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Tunkal von Alfred Neumann

Alfred Maximilian Neumann (* 15. Okt. 1895 in Lautenburg; † 3. Okt. 1952 in Lugano) war ein deutscher Autor historischer und zeitgeschichtlicher Romane.

Siehe auch: Wikipedia, Münzinger, Who's Who, Deutsche Biographie, Kulturportal West

 

Das Rätselwerk Alfred Neumanns ist sehr umfangreich, daher haben wir jedem Buch eine eigene Seite gewidmet: Neumann (Übersicht), Sais, Rätseldichtungen, Tunkal, Delphi, Rhodus

 

Tunkal

Neue Rätsel-Dichtungen

Saturn-Verlag, Wien,
257 Seiten
Das Buch enthält insgesamt 350 Rätselgedichte ohne Lösungen (falls es die Lösungen auf einem Beiblatt gab, ist dieses bei unserem Exemplar verloren gegangen): 12 Sinnrätsel, 53 Homonyme, 88 Scharaden und Scharadoiden, 19 Palindrome, 76 Logogriphe, 40 Kapseln, 41 Anagramme und 21 Ziffern-Füllrätsel. Alle Rätsel sind von Neumann selbst verfasst und Erstveröffentlichungen
 

Tunkal

Gegenwartsdeutsch »dunkel«, Mittelhochdeutsch »tunkel«, Althochdeutsch: »tunkal«,  Urgermanisch »dunkwaz« (Alt-Norwegisch »dökkr«, Holländisch »donker«).

Lösungen

Neumann hat keine Lösungen angegeben. Alle bei uns angegebenen Lösungen haben wir bzw. unsere Besucher gefunden. Die Lösungen müssen daher nicht notwendigerweise mit der von Neumann beabsichtigten Lösung übereinstimmen.

Copyright

Wir veröffentlichen die Rätsels Alfred Neumanns mit freundlicher Genehmigung von

Alfred Kim Guggenheim
675 North Bundy Drive
Los Angeles, California 90049, USA

Mail: kimguggenheim(at)gmail.com

dem Inhaber der Autorenrechte an den Werken von Alfred Neumann:

Rätsel in »Tunkal«

Falls Sie Javascript aktiviert haben, können Sie die folgende Tabelle sortieren, indem Sie auf eine Spaltenüberschrift klicken.

Nr. Erste Zeilen des Rätsels Ref
2315 Man fährt im Strom Im Palindrom. P-14
4420 Wenn ich Dir nahe, schwindet alles Licht dahin, Das R-11
4438 Aus dem, der viel von dem besitzt, was hier zu raten H-15
4456 Heut geht es los! Heut müsst Ihr lang Euch quälen H-50
4461 Den ersten hat der Mensch zuweilen in der Hand, Ihn S-16
4478 Wenn nach des Winters Wüten blaue Blumen sprießen S-41
4510 Der erste bringt Dir schwere Pflichten jede Stunde, Oft Si-08
4516 Zwei Teile, der erste von einer, der zweite von zwei Si-26
4523 Hat »a« es, siehst Dus in den Bergen reich an Blüten L-05
4539 Nimm meine ersten beiden Lettern fort, Dir wird ein L-61
4567 Wie konnte einer Hacke denn ein Huhn entschlüpfen?  K-15
4578 Ergeht Ihr Euch im Wald und seht Ihr zwischen grünen K-36
4583 Mich plagt das Tier in einem fort, jetzt kommt es gar A-19
4592 Du siehst das Ursprungswort jetzt fliegen und jetzt A-03
4554 »1 2«, perorierte, auf sein Wissen ganz versessen, F-07
4608 Ursprungswort besagt den Mangel an Gelenkigkeit, A-25
4630 Mit tausend Kapselworten magst Du in den Boden K-32
4644 Siehst Du im Positiv mich an, bin Waffe ich, geb' tiefen L-75
4652 Fängt das Wort mit »S« an, ist es einfach dann, Fängt L-28
4671 Fielst aufs Wort Du und hast Du Dich arg zerschunden, H-17
4685 Der erste ist ein Vorwort nur, Der zweite ist ein Si-30
4693 Das Haus besitzt vom ersten Teile viele Exemplare, S-40
4720 Der Seele, der Gesinnung Hochstand liegt im ersten S-02
4729 Den Blitz- und Lichtgott nehmt und seht genau ihn an H-34
4736 Man glaubt, dass Arbeit, die nicht endet, glaubt, dass R-06
4742 In einem deutschen Tonwerk such ein Mädchen Dir, H-09
4767 Im Pflanzenreiche ist der erste Teil zu Hause, In S-12
4778 Wovon der erste spricht, das suche zu erkunden, S-25
4800 Mit »e« am Schluss siehst Du im Herbst mich auf dem L-09
4810 Bald bin ich bloß ein Stückchen, bald ein Berg, von H-09
4817 Nimm einen Namen erst, der einem Slawen S-24
4849 Der Dichter braucht den ersten, sucht ihn oft mit Si-22
4853 Ein Harz und eine Schlange nimm; in allen zwei  Sieh L-54
4874 »Juristen — schlechte Christen«, heißt ein Weistum K-20
4881 Sie trafen sich beim Ursprungswort; man aß und trank A-21
4898 »Wo ist der 1?«, so schrie 2 augenrollend, »Wo über F-13
4906 Man hörte früher oft aus der Türkei, Es sei bei manchen K-33
4923 Man hört mit grellem Ton mich meine Arbeit machen, L-69
4937 Ich bin ein Maß, Und wie Du, Löser, Mich auch liest, P-02
4955 Ein Fisch, der keiner ist, Ein Fürwort noch dazu, Und Si-12
4962 Ich kenn ein tief gedacht Gedicht, das von dem ersten S-27
4976 Dem Reichtum dieser Erde abgewandt, verzichten sie H-49
4997 Es war im Mai. Längst war schon die Natur erwacht, R-08
5011 Er saß in seiner Zelle; vor ihm auf dem Tisch Stand  H-01
5023 Ist es Adverb, so meint es: »Scheu«, »befangen«, H-18
5035 Der erste Teil: Ein wildes, furchtbar Tier, Den zweiten S-18
5057 Hüt' vor dem ersten Dich, er hat den zweiten nicht, S-47
5069 Das Prototyp des Rohen, Ungezähmten, Feindes der Si-15
5072 Der Kaufmann hat das Vorwärtswort, Oft wird die Fülle P-12
5084 Beide Worte — gleiche Spitzen: »d« und »g« — sie L-25
5103 Der Zustand, Mann, in dem Du heut nach Hause L-62
5115 Die Kapsel sang die schönsten Lieder aus dem reichen K-17
5128 Ursprungswort: Ein Vogel, dessen Schrei wie Bann und A-05
5151 Sie saßen auf dem 1 und sahen tief ergrimmt, Ein 2, F-14
5173 »1«, sprach 2 3 zu der Letter, die vor ihrem Namen F-18
5187 Die Jugend hat das Ursprungswort: Es treibt sie, alles A-35
5196 Du seltsamste der Mütter, darf ich's unternehmen R-07
5202 In meinem Rätsel spielen zwei der Worte ihre Rolle: R-09
5224 Alte Stadt, im hohen Norden Deutschlands schön H-21
5246 Ein kleines Wort, der erste Teil! Doch wie viel liegt In S-10
5258 Zwei Teile gleicher, fremder Sprache muss ich heute S-42
5270 Du isst das Wort, glaub mir, Wenn Du den ersten Si-09
5283 Steht »n«, so bringt das Wort Dir Wunden, doch auch L-13
5291 Mit »n« sieh fromme Menschenkinder, die zum Beten L-67
5304 Er wollte eben sich mit wonnigem Behagen Den Trunk  K-27
5327 Gestein, an Baum und Blumen arm, nur tote Öde A-27
5340 Köstlich ist der Frucht 1 2 3, die Du auf den 4 gelegt. F-15
5355 Ein wilder Bursch lässt ohne Schwierigkeit sich ändern A-37
5362 Nach Japan geh und such nach einem Mineral: Die K-16
5381 Erst ohne »l« — Geschenk kann man es nennen, Gib L-17
5394 Ein Türkentitel: Nummer eins — Dir wohlbekannt; Ein Si-33
5415 Zwei Schwestern sind's, und jede thront als Königin in R-10
5428 Ich spreche von Bewegung, als dem Ding an sich; Bei H-23
5445 Artikel der erste der Teile Und Ton der zweite der Teile S-01
5452 Der erste, luftiges, doch selten duftiges Gebilde, Es S-30
5477 Ein Vorwort, ferner was man einen Misanthropen nennt, Si-19
5482 Ihm ist es gleich, ob Deine Augen es nach vorne, Ob P-01
5500 Ich bin ein Abschnitt (im Plural), trag ich ein »n« in mir L-23
5505 Mit »B« gibt's Feuer, Rauch, zuweilen Wunden; Ein L-58
5511 Gar ungeheure Tiere steh'n vor Dir, Und sieh nur zu: K-06
5523 Wüsst' man das Kernwort, wo die Kapsel wohnt, Und K-40
5539 Er soll Dir helfen, soll Dir nehmen, was Dich tödlich A-02
5560 »1«, dozierte, stolz auf seine Wissenschaft, der F-10
5564 Nur eine Stadt des gleichen Namens gibt es — glaub L-51
5582 Oft ist's der Mensch, oft ist's ein Tier, Ist es der H-29
5596 Denk an das Reh, denk an das Wiesel, und ich wette, S-08
6202 Lies Kritias und Timäus. Plato sagt Dir dort So manches R-03
6224 Dasselbe Wort es sagt, Was nacheinander kommt, Wie H-48
6246 Geh edelstes Getöne der Musik genießen Und geh in S-19
6268 Nimm das Atom, nimm die Mikrobe her, Dann wirst Du Si-05
6290 Es war zur Zeit des Vorwärts, als ein Rednersmann Für P-09
6301 Bin ich komplett, hab ich drei Lettern, die an erster L-14
6323 Geh nach Pompeji, sieh mit »T« den großen Bau; Nun L-66
6345 Verborgen liegt in einem Stein Ein Körperteil von Dir! K-08
6367 Das erste Wort wird meist aus jenem Material A-07
6379 Du liest es in der Zeitung: ein 1 2. Was war es, was F-08

Nr. ist die Nummer des Rätsels hier bei uns;

Ref ist die Nummer des Rätsels in Tunkal von 1935. Die Rätsel sind kapitelweise nummeriert: R-xx (Worträtsel), H-xx (Homonyme),  S-xx (Scharaden), Si-xx (Scharadoide), L-xx (Logogriphe und Steigerungsrätsel), F-xx (Füllrätsel), A-xx (Anagramme), P-xx (Palindrome), K-xx (Kernrätsel, von Neumann als Kapselrätsel bezeichnet.)

Vorwort

von Robert Franz Arnold

In der Einleitung zu meinem »Irrgarten« (1928), dem ersten Versuch einer ästhetisch genügenden und wissenschaftlich brauchbaren Blütenlese deutscher Kunsträtsel von den Klassikern bis zur Gegenwart, ward noch ein anderer Versuch, der einer Geschichte dieser besonderen Gattung erstmals gewagt, zog ich die Linien, die vom Rätsel der Urzeit (denn bis in diese tauchen die Wurzeln hinab) durch Altertum, Mittelalter, Renaissance, Barock usw. bis zu der ersten Blütezeit vor und in der Biedermeierzeit, zu der Philosophen-Trias Schleiermacher, Fechner, Brentano und zu der wenigstens quantitativen Hochkonjunktur nach dem Weltkrieg führen.

Was dort festgestellt wurde, hier sei es nicht wiederholt; auch auf die ausgewählte Bibliographie zu Ende jenes Büchleins sei nur eben verwiesen. Freilich müsste sie heute, nach Verlauf von Jahren, selbst bei strenger Auswahl um mehr als einen Namen, mehr als einen Buchtitel vermehrt werden, und gewiss nicht fehlen dürften in solch einem Nachtrag neben dem Philosophen Kafka, dem Juristen Karl Wolff (mit dessen Gattin) zwei Neumänner, Wilhelm in Baden-Baden, Verfasser eines auch äußerlich anmutigen »Rätselbüchleins«, und der Wiener Alfred, der in rascher Folge die Sammlungen »Sais«, »Rätseldichtungen« und das vorliegende »Tunkal« (alle Wien, Saturn-Verlag) veröffentlicht hat und vielen Lesern, einschließlich des Unterzeichneten, unbekannterweise ein willkommener Gesellschafter, mehr: ein lieber Freund geworden ist.

Ihm gebührt unter den Rätseldichtern der Rang Lope de Vegas, die Anerkennung erstaunlicher Fruchtbarkeit. Wer da glaubt – und ich selbst meinte es oft genug –, dass der Vorrat, den Leben und Sprache dem Rätsel bieten, erschöpft sei wie ein Goldbergwerk der Tauern, dass alles nur irgendwie »Rätselhafte« seinen Dichter schon gefunden habe, wer das glaubt, wird durch unsern neuen Aenigmatias eines Besseren belehrt. Denn aus allen Richtungen der Windrose, aus allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens, der Wissenschaft, der Kunst, der Technik, der Wirtschaft strömen ihm neue Themen zu und er erweitert, wie freilich schon der oder jener vor ihm, seinen Horizont noch durch Heranziehung fremder Sprachen, altklassischer und moderner, so dass er schließlich wie Helena im »Faust« ein grenzunbewusstes Reich beherrscht.

Diesem Glück im Finden und Erfinden gesellen sich Scharfsinn, Witz, Humor, und den nötigen Spielraum für seine oft zu hübschen Geschichtchen erweiterten Gedichtchen gewähren die von ihm bevorzugten (um meistersingerlich zu reden) überlangen Verse. Leicht zu lösen sind seine Rätsel ebensowenig wie die der Vorgänger (und wohl auch Ahnherrn) Fechner, Brentano und der ebenfalls professoralen Verfasser des »Labyrinths« (1925); ja einzelne bleiben selbst geübtem Blick und gewandter Hand wirklich so dicht umschleiert wie das Bild zu Sai's oder Tunkal, dunkel wie die Nacht. »Doch sag' ich nicht, dass dies ein Fehler sei«, im Gegenteil, hierin liegt ein Vorzug. Allerdings muss jedes richtige Rätsel, wenn auch nicht gerade heute und von dir oder mir, lösbar sein, irgendwo muss das Ende eines Fadens hervorgucken, der, wenn richtig angefasst, zur Aufdröselung des Gewebes oder Gespinstes führt. Wenn Immermanns Merlin bekennt:

 ... wie ich meine,
Sind Rätsel, die zu lösen, eben keine,

so kann sich dieser Theorie unsere Praxis nicht anbequemen. Aber je tiefer verborgen die auszugrabende Alraunwurzel liegt, um so größer zwar die Arbeit, aber auch das Verdienst des Gräbers und seine Freude, wenn er sie nun endlich gefunden hat und heraushebt.

Natürlich wandelt sich die Schwierigkeit eines und desselben Rätselgedichts mit dem Bildungsgrad der Lösenden; auch ob sie mit solchen Problemen mehr oder minder vertraut sind, spielt eine Rolle. So ist z. B. für den Schreiber dieser Zeilen, der Hunderte von Rätseln verbrochen und ihrer Tausende gelesen und akademische Bildung erworben hat, das allermeiste dessen, was die gegenwärtige Massenproduktion zumal in Zeitungen und Zeitschriften ablagert, nach der Lektüre der ersten oder zweiten Zeile schon kein Rätsel mehr, sondern so unschwierig wie die alte Kinderscherzfrage: »Was ist das, rundherum blau, in der Mitte ein Zwetschkenkern?«

Aber auf höherer Ebene verhärten sich die Schalen solcher Nüsse und Mandeln. Bei Brentanos »Aenigmatias« z. B., beim »Gordischen Knoten« von K. und H. Wolff, bei den Sammlungen Wilhelm und Alfred Neumanns, wohl auch bei »Labyrinth« und »Irrgarten« bleibt selbst dem erfahrenen Analytiker ein Phlegma in der Retorte zurück; zwar wird es von Jahr zu Jahr kleiner, verschwindet aber vielleicht nie ganz.

Immer aufs Neue wetzt sich der Scharfsinn an diesen Schleifsteinen; bald von dieser, bald von jener Seite her sucht man den ins Innerste des Labyrinths führenden Weg; kundige Thebaner lassen zwischen dem vorläufig letzten und dem nächsten Versuch Wochen, auch Monate verstreichen, um nach Ablauf solcher Frist, und dann vielleicht mit Erfolg, einen neuen Sturm auf die Verschanzungen des Rätsels zu unternehmen.

Aber nicht allein in der Beseitigung eines scheinbaren Wider- oder Unsinns, nicht allein in der Ermittlung der unbekannten Hälfte eines Gleichnisses (vgl. »Irrgarten«, Seite 14ff), nicht allein im Auffinden des zu den jeweils aufgestellten Bedingungen passenden Wortes oder Begriffes, mit einem Wort, nicht allein in der Lösung liegt der Reiz des Kunsträtsels, sondern ebenso wohl in seinen ästhetischen Qualitäten. So finden sich unter den Rätseln etwa Schillers, Körners, Rückerts, Fechners, Brentanos Kleinkunstwerke hohen Ranges, »entzückte Anschauungen eines Gegenstandes« (so Goethe über Schiller) oder anmutige Scherzgedichte (neigt ja doch das Rätsel als solches zur Ironie); bald herrscht das Pathos vor, bald der Witz, bald lächelt wehmütig der Humor; je größer die Person des Dichters, so deutlicher vernimmt man seine persönliche Note.

Freilich ist hier von Spitzenleistungen die Rede, etwa von Schillers »Regenbogen« und »Blitz«, oder von jenen Rätseln Brentanos und Wilhelms v. Scholz, deren Lösung eben wieder »Rätsel« ist, aber schließlich erscheint jedes kunstgerechte Rätsel schon durch die Versform als solche, durch ihre Noblesse künstlerisch verpflichtet und sein eigentümlicher Reiz quillt aus einer eigentümlichen Doppelfunktion, indem es gleichzeitig Verstand (und Wissen) herausfordert und Bedürfnisse ästhetischer Art befriedigt.

So beiläufig stellen sich die Kunsträtsel vom Gesichtspunkt ihres Adressaten, des Lesers also oder Lösers dar, und indem sie ihn gebieterisch zur Mitarbeit auffordern, gleichsam einspannen, seinen Scharfsinn oder seine Phantasie oder beide zugleich in Bewegung setzen, ihn auch wohl förmlich examinieren, vermögen sie mit ganz besonderer Energie ihn von sich selbst, d. h. von den um sein Ich und dessen Atmosphäre kreisenden Sorgen abzulenken. Aber eben dies gilt für den, der die Rätsel ersinnt und gestaltet, in noch höherem Grade als für den, der sie aus der Hand des Urhebers empfängt. Dieser nämlich – wenn ich aus eigenen Erfahrungen auf die anderer »Kollegen« schließen darf – macht sie nie pflichtmäßig, nie von Berufs wegen; er hat, wie man wohl sagt, anderes, soll heißen: Ernsteres, Wichtigeres zu tun. Die Rätsel sprießen ihm in den schmalen Zwischenräumen seiner Arbeitsstunden auf, in den Atempausen, die ihm der Kampf ums Dasein grade noch gestattet, Erzeugnisse einer schwer zu definierenden Stimmung, die sich keineswegs immer von der Willkür herbeikommandieren lässt.

Den unmittelbaren Anlass bringt der Zufall, das Ungefähr: eine im Gespräch aufflatternde Redewendung, das Bemerken eines Druckfehlers oder (vgl. »Irrgarten«, Seite 21) die plötzliche Erkenntnis einer Ähnlichkeit zwischen Dingen, zwischen Vorgängen, zwischen Abstraktionen – oder auch, dem Schöpfer besonders erfreulich, der Wunsch und die Fähigkeit, irgendein Ungemach, irgendeinen Schädling der Seele mit den Mitteln des Rätsels niederzukämpfen.

An anderer Stelle habe ich behauptet, die Lösung eines schweren Rätsels bereite dem, welcher sie ausführt, »so etwas wie Glück«; aber so etwas wie Glück empfindet auch der, wenn er sich so nennen darf, Poet des Rätsels. Und dabei schmeckt er die jeder verbotenen Frucht innewohnende Süßigkeit. Denn was er da treibt, das sind Allotria; seinen Bemühungen fehlen die sichtbaren Ziele, die greifbaren Zwecke; er schwänzt die Schule des Lebens, mit einem Wort: er spielt. Aber ein Spiel, an dem nicht nur zwei oder drei Partner, nein, jeder Nicht-Analphabet teilnehmen kann. Ein Spiel um Besseres als Geld. Ein Spiel, bei dem man (mit Umkehrung eines Goethe-Worts) nie verliert. Ein Spiel, zu dem auch dies geistreiche Buch den freundlichen Leser einlädt.

Altaussee, 23. September 1935

R. F. Arnold

Motto

Und Tunkai*) heißt Rätsel,
Und Rätsel heißt Leben.
Euch Rätsel zu geben,
Ist Lust mir, Bestreben,
Euch spielend zu heben
In frohe Gefilde,
In lustige, milde,
Wo Lächeln, wo Lachen,
Euch sorgloser machen
Für einige Stunden,
Am Wege gefunden.
Der Weg ist so finster,
Durch Schierling und Ginster
Führt uns das Leben,
Bis alles zu Ende,
Und Rätsel beginnen,
Sich schreckhaft begeben,
Fern menschlichem Sinnen,
Das Lösungen fände.
Und Tunkai heißt Rätsel,
Und Rätsel heißt Leben . . .

A. N.

*) Siehe Robert F. Arnold »Der Irrgarten«, 333 deutsche Rätsel, Seite 28.

Pressestimmen

Ludwig Hirschfeld in der »Neuen Freien Presse«

Die ersten zwei Rätselbücher dieses auch als Lyriker und Übersetzer erfolgreich tätigen Wiener Autors, »Sa'is« und »Rätseldichtungen«, wurden an dieser Stelle angezeigt und haben viele Leser gefunden, wie ja überhaupt der Kreis der Anhänger dieses zu neuem Aufschwung gelangten Denksports immer größer wird. In einer Zeit, in der die wirtschaftlichen und politischen Probleme und Sorgen für uns alle größtenteils unlösbare Rätsel sind, verwendet man den unbeschäftigten Scharfsinn gern darauf, solche geistige Nüsse zu knacken. Das neue Buch Alfred Neumanns wird also allen Liebhabern dieser Beschäftigung sehr willkommen sein. Es bietet ihnen nicht weniger als 350 Denkaufgaben, größere, kleinere, ernste, heitere, zum großen Teil nicht ganz leichte Aufgaben, die Konzentration, logisches Denken und sprachliches Wissen erfordern. Wenn Neumanns erstes Buch die Volksschule des Rätsellösens war, das zweite die Mittelschule, so ist dieses geradezu schon die Hochschule. Weshalb auch ein Universitätsprofessor das Vorwort dazu geschrieben hat: Robert F. Arnold, ein hervorragender Fachmann auf dem Gebiete der Rätseldichtung. Er verleiht dem Verfasser wegen seiner erstaunlichen Fruchtbarkeit unter den Rätseldichtern den Rang eines Lope de Vega [Wikipedia] und verweist auf ein Charakteristikum, das auch den Leser dieses Buches zur Bewunderung veranlasst: wie Neumann immer wieder neue Themen aus allen Gebieten des heutigen Lebens zufliegen, wie er durch Heranziehung fremder, altklassischer und moderner Sprachen sein Rätselreich immer mehr erweitert. Warum das Buch mit dem geheimnisvollen, indisch klingenden Wort »Tunkai« betitelt ist, das in keinem Lexikon, keinem Fremdwörterbuch zu finden ist, wird nicht erklärt, bleibt also ein ungelöstes Rätsel. Dafür werden aber diesmal die Auflösungen aller Rätsel geboten, eine willkommene Neuerung, auf deren Notwendigkeit an dieser Stelle wiederholt hingewiesen wurde. Wenn der Verfasser auch versichert, dass er sich nur schweren Herzens entschlossen hat, damit von einem bisher in der Rätselliteratur traditionellen Brauche abzuweichen, für die Denksportler bedeutet es-unbedingt eine Steigerung des Vergnügens an dem interessanten und anregenden Buch.

Walter Horwitz in der »Wiener Zeitung«

Mit vollem Recht darf der Verfasser sein schön ausgestattetes Werk als die beste seiner auf diesem Gebiete bisher erschienenen Publikationen bezeichnen. Man muss es Alfred Neumann hoch anrechnen, dass er in einer Zeit, in der die jetzt umgehende Rätselepidemie mechanisch herzustellende und ebenso aufzulösende Rätselarten in den Vordergrund allgemeinen Interesses gerückt hat, die aber mit dem, was ich unter einem Rätsel verstehe, nicht in eine Linie gestellt werden dürfen, der großen Tradition getreu — ich erwähne nur die Namen Schiller, Schleiermacher, Brentano – die Pflege des deutschen Kunsträtsels in durchaus würdiger Weise fortsetzt und so die Brücke von den »Klassikern« bis zur Gegenwart schlägt. Ein wirklich wertvolles Rätsel setzt bei dem Leser und Löser eine gewisse Summe von allgemeiner Bildung, Sprachverständnis,
Kombinations- und Assoziationsgabe voraus und soll durch gefällige, womöglich originelle Form ästhetische Forderungen befriedigen, durch witzig konstruierte Schwierigkeiten der dem denkenden Menschen innewohnenden Neigung zu ihrer Überwindung entgegenkommen. Die Rätsel des vorliegenden Werkes erfüllen diese Bedingungen. Es enthält eine Reihe reizender, zu kleinen Geschichten erweiterte Gedichte und scharfsinnige Epigramme, wie Universitätsprofessor Dr. Robert Franz Arnold im Vorworte bemerkt. Mit seinem »Tunkal« hat sich der Verfasser in die erste Reihe der Wieder-Erwecker des deutschen Kunsträtsels gestellt.

Gerty Fuchs im »Neuen Wiener Tagblatt«

In der Serie seiner Rätselbücher lässt Alfred Neumann nun das dritte erscheinen, das die erstaunliche Produktivität des Autors auf diesem Gebiet wieder ins hellste Licht rückt. »Tunkai« — das ist »Dunkel«, und man hat es tatsächlich nicht leicht, aus dem kunstvollen, gedanklichen Gespinst jenen Faden herauszulösen, der ans Licht führt. Alfred Neumann hat schon in seinen früheren Büchern »Sa'is« und »Rätseldichtungen« bewiesen, dass sich das, was er in seinen Werken zu bieten hat, nicht mit dem klischeeartigen Begriff »Denksport« deckt. Seine Kunsträtsel appellieren nicht nur an den Scharfsinn, sie wollen auch gar nicht in einem Zuge gelöst werden, sie wirken auch durch ihre Ästhetik schlechthin. Dem Buch hat Professor Robert Franz Arnold ein Vorwort geschrieben.

Professor Dr. Oskar Kraus in der »Bohemia«

Brentanos Rätselbuch »Aenigmatias« hat längst Schule gemacht Man denke an die Rätselbücher von Professor Kafka, Dresden, Professor Wolff, Innsbruck, Wilhelm Neumann, Baden-Baden, Dr. Bondy (Job), Prag, der Professoren Arnold und Josef, Wien. In diese Reihe gehören auch die drei Rätselbücher von Alfred Neumann in Wien, die in rascher Folge als »Sai's«, »Rätseldichtungen« und neuestens unter dem Titel »Tunkal« erschienen sind. Dass Professor Robert Franz Arnold das Buch für würdig gehalten hat, ihm ein Vorwort vorauszuschicken, ist wohl die beste Bürgschaft dafür, dass die 350 neuen Rätsel auch den Ansprüchen hochkultivierter Rätselfreunde gerecht werden. Gewisse Varianten, wie z. B. die Steigerungsrätsel (träg – Träger), oder die Kapselrätsel (Sklerose – Eros) erhöhen den Reiz des Buches. Die Lösungen liegen in einem gesonderten Blatte bei.

»Klagenfurter Zeitung«

Im Saturnverlag erschienen, bringt das Werk 350 größere und kleinere, ernste und heitere Denkaufgaben. Es ist das dritte Rätselbuch des Verfassers (voran sind »Sai's« und »Rätseldichtungen« gegangen), alle drei erschienen in verhältnismäßig kurzer Zeit. Sie sprechen von ungewöhnlicher Produktivität Dr. Neumanns, von einem beweglichen, feinen Geiste, von innigem Gefühl für gepflegte Form dieser so anregenden Gedankenspiele. Um Spiel in höherem Sinne handelt es sich ja tatsächlich bei allen Rätseldichtungen, wie Robert Franz Arnold in einem beachtlichen Vorworte richtig ausführt, um »Spiel um Besseres als Geld«, wobei die aufgewendete Zeit kaum als verloren betrachtet werden kann. Der Leser und Rater gewinnt in vielerlei Hinsicht, er empfindet Freude an der Lösung gerade der schwierigsten Rätsel und treibt unversehens geistige Gymnastik, die die logische Denkkraft stählt. Letztere muss freilich bei nicht wenigen der Rätsel gehörig angespannt werden, will man nachher bei Vergleich mit dem beigegebenen Auflösungsblatt mit Genugtuung das »Stimmt«! konstatieren können. Dieses Beiblatt muss nur richtig angewandt werden, dann ist es wertvoll. In den Händen dessen, der den Weg von der Lösung zum Rätsel statt umgekehrt wählt, verlieren die Schmetterlingsflügel dieser Rätsel allerdings ihren seidigen Staub.

Anmerkungen von uns

In der Rezension von Professor Dr. Oskar Kraus in der »Bohemia« werden einige Autoren genannt, die bei uns nicht vertreten sind und zu denen wir nur über lückenhafte Informationen verfügen:

Professor Kafka, Dresden:

Wahrscheinlich ist Gustav Kafka [Wikipedia] gemeint. Seine (Rätsel)Werke sind uns nicht bekannt.

Dr. Bondy (Job), Prag:

Rätselbuch
Herausgegeben von der Loge "Praga" des B'nai B'rith [Wikipedia]
Mit einem Vorwort von Oskar Kraus
Prag, im Selbstverlag (1925)

Nicht zu verwechseln mit Siegmund Alfred Bondy.