rh. S. 148, 5) Volksk. I Nr. 10.

57 6) W. 180. 7) Greg. Nr. 23 — Chamb. 6, 7. 8) Volksk. I Nr. 5.

58  Ein vollständiges Verzeichnis der Belohnungen giebt W. in seinem trefflichen Register S. 362, s. v.: raten.

59  Hall. nurs. rh. 156.

60  Peter, Nr. 371.

61 sehr selten. Meist sind diese wieder in sich gereimt.

62 8) Hier haben wir den Fall, dass ein Rahmenelement ohne Reim- oder Assonanzband angesetzt ist. Das ist nur bei diesen,

63 ) Vgl. ein anderes Rätsel von der Egge: „Es hat 52 Füsse und lässt sich doch nach Hause tragen", was doch schon gegen das obige bedeutend abfällt.

64 ^ Vgl. besonders Wossidlo im Anfange.

65 ) Majuur (Major) ist in Norddeutschland sehr beliebt zur Appellativbildung. Es wechselt gern mit „-Meier" oder, mehr oberdeutsch, „-Huber". Vgl. auch Berlinisch: „-Fritze". Älter „-Hans" (Prahlhans statt Prahler). Das einfache „-er" genügt dem Volke nicht. So heisst es nicht „Schwindler", sondern Schwindel-

66 J) Vergleiche Frischbiers ostpreussische Rätselsammlungen in der Ztschr. f. deutsche Philol., 9,65-77, 11,344 - 859 und 28,240-264.

67 ) Die vielen, fast zahllosen Reime auf „Kammer", wie „Alexander", „Hans Hammer", „Jochen Famer" u., s. w., findet man am besten in Wossidlos Register unter „Vornamen".

68 *) Dem Italiener stehen in seinen -one, -ino u.s.w. Ililfsmittol zur Verfügung, die unserer Sprache doch abgehen.

69 ) oder vorhergehende.

70 ) W. 126a. Die Zeile ist aber auch sonst viel, namentlich als Rahmenelement, und besonders für obscöne Rätsel, verwandt "worden.

71 ) Andree, Nr. 2. Mit weniger Recht wird in Nr. 4 „Krickol-krackelkruuse" als Flickreim für den Bienenstock gebraucht.

72 *) S. Doornkaat-Koolman, Wörterb, d. ostfries. Sprache, 3,576 unter „wrikken".

73  y. d. Hagens Germania 5, 252 ff., 6,155 ff.

74 !) binden, vom Fassbinder. 2) Frischbier, Z. d. Ph., 23, Nr. 146.

75  W. 114, w. 12. ß) Roch. 72. 6) W. 117. T) W. 108. 8) Frisch

76 bier, Z. f. d. Phil. 23, Nr. 180. ») Andree, Nr. 17*

77 ) Frischbier, Z. f. d. Phil. 11,36. B) W. 12; man vergl. die in den

78 „Anm.u gegebene Erklärung. 6) Frischbier, Z. f. d. Phil. 11,90

79 ?) ebd. Nr. 86. ») W. 118.

80 i) Frischbier, 11,29. 2) a. 17. *) Frischbier, 11,24. *) w.26.

81 ) W. 215. «) Frischbier, 11,97.

82 Vgl. P. Quistorps Monatsschrift „Das liebe Pommerland", I, 1864, S. 228, Rätsel Nr. 4.

83 ) Renk 85.

84  Vgl. etwa W. Nr. 25.

85  Gregor, 38.

86  Folk-Lore Journal ,vol. I, 15.

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87 1) Poestion, Lappländ. Märchen etc., Wien 1886 (Rätsel, S. 267 bis 270), Nr. 35. Poestion £iebt Nr. 1—80 auch die Rätsel, die schon von Donner, Lieder der Lappen, Helsingfors 1876, gesammelt waren.

88 ) Le Folk-Lore du Poiton. P. 1802. S. 477 ff.

89  Rochh. Nr. 38.

90 ) Auf das paarweise Aufgeben von Rätseln wird in unsern Sammlungen noch immer zu wenig geachtet. Meist ist das eine Rätsel sehr leicht, das andere, ähnlich lautende, um so schwerer. In Berlin notierte ich:

a) Im Winter wird drin eingehutzt,

Im Sommer steht er unbenutzt? (Ofen.)

b) Im Sommer wird drin eingehutzt,

Im Winter steht er unbenutzt? (Dampfer.) So gehören zusammen: Haase (Ztschr. d. Ver. f. Vk., Bd. Y, S. 180, ISTr. 2, 3 aus Greussen, Thüringen): „Es geht ums Holz herum und legt Teller" (Hausfrau). — „Es geht im Hola herum und setzt Teller" (Kuh im Walde).

91  (r-reoror, Nr. 41.

92  Vit sans corps, parle sans langue, eniend sans oreilles, Et noxt de Vair.

Blanc comme neige, noir comme l'äre, parle sans langue, voit Bans yeux.

93 ) Bl. comme neige, et neige n'est pas. Porte feuilles, arbre n'est pas.

94 8) Im allgemeinen wird man natürlich nicht erwarten dürfen, eine ganz vollständige, lückenlose Aufzählung sämtlicher Teile zu

95 W. 174. Vgl. die Redensart: „Man weiss schon, was Du für ein Vogel bist".

96 ) Die mecklenburgische Fassung (W. 101) habe ich oben im Kontrast gegen Schillers Rätsel gegeben.

97  Ganz ähnlich Bidrag VII4,8 Nr. 30.

98  Vgl. das mhd. tüsent oder m§re u. dgl.

99 ) Sehr ähnlich das unsaubere Rätsel Woss. 269 — Renk 172 u. Ö.

100 ) Auf Madagaskar giebt es ein Rätsel vom menschlichen. Haar: „Abgemäht, ehe es verwelkt ist" (Folk-Lore JournalI, S.38),

101 *) Soll wohl heissen: meh.







 

 

Ich wähle diesen Namen nur der Bequemlichkeit wegen, denn es steht durchaus nicht fest, dass der erste verschollene Druck des Büchleins wirklich in Straßburg erschienen ist, wenn auch die mannigfache Übereinstimmung*) mit alten französischen Samralimgen, ferner das spätere häufige Neu- erscheinen des Büchleins in der dortigen Druckerei von Job. Prüss diese Vermutung nahelegen. Einen dieser Drucke hat im Jahre 1876 A. F. Butsch einem Neudruck zu Grunde gelegt, der bei K. J. Trübner erschien und auch gewöhnlich als „Strassburger Rätselbuch" citiert wird. Besser erkennt man unser Büchlein an dem all seinen verschiedenen Drucken eigenen, nur hie und da leise mundartlich umgemodelten Motto :

*) Vgl. etwa da.s folgende, durchaus nicht alltägliche, und meines Wissens auch noch nicht weiter belegte Rätsel in der im 15. Jahrhundert erschienenen Sammlung: „Adevineaux anjoureux": Quele chose est ce qui est trop etroite pour un, et bien ä point pour denx et trop large pour trois? – Cest quant aucun a courroux au euer, il lui est trop estroit pour lui seid. Et quant il le dist a son com- paignon il lui est plus apoint: rnais quant le tiers le scet, c'est trop large, mit dorn deutschen Rätsel (hei Butsch, Nr. 819): Ein Frag, was eim zu eng, zwoyen gerecht, vnd dreyen zu weit. Ant. so ein mensch ein gross sach oder heymlich anfechtung hott, da rinn er radt haben muss ist jm not ein vertrauter gutter freiindt der mag jm höfflich sein vnd solchs verschweigen, so es aber ferrer als an den diitfen reicht bleibt es selten bey den dreyen allein.

– 8 –

Wolchem an kürtzweill thet zer- rinden. Mag woll diss buchlein durchgrynden. Er flndt darin vill kluger 1er. Von Rettelsch gedieht vnd vill nüwer mer.

Einige, besonders Strassburger Drucke, zeigen am Ende noch ein Verslein:

Niemant sol mirs für übel han, ob etlich räters hie / in stan. die ich nit wol hab besehen. Es ist in gutem als / geschehen.

Der Verfasser hatte freilich allen Grund, seine Leser um Nachsicht zu bitten. Denn sein Buch ist ein Sammelsurium aller möglichen Dinge. Zwar folgen nach einer Anzahl gereimter Rätsel einige zusammengefasste Gruppen mit den Überschriften: „Von Gott"; „Von den heyligen"; „Von dem gebet"; „von Wasser"; „Von dreck"; „Von vögeln"; „Von Fischen"; „Von hunden"; „Von den Handtwercken" ; „Von dem Hymmel" ; „Von dem erdtreich vnd Landen" ; „Von den Menschen"; „Von den Buchstaben vnd schrifft". Doch man sieht schon an diesen Überschriften, wie wirr alles durch- einander geht, und die einzelnen Abtheilungen liefern ein krauses Gemisch von Rätseln, Scherzfragen, schlechten Witzen und Rohheiten. Allein die Abteilung „Von Hunden" nimmt fast ein Drittel des ganzen Buches ein. Dafür aber finden sich darin auch etwa folgende Nummern: „Wölchs die vier verleckten katzen sein." Antwort: „Der Fischer katzen, der Metzler katzen, wirts katzen vnd der kloster katzen", was weder ein Rätsel ist, noch unter jene Überschrift gehört; oder „Von wan get ydes ding vnd wo hin geet es?* – „Aus der jugent in der jugent in das alter", was zwar ein be- kanntes Rätsel ist*), aber auch nicht hergehört und zudem noch mit einem Schreibfehler der Handschrift abgedruckt zu

i) Auch Paul Flemming erwähnt es, an der Stelle, wo er von der damals modernen Rätselunterhaltung in Gesellschaften spricht:

Der giebet Räthsel auf, worein wohl alles gelit,

Was wenn wir stehen, liegt, und wenn wir liegen, steht.

Vgl. W. zu Nr. 395.

– 9 –

sein sQheint. Bisweilen scheint man den Zweck verfolgt zu haben, den Zuhörern biblische Sprüche oder dogmatische Lehrsätze einzuprägen, wie man denn auch später gern biblische oder christliche Rätselbücher für Kinder zusammen- stellte. Man nehme z. B.:

Nr. 283: Wer in eim meiiwschen zehen tausend erschlagen hab. – David als der Goliam ertödt sa>gten die Israelitischen. Sampson hat tausent erschlagen, aber David zehen tausent.

(Bis auf die grobe Verwechselung Sauls mit Sampson nach 1. Sam. 18,7.)

Oder Nr. 30: „Wölchs das gröst wunderwerck gottes sey." – „Das er so vill menschen geschaffen hot vnd doch keins dem andern gleich ist etc." Dies „ete." ist für unseren Yerfasser ebenso bezeichnend, wie für den ungeschickten Verfasser der Fausthistorie. Es ist ein liederlicher Stil, der oft nur Bruchstücke mitteilt. Dabei wird auch manchem Witze die Spitze umgebogen, z. B. in Nr. 27:

Was vnser hergot thet oder vbt do er zn iernsalem einreydt ? – Er ging nit sonder er reidt vff dem esel.

Es muss natürlich in der Frage heissen: „einging". Einmal werden aus Versehen zwei Sprichwörter abgedruckt, und von dem naiven Compilator durch den Zusatz „Rot" als Rätsel bezeichnet, auf die aber natürlich keine Lösung folgen kann; Nr. 20 und 21:

20. Rot. ein Nagel helt ein eysen. Ein eysen ein Pferdt, ein man ein schloss. Ein schloss ein landt.

21. Rot. ein zäun wert vngeferlich drei jähr. Drey zeün ein hnndt, drey Hunde ein j)ferdt. Drei Pferdt ein menschen, drey menschen ein schnegans, drey schnegenss ein hirtzen."

(Vgl. M. S. D. zu m. 49,5 u. Liederbuch v. Hätzleim, S. LXIX, m. 14).

Auch ein Stückchen maccaronischer Poesie wird uns gelegent- als Rätsel aufgetischt, etwa in Nr. 110:

„Ein frag, welchs dy best an den fischen zu essen sey.

Ant: Salmeus in federis, t-upis, Juchtilisqz in leberis Carpeua in zünglis ias alius jm mitel drommis Stockfisch in blasiis krepsius in schwantzis barba meiilein lecker biss.

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Der die Verse sprachlich und metrisch in solche Unordnung gebracht hat, wird kaum des Lateinischen mächtig gewesen sein. Eigentümlich mutet uns mitten unter deutschen Volks- rätseln die Nr. 52 an:

Roient: Was hot das vor ein macht / das da schneller in der nacht / laufft wan des tag"s weistiis so sag^. – Ant"wort der uff. Die fliessenden wasser als arestotiles sagt etc.

Beobachtung der Nachbarn äussert sich in Dorf- und Landschaftspötteleien, die wohl auch in die Form des Rätsels gegossen werden:

Nr. 259. In wölchem landt man nit ess oder trinck. – In dem elsass do zeret man, morgen zeren, zu ymss zeren, vesper zeren, ahendt zeren.

Nr. 260. In wölchem landt kein pferdt sey. – In schwoben da sein ross.^)

Und auch die in Deutschland so beliebte ständische Satire kommt zu ihrem Rechte, indem der Schneider, Barbier und Müller so gut mitgenommen werden, wie die putzsüchtigen und schwatzhaften Frauen. Das sind nun schon echte Volks- rätsel, die zum grössten Teil heute noch lebendig sind. Sie sind nun noch viel stärker herangezogen in der zweiten Gruppe von Rätselbüchern, über die ich nicht mehr viel zu sagen habe, weil ihr Inhalt weite Strecken hindurch, wenn auch nicht dem Wortlaut nach, mit jener ersten Klasse über- einstimmt. Schon die frühesten uns erreichbaren Drucke führen den Titel:

IL „Neu-vermehrtes Rath-Büchlein",

Mit allerhand Welt- und Geistlichen Fragen, samt deren

Beantwortungen.

Das Motto, das in seinen beiden letzten Zeilen an das der ersten Gruppe erinnert, aber doch dem verschiedenen Inhalt gerecht wird, lautet:

*) Heute fragt man in der (Grafschaft Ruppin:

Welches Land hat die schlechtesten Pferde? Osterreich, denn es hesitzt Mähren. –

allerdings mit einem ganz anderen homonymischen Witze. V. III, S. 79, Str. 120.

– 11 –

Das Rockenbüchlein heiss sonst ich, Wer langweilig ist, der kauff mich, Er findt in mir viel kluger Lehr, Mit vexir, rathen und anders mehrJ)

Es hat wohl dem älteren „Räterbüchlein** viel zu ver- danken, aber der Verfasser ist mit dem Stoffe frei um- gegangen, seine Rätsel lesen sich meist etwas besser, und er fügt aus dem Volksmunde viele Nummern, besonders Scherzfragen hinzu. Ausserdem aber enthält das Büchlein manche, der damaligen Zeit wohl sehr willkommene Beigaben, Modephrasen für den Gebrauch im Salon, Küchenlatein u. dgl. Auch fehlen ironische Spitzen nicht, wie z. B. die boshaften Ausdeutungen von Sprichwörtern:

Recht währet lang, denn man hraucht es selten.

Ein Neudruck des Büchleins existiert bis jetzt noch nicht. Der Herausgeber hätte hier eine schwierigere Auf- gabe, als bei jenem älteren Büchlein, weil der Text der jüngeren Sammlung fast in jeder Neuauflage Erweiterungen und Veränderungen erfuhr, während das „Strassburger Buch" im ganzen konservativ behandelt wurde. Beide Bücher werden lange nebeneinander hergegangen sein, aber das ältere blieb, wie es von Anfang gewesen, es wurde wohl gekauft, aber kaum so beliebt wie das jüngere, das sich darum auch den Ansprüchen des jeweiligen Publikums besser anzupassen suchte.

') Dies Motto beruft sich auf ein früher erschienenes „Rocken- büchlein". Von dieser Literatur, die wohl zur Unterhaltung in den Spinnstuben dienen sollte, ist meines Wissens nichts erhaUen. Es enthielten die Heftchen wohl Rätsel, Spinnlieder, Kunst- stücke u. derg"!. Ein kluger Buchhändler mag wohl bemerkt haben, dass die Rätsel sich der grössten Heliebtheit erfreuten und stellte das „Rathbüchlein** zusammen, wollte aber doch die Be- liebtheit auch des Rockenbüchleins benutzen und wählte daher das obige Motto, in Anlehnung an ältere Formen. Wie sehr seine Si)ekulation glückte, zeigen die vielen Drucke, wie sie Hagen a. a. O. aufzählt, und ferner der I^mstand, dass die Rockenbüchlein späterer Zeit (Vgl. meine Beschreibung in den „Mitteil. u. Umfragen zur bayerischen Volkskunde", IV, 1.) genau dasselbe Motto als Aus- hängeschild benutzten.

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Die vielen gereimten, meist in Alexandrinern abgefassten Rätselsammlungen des 17. und 18. Jahrhunderts*) haben für die Volkskunde nur eine sehr geringe Bedeutung. Schon die Rätsel des oben besprochenen jüngeren Rockenbüchleins enthalten höchstens einen volkstümlichen Kern, die Ein- kleidung ist künstlich, schwülstig, unnatürlich. So lassen sich diese Sammlungen vielleicht für die Geschichte der ein- zelnen Nummern als Zeugnisse für ihr Fortleben in einer bestimmten Zeit, allenfalls auch in einer bestimmten Gegend, verwerten. Für unsere Zwecke aber, die Beschreibung des heut lebenden Volksrätsels, haben sie fast keinen Wert.

Viel besser ist handschriftliches Material zu benutzen, das schon sehr früh beginnt. Aus einer alten Weimarer Handschrift hat Reinhold Köhler (Weira. Jahrb. 5, 329 ff.) 42 zum Teil sehr bemerkenswerte alte Stücke veröffentlicht. Tn viele gedruckte Bücher auch aus späteren Jahrhunderten sind Einträge von Rätseln gemacht; so enthält ein Exemplar des Werkes „Philosophiae colus" von Prätorius, das früher dem Romanisten Diez gehörte und sich jetzt in der Königl. Bibliothek zu Berlin befindet, wichtige Rätsel, die von einer Hand des 18. Jahrhunderts auf die Deckel geschrieben sind. Mannhardt hat sie in seiner „Zeitschrift für deutsche Mytho- logie", 4, 405 zum Abdruck gebracht. Eine systematische Durchsuchung der älteren Bestände unserer Bibliotheken würde wohl noch manches derartige zu Tage fördern.

EndUch sind auch Rätsel in andere Volksbücher über- gegangen, wie in den „lustigen Kirmesbruder", aus dem Anfange des 18. Jahrhunderts. Inwieweit sich unsere Dichter des wirklichen, volkstümlichen Rätsels bedient haben, wäre noch zu untersuchen. Für Joh. P. Hebel denke ich an anderer Stelle einiges beizubringen.

Indem ich jetzt zur eigentlichen Beschreibung unseres heimischen Rätselbestandes übergehe, mustre ich zunächst

1) von Ludwig, von Therander (d. h. Sommer) u. a. Man findet sie bei Wossidlo, S. 260, vollständiger bei Hayn a. a. O. aufgeführt.

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die „unwirklichen Volksrätsel" und suche sie in ihren Haupt- gattungen darzustellen, wobei ich die Beispiele für Nord- deutschland besonders der Sammlung von Wossidlo (W), für Süddeutschland der Zusammenstellung von Renk (R) ent- nehme, gelegentlich aber auch andere Sammlungen heranziehe.

Die ^^nnwirklichen Yolksrätsel^^

Wir können hier zunächst drei Unterabteilungen scheiden, die wir der Kürze wegen als „Weisheitsproben", „Hals- lösungsrätsel" und „Scherzfragen" bezeichnen wollen.

I. Weisheitsproben.

Wie schon der Name sagt, wenden sich diese F'ragen nicht an den überlegenden, combinierenden Verstand, sondern an das erlernte Wissen. Sie taueben schon früh auf, sind aus den Rätselkämpfen der Hebräer bekannt und treiben lange Jahrhunderte hindurch frische Blüten, nicht zum mindesten im Germanischen. Denn die beiden Lieder der sogen. Sämundaredda, die man gewöhnlich als „Rätsellieder" bezeichnet, das Vaf|)rüJ)nism61 und Alvissmöl, enthalten keine Volksrätsel, sondern Fragen, die sich auf Götter und Erde, auf tiefe Weisheit beziehen, und der glückliche Sieger, der Gott, der einmal seine Tochter, ein andermal sein Leben rettet, ist nicht der Scharfsinnigere, sondern der Gelehrtere, nicht durch Witz, sondern durch Kenntnisse hat er gesiegt. *)

*) Dagegen enthält die altnordische Hervararsage, auch in der färöerischen Umbildung, gute alte Volksrätsel in poetischer Form und hochpoetischem Vortrage, wie schon K. MiUlenhoff in der Ztschr. f. deutsche Myth. 111,1 ff. betont hat. Schade nur, dass der gewaltsame Schluss, der plötzlich in das Gebiet der Weisheits- proben umschlägt, die Wirkung der schönen Strophen so stark beeinträchtigt. Aus Deutschland könnte ich aus so alter Zeit nur die lateinischen Rätsel der Reichenauer Hdschr. anführen (M. S. 1). VII), die wohl aus der Volkssprache stammen. Die ags. Rätsel stellen sich bekanntlich, soweit sie hier überhaupt in Betracht kämen, als Übersetzungen aus dem Lateinischen und als rechte Kunsträtsel dar.

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Gerade weil diese Fragen eine gewisse Bildung voin setzen, sind sie immer da besonders beliebt gewesoi' diese (und vor allem geheime Kenntnisse) das Privi' gewisser bevorzugter Klassen war. Sobald das S] Volke verfällt, muss es seinen Stoffkreis bedeutend ein (daher seine verhältnismässig geringe Ausbildui^ jenigen Bildungselemente, die dem Volke eben sind. So prüft es seine Bibelkenntnis und i Rechenaufgaben und Verwandtschaftsrätseln Sfin' \ . gäbe. Es kann hier nicht an gelegentlichem IliiKiM i . . in das Gebiet des „wirklichen" Rätsels fehlen, wie ühcrliaiii scharfe Grenzlinien auf diesem Gebiete nur schwer zu ziehen sind. Eine Frage, wie die nach dem Turm, der nie fertig wird, d. h. dem babylonischen Turm, kehrt in Rätselliedern und auch einzeln (W. 816) mannigfach wieder, denn jeder kennt von der Schule her diese Geschichte. Dagegen ist die anstössige Erzählung von Lots Verhältnis zu seinen Töchtern in Deutschland auffällig selten. Im Schulunterricht, wo unsere Bauernkinder die biblische Geschichte kennen lernen, werden derartige Abschnitte mit Fug und Recht fort- gelassen. Nach der Schulzeit aber kümmert sich der Bauer wenig um das alte Testament. In England dagegen hört er allsonntäglich einen Abschnitt daraus in der Kirche verlesen. Der Engländer ist überhaupt bibelfester als der Deutsche, und so bildet er denn solche Rätsel mit Vorliebe weiter aus, wie z. B. das von Lots Enkeln:

Two brothers dear,

Two sister's sons are we,

our father's our grandfathet',

and whose sons are we? (Cxre^., nr. 2.)

Vor allem aber gehören eben hierher schwierige Rechen- aufgaben, die durch die Form der Einkleidung den Hörer zu verwirren und die schnelle Lösung zu verhindern suchen. Sie finden sich in Nord- und Süddeutschland, sind aber in England ebenso beliebt.

Z. B.: W. 899, aus Mecklenburg:

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De VOSS de kickt in'n hohnerstall :

ji sünd woll hunnert an de tall.

de hahn de secht: noch mal so väl, \\n drüddel so väl,

un denn noch ick un du dorto,

denn sünd't ihrst hiinnert an de tall. (Es sind 42.)

Oder R. 215, aus Tirol:

Ein Mann fragte ein Mädel, das Gänse hütete, wie gross ihre Herde sei. Sie antwortete: zweimal so viel nnd halb so viel und viertel so viel, und wfenn der Herr eine Gans war, dann wärens grad hundert. Wie viel hab ich? (Es sind 36.)

Oder aus Schottland (Ch. nr. 23):

A hapenny he^-e and a hopmny theiw,

Fourpence-hapenny and a hapenny mair;

a happenny loat, and a hapenny dry,

Fmirpence hape^my and a hapenny forhy:

how much is that? (A Shilling)

Man vergleiche auch das friesische (Dykstra, Uit Fries- lands volksleven, 1, 257 ff., nr. 10):

ien en oardeheal (l H- IV2)

twa en trije en treddeheal (2 -i-S -\- 2^/2)

hofolle is dal? (10.)

Das letztere Rätsel ist uneingekleidet. Die Einkleidung des englischen ist höchst charakteristisch.

IL „Halslösungsrätsel".

Das Buch der Richter (Cap. 14) erzählt von Simson, der gen Thimnath zog, um ein Weib zu freien, und unter- wegs einen Löwen zerriss. Nach etlichen Tagen findet er einen Bienenschwarm im Aase des Löwen und giebt nun den Hochzeitsgästen sein berühmtes Rätsel auf: „Speise ging von dem Fresser, und Süssigkeit von dem Starken." Niemand kann es raten, bis Simsons eigene Frau die Lösung ihm ab- schmeichelt, und da die Gäste in echt orientalischer Weise sprechen: „Was ist süsser denn Honig? Was ist stärker denn der Löwe?" erwidert der Betrogene: „Wenn ihr nicht hättet mit meinem Kalbe gepflügt, ihr hättet mein Rätsel nicht getroffen."

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Diese letzten Worte sind für uns wichtig; sie sind das Eingeständnis, dass die Lösung des Rätsels unter normalen Umständen unmöglich war. Es ist wohl das älteste Beispiel jener Lösungen, die eben nur einem, dem Fragesteller, klar sind, während die dunkle Ausdrucksweise jedem andern die Frage in das Gebiet des Unsinns zu verweisen scheint. Es handelt sich meist, wie bei Simson, um ein persönliches Er- lebnis, aber nicht um ein alltägliches, sondern um ein so seltsames und ganz aussergewöhnliches, dass kein anderer aus den Vorkommnissen seines Lebens eines gleichen Falls sich erinnern und aus dessen Analogie die Lösung finden kann. Darum wirkt aber auch diese, wenn sie hernach be- kannt wird, nicht in der frischen, erheiternden Weise, wie bei einem echten Volksrätsel. Der Hörer muss noch einmal die einzelnen Teile des meist dunkelen, oft auch unangenehmen Vorganges mit denen des noch dunkleren, komplizierteren und (gerade in Norddeutschland) oft zu epigrammatischer Kürze zusammengedrängten Rätsels vergleichen, allmählich erst gehen ihm die verschiedenen Beziehungen auf und diese Denkthätigkeit beeinträchtigt die Wirkung. Und da er sieht, dass eine derartige Frage zu beantworten ihm niemals möglich gewesen wäre, so erklärt er solche Rätsel am liebsten für Unsinn und wehrt sich dagegen. Dem beugt nun aber das Rätsel selbst dadurch vor, dass es eine interessante, etwas grausige, also mit dem Tone des Rätsels übereinstimmende Einkleidung annimmt, deren Charakteristisches nun darin besteht, dass der Sprecher und der Hörer des Rätsels selbst darin vor- kommen, aber gewissermassen verkleidet. Dadurch wälzt der Sprecher die Verantwortung des schweren Rätsels auf den darin auftretenden schlauen Verbrecher ab, der, zum Tode geführt, den Richtern noch eine Nuss zu knacken giebt. Da das Volk in solchen Fällen immer auf Seiten des Delin- quenten steht*), so ist der Hörer ganz damit einverstanden.

1) Man vergleiche nur Volksballaden wie die vom „Linden- schmid" (bei Uhland Nr. 139) oder Märchen wie das von den reichen Bauern, wo ein Schlaukopf das ganze Dorf ins Unglück

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dass die Aufgabe gar nicht schwer genug sein kann, er wird sich vielleicht gar nicht dessen bewusst, dass er dem Rätsel gerade so unwissend gegenübersteht, wie die Richter; jedenfalls würde dies Gefühl durch die Freude über ihre Überlistung unterdrückt. So erkläre ich psychologisch das doch – besonders in Norddeutschland – ziemlich häufige Vorkommen dieser seltsamen Rätsel, deren Hauptmasse der verstorbene, um die ostpreussische Volkskunde hochverdiente Frieschbier in der Zeitschrift „Am Urquell", 4, 9 ff. zusammen- gebracht hat. Er nannte sie „Verbrecherrätsel", wir bezeichnen sie heute meist als „Halslösungsrätsel". Auch Wossidlo hat, S. 191–222, vieles beigebracht. Es ist sehr merkwürdig (an der Hand seiner Anmerkungen), zu sehen, wie selten 'diese Rätsel im Oberdeutschen sind, gegenüber ihrer massen- haften Verbreitung im Norden. Sicherlich hat der Nieder- deutsche mehr Vorliebe für derartige Dinge, indessen würde eine systematische Ausbeutung des Südens wolil noch mancher) Beitrag liefern. Auch diese Nummern haben ihre Entwicklungs- geschichte. So haben wir bei Chambers (nr. 1 ^) ein grausiges Rätsel :

1 sat ivi' my love,

and I drank wV my love,

and my love she gave me light;

TU give any man a pint o' wine,

that Hl read my riddle right

Die Lösung ist: I sat in a chair made of my mistreas's bones, drank out of her skull, and was lighted hy a candle made of the sub- stance of her body.

In dieser grausigen Passung ist nun das Rätsel bei uns gerade nicht bekannt. Immerhin ist noch ähnlich das von Simrock (leider, wie immer, ohne Quellen- und Ortsangaben) mitgeteilte Stück:

bringt (Grimm Nr. 61, noch klarer bei Müllenhoff, SchlesMr.-Holstein. Sagen, S. 401), ohne doch an Sympathie zu verlieren. 1) Vgl. auch Gregor, a. a. O., S. 82. PalaeBtra. IV. 9

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op leov' «eet ik, op leev' eet ik, iin leev' lüch mi un likers gm mi!

.<k> Hprickt*n fron, do ehr mann dod blevn is. op sin sark.

Dann aber liat das Rätsel in einer stark abgeschwäehteo Form eine geradezu einzig dastehende Verbreitung gewonnen. Es ist das „llo-RätseP':

Auf Ho g'eh ich,

Auf Ilo steh ich,

Auf Ilo bin ich hübsch und fein,

Rat't meine Herren, was soll das sein.

Hier handelt es sich nicht mehr um die tote Geliebte oder den Gemahl, sondern um einen Hund, aus dessen Fell sieh der – oder die – Fragende hat Schuhe machen lassen. Da dies nun nicht ganz ungewöhnlich ist, so kann es schon eher eiraten werden und geht gewissermassen in die „Tiirk- liehen^' Rätsel über, ist auch ohne jede Einkleidung überall 'anzutreffen.

Für Oberdcutschland führe ich ein Rätsel an, zunächst in der niederdeutschen Gestalt, die es bei W. 967, 7 hat:

Hengahn un wedderkamen, de läwigen ut den dodigen nahmen, de süss de g-iingen den soewten qiiiet. nu raadt mine herren, hüt is't tiet.

(TCin Mann ist zum Tode verurteilt. Seine Frau viU ihn durch ein Rätsel befreien, kann aber keins ersinnen. Kurz vor Ablauf der ihrem Manne gewährten Gnadenfrist geht sie in ihrer Angst aufs Feld, findet hier einen verrotteten Pferdekopf, in dem ein Vogelpaar fünf Junge ausgebrütet hat. Sie nimmt di^ Jungen und das Weib eben mit, während das Männchen davonfliegt.)

Es will mir scheinen, als sei dies Rätsel eine Vermischung von zwei anderen:

1. Henging und wedderkamm.

Lebendigen ut'n doden namm

(W. 967,1): Ben hett'n Stock Immen ut'n dodigen Pierkopp nahmen.

(Der letzte Ausläufer des Simsonrätsels. )

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2. Eine ältere Fassung des Rätsels vom Pferdekopf. Dieses ist nun wohl in einer oberdeutschen Variante, aus Fendels in Tirol (Renk a. a. 0. Nr. 94) besser erhalten:

Es schlafen sechs in einem Tod, Der siebente jagt den achten fort! Ihr Herren ratet, was das sei?

(Kin Vogelnest mit 6 Jungen in einem Totenkopf, dem die Alten abwechselnd zufliegen.)

Die ähnliche Situation, das im toten Körper neu entwickelte Leben'), führte wohl in Mecklenburg zur Verwechselung.

Zu diesen Rätseln, deren Lösung eben nur dem Frage- steller selbst möglich ist, gehören natürlich auchj'ene weit- verbreiteten Rätselraärchen, in denen ein dämonisches Wesen die Nennung seines Namens verlangt, den es dann selbst verrät (Rumpelstilzchen).

Lose nur hängt mit den bisher besprochenen eine andere Art von Rätseln zusammen, die man mit etwas unbestimmtem Namen als „Rätselmärchen" bezeichnet. Auch sie bedürfen der Einkleidung, einer Erzählung, eines Gespräches, in dem aber ein wichtiges Wort durch einen anderen, meist bildlichen Ausdruck ersetzt wird, insofern dieser sich meist an die Gestalt, die Stimme u. s. w. des bezeichneten Gegenstandes anlehnt, berührt sich diese Gruppe mit den „wirklichen" Rätseln. Insofern sie oft nur als Einkleidung eines Witzes dienen, den sie vorbereiten und für den sie Interesse erwecken wollen, gehen sie teilweise ins Gebiet der „Scherzfragen" über. So schweben sie zwischen den verschiedenen Klassen hin und her. Sie sind eigentlich eine Gmppe sui generis. Ihre äussere Form, die Erzählung, bestimmt mich, sie hier anzuschliessen.

Die einfachste Form dürfte die folgende sein:

(W. 919): Se hebben 'n büstendräger doot maakt. (Einen Hürstenträger, d. h. ein Schwein, geschlachtet.)

1) Der Gegensatz zwischen Tod und Leben ist dem Volks- rätsel überhaupt sehr geläufig; man denke nur an das Rätsel von der Eiche (schon bei Butsch, nr. 12) und an das von Feuer und Asche (schon bei Butsch, nr. 18).

2*

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(W, Ö20): Se liebben 'n wulldrager 'n hals afsnäden. (Einen Wollträger, d. h. ein Schaf, geschlachtet.)

Oder es wird erzählt (W. 1000,3):

En Köster sall'n Hamel stählen mit'n Paster sien Pierd. Während de Prädigt kümmt he rin na de Kirch un de Paster breckt de Prädigt af un singt von't Altoor:

„Hast du gekricht Johann Be?"

„Nein, ich hab gekricht Bonsa (Schläge) auf mei Rongsa (Rücken), und hab verloren den Benjam. Wisst em hebben, mööst em wedder lö-ö-ö-sen."

Man sieht, die beiden ersten Beispiele berücksichtigen mehr die äussere Gestalt, im letzteren sollen „Johann Be" und „Bonsa" klangmalend wirken. Anders wirkt noch ein derbes Eätsel, das sich wie diese ganze Gruppe nur in Norddeutschland 2) zu finden scheint (W. 993), und das in seiner mildesten Form lautet:'

En Herr kümmt eens na'n Gasthuus un bestellt bi den Kellner: „Eine Portion Vorwärts, eine Portion Rückwärts, und eine Portion von hinten." De Kellner hett nich wiisst, wat dat sien süU, oewer de Mamsell hett dat utfünnig kragen, de hett em Fisch un Kräwt un Eier kaakt.

Satirischen Charakter trägt ein anderes Stück (W. 997), das nur in Mecklenburg vorzukommen scheint: König Friedrich, der überhaupt im niederdeutschen Volksleben eine grosse Rolle spielt^), fragt einen alten Bauern, den er noch beim Ackern findet, ob er denn keine Söhne habe.

„Ja, ick heff dree stück, oewer de hebben all wat lihrt." – „Wat sünd se denn?" – „De een is'n Leeger (Lüger), de tweet 'n Bedreeger (Betrüger) un de drüdd 'n Mörder."

Dat sali he em utdüden. „Je, de öUst is Preester, de tweet Koopmann, un de drüdd Soldat." – „Na, denn will ick den Mörder loshelpen, dat de vor Em ackeriert."^)

1) Vgl. das ähnliche ndd.: „bimsen" schlagen, doch auch „bingsen, bengeln". Ne: to bang.

2) Mit dem Norden Deutschlands und mit Friesland stimmt Britannien meist überein. In romanischen Ländern scheinen Rätsel der Art nicht so beliebt.

^) Man denke an L^rich Jahns pommersche Märchensammlung. 4) Das „ackerieren" ist echt friedericianisch,.

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Sehr gern verbindet man demrtin^ UM^tA m tf^h^on Ketten. Daftlr will ich zum Sohlusso \mA\ /,wol lloinplolo anführen, eines, um das Alter solcher Solior/o nuoh/.\n\olMcn, und eines als neues Zeichen ftlr den ZuMuiumcnhutiH Nohl deutschlands mit En^dand.

Im „Strassburger Rätsolbuche** holNHt cn (Im^I llutrtoh, Nr. 18 0:

Es was eiiuM' bi»scluMtli»ti /M UoniiiMMt w/iii illn Ihiwii'ii /ii t:|ii würden peen. vnd dii» vnrInhipMi Hill nIim», w«n ill»' mi'^oi'n hin l«i'M werden / vn die leiit ver^nsHiiii Jr y<*bi«»'diMi / viid mi niM'h »1m" lycht das schwer hebt. / vnd dan lodt i\/, li'lMMidlf/ v«'»km*IH ^|

Antwort: Die bawren ho man dj«« illnili /iiti/iMiMMii 1<^I iIIm vnrüwißren sein die diir zu >r«*llion, iUu*. unt*t* t^rin dj< dMn* I* geschirr vergessen der ^ebi-rden, da« j»il yni .'i''b)M/'l dii»- lyM sein die federn im bedl. dan whwi'r di<i /ik'Ii»-' l<<'H d/u )/h\}iinh. das todt L*t die eM'hen. da^ \f\t*'ti'i'itr !••• d«.' Nw* i <!''

^lannigfacb in Xir^lerd^^ul^'^diland v<frl/M'JI>d O/jilf^'M' oi •' b findet es ^^ch im Voij.ftlan'l<;j j>i <fin<? KHl^' v^m •'/!' b* /^ Umschreiboni'en, durch di'; 'tUt K/i^y^ht *'*'iu<'\H v ''/.•> br/b'/^^^ Baaem. bei dem fjj^hu l/^^jr/i fi'/''uU-u N^if/ie/j Uu^^uai, w*'rU h darf, den X-i-^jn^-A. e::.e* Fe*-efJi /jjtt>%.i.

Vi- d :.* ci r. :*• '■*,» »»i; •>••«- * - *« *' 4 .* *

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l8 up the atep o! fundus

Wi' montapus ofi hei' tail

If fhere come na help out o' founto-clear,

loeWe gane and a' that'a here.

IlL Die Scherzfragen.

Wenige Gattungen der Volksliteiatur erfreuen sich einer so weiten Verbreitung, einer solchen Langlebigkeit, eines solchen, immer neuen Reizes auf die schon oft damit gre- neckten Zuhörer, als diese kleinen unscheinbaren Spässe, die wir unter dem Namen „Scherzfragen" zusammenfassen. Die Nummer 202 des „Strassburger Rätselbuches":

Wülchs das getreust thier sey. – Ein laüss, die lösst sich mit eim hencken bleibt bey jm biss in todt. –

ist heut noch in Mecklenburg (und nicht doii allein) wohl bekannt (W. 601), vielleicht auch übers Meer gewandert; wenigstens scheint mir Shakespeare einmal darauf anzuspielen, wenn er im Anfange der „Merry wives of Windsor", wo das bekannte Wortspiel zwischen luce (Hecht) und louse (Laus) gemacht wird, den Sir Hugh Ewans sagen lässt: „it

18 a familiär beast 1o man, and signißes-love'^.

Immerhin bieten sich gewisse Grenzen für die Ver- breitung dar. In katholischen Gegenden hat fast jeder Heilige ein Speziah'ätsel, kein Gegenstand in der Kirche, am wenigsten der Pfarrer selbst, ist vor dem Witze des Volkes sicher, der Inhalt der Evangelien, die Liturgie, die Gebete müssen Stoff zum Spass hergeben, alles Heilige wird profaniert, wie wir noch weiter unten sehen werden. In protestantischen Gegenden ist man schüchterner. Die höchste Person, die man an- zugreifen wagt, ist der Küster, die Geistlichen werden höchstens in einem „wirklichen", also uralten, Rätsel vom „Männchen, das im Holz steht und immer spricht, ohne dass jemand ihm antwortet", oder in dem doch auch zahmen Spässchen von der Fliege, die ihnen „upp de Näs sitt", mit- genommen. Die Heiligenrätsel sind meist geschwunden, die Anspielungen auf katholische Gebräuche mussten, soweit sie

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flberfasapt erbalten btieben, notwendig verrohen. Das lehrt ein Yei^Ieieh der Xiimmer 36 bei Renk:

Ein Mann und ein Weib kanns thnn. Zwei Männer könnens thon. Zwei Weiber könnens nicht. (Einander beichten.)

mit der Entstellung bei Wossidlo, Nr. 877.

Der Engländer und Schotte sind noch zorückhaltender im Profanieren der Keligion, wie sich denn übeiiiaapt ilire Volksrätsel durch eine grüssere Sittenreinheit auszeichnen.

Kdiren wir von diesem kleinen Streifzage zn unseren Scherzfragen zurück, so müssen wir als ihren Hauptzweck die Verführung des Hörers bezeichnen, die Ablenkung seiner Gedanken auf ein Gebiet, das mit der richtigen Lösung sehr wenig zu thun hat Darin eben beruht sein Unterschied vom „wirklichen** Rätsel, das doch immer gewisse Handhaben zur Auffindung bietet, wenn es auch wohl daneben oder hinterher den Hörer wieder unsicher zu machen, ihn zu ver- wirren strebt. War bei der vorhin behandelten Klasse nur eine sehr weit abliegende, daher so gut wie keine Lösung möglich, so bieten sich hier unendlich viele, die alle passen könnten, d. h. wieder so gut wie keine. Recht bezeichnend ist mir eine Anekdote, die Hebel zu seinem hübschen ,,Rätsel- handel" verwertet hat und die er dem „Vademekum" von Mylius entnahm. Man findet sie in der trefflichen Ausgabe der Hebeischen Werke von Otto Behaghel (Spemanns National- literatur, Bd. 142 ^j, S. 170. Dort wird von einem schlauen Amsterdamer erzählt, der ein Rätsel aufgiebt, dass er selbst nicht lösen kann. Die kleine Erzälünnsr sreht wohl auf eine volkstümliche Quelle zurück, sie charakterisiert eine grosse Anzahl dieser Scherzfragen. Bei \ielen beruht sogar der Witz gerade auf der Unlösbarkeit, nie etwa die in Nord- dentschland umlaufende Frage: „Kennst Du die Anekdote von Friedrich dem Grossen und dem ELsenbahnschaffher?^* – „Nein." – „Ich auch nicht, denn damals gab es noch gar keine Eisenbahnschaffher' beweist. Auch solche (be- sonders beliebten) superlativischen Fragen: „Was ist das grösste Unrecht in der Kirche?" lassen natürlich unzählige

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Lösungen zu und werden nur gestellt, um einen Witz ein- zuleiten: „Dass der Hauptmann von Kapernaum immer noch nicht Major geworden ist.' Die Zahl der Fragen aber, deren bestimmteres Gepräge eine feststehende Antwort erlaubt, ist Legion, und keine noch so vollständige Sammlung wird sie ganz erschöpfen können. Auch ein Typenverzeichnis würde weit über den Rahmen dieser Arbeit hinausgehen. Wir wollen hier nur die wichtigsten, im deutschen (und englischen) Volksrätsel vorkommenden Arten in einer gewissen Ordnung mustern. Eine strenge Klassifizierung ist bei einem so be- weglichen Gegenstande natürlich nicht möglich und, wie alle Systematik in Sachen der Volkspoesie, eher hemmend als fördernd.

Die Verwechselungen, auf denen diese Klasse von Rätseln doch im wesentlichen beruht, sind verschiedener Art. Sie sind entweder mehr grammatischer Art, oder sie spielen in das logische Gebiet, oder endlich sie bewegen sich in Ton Versetzungen. Ganz strenge. Scheiden giebt es natürlich aucb hier nicht, und oft genug können wir mehrere Ver- wechselungen innerhalb desselben Rätsels aufzeigen. So heisst es bei Wossidlo (Nr. 848): „Wat is dat vör'n Minsch, wo Ijief un Seel rut is?" (Wöchnerin). Man wird vielleicht auf einen Toten raten, zumal in Niederdeutschland gelegent- lich „Leib und Seele" für lebende Seele überhaupt gebraucht wird.') Denn unwillkürlich bezieht man „Lief un Seel" auf den Menschen selbst, während doch Leib und Seele eines anderen gemeint sind. Auf diese falsche Beziehung rechnet das Rätsel mit Bestimmtheit.

Solche Beziehungswechsel rein grammatischer Natur

*) Vgl. das Evarälsel in Theranders „Zeitvertreib" (1750):

Ein Jungfrau nicht eins Tages alt Nahm einen Mann gar Wohlgestalt, Eh dann verging ein ganzes Jahr, Sie ihm ein kleines Kind gebar. Und starb auch, eh sie war geborn, Ihr Leib und Seel sind unverlorn.

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liegen z. B. vor, wenn zwei gleichlautende Pronominalformen auf zwei verschiedene Nomina bezogen werden.

Bekannt ist das Eätsel von den Tauben und Erbsen:

(W. 992): Weun sie kommen, dann kommen sie nicht; wenn sie nicht kommen, dann kommen sie.

Ferner stelle ich hierher:

(W. 930): Vor unsern Duur licht'n Steen, iin wenn de Hahn kreiht, denn röögi he sick (nämlich der Hahn).

Schon im „Sli'assburger Rätselbuch*' finden wir das Rätsel von der Haselnuss und dem Loche darin:

So du es siehst so lösst du es ligen, siehst du es nit, so hebstus vff.

das aber auch aus dem 12. Jahrhundert in lateinischer Sprache vorliegt:

Video et tollo. Si vidissem, non tulissem.^)

und noch heut im Volksmunde, besonders Oberdeutschlands, lebt, so bei Renk, Nr. 117:

Wenn mans nicht sieht, klaubt mans auf. Wenn mans sieht, lässt mans liegen.

Auch aus Prankreich ist es zu belegen:

Quand je la vois, je ne la ramasse pas, quand je ne la vois pas, je la ramasse.

Endlich auch holländisch:

Als gy het siet, soo lad gy het liggen, nid siende raept gy het op.

Ich habe alle diese Passungen zusammengestellt, um die (mit Ausnahme des lateinischen) immer wieder hervortretende Gleichheit des Personalpronomens zu zeigen.

ÄhnUch, aber doch mehr auf eine Sprachungenauigkeit als auf eine Sprachundeutlichkeit gegründet ist das Rätsel vom Loch: „Je miar dat me devan nömmt, je grötter wet et."^)

*) Aus der Reichenauer Hds. In M. S. 1).^, Nr. VII, 1. 2) Bei ScheU, Volksrätsol aus dem Bergischen (V. 3, 293 ff.) Nr. 62.

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Streng genommen könnte sich das im ersten Teile des „davon'^ enthaltene Pronomen natürlich nur auf „et'S d. h. auf „das Loch" beziehen. Jedoch bei dem der deutschen Sprache eigenen freieren Gebiauche geht es hier auf den ganzen Gegenstand, in dem sich dieses Loch befindet. Diese in der täglichen Rede unbewusst geübte Ungenauigkeit hat das scharfe Auge des Volkes doch bemerkt.*)

Ich schliesse hier andere Beziehungsverwechselungen an, schränke mich aber bei der Wiedergabe der Beispiele auf das Nötigste ein In dem bekannten Rätsel: „Wie ist der Floh nach England gekommen?" ist mit grosser Raffiniert- heit eine doppelte Bedeutung und doppelte Beziehungs- möglichkeit 2) des „Wie?" (ndd. „Wo?") benutzt. Es kann sich 1) auf das Nomen beziehen und eine Beschreibung ver- langen („Wie ist der Baum?" – „Grün"), oder 2) auf das Prädikat, und dann giebt die Antwort eine besondere Be- stimmung für Art und Weise der Handlung. Dadurch nun, dass schon in der Frage das Prädikat verengert wird (hier durch Angabe des Zieles), wird die Aufmerksamkeit des Zuhörers auf dieses und nicht auf das Subjekt gelenkt, zumal gerade die kluge Auswahl') Englands als überseeischen Landes eine Besonderheit des Transports zu rechtfertigen scheint. Er antwortet etwa: „zu Schiffe". Die richtige Lösung aber lautet „Schwarz". Richtig ist natürlich im eigentlichen Sinne jene Lösung so gut wie diese und tausend andere, aber „richtig" im Sinne des Fragestellers ist nur die eine, für ihn von vornherein feststehende Antwort.

Die doppelte Beziehung des „Wohin" auf 1) eine Stelle an Jem Gegenstande selbst, 2) auf einen anderen Gegen-

1) übrigens ist das Rätsel auch im Französischen (Rolland, nr. 26) zu finden, wo „en'* ebenso frei gebraucht ist, wie unser „davon".

-) Doppolsinn und Beziehungsverwechselung liegen oft am gleichen Beispiel vor.

3) Dass diese Auswahl berechnet ist, zeigt z. B. W. 738: „Woans kümmt de Kreih (Krähe) in Berlin oewer't Dack?"*, denn Berlin ist für den Mecklenburger die Stadt der hohen Häuser.

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stand, ruft die Verwirrung in dem bekaiuUeu H^t^el horvor: „Wohin hat Adam den ersten Na^rel vresehl»jron ?** - „Auf den Kopf-"

Schon diese Beziehungsverweehsolunirini xoi^Mi don scharfen Beobachtungssinn de^ Volkes, Kr lelnl os auch, auf doppelsinnige Sprachformen (auf doppolsiuni^v Wörtor komme ich unten zurück) genau zu achton. Por luHnitiv bei den Verben der Wahrnehmung erlaubt eine Missdoutuug; der Volkswitz lässt sich das nicht entgelion und fragt (\V. Sa.1): „Welche Kinder sehen ihren Vater taufen?** ■ „Dlo Pfarrors- kinder."

In dem Satze „Zu einem gut bewaftnoten SoldatiMi ge- hört vor allem ein gutes Gewehr" gebrauche ich das zwoito Partizip gleichsam als Vertreter des in der deutschen Umgangs- sprache fehlenden Gerundivums. Die Ungenauigkeit dos Ausdrucks ist nur bei scharfem Aufpassen deutlich zu (^i*- kennen, aber das Rätsel hat sich ihrer bomUchtigt und fi'agt: (W. 887) „Woväl Nadeln hüren to 'ne upgoputzto Bniut?** – Gor keen. *)

Noch ein Punkt sei hier erwähnt. In dem Worte „Holz- kiste" kann das erste Glied sowohl den Stoff bezoichnon, aus dem. die Kiste besteht, als den Zweck, zu dem -sie dient, nämlich Holz aufzubewahren. Selbst dies kehrt im VolkH- rätsel wieder (Renk 168): „Ein hölzernes Steinhäusel?" „Ein Kumpf für den Wetzstein." Der unbefangene Hörer sieht in dem „Stein-" nur den Stoff, und der scheinbare Gegensatz des „hölzern" macht ihn noch vorwirrt^jr.

Damit haben wir aber schon den Boden der Ktymolo^i^' betreten, und hier eröffnet sich uns der AuMblick auf ein reich gepflegtes Gebiet des Volkswitzes, nichtige und falsch« Etymologien, Wortspielereien, Auflösung von KompfnitiH, Vertauschung zweier Synonyma oder Homonyma, dies alK;s

') Noch rlrasti-^hf-r R^Tik. 1^:5: ^Wa-^ hr.'i'i'hf man '/,u *-'}t}f'fu gut beschlagenen .Sfi^^-I'"" – ^Iftu zw^ibr».* fffK \'f^rt^/^l,\^ftt wird auch in einen Sf-hf-ru-^fitz tr»hra'"h», e*«»';»: ^w^nn f-r ir^tt hfy schlagen ist-, o^ler ri ir r» du- A^Jj'K'iv Ji'S^'i^-* t'x^*'*r/,^ (->. W ^^;.

– 2S –

geht in unsere Sammlongen ein imd kaom ist es ni<^ch, auch nur die Haupttypen hier anzufahren.

Etymologische Schei*ze trennen geni Zusammensetzungen. Teils richtig: „Welcher König bat kein Land?*" – „Der Zaunkönig*''); teils willkürlich und falsch {W. 517): „Welches Thier sieht dem Menschen am älinlichsten?*' – ..Musketier'^

Bisweilen werden ganze Verse gebildet, die an das wirkliche Rätsel mit seiner Kunst, den Hörer zu verwirren, wohl heranreichen (W. 905 -):

Es sass ein Mann und a>s.

Er hatto nicht, was er ass.

Denn hätte er irehabt, wa> er a^c%

Dann wäre er grewesen, was er ass. ^Neunaugen.)

Innerhalb eines Satzes sucht der Volkswitz gern Redens- arten oder Einzelworte heraus, die eben noch eine andere Deutung zulassen, und vor allem müssen allgemein bekannte Sätze, wie Sprichwörter, Bibelstellen und Liederverse her- halten. Darauf beruhen unsere unendlich zahlreichen „Bibel- fragen", von denen z. B. Haase, V. 5, 407 eine Blumenlese bietet Sie beginnen mit Vorliebe „Wer war der erste . . .", betrachten also die in der Bibel geschilderte Kultur, wie es dem Gesichtskreise des Volkes angemessen ist, als die älteste der Welt. Sie arbeiten so gut mit Beziehungsverwechselungen, als mit Homonymen, daher sie hier ihre Stellung haben sollen. So heisst es (Haase, 293): „Wer war der erste Krämer?"*) – „Sirason, denn Gott nahm die Stärke von ihm." Der Doppelsinn des Wortes „Stärke" wird erst recht wirksam dur'3h den volkstümlichen Gebrauch des „nehmen" für „ent- nehmen".*) In Tirol (Renk, 24) benennt man Maria mit dem

•) Haase (Volksrätsol aus der (Grafschaft Kuppin, V., Bd. 111,

Nr. m.

-) W. gioht an, dass dies Rätsel sonst nicht bekannt sei, und es ist ohne weiteres klar, dass ein Rätsel über „Neunaugen"* wohl in Oberdoulschland ebenso unbekannt ist, wie die Sache selbst, wenigstens der arbeitenden Klasse ist.

•^) \n Berlin natürlich „Kolonialwaarenhändler".

4) |<]in für allemal sei hier bemerkt, dass das Volk sich durch- aus nicht bemüht, donBiboltext streng philologisch wiederzugeben;

– 29 ~

Familieanamen „Bitterlich" (denn es heisst: „Da weinte Maria Bitterlich").

Dass einzelne, aus dem Zusammenhang' gerissene Zeilen zu Missverständnissen Anlass geben können, beweist die Antwort, die in einer Berliner Gemeindeschule auf die Frage „Wo liegt Mantua?" gegeben wurde: „In Banden." Ähnlich heisst es in Tirol (Renk, 18): „Woher kommt Christus beim jüngsten Gericht?" – „Von dannen." („Von dannen er kommen wird" u. s. w.)

Synonymische Scherzfragen sind im ganzen nicht häufig: „Wie kann man dürres Gras mit drei Buchstaben schreiben?" – „Heu". Dagegen giebt es unzählige homonymische Scherze, die sich auf alle Wortklassen erstrecken.

Auch hier sind eigentlich die besten Stücke auf die einzelnen Mundarten beschränkt. Plump ist die Frage, welches der grösste Heilige sei (Renk, 26), mit der Antwort: „Der Wiesbaum" (Heuliger), doch wird sie in Verbindung mit anderen Heiligenrätseln, als plötzlicher Übergang zu einem ganz anderen Gebiete ihre Wirkung nicht verfehlen. Besser ist aber (Renk, Nr. 77) die Kaflfee spendende Ziege be- schrieben, die auch einen „Zucker mache", d. h., wenn man sie kneife. Aus Norddeutschland führe ich etwa das Wort- spiel zwischen „Weg'^ und „weg" an (W. 907): „Ts wech, blifft wech, un ward alldag' bruukt", oder das von der Ziege (W. 564), die immer mehr haben will, weil sie „mäh" sagt.')

Interessant ist die Benutzung eines geographischen Namens : „Woher kommt der Regen?" heisst es im Bergischen (Schell,

es macht sich in den meisten FäUen einen Spruch zurecht (über- trägt auch Erlebnisse und Aussprüche von einer Person auf die andere). Sieht man für unseren Fall Jud. XVI an, so steht dort V. 19: „Da war seine Kraft von ihm gewichen." und v. 20: „Er wusste nicht, dass der Herr von ihm gewichen war." Aber die Thatsache war bekannt genug und wurde in einem kurzen Spruche dargestellt.

*) Das streift hinüber in das (jebiet der Ausdeutungen von Tierstimmen und anderen unartikulierten Lauten. Auf die Hand- werkerwitze wird immer noch zu wenig geachtet. p]in sehr hübsches Beispiel bei Andree, S. 345.

– 30 –

Nr. 37). „Vom Böhmerwalde" lautet die Antwort, mit Bezug auf den Nebenfluss der Donau.*)

Eine homonymische Verwechselung der verschiedenen (temporalen und lokalen) Bedeutung des Wortes „lang" liegt in der alten Scherzfrage vor: „Welche Lichter brennen längei, Wachs- oder Talgkerzen?" – „Sie brennen beide kürzer."

Mit Vorliebe aber heftet sich das Volksrätsel an die mehrfache, teils transitive, teils intransitive, oder einmal allgemeinere, dann prägnantere Bedeutung gewisser Verba. In der Nummer 572 bei Wossidlo : „Wenn man na de Apteek rinktimmt, wat rückt am ihrsten?" ist ein Fall der ersteren Art, und man kann auch hier an der Wahl der „Apotheke" das Raffinement beobachten, mit dem der Hörer des Rätsels auf ein falsches Gebiet gelockt wird.

Die mannigfachen Bedeutungen des Wortes „machen" fordern den Volkswitz geradezu heraus. So verwirren sich die Begriffe „thun" (allgemein) und „herstellen", „erzeugen", „ergeben", wenn die Frage „Was machen die zwölf Apostel im Himmel?" beantwortet wird: „Ein Dutzend"; was man ein erst vom Hörer erzeugtes Abwehrrätsel nennen könnte. Ähnlich klingt es, wenn dieselbe Antwort wohl früher von einem verlangt wurde, der in Würzburg gewesen zu sein behauptete, und den man fragte: „Was machen denn da die Brückenheiligen?" Aber dieser Lokalwitz arbeitet doch mehr mit einer anderen Bedeutung von machen, nämlich „sich befinden". Das Verbum kann auch, mit einem prädikativen Adjektiv verbunden, soviel bedeuten, als „in einen Zustand bringen". Die Möglichkeit, dies Prädikatsadjektiv auch attributiv zum Objekt zu stellen, ruft Scherzfragen wie diese hervor ( W. 871/72): „Wat raaakt de Köster, wenn he beiert?"^) – „Krumme Pinger".

ij Als charakteristisch seien noch angeführt: Haase (V.), Nr. 42 (Kartoffehi ein Stadt- und Landgericht), W. 589 (Frauen haben grössten Staat in Deutschland), ebenda 891 (Mond wiegt 1 Pfund, weil ^/4 hat) und Renk, 189 (Bei der Cigarre die ersten, bei der Schwiegermutter die letzten Züge die besten).

2) Das nioderd. „beiern" drückt eine hin- und hergehende Bewegung aus, hier „läuten", wie schon mndd.

– 31 –

Andi das Verbum „gehen" wird in dieser Weise aus- genutzt Natürlich berühren all solche Übergänge schon das geistige Gebiet and bewegen sich nicht mehr allein auf grammatisch-lexikalischem Boden. Man sehe W, 719: „Wohin geht die Krähe, wenn sie ein Jahr alt ist?" – „Ins zweite". Noch schwieriger natürlich ist es, wenn ein einzelnes, be- kanntes Ereignis angezogen wird: „Wohin ging Christus, als er zwölf Jahre alt war?" – „Ins dreizehnte". Es sei hier noch das Rätsel vom Perpendikel (Renk 131): „Es geht alleweil etwas und kommt doch nicht weiter' – erwähnt.

Die Verwirrung steigert sich aber noch bedeutend, wenn die doppelte Bedeutung eines Wortes die des andern unter- stützt: „Wo kommen alle Säcke zusammen?" – „Bei der Naht"J)

Mit grosser Vorliebe heftet sich der Volkswitz an Prä- positionen und präpositionale Verbindungen melirfacher Be- deutung. Ich lasse einige Beispiele folgen:

1) an (.^innere" und «äus>ere"* Berührung». W. 532: Was ist das beste am Kalbskopf? – Das Kalb, i Schon im Rockenbchl.)

2) auf («stehen auf* = ruhen a) auf einem Teile seiner selbst b) auf einem Fremdkörper). Renk 25: Welche Heilige stehen in der Kirche auf der rechten Seite? – Sie stehen alle auf den Füssen. Ähnlich W. 725. «auf" wird auch mit dem adverbialen «auf* = offen vertauscht: W. 14<): Wo steit de Aben auf? – Bi't Mund- lock: ein Scherz, der freilich aus mehreren (Gründen nur dialektlieh möglich ist.

3) in. Renk. 102: Welches ist das unverfrorenste Tier? – – Der Floh, er geht im Winter im Hemil spazieren.

4) nach. W. M2: Wona schütt de Jäger? – Xa't Laden.

5) zu. Wozu raucht man eine Zigarre? – Zu Asche ^W. 945). Oder anders: Wer kommt zum ersten in die Kirche? ~ Der Zweite (oberdeutsch, z. B. Renk, 43». In niederdeutschen Dialekten un- möglich: aber „zum ersten** ist auch oberdeut*^ch nicht gewöhnlich, und manchmal erscheint das Rätsel alt und fremdartig dadurch, dass von der geläufigen Sprache abgewichen wird.

*) Sehi- häufig, z. B. bei Renk, 181. Ks bedeutet nämlich „alle*': 1) aUe zusammen, omnes. 2) jeder für sich: und «zusammenkommen" können 1) mehrere Gegenstände. 2f die Teile eines (Gegenstandes. Ein anderes Wortspiel mit der Redensart „Was giebfs" (= 1) was begiebt sich? und 2) was ergiebt sich?) s. bei Renk, 45.

– 32 –

Noch einen Schritt weiter hinein in das logische Spiel- gebiet treten wir, wenn wir Homonyma ins Auge fassen, die einmal einen übergeordneten, allgemeineren, dann einen be- sonderen, einen Einzelbegriff bezeichnen. Hierher gehören die zahlreichen Rätsel folgender Art (z. B. W. 570): „Was sieht der Katze am ähnhchsten?" – „Der Kater". (Katze einmal für die ganze Gattung, dann speziell für das weib- liche Tier.)

Hierher gehört auch der als kürzende Bezeichnung für eine längere Wortreihe gesetzte Anfang, der gern für das Wortspiel benutzt wird*): „Welches ist der mittelste Buch- stabe im A-B-C?" – Das B"; oder: „Was kommt gleich nach dem Vaterunser in der Kirche?" – „Der du bist im Himmel".

ÄhnUch ist der (Tbergang vom Allgemeinen zum Speziellen bei Wossidio, Nr. 665: „Wennihr liett de Minsch so väl Ogen as Dag' in't Johr?" – „An'n tweeten Jauuor".

Das führt uns auf die Neigung des Rätsels, allgemeine Verhältnisse überhaupt zu spezialisieren, um die Neugier und Spannung des Hörers aufs höchste zu steigern und dann plötzlich in das allgemeine Gebiet zurückzukehren. Z. B. Renk, Nr. 195: „Wozu hat der Müller einen weissen Hut?" ist nichts als eine Spezialisierung der Frage: „Wozu hat man einen Hut?" und die Antwort lautet hier wie dort: „Zum Aufsetzen".^)

Täglich gebrauchen wir eine grosse Menge bildlicher Redensarten, ohne uns noch ihrer eigentlichen Bedeutung bewusst zu sein, und um so erheiternder wirkt es, wenn uns der Volkswitz plötzlich darauf aufmerksam macht; darauf beruht der Hauptreiz solcher Scherze, wie sie von Höfer in dem Heftchen: „Wie das Volk spricht" zusammengefasst worden sind. So heisst es bei W. 923: „Wecker oort Lud'

1) Jieide weit verbreitet, z. B. W. 829 und 874.

2) In Ober franken hörte ich: „Was hat es zu bedeuten, wenn ein Schornsteinfegergesell mit einer rothaarigen Bäckerstochter im Schnee tanzt?" – «Nix" (oder auch: „Was ists, wenn ....?'* – ,. Winter"). Vgl. noch bes. W. 624, 714-716 und Renk 97.

– 33 –

nehmen eenen alles vor de Näs' wech?" – „De Barbiere.*' Noch besser in Berhn: „Wer nimmt den Leuten alles vor der Nase weg und bekommt noch Geld dazu?" Oder Nr. 794: „Wer ist hochgeboren?" – „De Adeboor." (Der Storch.') In Tirol (Renk 55) fragt man: „Welches ist der höchste Stuhl in der Kirche?" – „Der Dachstuhl." Kndlich ein Beispiel aus Ruppin (Haase, V. III) Nr. 32: „Welche Augen sitzen nicht im Kopfe?" – „Die der Bäume."

Auf einer sehr willktirhcheri Vertauschung von Namen und Begriffen beruhen die (wie es scheint, vorzugsweise in Norddeutschland) weitverbreiteten Buchstabeni'ätsel, die oft grosse Dimensionen annehmen und sich in fi'eilich meist sehr saloppen Reimen bewegen. Die allerein fachste Form ist diese (VVoss. 838): „Was steht in der Milte von Waren?" – „Das R." '-')

Die Macht der Analogie im volkstümlichen Denken bringt es mit sich, dass häufig ganz gemein menschliche, alltägliche Verhältnisse auf Vorgänge übertragen werden, mit denen sie höchstens eine unbedeutende Änsserlichkeit gemein haben; das tägliche Leben füllt den Gesichtskreis des Mannes aus dem Volke so ziemlich aus. In der Mitte steht er selbst und betrachtet von diesem Gesichtspunkt aus die Dinge, die nur von aussen in jenen Kreis hineinragen. Völlig zu er- fassen vermag er sie kaum und so beachtet er sie auch nur soweit, als sie für ihn Bedeutung haben, und sucht sie an der Hand seiner alltäglichen Lebenserfahrung zu erklären und wo diese keine Erklärung darreicht, erkennt er jene Eindrücke nicht an, er nennt sie „dumm" u. dergl. So legt er den Naturerscheinungen Absichten und Zwecke unter, wie sie ihn selbst in seinem Handeln bewegen, so erklärt er sich

*) Vgl. noch aus Mecklenburg: W. 554, 504 (Musikanten pusten ihre Arbeit in den Wind), 580 (Thürmer spricht „am nührsten hoog"), 5öl (5 Finger ungerade und doch gerade), 553 u. v. a. Ferner aus Tirol: Renk 122 (Mond unwohl, bricht durch die Wolken), 120 (Sonne geht über Stroh und rauscht nicht) und ähnlich 123.

2) Siehe W. Nr. 470 – 474. Die Verse streifen bisweilen ans Zweideutige.

PaKi-'F^ra. TV. o

– a4 -

\i\t'iilf*f u^'idlifj'f nrli^i^^o Dingo höchst profaii, belebt das HuUf^Mfit', (if'fUi in HaiM and Feld nnd behandelt die Tiere in U(tt uui\ Htall anthropomorphi^ch. Wenn aneb diese naive WMmnvhaumK durch die wachsende Cultur allmählich ver* dclliii^t wini lind für das ern«te Leben ihren Wert verliert, m) vorNoi/l Hich doch der Mennch in Spiel und Scherz gern In J<Min AiirrtiMNunK^art zurück, wie eben aach unsere Scherz- i'\%K*^\\ «lo vrM'trcton.

I)or nillchtlKO Ton der Orgel mag wohl für das Ohr doH LinidinaniioH otwaH an lau tos Geschrei erinnerndes haben. Uiul uuoh (loiu Ini volkstümlichen Denken tägUch wohl tauMoiuluuil K<**>'^''<^'» ^^^^'^*^ „(Jloiche Wirkung – gleiche lli'Nuoho*' schllrMHl dio kitullich dichtende Phantasie, dass es doi' Oru'ol oluMiMo orgohe, wie einem Kinde, das laut schreit slo loldol SoluniM"/. Und da der Augenschein iiin darin uuUM>)lü(/.t» iudom er den Organisten sein Instrument mit don llUndou boarboitou sieht, so spezialisiert sich der Begi-ift d\w .»v^ohnuM/AMileldous** zu dem des „Geschlagenwerdens", uuil \m\\ iVuKt* ji^ naeluleni nuin sieh entweder an den Misse- UuUoo oder uu die iJeuüsshandelte hält: 1. Wer ist der :•' u\N idoi^te in der Kiivhe? Der Organist, er sehlägt die V^Kol \^Keuk -"i^^V ^. Was ist das Wehleidigste in der Kiube^ Die Or^vU Wouu man divinsehlägt, sehreit sie, vKonk vH:i.'^

\Vu> iiäv^ jv^ut> Yolksr^tsoU die sioh mit dem Haushahne lv<v'''At\s^:v?K svN^r all uuvl sehr weit verbreitet sind, so aneb

\\ – ► •■ j \ » " v^^ ' . ^ "'' -.:• *" ^-^ -:. ' \i >:. ' » r • ' V • ■ ^•- ^^ ..' V» ■'.

– 35 –

die Beobachtung, dass der Hahn beim Krähen die Aa^^en schliesst. Nan gilt aber der Hahn dem Volke fiberhaupt als ein geheimnisvoller, proplietischer Vogel, der so sprachen- kundig ist, „dass man ihn aller Orten verstehen möge/' (Mannhardt, Ztschr. f. d. Myth. IV, 405 ff.) So wird auch sein. „Lied'' gleichsam als eine verständige, aaswendig ge- lernte Rede gefasst, die er aufsagt, wie ein Schalknabe und wie dieser, wenn er seine Sache kann, nicht ins Buch zu sehen braucht, so heisst es auch vom Hahn (z. B. Woss. 752): „Worum knippt de Hahn sien Ogen to, wenn he kreiht?" – „He weet sien Lex utwennig."*)

Noch drastischer wirkt folgendes Rätsel vom Hasen (W. 756): „Worum löppt de Has' vftr'n Witten Hund duller as vör'n swaiien?" – „He denkt, de hett sick 'n Rock uttreckt."

Wenn sieh der Volkswitz sogar an die Heilige Schrift heranwagt, und es (W. 592) als ein grosses Wunder be- zeichnet, dass sich Elias auf dem Feuerwagen keinen Schaden zugezogen habe, was das Rätsel ziemlich derb ausdrückt, so können wir uns nicht wundem, wenn es auch die geist- liche and weltliche Obrigkeit nicht scheut und besonders ihre amtlichen Venichtungen ins Alltägliche übersetzt, wo- darch sie natürlich ungewöhnlich, lächerlich, sinn- und zwecklos erscheinen müssen. Am schlimmsten ergeht es dem Geistlichen, wenigstens in katholischen Gegenden. Seine Bekleidung mit dem Chorhemde lässt nicht nur die Kanzel als wärmsten Ort in der Kirche erscheinen (Renk 32), sondern auch den Pfarrer als unverschämt (ebd. 41), weil er im Hemd zur Kirche kommt, oder als dnmm (ebd. 42), weil er es über den Bock zieht. Hierher gehören znmeist

^) In Dentschl^nd allgemein: die franzüsLsche Fsuisang bei BoÜAnd (Nr. 326). d^r ja gedruckte and mündliche QueUen benatzt, stammt aas dem Almanach de la Gaiet^ pour IW) und lautet: Paur- qutn leg eoq$ fermaU-ÜM la yrux quani Üb dianUni? – Paree gu'iU savent latr wmnqme par eoatr. Da ich ef» aber in «^hr bedeutenden Sammlungen, die sich nur an den Volksmund halten, nicht finde, so mochte ich es für eine einfache Übersetzung halten.

3*

– 36 -

die in Dcntschland so beliebten Fragen nach den „drei dflmmsten Creatoren", wie sie sieb am besten bei W. Nr. 564 zusammengestellt findend)

Falsche Schlüsse auf die Ursache haben wir auch fest- zustellen, wenn man von dem Schmutz auf der Strasse sagt, er sei das stärkste Tier, weil es niemand aufhebt (Renk 198) und ein Fehlschluss in umgekehrter Richtung lässt es als das Beste an der schwarzen Kuli erscheinen, das"5 sie wenigstens weisse Milch giebt. (W. 593).

Zunächst müssen wir noch einen Blick auf das Gebiet der allbeliebten Ton Versetzungen werfen. Ihr Wesen be- steht meist darin, dass eine Frage, gewöiinlich durch „warum?" eingeleitet, sich scheinbar auf den Inhalt des ganzen Satzes, in Wahrheit aber nur auf ein einzelnes Wort bezieht. Bisweilen sind die Antworten etv/as satirisch ge- färbt, z. B. Woss. 765, wonach der Nachtwächter ruft: „Hört, Ihr Herren und lasst Euch sagen . . .," weil die Frauen sich doch nichts sagen lassen. Sonst wird gern das Prädikatsverbum betont: W. 780: „Worum pickt de Hahn uppe Ter (Erde)?" – „Weil er nicht lecken kann" u. v. a. Natürlich spielt auch hier eine Verraengung der allgemeinen und speziellen Bedeutung mit. Jedes spezielle Wort (wie oben „picken"), wird in der Umgangssprache unzählige Male in allgemeinem Sinne gebraucht (also oben = mit dem Munde, Schnabel etc. die Erde berühren), wie sich ja die Sprache zuerst die speziellen Ausdrücke bildet und dann erst zu allgemeineren aufsteigt.^) Die Frage berücksichtigt nun die besondere Bedeutung gar nicht, die Antwort dafür um so mehr. Man vgl. etwa noch (die Zahl der Beispiele

^) Dumm ist etwa der Nachtwächter, weil er die Zeit ausruft, nach der ihn niemand fra^t, der Schornsteinfeger, weil er kratzt, wo es ihn nicht juckt, oder es werden Aushrüche des Affekts bespöttelt, wie die Frage der Mutter an das Kind: „Wo büssing du?" während sie es doch auf dem Arm habe.

2) Für die „Naturvölker" vergl. A. Seidel, Geschichten und Lieder der Afrikaner, S. 3 ff.

- 37 –

ist anendlicb) '): „Wieviel FlGbe gehen auf ein Pfand?" – – „Gar keiner, sie hüpfen," was noch dadurch interessant ist, dass die allgemeine Bedeutung des „gehen" in über- tragenem Sinne gebraucht wird.*)

Mit der Betonung hängt auch die Trennung zusammen- gesetzter Wörter, Ciomposita und dergl. zusammen. Auch die Intei'punktion wird zn Yerwimingen benutzt Hier nur einige Beispiele: „Kennst Du die Scbaf und Gaisgagel von einander?" – „Ja, das eine sind Schaf, das andere Dreck." (Renk 79). – Znsammenrückungen wie Dikurante Bissifiel (Die Kuh rannte, bis sie fiel), die überall weit verbreitet sind, gehören mehr ins Gebiet des Kinderspiels. ~ Weit bekannt ist das Wort:

Ein armer Mann in meinem Land, Der hat zehn Finger an jeder Hand Fünfundzwanzig an Füssen und Händen, Wer kann mein Rätsel drehen und wenden?

Auch in England sagt man:

Every lady in this land

Saa twenty naüs up(m each hand,

Five and ttventy hands and feet.

All this is true without deceU. (HaU., S. 82, nr. 157.)

Alle diese Rätsel erlauben, dass man die Lösung bei scharfem Hinhören und Überdenken etwa aller möglichen Betonungsweisen findet, und das geht so weit, dass bisweilen die Lösung schon im Rätsel selbst versteckt liegt: „Lirum- lammlöffelstiel, wie kann man das mit drei Buchstaben schreiben?" – das. Ganz ähnlich schottisch:

Pease-parridge hot, Pease-porridge cold, Pease-ponridge in a caup (^= coup), Nine days old:

Spell me that in fcmr letters, T-h'a-t

(Chambers, Nr. 4),

>) Renk, 185.

2) Man vergl. etwa noch als besonders bezeichnend: W. 771, 778, auch 638, 709, 710 und Renk, 184 ff.

– 38 – Noch verwickelter ist ein englisches Rätsel (Hall. nr. 149):

Tliomas a Tattamus took twö Ts,

to Hs two iups to two fall trees,

to frighten the terrible Thomas a Tattamus;

Teil me how many Ts there are in all That (2 T.)

Ganz und gar aber beruht auf der im Rätsel selbst versteckten Lösung die grosse, in England fast noch lieber als in Norddeutschland*) gepflegte Gruppe der Namen- rätsel. Zwei Abteilungen lassen sich auch hier wieder scheiden :

1) Der Name ist ein alltäglich gebrauchtes, daher im Zusammenhange nicht auffälliges, kurzes Wort. (W. 954):

Kieljus Kroljus2) halt'n Hund,

Der gab ihm einen Namen aus seinem Mund.

Also hiess Kieljus Kroljus sein Hund? „Also".

Für „Also" steht auch gern: „Wie", in Niederdeutschland: „Wo". Auch das Wort „und" wird als Eigenname ge- braucht (W. 960):

Jemand und Demand de buugten en Huus, Jemand güng vor rut, Demand güng hinnen rut, Wer bleef dorinps)

In England hat man oft ganze Gedichte, worin der be- treffende Name (oft mehrmals) vorkommt; der Ratende wird noch besonders darauf aufmerksam gemacht und damit ge- neckt, dass er es trotzdem nicht errate. So liest man bei Halliwell (Nr. 155) nach längerer Einleitung folgende Strophe:

There's the dog, Take the dog;

^Vhaf8 the dog's name?

Tve told you already,

Pray teil me again. Der Hund heisst „Take".*)

1) In Süddeutschland scheinen diese Dinge weniger beliebt.

2) Verderbt aus „Kaiser Karolus".

^) Mehr in das Gebiet der Homonyma schlägt ein Schulwitz, der in Berlin – und wohl auch sonst – üblich ist: „Welches ist der grösste Fluss: Spree, Havel oder Panke?" – „Oder".

*) Auch schottisch, wo der Hund Bean heisst, im Wortspiel mit ban (Greg., Nr. 9).

– 39 –

An unser Rätsel auf „Wie" erinnert die schotttische Fassung bei Chambers (a. a. O. Str. 12 b.)

As I lookit owre (he castlewa^ I saw a ship sailing;. Wat tvaa the king^s name In that Mp saüing? . . .

Das Necken des Ratenden haben wir auch in einem deutschen Rätsel auf „Was« (W. 955):

Ick was mal eens in* Böhmzerland, Un Böhmzerland was mi bekannt. Dor keemen de Landsherren in de MöÖt*) De frögen mi, wur mien lütt Hündken heet. Mien lütt Hündken sien Naam was mi vergäten; Hefft dreemal secht, sass't noch nich weeten.

Die Wirkung wird hier noch dadurch verstärkt, dass „Was" oder „Wasser" ein in Mecklenburg beliebter Hundename ist Das führt uns aber schon zur andern Abtheilung:

2) Ein wirklicher Name wird, vielleicht in veränderter Aussprache, in verkürzter Form, in Zerlegung seiner Silben, homonymisch gebraucht und im Rätsel versteckt.

Wir betreten noch einmal schottischen Boden und finden (bei Chambers, 12 a) ein Spiel zwischen der schottischen Form Hugh des Namens „Hugo" und dem Worte: „How", auch in schottischer Aussprache.

Doivn V yon meadow

There sails a boat, And in that hoat^

The hing's son sat r me aye telling ye,

And ye We neuer kennittg. JSoo they ca''^) the längs son,

In yon boat saüing?

Dadurch wird auch das Spiel mit dem Namen „Und" im Englisch-Schottischen noch witziger (Greg., Nr. 123'*): An ist sowohl and als Ann, Anna:

t) Am ZoU. 2) called. «) Vgl. englisch: Halliwell, a. a. O., Nr. 123.

– 40 -

An^ it's neither Peg, Meg nor Margit, Ifs my true love^s name. An iVa neither Peg, Meg nor Margit, An^ – thrice Tve told her name.

Oder Afidrew = and drew:

As I was going o'er Westmittster bridge,

I met with a Westminstfr scholar; He pulled off his cap an drew off^ Ms glove,

And tcished me a very good morrow, Wfiat is his name?

So giebt es auch im Deutschen doppeldeutige Namen, z. B. den Hundenamen „Pfiff*; Schell, Aus dem Bergischen (V. 3, 296, Nr. 41): „Karl sass vor der Thür und Pfiff. Karl pfifl^ nicht und doch sass Karl vor der Thür und Pfifl^." ')

Wir werfen noch einen Blick auf eine letzte Gruppe, die scherzhaften Rechenaufgaben. Diese bieten, soweit sie eben nicht ernst gemeint sind, und damit unter die „Wissens- proben" fallen, nur zum Scheine sehr schwierige Exempel dar, je ungeheuerlicher, desto besser. Ganze Parallelreihen treten auf und steigern die Multiplikation. Der Witz besteht aber darin, dass an der ganzen Aufgabe überhaupt nichts zu rechnen ist, weil sie durch das Hervorheben eines Wortes, durch eine geringe Tonversetzung, in eine nichtige Scherz- frage zusammenfällt, was um so erheiternder wirkt, wenn der Ratende wirklich die schwere anstrengende Aufgabe zu lösen sich bemüht. W. 892 :

Kenn'n Mann von Liepen, De hadd fief Kiepen, In jede Kiep' fief olle Kalten, Jede oll Katt hadd fief Jung', Woväl Been güngen na Lipen?

(Twee. De Katt hetten Poten.)

1) Stark vergröbert z. B. bei Dykstra (s. o.), nr. 30, aus dem Friesischen :

Petrus sat bift vuur en Poepte. Maar Petrus poepte niet, Zoo onfatsvenlijk was Petrus niet Maar: P. sat bift vuur en Poepte.

– 41 –

Ganz ähnlich ist eine englische Fassung (Halliwell, 132):

As I was going to St. Ives,

I met a man with 8even wivea,

Eoery wife had seven aacks,

Every scLck had seven cala,

Eaery cat had seven kits:

Kits and cats^ sadcs and unves,

How many were there going to St. loes?

Natürlich geht nur einer nach St.-lves, nämlich der Erzähler. Denn die anderen, die er traf, kamen schon von dort.

Hierzu gehören auch die scheinbar so schwierigen Ver- teilungsaufgaben. Sie sind meist dadurch sehr leicht lösbar, dass mehrere zu beteilende Personen in eine zusammienfallen. Auch sie sind m England sehr beliebt und treten gern in Reimstrophen auf. W. 901 (sehr weit verbreitet):

De Köster un sien Söster,

De Preester un sien Fru, de giingen dörch de Heid un fünnen en Vageinest mit vier Eier; jeder nehm een rut, dor bleef doch noch een in.

(Des Küsters Schwester war des Pastors Frau.)

W. 902:

Zwei Väter und zwei Söhne Die schössen drei Hasen schöne. Ein Jeder trug einen ganzen In seinem Ranzen.

(Es sind Grossvater, Sohn und Enkel. i)

Das mecklenburgische Rätsel vom Küster und Pastor kehrt in eigener Fassung (mit einem vorgeflickten Teile einer älteren Rechenaufgabe?) im Schottischen wieder:

Three hau cakes, Three half cakes.

^) Schon im alten „Strassburger Bätseibuch", Nr. 311:

Zwen Vätter und zwen Sün, Pingen drey Hassen küen, Das yedem ward einer Vnnd mangelt keiner.

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Three quarters o *anither, Ätween ihe piper and his wife, And ihe fiddler and his mitJier, Divide unthout breaking the cakes.

(The piper's wife is the fiddler' s motherA)

Näher steht dem deutschen Rätsel ein schwedisches:

Presteti och prestens husfru, Klockarn och klockarns dottcr Gingo pa en bred wäg, Kommo tili fyra ägg, Togo sig hvar eitt; ett blof änd ock qtMrJ^)

Alle Personen fallen auch wohl in eine zusammen. Hall., 131:

Elizabeth, Elspeth^ Betsy and Bess^ They all went together to sedc a bird's nesty They found a bird^s nest with five eggs in, They all took one, and left four in,

Oder Chamb., 18:

A priest, and a friar, and a süly auld man, Gaed to a pear-tree^ tohere three pears hang, Uka ane took a pear, How many hang tlien?

Mit diesen rasch herausgegriflFenen Beispielen schliessen wir die Besprechung der unwirklichen Rätsel. Eine Gruppe aber nimmt eine eigentümliche Mittelstellung zwischen diesen und den wirklichen Rätseln ein: die Zweideutigkeiten. Ihre äussere wie innere Form, ihr Metrum und ihr Stil, ihre Lösbarkeit weisen sie den wirklichen Rätseln zu. Aber insofern sie bestimmt sind, den Hörer in Verlegenheit zu setzen, ihn zu verwirren, stellen sie sich doch auf die Seite der Scherzfragen. Ihre Deutung ist eine doppelte; einmal ist die Lösung ganz natürlich, dem alltäglichen Leben ent- nommen, andererseits aber können sie auch auf eine ganz andere Art gedeutet werden, und suchen durch ihre Ein-

*) So bei Gregor, a. a. O., Nr. 16.

2) Russwurm in d. Ztschr. f. d. Mythol. m, S. 364, nr. 107.

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kleidang den Hörer auf eine Lösung zu bringen, die an ganz smdere Saiten des menschlichen Herzens appelliert als jene erste. Bisweilen, aber nur sehr selten, ist die Deutung ins Hohe, Ideale, auch wohl Religiöse möglich, und wird dann durch eine recht triviale Erklärung des Fragestellers umgeworfen; ohne dass wir nötig hätten, hier weiter in das grosse Gebiet der Allegorie einzudringen. In den weitaus meisten Fällen sinkt die scheinbare Lösung tief in das Ge- meine, Niedrige, Obscöne hinab. Wir müssen hinzusetzen, dass diese gefährlichen Scherze einen grossen Teil unserer Rätselliteratur ausmachen, dass sie aber nicht bloss bei uns, sondern bei allen Völkern, nicht zum mindesten bei den Slaven, massenhaft auftreten.

Bei einer stilistischen Untersuchung fallen die Zwei- deutigkeiten unter die wirklichen Yolksrätsel und sind dort, je an ihrer Stelle, mitzubehandeln. Hier folge nur noch ein Beispiel jener seltenen Art, wo religiöse Motive heran- gezogen werden. Das alte Rätsel steht am Anfange des „Strassburger Rätselbuches" und lautet:

Es ist von oben herab kommen,

Hat viU Leydens an sich genommen,

Von Hitz, Keltd vnd Beschneyden.

Noch vill meer müsst es leyden.

Hot nit lang doheym gesogen,

In die Frembt ist es gezogen

Mit Fiech vnd Leutten so es het.

Sein Leger waren nit linde Bet.

Lust noch Freud es nie begert,

30 Pfenning was er wert.

Verkaufft, gefangen, gebunden ward

Es hart geschlagen, gezogen, gefurt manch Fart,

Ein Kreutz gemacht, daran gespert.

Niemand ward funden, der do wert.

Sein Seit verwondt vnd ander Glider,

Nirgend geschont hoch oder nider,

Daraus flössen heilsam Bronnen,

In der Finster gantz on Sonnen.

Einem yeden Menschen zu gut.

Der sich dar zu schichenn thut.

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Jeder Hörer glaubt, eine gereimte Darstellung des Lebens, Leidens und Sterbens Jesu Christi vor sich zu haben. Aber die Antwort lautet:

Ein Weinfass, Das kompt vom Baum herab, leydet Hitz so es gebrühet wird in heissem Wasser, vnd auch Kelt zu seiner Zeit. Ynd von dem Bender geschnitten. Es säugt oder facht den Wein nit lang an ein Ort, sondern wird gefürt vnd gezogen in die Fremdt von Pferden vnd Furieuten. Sein Leger ist hart, ein klein Fass gilt 30 Pfenning. Wird gefangen, so es die Reyff hat. Gebunden, geschlagen, gezogen, gefürt hin vnd her, das Krütz vff dem Legner mit Schliessen. gespert. Die Wonden ist der Punt. vnd die Zapfenlöcher, daraus fleüst der Wein. Eim yeden zu Nutz der yn braucht. In der Finster gantz on Sonnen das ist in dem Keller.

Die wirkliehen Tolksrätsel.

«

Als ich im Jahre 1897 in Berneck oberfränkische Kinder- reime sammelte, bekam ich auch folgende Verschen zu hören:

Mit dem Pfeil, dem Bogen .... Uf m Bergli bin gesässe ....

ein Beweis, dass das Volk seine eigenen Dichtungen, sein ererbtes Stamrogut von der ihm von aussen her zugeführten (in unserem Falle im Kindergarten erlernten) Poesie nicht mehr zu scheiden weiss. Das ist eine Erfahrung, die jeder Sammler auf dem Gebiete der Volkskunde machen wird, und die ihn zur Vorsicht mahnen soll. Gewiss ist es wertvoll, zu wissen, was überhaupt im Volke umläuft, aber es ist nicht angebracht, in kritischen Sammlungen die Erzeugnisse der Kunstdichtung immer wieder von Anfang bis zu Ende abzudrucken. Die Präge nach dem Verhältnis von Volks- und Kunstlied ist aber noch offen. Und der Weg, sie zu lösen, besteht wohl kaum darin, nach einem „Dichter" zu forschen, auf dessen „Kunstlied" ein sogenanntes Volkslied zurückgehe. Auch kann der Kunstdichter seinerseits aus der Volkspoesie geschöpft haben, und die Entscheidung ist oft schwierig. Wie viel mehr in älterer Zeit! Den besten^ sichersten Erfolg verspricht die gründliche stilistische Er- forschung unseres Schatzes volkstümlicher Poesie und die Vergleichung mit dem Reichtum anderer Völker.

Für das Rätsel liegt die Sache nicht ganz so schlimm, wie fftr das Volkslied. So viel Rätsel auch von aussen her zu uns gekommen sein mögen – diese Einwanderung geschah zu einer Zeit, da der schaffende poetische Geist unseres Volkes noch lebendig, wach und mächtig war, dann hat sich

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das Volk auch ganz und gar der Fremdlinge bemächtigt, sie nach seiner Art völlig umgemodelt und ihnen den eigenen Stempel in Stil und Metrum aufgedrückt. Natürlich ist schon in der Wahl des Stolfes, in der Aufnahme des an- dringenden Gutes der Volksgcist thätig gewesen. Aber hier muss sich der Forscher bescheiden. Wir wissen nicht und werden nie wissen, wie viel das Volk kennen gelernt hat und was es verworfen hat. Selbst wenn ein Rätsel in den alten lateinischen Sammlungen sehr häufig ist und in allen Sammlungen unserer Tage fehlt, so ist daraus noch kein Schluss zu ziehen. Es könnte ja beispielsweise ein ausgeprägt katholisches Stück sein, das natürlich bei Wossidlo nicht zu finden sein wird, und das vielleicht im katholischen Volke Süddeutschlands gang und gäbe ist, aber bei der unverhältnis- raässig schlechten Pflege^ die dem oberdeutschen Rätsel bisher zu Teil geworden ist, der Aufzeichnung entbehrt. Und selbst wenn wir endlich einmal die ersehnte bayerische Rätsel- sammlung haben und auch hier diese und jene Nummer nicht finden, ist es doch möglich, dass sie; noch bis vor wenig Jahrzehnten lebendig gewesen und erst in der letzten Generation ausgestorben ist.

Woher nun aber das Volk auch seine Rätsel haben möge, ob aus eigenem Schafften oder aus der Fremde; alles, was das Volk, ihm angemessen aufgenommen hat, allesi was es nach seiner Eigenart umgewandelt, eingedeutscht hat, ist sein unbestreitbares litterarisches Eigentum.

Bestreitet man doch eines Dichters Eigentumsrecht nicht, wenn er einen Stofif nimmt, woher er will, und ihn nach seiner Art behandelt. Ja, man ist ja längst darüber einig, dass es eine völlig neuschöpferische Genialität in der Poesie nicht mehr giebt, dass es immer wieder die alten Stofie und Motive sind, und nur m der Behandlung die grosse künst- lerische Pei-sönlichkeit sich offenbart ~ genau wie in der V^olkspoesie, wo die alten Keime je nach dem Erdreich, das sie finden, reichere oder spärlichere Frucht tragen. Darum dürfen wir uns der Quellenfrage, die für andere Untersuchungen sehr wichtig ist, wohl entschlagen. ,'■'■■

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Um so wichtiger aber ist es, den Stil festzastellen and festzuhalten, am dem Volksrätsel sein Recht gegen das moderne Kunsträtsel za sichern. Niemand wird sich der vollen Wftrdigang der Schillerischen oder Schleiermacherischen Rätseldichtnog verschliessen. Und auch ihr, oft recht un- ähnliches, modernes Gefolge mag im Salon, in Journalen u. dgl. seine Stätte haben. In wissenschaftliche Sammlungen aber sollten keine Machwerke eindringen, wie dieses *):

Eins, zwei, drei, ihr JagdgeseUen! Macht euch fertig schnell zum Schuss! Lasst die Hunde wacker bellen u. s. w.

Solche Verse sind nicht populär und werden es hoffentlich nie werden. Die stilistische Beschreibung des Volksrätsels wird die Spreu vom Weizen sondern helfen. Um den grossen Unterschied zwischen Kunst- und Volkspoesie von vora- berein recht deutlich auszuprägen, stelle ich die schöne Schillerische Dichtung „Das Schiff" mit einer deutschen und einer schottischen Fassung desselben Gegenstandes aus dem Volksmunde zusammen. Der grundverschiedene Stil ist ohne weiteres klar. Schiller:

Ein Vogel ist es, und an Schnelle Buhlt es mit eines Adlers Flug; Ein Fisch ist's und zerteilt die Welle, Die noch kein grössres Untier trug; Ein Elefant isfs, welcher Türme Auf seinem schweren Nacken trägt; Der Spinnen kriechendem Gewiirme Gleicht es, wenn es die Füsse regt. Und hat es fest sich eingebissen Mit seinem spitz'gen Eisenzahn, So steht*s gleichwie auf festen Füssen Und trotzt dem wütenden Orkan.

Mecklenburgisch (Wossidlo 101):

Dor flücht'n Vagel stark wol na dat groot Mark.

1.) Scheu in d. Ztj^chr; d. Ver. f. Volksk., 3, 294, Nr. 8.

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Wat dreht he in sinen Kropp ?

Dree Draht Dropp, '

Wat drecht he in sien rechten Been?

Schier un Sliepsteen. Wat drecht he in sien linken Been?

Hamer nn Tang.

Schottisch (Chambers, Nr. 16):

Ä8 1 gaed to Falkland to a feastf T nift witk^ (w II g y e st. I ■ n ta'Us. a hunder nails^ And no a fit (foot) but ane.

Wenn wir nun zum Volksrätsel selbst übergehen, so wird der Blick fast geblendet durch Qine unerschöpfliche Fülle der Formen. Äussere und innere Form, Metrum und Stil wechseln bunt ab, ein und dasselbe Rätsel verbindet von Alters her oder durch spätere Vermengung höchst ungleich- artige Bestandteile, und der erste Herausgeber, dor sich ernste Mühe um eine vernünftige Anordnung gegeben hat, Richard Wossidlo, gesteht selbst seine Verlegenheit ein, die er oft bei der Unterbringung dieser oder jener Nummern verspürt habe. Auch uns werden sich für die Einordnung oft Schwierigkeiten ergeben. Immerhin finden wir, dass man doch, vom Einfachen zum Verwickelteren aufsteigend, ge- wisse Gruppen unterscheiden kann. In den meisten Fällen haben wir einen einzelnen Gegenstand, der uns (auf welche Weise, wii-d sich weiterhin eingeben) geschildert wird. Mehr Leben gewahren wir schon, wenn die einzelnen Teile des Objekts (natürlich nicht alle, wie im Kunsträtsel, sondern nur jene, die dem Volke am meisten auffallen) für sich oder neben dem Ganzen dargestellt werden. Das führt uns weiterhin zu solchen Rätseln, die sich mit mehreren, ein Ganzes ausmachenden Einzelgegenständen beschäftigen . und endlich sind die Fälle nicht selten, wo melirere Dinge, frei für sich, neben oder gegen einander auftreten.

Diese Beschreibungen, die durchaus nicht ganze Sätze zu sein brauchen, sondern oft nur in einer bildlichen oder schildernden oder tonmalenden Benennung, auch wohl in

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der Verbiadang einer solchea mit eiaem ausfahrenden Satze bestehen können, bilden den eigentlichen Kern, die Haupt- sache des ganzen Rätsels. Ohne sie ist es nicht möglich, oder – „unwirklich*^. Zu diesem schildernden Kerne aber treten oft noch ganz andere Bestandteile hinzu. Wenn wir jene beschreibenden und benennenden Stücke vielleicht als „Kemelement" bezeichnen können, so wollen wir dem gegen- über ein „Rahmenelement" hinzufügen. Darunter verstehen wir Sätze und Formeln, die am Anfang und Ende der Rätsel stehen, um unser Interesse für sie zu erregen, unsere Spannung zu erhöhen, die dem Ratenden die Schwierigkeit deutlich vor Augen führen, und in der sicheren Erwartung, dass er die Lösung doch nicht finden werde, gewagte Ver- sprechungen von hohen Belohnungen nicht scheuen, die bis- weilen noch an die gute alte Zeit der ernsthaften Rätsel- wettkämpfe erinnern. Wenn wir noch erwägen, dass nicht selten im Rätsel ein scheinbarer Gegensatz ausgedrückt wird, d. b. eine Eigenschaft in die Beschreibung eintritt, die mit einer andern im Widerpruche steht, und dies für die Spannung sehr wertvolle Element vielleicht als das „hemmende" be- zeichnen wollen, so würde ein „Normalrätsel" der oben be- zeichneten ersten Gruppe etwa folgende Anordnung zeigen: 1) einführendes Rahmenelement; 2) benennendes Kern- element; 3) beschreibendes Kenielement; 4) hemmendes Element; 5) abschliessendes Rahmenelement.

Solche Normalrätsel sind aber sehr selten. Ich könnte allenfalls einen Fall hier als Beispiel anführen (W. 40 e):

1) In meines Vaters Garten

2) Seh ich sieben Kameraden,

3) Kein ein^), kein Bein,

4) Kann niemand erreichen.

*) Eigentlich Eichen. Im Binnenreime darauf int daN folifende Bein ans Buchen entstanden. UrnpriUii^lutU wohl:

Kein Buchen, kein Eichen, kann ni<*mand «rr**l<'hi*n.

Die Unerreichbarkeit ^hemmt**, weiJ «ie H<'h<^inhttr d«ir «rulwn Zeile widerspricht

P^laestn. r^. i

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5) Wer dieses kann raten,

dem will ich geben einen Dukaten,

Wer dieses kann denken,

dem will ich einen Louisdor schenken.

Meist fehlt das eine oder andere Rahmenelement, oder alle beide, noch öfter das hemmende Stück. Da dies aber im allgemeinen mit denselben Mitteln arbeitet, wie die Kern- elemente, so bedarf es keiner gesonderten Betrachtung. Wohl aber müssen wir, um nachher desto freiere Hand zu haben, einiges vorausschicken über die Rahmenelemente. Im allgemeinen ist zu sagen, dass der Engländer') und der Norddeutsche die ümschliessung des Rätsels weit mehr zu lieben sch einen, als der Oberdeutsche und der Romane. Da ich zum Beispiel in den beiden Sammlungen von Rolland (man hat nämlich ausser den Devinettes ou enigmes populaires de la France 1877 noch den wichtigen Band „Rimes et jeux de Tenfance" heranzuziehen, der als 14. Band der grossen Sammlung Les littöratures populaires de toutes les nations, Paris, Maisonneuve et Cie. erschien und auf S. 193-217 auch 88 Rätsel enthält) keine einzige Schlussformel antraf, so sah ich mich in den dialectischen Sammlungen um, fand aber selbst in der sehr reichhaltigen Zusammenstellung für Armagnac bei Blade nur ein einziges sicheres Beispiel, wo der Reim den alten Schluss erhalten hat, Nr. 15 („Der Hahn"):

Baraguin, Baragan, Dehinaratz pas d'engo an!

( VoH8 ne le devinerez pas de cette annee).

Im Italienischen kommen die Formeln eher vor, aber auch nicht eben häufig. Als Beispiel für eine allerdings im Ver- gleiche zum Deutschen ziemlich zahme Belohnung sei hier angeführt (Pinie):

Älfo alto padre Bassa bassa madre

1) Für Skandinavien liegt mir nicht genug Material vor, desgl. für Spanien und die slavischen Länder.

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Fijolini neri, Nipotini bianchi, Chi ce 'ndovina 'n paro di guanti,

(Aus: A* Gianandrea, indovinelli marchigiani bei Pitre im Areh. d. trad. popol. 1).

Wir besprechen 1. die einführenden Rahmenelemente und betonen, um Verwirrungen vorzubeugen, gleich im Anfang, dass die Einführung für sich besteht und nichts mit der etwaigen bildlichen Einkleidung des Rätsels zu thun hat, sich also völlig loslösen lassen muss, ohne den „Kern" irgend zu berühren. Man vergleiche etwa ein schweizerisches Rätsel über die vier Elemente*):

Es seit de gross Alexander, Es lauüd Vieri mit enander; S'erst lauft und wird nit matt . . .

mit der mecklenburgischen Fassung^):

Es sind vier Brüder in der Welt, Die haben sich, zusammengestellt, Der eine läuft und wird nicht matt . . .

Jenes fügt zu der Einkleidung noch eine Einführung, zu der es durch den Reim kam.

Seltener ist der Fall, dass eine Einführung sich durch ein mehrteiliges Rätsel, in gewissen Veränderungen, hinzieht, wie in dem schönen, mannigfach variirten französischen Rätsel von den Himmelsköi^pern :

Ma sceur a une pomme Qu' eile ne peut couper; Ma mhre a un foulard Qu'elle ne peut ployer; Mon pdre a des ecus Qu'il ne peut compter.

Die dreimalige Einführung, durch ihren Parallelismus charakteristisch, hat mit dem Kerne des Rätsels nichts zu

1) Rochholtz, Ztschr. f. deutsche Myth. I, S. 14:7, nr. 51.

2) W. 154 b.

4*

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tbun, sie könnte wegbleiben und durch ein prosaisches „il y a" ersetzt werden. Aber die Nennung von Schwester, Mutter und Vater, die der Fragesteller wie seine eigenen nennt, bringt uns die Gegenstände der Frage so nahe, wie er selbst uns steht. Dagegen handelt es sich nicht um eine Einführung, sondern um eine Einkleidung, um ein Bild, im englischen Sternenrätsel ') :

I have a Utile sister, They call her peep, peep; She wades the walers

deep, deep, deep, She chmbs the mounfains

high, high, high, Poor Utile creaiure she hos hui one eye.

Was nun die verschiedenen Formen der Einführung be- trifft, so ist zunächst die einfache Aufforderung zum Raten zu nennen. Dies Rahmenelement kann sowohl am Anfange, als am Schlüsse des Rätsels stehen und ist in der ersteren Stellung in Deutschland sehr w^enig beliebt. Es sei hier die tirolische Formel angeführt (Renk 155): ,Jch gieb was zu raten," die sich im Reime auf „thaten" erhalten hat. Mehr Belege bietet das Englische: Riddle-me, riddle-me, what is that? (Hall. pop. rh. S. 142). Oder, allisterierend fort- gesponnen: Riddle-yne, riddie-me^ rot-tot-tof. (Chambers, Nr. 11 \ auch substantivisch: A riddle, a ridde, as 1 suppose. (Hall. nurs. rb. 128) odei', noch origineller: y.See! see!^ – y^tühat aJudl I seef''

Italienisch steht eine solche Formel gelegentlich reimend, doch selten: 'Ndovina 'ndovinaja (: paja); bei Gian- anandrea, a. a. 0.

Aus dem Französischen könnte ich nichts anführen. Es behilft sich meist mit Wendungen wie: Qui est – ce qui... Qu est – ce que . . . Quelle chose est – ce qui . . .; italienisch etwa: Qual e quella cosa . . . Cos e u. dgl.

1) HaUiweU, S. 81, Nr. 151.

J

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Wenn man keine direkte Aufforderung zum Raten aus- sprechen, sondern nur das Interesse erwecken will, so genügt es hierzu schon, wenn ein Ortsname genannt wird. Es ist aber auch hier Vorsicht geboten. Oft gehört der Name zur Einkleidung. Wenn es im Rätsel vom Ei z. B. heisst:

Zu Weissenbiirg im Dome Steht eine gelbe Blume,

SO gehört Weissenburg als benennende Bezeichnung der Eier- schale („Dom" von der Gestalt) mit zum Kerne des Rätsels selbst. Die Namen in der Einführung geben entweder eine Stadt an, einen Ort, der dem betr. Stamme ganz besonders vertraut ist und deshalb bisweilen an die Stelle jener alten bedeutsamen Namen des Rätselkernes tritt (so in Schlesien Breslau: „In Brass'l aim Tumme etc.") oder es wird ein Name durch den Reim bedingt, und vielleicht ein zweiter durch Alliteration oder Assonanz gefunden. Vergl. etwa aus dem Ostfriesischen (Windmühle);

Tuschen Loge un Leer, • Dar steit'n wunderlich Deer*).

Wie Übrigens Rahmen- und Kemelemente neben ein- ander treten, ja einander verdrängen können, lehrt das Rätsel vom Ei (W. 32):

Zwischen Berlin und Kopenhageii Liegt 'ne goldne Uhr begraben.

„Kopen"hagen für die „Kuppe" des Eis ist sehr wohl zu verstehen; aber Berlin kann für den Mecklenburger höchstens die Bedeutung haben, wie Breslau für den Schlesier, gehört also zu den Rahmenelementen. Wie die Bezeichnung hinein- gekommen ist, lehrt eine Variante: „In Kopenhagen liegt eine goldene Uhr begi'aben," d. h. innerhalb der Schale das g'oldgelbe Ei (Dotter). Da man aber von vielen Rätseln her

Das Werk von Hermann Meier: 200 plattdeutsche Rätsel äus dem Volksmunde der Ostfriesen war mir nicht zugänglich. Ich benutzte den Rätselahschnitt seines Werkes: „Ostfriesland". 'S. dbrt Kr. 17.

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(vgl. jenes friesische von der Windmühle) der Zusammen- stellung zweier Ortsnamen mit „Zwischen" gewohnt war, so griff man später, wo vielleicht „Kopenhagen* in seiner alten Bedeutung nicht mehr klar war, sondern die nordische Hauptstadt*) bedeutete, äu einer zweiten Hauptstadt, und so kam Berlin, nach einer Variante auch Stettin, in das Rätsel hinein.^)

Wenn kein Ortsname angegeben ist, . so sind doch in Niederdeutschland andere Ortsbezeichnungen sehr beliebt, und vielleicht noch mehr als jene geeignet, die Aufmerksam- keit zu erregen. Der Fragende stellt den Gegenstand als etwas in seiner nächsten Nähe, in oder bei seinem Hause befindliches dar.

In Braunschweig herrscht die Einleitung vor: „Hinner usen Huse."^) Da steht der Bienenkorb, ragen die Bohnen, wächst der Kohl. Auch in Mecklenburg ist die Formel „achter unser Hus" sehr beliebt;*) Die Häufigkeit geht wohl auf die Bequemlichkeit zurück, womit das Wort auf gewisse dunkle, allgememe und als Benennung für alle mög- lichen Dinge gebrauchten Worte reimt, z. * B. Perlepuse (etwa: Eiszapfen) oder Kunkelfuse*"^) (etwa: Bienenkorb). Ein gebräuchliches Reimwort ist auch „krus" (kraus oder Krause), und wenn dieses nicht überall so bequem einzusetzen ist, wie etwa beim Kohl:

Hinner usen Huse

Steit ne Krickelkruse, (Andree, S. 354.)

1) Durch eine ganz allgemeine Bezeichnung ersetzt in Oster- reich (Vernaleken-Branky, Spiele und Reime, Nr. 38): In dem Berge Sinai Liegt ein gelbes Blümelein. Der Berg Sinai ist dem eigentlichen Kinderliede wohl bekannt.

2) Natürlich kann ich hier nicht alle die interessanten Varianten durchsprechen, wie sie W. S. 26 zusammenstellt.

3) Da Wossidlo hierauf noch nicht verweisen konnte, bemerke ich, dass man jetzt auch 68 braunschweigische Rätsel in R. Andrees trefflichem Werke über die Volkskunde dieses Landes finden kann. (S. 354–359.)

4) Vgl. etwa W. 45, 47, 48, 53,- 55, 56, 57, 198 ff.

ß) Obscön W. 1000, nr. 1. Vgl. ten Doornkaat-Krolmann, Ost- friesisches Wörterbuch IT, S. 406–407.

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so bildet man wieder eine solche allgemein gilüge Benennung, den Eigennamen „Peter Kruse^, also etwa vom Maulwurf:

Achter unser Hus'

Haakt Peter Krus\ (W. 53 a.i)

Spezieller wird auch die Art des Hauses angegeben (W. 50): ,, Achter minen Vater sinen Katen". Oder ein Teil des Hauses (W. 46): j(,Hinner uns' Kammer" (im Reime auf: Hammer).

Soll dagegen diese Ortsbezeichnung keine Vollzeile, sondern nur eine Halbzeile bilden, so setzt der Mecklen- burger, dessen schwere, langsame Aussprache „Hinter üsem Huse* sieh nicht in die schnellere „Hinner üsen Hus da - - - " verwandeln kann, lieber: „In unsem Hof dor is ..."*) u. dgL

In Mecklenburg wird auch gern der „Garten" herein gezogen, der sehr bequem assoniert, z. B. „In meines Vaters Garten** W. 40 (: Kameraden), woraus W. 42 ^Leoparden" werden. Doch wird auch, besonders in hochdeutschen Texten, diese Ortsbestimmung reimlos erhalten W. 38: „In meines Vaters Garten stebt ein Baum,, hier ein Baum und da ein Baum* (folgt ein rhytmisches Kettenrätsel von der Bohne). Auch ^^Hinter unseres Herren Garten" (: Kameraden) tritt auf (W. 41).

Ich fuge hiierzu aus dem Englischen: At the end of my yard there ü a val (Hall. pop. rL S. 146) und im Reime aus dem Schottischen: Tkere Stands^ a (man) tree at our fiouse end, (Chamb. Xr. 2). Den engen Raum des eigenen Hauses verlässt das Rätsel schon, wenn es heisst: „Twischen uns' Hüus und Xawers Huus" (W. 53b) oder „Achter Schulten Schüün" dm Reime auf „Peter Prüün", eine gleiche Bildung wie „Peter Kruse").

^) Keiiulos ist dif* Einnibrini«!- in Ostju-f-u^^s^Mi prhalieiL Tgl. etwa (iii den Bänd^ai d^T ])ivu<s. Provinziaiid.. d»'i«'n Käi>*d P'iiscb- bier ni^^isi in sf'inf* Sanindimir»^n mit aufir*'ijonjni»*n haii: ..Minder onsem Huus* si>-il e ]^(Knn" (r.fi*'j -^i. Jn Srlii^-swi^r: ..In unn Huk da "^teit en ^lann" tJ »ieruii^sen. I't de Mu--kist. Ki»'l 1H<>2. S. Td).

2| ?:iva W. 'M. H<«.

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Das berühmte Rätsel vom Menschen wird gern durch eine kurze Ortsbestimmung eingeleitet. Meier (Ostfriesl. Nr. 23): „Up de Diek, dahr stahn twee Palen"; in Mecklen- burg mit Binnenreim: „üppe Däl stahn twee Pol", u. ä. (W. 164).

Neben diese Ortsbezeichnungen tritt nun aber noch eine andere, minder deutliche Art der Einführung, die Klangzeile. Wir hatten schon den schottischen Vers: Riddle-me, inddle-me, rot-tot-tot, wo die Aufforderung zum Raten alliterierend und dann assonierend fortgesponnen war. Das gleiche Mittel, durch Klangwirkung die Aufmerksamkeit zu erregen, ist im Niederdeutschen behebt; während aber jene schottische Zeile in ihrem Kerne doch einen Sinn ent- hielt, haben wir hier blosse Klangwörter, die vielleicht für sich und an anderer Stelle eine gewisse Bedeutung haben mögen, hier aber nicht. Ihre Bildung ist folgende:

A. Auf den Schluss der ersten Zeile des ,,Kernes" wird ein Reim gebildet: a. Am einfachsten W. 71 (Spinnrad): Wuppdi! Ick will hüt Abend up Di! – b. Oder mit Wiederholung: Ole, Ole, He^set bi mi up'n Stole (W. 62).

B. Vor das Reim wort tritt ein anderes oder mehrere, die mit ihm in Klangverbindung stehen, a. Allitterierend : ein Ansatz schon W. 68: Peterzillenzipp, Ik heff 'n Ding, dat wippt. Ausgeführter: Rüe, rüe, rip. Wo gäl is de Pip (allgemein bekannt). Oder: Rim, ram und runt, Rund herum sin 'k bunt. *) – b. assonierend. Dies kann ich niederdeutsch weniger nachweisen; doch z. B. aus Schlesien: Ruut, ruut, guut, Pläsch an kä Bluut.^)

Noch einen Schritt höher steigen wir hinauf, wenn der Frager uns Ort und Stelle angiebt, wo er den fraglichen Gegenstand erblickt, den Vorgang mit angesehen hat. Gegen- über den oben geschilderten Ortsbestimmungen sind diese rein subjektiv gehaltene subjektive Situationsangaben, a. Auch hier haben wir bisweilen wirkliche Ortsnamen, die

1) Wonste, Yolksüberl. a. d. Grafsch. Mark, Nr. 31.

2) Peter, a. a. O., Nr. 337.

aber mh dem K-rnn» Jfei> E-kijeL> weci^ i:x linia lub«u ^ K im Schottisekn C!Laaib. l-x 16 :

Aä I p^ei :» F'li:\r-ii *j i V'^r* ....

und eogtiscfa iHall. nirs. r!L l±o»:

u. a.-» Dagegen scheint die Formel iHalL pop. rh. S* lo^^

dodi mehr der Ass«jaanz wegen za stehen: ein fingierter Ortsname. – b. Eline allgemeinere Bezeichnung haben wir etwa noch bei Gregor Xr. IS:

Aä 1 9Cfnt to thf sox^f ß/*w?r

c. Meist aber hält sich das Rätsel auch hier ans Haus und seine Umgebung. Eine sehr beliebte Situation im Englisoli- Schottischen ist diese (Chamb. 14):

As I lockit Oicre my iriiirfoir A ten o'dodk at nigkL

und HalL p. rh. S. 145:

As I look *d out o' my Chamber ic'mdotc.

Auch die Vorstellung der Burg taucht auf (Greg, 32):

As I leukit our ma father^s castle tca\

Einfacher lautet es deutsch etwa bei W. 61:

Ik giing in de Kamer.

Der Garten tritt auf (Hall. nurs. rh. 130):

As I tcent trouqh the garden gap.

Das Dorf mit Strasse und Steg wird öfters herangezogen,

1) AuffaUend ähnlich das Rätsel hei (Ji-epor, Nr. 80:

As I geed to ma father^s fehst,

2) London-bridge: Hall., pop. rh., S. 145.

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sonderlich im Deutschen. W. 60: Ich ging die Strasse wohl auf und ab, begegnet miß .... Oder holsteinisch (Di er- missen Nr. 3): Ik steeg mal över't Steeg. Auch ein Rätsel, das dem Kaiser im Schildbürgerbuche*) vorgelegt wird, beginnt: „Ich ging durch ein Gässlein." In die Um- gebung des Dorfes führen W. 59: Ik güng mal eens öwer höwen; oder der beliebte Eingang des hübschen Rätsels von der Eichel und ihren Teilen:

Ich ging einmal durchs Schilf, Da mir Gott hilf2),

WO die zweite Zeile, wohl des Reimes wegen aus irgend einer anderen, verlorenen Formel angeflickt ist.

d.^) Endlich haben wir noch Ansätze zum Zwiegespräch, die sich in verschiedener Weise zeigen. Am einfachsten W. 8: Nawersch, ick möt Di wat klagen . . . Doppelrede W. 6: „Goden Dach, Nawersch." „Schönen Dank, Nawersch." – Mit Eigennamen; im Reime (W. 7): „Goden Dach, Moder Zill, Doh mi (leih' mir) juge Rill (Harke); oder reimfrei (W. 171): „Mudder Wittsch, Mudder Wittsch, wat's dat vör'n Ding."

Dies wären die wichtigsten Formen der Einführung.

2) Die abschliessenden Rahmenelemente, bei den romanischen Völkern unbeliebt, erfreuen sich, wie es scheint, bei allen Stämmen germanischer Zunge grosser Verbreitung, auch da, wo die Einführungsformeln gar nicht oder seltener gebräuchlich sind. (Auch in den Niederlanden und in Süd- deutschland).

Der Inhalt der Schlussformeln ist verschieden. Sie ent- halten: A. die Aufforderung zum Raten; B. einen Hinweis auf die Schwierigkeit; 0. eine Versprechung.

A. Aufforderungen zum Raten fanden wir in be- schränktem Masse schon oben bei den Einführungen. Am

1) Ich benutze die Ausgabe von 1800. Berlin Yt 7571.

2) Z. B. W. 58 und Preuss. Prov.-Bl. (Bd. 8): Oeck ging eemal dorch't Schölp Damött mi Gott help.

3) Nur mecklenburgisch festzustellen.

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Schlüsse aber treten sie in viel grössorcu Massen auf und zeigen eine reichere Entwickelung der Formen. Wir unter- scheiden :

a. Reine Fragen, in Deutschland hie und da, bei ober- und mitteldeutschen Stämmen noch mehr, als bei nieder- deutschen. Einfach angeklebt ist die Frage bei guten, alten Volksrätseln wohl nie. Sie ist durch den Reim angebunden. Wir steigen vom einfachsten aufwärts. „Was ist das?" (: Fass). Ostpreussisch.^) „Wat Ding is dat?" (: Gat). Vlämisch.2) „Was mag das sein?" (: Stein). Schlesisch.') „Was mag 's echt sij?" (: drij.). Schweizerisch.*) „Wat mönst, mien Kind, wat es dat woU?" (: kroll). West- preussisch.^) „Kannst Du dat wol raden?" ®) (r schaben). Mecklenburgisch. „Wat es dat for en Wunger?" (: darunger). Westpreussisch. ')

Die tirolischen RätseP) rekapitulieren eine Benennung aus dem Kern des Rätsels. Drei Beispiele mögen es zeigen: Renk 35, Die Orgel. „Wenn der Vater (Organist) kommt, schlägt er drein; . . . „Was wird das für ein böser Vater sein?" – Renk HO, Die Kirsche. „Es steht ein Vogel auf ein Fuss ..." „Rat, was für ein Vögele®) das wird sein?"*®) – Renk 164, Die Buchstaben. „Es sind 24 Herren . . ." „Was wer'n das für Herren sein?"

1) Neue Pr. Prov. BU. I, Nr. 11.

2) „Volkskunde", Bd. I, S. 18 ff., Nr. 36.

3) Peter, a. a. O., 346.

4 Rochholtz, Z. d. My., I, Nr. 18.

5) Violet, Neringia od. Gesch. d. Danziger Nehrung*, Danzig 1864, enthält S. 198 – 200 auch 15 westpreussische Rätsel, die Woss. leider nicht kannte. Unser Stück: Nr. 7.

6) W. 213.

7) Violet, a. a. O., Nr. 8.

8) Vielleicht auch anderswo, ich kann es aher nur für Tirol beweisen.

9) Anders „Vogel" im Ostpreussischen : „De Piepopp on de anaaropp ginge oppe Barg ropp: 8 Föt)t on eene Tagel, Roth wat öss datt vor ee Vagel?" (Maus und Frosch.) Prov. Bll., a. a. O., Nr. 17.

10) Gehört freilich eigentlich unter die Grui)pe: Imperativ Frage, sei aher aus naheliegenden Gründen hierher gestellt.

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b. Imperativ mit Frage. Gern verbinden sich eine oder mehrere Imperativformen mit einem direkten oder indirekten Fragesatz. Wir geben auch hier möglichst far jeden vor- kommenden Fall ein Beispiel und befolgen dabei eine gewisse Ordnung, fahren auch die Reime mit an (oder die Assonanzen): „Sech, bat is dat?" (: platt). Westfälisch.») „Wat dat is, dat sech mi gan" (: dortan). Mecklenboi^fisch.*). „Etz root, was das iis" (: Wies). Schlesisch.') „Röthel, was isch das?" (: Glaas). Schweizerisch.*) „Ead mal eens, wat is dat?" (: Japp). Mecklenburgisch.*) „Rath mal,") watt ös datt?" (: wart). Preussisch. ®) „Rae mal tau, wat is dat?" (:Rad). Braunschweigisch. ^) .,Ra, ra, wat is dat?" (: satt). Ost- friesisch.*; „Rat', wie das heisst?" (: Steiss). Deutsch.*) „Zag, wat me' raadtelken bediet?" (: niet). Vlämisch. '®) „Rat, was ist da drin?" (: Kind). Tirolisch.*') Eine Wiederaufiiahme nach Art der oben besprochenen Tirolischen Rätsel kommt auch in Holland vor: „Raad, wat zijn die scherven dan'^) (: kann), nachdem vorher das Siebengestirn als „zeven Scherven" gedeutet ist. Endlich ein schottisches Beispiel mit Wiederaufnahme wenigstens eines allgemeinen Wortes (Jonas):

The ^was a man of Adams race .... . . . Teü me where this man did dwelL (: hell),

(Chamb. Nr. 3). Vgl. auch Greg. Nr. 11.

Nicht selten aber wird auch c. der reine Imperativ ge- setzt, ohne eigentliche Frage, bald energischer, bald höf- licher, bald endlich mit einem Hinweis auf die Schwierigkeit der Lösung. Selten dürften solche Reihen sein, wie diese (W.217b, auch Frischbier, Ztschr. f. d. Phil. IX, S. 68, Nr. 15):

i) Wonste, a. a. O. Nr, 31. 2) w. 211. 3) Peter, a. a. O. Nr. 383. 4) Rochholtz, a. a. O. Nr. 139. &) W. 119. 6) Prov. Bl. a. a. O. Nr. 48. ^) Andree, a. a. O. z. B. Nr. 5. ») Meier, a. a. O. Nr. 17. ») ScMld- bürgerbuch. W) Volkskunde I Nr. 26b. *») Renk Nr. 133.

12) Mit einer Namennennung: Schill 48: „Fladderjahn, rat mal, wat es datt?"

13) Yolksk. I Nr. IB.

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Grün wie Gras, sag* mir das, Weiss wie Schnee, sage mir weh,i) Rot wie Blut, sage mir gut, Schwarz wie Teer, sage mir dies Rätselein her.2)

Energisch klingt das englische: ') And now, Sir^for ymr answer (: Cancer). Schwächer schon schweizerisch:*) „Rot mer 's g'schwind" (: chindl Doch auch im Englischen-^) milder: Read my nddle, I jyray (: day). Und noch freund- licher in der Schweiz:®) „Sind so guet und rothet das" (: Glas). Weit verbreitet') ist der Schluss: „Rat, mein lieber Michel^' (: Sichel) im Hahnenrätsel, der nur durch den Reim hervorgerufen und erhalten wurde. Doppelter Imperativ steht schottisch®): Come teil this honny riddleum to me (: dee ^ diej^ Eine Frist wird, vielleicht als üeberrest einer alten „Halslösung", einmal gestellt:*) „Raat min Herrn hüt Abend Klock söss" (: Prinzess).

Dagegen bilden die drei folgenden Rätsel schon den Uebergang zu jenen Schlüssen, die dem Ratenden die Schwierigkeit der Aufgabe vorhalten. „Rate maJ, wer 's raten kann" (: an). Mecklenburgisch.*®) Teil me this riddle^ if you can (: man). Englisch.*') „Raad mar op, ge zult verliezen" (: biezen). Vlämisch.'^j

Damit haben wir die Hauptformen der „Aufforderung" an der Hand von Beispielen erledigt und betonen nochmals, dass kein Rätsel im Volksmunde den Schluss einfach an- flickt, sondern dass dieser immer durch Reim oder Assonanz fest mit dem Kerne verbunden ist.

B. Der Hinweis auf die Schwierigkeit soll wohl

*) Soll wohl heissen: meh.

2) Hier wird dann noch eine Verrsprechung angefügt.

8) HaU. nnrs. rh. 144. ^) Roehholtz, a. a. O. Nr. 15. 6) W. 179. 6) Hall. pop. rh. S. 143. 7) Etwa Roehholtz Nr. 15, Peter Nr. 320. 8) Chamh. 8. 9) W. 144. Vgl. dort noch Nr. 175h: „Nun ratet, Ihr Alten und Jungen (: lung') "

^) W. 178.

") Hall. nurs. rh. 142.

^) Volksk. Bd. I Nr. 24.

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geradezu das Rätsel als aussergewöhnlich anpreisen und des kundigen Fragestellers Ueberlegenheit darthun.

a) Auch hier sind Steigerungen zu beachten. Bisweilen wird der Gegenstand nur als etwas Rares dargestellt. So im Mecklenburgischen:*) „So wat heff 'k in minen laben noch nich sehn" (: Been); oder englisch -schottisch, z. B. Chamb. 21: Sic a man was never seen (: bane)» Oder es wird erklärt, dass nur ein Kluger die Lösung finden werde:'') He 18 a wise man, who can teil me that (: hat); I count him wise that, can this teil (ifell), oder spezieller: 7,7/ take a good scholar, to riddle me that (: hlack). Diese Art ist im Deutschen noch seltener als im Englischen.

b) Bei der Vorliebe des Volkes zum Superlativischen wird meist die Lösung von vorn herein als unmöglich dar- gestellt; man beachte die Steigerung * in unseren Beispielen: Ye winna {will not) guess that (: brak) schottisch;^) Read my riddle ye cant, Rowever muck ye try (: by) englisch;*) „Gij kunt het niet raden, at waart gij met sessen" (: esschen) vlämisch;'^) „Du sass 't nich raden, un warst du ok duU" (: kruU) mecklenburgisch;®); Ye 'II guess that though ye were hanged in a tether (: leather) schottisch;') Though ye sud clatter d day, ye 'd never clatter that (: cat) desgl.;') Though ye guessed a day, Ye 'd no guess that {:'cai) desgl.;') „Gij kunt het niet raden, maar in honderd jaar" (: paar) vlämisch.®)

Umgekehrt wird nun aber auch der Schluss bisweilen gerade benutzt, um die Leichtigkeit der Lösung aus- zudrücken. Dies kann wohl zur Ermutigung der Hörer dienen, wie in einem schlesischen Rätsel (Peter 344): „Bist Du a praaf r Joung, do d'rroutst Dus wool" (: Kool). – Meist aber stellt es in derber Weise die Unwissenheit dessen fest, der so ein einfaches Rätsel nicht lösen könne; so in Tirol (Renk 134): „Wenns Du nicht erratest, ein Narr

1) w. 171.

2) Hau. pop. rh. S. 144, 146, 149.

8) Chamb. 15. ■*) HaU. p. rh. S. 148, &) Volksk. I Nr. 10. 6) W. 180. 7) Greg. Nr. 23 – Chamb. 6, 7. 8) Volksk. I Nr. 6.

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bist" (: ist's), oder gröber in Mecklenburg (W. 180): „Wer dat nich raadt, de sehitt de Hosen vuU" (: kruU).

C Preise und Belohnungen. Wie ehemals in den alten Rätselwettkämpfen nicht selten das Haupt oder die Braut zum Pfände stand,, so hat sich in den Schlusszeilen unserer Volksrätsel noch manche Versprechung von Preis und Lohn erhalten. Freilich ist mit der Bedeutung, mit dem Ansehen des Rätsels auch der Kampfpreis oft bedenk- lich gesunken. Das Haupt wird nur noch in einem alten schottischen JRätsel eingesetzt (Greg. 24): Come teil me my riddle^ an Vll gee ye ma head; doch bei genauem Zusehen bemerken wir zu unserer Ernüchterung, dass es sich gar nicht um den Kopf handelt, sondern um einen Topf, den sich der Sprecher übergestülpt hat und nun in kühner Über- tragung „my head" nennt.

Mit mehr Ausdauer hat sich, wenigstens in Norddeutsch- land (in England war es wohl verpönt), das Motiv der Liebe erhalten. Bei Wossidlo finden wir reiche Ausbeute, aber die Rätsel drücken sich oft nicht eben gewählt aus. Immer- hin müssen wir hier die Haupttypen ^) aufführen. W. 40 f: „Wer dies kann erdenken, Dem will ich mein Herz schenken;" W. 68 b (auch Andree 25): „De dat rödt, sali bi mi slapen" (: knaken); W. 40a: „Wer dieses kann raten, der soll über Nacht bei mir schlafen." – Von „dritten" Personen: W. 40 d: „Wer dies kann raten. Wer dies kann wissen, Der soll eine hübsche Jungfer küssen;" W. 202: „Wer 't kann raaden, Sali öwer Nacht bi de Jungfer slapen;" W. 217c: „Wer das kann erraten, Der soll haben 300 Dukaten Und mein Feinsliebchen küssen;" W. 101b: „Wenn Du dat raadst, sasst 'n Burgermeister sien Dochter frigen."

Vielleicht gehört es auch zu der eben besprochenen Gruppe, wenn dem klugen Errater ein Ring als Belohnung versprochen wird. So im Englischen: „//■ you teil me the

1) Ein vollständiges Verzeichnis der Belohnungen giebt W. in seinem treffichen Register S. 362, s. v.: raten.

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riddle^ I 'II give yon a Hng {sUnng).^) Aber auch etwa im Schlesischen : „Waar das d'rrout, dam win ich maen Reing schänke." (: Hände). ^j Auch Geldgeschenke sind nicht un- erhört (Hall. n. rh. 130): If you 'IL teil me ihis Hddle^ IHl give you a groat {: throat). Von deutschen Beispielen seien nur erwähnt W. 40 a (Var.): „Wer das kann raten, soll haben hundert Dukaten;" W. 40e: „Wer dies kann denken, dem will ich einen Louisd'or schenken." Sehr beliebt sind Getränke. Z. B. schottisch (Greg. 45 = Ghamb. 1): 1 Hl give any man a pint o wine^ That 'II read my riddle^ right; holsteinisch (Diermissen Nr. 9): „De dat raden kann, de schall 'n besten Buddel voll Wien hebben."*) Im Mecklen- burgischen etwa: W. 40b: „Wer dies kann denken, Soll sich ein Gläschen Wein einschenken;" W. 68a: „Wer das wohl kann rathen, Wer 's sich wohl kann denken, Dem will ich eine Weinkalteschale schenken."

Auch Speisen werden genannt: W. 36c: „Kannst Du dat raden, Gäw 'k Di 'n Braden." Gesteigert: W. 104i: „Der soll haben sieben Braten." Anderer Art sind Speisen, die in den Varianten zu W. 40 a aufgeführt sind, z. B.: „Dem will ich ein Hündchen braten;" „Dem will ich 7 Eier braten."

Bisweilen ist das Rätselobjekt selbst versprochen, z. B. ein Krebs: W. 175d: „Wer dat raadt, de sali enen hebben.". Ins Geschmacklose verfällt das Rätsel, wenn es sich, W. 430b, um eine Spinne handelt: „Kannst Du dat raden, Ik will Di een kaken." Bei der grossen Vorliebe für Häufungen, die jede Art der Volksliteratur zeigt, finden wir natürlich auch hier gern mehrere Belohnungen auf einander gepfropft, z. B. W. 40c: „Können Sie 's mir. erraten. Ich geb' Sie 'n Braten;

1) Hall. nurs. rh. 156.

2) Peter, Nr. 871.

3) Hier haben wir den Fall, dass ein Rahmenelement ohne Reim- oder Assonanzband angesetzt ist. Das ist nur bei diesen, doch ziemlich selbständigen „Belohnungen" möglich und auch da sehr selten. Meist sind diese wieder in sich gereimt.

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Können Sie 's mir erdenken, Will ich Sie eine Flasshe mit Wein schenken. **

Endlich sei auch nicht verschwiegen, dass ebenso wie bei der vorigen Gruppe die Schwierigkeitsbezeichnung, so auch hier die Belohnung siel] in ihr Gegenteil wandeln kann. Es droht dem Unwissenden eine Strafe. Greg. Nr. 41 {The watch): In ye dinna {do not) teil me riddle, a 7Z (/ will) shot ye wi 'ma piatal (: crystal). Damit haben wir auch die Betrachtung der abschliessenden Rahmenelemente beendet, denn blosse Füllwörter sind wohl kaum herzurechnen, wie in jenem mecklenburgischen Rätsel von der Distel (W. 207) eines steht;

Dideldu dadeldu satt inne gröne Wisch, Hadd'n krusen Kragen um, Kyrielies!

Natürlich finden sich von hier aus mannigfache Übergänge zu jenen Elementen, die wir zum Kerne des Rätsels stellen. Schroff heben sich eben die verschiedenen Gruppen nirgends gegen einander ab; bald leiser, bald stärker sind die Diffe- renzierungen, wie im ganzen Gebiete der Volkspoesie.

Die Kernelemente.

Wenn man eine grössere Sammlung von Volksrätseln zur Hand nimmt, so fällt es schwer, sich in dem bunten Gewirre der Formen zurecht zu finden. Unendlich scheint die Zahl der Mittel, deren sich das Rätsel bedient, und ebenso unendlich die Variationen, in denen die verschiedensten Elemente zusammengestellt werden. Bald positive, bald negative Angaben werden gemacht, bald eine äussere Eigen- schaft, eine Farbe angegeben, bald die Grösse elativisch be- schrieben, bald der Zweck vor Augen gestellt, und das alles in so buntem Gewirr, mit so reicher Abwechselung im selben Rätsel, dass es nicht leicht ist, nur die einzelnen Elemente für die Darstellung herauszuheben. Und auch bei diesen kommt viel darauf an, sie im Zusammenhange des ganzen Rätsels zu betrachten, da sie sonst ihre Verständlichkeit ver- lieren. Immerhin sondern sich bei genauer Betrachtung der

Palaestra. IV. 5

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Mittel zwei Hauptgruppen von grösserem Umfang aus, die zwar auch gelegentlich in einander übergehen, im ganzen aber doch rein erhalten sind. Wir bezeichnen sie kurz als Benennung und Beschreibung. Wenn wir etwa finden:

Oben spitz und unten breit, Durch und durch voll Süssigkeit,

SO haben wir eine blosse Beschreibung. In dem Rätsel:

Hanterlantant ging über das Land, Hat keiner mehr Füsse als Hanterlantant

ist dagegen die Beschreibung mit einer Benennung ver- bunden. Beide Arten der Bestimmung können getrennt für sich bestehen, kommen aber meist verbunden vor. Natürlich fasst unsere Betrachtung dieser beiden Darstellungsgruppen nur die formale Seite des Rätsels ins Auge. Wir dürfen die inhaltliche dabei nicht ausser Acht lassen, und müssen uns klar zu machen suchen, was das Volk von dem zu er- ratenden Gegenstande der Bezeichnung für wert hält, nicht nur, wie es diese Bezeichnung bewu*kt. Da die Verhältnisse hier anders liegen, als bei der eigentlichen Poesie, wo sich Form und Inhalt decken sollen, da vielmehr das Volk mit seinem Formen- und Formelschatze hier ganz frei schaltet, so muss von einer getrennten Besprechung der formalen und inhaltlichen Seite abgesehen, beide müssen mit und in ein- ander aufgearbeitet werden. Äusserlich scheiden wir zunächst nach den Einteilungsgrundsätzen, die uns eben die Form an die Hand giebt.

Das benennende Kernelement.

Wir lernten schon in „Hanterlantant" ein ausgezeichnetes Benennungswort kennen. Frisch an den Anfang des Satzes gestellt, führt es uns den Gegenstand (die Egge) selbst vor, sodass unser Interesse schon grösser ist, als wenn wir nur von ilim hörten. Die Assonanz prägt sich unserm Ohre ein und malt die eigentümliche hüpfende Bewegung und das dabei hervorgebrachte klappernde Geräusch besser, als es eine lange Beschreibung vermöchte. Aber di^ Beschreibung

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ist darum noch nicht überflüssig, wie es denn viele solche Gegenstände giebt, auf die unsere Benennung passen würde. Näher bestimmt ist sie erst dadurch, dass die bezeichnete Bewegung auf dem „Lande" geschieht und durch die in echt volkstümlicher Weise elativische Andeutung der vielen Zähne. Wie in all diesen benannten Rätseln, ist auch hier der Gegenstand belebt, ja gewissermassen personifiziert – doppelt geeignet für ein Rätsel, indem es einerseits die Aufmerksam- keit erregt, und andererseits den Hörer noch mehr verwirrt, da er doch nun zunächst an etwas Ijebendiges denken wird. Wir sehen schon, wie gut sich Benennung und Beschreibung ergänzen. Die Beschreibung allein ist tot, wenn ihr nicht wenigstens das Motiv des Gegensatzes*) zu einigem Leben verhilft; die Benennung allein läuft Gefahr, vieldeutig, d. h. undeutlich zu werden und ist darum nicht recht beliebt, ausser in Rätseln über mehrere Gegenstände, wo der Contrast zweier Benennungen jede einzelne klarer macht; sonst habe ich eigentlich nur in Renks Sammlung aus Tirol ganz auf- fallende Beispiele gefunden. Wir hatten bei den Schluss- fragen schon einmal den Tirolischen Rätseln eine Sonder- stellung zuerkennen müssen, aber ich glaube, dass diese sich als oberdeutsche Charakteristika erweisen würden, wenn wir eben aus mehreren süddeutschen Landschaften Sammlungen hätten, die der Renkischen, zwar nicht umfänglichen, aber inhaltreichen entsprächen.

. Um die eben nicht häufigen Benennungen ohne folgende Ausführung gleich vorweg zu erledigen, seien hier angeführt: a. In isolirter Stellung (Renk 73/75): Nolpersteiger Annele (Katze); Strohschliefers Urschel (Maus); Wegläufers Gretel (Hund). Derlei patronymische Benennungen unterscheiden sich von dem oben erwähnten „Hanterlantant" dadurch, dass sie keine Klangwörter, sondern frei nach der Thätigkeit des betreffenden Tieres (oder nach dem Ort, nach der Stelle, wo

1) Vgl. ein anderes Rätsel von der Egge: „Es hat 52 Füsse und lässt sich doch nach Hause tragen^, was doch schon gegen das obige bedeutend ahfäUt.

5*

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diese ausgeübt wird), in Anlehnung freilich an schon vor- handene Wörter gebildete Bezeichnungen sind.

b. In gegensätzlicher Form. Wenn sich in dem be- rühmten, durch alle Sammlungen hin verbreiteten Zwie- gespräch*) Wiese und Bach necken, und die erstere nach ihrem künftigen Schicksal „Kalilgeschorene" oder noch kürzer „Kahlkopp", der schlängelnde Bach aber „Knickerkrummtim" genannt wird, so ist die Lösung nicht leicht. Immerhin läuft das „Kringelkruramüm" u. s. w. doch meist mit dem Binnen- reime aus: „wo wist Du henüm?", sodass wir doch schon eine Andeutung davon hören, dass es sich um einen beweg- lichen Gegenstand liandelt. Ohne diese kleinen Hilfen könnte das Rätsel gar nicht bestehen, hat es wohl auch nicht be- standen, denn ich glaube, dass jene Form unserer Nummer die ältere ist, wo die Wiese noch einmal erwidert und derb zu verstehen giebt, dass sie noch nicht so oft geschoren, als dem Bache im Winter sein Wasser erstarrt sei. Aus solchen Elementen ist die Lösung wohl zu finden. Jene dunklere, kürzere Form ist also wohl nur ein schwacher Überrest eines alten, vollständigeren Stückes. Noch schwieriger wird natürlich der Fall, wenn die beiden Gegenstände nicht so eng zusammengehören, wie Bach und Wiese, sondern etwa Bach und Mäher kontrastiert werden:

Krickelkrummüm, Wo löppst du na? – Hakenmaschuurken, Wat fröchst du na?

SoUhe Rätsel sind eben auf normalem Wege nicht lösbar und gehören eigentlich zu den „unwirklichen" Stücken. Denn „Hakenmaschuurken" bezeichnet in der Rätselsprache nur einen Gegenstand, allenfalls einen Mann,*) von haken-

*j Vgl. besonders Wossidlo im Anfange.

2) Majuur (Major) ist in Norddeutschland sehr beliebt zur Appellativbildung. Es wechselt gern mit „-Meier" oder, mehr oberdeutsch, „-Huber". Vgl. auch Berlinisch: „-Fritze". Älter „-Hans" (Prahlhans statt Prahler). Das einfache „-er" genügt dem Volke nicht. So heisst es nicht „Schwindler", sondern Schwindel-

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ähnlicher Gestalt oder mit einem Haken u. dergl. versehen. Diese Benennung ist natürlich unzulänglich.

Noch kürzer reden sich Bach und Ente an (W. In): „Du olle Wickel wackel!" – ,.Du olle Plitschplatsch!"; was aber doch nicht ganz so undeutlich ist, wie das vorige, da es sich um ziemlich allgemein bekannte Benennungen handelt, die, wenigstens in Niederdeutschland, sofort verständlich sind. Beides sind Klangbilder alUtterierender Bildung mit Ablaut, die erste bezieht sich auf die Gangart, die zweite auf das Geräusch, das den Gegenstand auszeichnet.

Weitaus die meisten derartigen Bildungen, vor allem die Klangwörter, beziehen sich auf das eigentliche Object des Rätsels und stehen darum auch an seuier Spitze. Es giebt aber auch etliche Fälle, wo gewisse Nebendinge mit erraten werden sollen und die Benennung der Nebenlösung und die Beschi*eibung der Hauptlösung sich gegenseitig er- gänzen und erklären, freilich auch wieder die Auffindung erschweren. Beschreibung und Benennung gehen dann in einander über. Als Beispiel führe ich zunächst das bekannte „Flolirätsel" in folgender Form an:

Es kamen zwei gegangen, Die nahmen ein'n gefangen. Von Dribblewitz nach Tischlewitz, Von Tischlewitz nach Knackersdorf, Und da ward er gehangen.

Die eigentliche Hauptlösung lautet „Floh". Es treten aber noch andere, zu erratende Gegenstände hinzu, die Stationen auf dem Leidenswege des Gefangenen. Würden diese ein- fach beim natürlichen Namen genannt, so wäre das Rätsel eben kein solches mehr. Sie werden also eingehüllt, aber doch in ein so durchsichtiges Gewand, dass nun auch die Hauptlösung ohne grosse Mühe zu finden ist.

major, Schwindelmeier, -huber, -fritze u. dgl. „Major" be^ichnel zwar beim Volke eigentlich einen „Vorgesetzten" (Schwinsmajur ist der Schweinehirt), aber davon ist oben im Rätsel keine Rede mehr.

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Noch klarer sind die Nebenlösungen in dem hübschen Rätsel von der Kaffeebohne (Schell 24):

Es ging ein Herr nach Bohnebach, Von Bohnebach nach Brandebach. Von Brandebach nach Kastern, Von Kastern nach Tastern, Von Tastern nach Leipzig, Von Leipzig mit der Extrapost – Da wurde er umgebracht.

Die mecklenburgische Fassung (W. 30):

Frau Bohne reist nach Brandenburg, Von Brandenburg nach Mühlenburg, Von Mühlenburg nach Kanne, Von Kanne nach Tasse, Von Tasse nach Munde, Von Munde nach Schlünde, Von Schlünde geht's im schnellen Lauf Zum Thor hinaus

ist zwar im ganzen geschickter, lässt aber die doch sehr wirksame Bezeichnung „Leipzig" fort und verrät vor allem viel zu viel in der Benennung „Frau Bohne". Ein ganz ähnliches, sonst bisher noch nicht bekanntes Rätsel hat dann der Mecklenburger über den Brotbissen (W. 29) und ein kleineres, dialectisches Stück, das allerdings mit auf einem Wortspiel beruht, geht über das Taschenmesser um (W. 30 a) : „Dor keem 'n Mann von Mannshusen, würr kort, würr lang, würr wedder kort, güng wedder na Mannshusen." (Husen = 1. Hosen; 2. = Hausen).

Endlich können wir noch jene Rätsel hierher stellen, in denen eine besondere Eigenschaft, ein Teil des Gegenstandes mitten in dem beschreibenden Teile in kühner Weise durch Benennung bezeichnet wird. Man kann das bergische Rätsel vom Schafe herziehen (Schell. Nr. 2):

. Et geng ens en Dierchen öwer de Brock; De Bensches gengen de Knibbel de Knick; De Hörkes gengen de Roll de Roll. Wenn du't nitt rötst, dann wasch de doli;

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Statt der Beine treten in der mecklenburgischen Fassung die Augen ein (W. 180):

Dor leep'n lütt Männken wol öwer den Diek; De Ogen de stünnen den Kikerdenkiek, De Hoor de stünnen den Krüseldenknill, Du sasst't nich raden, nn warst du ok dull.

Anders sind Rätsel zu beurteilen, wie das pommersche vom Raben:

Es ging 'ne Dame pitschpatschieren, Die hatt' ein Kleid von Nitschnatschnieren, Und ein schwarzes Käppchen auf.*)

Das Reimwort der ersten Zeile ist eine volkstümliche Ver- drehung von „spazieren"; das der zweiten dagegen ist bloss eine parallele Bildung nach dem Muster des Anfangsreimes, die weder für die Benennung, noch für die Beschreibung des Gegenstandes irgend welche Bedeutung hat, zwar im Kerne des Rätsels steht, aber für ihn ganz unwesentlich ist und darum eher jenen Rahmenelementen beizuzählen ist. Wäre keine weitere Beschreibung da, so würde sie für die Lösung ebensowenig ausreichen, wie die Bezeichnung „'ne Dame" der ersten Zeile in ihrer Allgemeinheit, und damit kommen wir schon zu jener Gruppe von Benennungen, die unter allen Umständen einer Ergänzung durch beschreibende Elemente bedürfen; wir nennen sie:

Die bedeutungslosen Benennungen. •

Sie unterscheiden sich merklich und wesentlich von den „bedeutenden" oder „bedeutsamen" Benennungen. Denn diese enthalten in sich schon einen fördernden Grundstoff, der die Beschreibung anbahnt, wie wir oben bei „Hanter- lantant" sahen. Anders hier. Es sind Füllungen, die teils den mangelnden und doch vom Ohi'e verlangten Reim her- stellen, und darum mit der Klangwirkung vorgehen, teils aber auch blosse allgemeine Wörter, die nur dem Worte

1) Vgl. hierzu W. 177 – 179; obige Fassung habe ich selbst aufgezeichnet.

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„etwas" entsprecheii und auf die folgende Beschreibung hin- weisen. Ganz besonders in dem reimfrohen und zu merk- würdigen Wortbildungen neigenden Norddeutschland sind sie sehr beliebt.

Wir betrachten zunächst: Klangworte und Klang- naraen. Diese beiden Dinge sind nicht immer leicht zu trennen, manches eigentümliche Klangwort mag aus einer verderbten Namensform entstanden sein. Die Lust des Mecklenburgers zu allitterierend-ablautenden Wortbildungen ohne jede etymologische oder klangmalende Bedeutung (Wossidlos Sammlung legt oft genug Beweis dafür ab), zeigt sich besonders an einem Beispiel, an Nr. 7, wo wir aller- dings noch einmal auf die Verhüllung der Nebenlösung kommen, wenn wir nicht die drei zu erratenden Gegenstände als selbständig nebeneinander stehend ansehen wollen. Es lautet:

Goden Dach, Moder Zül, doh mi (leih mir) juge Rill! – Gah man dörch minen Hiten-Haten, Wohr di vor minen Priten-Praten, Up'n Tuun dor licht de Rill. (Harke, Garten, Hund.)

Der Ausgang der ersten binnenreimenden Zeile ist klar. „Rill" ist die gerillte, ausgefurchte, d. h. ausgezähnte Harke. Dann aber folgen, auf einander reimend, parallel gebildet, zwei Benennungen, so unbestimmt und dunkel (die Varianten liefern noch weiteres, sehr reiches Material), dass sie nur durch ihre beigesetzten Bestimmungen, durch die Bezeichnung des ersten als Durchgangsortes, des zweiten als gefährlichen Gegenstandes, und durch die allgemeine, durch den Tuun u.s.w. angedeutete Situation genügendes Licht empfangen.

Weiter oben haben wir schon gesehen, wie viele Bildungen auf -US versucht werden, um nur die genügenden Reimwörter zu erzielen auf jenes Rahmenelement: „Hinner unsem Huus". Wir erwähnen nur noch einmal „Kunklefus"*), woraus dann in Ostpreussen, wo man die Bedeutung, die das Wort jeden- falls einmal gehabt hat, auch nicht mehr verstand, „Funkel

^) Man vergleiche zu allen diesen Worten Wossidlos Register.

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Fus" oder „Kampelhaus" u. dgl. wurde.') Besonders gern entwickeln sich hieraus Namen, meist wirkliche Familien- namen, mit Vornamen oder mit Titel versehen. Sie reimen eben entweder auf „Huus" oder „Schüün" (Scheune), oder „Kammer" oder sonstige wichtige Rahraenelemente. Ich gebe hier eine Auswahl von Namen, die in den Sammlungen von Wossidlo, Frischbier, Andree, Rachholz u. a. so häufig sind, dass ich die Belegstellen fortlasse: (Huus) Peter Kruus, Buur K., Doctor K., Vater K., Unkel K., oll Kluus, Vadder Pluus, Peter PL; (Fuust) Uns' Knecht Knuust; (Schttün) Vadder Kühn, Peter Pllllin, Peter Prühn, Hans Prien*); „Mutter Wips", das Feuer, bei Frischbier, 23, 104, im Reim auf „Mutz" gebildet, und „Annanienchen" ("W. 181 f.) auf „Stühlchen". – Blosse miss verständliche Verdrehungen einst- mals verstandener Wörter wie „Rawedenten" (Renk 146) oder „Tractaten" (Frischbier 23, 5, wohl für „Pallisaden") gehören kaum hierher.

Doch haben wir noch andere, ebenso wenig bezeichnende Benennungen, die nicht einmal Klangwirkung ausüben, sondern lediglich der Ausfüllung der Umschreibung dienen. So bei Wossidlo, Nr. 8 („Schwein"):

Nawersch, ik mööt di wat klagen, Mi is öwer Nacht 'n Stück entflagen (entflohen); Wisst du't nich glöben, De Hoor sitten noch twischen de Kloben.

Erst die Angabe, dass der Flüchtling die „Kloben" durch- brochen und eben dabei seine Haate sich abgescheuert habe, führt uns auf eine Vermutung über die Beschaffenheit des „Stückes".

Sonst ist diese Art unbestimmter Umschreibung in Mecklenburg nicht sehr beliebt. In Ostpreussen treffen wir gern „Jungfer" und „Mannke" an, letzteres bekanntlich ein

^) Vergleiche Frischbiers ostpreussische Rätselsammlungen in der Ztschr. f. deutsche Philol., 9,65-77, 11,344-359 und 23,240-264.

2) Die vielen, fast zahllosen Reime auf „Kammer", wie „Alexander", „Hans Hammer", „Jochen Famer" u.| s. w., findet man am besten in Wossidlos Register unter „Vornamen".

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Lieblingswort jener Gegend; z. B.: „Ich hab 'ne Jungfer, und wenn ich die abzieht muss ich weinen" (Zwiebel), Frisch- bier 9, 65 ; oder das Rätsel vom Pflaumenbaum :

Steit e Mannke op eenem Been, Höd' sien Schwienkes ganz alleen. Dat mannke heet Balgart (?), De Schwienkes sön alle schwärt.

Während diese Benennungen doch wenigstens etwas Persön- liches an sich haben und uns zur deutlicheren Vorstellung des Gegenstandes verhelfen, sind Umschreibungen mit „Ding" oder gar mit „Etwas" unpoetisch und unwesentlich. Wohl aber kann zu ganz allgemeinen Worten eine nähere Be- stimmung in so enge Beziehung treten, dass wir darin eine „bedeutsame Benennung" sehen mQssen, wovon weiter unten zu sprechen ist. So greifen auch hier die Grenzgebiete ineinander über.

Die bedeutsamen Benennungen.

Die Bedeutung, die einer Benennung beiwohnt, enthält in sich schon ein Stück der Beschreibung. Schon die grosse Mehrzahl der reimenden Klangwörter malt uns die Bewegungs- art, die Stimme, das Geräusch u. s. w, aus, an denen man den Gegenstand erkennen kann, und hierzu treten neue, teils bildliche, teils direkt benennende Bezeichnungen und Um- schreibungen, neue, oft kühne Bildungen, die uns das Objekt des Rätsels vor Augen stellen.

Zunächst einige Typen der Klangbilder. Wenn wir innerhalb dieser formalen Gruppe zugleich darauf achten wollen, welche Seite des Gegenstandes die Benennung ins Auge fasst, welches der Inhalt des Klanges ist, so finden wir zunächst einige Beispiele, die sich an die äussere Er- scheinung halten. Besonders die Aussenseite von Gegen- ständen, Pflanzen und Tieren, ihre rauhe oder krause Be- schaffiBnheit werden bezeichnet, weniger die Grösse (Gestalt), Farbe oder der Stoff, denn all dies lässt sich eben nicht

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leicht im Klaoge wiedergeben.*) Man bUdet nun die Be- nemmng . so, dass za einem dnfadi bezeiclmenden Element (etwa: Haar, kraos, raoh) die and^ne in allitterierend "= ab- lautender oder ass(mierend ^ reimend«* Weise (reimend auf die folgende') Zeile, wie wir es schon bei den klingenden Rahmenelementen fimden), hinzugeftlgt werden. Also die Katze (Tirolisch'): „Hira Hara" (hockt; das Verbum half der AUitteration); das Spinnrad (Mecklenburgisch^): „Ru ru runzeljahn, Wo dick is di de Buuk upgahn"; der Kohl (Braunschweigisch) : „Hinner usen Huse steit ne Krickel- kruse"^); die Brennnessel (Ostpreussisch, Ztsch. f. deutsche Phil. 9, 76, Nr. 68): „Hinder onsem Hus steit 'n Krusemus"- Auf die Rundung der Grestalt beziehen sich etwa: Rochh. 7: „Rügeli-Chilgeli" (Eichel) und Renk 4?: „Rungungele" (Zwiebel).

Eine grossere Anzahl von Klangmalereien beschäftigt sich mit dem, was mehr plötzlich ins Auge, oder ins Ohr fällt, mit der Bewegung eines Gegenstandes, mit dem Ge- räusche, das diese Bewegung begleitet, mit den Lauten, die ein Tier etwa hervorbringt.

Energische Bewegungen unregelmässiger Art fasst das Rätsel seltener auf. Allenfalls könnte man das Picken der Hühner, das zwar auch meist in mehrfacher Wiederholung auftritt hierher rechnen. Es hat den Hühnern die Bezeichnung als „Herren von Hickenpicken" eingetragen. Als diese sich in eine allitterierend-ablautende : „Hickenhacken" verwandelte, trat wohl Verwirrung mit andern Bildern desselben Vor-

1) Dem Italiener stehen in seinen -one, -ino u. s. w. Hilfsmiitol zur Verfügung, die unserer Sprache doch abgehen.

2) oder vorhergehende.

3) Renk, Nr. 71. Im Aargau: „Huri Hööri" (Roch., d. h. Roch- holtz, Deutsche Volksrätsel aus dem Aargau, Ztschr. f. deutHcho MythoL, I, S. 133-168, Nr. 11).

*) W. 126a. Die Zeile ist aber auch sonst viel, namentlich als Rahmenelement, und besonders für obscöne Rätsel, verwandt worden.

5) Andree, Nr. 2. Mit weniger Recht wird in Nr. 4 „Krickol- krackelkruuse" als Flickreim für den Bienenstock gebraucht.

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Stellungskreises ein, wie mit „Gigelgagel" u. dei*^^!., das nicht mehr verstandene „Hickenpicken" seihet verdreht, und so ergab sich jene Unzahl von VariantiMi, sie bei Wossidlo zu Nr. 20 und 21 einzusehen sind.

Regelmässig wiederkehrende mechanische Bewoi^aniK' : nimmt das Volksrätsel mit Vorliebe in seinen Betrachtungs- kreis auf. So die pendelnde, gleichmässig hin und her gehende Bewegung hängender, vom Winde bewegter, oder rundlicher, ins Stehen und Liegen gebrachter, aber noch unruhiger Gegenstände. Einige Beispiele: Die aufgehängte Speckseite, nach der die begehrliche Katze schaut, heisst: „Limpelampe" (Roch. 11, Renk 71), die Kirsche wird in Mecklenburg (W. 182) personifiziert als „Johann Wrickeldiwrackel", d.h. der Wackelnde*). Der eigentümliche Gang des Hundes trägt ihm den Namen „Tolitertoläter" ein (W. 18), und ähnlieh wird die Gans (W. 112) als „Witschelwatschel" bezeichnet. Ein Rätsel von beispielloser Verbreitung ist das vom El, das in Mecklenburg lautet (W. 20):

Entepetente leech up de Bank, Entepetente feel von de Bank; Dor keemen de Herren von Hickenhacken, Künnen Entepetente nich wedder heil maken.

Statt „Entepetente" hat fast jeder Landstrich, beinahe jedes Dorf eine andere Benennung. An den zahllosen Namen hat sich in früherer Zeit 2), als sie noch nicht in ihrer Masse bekannt waren, die Lust zum Etymologisieren gern geübt. Aber wenn wir heut die ganze Reihe der Varianten über- blicken, so stellt sich die Benennung einfach als eine ganz passende Bezeichnung des schwankenden, auf die Bank ge- legten Eies dar. Man vergleiche etwa noch die englische Passung :

Humpty Dumpty sat on a wall, Humpty Dumpty had a great fall; Three score men and three score more, Cannot place Humpty Dumpty, as he was before,

1) S. Doornkaat-Koolman, Wörterb, d. ostfries. Sprache, 3,676 unter „wrikken".

2) V. d. Hagens Germania 5, 252 ff., 6, 155 ff.

– 77 – Oder die schweizerische:

Annebadadeli lit uf em Bank, Annebadadell fallt ab em Bank, S'isch ken Dokter im Schweizerland, Der's Annebadadeli bümbümberlen •) cba,

WO das Schwizerland lokalpatriotisch als Heimat berufener Doktoren an Stelle des anderwärts als ideales Reich genannten „Engellandes" eintritt.

Die Bewegung der Wiege wird durch ein kui'zes „Wiga Waga" (Renk 128) wiedergegeben. Eine andere Reihe be- zeichnet die auf- und abgehende, meist hüpfende Bewegung: Schlitten „G ewiggeige waggel";*) Deichsel und Wagen „Wipup un Wapup";*) Egge „Fickfack";^) Augenlid „Hippi, hoppi- hemmerli".*) Die Benennung des Siebes als „mine Dochter Hissebisse" (Frischbier, Z. f. d. Ph. 23, 56) erinnert an die niederdeutsche Bezeichnung „Bisse" für etwas schnell und unruhig umherlaufendes, z. B. eine wilde Kuh. Nur ist die Bewegung von dem, was durch das Sieb hindurchläuft, auf dieses selbst übertragen worden; ähnlich nennt man das Fenster, das zum „Gucken" dient, in Tirol nicht bloss „Gucker", sondern auch „Guggugg" (Renk 86).

Von den Benennungen der Bewegung sind die des da- mit verbundenen Geräusches nicht immer reinlich zu scheiden, Namen wie „Hanterlantant" oder „Fickfack" für die Egge können sich auf beides beziehen und ebenso „Knickerde- knacker", oder Namen wie „Tripptrapp" (Maus) Frischb. 11,29; „Klippermann und Iflappermann" für Pferd und Wagen;®) „Polickerpolacker" für den Regen;') „Zackerbacker" für den Wind;®) und „Krizkraz" für den Besen.®) Letzteres tritt in einem jener kurzen vierzeiligen Rätsel auf, in denen vier verschiedene Dinge nach ihrem Aufenthaltsorte beschrieben und nach verschiedenen Gesichtspunkten benannt werden. Das ganze lautet:

1) binden, vom Fassbinder. 2) Frischbier, Z. d. Ph., 23, Nr. 146. 3) W. 111 ^) W. 12. ß) Roch. 72. 6) W. 117. ?) W. 108. ») Frisch- bier, Z. f. d. Phü. 23, Nr. 180. ») Andree, Nr. 17*

F

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Up'n Dake Helle (Mond), Vor'n Huse Belle (Hund), In'r Stuwe Biff Baff (Bank), In'r Koke Kriz Kraz (Besen).

„Biff Baff** ftlr die Bank ist nicht ganz klar, eher würde es für den mit Schlägen bearbeiteten Hauklotz passen, wie es denn auch in Ostpreussen (Frischbier, Z. f. d. Ph. Bd. 23 Nr. 24) vorkommt. Freilich steht dort daneben „Riff-Raff** (Wiege), was auch nicht recht verständlich ist. – Andere Klangwörter sind: „Klitschklatsch" für Peitsche oder „Tick- tack"») und „Küngklang"«) für die Uhr.

Die Stimme der Tiere wird gern für ihre Benennung verwendet: Das grunzende Schwein heisst „Slirpslurr" ') oder „Griffgraff***), der klappernde Storch Groot „Jööljapp"^) oder „Schnarraback"*), der blaffende Hund „Huffhaff*'^), Maus und Frosch „Piepup" und „Quarrup"®) u. a.

Anstatt dieser Klangwörter treten in manchen Rätseln bildliche Benennungen auf, immerhin selten und nicht mit jenen Bildern zu verwechseln, die durch den ganzen Rätsel- kem durchgeführt werden und die ganze Beschreibung mit- beherrschen. Hier handelt es sich nur um einen einzelnen, bildlich ausgedrückten Zug. Das Rätsel vom Storch („Groot Jööljapp") arbeitet z. B. mit Klangbildern, freien Neu- bildungen wie „Gräsbicker" u. dergl., dazwischen aber wird der Standpunkt des Beobachters wegen seiner erhöhten. Lage als „Paradies" bezeichnet. Gerade in solche aus parallelen Reihen gebildete Rätsel, wie dies (W. 12) oder das vom Menschen (W. 164), von der Kuh (W. 165) u. dergl. dringen solche Bilder zur Abwechselung gern ein. So heissen in Mecklenburg die Beine „twee Pool", der Rumpf „Tunn" (in Ostpreussen „Spiker", d. h. Speicher, Frischb. 23, 1), der Hals „Trichter", die Haare sind als ,,Wald", worin Jung und Alt sich ergehen, mit sichtlichem Behagen dargestellt.

1) Frischbier, Z. f. d. Phü. 11,29. 2) ebd. 33,68. ») W. 13. *) Frischbier, Z. f. d. Phil. 11,36. ß) W. 12; man vergl. die in den „Anm." gegebene Erklärung. «) Frischbier, Z. f. d. Phü. 11,90. 7) ebd. Nr. 86. ») W. 118.

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Neue Bilder bringt die schweizerische Fassung desselben Rätsels (Rochholtz Nr. 64 ff.), wo etwa die Augen als „Sterne", „Nachtlieehtli", „Faischter" (Fenster), die Beine als zwei gleichgewachsene „Aspe" (Espen oder Eschen) be- zeichnet werden. Ähnlich wird dort (Rochh. 2) am Schlüsse des Kuhrätsels der Schwanz als „Fleugwädeli" aufgeführt, der Hahn (Rochh. 16) heisst „Wächter uf der Wart". Das Ei tritt in zwei verbreiteten Rätseln, die freilich schon zu den durchgeführten Bildern hmübemeigen (W. 31 und 32), als „gelbe Blume" und „goldene ühr" auf.

Weiter finden wir eine ganze Reihe Appellativa ver- schiedener Art als Benennungen verwendet. Sie schliessen sich gern an die äussere Erscheinung an. Schon Zahlen- bezeichnungen in substantivischem Gebrauche können wir herstellen (Die Kuh):

Vieri ti*ainpe,

Vieri lampe

Vieri lunge

Gigge Himmel. (Rochh. 1.)

oder

Zweu gönd,

Zweu stönd,

Zweu müen mer ha,

Zweu chomes sus daher.

(Sonne und Mond – Himmel und Erde – • Holz und Wasser – Tag und Nacht), Rochh. 53.

Freilich sind jene Vierheiten beim ersteren Rätsel, die immer eng zusammengehörige Gegenstände bezeichnen, verständlicher als die Zweiheiten bei letzterem.

Auf den Gesamteindruek eines Gegenstandes beziehen sich meist substantivierte Adjektiva oder Zusammensetzungen, die solchen gleichwertig sind. Hierher gehören: „Rund", Tonne, ostpreussisch ; „Bunt", Steinpflaster, ostpreussisch ; ') „Helle", Mond, braunschweigisch;^) „Ruglingke", Schwein, ostpreussisch;*) „Langmann", 1) Bach, mecklenburgisch,*) 2) Wurm, mecklenburgisch, 5) 3j Rauch, ostpreussisch;«)

1) Frischbier, 11,29. 2) a, 17. s) Frischbier, 11,24. -*) w.26. 6) W. 215. «) Frischbier, 11,97.

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„Diokpumpele", Zwiebel, sehweizerisch;*) „Grosshans", Ofen, schweizerisch; „Wittenl)prg", Eierschale, mecklenburgisch.^) Oder es wird nur ein bestimmter Teil (vielleicht als pai'8 pro toto) durch ein Adjektiv u. dgl. beschrieben und das daraus gebildete Kompositum als Benennung gebraucht, wobei auch wieder Zahlenangaben eine Rolle spielen. „Vier- bei'*, Schwein, schweizerisch. Hierher gehört auch jenes in den mannigfachsten Gestaltungen und Ausdeutungen weit verbreitete, fast in jeder Rätselsammlung wiederkehrende Stück vom „Einbein, Zweibein, Dreibein und Vierbein", das etwa in Mecklenburg (W. 151) lautet: „Tweebeen (Schäfer) sitt up Dreebeen (Schemel) un hadd Eenbeen (Knochen); dor keem Viorbeen (Hund) und nehm Tweebeen Eenbeen; dünn nehm Tweebeen Dreebeen un smeet Vierbeen, dat Vierbeen Eenbeen fallen leet", oder im Englischen (Hall. 126):

Tico legs sat updn three legs, With one leg in hia lap; In ccnnes four legs, Änd runs away \oith one leg. üp Jumps iico legs Catthes up three legs, Throws it after four legs, And makes Atm bring hack cne leg.

Femer: „Kruuskopp", Baum, „Kahlkopp", Nuss, mecklen- burgisch*); „Patschfötke", Gans, ostpreussisch*); „Nattoors", Eimer, „Puttoors", Hund, „Rauhoors", Katze, „Fettoors", Schwein, „Griesnoörs", Sau, „Bummelnoors", Birne, „Rauch- stiert", Sau, mecklenburgisch^).

Andere Benennungen werden von der Thätigkeit des Gegenstandes, von seiner Bewegung u. s. w. hergenommen. Bisweilen begegnen w^ir imperativischen Namenbildungen, wie 2. B. bei Renk 98, wo der Frosch „Hupfäeiuf" genannt wird, der Hase „Baldaaf ^ KOrzer sind Namen wie „Belle" ftlr den Hund (Andree 17); ebenso, doch bis zu voller Personifikation erweitert, die schottische Bezeichnung des

M Roch. 47, 67. ^ W. 31. »J W. S9, 131. Vgl. auch Xr. 1. *) Frisciibier, U,Sa *) W. 11, Id» 17.

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Feuers (Chamb. 8): Bonny Kitty Brannie^ She stände up the wa .... Echt niederdeutsche Appellativbildung ist etwa „Bommelke", was bei Frischbier 11, 24 eine Eichel, ebda. 23, 190 einen Eiszapfen bezeichnet.

Sonst findet man vielfach Benennungen auf -er gebildet, z. B.: Aus dem Oberdeutschen (schweizerisch): „Gumper" (Floh, Rochh. 97), „Chlebber" (Fliege, ebda.), „Stämperli, Plämperli, Horcherli, Gugguggerli'' u. s. w. (an der Kuh, ebda. 2), „Hitzgeber" (Ofen) und „Wohlleber" (mit über- tragener Bezeichnung eigentlich: „woran sich Wohlleben lässt", d. h. Tisch. Vgl. Wilmanns, Deutsche Grammatik, IIa, § 227, 4, S. 292). Endlich „Chlöpfer", Uhr. Und aus dem Niederdeutschen: „Gräsbicker" (junge Gans, W. 12), . „Gräwer« (Käfer) und „Snüwer« (Sau, W. 18), im Rätsel vom Menschen (164) etwa „Smecker" (Mund), „Rüker** (Nase), „Kiker" (Auge), endlich in dem von der Kuh (165) „Lüchters" (Augen), „Stöters" (Hörner), „Napietscher" (vSchwanz). Ähnliche Benennungen findet man natürlich in allen Sammlungen, in denen jene beiden Rätsel stehen, mit geringen Abweichungen (der Mund heisst etwa im Ost- preussischen „Lecker"; Frschb. 23,1). In der Zusammen- stellung (Frischbier 9,8):

Hutzbutz füll 'raf, Kein Erdwenger, Wull Hutzbutz nehme, Kern Woldgänger, Nehm Erdwenger, Blef Hutzbutz ligge

ist das nicht ganz klare Hutzbutz (Eichel) vielleicht noch eine von der Bewegung hergenommene Klangmalerei. Wenigstens führt A. Dornkaat-Koolmann 2, 119 „hütsein", schaukelnd hin- und herbewegen, an. „Erdwenger" (= Sau) gehört in unsere, hier besprochene Reihe; „Woldgänger" aber, die Benennung des Jägers, bezieht sich weniger auf seine Bewegung, als auf seinen Aufenthalt Denn auch Ort und Stelle, wo ein Gegenstand gewöhnlich zu finden ist, von wo er herkommt, wird gelegentlich zur Bezeichnung

PalaeBtra. IV. 6

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verwendet. So ist dei* Fisch ein „Mann von Seeland" (W. 24) und von dem frischgelegten Ei wird gesagt, es komme von „Holland" (aus dem hohlen) oder von „England" (aus dem engen Lande), wofür man später, als man den eigentlichen Sinn nicht mehr verstand, gelegentlich „Amsterdam" u. dergl. einsetzte. Eine scherzhaft gebildete Ortsbezeichnung lernten wir auch schon in „Kopenhagen" und „Wittenburg" kennen, eine andere ist im schweizerischen Rätsel von der Zwiebel (Rochh. Nr. 46) zu finden:

's chunt es Ding vo Eüwenach, 's ganze Ding is siebenfach, u. s. w.

und eine etymologische Bemerkung von Rochholtz, die wohl zuverlässiger ist, als seine mythologischen Ausführungen, belehrt uns über den Doppelsinn des „Rüwenach": 1) rot- farbig, 2) krätzig.

Die Verbindung zwischen diesen bedeutsamen Benen- nungen und den Beschreibungen wird durch eine Gruppe hergestellt, die aus der Vereinigung eines allgemeinen, an sich bedeutungslosen mit einem modifizierenden Elemente besteht. Beide Teile gehören so eng zusammen, dass ich sie zu der Gruppe der Benennungen stellen möchte, denn es ist doch schliesslich logisch dasselbe, ob man sagt: „Langer" oder „Langmann" oder „Langer Mann". Das verengernde Element ist meist ein Adjektivum: Rochh. 31 „Langer Narr, dürrer Mann" (Pappel); ebd. 87 „De schwarz Frau" (PAinne); Andree 6 „Lütjer witter Junggesell" (Meer- rcttig); \V. 172 ,,'ne witt Madam" (Storch); W. 59 und 183 „Rod Ding" oder „ein rotes Fräulein" (Kirsche); bisweilen eine Zahl: W. 42 ,,Z\veiunddreissig Leoparden" (Zähne) oder W. 40 „Sieben gute Kameraden" (das Siebengestirn).

Die Bewegung wird relativisch bezeichnet, wie bei W. 68 „Ding, dat wippt" (Zunge), der Stoff wird in dem weit verbreiteten Würfelrätsel hinzugefügt, etwa W. 100 „Dor flucht 'n Vagel elfenbeeu", oder „Dor flööch 'n Vagel von Elfenbeen"; und auch im Aargau (Rochh. 17) „Vogel von Helpfebei". Endlich wird auch einmal eine lokale Bestün- mung hinzugefügt, W. 16: „König Hoochh»Dgen" (Eichel).

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Die Beschreibungen*

Trat uns schon bei den Benennungen eine Fülle von Formen entgegen, so wird diese bei den Beschreibungen geradezu erdrückend. Wer sich in diesem Wirrsal zurecht- finden soll, sucht vergeblich nach einem Einteilungsprinzip. Denn während die Benennung nur einen Zug darstellte, kann die Beschreibung ihrer mehrere vereinen, sie kann an den Inhalt der Benennung' anknüpfen oder den Gegenstand von ganz anderer Seite ins Auge fassen; sie kann mit direkter Schilderujig, mit Vergleichen und Bildern operieren, sie kann den Gegenstand selbst sprechen lassen oder von ihm er- zählen; sie kann ihn in seinen Teilen ausmalen, oder auch mehrere Dinge zu einem Ganzen zusammenraffen; sie kann auch innerhalb eines Rätsels auf das mannigfachste wechseln in Auffassung und Stil.

Wir wollen uns bemühen, durch diesen Wald einen Pfad zu finden und möglichst vom einfacheren zum kompli- zierteren aufzusteigen. Je nach der spärlicheren oder reichlicheren Entfaltung des beschreibenden Elements, je nach der Fülle von Gegenständen, die in das Rätsel hinein- gezogen werden, bilden wir zunächst einige mehr äusserlich gegebene Hauptgruppen, innerhalb deren wir dann freilich, gemäss der stetig durcheinander wogenden Menge der Typen, etwas freier anordnen müssen.

I. Ein Gegenstand (Vorgang u. s. w.) wird, als Ganzes,

durch einen beschreibenden Zug bestimmt.

Dies dürfte der einfachste Fall sein, kaum aber die hierhergehörigen Rätsel die ältesten. Auch genügt eine blosse, einfache Beschreibung keineswegs zur Bildung eines Rätsels; irgend eine Erweiterung tritt also hinzu; sei es die künstliche Bildung eines Gegensatzes, wie im west- preussischen Rätsel vom Kalk:

Für tilgt sonst Watersfluth, Mi sät Water erseht in Grlutli.*)

9 Violet, a. a. O., Nr. 11. Das Bätsei schmeckt etwas schul- meisterlich. Kaum ist es echt volkstümlich.

6*

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sei es ein beneunendes Element; dieses kann natürlich auch wieder bedeutungslos für die Beschreibung sein, gentigt dann aber auch nicht für ein Volksrätsel. In diesem Falle tritt Umwandlung in die Personifikation ein. Wie vorzügüch sich gerade diese Art der Einkleidung eignet, beweist uns das weit verbreitete^) Rätsel vom Eiszapfen, das etwa im Braunschweigischen lautet (Andree Nr. 3):

Am (iäk von fisen hüse

Ilang^ ne Perlapiise,

Wenn de leiwe sunne schint, ^

Use Perlapüse wint.

Das Wort „wint" hält die rechte Mitte zwischen einem „schmilzt", was zu viel verraten, und einem „tropft", was zu wenig sagen würde. Beides ist dort vereint, der Unter- gang, der „unserer P." von der Sonne droht und die Form der Auflösung. Die Zusetzung des „üse" ist im VolksrätseJ nicht bedeutungslos; der Niederdeutsche setzt sich geni durch solche Possessivpronomina und ähnliche Mittel mit dem Gegenstande in nähere Verbindung, ein Bestreben, das wir schon bei den Rahmenelementen nachweisen konnten. Um ein solches handelt es sich auch in der ersten Zeile unseres Rätsels. Man könnte ja darüber streiten, ob das Rätsel übei'haupt in diese Reihe gehöre, denn es enthält scheinbar zwei beschreibende Elemente: eine Angabe des Ortes („Am Dach" u. s. w.) und eine der Schicksale des Gegenstandes. Betrachten wir aber die anderen überlieferten Fassungen, etwa die mecklenburgische, so finden wir bald. dass die Urform des Rätsels begann: „Hinner unsem Hus". also mit einem ganz gewöhnlichen Rahmenelement, das auch mit allen möglichen anderen Gegenständen verbunden werden kann. Die braunschweigische Fassung zeigt aber auf das Deutlichste – und darum ward sie an die Spitze gestellt -. wie wenig doch dem Volke die magere Einzelbestimmung der Personifikation zur Beschreibung und Erkennung des Gegenstandes genügt. So erweitert sich denn das Rahmen-

1) W. 45 u. d. Anm.; verbreitet ist es freilich nur auf nieder- deutschem Gebiete.

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– 85

element zu einem beschreibenden /u>io. I.«i i Fall, so wird aus der Besclnvibuu^i solh^C * .. Element gezogen, das aber auch soinoiMtllii iiii' iriäruQg dient (weshalb die Jionunontlon" IVii' sondert bebandelt, sondern hier mit al)>{v(hiiii \v j vergleiche etwa die braunschwoijfi^cho hV^Mimi. - wurfrätsels (Andree Nr. 5):

Hinner Ason IiAmo Ploigpt vaddcr Kirtni» One plau>? un Am« nid. Kae niAl tau wiit in (lii< ?

E!|g'entlich besehreibend ist nur die Ut^HiUumwuy |/)i die besondere Art des Pflfigea^ ,,<)\um Vttuu: imhI oIhm !■ ■■ lässt zwar den Hörer auf einen AuiftuihUrk «hil/' m, »i/* •' . Möglichkeit des Voriranges zweiWo, j^j^^bt jliiri /ih/i ti'o i> , • verstehen, dass es sich nicht urn 'jiri'?« i/,itwf'fUfi\if'\it a l'll»- y handelt

Noch weiter g*rht di^ l'er*//r,;*;k/it;v». /."r»', /|> / /// . ,, stand seihst redrrci iir:(*r'V;,:t >/,.";, (/,'.'? Tv/o i//..//

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– 86 –

Wirkung, die der Gegenstand auf den Menschen auszuüben vermag; die Ausdrucks weise ist drastisch und recht persön- lich. Diese Lebendigkeit bekommt eben das Rätsel erst bei reicherer Ausbildung; hier genügte schon der adjektivische Zusatz, der die Benennung in das Gebiet der bedeutsamen Namen erhob. Ist die Benennung aber schon an sich be- deutsam, so hat das Rätsel um so leichteres Spiel. Meist wird eben eine Schilderung des Aussehens, der Gestalt, Grösse, Farbe durch die Benennung schon vorweg genommen und das Rätsel fügt dann noch eine Bestimmung ähnlicher oder abweichender Natur hinzu. Zu stark ausgeführter Personifikation entwickelt sich die Benennung im Rätsel vom Feldweg, das etwa im Pommerischen') lautet:

Langmann, Schlankmann, Künn he sik uprichten, Güng he gen Himmel btchten.

Das hemmende Element unterrichtet uns zugleich über die Lage des Gegenstandes, über die Richtung, in der sich seine Länge erstreckt, natürlich in versteckter, übertragener, aber lebendiger Weise des Ausdrucks.

Unter einem hübschen Bilde schildert ein tirolisches Rätsel 2) die Zerbrechlichkeit des Eies:

Mutter thuts Kuchelkastel auf Und bringts nimmer zu.

Die Benennung nach dem Aussehen ist durch eine Be- schreibung der Thätigkeit ergänzt im braunschweigischen Rätsel vom Kohl (Andree 2):

Hinner üsen hüse Steit ne Krickelkrüse Je doUer as de wind weit, Sik üse Krickelkruse dreit.

Endlich vereinigen sich Benennungen verschiedenster Bildung und Bedeutung mit kurzen Ortsangaben in jenen

*) Vgl. P. Quistorps Monatsschrift „Das liebe Pommerland", I, 1864, S. 228, Rätsel Nr. 4. 2) Renk 85.

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schon erwähnten kurzzeiligen Rätseln, wofür wir noch je ein ober- und ein niederdeutsches Beispiel anführen.

Rochholtz, Zeitschr. f. deutsche Mythologie, Bd. I Nr. 87 (Pfanne, Ofen, Floh, Fliege, Uhr):

Die schwarz frau in der chuchi, De grosshans i der stube, Im sprüerbett der giimper, De chlebber a der dieli, De chlöpfer a der wand;

Andree, Nr. 17 (Mond, Hund, Bank, Besen): .

Up'n däke helle, Vor*n hüse beUe, TnV stawe biff baff In'r koke kriz kraz.

ir.

Ein Gegenstand (Vorgang u. s. w.) wird, als Ganzes, durch mehrere beschreibende Züge bestimmt.

Genügen auch schon mehrere, beschreibende Elemente in den meisten Fällen durchaus zur Rätselbildung, so gewinnt doch das Stück durch Hinzutreten einer Benennung ganz ungemein an Lebendigkeit und findet um so leichter den Übergang zu der so beliebten Personifikation.

Benennende Klangbilder schildern, wie wir sahen, meist die Bewegung oder die damit verbundenen Geräusche, die Stimme eines Gegenstandes. Ergänzt werden sie aber meist in anderer Richtung. Zunächst tritt eine, freilich nicht immer sehr bezeichnende oder organisch notwendige Orts- bestimmung hinzu. Dann folgt etwa als Hauptteil eine Be- schreibung des Aeusseren, wie in den oben schon in anderer Form aufgeführten Rätsel von der Egge (ostfriesisch, Meier Nr. 34):

Heitereltelt gung over'l Feld,

Wel het so völ Beenen as Hetereltelt?

Oder eine Eigenschaft tritt hinzu, beim Ei etwa, wie wir schon einmal sahen, die Zerbrechlichkeit. Hierher gehört

I

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das weitverbreitete Rätsel von „Entepetente", das in Braun- schweig lautet (Andree 8):

Hummelke Triimmelke lag up'r bank, Hummelke Trummelke feil von'r bank, Et was kein doctor in'n gansen land, De Hummelke Trummelke we*er mäken kann,

was in Schlesien, durch Vermischung mit einem andern Rätsel vom Ei,^) folgende Gestalt erhalten hat: ,/s iis a Fääs an wänns zerschlaan is, käans kä Bend'r mee macha'^ (Peter Nr. 334).

In gleicher Richtung wie die Benennung bewegt sich die Beschreibung nur dann, wenn es sich um eine speziellere örtliche Festlegung der dort angedeuteten Bewegung handelt. Hierher gehört das ostfriesische Froschrätsel (Meier Nr. 28):

Wicker de Wacker Sprung over de Acker, Wicker de Wacker sprung in de Sloot, Noch was Wicker de Wacker neec doot.

Die Beziehung auf den Menschen deutet ein schottisches Rätsel von der Nessel an, das in seinem Kerne auch in deutschen Rätseln wiederkehrt (etwa bei W. Nr. 51). Es lautet (Chamb. 10):

Heg-beg adist the dike, Heg-beg ayont the diJce, If ye touch Heg-beg, Heg-beg will gar you fike,

also mit stark persönlicher Auffassung, wie auch das schlesische Rätsel vom „Schatten", dessen Bewegung recht undeutlich gemalt wird (vielleicht mit Übertragung aus einem andern Stücke), dessen Schicksal aber um so besser (ähnlich wie im Eiszapfenrätsel), beschrieben ist (Peter 319):

Gickala Gackala Ging iwrsch Ackala, Wii d' liibe Sonne schiin, Ging Gickala Gackala wiidr Mäm.

1) Vgl. etwa W. Nr. 25.

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Natürlich braucht die Benennung keineswegs immer eine Klangmalerei zu sein. Enthält sie einen bildlichen Aus- druck, so wächst sich die Beschreibung gern zum vollen Bilde aus. Arbeitet sie mit emer freien Appellativbildung, so geht das Ganze leicht in eine Personifikation über. An- gaben des Fundortes wechseln mit Bestimmungen über den Stützpunkt ab, den Teil des Gegenstandes, auf dem sein Gewicht ruht. Vergl. das Kirschenrätsel (Renk 110):

Steht ein Vogel auf ein Fuss, Isst kein Muss, Trinkt kein Wasser, Hat kein Wein, Rat was für ein Vögele das wird sein?

Das Rätsel arbeitet in der Hauptsache mit hemmenden Ele- menten, das Bild ist sehr unvollkommen durchgeführt, weil das tertium comparationis „Steht auf ein Fuss" doch gar zu schwach ist.

Besser durchgeführt sind meist Personifikationen, wie das Rätsel vom Wurm, das im Schlesischen (Petor Nr. 341) lautet:.

'Siis ju dar Lange, Keimt heinde rai gange: Ar säet: Joet mir d* Hiinr and d* Gans, Forn Hounde färcht ich mich nii.

Das hemmende Element giebt eigentlich den wichtigsten Teil der Beschreibung. Der Benennung fügt die schottische Fassung noch ein wichtiges Moment hinzu, wie sie auch die Räuber auf dem Hofe noch vollzähliger nennt (Chambers Nr. 25):

Lang man legless Gaed fo the door staffless, Goodwife, take up your deuks and hens, For dogs and cats I carena.

Kürzer und unbestimmter ist eine andere schottische Fassung,*) die auch die alte Bezeichnung j^lang man^ fallen lässt:

1) Grregor, 38.

I

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Reddicky roddichy rins on the dyke, Keep awa' yir dock in hen, I carena for yir tyke,

Gut durchgeführte Bilder begegnen nicht selten: Von der äusseren Gestalt nimmt das niederdeutsche Rätsel vom „Eis- zapfen als Hammer" seine Benennung, und die Beschreibung führt dies näher aus, als hemmendes Element (etwa Meier Nr. 39):

Achter mien Vaders Kamer, Dar hangt'n blanke Hamer, De dar mit timmerii kan, Dat is'n künstig Man.

Zu beachten ist die wichtige Bestimmung, die in dem Adjektivum „blank" liegt.

Ein sehr beliebtes und verbreitetes Rätsel dieser Art führt das Ei unter dem Bilde einer Tonne mit zwiefachem Inhalt und – als „hemmendes Element" – ohne Band und Reifen vor. Hübsch wird hier die Ortsbezeichnung durch einen Ländernamen ausgedrückt, der noch eine besondere, geheime, durch eine etymologische Spielerei herausgebrachte Bedeutung hat. Man vergleiche etwa zwei mecklenburgische Fassungen (W. 25 f.) :

Dor keem 'n lütt Tümming iit Holland, Hadd nich Staff oder Band, un keem liker ut Holland. –

Kümmt 'ne Timn' ut Engelland, Ohne Bodden un ohne Band, Is tweierlei Bier. in.

„Holland" und „Engelland" sind gleichwertige Be- zeichnungen. Die Beschreibung der Tonne ist durch sie schon angebahnt, darum kann sich die weitere Bestimmung schon in der Form des hemmenden Elements bewegen. Dass die Tonne trotzdem sehr fest hält, drückt die erste Fassung nochmals in neckischer Weise aus: „Keem liker ut Holland", was scheinbar auf einen weiten Weg schliessen lässt. Dafür fehlt die Angabe des Inhalts, die in der zweiten Fassung hinzutritt und wohl dem Rätsel von alter

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Zeit her angehört Die beiden Haoptbezeiehnungen ,;Fass ohne Band" und „Fass mit zweierlei Bier' treten aber nicht selten isoliert anf, wie denn das Rätsel anf seinen weiten Wanderungen die in fremden Sprachen natürlich nicht ver- ständliche Ortsbezeichnung ganz oder bis auf einen schwachen Brest verloren liat Ist er doch, wahrscheinlich in deutscher Sprache, in den skandinavischen Norden gelangt Zwar hat das Rätsel der altnordischen Herwararsage (Nr. 17) vom Schwanenei wenig mit dem nnsem gemeinsam:

Bdru hrundir, bleikhaddafiar, Ämbdttir tvcer öl tii skemmu; Varat pat höndum harfit, Ne hömmm klappat; Sjä var üt vit5 eyjar ördigr, er ^örÖ».

Es spricht mehr von den Farben der verschiedenen Teile und beschreibt im „hemmenden Elemente'* die nicht gewöhnliche Herstellung, sieht nur im Dotter ein Bier und braucht nicht in litterarischem Zusammenhange mit unserem mecklenburgischen Rätsel zu stehen, denn solche Einzelzdge können an allen Punkten der Erde selbständig gefunden werden, wie denn auch das .,Fass ohne Band** im Rätsel der Einwohner Madagaskars von der „kleinen Tasche mit unsichtbaren Näthen"^) eine gewisse Parallele hat. Dagegen lebt unser Rätsel noch heut im schwedischen Volksmunde: verkürzt (Ztschr. f. d. Mytb. 3, 345, Nr. 19): Eit fad u tu las äöl; dagegen vollständig und mit einer der deutschen ähnlichen, doppelsinnigen Ortsbezeichnung: in Västergötland {Bidrag tili Kännedom of de Svenska landsmälen ock svenskt folklif, VII 4, 5 Nr. 17):

Det kom en tunna ifran Inland Ock gick at utland.

Med litet tili laggar o<k inte nagot tili bandy Men med twd slags dricka, Men hvarken tapp aller smcka.

Anderwärts ist eine farblosere Ortsbezeichnung ein-

1) Folk-Lore Journal ,yo1. T, 15.

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getreten. Wo man das Wortspiel nicht nachahmen konnte, behalf man sich eben, so gat es ging. Da lesen wir in den Rätseln, die Dybecks „Runa" 1849 brachte, unter Nr. 6: Det kom en tunna frdn främmande land, utan laggar och utan band, vied tu slags el in.

In dieser Form ist das Rätsel zu den Lappen ge- kommen; es lautet dort:') „Es kommt eine Tonne aus fremdem Land, sie hat nicht Spund noch Band, enthält aber zwei Arten von Bier.'' In den nichtgermanischen Sprachen (im Englischen kann ich ein ganz entsprechendes Rätsel bis heut nicht nachweisen) bleibt die Ortsbezeichnung einfach weg; die andern Teile des Rätsels erhalten sich, teils zu- sammen, teils vereinzelt, bisweilen auch mit neuen Zu- thaten.

Es sei mir erlaubt, noch einiges beizubringen. Die Be« Stimmung des Inhalts fehlt etwa im französischen Volks- rätsel aus Bearn (Lespy, prov. du pays d. B. 1876 Rtsl. nr. 11; auch bei Rolland;:

A nouste que y ha u barncoutet Qui n'ha ni cercle ni brouquet

Ebenso andere Fassungen, die ich hier beibringen kann, etwa aus Pineau's^) Sammlung aus Poitou (Nr. 16): Un

ßac de monture qui na ni point ni coiUure. Oder aus Armagnac (Bladö, a. a. 0., Nr. 97.):

Round, round comnie un barricoutet,

Sense ceucle ni brouquet.

Das Rätsel scheint also in Frankreich nie die Bestimmung des zweierlei Inhalts geführt zu haben. Nun hat zwar Rolland aus den erhaltenen Ausläufern der ältesten fran- zösischenRätselbücher(Questions enigmatiques und Adevineaux amoureux) nichts beigebracht, und eine eigene Einsicht war

1) Poestion, Lappländ. Märchen etc., Wien 1886 (Rätsel, S. 267 bis 270), Nr. 35. Poestion ^iebt Nr. 1–30 auch die Rätsel, die schon von Donner, Lieder der Lappen, Ilelsingfors 1876, gesammelt waren.

2) Le Folk-Lore du Poiton. P. 1802. S. 477 ff.

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mir selbst in Berlin nicht möglich. Immerhin könnte dort noch eine Passung stehen oder wenigstens in den verlorenen älteren Büchern gestanden haben; wenigstens hat das alte Strassburger Rätsel buch in auffälliger Übereinstimmung(Butsch, Nr. 152): „Ein Fesslein das ist voll gebunden Fast geheb on hardt ' und on bandt hott auch kein reyff . " Dagegen hat das Italienische die Bestimmung auch des Inhalts; die Be- schreibung der Tonne ist originell umgewandelt:

Oi ho un botticino Di due sot-fi di vino. Non ai apre e non si sen*a Se non si butta in terra.

(Rätsel aus d. Italien. Mant, bei Pitre, Arch. Bd. I, ges. V. Gianandrea.) Einen neuen .Zug fügt noch das Slavisehe hinzu, ein hemmendes Element: „Ich habe ein Pässchen, darauf ist kein Reifen, in dem ist zweierlei Wein und doch vermischt er sich nicht.** Das Lithauische steht dem Deutschen wieder ganz nahe: „Ein kleines Fässchen, ohne Dauben und ohne Reife, innen zweierlei Bier" (Schleicher, S. 196).

Im ganzen wird man vielleicht sagen können, dass gerade das Deutsche, vorzüglich das Niederdeutsche, weiterhin über- haupt die germanischen Sprachen besonders zu Ortsangaben neigen, wie wir ja schon bei der Betrachtung der Rahmen- elemente beobachten konnten.

EndUch sei noch das in Niedordeutschland sehr bekannte Rätsel vom Bienenstock angefülirt, das insofern schlecht komponiert ist, als die zweite Bestimmung von seinen Be- wohnern, den Bienen, handelt, wenn man überhaupt in der ersten Zeile eine Ortsangabe wesentlicher Art und kein blosses Rahmenelement erblicken will. Es lautet etwa in Braunschweig (Andree 4):

Hinner usen huse Dat steit ne Krickelkrackelki'üse. Se mijet herin, Se scMtet her in, Un wt stippet Üse brot herin.

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Das Rätsel scheint aus älteren Stücken zusammengeflickt zu sein. Man vei'gleiche im alten Strassburger Rätselbuche (Butsch, Nr. 66): „Wölcher Dreck gut zu essen sey." ~ „Von der Bien, das ist das Honig." Auch ein Bienenrätsel aus Welschtirol kann herangezogen werden ^Schneller, Nr. 5):

Jo porto U manto d'oro, Che serve al mio decoro Per praü e per giardini vada a convito, Del mio sterco ognun si lecca il dito.

Die unbenannten, nur mit Beschreibungen arbeitenden Rätsel brauchen naturgemäss eine grössere Anzahl vielseitiger Bestimmungen, wenn sie recht deutlich werden sollen. Auch hier ist die Ortsbestimmung sehr beliebt, besonders, wenn das Rätsel weiterhin nur Aussehen, Gestalt u. s. w. behandelt, doch kann sie fehlen, wenn z. B. die Geschicke, die Be- handlungsarten eines Gegenstandes, die Stufen seiner Ent- wiekelung oder Bearbeitung dargestellt werden, kurz: „seine Geschichte". Wir werden weiter unten mehr solche Stücke kennen lernen, hier genüge als Beispiel etwa das schweizerische Rätsel von der Weinrebe^}:

/ Hau se nid und such se nit,

Leg se ab und brich se nit. Mach' er* es unt* und obe guet, Ass«sie's hüer wieder thuet.

Der Gegenstand selbst wird, gerade auf Veranlassung der Ortsbestimmung, meist in irgend einer Weise eingeführt durch eine unbestimmte Bezeichnung oder ein Pronomen. Es müsste denn sein, dass die Ortsangabe selbst in partizipialer Form als Attribut des Gegenstandes in das Rätsel hineingezogen wird, was in Frankreich nicht selten ist (vgl. etwa Blade, Nr. 53, Rätsel vom Kirschbaum): ^^Haut mountat^ tout abülat de rouge^\ aber auch in Deutschland vorkommt, etwa in dem besonders im Vlämischen beliebten, doch auch in Mecklenburg und sonst nachweisbaren Regenbogenrätsel (W. 212):

1) Rochh. Nr. 38.

Hooch erhoben, krumm gebogen Wunderlich erschaffen: Wer dat raadt, .sali öwer Naoht bi

j Volksk. 1,151:

' Hoog omhooge.

Krom gebogen Van God geschapen, Kiemaud die dar aan kan rakon.

I In ähalicher Weise verfahren noch zwei schweizerische Rätset der Roehholtzischen Sammlung (Nr. 36 f.):

Hoch umme droijt, Nieder abeg'weijl. Und in sack io gnait. (Laus.)

Hoehgebore, Niederg'schore,

Wit V erb reift,

N5ch z'samme g'leit. (Heu.)

SoDst wird also der Gegenstand auf irgend eine Weise eingeführt; am stäi'ksten tritt er hervoi', wenn ihm selbst die Beschreibung in den Mund gelegt wird, wie etwa im tirolischen Rätsel vom Knoblauch (Renk, 109):

Ich wachs im Acker, Toll und wacker, Hab neim Haut, Und beiss die Leiit.

Natürlich ist die Ortsangabe liier von Bedeutung, und kein Rahmenelement. Im Gegenteil scheint das ganz bedeutungs- lose „toll und wacker" eine blosse Reimbildung auf „Acker" zu sein, wie auch in dem gleichbedeutenden mecklenburgischen Zvriebeb-ätsel (W. 190):

') Älil gemildertem Schlüsse in dem jüngert'n „Kii'^keii- biichlein" :

Ruiidgebogen, hochevhobeu, Wunderbar erschaffen, Wer mir dies errathen kann, Soll heat tning Bohlaffen.

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Dor steit'n Mann in'n Acker, heet Wacker, He bitt de Lud, un de Lud' bilen em.

„Wacker" ist ein alter niederdeutscher Hundename, der sehr bald, da ja Hunde nicht selten zum Vergleich herangezogen werden, in ein Volksrätsel eingedrungen sein und sich dann als konstanter Reim auf „Acker" erhalten haben kann (vgl. Huse – Perlepuse). Ktwa „der Gedanke" bei W. 106 b: „Dor leep 'n Itltten Htinning ,Wacker^ de leep öwern grund- grönen Acker". Wurde dann der Name auf Rätsel über- tragen, wo er keinen Sinn hatte, so wurde er entstellt (Racker, z. B. W. 190 b) oder adjektivisch ausgeformt, wie in unserm Rätsel. Nicht alle Varianten zeigen den Eingang: „Ich wachs im Acker", es steht auch da: „Dor steit'n Mann im Acker", oder kürzer: „Es steht im Acker" u. dgl., eine Benennung unbestimmter Art, aber jedenfalls immer eine Einführung. Das zweite Element, die „sieben Häute", wechselt in den Varianten mit „neun Haut"; beides bezeichnet eben nur, was dort auch zu finden ist: „viel Häute". Bestimmte Zahlen sind ja aber der ganzen Volkspoesie geläufiger, als solche unbestimmten Bezeichnungen, wie „viel", „sehr viel"u.dgl. (vgl. Wossidlos Register unter „Zahl"); uud bekannt sind G. Sachses Scherze über die Häute der Frau u. dgl. Vom Kohl heisst es (W. 189,: „Hett nägenunnägentig (99) Pelzen an." Das dritte Element, das die Wirkung auf den Menschen schildert, ist zugleich hemmender Art, indem es die Gedanken etwa auf ein Tier lenkt. Das Rätsel spielt mit dem Worte, indem es den wirkUchen und übertragenen Sinn von „Beissen" verwechselt, was zur Belebung wesentlich beiträgt, was auch in einer Variante bis zum hemmenden Gegensatze gesteigert wird, wie wir oben sahen („Un de lud' biten em"). Wir sehen aus dieser Analyse, wie viel Handhaben ein Rätsel ohne jede Benennung der Lösung bieten, wieviel Hindernisse es auch durch Reimspielereien und Hemmungen ihr bereiten kann. –

Wie unbestimmt ein derartiges Rätsel aber auch sein kann, zeigt ein anderes Rätsel, das eigentlich nur mit einem

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einzigen beschreibenden Zuge in gegensätzlicher Form arbeitet (Meier, ostfries. Nr. 17, Windmühle):

Tüsken Loge un Leer, Dar steit 'n wunderliek Deer. De etl un frett, Un wart nooit neet satt, Ba, ra, wat is dat.

Die Ortsbestimmung ist unwesentlich; viel bedeutsamer wird sie, je mehr die Bezeichnung des Gegenstandes an Klarheit abnimmt, etwa im folgenden von der Dachrinne (Renk 149):

Es geht etwas vom Haus, Schreit aUweil: Glig, glag! Wenn ich nur alle Meine Kapplen hat.

Die Einleitung ist ganz ähnlich dem niederdeutschen Rätsel von der Schere (auch W. 107), das ich in der Mark in dieser Form hörte: „Et löppt wat 'n Weg lang, frett väl und säd toletzt: Knipps." Das hemmende Element, das Motiv der „Kappen", löst sich in ein beschreibendes auf, wenn man von der persönlichen Einkleidung des Rätsels ab- sieht. „Kappen" sind die kleinen Vertiefungen, die der fallende Regentropfen im Sande hinterlässt, eben nicht ihrem Zwecke nach, sondern der Form nach verglichen.

Ähnlich wirkt durch Wiedergabe des Geräusches ein tirolisches Rätsel von der Uhr, mit ziemlich deutlicher Orts- angabe, die eine weitere Bestimmung tiberflüssig macht (Renk 126):

'S ist etwas im Kammerle, Thut alleweil Timmerle Tammerle.

Ebenso kurz, aus Orts- und Thätigkeitsbeschreibung zu- sammengesetzt, ist das schweizerische Flohrätsel (Rochh.Nr.9) :

'S isch öppis uf em Stöckli, Und gumpet wie nes Böckli.

Personifikationen lassen ein Rätsel meist etwas weiter auf- schwellen; so haben wir drei Bestimmungen im schweizerischen Rätsel von der Dombeere (Rochh. Nr. 28):

PalftMtra. IV. 7

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'S isch öppis am-ene Raiuli, Streckt alle sine Bainli, Mit Ang-st und Noth G'friert sis Chöpfli roth.

Sehr beliebt ist eine Gruppe von Rätseln, die etwa folgendermassen zusammengesetzt sind: 1) Unbestimmte Be- zeichnung des Gegenstandes selbst (Ding, etwas, es u. dgl.); 2) Ortsangabe für den ganzen Gegenstand (meist bedeut- sam); 3) Bestimmung (Iber das Verhältnis des Gegenstandes zu dem angegebenen Orte (steht auf u. dgl); 4) Hauptteil: Ein Attribut, ein Teil des Gegenstandes, direct oder bild- fich benannt (meist eingeführt durch „hat"); 5) Bestimmung über das örtliche Verhältnis dieses Teiles zum ganzen Gegen- stande, Angabe des Punktes, an dem der Teil dem Ganzen an- oder eingefügt ist.

So die Gans (ostfriesisch, Meier 41):

Dar drifft'n Ding und er de Brügge, Hett'n Bruutbedd up de Rügge.

Derber das tirolische Rätsel von der Henne (Renk 80):

Springt etwas ums Haus, Hat ein Panzele im Arsch.

Ebenda von der Katze (R. 72):

Es springt etwas ums Haus Und hat a Lattle im Arsch.

Zahmer im Schlesischen (Peter 336):

'S giid of a Bood 'm An hood a Schläckla am Recke.

In der Schweiz sind zwei Fassungen des Rätsels zusammen- geschweisst (Rochh. 10):

'S goht öppis um euser stüdli, Und het en besen im füdli, 'S goht ums hüs um h'lange, Im füdli e g'höörige stange.

Ebenfalls durch den Reim gebunden ist ein tirolisches Rätsel vom Wandleuchter (Renk 178):

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Es häng-t an der Wancl, Hat ein Stabel in der Hand.

Zwei ganz ähnliche Rätsel, die Alois Menghin „aus dem deutschen Slldtirol" Nr. 2) und 6) mitgeteilt hat, werden vielleicht paarweise aufgegeben:

2. Es steht was hinterm Haus,

Und hat a roth's Kappel auf. (Erdbeere.)

6. Es ist etwas vor'm Haus,

Hat ein blau's Kappel auf.^) (Weintraube.)

Zu unserer Gruppe gehört auch das Hagebuttenrätsel, das auch in Oberdeutschland die anthroporaorphische Auffassung zeigt (R. 111):

Es steht am Rain, Hat die Wampen voll. Stein.

Die niederdeutsche Neigung zur Personifikation hat dem Rätsel etwa in Mecklenburg eine weitere Ausführung ver- schafft. (W. 209):

Es sitzt ein Männchen im Strauch, Hat ein schwarzes Käppchen auf, Und einen roten Mantel um, Steinchen im Bauch, Wie heisst das Männchen im Strauch?

Wenn die Schlussbestimraung über den Punkt am Gegen- stande, wo der beschriebene Einzelteil eingefügt ist, fehlt

*) Auf das paarweise Aufgeben von Rätseln wird in unsern Sammlungen noch immer zu wenig geachtet. Meist ist das eine Rätsel sehr leicht, das andere, ähnlich lautende, um so schwerer. In Berlin notierte ich:

a) Im Winter wird drin eingehutzt.

Im Sommer steht er unbenutzt? (Ofen.)

b) Im Sommer wü'd drin eingehutzt.

Im Winter steht er unbenutzt? (Dampfer.)

So gehören zusammen : Haase (Ztschr. d. Ver. f. Vk., Bd. V, S. 180, IS^r. 2, 3 aus Greussen, Thüringen): „Es geht ums Holz herum und legt Teller" (Hausfrau). – „Es geht im Rölz herum und setzt Teller" (Knh im Walde).

7*

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(bei dem Satze „bat ein Kapple auP feblt sie nicht, sondern ist nur verkürzt: = auf dem Kopfe"), dann handelt es sich nicht um ein ursprünglich nach unserra Schema gebildetes Rätsel. Man sehe Peter 376 (Rauchfang):

'S seitzt ofm D&che, An hoat a Tobaksfaife.

Man möchte vielleicht ergänzen: „im Munde". Aber die niederdeutschen Fassungen zeigen, dass es sich um eine An- gabe der Tliätigkeit und nicht, wie bei der oben behandelten Gruppe, um das Aussehen, die Gestalt handelt. Aus der ückejmark wurde mir von M. Gerhardt freundlich mitgeteilt:

Sitt up't Dack Un rookt ein Pip Toback.

In Mecklenburg (W. 320) mit noch stärkerer Personifikation:

Sitt'n Mann up't Dack, Rookt 'ne helle Piep Toback.

Das md. Rätsel empfand Dach : Toback natürlidi nicht mehr als Reim und von da aus ging die weitere Verderbnis des Textes vor sich.

Auch sonst giebt das mitteldeutsche Rätsel oft gleich- sam nur ein Surrogat der volleren niederdeutschen Fassung; so vergleiche man das Rätsel vom Regen (Peter 325):

'S giid ems Haus, Hackt Lächla ans.

mit der mecklenburgischen Form (W. 108):

Poli ckerp ola cker , Leop öwer minen Vader sinen Acker, Haad mihr Sporen As Hunn' Heren. *)

1) Auch das alte „Entepetente" -Rätsel ist in Schlesien kor- rumpiert (Peter, 3B3):

'S fällt vom dache, 'S schleet sich azwee und kääns kä zimmerm&an mee macha.

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Also die Benennung kommt hinzu, die Ortsangabe ist passender, die Regenspuren sind deutlicher und in ihrer Menge gezeichnet.

Die Verbindung von Ortsbestimmung und Thätigkeits- angabe findet öfters statt, etwa in einem tirolischen Rätsel von der Uhr (Renk 30):

Es steht auf der Mauer Und ruft alle Bauern.

Eine bildlich gefasste Ortsbestimmung kann das ganze Rätsel in den Rahmen dieses Bildes zwingen (Mutterbrust, Rochh. 74):

Hanget zweu fläschline a der wand, Die händ weder rieft no band.

Auch hier kann statt des Ortes der Stützpunkt angegeben werden (Volkskunde 1,27, Kohl):

Wat Staat er op eenm poof, En draagt zijn herte in zijn hoopd.

Dies niederländische Rätsel erscheint in Mecklenburg um einen Zug vermehrt, doch ist der Reim durch Übertragung in das Hochdeutsche vernichtet [W, 200): „Es steht auf einem Bein, ist kugelrund und trägt das Herz im Kopf."

Ist das Rätsel auf keine Weise durch eine Einführung des Gegenstandes mit „ein Ding, etwa, es" u. s. w. be- gonnen, so steht am Anfang gern eine Vergleichung. Diese kann sich in parallelen Reihen durch das Rätsel fort- setzen, kann aber auch in anderer Form ergänzt werden. Im deutschen Südtirol (Menghin Nr. 7) heisst es vom Strick : „Lang wie eine Stang', Dick wie eine Maus, Hat ein höl- zernen Kopf auf." Natürlich kann auch hier wieder eine Einführung bequem hinzutreten, wie etwa im schottischen RätseP) von der Taschenuhr:

It'a 08 roon's the meen, An aa clear's crystal . .

*) G^reeoT, Nr. 41

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Die Vergleichung kann auch auf eine Zeile beschränkt und (wie im Deutschen überhaupt nicht selten) durch einen be- schreibenden Zug ergänzt sein. So bei Renk 69: „Rund wie ein Kreuzer Und um und um voll Federn." Bezieht sich der Vergleich nicht, wie es gewöhnlich der Fall ist, auf die äussere Gestalt, sondern auf die Thätigkeit des Gegen- standes, so kann die Ausdrucksweise natürlich nicht die- selbe sein; es muss statt des Adjektivs ein Verbum ein- treten. So im lappländischen Flohrätsel (Poestion Nr. 34): „Was ist schwarz wie ein Priester, Springt wie ein Pferd, Und hundert Männer können es nicht zäumen." Schon am Schlüsse dieses Rätsels tritt das Motiv des Gegensatzes als hemmendes Element deutlich hervor, wird aber doch noch von den andern Teilen des Stückes an Bedeutung über- ragt, wie denn dies Verhältnis auch in deutschen Rätseln gar nicht selten ist. Man sehe etwa das niederdeutsche Rätsel von der Mühle:

Grise Grase Graue, Steit alle Nacht in'n Dane, Het kin Fleesch un het Mn Blood, Un deigt doch allen Minschen good.*)

Es giebt nun aber eine ganze Reihe von Volksrätseln, die fast ausschliesslich auf die Entdeckung* von scheinbaren Gegensätzen und Missverhältnissen ausgehen, sich also mit gewissen Klassen der „unwirklichen Rätsel" sehr nahe be- rühren. Vor allem der Zusammenhang von Ursache und

1) Die obige Fassnng stammt ans der meist als „Bremer Kinderreime" citierten, von Smid veranstalteten, aher anonjin erschienenen Sammlnng: ,.Kinder- nnd Ammenreime in platt- deutscher Mundart. Herausgegeben zum Besten des Frauenvereins. Bremen, gedruckt bei Johann Georg Hoyse. 1836." Das Büchlein ist heute ausserordentlich selten, sodass ich es selbst auf der Königl. Bibliothek zu Berlin nicht vorfand. Von einem Exemplare der dortigen Universitätsbibliothek (wohl aus J. Grimms Nachlass) habe ich Abschrift genommen und diese der Bibliothek des Würzburger „Vereins für bayerische Volkskunde und Mundartenforschung** überlassen.

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Folge seheint öfters gestört und das Rätsel zeigt das scharfe Auge des Volkes, das solche Gesetzwidrigkeiten überall auf- zuspüren weiss. Das Bild vor allem giebt zu solchen Rätsel- schei-zen Anlass, denn auch das beste Gleichnis hinkt nach einer Seite und das Volk deckt die wunden Punkte seiner eigenen Vergleiche rücksichtslos auf. Wenn ich von einem „Stuhlbein" spreche, so vergleiche ich die Stützen des Stuhles mit denen des Körpers, einmal ihrer Gestalt nach, indem der Unterteil schmaler als der Oberteil erscheint, und dann vielleicht noch wegen des Umstandes, dass der Körper so gut wie der Stuhl beim Stehen auf den Beinen ruht. Dass die Beine des Menschen auch zum Gehen dienen, lasse ich dabei völlig ausser Acht und hier wäre der Punkt, wo ein Rätsel einsetzen könnte.

Umgekehrt fehlt scheinbar die nötige Voraussetzung für eine Tliatsache, die eigentlich deren Folge sein müsste, etwa in dem französischen Rätsel vom Winde (Blade 4):

A pas ni car ni ossis E s'enba courre pous hosquis.

Es hat nicht Fleisch noch Bein, hat keinen Körper und, fragt das Rätsel, wie kann man laufen ohne Knochen, ohne Beine?

Mit diesem letzteren Typus wollen wir uns zunächst noch etwas beschäftigen. Wie hier der Körper, so fehlt auch das Leben als Voraussetzung einer Thätigkeit, z. B. im ostfriesischen Rätsel (Meier 30) von der Feder:

'T is van Levent, 't hett geen Levent, 'T kann elk un een doch Antwort geven.*)

öfters noch handelt es sich nicht um Thätigkeiten, die ein Ganzes, wie den Körper voraussetzen, sondern um vor- handene Teile, die auf einen umfassenderen Abschnitt des Körpers schliessen lassen, diesen Schluss aber nicht recht- fertigen. Im ostfriesischen Rätsel vom Kochtopf (Meier 29)

1) So auch mit dem Gegensatze von Tod und Leben das tirolische Rätsel vom „Kamm" (Renk, 11): „Es geht etwas Totes durch den Wald und nimmt das Lebendige mit".

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'T hell geen Kopp un't hett doch Ohren, 'T is wal maakt, man neet geboren, 'T hett geen Foot un't hett doch Tönen, Raat't nu, wenn Ji't raden könen,

werden zwei solche parallelischen Reihen von einem andern Gegensatze, der uns zu verstehen giebt, dass wir es trotz der Ohren und Zehen nicht mit einem lebenden Wesen ge- wöhnlicher Art zu thun haben, unterbrochen.

Besonders bei personifizierten, unbelebten Gegenständen ist dann die Form beliebt, dass das zu einer von dem Rätselobjekt ausgeübten Handlung scheinbar notwendige Organ fehlt. Dies tritt mit dem Motive der Körperlosigkeit eingeleitet und geschlossen, in dem Rätsel vom Echo auf (Blad6 21):

Bia sense cos, Parlo senae lengo, Enten sens' aureillos^ E hai de VaireS)

Ein ganz ähnliches Rätsel zeichnete ich, aber in ganz kor- rumpierter Gestalt, aus dem vogtländischen (Treuenschen) Volksmunde auf:

Ich bin in freier Luft geboren. Ich rede ohne Mund Und höre ohne Ohren Ich hab' kein Blut, Doch hab' ich Mut, Man kann mich fordern auf Pistolen, Ich komme sicherlich,

wo noch, dank der geschickten Personifikation, ein hem- mendes Element glücklich angefügt ist.

Zu den Teilen des Körpers tritt der Verstand hinzu im westpreusischen Rätsel von der Glocke (Violet Nr. 12):

Eck red aane Tung, Eck rop aane Lung, On aane Sen un Verstand Mack eck doch Freid un Leid bekannt.

1) Vit Sans corps, parle sans langue, eniend sans oreilles, Et näit de Vair,

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Natürlich köonen diese Gegensätze mit anderen ESementen verbunden werden, and anch die^ wieder anter sich in scheinbar g^ensätzUcbem Yerhältnis stehen. Ein inter- essantes Beispiel bietet Blade Xr. 19 (Brief):

Blane eoumo ti^i, Negre ctmmo Um tapumn. Parle soMc lengo^ Bei sens ceillsA)

Ein Rätsel derselben Sammlang (Nr. 8, die Kugel) zeigt uns ein Mittel, um die trotz der mangelnden Oi^rane ausgeübte Thätigkeit in ihrer Energie noch stärker hervorzuheben:

A pas nat pe ni taloun, E que court caumo un demoun.

Das schlesische Bätsei vom Schnee (Peter 321):

Es fliegt und hat keine Flügel, Es sitzt nnd hat kein Gesäss –

ist wieder nichts anderes, als der schwache Überrest eines der ältesten und schönsten Volksrätsel, vom Schnee und der Sonne, wozu schon MüllenhofF, Zeitschr. f. d. Myth. Bd. lll S. 18 ff. and neuerdings Wossidlo (zu Nr. 99) das nötige beigebracht haben. Ich will hier noch die Fassung des jüngeren Rockenbüchleins anführen:

Es kam ein Vogel federloss auf einen Baum, der blätterloss, Da kam die Mutter mundloss und frass den Vogel federloss.

Ein Hauptreiz, ein glückliches hemmendes Element, liegt darin, dass der „Baum blätterloss" in seiner wirklichen Wort- bedeutung, dagegegen der „Vogel federloss" und die „Muttor mundloss" als Rätselbilder aufzufassen sind.

Zu den fehlenden Körperteilen kann auch ein scheinbar notwendiges Werkzeug, ein Fremdkörper treten, wie im Rätsel von der Uhr (Andree 35):

1) Blanc comme neige, noir comme Väre, parle sana langue, voit Sans yeux.

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Wer hat keinen Stock un kann doch slan, Wer hat keine Päute un kann doch gan.

Insofern, als zur Aufnahme der Nahrung der Bauch dient, gehört hierher auch das tirolische Rätsel vom Betttuche (Renk 141):

Es geht zum Trog trinken, Ijasst die Wampen dahinten,

was in vielen Mundarten und Sprachen zu belegen ist, aber meist um die Hauptbestimmung des „Trinkens" verkürzt, wie es schon im jüngeren „Rockenbüchlein" steht: „Was geht ins Wasser und lässt den Bauch daheim?"

Wir gehen zum anderen Typus über, zu dem um- gekehrten Verhältnisse: Eine Voraussetzung ist gegeben, die scheinbar notwendige Folge bleibt aber aus. Notwendig kann sie natürlich nur vermöge eines bildlichen oder doppel- sinnigen Wortgebrauches erscheinen.

Zunächst ein Beispiel für den Fall, wo ein Organ vor- handen ist, aber scheinbar nicht benutzt wird. Zwei G-egen- sätze dieser Art sind in parallelische Reihen gebracht und durch eine nicht unwesentliche Ortsbestimmung eingeleitet in dem bis zur Selbstbeschreibung persönlich gestalteten Rätsel von der Mühle (Andree, 18):

Ik wone iip'n bärge, Ik hebbe fäute un gäe nich, Ik hebbe fitjen un fleie nich.

Die scheinbar natürliche Folge einer Handlung unterbleibt, weil eine Verwechselung von Augenschein und Wirklichkeit dem Rätsel zu Grunde liegt; so im schlesischen Rätsel von der Sonne (Peter, 318): „'S giid iwrsch wassT an werd ni nass", in gewissem Sinne auch im Rätsel vom Rauch (etwa ostfriesisch, Meier, Nr. 20):

'N Hus vul, 'N Land vul, Is doch geen Hand vul.

Ähnlich unterbleibt der mit einer Handlung, Bewegung u. s. w. ffewöhnlich und scheinbar notwendig: verbundene Zweck im

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Südtirolischen Rätsel vom Strohsäck (Menghin, 5): „Es geht zum Brunnen und trinkt nicht".

Eine starke Häufung derartiger Motive zeigt eines der allerverbreitetsten Rätsel der Weltliteratur, das Rätsel vom Sarge, der nach dem Volksrätsel seinen Zweck ganz und gar verfehlt zu haben scheint. Das bekannte, in Parallel- zeilen schreitende Rätsel steht seiner Form, seinem Typus nach nicht allein. Die Sammlung von Wossidlo z. B. bietet ein Stück mit der Lösung: „falsches Geld" (Nr. 402):

Wer es macht, der sagt es nicht, Wer es nimmt, der kennt es nicht, Wer es kennt, der nimmt es nicht.

und ähnlich eine Nummer über den Prozess (404). Das merkwürdige Rätsel scheint ursprünglich aus drei gleich- massig gebauten Zeilen bestanden zu haben, die von dem Verfertiger, dem Käufer und dem Benutzer handelten. So finden wir es schon in der Mitte des 16. Jahrhunderts, in der Rätselsammlung des Lorichius (S. 45 a^), in einer ein- facheren und einer mehr gespreizten Form, von denen für uns nur die erstere in Betracht kommt:

Qui manibus compingit opus non indiget illo, Quique emit hoc uti non vult, quique uiitur ipso^ Ignorat quamvis haheaU tu solve quid hoc sit?

So scheint es auch in den ältesten französischen Rätsel- büchern gestanden zu haben, wie es ih den Questions enig- matiques (bei Rolland, Nr. 279) lautet:

Celui qui le fait, c'est pour le vendre; Celui qui Vachete ne s'en sest pas; Celui qui s'en sert ne le voit pas.

So ging es einerseits nach Deutschland hinüber, wohl durch Vermittelung der Strassburger Drucke, und haftete in dieser einfachen Form im Süden. Vergl. Bntsch, Nr. 228: „Der

1) Citiert nach dem Exemplar der Universitätshihliothek zu Würzburg: Aenigmatum lihri HL recms consctnpti, recogniti, et aucti, auctore Joan. Lorichio Hadamario, Bild. Francoforti, apud Ghristianum Egenolphum. Am Schlüsse: MDXLV.

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es macht, der darffs nit, der es kaafft, der wils nit, der es brucht, der weiss nit". Stöber, Volksbüchlein, 1859, S. 88:

Wer's macht, brucht's nit, Wer's kauft, b'halt's nit, Wer's brucht, weiss's nit.

Renk, Nr. 148:

Der es macht, der braucht es nicht. Der es kauft, der will es nicht, Der es braucht, der weiss es nicht.

Andererseits ging es in gleicher Form in die romanischen Sprachen über; aus den italienischen Mai'ken gehört Nr. 26 der von Gianandrea in Pitres Archivio mitgeteilten Rätsel her :

Chi la fa, la fa per vende Chi la compra, non Vadopra, Chi Vadopra, non la vede.

Mit einer kleinen Einführung geht dasselbe Rätsel in Welsch- tirol (Schneller, Nr. 23):

So una cosa per mia cosa, Chi la fa, la vende, Chi la eompra, noi Vadopera, E chi Vadopera, noi la vede.

Gekürzt zu einem Zeilenpaare lebt es in Venedig:

Chi la fa no radopera^ E chi Vadopera, no la vede,

(Bemoni, indov. pop. Ven. 1874, Nr. 52.)

Endlich finden wir das Rätsel entsprechend auch im hohen Norden, denn die schwedische Fassung lautet (Bidrag VII, 4, Nr. 93):

Det hör en snickare (Tischler) i vdr stad, Han snickrar det han inte vill ha. Den 8om köper det^ gör inte med det, Ock den som fdr det, vet inte om det.

Hier ist nur das Celui qui fait etwas konkreter wiedergegeben.

Dagegen weicht das Holländische insofern ab, als an Stelle des „TCäufers« ein „Träger« tritt (Volksk. 1,26>:

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Dif het waakt, en teil het niet, Die het draagt, begeert het niet, Die het heeft, enweet het niet.

Es ist möglich, dass man unter dem die het draagt in Vlam- land den Käufer versteht oder früher verstanden hat

Jedenfalls ist die Auffassung des schottischen Volks- rätsels (Chamb., Nr. 5) eine andere:

The^ was a man made a thing, And he that made it, did it bring; But he't was made for did not know^ Whether H was a thing or no.

Zwischen beiden Darstellungen vermitteln die nieder- deutschen Fassungen, indem sie beide, den Träger wie den Käufer, aufnehmen. So lautet bei Woss., Nr. 403:

Der es trägt, behält es nicht, Der es macht, der will es nicht, Der es kauft, gebraucht es nicht, Der es hat, der weiss es nicht.

Oder bei Andree, Nr. 11:

De et makt, de will et nich, De et dreggt, behält et nich, De et koft, de brukt et nich, Un de et brukt, de weit et nich.

Endlich sei hier noch die Beschreibung des Sarges unter dem Bilde eines Kleides erwähnt, wie sie im Vlämischen zu finden ist (Volksk. 1, Nr. 26 b):

Een kleed zonder mouven (Ärmel), Die het heeft, moet het houwen, Die het ziet, teil het niet Zag, wat me' raadselken bediet.

Dieselbe Einkleidung zeigt, noch weiter ausgeführt, ein schottisches Rätsel (Greg., 22):

The^ wiz a man, bespoke a coat, When the maker it home did bring. The man who made it, would not have it, The man who spoke for't, cudna use it^ And the man who wore it, cudna teil,

e

Whether it suited him' ill or weU.

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jedenfalls ein geschmackvolleres Bild, als im mecklenburgischen Sargrätsel (W. 246):

Oben Holz, Unten Holz, Vorne Holz, Hinten Holz, In der Mitte ein kalter Braten.

Wir lernten schon weiter oben das Rätsel vom Rauch kennen und damit ein Missverhältnis zwischen der Aus- breitung eines Gegenstandes und seiner Schwere. Es handelt sich oft im Rätsel um den Gegensatz zwischen gasförmigen oder geradezu unwirklichen, nur scheinbar bestehenden Körpern einerseits und festen, massiven andererseits, an die der Hörer zunächst denkt. In diese ganze Sphäre gehören Gegensatz- rätsel wie diese: Blade, 44 (Wind):

Es lengh conmo uo plutuo E qu^ategn d'aci a Rounio.

Rolland, Rimes et jeux, Nr. 8 (Schatten):

Qü'est-ce qui est gros comme une eglise, Et ne plse pas une cerise?

Ähnlich Rochh., 100 (Licht):

S' ist öppis so chlt as e mils, und füllt doch alle stuben Cls.

Und Woss., 346 (dasselbe):

Vor unen sössling de ganz stuw vull.

Man sieht, wie nahe sich „wirkliches RätseP und Scherz- frage auch hier berühren.

Aus dem Bilde oder Vergleiche heraus ergeben sich dankbare Gegensatzmotive. Als Beispiel sei etwa das weit verbreitete Rätsel vom Schnee angeführt („Bremer Kinder- reime", Nr. 7):

Da kam en Man von Aken, Har en wittet Laken, Woll de ganze Welt bedecken, Konn dog nig aver de Wesser rekken.

Das Rätsel vom Fingerhut, das mit dem Bilde der Fenster arbeitet, etwa bei Renk, 176:

\

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Es ist niedrer aLs eine Maus, Und hat mehr Fenster, als ein Königshaus.

kehrt in Holland wieder mit der Deutung: „Nuss":

Er 18 een ding, het is kleiner dan een muis, En het heeft nteer vensterjea, als M stadhuis.

Im französisctien Rätsel sind kurze Vergleichsgegensätze beliebt. Z. B. Blad6, 45 (Auge):

Es pas bestio e a peus Es pas mirail e espio Es pas nuatje e a plane.^)

oder Blad^, 20 (Rübe):

Blanc coiimo neu, e neu n'es pas, Porto hoeillos, autre n^es pas.^)

HL

Ein Gegenstand wird in seinen Teilen, seinen Entwickelungsstufen, seinem Verhalten unter ver- schiedenen Umständen u. s. w. beschrieben.

Wir hatten uns im letzten Abschnitte fast nur mit solchen Rätseln beschäftigt, die eben den Gegenstand als Ganzes, den Vorgang als Einheit auffassen. Ein grosser Teil aller Volksrätsel aber hat gerade in der Einzelbeschreibung der kleineren Abschnitte, die erst ein Ganzes ausmachen, seine Hauptaufgabe. Demgeraäss werden natürlich hier immer mehrere beschreibende Elemente neben einander stehen; nur wenn von allen Einzelteilen dasselbe ausgesagt wird, genügt einer oder wenige beschreibende Züge; doch wollen wir diese Gruppe hier noch fallen lassen. Eine andere Frage ist die, wie sich Benennung und Beschreibung zu einander verhalten. Da ja meist nicht nur die Einzel- teile,^) sondern auch das Ganze in das Rätsel hineingezogen werden, so ergeben sich folgende Gruppen:

^) N^est pas Mte et a poÜs, N'est pas miroir et regarde^ N^estpas nuage et fait pleuvoir.

2) Bl. comme neige, et neige n^est pas. Porte feuilles, arbre n^ est pas.

8) Im allgemeinen wird man natürlich nicht erwarten dürfen, eine ganz vollständige, lückenlose Aufzählung sämtlicher Teile zu

– 112 –

1) Das Ganze ist benannt, die Einzelteile von dieser

Benennung beeinflusst.

An sich wenig bezeichnend sind Benennungen, die nur aus einem Personennamen bestehen. Allein in seiner Eigen- schaft als solcher kann er die nachfolgende Beschreibung beeinflussen, sodass auch diese sich ganz als Personal- schilderung entwickelt. So wird im welschtirolischen Rätsel (Schmeller Nr. 7 ') die Kirsche als ein kleiner Mann namens Karl aufgefasst und demgemäss der Stengel als Bein, die Blüte als Käppchen. Dass für andere Körperteile, wie den Rumpf, Hals, die Arme, kein entsprechender Teil an der Pflanze zu sehen ist, wird kurzweg verschwiegen, es ist eben ein Volksrätsel, kein Kunstprodukt. Darum stehen eben der Volkspoe^ie viel weitere Strecken zu Gebote, auf denen es seine Früchte ernten kann; Vollständigkeit, Ge- nauigkeit werden weder erstrebt, noch erwartet. Recht be- zeichnend ist die englische Benennung der Kirsche mit der Durchführung der Personifikation in einem beschreibenden und einem hemmenden Element (Hall. Nurs. rh. 130):

Ä8 I went trough the gar den gap, Who should I meet but Dick Bed-cap, A stick in his Handy a stone in his throat, If you'U teil me this riddle, TU give you a groat.

Im schottischen Rätsel ist der Name weggefallen und durch eine allgemeine Bezeichnung, freilich mit bedeutsamem At- tribut und durch einen weiteren, die Farbe bezeichnenden Zusatz vertreten (Chamb. nr. 11):

Riddle me, riddle me, roi-tot-tot, A little tcee man in a red red coat, A staff in his hand and a stane in his throat, Riddle me, riddle me, rot-tot-tot,

finden. Das wäre eben Eigentümlichkeit des Xunsträtsels im Gegensatze zum Volksrätsel. Nur die «Ketten*^, von denen wir unten zu sprechen haben werden, sind aiisfrenonimen. Sonj^t werden die markantesten Teile eines Gegenstandes herausgegriffen. 1) Su'n fen moftte gh'e Carletto,

Col 80 rosso cappellettOj

CoUa gantba verdesina,

Cavahart, cht Findovina.

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Ein schön durchgeführtes Bild zeigt auch das schweizerische Rätsel (Rochh. 62) vom Frühlingsquell:

Es lit en toller buei) im hag, Und schloft und briegget was er mag.

Einen willkürlich erfundenen Namen, der wohl dem Reime seine Entstehung verdankt, aber doch für die Ein- kleidung des Ganzen nicht ohne Bedeutung ist, zeigt das mecklenburgische Rätsel vom Talglicht (W. 416):

Lütt Jobann Oölken, Satt up sien Stöblken, Je länger be satt, je lütter he ward, Plumps föUt be ben.

Auch weibliche Personifikationen sind, besonders in englischen Rätseln, nicht selten. Chamb. 8 (Feuer):

Bonny Kitty Brannte,

She Stands up the toa', Gie her Utile, gie her muckle^

She licks up a\' Gie her stanes, –she' II eat them, But water – she II dee:

Oome teil this bonny riddleum to me,

Oder Hall. ns. 145 (Kerze):

Little Nancy Etticoat^ In a white petticoat, And a red nose. The longer he Stands, The shorter he grows.

Auch allgemeinere Bemerkungen, wie „Tier" u. dgl. können die folgende Beschreibung beherrschen und zu an- schaulichen Bildern durchgeführt werden. Hierher gehört das schon erwähnte schottische Rätsel vom Schiffe (Chamb. 16):

Äs I gaed to Falkland to a feast I met wV an ugly beast: Ten tails, a hunder nails, And no a fit but ane.

Als unbestimmte Benennung tritt im Deutschen gern die Bezeichnung „Vogel" auf, z. B. auf den Krebs an-

Palaestra. IV. 8

– 114 –

gewandt, ^) besonders aber auf alles fliegende. Zum Bilde erweitert wird auch dieser Name, etwa im Rfttsel von der Gewehrkugel (Violet, Nr. 1):

Flog en Vagel wiel von hier, Had en Zagel von Papier, Had en isernet Bucksken, Gott bewähr min Klucksken.

Seiner Schnelle wegen wird in einem wohl sehr alten und durch mannigfache Missverständnisse entstellten nieder- deutschen Rätsel das Schiff mit einem Vogel verglichen. Die Urform wird sich schwerlich jemals ganz rein ermitteln lassen. 2) In Ostpreussen (Frischbier 23, S. 264, Nr. 23) lautet es:

E Vflgel flog stark äwer e lange mark, Hadd ön stn kropp ftf tonne hopp', Fif tonne win, ok e fett schwin' u. s. w.

Auch unbelebte Gegenstände, besonders solche, die zum Menschenleben Beziehung haben, geben Benennungen ab, die sich zu Bildern erweitern So ist der Apfel ein Haus; ein im Norden beliebtes Motiv, das sich besonders in einem ost- friesischen Stücke rein erhalten hat (Meier 27):

Witt sünd de Muren, Grün sünd de Büren^), Bnum sind de Papen, De alle Nacht in't Kloster slapen.

Die falsch verstandenenen „Büren" sind im Vlämischen zu ,.gebuuren" geworden (Volksk. 1, 30):

Groen zien de muren, Wit zien de g^mren, En swart zien de papen, Die in't Kapelleken slapen.

1) \V. 174. Vgl. die Redensart: „Man weiss schon, was Du für ein Vogel bist".

2) Die mecklenburgische Fassung (W. 101) habe ich oben im Kontrast gegen Schillers Rätsel gegeben.

:^) Von Doornkaat-K., Bd. I, S. 257–58, allgemein = Überzug erklärt. Hier wohl = Bettüberzug.

– 115 –

Ganz ähnlich ist das Rätsel vom Ei, nui* dass ^ das Bild in Niederdeutsehland *) das Küken zum Hauptfjfegenstande zu haben seheint. Vgl. etwa die mecklenburgische Passung (W. 82): „Ich hab ein kleines Häuschen, wohn auch selber drin, ohne Thdr und oline Fenster. Wenn ich raus will, brech ich durch die Wand." Der Urform bedeutend näher steht wohl die tirolische Form, wo die 1. Person nur in der Einkleidung zu finden ist: „Ich weiss ein kleines Haus, -da ist nichts von Fenster, Thür und Thor. Und will der kleine Wirt heraus, so muss er erst die Wand durchbohren."

Durch seinen Abschluss und die Gestaltung seines Innern giebt der Mund zu ähnlichen Rätseln Anlass (Renk 8):

Timmerl, Tanimerl, Dunkles Kamme rl, Und ein beinei'nes (iatterl vor.

Auch als lebende Wesen werden die Zähne aufgefasst, am kürzesten etwa (Renk 7): „Ein Stall' voll weisse Schaf*, doch finden wir auch weitere Ausführungen, wo die Zunge ebenfalls in das Bild mit einbezogen erscheint (W. 276):

Ganzen Stall viill witt Pier, Dor geit'n roden Hin<2:sten mang Umher.

Ein öfters benutztes, besonders gern auf den „Brief* gemünztes Bild findet sich einfacher und entsprechend vor- ändert, auch mit Bezug auf das Ei (Renk 91 und 92):

Ein weisser See und gelbe Ilgen drin.

Eine gelbe Ilge in weissem See, Errätst du dies, errätst du mehl

Will das Rätsel aber einen Gegenstand in all seinen Teilen, von oben nach unten oder von aussen nach innen fortschreitend schildern, so muss es in die Form der parallelen Ketten gegossen werden. Selten findet sich in Deutsch- land diese Form auf Abstrakta angewendet. Hierher gehört etwa das Rätsel vom Jahr, das sich eines sehr hohen Alters und einer fast unübersehbaren Verbreitung erfreut, wie uns

1) nicht immer 1 Aber besonders in hochdeutschen Varianten.

8*

– 116 –

Wüusche in der Ztschr. f. vergl. Literaturgesch. N. F. 9, 426 – 456 nachgewiesen hat. Ich führe hier die ost- friesische Form an (Meier 15):

Dor steit'n Boom in't Westen Heit 52 N ästen,

In elke Nüst sind söven Jungen, Se hebben wal Namen, Man geen Tungen.

und die nächste, eigentümlich personifizierte Fassung:

Quam'n Man von Jerland, De har twolf Dochters, Un elke Dochler bina dartig Kinder.

Meist handelt es sich aber um sehr konkrete Dinge und die in Deutschland, besonders im Nordischen, lieimischen Stücke weisen eine eigene rhythmische Form auf, die gelegentlich diese Rätsel ihrer eigentlichen Bedeutung entkleidet und als Spielreime in den Mund der Kinder übergehen lässt. Gute Beispiele bietet W. Nr. 87 und 38 über die Stangenbohne, und Nr. 39 über den Kürbis. Das letztere lautet:

Up den Hof dor steit 'n Pahl, Hier 'n Pahl un dor 'n Pahl; Up den Pahl dor sitt 'ne Duw, hier 'ne (u. s. f.) Von de Duw dor flucht 'ne Fedder, Von de Fedder ward *n Bett, In dat Bett dor lieht 'n Mäten, Vor dat Bett dor steit 'ne Weeg', In de Weeg"' dor licht 'n Kind, Vor dat Kind dor steit 'n Disch, Up den Disch dor licht 'n Breef, Hiei" 'n Brecf un dor 'n Breef, In dem Brief da steht geschrieben : Du sollst Vater und Mutter liehen.

Ein ganz ähnlicher „Reim" aus Pommern (ich kenne ihn von meiner aus Treptow a. R. stammenden Grossmutter; ob er heut dort noch lebendig ist, weiss ich freilich nicht;) beginnt :

Muhme Röhlen hatt 'nen Garten, Hier 'nen Garten, da 'nen Garten, Und es war ein runder Garten u. s. w.

– 117 –

wo also jedes Glied noch einen gewissen Abschluss erhält. „Muhme Röhlen" ist im Beginne pommerischer Volksreime aller Art wohl bekannt; sie hat weiter keine Bedeutung als etwa Peter Kruse, ist also nicht etwa mythischer Natur.

Damit betreten wir überhaupt ein Gebiet, das der Volks- dichtung (nicht bloss der unsern, man kann für gewisse Stucke bis in das Althebräische zurftckgehen) wohl vertraut ist. Das Motiv der Kette oder der Häufung finden wir ja in Lieblingsnummern unserer Kinderpoesie, wie etwa im Spiele vom „Schlüssel zum Hause des hölzernen Männchens" oder in der Reihe: „Es schickt der Herr den Jockei aus" u. s. w.

Im Rätsel sind diese Dinge auch nicht etwa selten; sie finden sich auch gelegentlich, aber nicht häufig, auf mehrere Gegenstände angewendet, die nicht Teile eines Ganzen sind, sondern frei neben einander stehen. Obgleich dies in ein anderes Kapitel gehören würde, will ich mit einem der- artigen, aus Schottland stammenden Stücke') schliessen:

1. I had six lovers over the sea

Para mara dicitur a dominie, An every ane o' them sent a compliment to me, Hatrum scatrum paradise temple,

Para mara etc,

2. The first was a bible^ no man could read,

Para .... The next was a mantle without a threet, Hatrum .... Para ....

3. The third was a chicken ivithout a hone .... The fourth was a cherry without a stone ....

4. The fifth was a ring unthout a rim .... The sixth was a haby without a name ....

5./7. How could there he a hible no man could read? Para . . . . u. s. w.

8. When the hible is not printedf no man can read ....

When the wool is on the sheep's back, it has not a thread . . . .

9. When the chicken is in the egg, it has not a hone .... When the cherry^ s in the blossom, is has not a slone, ....

10. When the ring is in the mine, it has not a rim, .... When the haby is not christened, it has not a name ....

1) Folk-lore-Joiirnal TT.

– 118 –

Inwieweit freilich solche Dinge echt volkstümlich zu nennen sind, wäre noch zu untersuchen.

2) Das Ganze ist benannt, die Einzelteile ebenfalls, aber nicht alle mit Zügen desselben Bildes.

Der Fall, dass die Benennungen der Einzelteile ihren eigenen Weg gehen, ist höchst selten, ja man kann sagen, dass nur Ungeschicklichkeit, mangelhafte Überlieferung oder auch die Schwäche der Benennung des Ganzen (ihre Un- deutlichkeit) Veranlassung zu solchen Rätseln geben.

Recht ungeschickt ist das Rätsel vom Brunnen- schwengel (Andree 15):

Use holten gi'otevä'er Kummt sau hoch von hiramel her, Hat en holten plock in ärse. RSe mal tau wat is dat?

Natürlich ist „Grotevaer" nur eine ganz allgemeine Be- nennung, wie etwa „Peter Kruse" u. dgl. Das zeigt auch schon der Umstand, dass man es für nötig hielt, eine ad- jektivische Bestimmung hinzuzufügen: „höltem". Auch das nächste Element, die Fahrt vom Himmel herab, fällt so aus dem Rahmen der Personifikation heraus, dass wir es kaum als „hemmend:' bezeichnen können. Um so weniger war es nötig, durch die Bezeichnung „Ars" sich wieder der Per- sonifizierung zu nähern.

Die oberdeutsche Fassung des Hahnenrätsels (Renk 81):

Kommt der König von Engelland, Weiss und schwarz ist sein Gewand, Ein fleischener Kamm, ein fleischener Bart, Wers nit weiss, erratet's hart,

enthält in dem „fleischenen Kamm" eine Bestimmung, die nicht, wie der „fleischene Bart" im Rahmen der Personifi- kation liegt und nur durch das Adjektivum zum „hemmenden Elemente" wird. Aber die ganze Reihe ist an Stelle einer kürzeren getreten, etwa „hat 'nen fleeschnen Bart",^) in dem

t) Uckermärkisch. Eigene Sammlung.

– 119^ –

Bestreben, die alten vier Hebungen herzustellen, was zumal bei der oberdeutschen Sprechweise, die ja schneller als die niederdeutsche ist, wünschenswert erschien.*) Der Kamm ist nun aus einer anderen Gestalt desselben Rätsels hinein- gezogen, das etwa schloss:

hatte ein knöchern Angesicht, Hatt 'nen Kamm und kämmt* sich nicht.2)

Also haben wir es mit einer Übertragung zu thun, nach deren Ausmerzung das Rätsel eine trefflich durchgeführte Personifikation bildet. Leider muss ich, des Raumes wegen, auf eine Darlegung der verschiedenen Typen und ihrer Ver- schränkungen, wie sie gerade dies Rätsel aufweist, ver- zichten. Auch liegt aus Oberdeutschland noch nicht genug Material vor. Jedenfalls ist das Rätsel der interessantesten eines.

Aus späteren oberdeutschen Sammlungen hoffe ich ein Bild über die ursprüngliche Gestalt der ersten Zeile des tirolischen Mohnrätsels (Renk 113) zu bekommen:

Es ist ein Pommeranzel, Hat ein schönes Kranze], Und einen langen, langen vStil.

Denn „Pommeranzel" scheint mir aus einer älteren, besseren Benennung entstanden. Jedenfalls hatte „Pommeranzel", das wohl dem Reime viel verdankt, nicht die Kraft, die Einzel- teile in den Rahmen eines Bildes zu zwingen. Beide sind benannt, aber jede Benennung geht ihre eigenen Wege; ja, die zweite Benennung ist gar nicht einmal bildlich, sondern bezeichnet den Gegenstand direct beim rechten Namen.

1) Gesungen wäre die Zeile natürlich vierhehig (W. 21):

häddn rödön Bobrt,

(Züh, wo de Schelm robrt.) Beim Sprechen wird sie dreihehig und, so viel ich gehört habe (in der Mark), lässt man dann entweder eine Pause folgen, die der vierten Hebung entspricht, oder man sucht die vierte ZeiJo drei- hehig zu sprechen:

Zijh, wo de Schelm röhrt.

2) Man heachte, dass von einem „fleischenen" Kamm keine Rede ist.

– 122 –

angeschlossen ist und damit die Form der Vergleiehung ein- tritt. Wossidlo giebt Nr. 234 – 241 genügende Beispiele. Eines der bekanntesten ist (240) „Der Hahn":

Vorne wie ein Kamm, Mitten wie ein Lamm, Hinten wie eine Sichel, Rat, mein lieber Michel.

Nur wenn eine Klangmalerei vorliegt, fehlt die Vergleichs- partikel. Im Rätsel vom Pferde (W. 236):

Vorn Knippknapp, midden Kaffsaek, Hinnen as 'n Stück Garn.

steht „Knippknapp" von Rechts wegen ohne „as", „Kaff- sack" nur der Symmetrie wegen, die schon durch die Alliteration mit veranlasst wird. Im Schlussgliede steht wieder „as".

Im englischen Rätsel kann ich genau Entsprechendes nicht nachweisen, wohl aber im skandinavischen. Die Katze schildert ein schwedisches Rätsel (Bidrag II 8, 8 Nr. 33):*)

Före 8om ett nystan^ Miiit pd 8om en sack, Efter 8om en siefvakäpp.

Und im Lappischen heisst das Rätsel vom Pferde (Poestion 24):

Vorn wie ein Fässchen, Mitten wie eine Tonne, Hinten wie ein Besen.

Also auch hier haben wir die Vergleichspartikeln. Sie können fortbleiben, wenn das ganze Rätsel etwa in die Form einer Geschichte eingekleidet ist; so in dem hübschen Rätsel von der Eichel (W. 58):

Ich ging einmal durchs Schilf, Da mir Gott hilf.

Da fand ich ein weisses Stückchen, Daraus machte ich eine Mulde, zwei Seitenstückchen und einen kleinen weissen Priesterhut.

Überhaupt wird die Vergleichspartikel ausgelassen, wenn

i) Ganz ähnlich Bidrag VII 4, 8 Nr. 30.

– 123 –

jenes äussere Gerüst fortfällt, wenn also über die Lage der Einzelteile nichts gesagt ist. Ich führe dazu zunächst die schwedische Fassung des eben erwähnten „Eichelrätsels" an

(Dybeck, Runa, 1847 nr. 6): Twd träg^ twa trage äume»y en pikj en pak^ och en natmössa.

Ein schlesisches Rätsel vom Flachs (Peter 347) lautet:

A schiin s, griins Gwand, A himmelblaus Band, Mit gi'iinr Kappe gzürt, D" Jomfan räafas aus an schmaissas wag.

Hier wird also zum Schlüsse noch einmal das Ganze durch eine Beschreibung seiner Behandlung angedeutet.

Zeitliche Abschnitte, Stufen der Entwicklung, oder Ver- schiedenheiten der Behandlung je nach den zeitweiligen Um- ständen werden seltener angedeutet. Hierher gehört etwa Renk 14 (Ofen):

Im Sommer ein Bettelmann, Im Winter ein Edelmann.

Wenigstens ein benennendes Element (zwen Röckline) für Teile des Gegenstandes enthält ein schweizerisches Rätsel von der Nuss, das seltsam aus Schilderungen des Aussehens und der Entwickelung gemischt ist (Rochh. 25):

Im Früilig chum i als Büseli a, Im Summer legg i zweu Röckline a, S' erst chaust mer abrisse, S' zweiit musch mer abbisse, Wenn d' mi, wenn d' mi witt ha.

Auch im Rätsel vom Fenster (etwa Violet 15) ist nur der letzte Teil benannt und noch dazu recht undeutlich:

Von buten blank, Von bönnen blank, Enn de Mött ön hölternen Peter dermank.

Ähnlich ein weiteres Plachsrätsel, aus Tirol (Renk 108, vgl. 31):

Klein inglat, Gross gstinglat. Und obendrein ein blaues Kappel?

Derartige Stücke leiten über zur nächsten Gruppe.

– 124 – .

4) Das Ganze sowohl als die Einzelteile bleiben

unbenannt.

Hier kann sich die freie Willkür, mit der das Volk seine Rätsel aufbaut, am freisten ergehen. Da fliessen die verschiedensten Formen und Auffassungen durcheinander, da eilt man von einem Gesichtspunkte mit kühnem Sprunge zum andern. Man sehe etwa das Rätsel vom Spinnrad an ( W. 94) :

Up dree Been stah ik, iip vier Been gah ik, iip fief Been loop ik. Wenn ick gah, denn brunini ik, Stah ick still, verstumm ik,

Und die barbarischen Weiber trecken mi in de Hoor. Wenn se mi noch treckt hebben, kaam ick von de SteU, Mööt ik hinner de Hell.

Das Ganze ist personifihiert, aber ohne Benennung und ohne rechte, höhere Einheit. Auch in „Hoor" wird man keine „Benennung" sehen wollen, wenn es sich um den Flachs handelt, so wenig wie in dem tirolischen Rätsel vom Gewehr die einzelnen Teile bildlich, rätselhaft benannt sind (Renk 157):

Ein Schaft und ein Rohr. Und ein Schloss liegt davor, Und ein Stock steckt daran, Greifs ja nicht an.

Auch die gleichmässige, einheitliche Beschaffenheit eines Gegenstandes wird durch die gleichförmige Beschreibung seiner Teile ausgedrückt. Vgl. „Haarstrang" (schottisch, Chambers Nr. 9):

Mair without and hair ivithin, A' hair and nae skin.

Derber ist das deutsche Rätsel vom „Heu" (etwa Andree 45):

Hinnen rü un vorne rü, Un twei eilen in ärs noch rü.

Die verschiedenen Stufen der Entwicklung, der Behand- lung und Bearbeitung eines Gegenstandes werden gern zu reihenförmigeUj oft parallelisch gebauten Rätseln verwendet. So helsst es in Tirol (Renk 68) vom Kalbe:

1

– 125 –

Wenns klein ist, tragen's viere nit, Wenns gi'oss ist, tragen sie 's leicht, Wenns tot ist, gehts in allex' Welt herum.

Das Niederdeutsche neigt mehr dazu, die Schildenii^ dem Gegenstande selbst in den Mund zu legen. So lautet das mecklenburgische Rätsel vom Ochsen (W. 77):

As ik lütt wier, künn ik vier dwinnfen, As ik groot wier, künn ik hügel nn barg' ümwringen: As ik doot wier, müst ik vor Fürston un Herren up de Tafel stehn, Un mit de Briiut na'n Danzsaal gehn.

Ähnlich das Flachsrätsel (W. 77):

Als ich war jung und schön. Trug ich eine hlaue Krön: Als ich war alt und steif, Banden sie mir einen Hand um's Leib; Dann ward ich geivnüppelt und geschlagen. Und von Kaiser uu König getragen.

Die Verwendung des Flachsos zu Tjoinwand und Papier sclüldert ein vlämischos Rätsel, das Roll. Dev. Nr. 94 mit anführt:

Gnien^ gram was ik in mijn joenge dagev^ . Tom weck-ik van keunlngm en prinsen gedragcn^ Maer toen ik niet tweet" mi dacht , Toen werk-ik ter hooger scholl gebrocht*

Das ebendort gegebene französische Rätsel ^^Quand fetais jeune fetais vert'^ scheint nicht volkstümlich zu sein und sieht eher wie eine Übersetzung aus.

Hierher gehört auch das weitverbreitete, oft nicht ver- standene und entstellte Rätsel von der Schreibfeder (Meier 33):

(iroto Herren un Potentaten Konen sünder mi neet raden,^) Sneden mi dat Lief up, Nenien nii de Seel horut, Gefen mi wat to suj)en, Un laten mi lopen.

i) Ursprünglich: „Können meiner nicht entraten".

– 126 –

Man kann schon an den eben mitgeteilten Rätseln öfters die Verwendung des Gegensatzes bemerken. Ein Lieb- lingsmotiv, der Gegensatz : „tot – lebendig" kam auch dort schon vor, er spielt überhaupt in dieser Form eine grosse Bolle. Mittelbar spielt er auch in das Rätsel von der Eiehe hinein (W. 78):

Als ich klein war, ernährten mich die Grrossen; Und als ich gross war, ernährt ich die Kleinen; Und als ich tot war, trug ich die Lebendigen wol über die Lebendigen.

Es spricht im letzten Teile von dem Schiffe, das aus dem Holz der Eiche gezimmert ist. Dieser Gegensatz des grünen Baumes im Walde und des verarbeiteten Holzes findet sich in einem altertümlichen Rätsel vom Spinnrade, das W. 92 namhaft macht:

Aus grünem Holz bin ich ersprungen, Wie mancher Vogel hat auf meinem Holz gesungen, Ich geh und geh den ganzen Tag, Und geh auch keinen Schritt, Und wenn man auch gleich mich mit Füssen tritt.

Hemmend wirkt der Doppelsinn des Wortes „gehen" = 1) sich bewegen, 2) von der Stelle kommen.

Mit Gegensätzen arbeiten auch die Rätsel, die uns den Gegenstand je nach den Umständen, je nach der Zeit ver- schieden handelnd oder behandelt zeigen; besonders gern heftet sich der Voikswitz an Dinge, die nur hin und wieder benutzt werden; so schildert er die Lichtputzscheere (W. 95):

Des Tages hab ich nichts zu thun. Man lässt mich in dem Winkel rnhn; Des abends bringt man mich herein. Dann schlucke ich Feuer und Flammen ein.

Ähnlich ist das Rätsel vom Dreschflegel (Andree 19):

An däe geit et de däle iip un däl, et abends mot er in'r ecke stän. .

Das Aussehen des Gegenstandes je nach den umständen zeigt das Rätsel vom Herdfeuer aus der Grafschaft Mark (Woeste Nr. 11):

– 127 –

Bi dage as en güUen Knop, det nachts as en moUliopp.

Thätigkeit und Wirkung veranschaulicht (W. 93) ein Rätsel von der Wiege:

Wenn ich stillstehe und nicht gehe, Dann sind meine Bewohnten oft unzufrieden. Wenn ich aber gehe und nicht stillstehe, Dann kann ich sie oft ins Schweigen kriegen.

Ähnlich wie in den oben besprochenen Benennungen und Vergleichen können die einzelnen Teile eines Gegen- standes auch durch kurze, einzeilige Beschreibungen ge- schildert und auch diese unter sich durch äusserliches Gerüst verbunden sein. Mehr bildlich ist noch das schottische Rätsel vom Suppentopf (Chamb. 6):

Mouthed like the tnül-door, luggit like the cat. Though ye guessed a} day, ye^d no guess (hat!

Einfacher die deutschen Stücke:

a) Neben- und bei einander. Gestalt: Menghin 1 (Ameise, tirolisch): „Oben spitzig, unten witzig, in der Mitt'n – völlig ab". Renk 105 (dasselbe): „Vorn und hinten patzet, in der Mitten glager ä". – Farben: Renk 106 (Flachs): „Braun unten, Grün au, Blau obendrau!" Halliwell 136 (Regenbogen) :

Pui-ple^ yellow, red and green, The hing cannot reach if nor the queen. Nor can old Noll [CromioellJ, whose power's io ffreat. Teil me this riddle^ while 1 count eight

Stoff: Chamb. 7 (Hahn, schottisch):

Mouth 0* hom, and beard & leather; Yell guess that though ye were hanged in a tether,

Geschmack: Schneller 9 (Kirsche, wälschtirolisch) : j,Dolce come il miele e in mezzo amaro come il fieW^.

b) Nach einander. Andree 9 (Flachs, braunschweigisch) : «Groin steit et up, blü blift et stau, witt geit et tau bedde". Renk 137 (Knäuel): „Nieder wie eine Maus, und hoch wie ein Kirchturm". Renk 138 (dasselbe): „Es kugelt etwas t^bem Bain, bipab getlis jUeißi berauf ziehn's sechs Paar

– 128 –

«

Ross nit". Renk 147 (Krapfen): „Es geht etwas bleich zum Bronn und braun davon". Bidrag VII 4, Nr. 8 (Schuh, schwedisch): ,,0m dagen är hxin füll med kott ock blöd, om natten star han ock gapar^^. Peter 320 (Feuer, schlesisch): „Befind ich mich am Dache, trauerst du sehr. Bin ich am Ofen, so hast du mich lieb". Rochh. 83 (Ofen, schweizerisch): „Use grüen und inne schwarz, Summers ehalt und winters warm".

Handelt es sich um den Ton, den ein Gegenstand von sich giebt, so tritt leicht Personifikation ein. Z. B. Blade 12 (Seil, Armagnac): Arritz en debara, Plouro en mounta (lacht beim Aufsteigen, weint beim Absteigen).

Leiser klingt die Personifizierung an, wenn es sich um ein Schauen, gew^altsam herbeigefflhrt ist sie, wenn es sieh um die Nahrung handelt. Renk 78 (Bockhom): „Wenns aufwärts geht, schauts abwärts, Wenns abwärts geht, schauts auf- wärts." Ähnlich, doch eingliedrig Renk 145, W. 293 (Axt): „Geiht to Holt un kickt to Huus." Woeste 15 (Ofen, Grafsch. Mark): „Hü stiiket et in der Sit un giet ut der Mule wi'er von sik." Donner 19 (Hobel, lappisch): „Speist mit dem Munde, Giebt von sich mit dem Nacken." Andree 6 (Häckselschneide, braunschweigisch): „Hinnen frit et. Vorne schitt et."

IV.

Mehrere gleichartige Gegenstände werden gemeinsam benannt und beschrieben.

Wir hatten diese Klasse vorher von der Besprechung ausgeschlossen. Denn kraft ihrer eigenen Mittelstellung als Rätsel, die wohl mehrere Gegenstände uraschliessen und mehreres von ihnen aussagen, aber doch von allen das Gleiche, sodass sie einen einheitlichen Zug haben, fordern sie eine knappe eigene Betrachtung. Ein so bunter Formen- reichtum, wie bei einigen anderen Gruppen, konnte sich hier nicht entwickeln. Es ist eine bestimmte Anzahl oder un- zählbare Menge von Gegenständen, über die etwas aus- gesagt wird. So steht denn immer eine Zahl (oder ein

– 129 –

Ausdruck der Unzahl) voran, und die Sadie selbst bringt es mit sich, dass eine Benennung hinzutritt, die um so bild- licher, lebendiger ausfilllt, je älter und damit sinnlicher das Stück selbst ist; es sei denn, dass die Zahl selbst personi- fiziert wird, wie imRätsel von den vier Elementen (Rochh. 51), ') das doch wieder insofern aus dem Rahmen dieser Gruppe herausfällt, als nachher von jedem der Vier etwas beson- deres, freilich in parallelen Reihen, ausgesagt wird. Solche Stücke gehören nur halb und halb hierher, wenn sie auch in altertümlich straffer Zusammenfassung den andern, nunmehr folgenden ähnlich, gleichwertig sind. Die einfache, sub- stantivisch gebrauchte Zahl haben wir etwa noch in einem schweizerischen Rätsel von den vier Stäben des Gam- wendels (Rochh. 110):

Springt vier enander nö, Keiner cha den andern foh.

Dagegen stehen trefflich entworfene und durchgeführte, per- sönlich gehaltene Bilder, unter denen ich zunächst zwei vom Alphabet zum Vergleiche hersetze. Ein westpreussisches (Violet 2):

Et geht feewentwintig Soldaten, De wedder käken noch braden, Bloss enuner en Rehgen mascheren De Menschen to Klokhet to feren.

und ein tirolisches (Renk 164):

Es sind vierundzwanzig Herren Die regieren die Welt,

Sie essen kein Brot, Sie trinken kein Wein, Was wer'n das für Herrn sein?

Das erstere Rätsel ist gewiss besser und vielleicht auch älter. Die Appetitlosigkeit, die im zweiten Stücke die

^) Es seit de gross Alexander,

Es laufld Vieri mit enander:

S' erst lauft und wird nit matt,

Der z weilt frisst und wird nit satt,

De dritt suft und wird nit voll.

De viert blost und*s tönt nit wohl. Palaestra. IV. 9

– 130 –

Hauptrolle spielt, ist dort auf das rechte Mass eines hem- mepden Elementes zurückgeführt, das eben vor der allzu persönlichen Auffassung warnt. Wenn dies aber wegfällt, so bleibt in dem zweiten Rätsel nichts, was zur Lösung führen könnte, denn das benennende Element „Herren" ist ganz farblos, und das „die Welt regieren" zu vieldeutig. Es bleibt nur die Zahl.

Kürzer, aber schlagend durchgeführt sind einige andere Personifikationen: Renk 70 (Kuheuter): „4 Rubele brunzen in ein Kübele," Violet 4 (allgemein bekannt: Windmühlen- flügel): „Vor Jungfern gripen sich dagdäglich, On kriegen sick siendäg nich."

Nicht personifiziert, aber in wohlbelebtem Bilde durch- geführt ist das Rätsel von den 30 (!) Zähnen im Englischen (Hall. nurs. rh. 141), was an oben mitgeteilte, zahlenlose Rätsel erinnert:

30 white horses upon a red hill, Now tkey tramp^ now they champy Noto tkey stand stül.

Weniger bezeichnend ist ein vlämisches Rätsel (Volksk. 1, 16) vom Euter:

Ttisschen hemel en ärde hangen vier lange garens (Fäden), 't zijn geen eiken of geen esschen, Ge kunt het niet raden, at waart ji met zessen.

Dazu ein merkwürdiges Rätsel von den Teilen des Nusskemes:

Er waren eens vier gewichten, Die lagen in een' kiste, Ze lagen er paar hij paar, Ghij kunt het niet raden maar In honderd jaar.

Dieses Rätsel leitet uns in seiner deutschen Fassung (Roclüi. 27, contaminirt) :

Sind vier Brüeder in eim Huus. Und keine cha zum andren uns. Sind vier Brüder i der Chanuner, Und chömmet doch nie z'samina.

– 131 –

hinüber za jenen sehr zahkeichen, im ganzen einander ähn- lichen Rätsehi, die gleiche Gegenstände oder gleiche Teile von solchen anter dem Bilde von Geschwistern darstellen. Z. B. Renk 6 (Angen): „Es sind zwei BiHder zwischen (!) einem Bdhel die sehen einander nie.'' Schwestern (wälsch- deatsehtiroUsch) Schneller 24 (Wagenräder): GAV quattro sorelle^ le corre^ le corre^ ma no le te at^f^va mai; Renk 107 (Flachs): „77 Schwestern haben gleiche Kappen auf." Er- weitert zum Bilde einer Familie – s. o. – ist das schweize- rische Rätsel vom Hafen: „Drei BrQderli, Es hohles Müeterli, Und es backligs Mandli.'*

Noch erübrigt es, auf die Rätsel hinzuweisen, die von einer zahllosen Menge gleicher Gegenstände handeln und wo das Volk einfach zu einer grossen Zahl, die ihm eben nichts anderes bedeutet als „sehr viePS zu greifen pflogt Z. B. Schneller 8 (Kirschen):

Alto Alto bei vedtre Cmque cento cavaliertj Colla spada desfoderaia, Coüa testa insanguinala.

Die Teile mit Hinzuziehung des Ganzen, Rochh. 31 (Pappel): „Ein langer Narr, ein dürrer Mann, Hat 100000 Schellen an." Auch hier das Bild der Geschwister:

Sind meh as hundert G'schwisterli*) De eine schenkt em andere i, Sie slürfent all und alle, Der letzt lohfs loh falle.

V.

Mehrere Gegenstände sind zu erraten.

Es bleibt nun noch ein Wort über jene Rätsel zu sagen, die es mit mehreren Gegenständen zu tliun haben. Die Formen, wie diese im einzelnen bestimmt werden, sind hier dieselben, wie da, wo nur ein Gegenstand zu ermitteln wai*. Im wesentlichen handelt es sich für uns um die Komposition

1) Vgl. das mhd. tüsent oder möre u. dgl,

0*

– 132 –

Wir fragen zunächst: „Was wird zusammengestellt? Stehen die Gegenstände oder Vorgänge untereinander i einem ursächlichen Zusammenhang oder berühren sie einandei sodass die zusammengefassten Einzelheiten doch einen ein heitlichen Gegenstand oder Vorgang, ein Ganzes, ergeben: Oder sind sie nur lose neben- oder gegeneinander gestellt, etwa lediglich des Kontrastes wegen?

Die roheste Form dieser losen Zusammenstellung hatten wir in jenen kurzzeiligen Rätseln gefunden, wie (Andree 17) :

Up'n däko helle, Vor'n hüse belle, InV stüwe Un baff, In'r koke kriz kraz.

Alle diese Gegenstände stehen in einer gewissen Beziehung" zum Hause; das verbindet sie, formt aber aus den vier Einzelfaktoren noch kein Ganzes. Eine festere Verbindung- kann aber schon der Kontrast bewirken. In dem Rätsel von Wiese und Bach (etwa Andree 17):

Lanke krummumme, wo wntte hen? – Körte verschorne, wo fragst e nä, Kann minen weg bi dage un bi nacht flnne.

ist es gerade die Gegenüberstellung der beiden Gegenstände, die uns erst in Verbindung mit dem hemmenden Schluss- elemente zur Lösung verhilft. Wir lernen auch gleich die Form kennen, in der allein solche lose Dinge wirksam ver- bunden werden können: die Form der parallelen Zeilen, die die Marke des Dialogs gern annimmt, einerseits, um lebendiger zu werden, dann aber, um kraft der Personifikation auch etwas zu verwirren, die Lösung zu „hemmen". Noch ein ganz ähnliches Rätsel aus der Schweiz (Rochh. 41), das Roggen und Gerste gegenüberstellt und ihre ungleichmässige Entwickelung (nicht wie dort das verschiedene Aussehen), sei hier gegeben:

O du chline, chline zwerg, Witt du no-nig us'em herd? –

O du grosses g'hüer, Bi vor dir i der schüer.

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– 134 –

Vorgfang und darum liilft eine Hälfte die andere bestimmen Man vergleiche etwa Rochh. 7 (Schwein und Eichel}:

Rügeli-chügeli hoch obe, Rügeli-chügeli fallt abe, Vierbei treit's hei.

oder Renk 71 (Katze und Fleisch):

Hira Hara hockt, Limpa Lampa hangt, Hira Hara wött, Dass sie Limpa Lampa hätt.

Gerade, wenn es sich um die Schilderung von Vorgängen, Handlungen und Verrichtungen handelt, stellt das Rätsel gern etwa den Handelnden, seine Werkzeuge, den Ort der Handlung neben einander. Einige besonders bemerkenswerte Beispiele wollen wir uns zum Schlüsse ansehen, mehr nach dem Gegenstande, als nach der fast in jeder Nummer ver- schiedenen, bunt gemischten Form geordnet.

Die Handlung der „Predigt" drückt das vlämische Volks- rätsel durch Angaben über den Prediger und die Kanzel aus. Die Zeilen sind parallel gebaut mit hemmenden Elementen, die gleich den oben beim „Vogel federlos" er- wähnten doch den durch die Benennung etwas weit gesteckten Begriff wieder verengern. Volksk. 1,21:

Een huis zonder schouw, En man zonder vrouiVj En stoel zonder hiezen, Baad maar ap, ge ztUt verliezen.

Über die Thätigkeit ist nichts gesagt, die Schilderung der äusseren Gestalt steht im Vordergrunde.

Beides vereint findet sich in einem Rätsel, das sehr interessante Wandlungen durchgemacht hat, im Rätsel von der Schrift. Die Urform wird sich kaum wieder herstellen lassen. Am kürzesten ist die lithauische Fassung, die Schleicher S. 206 giebt: „Ein ehrbares Feld, eine wunderbare Saat". Das alte Bild, das wir auch im folgenden überall finden werden, zeigt uns etwas neues. Hier haben wir ein völlig durchgeführtes Bild: „Die Schrift" ist geschildert durch „die

1 »• ■

Saat", ein Vorganfi^. eiin- T Gerüst ist alt. Aber ii - ■ Volk einen unzweiu^^ui^'^: darauf, dass wir et ^\rii i^-. 2^ thun haben: dazL vl\ bestimmt, wie DT mirr:! ^*- i- Bätsei! Viel klarer n.. .- ö^ uns Halliweli mn;^:: " Waci (Kahmenekni^fn- L j aber in seiner Ter-iniL. "r/j^ ®'t GegensätzeL. l.: - . •* tedeateDd nlü^-. i^ ^- Jö diesen ki-iLni: :.-:: u- ^ %iL der cü^ K-.J ^ .- * den F*,5^n;Lr.- . < ' • .

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– 136 –

In einem französischen Rätsel sind auch die Finger mit in das Bild hineingezogen, als fünf Stiere, die am Pflugeisen ziehen (Bladö 27):

Cav blanco, aemenQO negro^ dnq huÜ8 ikrcm a la reillo.

An Stelle der Pinger tritt nun auch gern die Bezeichnung der Feder, die über das Papier dahingeht, ohne die Saat zu kennen. So lautet ein Rätsel in Landstads Sammlung nor- wegischer Volkslieder S. 805 ff, Nr. 14:

Liten äker hev eg, Svart konn aar eg. Mang ein um min aker geng, Og veit 'ki hot i dhren stetid.

Ganz ähnlich heisst es in der Schweiz (Rochh. 146):

Ne wisse acher ackeret me, Ne schwarze söme saijet me, S' lauft mänge drüber, stolpret net, Und weiss net, was es isch.

Und schon bei Butsch (Nr. 329) steht das Eätsel, freilich mit Fortfall des Farbengegensatzes, doch mit Hineinzieliung- der Feder in das Bild:

Ein schöner Acker woU gesehet. Gar mancher Bawer do fürgeet. Nit weiss, was man do gesehet hot.

Endlich wird* auch der schreibende Mensch mit verwendet und seine Denkthätigkeit in den Vordergrund gestellt. Das ist nicht recht volkstümlich, wenigstens in Deutschland. So kann ich denn auch hier keine germanische Fassung anführen. Wohl aber finden wir unser Rätsel schon in alten französischen Sammlungen, wie in den Adevineaux amoureux (Eoll. 250):

Blanc est k champ, Noire est la semence, VomwA qui le semmcy Est de tres grant sdence.

Im Volksmunde der Dordogne lebt es in dieser Form (ebda) :

La semence est noire, La terre est blanche, Celui qui seme pense»

– 137 –

Und ein ganz äUnUches StQek teilt Pitre aus Sizilien mit:

Bianca muntagna E m/wra aimenza, E l'omu chi 9imina Sempri jpenza.

Damit haben wir die Hauptformen des Eätsels kennen ge- lernt. Nichts hindert uns, anzunehmen, dass. die Urform die dritte Bestimmung überhaupt noch nicht kannte, sondern etwa lautete: „Weisses Feld und schwarze Saat". So schildert nämlich das Eätsel sehr gern Vorgänge, zu deren Ausführung mehrere Dinge nötig sind. Z. B. „Seefahrt'' als Schloss und Schlüssel, etwa im tirolischenRätsel (Renk 121): „Ein wassernes Gschloss und ein hölzerner Schlüssel".') Nur tritt hier der Stoff statt des Aussehens ein, ebenso wie in dem weit verbreiteten Rätsel von der Nähnadel und dem Faden, die unter dem Bilde eines schnell be- weglichen Tieres erscheinen, ein Stück, das ebenso viele Erweiterungen und Aenderungen erfahren hat, wie jenes von der Schrift. Z. B. Peter 369: „Es ist ein bleiernes Vögelein, Es hat ein flächsenes Schwänzclein." Renk 140: „Ein eiserner Hund und ein leinenes Schweiflein; je weiter das Hündlein vorwärts geht, je kürzer 's Schweiflein wird"; ähnlich, doch sehr abgeschwächt, im Lappischen (Donner- Poestion 18): „Es wandert durch den Wald und verliert den Schweif im Walde." Der Fingerhut tritt hinzu in der ostfriesischen Fassung (Meier 13): „'N iesdern Peerd, Mit'n flassen Steert Un 'n messken Najager."

Nicht so regelmässige Bildung zeigen andere Rätsel, die aber gleich den vorhergehenden einen Vorgang unter dem Bilde eines andern vorführen. So erscheint (Rochh. 6) die Schaf- schur, mit einem hemmenden Element, als Getreidemähen:

Chum erwachsen ich wieder, Maij't der Schnitter mich nieder; Macht er's aber net gnet, So vergiess der Acher sis Bluet.2)

1) Sehr ähnlich das unsaubere Rätsel Woss. 269 = Renk 172 u. Ö.

2) Auf Madagaskar giebt es ein Rätsel vom menschlichen Haar: „Abgemäht, ehe es verwelkt ist" (Folk-Lore Journal I, S.38),

– 138 –

Das interessante Volksrätsel vom Fischfang schildert diesen als einen Überfall durch Räuber. Das Haus, in das die Räuber eindringen, ist das Wasser, dann scheint es wieder das Netz zu sein, dessen Maschen „Fenster" heissen. Das Rätsel ist nicht so klar, wie die vorigen und arbeitet stark mit Hemmungen. Ich führe hier nur die schottische Fassung an (Chamb. 24), die weitere Verbreitung hat Pitre in seiner neuen sizilianischen Sammlung ausführlich nach- gewiesen.

The robhera came to aur house,

When we were a' in: The houae lap out at the mndowa,

And we were d' ta^en.

Unter obscönen Bildern wird etwa das Spinnen beschrieben (z. B. W. 71), was auch auf das Besteigen eines Pferdes u. dgl. umgedeutet wird. (Vgl. Meier 40): „Ik stah vor di, Dat sali in di, Dan wil 'k up di, Dan sallt gähn."

Unklarer personifiziert, ohne Zusammenhang, sind Rätsel wie das westpreussische von der Mangel (Violet 8):

Treck hen, treck her, Twö stonen dafer, Twö liegen darunger, Wat es dat fer en wunger.^

Mit dem Motiv des Gegensatzes zwischen Totem und Lebendigem arbeiten, nicht ohne Hinzusetzung der Beziehung, in der die verschiedenen Gegenstände zu einander stehen, Rätsel wie diese: Donner 10 („Kamm", lappisch): „Das Tote zieht Lebendige aus dem Walde", oder Chamb. 14 („SchiflP*):

Aa I lookit otore my toindow

At ten o'clock at nightj I aaw the dead carrying the living.

Endlich ist noch der Fall zu erwähnen, wo zwar die Lösung die Gegenstände in deutliche und feste Beziehung zu einander stellt, im Rätsel selbst aber scheinbar ganz Unzusammenhängendes vorgeführt wird. In diesem Wirrsal, das noch durch ein buntes Gemisch von Benennungen und Beschreibungen immer beängstigender wird, liegt der Reiz

solcher Stöclw. »^ I-> ifiazz''^ F.:-..^ ^ - Va^ea mit Tünnen, Pfrrien oi- E-?.i-?r^ =-i :-= F.. --iLa und der

Em -^ -:--?*t- -»;-.-

Oder die raecömbcviatL-* 'W". i-:-:

Mit den Stoffen arbeitet d*? äl-^licLe Iläijel voni Pfluge (Renk 179|: „Vom FI^U^l-. Hinien Reistb. In der Mitten Holz und Hsen." En-lIieL >p:e;*a *ach wieder die Farben mit hinein in eiaeni ilten R^i->^! v^n der t-emolkenea Kuli, ä»s Meier i22i in dnw n!'':i!t «nz klaren Fassung vorfitlirt:

Leer under. 5"-r vvfrr.

Mit Teer l<-^r*-r. ritij'i'-Ujiiiea

Damit glaube ich, soweit es nach dem vorliegenden Mäteriale mOglich war, den hauptäachlichen Pomielschatz unseres Volkes erschöpft zu haben. Eine Darstellung der äusseren, metrischen Fi»rm musste unterbleiben, da vorläufig Doch das wichtigste Hilfsmittel fehlt, das wir bei unserer t-^utersachung ja so uft vermisst haben: eine grosse, ober- deutsche Kätselsammlung.

1. Anhang.

Das ßockenbiichlein.

Das Büchlein enthält vier unpaginierte, durch Falz zu- sammengehaltene Blättchen aus grobem Papier. Der rohe, unten reimweis erläuterte Titelholzschnitt zeigt eine ver- wachsene, dünnbeinige Gestalt, die in der rechten Hand eine kleine, kreisrunde Schnupftabaksdose mit offenem Deckel trägt, woraus die linke den Tabak zur unförmig grossen Nase führt. Gleich auf der Rückseite des Titels beginnt der Text, ohne andere Ornamente als die im Abdruck angedeuteten Querstriche. Ich bezeichne die Blätter mit Bl. 1.) bis Bl. 4.), die Seiten je mit a und b. Die Interpunktion habe ich be- lassen, wie sie war. Verbessert wurde: Zeile 28: Jungfern (statt Jungern); 36: einem (statt einen); 43^: kann (statt kan). Ein Abdruck der wichtigen Quelle wird hoffentlich nicht unwillkommen sein.

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Bl. Ib.)

I. Seliöue und anmnthige Rätlisel.

Man tritt mit Füssen mich, man raufet mir die Haare 20

Aus meinen Kopf heraus, man rädert meine Waare, Das Frauenzimmer stets mit mir sich trägt und zackt, Und sonderlich durch Gunst die Finger nach mir leckt.

Ein Spinnrad.

Ich leb' in Finsterniss, ich hüpfe, tanz' und springe: Ich küzle Frauenvolk, bin lustig, guter Dinge. Ich klagte sonsten nichts, ich hätt' die beste Sach, Wenn mir nur stellte nicht der Jungfern Daumen nach.

Bin Floh.

25

Ich bin ein Friedensmann und rede stets vom schlagen, Was mir der Hammer sagt, das muss ich wieder sagen. Mein' Arbeit ist bey Nacht, der Tag ist meine Ruh, Wie in Amerika bring' ich das Leben zu.

Bin Nachtwächter.

30

Kurz, rund, bunt, voller Blut, im Sommer ich entstehe, 35

Im Winter komm ich nicht, auf einem Bein ich gehe. Auswendig bin ich weich, inwendig bin ich hart, Rath' zu, was ist doch das für wunderbare Art?

Eine Kirsche.

Ich bin ein halbes Jahr in Mutterleibe blieben. Ich werde wohl zerquetscht, zerschlagen und zerrieben. Geflochten, krumm gedräht. Der erste der dies Räthsel Errathen kann, der soll bekommen

Eine Brätzel.

Aus dem Grund bis zum Mund, Von dem Mund bis in Grund Steigt ein Zucker aus und ein: Rathet, was es möge seyn?

Rundgebogen, hocherhoben, Wunderbar erschaffen. Wer mir diess errathen kann Soll heut ruhig schlaffen.

Ein Kuss.

Ein Regenbogen.

40

45

50

51 *.I_-^ T*.^

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Bl. 2 b.)

IL Knrzweili^ Frag nnd Antworten.

Es lioprt in Holz und schreyt in Dorf?

Antw. Das Kind in der Wiegen.

Es hat kein Blut und hat kein Leben, und kann viel 95 hundert Meilwegs Antwort geben.

Antw. Ein Brief.

Es kam ein Vogel Federloss auf einen Baum, der Blätterloss, da kam die Mutter Mundloss und frass den Vogel Federloss. " 100

Antw. Der Schnee, Baum und Sonne.

Wer hat schreyen können dass die ganze Welt gehört hat?

Antw. Noa in der Arche.

Wer hat auf seiner Mutter Holz gehauen?

Antw. Adam auf der Erden. 105

Wenn hat die Henne am meisten Federn?

Antw. Wenn der Hahn auf ihr ist.

Wenn ist die Kuh am dicksten?

Antw. Wenn sie den Hintern leckt.

Wenn fahren die Bauern am liebsten? 110

Antw. Wenn sie am ärgsten stecken.

Wer geht zum ersten in die Kirch hinein?

Antw. Der Andere so nach dem Ersten kommt.

Wie hat der Kinder Zebedäi ihr Vater geheissen?

Antw. Zebedäus. 115 Was ist das beste am Kalbskopf?

Antw. Das Kalb. Was ist das Mittelste im Paternoster?

Antw. Die Schnur. Was ist das beste am Salat? 120

Antw. Dass er sich biegen lasst.

Was geht ins Wasser und lässt den Bauch daheim?

Antw. Eine Kisszüche. Was gehet über die Weissheit?

Antw. Eine Laus gehet über den Kopf weg. 125

Wo werden die meisten Krug gehalten?

Antw. Beym Oehr.

Es brennt und ist kein Feuer, man hält's sehr werth und theuer. Es regiert sowohl in hoher Stadt als auf dem Land; zumal in des Bauern Haus, da bringt's 130 Niemand heraus. *

Antw. Eine Wassersuppe.

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Bl. 3 b.)

IV. Ailerhand Kanst nnd Yexier-Stlek.

Einen Faden um eine Kandel zu binden, dass 170

er nicht verbrenne.

Nimm einen Faden bind ihn steif um eine Kanne, hernach nimm ein Licht und halt es an den Faden so lan^ du willst, es verbrennt nicht.

Ein Schnupftuch anzuzünden, dass es doch 175

nicht verbrenne.

Netze oder weiche ein Schnupftuch in starken Brand- wein, hernach zünde es an, so wirds lichterloh brennen und dem Tuch doch kein Schaden wiederfahren.

Eyer in kalten Wasser zu sieden. iso

Lege Eyer in einen Topf, thue Wasser und unge- löschten. Kalch darein, so sieden sie bald.

Ein Glass so hart zu machen als Eisen, dass es ,

nimmermehr zerbreche.

Nimm Rosshuf, distellire ein Wasser daraus, thue es 185 in ein Geschirr wie du willst, tunke das Glas fünfmal in dieses Wasser, das Wasser muss warm seyn, so wird es hart, dass es nimmermehr zerbricht.

Eine Kitt zu machen, damit man zerbrochene

Krüge und Kochhäfen verkittet. 190

Ungelöschten Kalch und Ochsenblut untereinander ge- mischt und damit verkitt.

Ein Licht zu machen, dass die Leuthe alle als

wie die Mohren aussehen.

Nimm Baumöhl, mische dasselbe mit Kühnruss, ma- 195 che vom schwarzen Garn ein Tocht und lösch andere Lich- ter aus, zünd dieses an, so scheinen die Leute alle, die im Geraach seyn, wie die Mohren.

Einen Kreuzer an einen Faden zu binden und den Faden hinaufbrennen lassen dass der Kreu- 200

zer nicht herabfallen thut.

Mache den Faden nass und reibe ihn mit Salz ein.

Ein Licht zu machen, welches von Wind oder Regen nicht kann ausgelöscht werden.

Nimm Baumwollen, lege es in Ziegelöhl, hernach 205 mach ein Licht von Unschlitt oder Wachs, so verlöschts weder Wind noch Regen.

Zu erfahren, ob eine Jungfer noch rein sey.

Nimm Safran in den Mund, hauche oder blase ein Weibsbild damit an, bleibt sie in ihrer Farbe, so ist sie noch rein.

BI. 4 a.) V. Zwey neue Spinn-Lieder.

Im Ton: Jungfer Lischen lag oben im Bette allein :c

Wir hocken beim Rocken und spinnen brav drauf, Der Räder ihr Tretter geht ab und geht auf. 215

Wir wenden mit Händen und Füssen dran Stärk, Und spinnen von hinnen den Flachs und das Werk.

2. Ein Rocken wie Docken, ein Rädlein scharmant. Ein Faden wie Säten, wir spinnen galant.

Kommt höret, was lehret vom Spinnen die Schrift, 220

Sie spinnten auf Spindeln und säumten sich nicht.

2. Mit spinnen musst' dienen Tobia sein Weib, Viel feyern und leyern thät sie nicht beyleib. Sie streckte die Finger und Hände braf dran. Und musste mit Spinnen ernähren den Mann. 2^5

4. Geschwinde auch spinnte die Martha gewiss. Die fleissig und häusslich sich immer erwiess.

Die Rahab die spinnte und baute viel Flachs, Und Rahel thät spinnen die Wollen des Schaafs.

5. Der Reichste und Weisste, der Salomon heisst, 230 Thät loben die Proben der Spinnerin Fleiss:

Sie gehen um gerne mit Wollen und FlachvS,

Sie hocken beym Rocken des Nachts und des Tags.

6. Sie zupfen und rupfen vom Rocken stets hVaus,

Sie tunken die Finger und streichen mit aus, 236

Sie sizen und schwizen und spinnen drauf fort, Sie haspeln und raspeln, dass nur a so schnorrt.

7. Sie winden und binden am Rocken den Flachs, Vom Rocken da kommt er an Spulen ganz stracks,

Vom Spuhlen wird er auf dem Haspel gewickt, 240

Beym Feuer gesotten, zum Weber geschickt.

8. Der Schneider die Kleider mit Fäden z\sammsticht, Die Finger der Spinner bedenket er nicht.

Sie recken und strecken zum Rocken die Hand,

Der Weber draus würket das Tuch und Leinwand. 245

9. Wir dienen und spinnen für Grosse und Klein, Wir müssen mit Füssen und Händen dran seyn.

Auf lustig und hurtig, schau wie ich drauf droll, Mein Rocken wird kle* nhlen wird voll.

Bl. 4b.)

10. Mein Rädlein und Zeuchlein geht immer fort 'rum, 250 Jetzt sing ich und spinn ich das allerletzt Drumm. Feyerabend! Feyerabend! mein Bocken ist drunt, Wünsch gute Nacht alle! schlaft wohl und schlaf g'sund!

Das Zweyte.

Im Ton: Ihr Gredanken haltet ein 2c. oder: Ob ich gleich ein Schäfer bin zc.

Opinnt

255

ihr Mädchen, spinnt ach spinnt, denn die Zeit vergeht geschwind, und viel Hemder werden zVissen, spinnet drauf mit Hand und Füssen, spinnt geschwind als wie der Wind, spinnt ihr Mädchen, spinnt ach spinnt. 260

2. Spinnt ihr Mädchen, spinnt ach spinnt, dass das Garn zum Weber kümmt: Hansen ist sein Hembd zer- rissen, er wird es bald flicken müssen, es hat Löcher forn und hint, spinnt ihr Mädchen, spinnt ach spinnt.

3. Spinnt ihr Mädchen, spinnt ach spinnt, weil wii- 265 jetzt noch Jungfern sind; wenn wir einmal Hochzeit ma- chen, giebt es tausend andre Sachen, manchmal auch

ein kleines Kind, spinnt ihr Mädchen, spinnt ach spinnt.

4. Spinnt ihr Mädchen, spinnt ach spinnt, Hanns liegt auf der Bank dort hint, thut all Viere von sich 270 strecken, Berbala geh thu ihm wecken, schnelz ihm

auf die Nasen g'schwind, spinnt ihr Mädchen jc.

5. Spinnt ihr Mädchen, spinnt ach spinnt, horcht, was brummt im Hof dorthint, hört, es klopft ans Kammerfenster : warlich Mädchen, das sind Gespenster, 275 wenn nur keins ins Bett h'rein kümmt: spinnt ihr Mäd- chen, spinnt ach spinnt.

6. Gute Nacht, mein Lded ist aus. Schäzla komm, führ' mich nach Hauss, schaut den weissen Geist dort hocken. Himmel! wie bin ich erschrocken! Hanns hat 280 draus ein'n Schneemann g'macht. Schlaft wohl alle,

gute Nacht!

2. Anhang.

über die Herausgabe von VoIkNrätNelii.

Bei dem lebhaften Interesse, das man jetzt, durch Wossidlos rüstiges Vorgehen angeregt, in verschiedenen Teilen unseres Vaterlandes, nicht zum wenigsten im Süden, dem Volksrätsel entgegenbringt, halte ich es nicjht für über- flüssig, künftigen Herausgebern zweierlei ans Herz zu legen,

Die Hauptschwierigkeit für joden Hammlor, dor überhaupt Philolog genug ist, um nicht seine Materialien wirr zuHammen- zuschreiben, wie er sie bald hier, bahl da ttiif«*(n'afl't hat, odor sich der äusserlich bequemen alphabetiMchcMi Aiiffttdelung zu bedienen, liegt in der Ordnung der llätHc^l, il. h. der Hät«el- typen. Denn dass die einzelnen Varianten zuHainmenzufaH«en sind, ist selbstverständlich. Man k/)rHjte ja nun zwei iimohU' punkte aufstellen, von der Awthetik und von der Zw<*.d(- mässigkeit her. Volkßkundliehe Sjunnihirif/en alxjr, die niHir sein wollen als blosse (Jnterhalüinf/Hhdr'Jier, mWHmi In i*\mt' für wissenschaftliche KorH^'Jiung fnu'lilhiuen, prakiiH<'lM*n Weise angelegt sein. Von den VirncMUnWum l'i'in/l|)t<Mi ftlllt das rein litterar-hiwtoriH'Hje v^ni vonilMMvm w<'k. .I<"I'M' ehrliche Herausgeber wird yMU,(*'\>*'^h ^^^^^^ '^'' ^i'^**» *'J'' llil»'iiMiHr|io Herkunft, Verbreitung./ u, «, w, der ein/<*.lnnn NinniiMTn hUiir wenig weiss, dass ihm eine Ordnung diT NiiinMi<4'n nifh diesem Grund.satz unverljÄltni^^ni'i^'^iK v)<'l />m)(. |4umIi'/i tnid dem Leser nichts helfen würde. Au/'Ji di^r Mnl.iili y^rnUm wir die führende IVAk nicht yM'/^'^^Mim bonnm. I'llnu An Ordnung nach .StropJjenf'/nn^n wine l><tj di'i Vhl<vr'*ljil()|^l*<')l unserer Rätsel jrar ni'J.t ihrrMMn'hiu' Und wlt« v\<wil/v<'

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kämen wieder für eine rein landschaftliche Sammlung in Betracht, was für eine falsche Vorstellung von unserem Formenschatze würde etwa eine für sich betrachtete Ausgabe österreichisch-schlesischer Rätsel, wo sich ja die alten Reim- strophen in Prosa aufgelöst zeigten, dem Leser gewähren. Aus demselben Grunde kann ich einer stilistischen An- ordnung nicht das Wort reden. Sie ist im Grossen und Ganzen bei der mecklenburgischen Sammlung eingehalten worden. Aber bei aller Bewunderung für den feinen Takt, mit dem Wossidlo hier die Massen geschieden hat, kann ich seine mühsame Arbeit doch nicht für ganz gelungen ansehen. Es wird dabei zu Vieles auseinander gerissen und die Unter- bringung etwa der verschiedenen doch nahe verwandten Rätsel von der Kirsche an drei Stellen bringt für den Benutzer manche Unbequemlichkeit mit sich. Die Anordnung nach dem Inhalt erscheint immerhin als das kleinste Übel. Haben wir einmal eine recht grosse Rätselsammlung nach Stoffkreisen geordnet vor uns, so liesse sich bequem beobachten, wie die Gegenstände vom lebendig schaffenden Geiste des Volkes oder Stammes erfasst und poetisch verarbeitet werden. Nun weiss ich freilich recht gut, dass derselbe stilistische Typus oft für verschiedene Gegenstände verwendet, dass z. B. der Kirschbaum fast ebenso wie der Nussbaum geschildert wird. In 'den allermeisten Fällen aber wird man finden, dass es sich um keine individuelle, sondern eine höchst allgemeine Schilderung handelt; Ausnahmen bestätigen die Regel, aber dafür sind ja Verweise und Anmerkungen da. Man setze also ruhig den höheren Begriff „Baum" ein und lasse die wirklichen Spezialrätsel für einzelne Bäume folgen (etwa die Nummer „Apfelbaum", Wossidlo 189). Ebenso wird man, wie ja auch Wossidlo mitten in den stilistischen Gruppen das Stück „Schwein und Eichel" mit ähnlichen Nummern unter dem Titel „Das Tier und seine Beute" zusammengefasst hat, nunmehr leicht eine ganze Anzahl von Rätseln über die Brombeere, Preisseibeere u. s. w. unter dem Oberbegriff „Beere oder Kirsche" vereinigen können. Gerade die Beziehung des einen Typus auf so und so viele einzelne Gegenstände bietet

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ja dann einen eigenen Reiz. Wer Neigung und Geschick dazu besitzt, kann sich wohl auch um die Ermittelung eines „Urtypus** bemühen und diesen voranstellen. Dabei kann man noch, wie es Wossidlo that, die ganze Masse der Scherz- fragen, bei denen der sachliche Inhalt nichts bedeutet (denn es ist ganz gleich, ob der Hase oder ein Reh oder ein Mensch über den Berg läuft, weil unten kein Loch durchführt), bei Seite schieben und sie in seiner unübertrefilichen Anordnung (Anfangswort und Pointe) aufführen. Will man trotzdem wissen, in welchen Rätseln und Scherzfragen etwa das Huhn vorkommt, so muss man eben zum Register greifen. Auf dieses aber sollte jeder Sammler von Volksüberlieferungen seine ganze Kraft verwenden. Da sollen nicht etwa bloss die Lösungen zu finden sein, sondern u. a. sämmtliche Re- alien, Orts-, Zeit- und Zahlangaben, Farbebezeichnungen, alle zum Vergleich herangezogenen Gegenstände, alle auf- fallenden Wortbildungen. Keine Variante sollte unberück- sichtigt bleiben. Auch sollen nicht blosse Zahlen gesetzt werden; Wossidlo bietet etwa unter „Hase" an zwei Dutzend Zififern, so dass man auf der Suche nach einem bestimmten Typus oft das ganze Buch durchblättern muss; freilich waren ihm, wie wir nur zu wohl wissen, enge Schranken gezogen. Wer die Hände freier regen darf, gebe ein „ausführliches Register" mit kurzer Angabe von Stichworten innerhalb der einzelnen Artikel.

Ein zweiter, wichtiger Punkt ist die Wiedergabe der einzelnen Rätsel. Unsere Sammlungen dienen zwei Dis- ciplinen: der Volkskunde und der Mundartenforschung. Steht uns auch die erste billig voran, so müssen wir der andern doch soviel als möglich bieten. Was sachlich keinen Wert mehr hat, kann sprachlich bedeutsam sein, selbst wenn es ins Gebiet der Entstellungen, Verdrehungen fällt. Darum spare man die Varianten nicht und gebe alle wirklichen Rätsel in 'der Mundart. Hat man nun viele Fassungen in verschiedenen Mundarten – ich denke hier etwa an die grosse bayerische Rätselsammlung der Zukunft – , so ent- scheide man sich entweder dafür, allemal eine bestimmte

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Mundart voranzustellen oder man sache die älteste, die best« erhaltene, die poetisch wertvollste Fassung heraus. Hier ist der Punkt, wo die Gruppierung kein blosses Handwerk mehr ist, hier darf und soll der Philolog dem Ästhetiker die Hand reichen. Was die Scherzfragen betrifft, so haben ja hier die verschiedenen Fassungen meist rein sprachlichen Wert. Es ist dieselbe Wortreihe, die etwa (um auf bayerischem Boden zu bleiben) einmal unterfränkisch, dreimal pfälzisch, ferner oberbayerisch u. s. f. erscheint. Hier möchte ich raten, dass man das ganze zunächst in der Schriftsprache gebe und dann alle anderen Fassungen nach einer festen, geographischen Ordnung folgen lasse.

Eine Übersicht der Stoffgebiete und Vorschläge für ihre Gruppierung sind mir erlassen, denn hier hat die meisterliche „Deutsche Volkskunde" von Elard Hugo Meyer (S. 332 ff.) feste Anhaltspunkte gegeben.

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Druck von Carl Öalewski in Berlin C.


Fußnoten

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