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Geschichte des Räthsels

von Johannes Baptista Friedreich

Geschichte des Räthsels
von Johannes Baptista Friedreich
Erschienen in der Verlagsbuchhandlung von Rudokf Kunze, Dresden, 1860

Seinem Freunde,
Dr. Wilhelm von Schelhaß
k. Regierungsrathe in Würzburg

Anmerkungen des Herausgebers

Rechtschreibung: Das Original dieses Buches ist 1899 erschienen und folgt der damals gültigen Rechtschreibung ("daß", "Litteratur", "Räthsel", usw.). Wir haben die Rechtschreibung den heutigen Gepflogenheiten angepasst – mit einigen Ausnahmen: Zum einen die Titel zitierter Werke und zum anderen Zitate, die schon damals nicht der Rechtschreibung entsprochen haben und vom Autor absichtlich in Original belassen wurden.

Formatierung: Im Original  g e s p e r r t  gesetzte Wörter haben wir kursiv gesetzt.

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Rätselgedichte: Franz Karl zitiert etwa hundert Rätselgedichte. Diese haben wir in den regulären Rätselkanon aufgenommen und verlinkt, um duplicate content zu vermeiden. Dies stört den Lesefluss leider etwas, aber wir sehen derzeit keine andere Möglichkeit. Jedenfalls kommt man mit dem Link "Karl" auf der Rätselseite exakt zu der verlinkenden Stelle zurück.

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Übersicht

I.

§ 1. Begriffs, Aufgabe und poetischer Wert des Rätsels

II.   

§ 2. Schema der verschiedenen Formen des Rätsels

§ 3. Die Rätselfrage

§ 4. Das einfache Worträtsel

§ 5. Schema der Variationen des Worträtsels

§ 6. Die Homonyme

§ 7. Das Worträtsel mit Buchstabenveränderung

§ 8. Das Worträtsel mit Elision

§ 9. Das Worträtsel mit Zusatz

§ 10. Das Worträtsel mit Buchstabenversetzung: Der Logogriph; die Rätselquadratur

§ 11. Das Worträtsel bezüglich zur Lesart: Das Anagramm; das Palindrom

§ 12. Das Worträtsel bezüglich zum Laut und Ton des Wortes: Das Gleichlauträtsel; das Betonungs- oder Akzenträtsel

§ 13. Das Worträtsel mit Wortteilung: Das Wortteilungsrätsel

§ 14. Das Silbenrätsel: die Charade

§ 15. Das Buchstabenrätsel. In Bezug aus den Laut des Buchstaben, und aus die Figur desselben. Das grammatische Rätsel

§ 16. Das Schreibzeichenrätsel

§ 17. Das Bilderrätsel. Das metallene Rätsel, der Rebus, das musikalische Rätsel

§ 18. Das komplizierte Rätsel. Worträtsel mit Elision; Worträtsel mit Elision und Anagramm; Worträtsel mit Elision und Zusatz; Charade mit Homonyme; Logogriph und Worträtsel mit Elision

§ 19. Das Zifferrätsel

§ 20. Das mathematische Rätsel

III.

§ 21. Verwandtschaft und Beziehung des Rätsels zu Dichtungen anderer Art

§ 22. Die Gnome

§ 23. Das Epigramm

§ 24. Die Anekdote und das Mährchen. Die Rätselanekdote; das Rätselmärchen

§ 25. Schiller's Turandot. Heft peiger von Nisami aus Gendsch

§ 26. Das Sprichwort, Sprichworträtsel

§ 27. Die symbolische Dichtung. Da« symbolisch, Rätsel

§ 28. Das Lehrgedicht. König Tyro von Schotten und Fridebrant, sein Sohn

§ 29. Die Ballade. "King John and the abbot of Canterbury" von Percy, "Der Kaiser und der Abt" von Bürger

§ 30. Der alte Stoff zu diesen Balladen: das Fastnachtsspiel von Hans Folz; Schimpf und Ernst von Pauly, und der Esopus von Waldis

§ 31. Das Lustspiel. Contessas Lustspiel "Das Rätsel"

IV.

§ 32. Geistige Dichtung des Rätsels. Das Rätsel als Symbol der Weisheit, als belehrend und dazu dienend, die geistigen Fähigkeiten eines anderen zu prüfen

§ 33. Das Rätsel als Sinnbild der Weisheit. Die Sphinx

§ 34. Das Rätsel als belehrend. Das didaktische Rätsel, Streckrätsel

§ 35. Das Rätsel dazu dienend, um die geistigen Fähigkeiten eines anderen zu prüfen

§ 36. Die Königin von Saba und König Salomon

§ 37. Die Prüfung des persischen Helden Sal

§ 38. Der Gotenkönig Hejbrit und der blinde Gester

§ 39. Das Wasthurdhnismal; das Lied vom Gott Odin und dem toten Wasthurdnir

§ 40. Das Alvissmal; das Lied von Gott Thor und dem Zwerg Alvis

§ 41. Der Wartburgkrieg

§ 42. Das Tragemuntslied

V.

§ 43. Die erheiternde, fröhliche und scherzende Bedeutung des Rätsels

§ 44. Das Rätsel bei Gastmahlen. Plutarchs Gastmahl der sieben Weisen

§ 45. Beckers Nachbildung der griechischen Gastmahlszene

§ 46. Das erotische Rätsellied

§ 47. Das Kranzsingen

§ 48. Das Neckrätsel, Vexierrätsel

VI.

§ 49. Das Ausgeben eines Rätsels hat den Zweck, Streit zu veranlassen

§ 5O. Das Rätsel von Simson

VII.

§ 51. Die nationale Literatur des Rätsels

§ 52. Die alten Hebräer, Salomo und die Königin von Saba; Salomo und König Hiram

§ 53. Der Hebräer Agur

§ 54. Der neuhebräische Dichter Abu! Hassan Juda Ha-Levi

§ 55. Die Makamen des hebräischen Dichters Juda Ben Salomon Alcharisi

§ 56. Die Türken. Ali. Fani.

§ 57. Der Derwisch und Dichter Mohamed Ben Osman Ben Ali Nattasch, genannt Lamii

§ 58. Die Perser. Deren Logogriphe

§ 59. Abul Kasim Mansur (Ferdusi). Asdschedi. Rasi. Ehansade. Mew.ana Nisan. Schereseddin Ali

§ 60. Die Araber. Die Makamen des Hariri

§ 61. Seetzens arabische Volksrätsel

§ 62. Das arabische Mädchen Serka

§ 63. Die Griechen

§ 64. Der Fabeldichter Aisopus

§ 65. Alexis aus Thurium

§ 66. Die Komödie „Sappho" von Antiphanes

 

§ 67. Die [griechisch] von Aristonymus

§ 68. Elearchus aus Soli

§ 69. Eleobulus und seine Tochter Eleobuline

§ 76. Der Grammatiker Diomedes

§ 71. Der Tragiker Theodektes

§ 72. Anonymes Rätsel bei Atheaeus

§ 73. Bruncks Sammlung griechischer Rätsel

§ 74. Byzantinische Literatur. Psellus, Basilius Megalomites

§ 75. Die Römer. Apulejus. Aulus Gellius

§ 76. Spätere Lateiner

§ 77. Gaelius Firmianus Symposius

§ 78. Aldhelmus

§ 79. Schwedische und norwegische Rätsel

§ 88. Russisches Rätselfragenlied

§ 81. Litauische Volksrätsel

§ 82. Englische und schottische Rätsel

§ 83. Französische Literatur

§ 84. Italienische Literatur

§ 85. Spanische Literatur

§ 86. Niederländische Rätsel

§ 87. Deutsche Literatur

§ 88. Die Reichenauer Handschrift

§ 89. Altdeutsche zu Augsburg erschienene Sammlung

§ 90. Das alte zu Söln und Nürnberg erschienene Ratbüchlein

§ 91 Aenigmata von Ioann, Lorichius Hadamarius

§ 92. Poemats von Julius Cäsar Scaliger

§ 93. Aemgmatographia von Nicol. Reusner. Rätsel von Pontanus, Petreius, Aretiiis, Mamilius und Laberius; von Hadrianas Junius, Joannes Lorichius, Angelns Politianus, Stephanus Paschasius, Sebast. Schesser, Laurentius Lippius und Eourad. Wachmann

§ 94. Aenigmata von Nicol. Reusner 214

§ 95. [griechisch] von Nicol. Reusner

§ 96. Aeuigmata von Joannes Lauterbach

§ 97. [griechisch] von Joannes Buchlerus a Gladbach

§ 98. Aenigmata von Joannes Pincierus

§ 99. Der hundertäugige blinde Argos, von Andreas Sutor

§ 100. Studiosus jovialis, von Odilo Schreger

§ 101. Altdeutsche Volks- und Meisterlieder, herausgegeben von Görres

§ 102. Rätselbüchlein von Mises

§ 103. Erzählungen aus altdeutschen Handschriften, herausgegeben von Keller

§ 104. Neckrätselbuch von Franklin von Enssurt

§ 10S. Volksrätsel aus der Umgegend von Gießen, gesammelt von Weigand

§ 106. Volksrätsel aus dem Aargau, gesammelt von Rochholz

§ 107. Nachlese zur Literatur der Deutschen


Vorwort

Über das Rätsel ein eignes Werk zu schreiben, mag wohl von Manchem, der dasselbe nur eines oberflächlichen Blickes würdigt, für ein unbedeutendes Unternehmen gehalten, oder die Meinung ausgestellt werden, es sei Schade, Zeit und Mühe einem so unbedeutenden Gegenstande zu widmen. Dem ist aber nicht so, und es muss uns im Gegenteile gerade auffallend erscheinen, dass fast alle Verfasser von Werken über Dichtkunst das Rätsel entweder gar nicht, oder nur mit einigen Zeilen erwähnt haben. Dünkten sic sich vielleicht zu vornehm, um einem solchen ihnen unbedeutend scheinenden Gegenstande einige Aufmerksamkeit zu schenken? Diesen wollen wir folgende Worte Wielands zurufen: die Rätsel haben gar keine Apologie vonnöten. Machten sich nicht vor Alters die Könige und weisen Männer der berühmtesten Völker ein Geschäft daraus, Rätsel zu erfinden und einander zum Erraten zuzuschicken? Kam nicht die Königin von Saba (aus deren Liebesgeheimnissen mit dem König Salomo noch die heutigen Beherrscher von Abessinien entsprossen zu sein stolz sind) mit großem Pomp ausdrücklich nach Jerusalem, um den Scharfsinn und die Gelehrsamkeit des jungen Fürsten, wovon der Ruhm sich schon in allen Ländern gegen Morgen und Mittag verbreitet hatte, durch Rätsel aus die Probe zu stellen? Rettete Oedipus nicht das ganze thebanische Land vom Untergang, indem er das berühmte Rätsel der Sphinx erriet? Was braucht es weiter Zeugnis? Wir werden uns doch nicht einbilden wollen zu weise für ein Spiel zu sein, woraus Leute, wie die Königin von Saba, die Könige Salomo und Amasis und die sieben Weisen aus Griechenland sich ein ernsthaftes Geschäft machten? Die griechischen Dichter haben dem Rätsel ihre Aufmerksamkeit geschenkt: die Lyriker mischten nicht selten rätselartiges in ihre Gedichte ein, wie z. B. Archilochus, Stesichorus, Simonides; auch die Tragiker und Komiker legten Rätsel in ihre Dichtungen ein, so wie auch die Dichter der mittleren und neuern Komödie. Die hebräischen, die türkischen, persischen, arabischen Dichter ersten Ranges haben Rätsel verfasst; die Edda, die trefflichen Makamen des Harin sind voll von Rätseln u. s. w. Es haben sich auch namhafte Dichter der Jetztzeit, ein Bürger, Tiedge, Langbein, Winkler, Körner, Schiller u.a.m. mit Dichten von Rätseln abgegeben. Dieses alles hat Herr Otto Banck nicht bedacht, oder, was wahrscheinlicher, nicht gewusst, sonst hätte er seinen einfältigen Vers „Vergleichen, Wetten und Rätselraten ist kleiner Geister Schweinebraten" nicht in die Welt geschickt.

I.

§1. Das Rätsel ist 1 die umschreibende Darstellung eines nicht genannten Gegenstandes, um das Nachdenken des Lesers oder Hörers zum Auffinden desselben anzuregen; es ist, wie Meier 2 ganz richtig sagt, wesentlich ein freies Spiel des Geistes, wobei es aus Witz und Geistesgegenwart ankommt, und wobei es noch aus geistreiche Unterhaltung, aus ein gegenseitiges Messen des Scharfsinnes und der Erfindungsgabe abgesehen ist. Wolff 3 hat Folgende Definition gegeben: Das Rätsel ist ein Spiel des Verstandes, der sich bemüht, einen Gegenstand so darzustellen, dass er alle Merkmale und Eigenschaften desselben schildert, so widersprechend dieselben an und für sich betrachtet auch sein mögen, ohne jedoch den Gegenstand selbst zu nennen. Das Geheimnisvolle, das in der Darstellung liegt, und das den Verstand zur Lösung jener Widersprüche durch die Auffindung des Namens reizt, bildet das eigentliche Interesse des Rätsels, welches seine höhere Beziehung darin hat, dass im Universum gleichfalls wie in jedem einzelnen abgeschlossenen Wesen die scheinbar einander vernichtenden Widersprüche dazu beitragen müssendem harmonisches Ganze zu bilden. Die künstlerische Auffassung des Rätsels beruht demnach aus der scharfsinnigen Auffindung und Zusammenstellung jener Merkmale, und der geschickten Umhüllung des Namens in schöner Form. Das Rätsel hat demnach besonders, eine zweifache Aufgabe 4. Die erste ist die, irgend einen Gegenstand aus poetische Weise anschaulich darzustellen; es müssen daher, wie bei jeder Schilderung, die wesentlichsten Eigenschaften und Merkmale desselben hervorgehoben und zusammengestellt werden, so dass aus ihrer Vereinigung ein vollständiges, anschauliches poetisches Bild des geschilderten Objektes entstehe. Die zweite Aufgabe besteht darin, dass der geschilderte Gegenstand nicht sogleich zur Anschauung gelange, nicht mit einem male erkannt werde; daher muss der Dichter unter dm Merkmalen vorzugsweise solche wählen, welche einander zu widersprechen scheinen, oder welche auch einzeln, nicht aber in ihrer Vereinigung, andern Gegenständen, und zwar solchen, die allgemeiner bekannt sind, auf die man leicht und schnell verfällt, beigelegt werden könnten, so dass der Leser unmerklich von dem eigentlichen Objekte abgeführt wird. Durch die zweite Ausgabe erhält nun das Rätsel vorzüglich das Bild des Witzes und der erheiternden Laune, während es durch die erste seine poetische Gestaltung 5 erhält. So in Goethes „Alexis und Dora":

... So legt der Dichter ein Rätsel,
Künstlich mit Worten verschränkt, oft der Versammlung ins Ohr.
Jeden freuet die seltne, der zierlichen Bilder Verknüpfung
Aber noch fehlet das Wort, das die Bedeutung verwahrt.
Ist es endlich entdeckt, dann heitert sich jedes Gemüt auf,
Und erblickt im Gedicht doppelt erfreulichen Sinn.

II.

§2. Alle möglichen Formen des Rätsels bringe ich in folgendes Schema:

  1. Die Rätselfrage.
  2. Das einfache Worträtsel. Die Variationen des Worträtsels:
    1. Das Worträtsel mit verschiedener Bedeutung des Wortes: die Homonyme
    2. das Worträtsel mit Buchstabenveränderung
    3. das Worträtsel mit Ellision
    4. das Worträtsel mit Zusatz
    5. das Worträtsel mit Buchstabenversetzung, der Logogriph und die Rätselquadratur
    6. das Worträtsel mit verschiedener Lesung, das Anagramm und das Palindrom
    7. das Worträtsel nach Laut und Betonung, das Gleichlauträtsel und das Betonungsrätsel
  3. Das Silbenrätsel oder die Charade
  4. Das Buchstabenrätsel
    1. in Bezug aus den Laut
    2. in Bezug aus die Figur des Buchstaben
  5. Das Schreibzeichenrätsel
  6. Das Bilderrätsel
  7. Das komplizierte Rätsel
  8. Das Zifferrätsel

Von diesen einzelnen Formen nun insbesondere (§§3-19).

 

§3. Die einfachste und wohl auch älteste Form besteht in einer Frage, welche zur Beantwortung vorgelegt wird; man kann sie die Rätselfrage nennen. Es gibt eine sehr große Menge derselben 6, und den meisten liegt ein Wortspiel oder ein sog. schlechter Witz zu Grunde. Beispiele:

  1. Wer hat so viel Augen als Tage im Jahre sind?
  2. Wer ist der gewandteste Sänger?
  3. Welcher Ring wird gegessen?
  4. Welche sind die schlechtesten und doch teuersten Tressen?
  5. Warum soll ein Pferd kein Schneider werden?
  6. Welche Ähnlichkeit findet statt zwischen einem Menschen, der sich ein paar Stiefel anzieht und ein paar hübschen Augen?
  7. Welche Tanten können auch Oheime sein?
  8. Sonst kommt, wie man sagt, die Hülse von oben; wann kommt sie aber von unten?
  9. Was ist der Mensch, der in einer angespannten Chaise sitzt, die Pferde aber stehen bleiben?
  10. Welcher ist der höflichste Fisch?
  11. Welche Uhr deutet auf eine gedrückte Zeit?
  12. Welcher Mensch hat mehr als einen Mund?
  13. Was ist der Mensch, der noch keine Besoldung hat?
  14. Welcher Arm macht sehr viel Lärmen?
  15. In welcher Schule haben die Zöglinge Augen und sehen doch nicht?
  16. Welche Gatten fahren immer aus dem Wasser?
  17. Wer ist stärker, der Reiche oder der Arme?
  18. In welchem Teile Preußens ist am meisten Leben?
  19. Warum gleicht der Kuss einem Gerüchte?
  20. Warum kann der beste Tiermaler keinen freundlichen Hund malen?
  21. Was ist für ein Unterschied zwischen dem Alphabet und dem menschlichen Leben?
  22. Welches Wort wird kürzer, wenn man noch eine Silbe dazutut?
  23. Warum sind die Diebe klüger als die Ärzte?
  24. Welche Ähnlichkeit findet zwischen einer Zigarre und der Liebe statt?

Antworten:

  1. Der am zweiten Januar Geborne
  2. Der Vogel, weil er Alles vom Blatte singen kann.
  3. Der Hering.
  4. Die Maitressen.
  5. Weil es das Futter frisst.
  6. Sie üben eine Anziehungskraft aus.
  7. Die Dilettanten.
  8. Beim Souffleur.
  9. Ein ungezogener Mensch.
  10. Der Bückling.
  11. Die Zensur.
  12. Der Mündel, denn der hat noch einen Vormund.
  13. Ein gehaltloser Mensch.
  14. Der Alarm.
  15. In der Baumschule.
  16. Die Fregatten.
  17. Der Arme, denn der hat Not und Not bricht Eisen.
  18. In der Provinz Sachsen, denn in derselben liegen die Städte Eisleben, Aschersleben, Ermsleben, Alt- und Neuhaldensleben, Hadmersleben u. s. w.
  19. Weil er von Mund zu Mund geht.
  20. Weil der Hund, wenn er freundlich ist, mit dem Schweife wedelt, was nicht gemalt werden kann,
  21. Das Alphabet hat nur ein W, das menschliche Leben hat viele W (Wehe).
  22. Kurz; kürzer,
  23. Weil sie, wenn sie irgendwo weg. gehen, stets bestimmt wissen, was den Leuten fehlt,
  24. Je länger sie brennen, desto weniger bleibt davon übrig

Die Deutschen haben auch eigene Waidmannsrätselfragen, wie z. B. folgende:

Frage. Sag an lieber Waidmann,
Was hat der edle Hirsch zwischen Wasser und Gries 7 getan?

Antwort. Zwischen Wasser und Gries,
Da hat der edle Hirsch gewaschen seine Fuß.

F. Sag an, mein lieber Waidmann,
Wie spricht der Wolf den edlen Hirsch an?

A. Wohlaus, du dürrer Knab, du musst in meinen Magen,
Da will ich dich durch den rauen Wald hintragen.

F. Lieber Waidmann, sag mir bald,
Wo laust der edle Hirsch zu Wald?

A. Er laust über die Wege alt und über den grünen Wald,
Und über den Rück, da kommt der edle Hirsch oft und bald.

F. Lieber Waidmann, sag mir an,
Wann hat der edle Hirsch sein Himmelzeichen 8 getan?

A. Wann er heut von Feld gen Holz ist gangen,
Hat der edle Hirsch mit seiner langen Stangen
Herabgeschlagen die Zehr 9 und Äste
Von Bäumen und Stangen und hat sein Waid 10 empfangen;
Ist mir anders eben 11
So hat er das Himmelszeichen daran gegeben.

F. Lieber Waidmann, kannst du mir das sagen,
Was hat den edlen Hirsch vor Sonne und Mond über den Weg getragen?

A. Das will ich dir wohl sagen, die liebste Mutter sein
Trug den edlen Hirsch über den Weg hinein 12.

F. Sag mir an, mein lieber Waidmann:
Was macht den Wald weiß?
Was macht den Wolf greis?
Was macht den See breit?
Woher kommt alle Klugheit?

A. Der Schnee macht den Wald weiß,
Das Alter macht den Wolf greis,
Das Wasser macht den See breit,
Vom schönen Jungfräulein kommt alle Klugheit 13.

 

§4. Wenn ein ganzes Wort, oder auch ein paar Worte miteinander in Verbindung zum Erraten ausgegeben werden, so heißt dieses das Worträtsel. Man unterscheidet das einfache Worträtsel von seinen verschiedenen Variationen; von letzteren ist in § 5 die Rede. Hier Beispiele des einfachen Worträtsels, verfasst von den deutschen Dichtern: Kretschmann (Nr. 1-2.), Bürger (Nr. 3.), Friedrich Müller (Nr. 4.), Langbein (Nr. 5-6.), Schiller 14 (Nr. 7-16), Müchler (Nr. 17-18.), Friedrich Kind (Nr. 19-21.), Houwald (Nr. 22.), A. G. Eberhard (Nr. 23.).

1. Wer bin ich? Jung bin ich wohlfeil, alt erst teuer, weiter

2. Ich bin das köstlichste Gericht! weiter

3. Verfertigt ist's vor längrer Zeit, weiter

4. Hoch gebeutst du über Menschenwillen, weiter

5. Die Toren lassen mich selten ruhn, weiter

6. Ich bin ein Marterholz, bin vieler Herren Knecht, weiter

7. Von Perlen baut sich eine Brücke 15 weiter

8. Unter allen Schlangen ist eine 16 weiter

9. ich drehe mich aus einer Scheibe, weiter

10. Ein Gebäude steht da von uralten Zeiten, weiter

11. Aus einer großen Weide gehen weiter

12. Ich wohne in einem steinernen Haus, weiter

13. Ein Vogel ist es, und an Schnelle weiter

14. Es führt dich meilenweit von dannen, weiter

15. Es steht ein groß, geräumig Haus weiter

16. Zwei Eimer sieht man auf und ab weiter

17. Einförmigkeit ist mein Symbol, weiter

18. Gleich dem Phönix, den die Glut geboren 17 18 weiter

19. Ich lieg im Turm mit manchem Zimmer weiter

20. Von Vaterseite stamme weiter

21. Durch raschelnde Blatter weiter

22. Ich bin nicht breit, hoch aber wie die Leder weiter

23. Das ungeborne Kindlein zwar weiter]

 

§5. Die verschiedenen Variationen des Worträtsels sind folgende:

1. Das Worträtsel mit verschiedener Bedeutung des Wortes; es wird ein Wort ausgegeben, welches verschiedene Bedeutungen hat: die Homonyme.

2. Es werden ein oder zwei Buchstaben am Anfange, in der Mitte oder am Ende des Wortes verändert: das Worträtsel mit Buchstabenveränderung.

3. Es wird von dem Worte am Anfange, in der Mitte oder am Ende ein oder der andere Buchstabe hinweggelassen: das Worträtsel mit Elision.

4. Es werden dem Worte am Anfange, in der Mitte oder am Ende einer oder einige Buchstaben zugesetzt: das Worträtsel mit Ersatz.

5. Die Buchstaben des Wortes werden aus verschiedene Weise versetzt: das Worträtsel mit Buchstabenversetzung, der Logogriphe; die Rätselquadratur.

6. Das Worträtsel mit verschiedener Lesung, wo nämlich das Wort vorwärts und rückwärts gelesen werden soll: das Anagramm und das Palindrom.

7. Das Worträtsel nach Laut und Betonung, wo nämlich aus den Ton des Wortes Rücksicht genommen wird: das Gleichlauträtsel und das Betonungsrätsel.

8. Das Wort wird einmal im Ganzen und dann jede der einzelnen Silben genannt: das Wortteilungsrätsel. Von diesen Variationen nun insbesondere. (§§ 6-13.)

 

§6. Die Homonyme ist jene Variation des Worträtsels, wo dasselbe Wort in verschiedenen Bedeutungen genommen werden kann.

1. Als ich vor grauer Zeit auf einem Berge stand, weiter

2. Himmlische Tugend, teuflischer Mord, weiter

3. Gemeiniglich gefällt's den Damen weiter

4. Ich schütze aus der Schanze dich,
Und ruht die Hand am Schwerte;
Doch trägst du aus dem Rücken mich,
So mach' ich dir Beschwerde;
Noch härter drücke ich das Herz,
Bin ich der Lohn für Liebesschmerz.

5. Bäume sind es, an denen ich hange,
Brüste sind es, an denen ich prange,
Kleider sind es, welche ich halte,
Moden sind es, die ich gestalte,
Haare sind es, welche ich binde;
Beim weiblichen Geschlecht ich am meisten mich finde,

6. Wir sind's gewiss in vielen Dingen weiter

7. Was mir fehlt? O lasst's euch klagen! 20 weiter

Auflösungen: 4. Korb. 5. Nadel.

 

§7. Wenn ein oder zwei Buchstaben im Worte verändert werden, so nennen wir es das Worträtsel mit Buchstabenveränderung.

1. Hast du vom Drucke durch A mit J dich glücklich befreiet, weiter

2. Ein Wort, einsilbig, doch leicht erklärlich; weiter

3. Mit H ein zierlich Dach,
Doch in dem Sturm zu schwach.
Mit T ein treues Liebchen,
Mit L ein freundlich Stubchen
Am heißen Sommertag.

4. Mit L wird's gegessen, doch gekocht muss es sein.
Mit Z nimmt man's gerne, doch ungekocht, ein.

Auflösungen: 3. Haube, Taube, Laube; 4. Linsen, Zinsen

 

§8. Das Worträtsel mit Elision ist jenes, wo von dem Worte am Anfange, in der Mitte oder am Ende, oder auch am Anfange und Ende ein oder der andere Buchstabe weggelassen wird, wodurch sich dann ein anderes Wort bildet. Solche Elisionen, ohne gerade Rätsel zu sein, kommen öfters bei alten lateinischen Schriftstellern vor; so steht z, B. bei Athanas Kircher: 21

Musicus quidam romanus cum suis auditoribus gratias acturus esset, ita post prolixa verba conclusit: "nihil ligitur restat, nisi ut vobis gratias agamus clamire, i.e. gratias agimus clamore, amore, more, ore, re."

Beispiele von Elisionsrätseln von Tiedge (Nr.1), Krummacher (Nr. 2), Theodor Hell (Nr. 3), Theodor Körner (Nr. 4).

1. Fünf Zeichen hat mein Wort; des Kopf ist grau und alt, weiter

2. Mein Ganzes findest du wohl Überall weiter

3. Wo innig die Brüder zu Brüder sich neigen, weiter

4. Mit heil'ger Kraft tret' ich in's Leben, weiter.

 

§9. Das Worträtsel mit Zusatz besteht darin, dass dem Worte am Anfange, in der Mitte oder am Ende ein oder zwei Buchstaben oder eine oder zwei Silben beigesetzt werden.

1.

Gott wohnt in mir und ist mein Quell,
Ich mache Welt und Himmel nah und ferne
Und Bettlerhütten wie Paläste hell.
Zwei Zeichen mehr, so pass' ich schnell
Aus Kerzenflämmchen, Sonne, Mond und Sterne;
Und setzt ihr klug ein Zeichen ein,
Werd' ich ein Fabeldichter sein.

2.

In das Herz des größten Weltbezwingers
setz' ein „du" hinein,
Und des Leidens höchster Überwinder
wird gesunden sein.

3.
Was vorher flüssig, nun versteinert ist,
Wird euch ein kleines Wörtchen nennen,
Setzt vorn ein Zeichen noch dazu, so müsst
Die Hoffnung künst'ger Früchte ihr erkennen.
Wollt noch ein Zeichen ihr damit vereinen,
So wird des Lebens Winter euch erscheinen.

4.

Wer hörte niemals von der Zaubermacht
Der Töne, die durch Grabesnacht
Zur Seele der Geliebten einst gedrungen?
Die jedem Ohr Bewund'rung abgezwungen,
Die selbst des rauen Fürsten Herz gerührt,
Der in dem Schattenreich das Szepter führt,
So dass er der geraubten Holden Leben
Gesonnen war dem Tag zurückzugeben?
Da jubelten des Treuen Wunderklänge,
Den jetzt noch preisen viele alte Sänge,
Und einen schönen, flücht'gen Augenblick
Erfreute sich sein Herz in Hoffens Glück.
Wenn du mir leicht der Töne Meister nennst,
So zweifl' ich nicht, dass du den Maler kennst,
Der dir ersteht, wenn durch ein neues Zeichen
Die Bilder jener Treue Dir erbleichen.
Ein farbenhelles, schwebend Reich ist sein,
Und eine mächt'ge Pforte führt hinein. .
Gar kühn und mächtig führt er seinen Pinsel,
Und bringet dich aus eine Zauberinsel,
Wo Paradieses Blumen dich umblühen,
Und ew'ge Sonnen, ew'ge Sterne glühen.
Heut zeigt er dir die Ruh' als Arbeitslohn,
Setzt morgen dich regierend aus den Thron;
Oft spielt er auch mit deinem warmen Herzen,
Schafft Freuden bald, bald unnennbare Schmerzen.
Wohl nennt man Trug des Meisters Kunstgebilde,
Und Tauschung, sagt man, führt er nur im Schilde,
Doch, lügen auch die wechselnden Gestalten,
Ost liegt doch schöner Sinn in ihrem Walten.

5.

Was du redest und schreibst, ich vernein' es.
Setz' ein Silbchen mir zu, nur ein kleines,
Reichst du der Artigen freundlich die Hand,
Denn nun ist sie dir nahe verwandt.

Auslösungen: 1. Licht. Lichter. Lichtwer. 2. Geld. Geduld. 3. Eis. Reis, Greis. 4. Orpheus. Morpheus. (Orpheus ist ein alter Barde, der durch die Töne seiner Lyra alles bezauberte. Als seine Gemahlin Eurydice gestorben war, begab er sich in die Unterwelt, um von dem Fürsten des Schattenreichs sich dieselbe wieder zu erbitten. Orpheus stieg, die Saiten seiner Lyra schlagend, in die Unterwelt hinab, und zum ersten Male verbreitete sich Freude da, wo nur furchtbare Schrecknisse hausten, und die zu grausamen Strafen Verdammten fühlten die erste Linderung ihrer Qualen; selbst der sonst unerbittliche Gott der Unterwelt wurde gerührt und vermochte nicht dem Orpheus seine Bitte abzuschlagen, Morpheus ist der Sohn des Schlafgottes Hypnos, und selbst der Gott der Träume.) 5. Nicht. Nichte,

 

§10. Die einzelnen Buchstaben des Wortes werden aus verschiedene Weise versetzt, entweder 1. aus beliebige Weise, der Logogriphe, oder 2. nach einer vorgeschriebenen Norm, die Quadratur.

1. Der Logogryphe 23 besteht darin, dass man von einem Worte die Buchstaben aus verschiedene beliebige Weise versetzt, und dadurch andere Wörter bildet. Solche Versetzungen, auch ohne die Absicht gerade ein Rätsel zu bilden, hat man von jeher und in allen Sprachen getrieben 24 Der griechische Grammatiker und Dichter Lykophron (um 280 v. Chr.) hat den Namen [griechisch] (von Honig), und den Namen [griechisch] (Veilchen der Here) versetzt. In Bezug aus die angebliche Blindheit Homers haben deutelnde Grammatiker den Namen [griechisch] logogriphisch in [griechisch] (Einer, der nicht sieht) verwandelt. Besonders reichhaltig ist die lateinische Sprache an Logogriphen 25 und Friedrich David Stender (Stenderus) hat im Jahre 1665 eine ganze Sammlung von lateinischen Logogriphen herausgegeben, so dass Höpfner dessen Namen Stenderus in destruens umsetzte.

Besonders hat man Namen versetzt; so hat Calvinus aus dem Titelblatte seiner 1539 zu Straßburg gedruckten Institutionen seinen Namen in Alcuinus versetzt, und so gibt es noch viele andere Logogriphen der Art, z. B. loisius, sis viow; k'ortunkttns. kort« natus; Vates, vesta; ^Idertus, ter albus; ^äulator, Iau6ator; Ournlus maZllns, cumulans a^ros; Basilius, sibi laus; Oominstio, ackmonitio; viadolus, adi ckolus; Lmanuel, Ievamen; I^surentius, in te Iaurus; Roma, «unor; Sigismunäus, musis Sigvus; Oartesius, seetsrius; Aristoteles, ssI erat ists; Ambrosius, ordis musa; ^närcas, an aräes?; Oameruiius, rare amieus; t^alenus, an^elus; ^nselmus, Ln sum saI; Lai tlwlomneus, sol deatorum; Naria Nagäalena, granckia mala mea, Rodertss, rerorbns; Simon, omnis; 8aul^,ex, luxeras; Leverinns, verus in se; Saoramentnm, insre sauctum; ?erra, errat; ^clolescentia, sola gecentia; (üarolus c>nin» tus, czm elarus uotus; Oivitas Z^orimdergensis, neseis urdium regina est, u. s. w.

Als die Sekte der Illuminati entstanden war, so wurden aus deren Benennung, so wie aus die ihrer Antagonisten, Obseurati genannt, aus Spott mehrere Logogryphen gemacht; z. B. aus Illuminkttug machte man nt liinis luna (gleich dem schielenden Monde), ktt illnminus (selbst ohne Licht), sawti liuum (des Heiles Fallstrick), lumina lusit (er heuchelt Ausklärung), illusit manu (er trieb mit Handschlag Gaukelspiel), mitia nullus (Keiner kennt Humanität), in tali mnlus (in einem solchen steckt ein Maulesel), manus illnti (uureine Hände), lnti salinnm (des Kothes Gesäß): odseurkttus versetzte man in tu sdsouras (du verbreitest Finsterniß), dos sMÄtus (ein wohlbeleibter Ochse), our sus dost (warum brüllt das Schwein), ut sud saero (unter dem Scheine der Heiligkeit), u. s. w.

Als König Stanislaus Lescinsky in seiner Jugend von seinen Reisen zurückkehrte, gab ihm seine Familie in Lissa ein großes Fest, bei welcher Gelegenheit der berühmte Rektor Iablonsky ein Ballet angeordnet hatte, in welchem von dreizehn als Krieger verkleideten Tänzern jeder einen Schild vor der Brust trug, aus welchen einer der Buchstaben des Wortes vomus I.escinig, mit goldenen Zögen gemalt war; sich zusammen ordnend, bildeten sie zuerst diese Inschrist, bei den einzelnen Pausen des Tanzes aber anders gestellt, erschienen durch Versetzung der Buchstaben solgende sechs andere Inschriften: ^,Ses incolnmis; Omnis es luoiää; Oume sis luciäa; Nane si6us loei; 8is columus äei; I, seanäs solium. — So hat man nun auch diese Versetzungen zu Rätseln benützt, und ihnen den Namen Logogryphen gegeben, über welche Wieland Folgendes sagt: „Der Logogryph ist eine Art von Witzspicl, wo es darum zu thun ist, ein Wort zu errathen, aus welchem, durch dessen Zergliederung und Versetzung der Buchstaben, eine. Anzahl anderer Wörter herauskommt, die von allgemein bekannter Bedeutung sind, oder doch unter die Anzahl derer gehören, die man als bekannt voraussetzen dars; dergleichen z, B. die Namen mythologischer und historischer Personen, und die der Länder, Gebirge, Flüsse, Städte u. s. w. sind. Ordentlicher Weise nimmt man zu einem Logogryphen ein Wort aus der Sprache, worin er geschrieben ist; es ist aber auch erlaubt, den Namen einer Person oder Sache dazu zu nehmen, aus welcher Sprache er sein mag, insosern man nur diese Person oder Sache als unter diesem Namen bekannt voraussetzen kann. Der Logogryph ist also eine Art von Rätseln, deren hauptsächlichstes Verdienst darin besteht, daß einiger Grad von Menschenverstand und Kenntnissen dazu gehört, um sie errathen zu können; und daß man es dem Liebhaber, der sich daran versuchen will, weder zn leicht noch zu schwer mache: das letzte geschieht, wenn die Umschreibungen, in welche man die Namen der Worte, die man errathen soll, einhüllet, allzu dunkel, das erste, wenn sie gar zu deutlich und handgreislich gegeben sind. Feine, scherzhaste oder satyrische Züge und Wendungen sind ein Salz, dessen diese Art von Gerichten mehr als irgend eine andere bedars; je mehr von dieser Würze daran ist, desto besser. Der Gebrauch will, daß Logogryphen allzeit in Versen abgesaßt werden, weil man mit gutem Fug geglaubt hat, daß sie der Annehmlichkeit, die sie dadurch erhalten, nicht wohl entbehren könnten; je ungezwungener, fließender, wohlklingender die Verse und Reime sind, desto besser sür den Logogryphen und den Leser." Beispiele von Logogriphen (der erste ist von Körner):

1.

Wenn Frühlingswonne, neugeboren,
Des Herzens tiefsten Sinn entzückt,
Steh' ich im Wechseltanz der Horen
Als Blumenkönigin geschmückt,
Und schöne Mädchen winden mich zu Kränzen,
Als Schmuck aus ihrer Locken Gold zu glänzen.

Doch setzt du vor das letzte Zeichen,
Als Götterknabe schaust du mich,
Zeus muss sich meinem Willen beugen,
Ich quäle, ich beglücke dich.
Aus meinen Händen fallen dir die Lose,
Doch ohne Dornen reich' ich keine Rosen.

2.

Mich liefert am Besten der Spieß,
Das ist gewiss.
Versetzet geschieht es beim Ritt,
Doch nie im Schritt.

3.

Ich ziere den wirkenden Mann und den reisenden Jüngling
Versetzt zier' ich den Mantel der finsteren Nacht.

4.

Im Sommer nur
Keimt's in der Flur
Durch Arbeit und Beschwerde.
Versetzet trägt,
Wenn's Stündlein schlägt,
Es schweigend uns zur Erde.

5.

Kein Mensch lebt ohne mich; ist das nicht klar genug?
Und sonderbar, in mir steckt „Erbgut" und „Betrug".

6.

Merke, es ist ein Wort, das nur in Bewegung bestehet,
Willst du beginnen das Wort, sei nicht säumig und träg'.
Bist du träge darin, mit Recht man dich also benennet,
Wie es besagt, wenn der Kopf Platz hat getauscht mit dem Fuß.

Auflösungen: 1, Rose, Eros. 2. Braten, Traben. 3. Ernst, Stern, 4. Haber, Bahre, 5. Geburt, 6. Laus. Faul.

2. Es wird eine bestimmte Form angegeben, nach welcher die Versetzung der einzelnen Buchstaben des Wortes geschehen soll; z, B. in ein Quadrat. Hierher die Rätselquadratur. Beispiele:

1.

Der Zeichen süns, ein M, ein E,
Nimm hin, dazu A, L und D,
Und setze sie so ins Quadrat,
Dass jede Seite vier Zeichen hat;
Sie geben dir vier Wörter dann.
Das Erste deutet Böses an,
Wenn der Lateiner es dir sagt,
Allein aus deutsch wird manche Magd,
Auch wohl von dem, der nah' verwandt,
Manch' Fräulein traulich so genannt.
Das zweite Wort hat guten Klang:
Wohl dem, der's durch Verdienst errang.
Des dritten Wortes Schlüpfrigkeit
Stammt aus der alten Fabelzeit,
Doch Dichters Mund und Malers Hand
Macht es dir ganz gewiss bekannt.
Die Psingstepistel nennet dir
Die Leute, welche Nummer vier . .
Dereinst bewohnten, denn ein Land
Ward ehedem also benannt.

2.

Zwei Wörter, die jedes vier Zeichen enthalten,
Die sollt ihr zu einem Quadrat mir gestalten.
Das Erste, aus dem sich Vulkane entladen,
Ist wohl die bekannteste aller Eykladen,
Auch ward's einst beschuldigt entsetzlicher That,
Erwählte den Eicero zum Advokat.
Verkehrt ist's lateinisch. Was mag es bedeuten?
So sragt ihr; vernehmt denn, es heißet „vor Zeiten".
Vom zweiten Worte ist wenig zu sagen.
Dort ward eine gräßliche Schlacht einst geschlagen;
Und gebt ihr das Wort zu verkehren euch Müh',
Habt ihr ein Gebilde der Phantasie.
[merged small][table][table]

*) NaIe heißt bös, übel, Male wird im Deutschen auch sür Malchen, ein Frauenname, gebraucht.

**) Leda war die schöne Gemahlin des Königs Tyndarens, mit welcher Zeus sich in Gestalt eines Schwanes begattete, und den Pollux und die Helena zeugte.

***) Elam ist eine Völkerschast in Asien, die in der Bibel bald neben Babylonien, bald in Verbindung mit Medien, bald als Bestandtheil des assyrischen Reichs, oder neben Assyrien genannt ist. Zur Zeit des Ieremias sah Elam der Unterjochung durch chaldäische Uebermacht entgegen.

Milo, eine der cykladischen Inseln, Milo (Annius Milo Papianus), römischer Volkstribun, wegen Parteisucht und Anstisten von Uuruhen angeklagt, wurde von Eicero vertheidigt.

-s-s-) Lodi, Delegation in dem Gouvernement Mailand des lombardisch - venetianischen Königreiches, berühmt durch die Schlacht am ls. Mai 1796 zwischen den Oesterreichern unter Beaulieu und den Franzosen unter Napoleon.

 

§11. Eine fernere Variation des Worträtsels besteht darin, dass das Wort von vorwärts und rückwärts gelesen werden soll. Je nachdem sich nun dadurch entweder ein anderes Wort ergibt, oder dasselbe Wort bleibt, haben wir zwei Arten dieser Variation des Worträtsels, nämlich 1. das Anagramm und 2. das Palindrom.

1. Das Anagramm (von [griechisch], rückwärts, und [griechisch], Buchstabe) gibt zur Aufgabe, das das Wort von vorwärts und rückwärts gelesen werden soll, wobei sich aber durch das Rückwärtslesen ein anderes Wort ergibt. Es lassen sich zwei Arten des Anagramm unterscheiden, je nachdem entweder a) das ganze Wort nach seinen einzelnen Buchstaben rückwärts gelesen werden soll, das Buchstabenanagramm, oder b) es sollen die einzelnen Silben des Wortes rückwärts gelesen werden, das Silbenanagramm.

a. Das Buchstabenanagramm ist jenes, wo die einzelnen Buchstaben des Wortes in der Reihenfolge, wie sie stehen, rückwärts gelesen werden. Beispiele von Th. Körner (Nr. 1), Th. Hell (Nr. 2) und I. A. Appel (Nr. 3):

l. Still empsangen im zarten Keime
Tritt es hervor in des Himmels Räume,
Und es sormt sich zur blühenden, schönen Gestalt;
Und die Gottheit segnet's mit heiliger Weihe,
Daß es im Drange der Zeiten gedeihe,
Und es reist mit des Wesens dunkler Gewalt:
Zwar muß es endlich vergehn und erkalten,
Und sinken muß es zur granlichen Nacht;
Doch strahlt es verjüngt durch des Grabes Spalten
Im neuen Frühling mit seliger Pracht.
Liest du es rückwärts, ein Kind der Erde,
Umarmt es die Mutter mit trüber Geberde,
Still widerstrebend dem srühen Strahl;
Und wie des Mädchens rosige Wangen
Ein Schleier umflattert mit zartem Verlangen,
So webt es sich innig um Berg und Thal;
Doch glühender wächst die Flamme der Sonnen,
Und es fliegt zerstreut durch das bläuliche Haus ;
So ist das Räthsel zur Klarheit zerronnen,
Sprichst du der Deutung Zauberwort aus.
2. Liebliche Gaben bring' ich dir,
Nahest du dich von vorne mir.
Aber von hinten gelesen,
Bin ich ein wildes Wesen,
Erst getödtet zu gebrauchen,
Wenn die Schüsseln von mir raucheu.

l. Still empsangen im zarten Keime

Tritt es hervor in des Himmels Räume,
Und es sormt sich zur blühenden, schönen Gestalt;
Und die Gottheit segnet's mit heiliger Weihe,
Daß es im Drange der Zeiten gedeihe,
Und es reist mit des Wesens dunkler Gewalt:
Zwar muß es endlich vergehn und erkalten,
Und sinken muß es zur granlichen Nacht;
Doch strahlt es verjüngt durch des Grabes Spalten
Im neuen Frühling mit seliger Pracht.
Liest du es rückwärts, ein Kind der Erde,
Umarmt es die Mutter mit trüber Geberde,
Still widerstrebend dem srühen Strahl;
Und wie des Mädchens rosige Wangen
Ein Schleier umflattert mit zartem Verlangen,
So webt es sich innig um Berg und Thal;
Doch glühender wächst die Flamme der Sonnen,
Und es fliegt zerstreut durch das bläuliche Haus;
So ist das Rätsel zur Klarheit zerronnen,
Sprichst du der Deutung Zauberwort aus.
2. Liebliche Gaben bring' ich dir,

Nahest du dich von vorne mir.

Aber von hinten gelesen,

Bin ich ein wildes Wesen,

Erst getödtet zu gebrauchen,

Wenn die Schüsseln von mir raucheu.

3. Wenn sroh die Mutter bricht des Todes Bande,
Der sie mit kaltem Arm sest hielt umsangen;
Wenn sie, besreit vom weißen Grabgewande,
Liebend erglüht von sehnendem Verlangen;
Wenn ihr der Bräut'gam naht vom sernen Lande,
Und Rosen küßt aus die erblaßten Wangen;
Dann rust sie mich hervor, mit dichter Hülle
Deckend zu schirmen ihres Busens Fülle.
Und überall erglänzt das Prachtgeschmeide,
Gleich der Gestirne namenlosen Zahlen,
Aus ihrem bräntlich schön geschmückten Kleide;
Buntglanzend mischen sich des Lichtes Strahlen,
Mit Farben kann der Maler nicht, mit Seide
Des Mädchens Hand, des Schmuckes Pracht nicht malen;
So leuchtet nicht in goldnen Fürstensälen
Der Perlen Thau, der Lichtglanz der Iuwelen,
Was Leben athmet, sreut sich meiner Schöne,
Die Mutter selbst kann nur durch mich beglücken;
Kann liebevoll die lebenssrohen Söhne
Nur an die Brust, die ich umhülle, drücken.
Verlaß ich sie, dann slieh'n der Freude Töne,
Und trauernd weicht srohsinn'ger Lust Entzücken;
Erbleicht sind ihre blüthenvollen Wangen,
In Fesseln liegt das Leben selbst gesangen.
Doch wendet sich die Reihe meiner Zeichen,
So steht vor dir ein düst'res Bild voll Grauen;
Wo ich erscheine, muß die Freude weichen,
Nie wird das Licht, wen ich umsange, schauen;
Den ernsten Tempel will aus mir das Schweigen,
Trophäen sich aus mir der Tod erbauen;
Mich rust der Schmerz, und muß mich, rusend, hassen,
Doch steigt sein Leid, soll er mich von sich lassen.
Wohl prang' ich ost im reichgeschmückten Kleide,
Gleich nächtlicher Gestirne Silberstrahl,
Wohl glänzt aus mir der stolzen Pracht Geschmeide,
Wohl flammt um mich der Lichtglanz sonder Zahl:
Doch nicht zur Lust, er glänzt umflortem Leide,
Es weckt die Pracht nur tiesen Kummers Qual;
Entbehrt' ich selbst des Schimmers von Iuwelen,
Wird mir der Thränen Perlenthau nicht sehlen.
Doch ist Erinn'rung mir nicht ganz verloren,
Wie aus der Mutter Leib ich einst entsproß,
Und, wie aus ihrem Schooß ich dort geboren,
Als sie zu kleiden ward mein schönstes Loos,
So bring' ich jetzt, was sie sich auserkoren,

Zur stillen Ruh' zurück dem Mutterschooß;
Dann wenden sich von Neuem meine Zeichen,
Du siehst sie jung dem stillen Schooß entsteigen,

sAuslös. l. Leben, Nebel, 2. Rebe, Eber. 3. Gras, Sarg.Z

d. Bei dem Silbenana gramme «erden die einzelnen Silben des Wortes rückwärts gelesen.

Ich lege des Abends mich nieder,
Bleib' gewöhnlich des Nachts in der Ruh';
Am Morgen erheb' ich mich wieder,
Den Reisenden dien' ich im Nu:

Ich trage die Farbe des Landes,
Bin meines Königes Knecht,
Und seist du weh' Ranges, weß' Standes,
Du mußt mir geben mein Recht,
Und machst du die Erste zur Zweiten,
Die Zweite zur Ersten mir,
Dann kannst du an mir dick) weiden,
Dann sprech' ich im Bilde zu dir;
Bald drücket mich Sonnenschwiile,
Bald glänz' ich in Frühlingspracht,
Bald sind dir des Herbstes Gesühle
Bei meinem Anblick erwacht,
sAuslös. Schlagbaum, Baumschlag.)

2. Unter Palindrom (von i«^,,'. rückwärts, und öv«i"«?. der Gang, der Laus) versteht man ursprünglich diejenige Art von Sätzen oder Versen, welche, man mag sie von der rechten Seite zur linken, oder von der linken zur rechten lesen, immer dieselben bleiben. Die Franzosen nennen sie vers retroArackes oder reoiproques. So z. B. solgender Hexameter:

Lißna te, signa, temere ins taugis et aogig
Romu tibi subitv inotibus ibit amor.

Man hat auch solche Palindrome, wo selbst die einzelnen Wörter vorwärts oder rückwärts gelesen sich gleich bleiben; z. B.

Oäo tenet nmlnm, maMam mnpziain tenet ^nrnr,
Anns tenet maIipnm nnulickam, nmlum tenet Ocko.

Das Räthscl nun, welches gleichsalls Palindrom genannt wird, bezieht sich aus ein solches Wort, welches vorwärts und rückwärts gelesen immer gleichlautend ist, z. B.

l. Nimmer verändert es sich, selbst rückwärts bleibt es ein vorwärts;
Was man dem Worte verband, trotzet dem Sturme der Zeit.
[graphic]

2, Drei Zeichen stark wirst du mich «den,
Auch laut' von vorn ich wie von hinten;
Und was ich nenne, kommt wohl nicht
Den Leuten häusig vor's Gesicht,

3. Lies mich von vorne, lies mich zurück, ich mahne dich immer
An die Umgebung, an das, was an der Seite dir ist.
Oder auch so:

Vorwärts wie rückwärts, beständig versehlt es die Mitte der Sache,
Nimmer erreichst du das Ziel, bleibst du dem Worte vereint,

sAuslös. 1. Stets, 2. Rar, 3. Neben.)

H 12. Zuweilen ist bei dem Worlrätsel der Laut und Ton des Wortes das Bestimmende; hieher I. das Gleichlauträtsel, und 2. das Betonungs- oder Accenträtsel.

1. Das Gleichlauträtsel bezieht sich aus zwei oder mehrere Wörter, welche einen gleichen Laut, aber eine verschiedene Orthographie haben, wie z. B. solgendes Rätsel über die Wörter: Seide, Saite und Seite:

Jm ersten Sinn diene ich der Pracht,
Es hat mich aber kein Mensch gemacht.
Jm zweiten bin ich ein Ohrenschmauß,
Bei Tänzen bleibe ich niemals zu Haus,
Hat man ein Liebchen," so sitzet man
Jm dritten Sinn sehr gerne d'ran.

2. Das Betonungsrätsel, oder Accenträtsel, giebt zur Ausgabe eine bestimmte Silbe des Wortes besonders zu betonen, wo sich dann eine andere Bedeutung des Wortes ergiebt.

1, Ruht aus der ersten Silbe der Accent,
So sindet ihr, was man verwesen nennt;
Wenn der Accent doch aus der Zweiten ruht,
So ist es nen, jedoch nicht immer gut,

2, Schon ist das Wort, wenn aus geweihten Flügeln
Ein Lichtgeist es hinan zum Himmel trägt!
Zwei Silben sind's, die diesen Spruch besiegeln,
Sobald den Ton ihr aus die Zweite legt,
Wohlthätig ist's, wenn aus bedornten Bahnen
Des Unglücks ihr der Thatkrast Fittig regt;
Zwei Silben sind's, die Euch dazu ermahnen,
Sobald den Ton ihr aus die Erste legt.

Dasselbe Rätsel kommt auch so vor:

Ihr, deren Reichthum Macht verlieh,
Zwei Silben, die vergesset nie;
Des Armen Dank sei euer Lohn,
Legt aus die Erste ihr den Ton,
Doch giebt's im Leben Roth und Pein,
Dasür ist Menschemnacht zu klein;
Wir nahen uns dem höchsten Thron,
Und aus der Zweiten ruht der Ton.

3. Ich bin aus dunklem Weg den Reisenden ein Führer
Sprichst du mich anders aus, so tbut's der Tapezierer,

sAuslös. 1. Modern, 2, Gebet, 3. Polstern!

K 13. Die Ausgabe besteht darin, daß einmal das Wort im Ganzen und dann nach seinen einzelnen Silben, von denen aber jede sür sich wieder ein selbstständiges Wort bildet, genommen werden soll; man kann dieses das Worttheilungsrätsel nennen. Es ist sehr selten und mir nur solgendes bekannt:

Vereint abscheulich, getrennt mir heilig.
Meineid, Mein Eid.)

H 14. Das Silbenrätsel (die Charade) ist dasjenige, bei welchem das Wort, das man zu errathen ausgicbt, in seine einzelnen Silben zertheilt, diese nach einzelnen Merkmalen charaktcrisirt und zuletzt in eines zusammengesaßt werden. Die Charade ist also gewissermaßen ein mehrsaches, zusammengesetztes Rätsel; sie enthält ia den einzelnen als selbstständige Worte genommenen Silbea mehrere Räthscl, welche in gegenseitiger Beziehung stehen, und sich sinureich zusammenschließen müssen. Zu den Charaden eignen sich daher besonders jene Sprachen, welche viele zusammengesetzte Wörter besitzen, z. B. die deutsche, sranzösische, griechische. Der Name „Charade" wird abgeleitet von dem celtischen Worte OKvar, d. h. Spiel; nach Andern ist er sranzösischen Ursprunges und wird abgeleitet von dem Worte OKar, Leiterwagen, von der Analogie, weil ein solcher Wagen aus Leitern, und diese wieder aus Sprossen zusammengesetzt seien. Die Charaden kommen sehr häusig vor, und sind wohl die beliebteste Form. Folgende sind von F. Haug (Nr. l), Th. Hell (Nr. 2), Fr. v. Maltitz (Nr. 3, 4), Th. Körner (Nr. 5—l«) und Alovs Schreiber (Nr. II):

l. Du fliehst erschreckt mein Erstes
Mit einem Hu! bei Nacht,
Mein Zweites ist's vor allem,
Was dich zum Manne macht,

Mein Ganzes ist ein Dichter,
Der lang' im Kerker saß,
Doch nie des Vaterlandes,
Nie des Gesangs vergaß.

Nimm mich, so ruft die erste Silbe zu,

Ich bin der Hebel aller Dinge,

Nichts ist, was nicht durch mich gewiß gelinge,

Ich mache dich mit Fürsten Du und Du,

Und Alles, was die Erdengötter haben,

Soll dich, du Glücklicher, durch mich auch laben.

Nimm mich, verlangt das zweite Silbenpaar,

Ich trug den Himmel ost aus meinem Micken,

Aus mir erscheint, was edel ist und wahr,

Was Menschen kann erheben und entzücken,

Und weißt du mich gehörig zu behandeln,

Kannst du mich selbst in Nummer Eins verwandeln.

Der neue Herkules am Scheidewege

Stand ich. Doch als ich mir es überlege,

Da sällt mir ein, die Silben zn vereinen,

Das ganze Wort gilt alles, sollt' ich meinen.

Weg war der Zauber, nichts blieb beiden nun zusammen,

Als nur ein Flitterstaat an Pappen und Programmen.

3, Wißt, daß aus dunkler Höhe
Die erste Silbe blickt,
Iedoch in unsrer Nähe

Auch manchen Busen schmückt,
Die letzten Silben werden
Aus Bergen ost erbaut,
Wo von des Ganzen Gipsel
Ihr zu der ersten schaut.

4, Golden in des Lebens Lenze,
Silbern an des Grabes Rand,
Müssen bald der Blumen Kränze,
Bald der Trauer schwarzes Band
Meine erste Silbe schmücken.

In des Fleißes Hand erblicken

Wirst du meiner letzten Paar.

In der ersten Silbe Hülle

Stellt in ihrer reichen Fülle

Ost das Ganze sich dir dar.
5, Was grünend den ersten Silben entquillt,
Erquickt nur die gierige Heerde;
Die meuschenernährende Wurzel verhüllt
Sich bescheiden im Schooße der Erde.
Doch was sieben und zwöls ist, was dreizehn und nenn,

Das mnß die dritte der Silben sein,

Einst hauste das Ganze mit Zaubergewalt

In unterirdischen Reichen,

Erschien den Menschen in mancher Gestalt,

Ein Schadensroh sonder Gleichen,

Doch hat er sich längst von der Erde getrennt,

So daß ihn die Sage der Vorzeit nur kennt.

6. Die Ersten lenken die rüstige Fahrt;

Die Letzte schmückt sich mit stattlichem Bart,
Und geht's in die Brandung des Leben? hinein,
So mag die Liebe das Ganze sein.

7. In stiller Annutth kommt's gezogen,
Wie Rosenhecken blüht es aus,
Und durch d« Aethers blaue Wogen
Steigt es mit goldner Pracht heraus.
Kannst du des Wthsels Lösung sinden?
Zwei Silben mögen dir's verkünden.
Wohl giebt es eine macht'ge Heerde,
Von keinem Auge noch gezählt,
Sie weidet herrlich sern der Erde
Vom Glanz des ew'gen Lichts beseelt;
Willst du der Lämmer Namen kennen,
Die dritte Silbe wird ihn nennen.
Am srühen Tag erscheint das Ganze
Und steigt empor mit heitrem Sinn,
Und in de? Morgens jungem Glanze
Verkündet's die Gebieterin,
Und solgt ihr nach durch alle Weiten:
Sprich, kannst du mir das Rätsel deuten?

8. Die erste Silb', ein Gott, beherrscht des Landes Auen,
Die zweit' und dritte ist ein Name, ost belacht.
Das schwache Ganze wird in der Gewalt der Frauen
Der Donnerkeil des Zeus, und spottet aller Macht,

9. Was mit dem Körper eng verschwistert,
Sich treulos dann nur von ihm trennt,
Wenn Todesnacht den Blick umdüstert,
Ist, was die erste Silbe nennt.
Doch wo sich bei des Schicksals Walten
Ein Volk vereint zum ew'gen Bund,
Die eigne Krast srei zu erhalten,
Macht dir die zweite Silbe kund.

Wohl kann die Schönheit schnell entzücken,

So daß man Welt und Zeit vergißt,

Doch ewig nie das Herz bestricken, . . . ,,

Wenn sie nicht auch das Ganze isk ,,,, 10. Begeist'rung donnert durch die Seele

Und Sphärenklang das Herz durchdringt,

Wenn mir das Mädchen, das ich wühle,

Als Erstes in die Arme sinkt. .'

Denn wie die Zweite auch ersreue,

Wie Diamant und Perle lacht,

Ein Herz voll Glauben, Muth und Treue

Ist mehr als diese eitle Pracht,

Die Erste strahlt im schönen Glanze , ^ ,

Durch all' der Zweiten Zaubertand;

Die Liebe ist das höchste Ganze,

Weh' dem, der ihren Werth verkannt,
Il. Was einst der Erde die Apostel waren,

Was in der Weisheit Schristen dich entzückt,

Und was des Pöbels ungeweihte Schaans

Nur mit dem Auge sehen, doch geistig nie erblickt,

Was Allen sast bekannt, von Vielen unverstanden,

Der Menschheit werth ist, durch Natur und Kunst vorhanden,

Wird in der ersten Silbe ausgedrückt.

Zwei andre stehn (ein heiliges Erempel

Für manches Weltkind) täglich in dem Tempel,

Die Götter liebten sie, und immer noch, erneut,

Sind sie der Andacht Heiligthum geweiht.

Das Ganze wird kein Sterblicher je werden,

Die Erde schassts in ihrem dunklen Reich;

Nur einmal war's ein Weib aus Erden,

Tod gab ihr's und Unsterblichkeit zugleich.

sAuslös, 1. Schubart, (Schu gleichbedeutend mit Uhn, Nachteule, Schubart, geb. 1739 in der Grasschast Limburg, der bekannte unglückliche deutsche Volksdichter, welcher wegen seinen sreisinnigen Dichtungen viele Iahre in Gesangenschast saß, bis er, endlich besreit, als Theaterdirector in Stuttgart angestellt wurde, wo er 1791 starb.) 2. Goldpapier. 3, Sternwarte. 4. Haar» nadel. 5. Rübezahl (der bekannte neckende Berggeist in deutschen Volkssagen). 6, Steuermann, 7. Morgenstern. 8. Pantossel (Pan, der Wald» und Feldgott in der Mythologie der Römer), 9, Geistreich. 19, Brautschatz. II, Solz» jaule, (Das Salz ist Symbol des Witzes, Scharssinnes und Verstandes, Das „Weib aus Erden" ist Lots Weib, die nach biblischer Mythe beim Untergange von Sodom und Gomorra in eine Salzsäule verwandelt wurde.)),

§ 13. Wenn nur ein einzelner Buchstabe Objekt der Ausgabe ist, so nennen wir es das Buchstabenrätsel, welches zweisach sein kann, nämlich I. es bezieht sich aus den Buchstaben hinsichtlich seines Lautes,

oder 2. hinsichtlich der ihm eigenen Figur.

1. Das Buchstabenräthscl in Bezug aus den Laut des Buchstabens geht gewöhnlich nur aus gewisse Wörter, in denen dieser Buchstabe vorhanden ist oder nicht.

1. Groß und einsam schweb' ich in den Lüsten,
Doppelt lebe ich in Felsenklüsteu;

Dieses Erdenrund berühr' ich nicht.
Klein sieht man mich im blauen Himmel,
Und eben so im Sterngewimmel,
Doch groß wenn man von Liebe spricht.
Unter Menschen sucht man mich vergebens,
Weil ich nur der Ansang jedes Lebens,
Und von jedem Ziel das letzte bin.
Ohne mich war Lolande*) voll Mängel,
Und die Engel wären keine Engel,
Und dies Rätsel hätte keinen Sinn.

2. Jch schwimme aus Meeres Wogen,
Jn Flüssen sindest du mich nicht;
Aus Masten komm' ich stolz gezogen,
Doch in den Segeln bin ich nicht.
Es hat der Vater mich verstoßen,
Und auch der Bruder ist mir Feind,
Ach! mit mir armen Heimathlosen
Hat's nur die Mutter treu gemeint.
Monarchen pslege ich zu krönen,

Herrscht Milde am Thron', so sehl' ich nie,

Und niemals kann ich mich versöhnen

Mit Anarchie und Despotie,

Den Mädchen bin ich stets gewogen,

Doch bin ich nicht den Frauen hold;

Es hat die Liebe mich betrogen,

Und doch lieb' ich den Minnesold. . ,

3. Bei Vater, Mutter, Großpapa
Bin ich zu allen Zeiten;
Doch Onkel, Tante, Stiesmama,
Die kann ich gar nicht leiden.
Ein jedes Rätsel sang ich an
Und jeden guten Rath;
Ja, leider, bin ich stets beim Wort,
Und nimmer bei der That.

Ein berühmter sranzösischer Astronom, geb. 1732 zu Bonrgen Bresse, ge, ftorben 1807.

griedreich, Vesch, d. RSthselS. 3
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dasselbe das Schreibzeichenrätsel nennen. Es gibt deren nur sehr wenige.

'l. Wie viel hatte, gib mir es an,
Finger und auch Zehen der Mann,
Der einmal schrieb an eine Wand:
„Zehn Finger hab' ich an jeder Hand
Füns und zwanzig an Händen und Füßen".
Wie ist das zu verstehn? Das möcht' ich wissen,

2. Karl,schrieb an die Wand Hermann löschte es sogleich wieder aus, und doch war Karl nur ganz allein in der Stube. Wie ist dieses zu erklären?

3. Ein kleines Neger-Zwillingspaar
Stell ich hier zum Errathen dar:
^ Ihm kommt im weiten Gnomeureich
Kein Kobold schier im Necken gleich.
Bald schwebt es aus den höchsten Höh'n,
Und wenn ihr's eben dort geseh'n,
Hats schon in Höhlen sich versteckt,
Wo es mit Hülserus euch neckt.
Es hält in düstern Wäldern Haus,
-! . Streckt sich aus dürre Blätter aus;

Ihr müßt, wollt ihr's vertrieben seh'n,
Mit Messern ihm zu Leibe geh'n.
Allein was hüls's. Da steht es schon
Und spricht kühn dem Versolger Hohn,
Stellt sich im närr'schen Uebermuth
Dicht vor ihn, spottend seiner Wuth.
Und hielt er's auch in Händen, doch
Entwischt's ins nächste Mäuseloch,
Schaut aus der Oesssnung kühn ihn an,
Und weilet in den Gängen dann.
Bald seht ihr's aus den Füßen steh'n,
Bald aus den Köpsen; bald sich bläh'n
Bei Fürsten; bald kommts ins Verhör
Und steht mit Räubern im Berkehr.
Beim Freudenmahl, beim Hochzeitssest
Es nimmermehr sich sehen läßt;
Es schwebt in Kümmerniß und Müh'
Und beim Begräbniß sehlt es nie.
Mit Türkenheeren zieht's zu Feld,
Ist bei dem Schützen angestellt,
Doch dient es nur im Monat März, . .
Und beim Gepäck und hinterwärts.
>, Nun rathet was das Ding mag sein; >.

Doch sucht es nicht im Sonnenschein;' I.'

In trüben Nächten seht ihr's gleich, , ., ., ^

Das Rätsel selbst entdeckt es euch.

sAuslös. 1. Die Interpunktionen müssen so gesetzt werden: zehn Finger hab ich, an jeder Hand süns, und zwanzig an Händen und Füßen. 2 Karl schrieb an die Wand (das Wort) „Hermann", löschte es aber gleich wieder aus. 3, Die Doppelstriche (") über den Vokalen.l

Das Schreibzeicheurätsel kann auch darin bestehen, daß es sich nicht aus die Stellung der Schreibzeichen, sondern aus das Schreibzeichen selbst, resp. seine Figur bezieht; m. s. das 26te Rätsel bei Mises in H 102.

§ 17. Das Bilderrätsel ist jene Art, wo nicht durch Buchstaben und Worte, sondern durch Zeichen und Bilder, eine Sentenz oder ein Sprichwort ausgedrückt wird. Daher der jetzt übliche Name Rebus, weil mit Sachen statt mit Worten oder Buchstaben die Ausgabe gestellt wird. Da der Zweck des Rebus nur Unterhaltung ist, so hat er weniger geistigen Gehalt und verlangt zu seiner Entzisserung weniger Scharssinn und Urtheil, als das eigentliche Rätsel, und wenn man einen Vergleich anstellen will, so möchte zwischen dem Rebus und dem eigentlichen Rätsel sich derselbe Unterschied ergeben, als zwischen dem Calcmbonrg und dem eigentlichen Witze. Die erste Analogie zu dieser Rätselbildnerei mag wohl in den s. g. metallenen Rätseln der Alten zu sinden sein; man hatte nämlich aus Münzen bildliche Zeichen als Andeutung der Ähnlichkeit mit dem Namen der Stadt, welcher die Münze gehörte, geprägt*); so hatte z. B. die Stadt Aege in Macedonien aus ihren Münzen eine Ziege, weil der Name dieses Thiercs ist. Die Stadt Ancona hatte einen gekrümmten Arm aus ihren Münzen, denn «/««^, welches Wort den Ellenbogen oder einen gebogenen Arm, und beim Bitruvius einea rechten Winkel bedeutet, ist ein Bild der Lage dieser Stadt, welche jenem bildlichen Zeichen ähnlich ist, und eben daher ihren Namen bekommen hat. Die Stadt Apanca hieß ehemals ««7^, der Kasten, und daher ist das Bild dieser Stadt aus ihren Münzen ein Kasten, welcher aus dem Wasser schwimmt, weil diese Stadt von drei Flüssen beströmet war. Die Stadt Cardia in Thrazien hatte aus ihren Münzen ein Herz, welches «n?S>« heißt. Ein Delphin ist das Wappen der Stadt Delphos aus deren Münzen. Eine oder mehrere Melonen bedeuten aus Münzen der Insel Mclos den Namen derselben. Die Stadt Patara in Lycien, an dem Flusse Tanthus, wo ein

*) Winckelmann's Werke, herausgegeb, von Fernow, 2 B. Dresden 1808, S. 582 u. s. (Ueber Allegorie, ö. Kap.) - - ,' -! ".-' > - .

Tempel und Orakel des Apollo war, bekam ihren Namen von einem Kästchen, welches in dortiger Mundart ?r«ra^ hieß, dieses Kästchen brachte ein Mädchen voll von Spielzeug aus Mehl gemacht, in Form von Köchern, Pseilen und Leiern sür den jungen Apollo, welcher in Lycien erzogen wurde, und auch nachher die Hälste vom Iahre hier seinen Sitz nahm; der Wind sührte dieses Kästchen dem Mädchen aus der Hand in das Meer, und endlich trieb dasselbe an das User, wo zum Gedächtniß dieser Begebenheit die Stadt Patara gebaut wurde; dieses will der dem Apollo beigesügte Rabe aus einem Kästchen stehend aus Münzen dieser Stadt anzeigen. Die Insel Rhodus hat aus ihren Münzen eine Rose, zwSox, welche aus einer sranzösischen Denkmünze über die Eroberung von Rosas in Catalonien angebracht ist. Eine Schildkröte, /kl»»'?, ist aus Münzen der Stadt Chelone der Name der Stadt selbst. Die Stadt Side in Pamphilien hatte aus Münzen einen Granatapsel, welcher IVS>, heißt. — Unser jetziger Rebus soll zuerst in Italien ausgetaucht sein, und sich von da über England, Frankreich und dann nach Deutschland verbreitet haben. Es wird unnöthig sein, Beispiele von Rebus hier mitzutheilen, da sast alle Unterhaltungsblätter derselben enthalten; Sammlungen geben die Rebusalmanache von Wien 18Z7 und Leipzig 1845. Es kommen auch alte musikalische Rebus vor*); der älteste kommt aus einem Holzschnitte vom Iahre 1598 vor, welcher „der lieben Ingent auch andern Personen so luft vnnd Lieb zu lernung der loblichen Kunst Musica haben zu gutem an Tag geben" ist; der Holzschnitt enthält, unter einem fliegenden Bande mit der eben angesührten Inschrist und der Iahreszahl, einen Reichsadler, der als „t^pus mvsieae" aus Brust, Schwingen, Schweis u. s. w. die verschiedenen in der damaligen Musik geltenden Zeichen und Noten verzeichnet trägt; zuunterst aus dem Blatte steht eine lange Reihe mit Noten, und darüber aus zwei fliegenden Bändern die Inschrift:

„Witt du wissen wer diß hat ordinirt,

Vnnd mit der Figur deß Adlers gezirt,

So mach diese Noten zu Buechstaben

Drauss kanstu Tauss vnd Zunam haben". Ein anderer musikalischer Rebus ist enthalten in einem Quartbande, betitelt: „Sertum spiritusle musiesls, Geistliches Musikalisches Kräntzlein, Das ist: Dreißig lieblicher Cantionen, mit drey Stimmen gesetzet vnnd

") Anzeiger sür Kunde der deutschen Borzeit (Organ des germanischen Mu» seumy. 5 Bd. Iahrg. 1858, S. 256.

allen Liebhabern in Druck versertiget, durch ^«Kanvem l'KtiriuA 1'reKrensein Ausioura zu ^Villensteät. Ersurt bey LieAmunä Hoptken 1634."

§ 18. Wenn zwei oder mehrere der bisher erwähnten Formen und Arten des Rätsels mit einander verbunden zu einem und demselben Rätsel vorkommen, so erhalten wir ein complicirtes Rätsel. Hierher gehörige Formen sind:

Wortriithsel mit Elisiou und Homonyme.

1, Es segelt kühn zum Sternenheer,
Zieht wogend über Land und Meer;
Es zaubert wunderbar dem Ohr
Gar schöne Harmonien vor.
Doch wenn man ihm sein Haupt
Und auch den Fuß noch raubt,
So wisset, daß es Trug und List,
Und niedrige Beriickung ist.

Wortriithsel mit Elision und Anagramm.

2. Ich bin ein zartes Ding aus Pflanzenstoss gewoben,
Zwar Regel ist's, es soll sich Niemand selber loben,
Doch kann ich, ohne viel zu wagen,
In reinster Wahrheit von mir sagen,
Ich bin zwar selbst ein schwaches armes Wesen,
Und doch zum Schutze Andrer auserlesen;
So manche schöne Knospe lag im Staube,
Dem srühen Tod zum sichern Raube,
Hätt' ich nicht liebevoll nach Oben
Ihr sinkend Köpschen ausgehoben,
Bis sie, die sterbend schon darnieder sank,
Des Lebens Thau in vollen Zügen wieder trank.
Nun nimm, Leser, jetzt das erste Zeichen mir,
So steh ich schon bedeutender vor dir,
Du wirst mich Armen nehmen und verbrennen,
Doch werde ich denselben Vater nie verkennen,
Der liebend mich an sich gedrückt,
Eh' mir ein Zeichen ward entrückt,
Verändre nun den Kennerblick,
Und gib das Köpschen mir zurück,
Dann schau mich einmal an von hinten,
Was glaubst dn, Bester, jetzt zu sinden?
Du wirst verwundernd mich betrachten,
Wenn du mich siehst in heißen Schlachten,
Im Weinberg, aus der Osenbank,
Wohin ein greiser Bettler sank.

Hast du mich jetzt noch nicht, mein Lieber,
So geh' nach Haus und schlase drüber,
Doch Eines will ich dir noch sagen,
Du brauchst dich dann nicht so zu plagen,
Ein Feldherr war's, ein großer Mann,
Der durch mich Wunder einst gethan.

3, Vier Zeichen nur enthält mein kurzer Name, ., .. .
Und mich umschließet ein gebrechlich Haus;
Doch nur in mir gedeiht des Himmels Same,
Des Lebens warmer Strom geht bei mir ein und aus.
Obwohl ich eine Welt in meinem Schovß' verberge,
So ruhe ich, wenn mir mein Erstes sehlt,
Jm tiesen, düsiern Schooß der Berge,
Von schnöder Habsucht unterhöhlt.
Mein Letztes wird geraubt, und rückwärts mich gelesen,
Eil ich durch Wald und Flur ein niedlich, flüchtig Wesen,

Wortriithsel mit Elision und Zusatz.

4. Wenn dich, o Jüngling, stets vergebens
Zu rühren sucht mein erstes Wort,
Nicht sindend einen guten Ort,
Und du sortwandelst wüsten Lebens,
So regt (das erste Zeichen schwindet)
Jn mir sich dann ein Vorgesühl,
Weisagend dein unselig Ziel;
Und diese innre Stimm' verkündet:
Einst wird, in dieß' mein Wort eindringend,
Ein drohend d in Mitte stehn,
Und in Ersüllung wird es gehn,
Strebst du nicht aus, nach Bess'rung ringend,

5. Kennt ihr die Dame wohl? Sie ist veränderlich,
Und, da sie Dame ist, wer wundert drüber sich?
Die Dame ewig jung, und einem Phönix gleich,
Die stets Kunstreisen macht, und geht von Reich zu Reich;
Bewundrungswürdig sehr ob ihrer großen Krast,
Wohin sie nur gelangt, da ist sie musterhast.
Doch nehmet ihr das Haupt aus eine kurze Zeit,
Und Feuerschwung erhebt die Seel' euch hoch und weit.
Legis Haupt zu Füßen ihr, nach der Despoten Brauch,
Was bleibt ihr übrig dann? sehr wenig, nur ein Hauch,

Charade und Homonyme.

K, Beschützt das Ganze treu der Ersten Einen,
Wird stich, wenn auch nicht hiebsest er erscheinen.
Du wirst die Dritte wohl bei vielen Herrn und Frauen,

Jedoch das Ganze nur bei jenen schauen,

Bei denen sich die Ersten emsig regen.

Auch tritt als Blume dir das Ganze ost entgegen;

Bewundre deren Pracht, doch meide auch

Mit Vorsicht ihren gist'gen Hauch.

Logogryph und Worträtsel mit Elision.

7. Was Andern deine Augen sind,
Das bin ich dir, mein holdes Kind,
Jn meinem Namen wirst du sinden,
Wenn dir's gelingt, ihn zu ergründen,
Der Stummen vier, der Lauten drei:
Auch bildet sich noch mancherlei,
Jn meinem Worte wirst du sehn
Noch andrer Worte sechs und zehn:
Was manch' Geheimnis; pflegt zn wahren.
Was, wenn der Schisser schnell will sahren,
Jhm immer unentbehrlich ist.
Ein Fluß, der nah bei Leipzig fließt.
Ein Thier, sast ganz bedeckt mit Wassen.
Was Kindern Freude pflegt zu schassen,
Jedoch ost unheilbringend ist
Dem, der dabei das Maaß vergißt.
Ein Seher, der aus sich geladen
Den Fluch Jehova's; seine Thaten
Find'st du im alten Testament.
Ein nützliches Ackerinstrument,
Die Spur, die alle Wagen lassen.
Das Ding, das Jeder muß ersassen,
Der Dich zur Kirche rusen soll.
Die Geis geht draus, ist ihr zu wohl.
Das, was die Tapserkeit errungen.
Ein holder Name, oft besungen,
Ost wird nach seines Hauptes Zier
Benennt ein anspruchloses Thier,
Willst du zum Ziele schnell gelangen,
So thue es, Willst du etwas sangen,
So gehe so. Was in sich enthält
Den Keim zur Thier, und Menschenwelt,

8. In großen Städten hab' ich meinen Sitz,

Wer sich mir weiht, besitze wohl Talent und Witz,
Auch Jugendkrast, und äußre Anmuth muß er haben,
Denn nur durch diese schönen Gaben

Wirbst möglich, daß ich, wie ich soll, belehre,

Und auch zugleich Belustigung gewähre.

Willst du nun weiter mich ergründen,

Wirbst du zehn andere Worte sinden.

Ein großes Meer, von keinem Sturm bewegt.

Ein Thier, das stiehlt, und dem man Fallen legt

Ein flüchtig Thier, gewandt aus Berg und Thal,

Dem Manne unschätzbar, dem Gecken leerer Schall.

Mit Wassen und Geschütz zieht es von Land zu Land.

Ein um die Liebenden geschlungenes Band,

Ost ist es Medicin, auch lieben es Gesunde.

Wer es besitzt, dem fließt es schön vom Munde.

So rust man, wenn man will, daß Einer warten soll.

Geräth es gut, ist es des fleiß'gen Landmanns Wohl,

sAuslos. l. Flügel. Lüge. 2. Bast. Ast. Stab. 3. Herz. Erz. Reh. 4, Mahnung. Ahnung. Ahndung. 5 Mode, Ode. Odem. 6, Fingerhut. 7. Spiegel. In diesem Worte sind solgende sechszehn andere Worte enthalten: Siegel, Segel, Pleise, Igel, Spiel, Eli, Ege, Gleis, Seil, Eis, Sieg, Elise, Esel (Langohr genannt), Eile, Leise, Ei, 8. Theater, In diesem Worte sind solgende zehn Worte enthalten: Aether, Ratte, Reh, Ehre, Heer, Ehe, Thee, He! Aehre.j

§ 19. Wenn sich die Ausgabe des Rätsels aus Form und Stellung von Zissern bezieht, so kann man dies das Zisser rätsel nennen. Beispiele:

1. <Jui 6e quingentis, äe qumque, äe«eivque sit rmus, ille raeis preeibiis poterat gare mkmns*). 2. Welcher Name eines römischen Dichters er» gibt sich, wenn man Nichts, Sechs und Fünshundert zusammenstellt? 3. Wie kann man die Zahl 666 in sine Zahl verwandeln, die um ein Drittel größer ist, ohne daß man Etwas dazu thut? 4. Wie ist es möglich, daß, wenn man Eins von Neunzehn nimmt, Zwanzig übrig bleibt?

sAuslös. l. DVX. 2. OVIV. 3. Man dreht 666 um, dann wird sich die Figur 999 ergeben. 4. Man schreibt Neunzehn so XIX, nimmt nun das I heraus, so bleibt XX, d. i. Zwanzig, übrig.)

H 20. Man hat auch mathematische Rätsel angesührt, das sind solche, deren Auslösung aus einer gewissen Berechnung beruht. Allein es sind dieses mathematische Probleme, und können daher nicht zu den eigentlichen Rätseln gerechnet werden. Einige sollen jedoch als Beispiele hier Platz sinden**).

*) Es ist dieses eines der ältesten Rätsel, welches Kircher in s, Oeäipus asMptiaeus II, ?. I, OIass. I. (Äp. 4 ausbewahrt hat.

**) Viele sind gesammelt bei: Schäser, die Wunder der Rechenkunst, 5. Aufl. Weimar 184l.

l. Zwei Freunde lassen sich acht Eimer in einem Achteimersasse kommen. Nun soll der Wein getheilt werden, so daß jeder seinen gleichen Antheil von vier Eimern erhält; sie haben aber keine andern Gesäße als nur ein Füns» eimersaß und ein Dreieimersaß, Wie haben sie nun getheilt, so daß Ieder seinen gleichen Antheil von vier Eimern erhielt? 2. Ein Fleischer schlachtete von der ganzen Summe der gekausten Schase die Hälfte und noch ein und ein halbes; das zweitemal schlachtete er von den übriggebliebenen wieder die Hälfte und ein und ein halbes; so auch das drittemal und viertemal. Nachdem er aus diese Weise viermal geschlachtet hatte, blieb noch ein einziges Schas übrig. Wie viel Schase hatte er gekaust, und wie viel Stücke hatte er jedes» mal geschlachtet? 3. Eine Obsthändlerin hatte beim Verkause in süns Körben eine gewisse Anzahl von Aepseln, Wenn sie zu Zweien und Zweien verkauste, blieb Einer übrig; verkauste sie zu je Dreien, so blieben Zwei übrig; verkaufte sie zu je Fünsen, so blieben Bier übrig; verkauste sie zu je Sieben, so blieben Sechs übrig, und verkauste sie zu je Eilsen, so blieben Zehn übrig. Wie viel Aepsel waren in den süns Körben? 4. Es sragte Iemand, wie viel Kinder in einer Schule seien, und äußerte, er glaube es seien deren Fünszig. Da wurde ihm erwiedert: da müßten ihrer noch einmal so viel, halb so viel, ein Viertel so viel, ein Achtel so viel, ein Sechszehntel so viel, und noch drei sein. Wieviel Kinder waren in der Schule? 5, Ein bejahrter Mann wurde gesragt, wie alt er, sein Sohn und sein Enkel seien? Er erwiederte: „ich und mein Sohn sind zusammen hundert und neun Iahre alt; mein Sohn und mein Enkel sind zusammen sechs und sünszig Iahre alt, und ich und mein Enkel sind zusammen süns und achzig Iahre alt. Wie alt war Ieder? 6. Karl sagte zu Georg: wie viel hast du Schase? Georg erwiederte: gibst du mir neun Stück von deinen Schasen, so habe ich gerade dreimal so viel als dir bleibt, Karl er. wiederte: gibst du mir eils Stück von deinen Schasen, so habe ich siebenmal so viel als dir bleibt. Wie viel hatte jeder Schase?

lAuslösungen. l, Sie süllten aus dem Achteimersasse erst das Dreieimersaß voll; diese drei Eimer süllten sie dann in das Fünseimersaß; hieraus süllten sie das Dreieimersaß wieder, aus diesem wieder zu den drei Eimern im Fünseimersaß, wo solglich ein Eimer in dem Dreieimersasse zurückblieb; die süns Eimer in dem Fünseimersasse gossen sie in das leer gewordene Achteimersaß, den einen Eimer in dem Dreieimersasse gossen sie in das leer gewordene Fünseimersaß, und aus dem Achteimersasse gossen sie das Dreieimersaß voll, und diese drei Eimer wieder in das Fünseimersaß zu dem in demselben besindlichen einen Eimer, So sind nun in dem Achteimersasse und in dem Fünseimersasse in jedem vier Eimer (das Dreieimersaß bleibt leer), so daß nun Ieder seinen gleichen Antheil von vier Eimern erhalten hat. 2. Die Summe der gekausten Schase zusammen ist ein und sechszig; das erstemal wurden zwei und dreißig, das zweitemal sechszehn, das drittemal acht, und das viertemal vier Stücke geschlachtet. 3. Zweitausend, drei hundert und neun Stück. 4. Sechszehn. 5. Der bejahrte Mann war neun und sechszig, der Sohn vierzig, und der Enkel sechszehn Iahre alt, 6. Georg hatte sünszehn und Karl siebzehn Schase,^ III.

H 21. Hinsichtlich der Verwandtschast und Beziehung des Rätsels zu Dichtungen anderer Art kommen in Betracht: die Gnome, das Epigramm, die Anecdote und das Mährchen, das Sprichwort, das Symbol, das Lehrgedicht, die Ballade und das Lustspiel. Von diesen nun insbesondere (Z. 22—31).

H IL. Die Frage: ob und in wiesern das Rätsel den Gnomen beigezahlt werden kann, hat Rhode*) solgendermaßen beantwortet: „«<mtorta ista et seäulo sdsurata ingenii luäiera, quidus prisei smnes inäulsere, penitius si lustraveris, aü äuo Aeuera refereuäa öepreKenäes: Quorum aIterum in eo msxime poni viäetur, ut rem <Iuanäam notis äeseridat, quae primo intuitu uulli rei, penitius perlnstratse pluridus aeeomoäangae viäentur, manente vel sie inexplieadili aliquo, üoueo qnis ipsissimam rem, quso isto involuers te^eretur, oonjeotauöo assecutus fuerit. Illuä ^enus, qusmquam ei et aetate, usurpats c>uippe apug vetustissimos, «riAine, innixo scilioet iäentiäem experientiis, ornatu Zenique poetieo eum Anomis, c>uoäammoä« eonveniat, tamen oum vullam in mores vitamquo ntilem äiseiplinam eontineat (c^ua in re vis Anomarum ponitur maxime), at uatura rem <zuslemeumo.ue ingeniöse torgueat, et luerum a vietis aueupetur, noii est eur o.uis eum Anomis eonfunäat. ^lterum est aemAmatum Aenus, Auomarum äietionem iuvaüeus, saltem forma sug. et oruatu ^uomas inäuens, its tsmen nt morale arAumentum servari eeinatur. ^eniAmata Kujus Aeneris, sä Anomas utic>ue referenäa, Kauä pauea reperiuntur apuä ipsos Araeeos Auomieos, et verum eti^m apuä Hebraeos, quippe Quorum inealesoens saepius et minime vulgar!a, erevans äietio in Kujus Aeneris äelieias seu in ornatum <^uemäam iusiAuem nititur, propeuäente in Koo ipsum orientslium ingenio, c>uoü severius et nuFas prorsus spernens in lusu aäeo seriis rebus seeupsri amet. ^oeeäit apuä Kos moris fuisse ut äMoilia, seä gravissimi momenti prodlemata sidi mutuo in eoneessious sapientes proponerent; Quorum vestiAia nt in pluridus forsan 8. (?. lidris legi poterant, ita in proprio äietis Zuomieis ackmoäum sunt oouspioua".

De veterum voetsruni sapientia gnnmics. Uebraeomm st imprimis 6rseeorum; ttavo, 18s«, ?. I. Oap. 1. z. 1«. . ,

§ 23. Mit dem Epigramme hat das Rätsel sehr viel Ähnlichkeit, denn es ist, wie Kurz richtig sagt, recht betrachtet, doch nichts Anderes als eine Inschrist aus irgend einen Gegenstand*), cs stimmt mit der Art von Epigramm zusammen, in welchem cin bedeutendes Objekt durch Angabe seiner wesentlichsten Eigenschasten geschildert wird. Doch darin ist es vom Epigramm verschieden, daß dieses dahin strebt, den Gegenstand zur schnellsten Anschauung zu bringen, während das Rätsel ihn so darzustellen sucht, daß er dem Leser nicht sogleich, sondern erst nach größerer oder geringerer Bemühung anschaulich wird. Aus dieser Verwandtschast ist es erklärlich, warum manche Epigramme als Rätsel gelten könnten, wenn man ihnen die Uberschrist nimmt, oder wenn nur einzelne Bezeichnungen verwischt oder verändert werden, während wiederum Rätsel zu vollkommenen Epigrammen werden könnten, sobald nur das ganz Formelle der Rätsel, z. B. die Aussoderung zu crrathen, getilgt würde. Betrachten wir z. B. solgende Epigramme, so wird man sie ohne Zweisel zu den Rätseln rechnen, wenn die Ucberschrist hinwegblcibt; so zwei Epigramme von Lauterbach**), das erste mit der Uberschrist „Ss uxure I^otKi in ststunm salia eovversa«, und das zweite mit der Uberschrist „Niode in marmsr nmtata ":

1. Huoä speotÄs oeulis, viatvr, tws est
LepuIoruW, ues Ksdet suum oa6aver:
Huoä spestss oeulis, viator, dos est
Oaäaver, neo bsbet suum sepulorum.
Lepulerum tsmen est, et est caäaver.

2. Üst seelerum Justus vimiex, sst ultor iniqui,
Oeu potes sxemplo äoetior esse iaeo.
Oum multo telix uatorum sanguine vivo,
Ollsenso tamen uumine <Zs Ispi«*^*).

Auch solgendes Epigramm von Owen aus den Seidenwurm (Soivb^x) kann geradezu für ein Rätsel gelten, wenn man die Uberschrist hinweglaßt:

*) Gervimis (Geschichte der deutschen Dichtung, 4. Aufl. 3 B. Leipz, 1853, S. 312) sagt: „in Lessmg's Ausssassmig würde man sagen, die Rätsel seien In» schristen, die das Denkmal, dem sie gesetzt seien, zu rathm ausgäben",

**) Lpigiam, ?raueof. 1562, I.ib. I. Derselbe bat auch eine Sammlung von Rätseln herausgegeben, die noch in 8 36 erwähnt wird.

***) M. s, das Rätsel von Angelus ?olitiauus, in der 8 93 erwähnten KenigwatograpKia von Reusner, woselbst sich auch die Erklärung von der Sage der Aiode sindet.

^rte mea pereo, tumulum miKi tsbricor irise,
mei tati äues, neeem^ue ueo.

Auch in der Ubersetzung ist dieses Epigramm ohne Ueberschrist ein Rätsel; so in der deutschen Uebersetzung:

Meine Kunst verdirbt mich, ich selber bereite das Grab mir,
Spinne meines Geschicks Fäden, mir web' ich den Tod,

Eben so in der sranzösischen Uebersetzung von Le Brun:

Ze oonstruis mon tomdeau, mon srt Luit mou sort,
travaille saus eesse, et öle ma mort.

Man sindet übrigens auch, daß alte Inschristen, besonders aus Büsten und Statuen, sich dem Rätsel nähern; so steht aus einer Büste des Alcibiades, welche Visconti*) beschrieben und abgebildet hat:

Visconti sagt darüber: „questi versi appartellAono eviäentemente aä aleuvs öi queAli enimmii s iväoviuelli, sKe i Areei appellaron couproprio nome ZritZ, oKe lurous Wslto in vo^a, ne' primi perioäi äellit lor oultui-a, eomMs Is erans Aia äa seeoll antioKlssiini press« la sapien2la orientsle".

H 24. Zur Anecdote und dem Mährchen steht das Rätsel in so serne in einer gewissen Beziehung, als das Mährchen, sowie die Anecdote besonders geeignet sind, in Form eines Rätsels gegeben zu werden. Es scheint, so zu sagen, über das Rätsel die Anecdote oder das Mährchen gebaut, diese des Rätsels wegen geschaffen worden zu sein, so daß dann das Ganze ein Rätselmährchen oder eine Rä'thselanecdote genannt werden kann. Beispiele:

1, Ein reicher Mann hatte eine Tochter mit Namen Elisabeth. Ein junger Mann, der sein reichliches Auskommen hatte, bot ihr seine Hand, er war aber dem Vater nicht reich genug und erhielt einen abschlägigen Bescheid. Bald daraus verlor der reiche Mann sein Vermögen, und nun ließ er dem abge» wiesenen Freier die Hand seiner Tochter anbieten; aber dieser erwiederte, er wolle ihm aus diesen Antrag mit zwei Worten antworten, und diese Worte
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lägen in dun Namen seiner Tochter. Welche Worte waren das, 2. Ein Stu» dent zu Heidelberg, welcher, wie oft, kein Geld hatte, verlangte solches von seinem Bater, erhielt aber von diesem eine abschlägige Antwort mit dem Be» merken, er habe erst vor Kurzem Geld erhalten. Der Studiosus ließ aber von seinem Bitten nicht nach und machte seinem Bater den Borschlag, er wolle ibm ein Rätsel ausgeben, wenn er (Vater) es errathe, so brauche er ihm kein Geld zu geben, errathe er es aber nicht, so müsse er ihm solches geben. Der Alte ging den Vorschlag ein, und der Studiosus gab ihm das Rätsel aus: „was wünscht ein Studiosus von Heidelberg? Die Antwort muß im Namen dieser Stadt liegen." S, Ein Verbrecher wurde zum Galgen gesührt, und, als er schon hinausgezogen war, gab er ein Zeichen und bat, noch einmal sprechen zu dürsen, was ihm erlaubt wurde. Da sprach er solgendes Rätsel: „Hoch hing ich, sieben Lebendige sing ich; einen Tobten sah ich dabei: ihr Herren, rachet was das sei; und könnt ihr es nicht erdenken, so wollt mir das Leben schenken*)." Die Richter besannen sich lange und konnten das Rätsel nicht lösen; da versprachen sie ihm, das Leben solle ihm geschenkt sein, wenn er ihnen die Auslösung sage, 4. Ein anderer zum Tode Verurcheilter, dem die Richter das Leben schenken wollten, wenn sie ein von ihm ausgegebenes Rätsel nicht errathen würden, gab ihnen solgendes Rätsel aus: „ich ging einmal aus, da sand ich einen Todten, in diesem Todten sieben Lebendige, und diese Lebendige machten Einen srei." Die Richter konnten dies Rätsel nicht auslösen, und gaben den Verurtheilten srei. 5. In England war eine Vermahlung, welcher zwei Männer, zwei Weiber, zwei Brüder und zwei Schwestern, ein Bater, eine Mutter, ein Sohn, eine Tochter, und eine Tante beiwohnten, und in Allem waren doch nur vier Personen anwesend. Durch diese Vermählung mußte der Neuvermählte seinen Großvater sür seinen Bater, seinen Bater sür seinen Bruder, seine Mutter sür seine Schwester anerkennen, und die Neuver» wählte mußte ihre Schwester Mutter nennen. 6. Als du noch lebtest und auch ich, da hättest du gerne mich; nun bist du todt und hast mich, und ich muß sterben, was hilst es dir**)? 7. Ein Gensdarm hatte drei Personen zu transportiren, die ^, L und L heißen sollen, und von denen ^, und 0 zwar einig waren, aber ^, und L, und auch wieder S und O gegen einander so erboßt waren, daß sie sich ohne Aussicht getödtet hätten. Unterwegs kamen sie an einen Fluß, über welchen sie aus einem kleinen Kahne, der aber nur zwei Personen aus einmal ausnehmen konnte, sahren mußten. Der Gensdarm kam ansangs in Verlegenheit, wie er den Fluß wohl passtren könne, weil er die zwei Feinde ^ und L, oder ö und O an einem User des Flusses nicht
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allein hei einander lassen durste; endlich aber versiel er aus ein Mittel, wo er jederzeit zugegen war, wenn sich zwei Mann von den genannten Feinden zusammen besanden. Wie geschah die Uebersahrt? 8. In einer Gesellschast saßen beisammen: ein Großvater, zwei Väter, zwei Mütter, vier Kinder, drei Enkel, ein Bruder, zwei Schwestern, zwei Söhne, zwei Töchter, zwei verheirathete Männer, zwei verheirathete Frauen, ein Schwiegervater, eine Schwiegermutter und eine Schwiegertochter, Addirt man alle diese Personen zusammen, so ergibt sich zwar die Summe von sechs und zwanzig, allein es waren im Ganzen doch nur sieben Personen. Wie ist das zu verstehen? S. Rosa, ein sehr reiches Mädchen, hatte sich vorgenommen, Niemanden zu heirathen, von dem sie nicht ganz gewiß sei, daß er sie glücklich machen würde. Der arme Commis Edmund, ihr Anbeter im Stillen, hatte sich vorgenommen, eine reiche Frau zu heirathen; er war sest entschlossen, überall anznklopsen, wo er Geld vermuthen könne, aber sich nicht zu verlieben, bevor er die Ueberzeugung gewonnen hätte, glücklich, d, i, reich zu werden, Einst war Johanna, Edmunds Schwester, bei Rosa zum Thee geladen, und hier gelang es der Johanna sich in den Busen Rosa's als intime Freundin einzunisten. Rosa erschloß ihr Herz, sie erzählte der Johanna, welchen Eindruck die Prinzessin Turandot aus sie gemacht habe, und daß sie gewillt sei, in entgegengesetzter Weise über ihre Hand zu versügen: „nur derjenige, so erläuterte sie ihrer Rede dunklen Sinn, nur derjenige soll meine Hand gewinnen, welcher mir ein Rätsel, oder, was jetzt modern ist, einen Rebus ausgeben kann, dessen Lösung einsach, mir aber unmöglich ist; ein solcher Mann kann nicht anders als geistreich, ein geistreicher nur liebenswürdig I>ar «xLsIIencs, und wird vor Allen im Stande sein, mich glücklich zu machen". Johanna verschloß dieses in ihrem Herzen, d. h. sie erzählte es ihrem Bruder insgeheim. Aber es waren noch andere Zuhörcrinnen bei diesem Ausspruche, die verschlossen ihn nicht in ihrem Herzen, sondern erzählten ihn Jedermann. So kam es nun, daß Rosa mit Charaden, Logogrvphen, Palindromen und Rebus ohne Zahl überschüttet wurde; aber alle, noch so schwierigen Lösungen gelangen ihr. Aber ihre Stunde schlug. An ihrem Geburtstage erschien Edmund, wünschte ihr Glück und überreichte ihr einen Blumenstrauß von eigenthümlicher Zusammensetzung mit den Worten: „dies ist mein Rebus, oder mein Selam vielmehr; wann soll ich die Lösung von ihnen hören?" Rosa slüsterte „kommen Sie heute Abend zum Thee", in der Meinung ihn dann mit der Lösung überraschen zu können. Der Strauß war ganz einsach eine Rose mit Schierling umwunden. Die Theegesellschast war versammelt; nur Rosa sehlte; endlich erschien sie, bleich, zitternd, mit unsicherer Haltung. Edmund triumphirte; die Verlobung wurde noch an demselben Abende geseiert*).

Mslös. 1, Durch Versetzung der Buchstaben in dem Worte Elisabeth erhält man die Worte „behalte sie". 2. Wenn man die Buchstaben des Wortes Heidelberg versetzt, so erhält man die Worte „Geld herbei". 3. Der Verbrecher sagte: „als ich hinausgezogen wurde sah ich aus dem Galgen ein Nest

*) Münchner sliegende Blätter, 1858, Nr, 681.

mit sieben jungen Raben, welche von ihren Eltern mit dem Fleische des Todten gespeist worden sind, der vor mir gehenkt worden ist". 4. Die sieben Lebendige sind junge Vögel, deren Nest in einem Gerippe war, und der Eine, der srei wurde, ist der Berurtheilte, weil man sein Rätsel nicht löse,, konnte. 5, Es hatte Iemand seine Tante, Schwester seiner Mutter, geheirathet. Bci der Hochzeit waren Vater und Mutter des Bräutigams, ihr Sohn der Bräutigam, und die Braut, Schwester der Mutter. Also zwei Ehemänner (Bater nnd Sohn), zwei Ehesrauen (Mutter und Schwester), zwei Bruder (Bater und Sohn) als Schwäger*); zwei Schwestern (Mutter und Schwester), ein Vater, eine Mutter, ein Sohn, eine Tochter (Schwiegertochter), und eine Taute, und doch nur vier Personen. Durch diese Heirath erkennt der Ehemann seinen Großvater sür seinen Vater (Schwieger» vater), seinen Vater sür seinen Bruder, seine Mutter sür seine Schwester(Schwügerin), und wird die Ehesrau ihre Schwester nennen müssen. 6, Ein Iäger hatte lange nach einem Bogel getrachtet, konnte ihn aber nicht bekommen; nun verunglückte der Iäger im Walde und sein Leichnam versaulte daselbst; in seinen Schädel sammelte sich Regenwasser, der Bogel flog aus den Rand desselben um zu trin» ken, da schlug der Schädel um, und der Vogel war gesangen, und sprach nun die Worte des Rätsels. 7. Der Gensdarn, suhr erst mit S über den Fluß aud ließ ^ und O zurück; dann suhr er allein wieder retour und sührte ^ mit sich hinüber; hieraus nahm er L wieder mit zurück, ließ denselben nach der Ueber» sahrt aussteigen, und nahm L hinein und mit über den Fluß, und zuletzt suhr er noch einmal allein zurück und holte den ü ab, 8. Es war ein alter Mann mit seiner Fran, und dessen Sohn mit seiner Frau und ihren drei Kindern; von diesen Kindern waren zwei Mädchen und ein Knabe. S. Die Auslösung wurde von Edmund gegeben durch die Apostrophe an Rosa: „ich liebe Sie, daraus können Sie Gist nehmen". (Die Rose als Sinnbild der Liebe; der Schierling als Sinnbild des Gistes.))

K 23. Hier kann auch das tragisck) - komische Mährchen Turandot von Schiller, nach Gozzi bearbeitet, angereiht werden, da es aus Ausgeben und Lösen von Rätseln basirt ist. Turandot, die schone Tochter des Alto»,,,, Kaisers von China, wird von ihrem alten Vater gedrängt, sich von den vielen, um sie werbenden Freiern endlich einen zum Gemahl auszucrwählen, sie aber widersetzte sich stets dem Willen ihres Vaters: — — — Ost schon wollte sie Der Khan, als einz'ge Erbin seines Reichs, - , Mit Söhnen großer Könige vermählen.

Stets wiedersetzte sich die stolze Tochter,
Und, ach, zu blind ist seine Baterliebe,
Als daß er Zwang zu brauchen sich erkühnte.
Viel schwere Kriege schon erregte sie Dem Vater, und, obgleich noch immer Sieger

*) In England, wohin diese Rätselanecdoie versetzt ist, heißt der Schwager brotKer-in-lav (Bruder nach dem Gesetze), so wie auch der Schwiegervater tatuer in lav heißt.

griedriich. Besch, d, R,ilhselS, 4

In jedem Kamps, so ist er doch ein Greis,
Und unbeerbt wankt er dem Grabe zu.
Drum sprach er einstmals ernst und wohlbedächtlich
Zu ihr die strengen Worte: Störrig Kind!
Entschließe dich einmal dich zu vermählen;
Wo nicht, so sinn' ein ander Mittel aus, ,,
Dem Reich die ew'gen Kriege zu ersparen:
Denn ich bin alt; zu viele Könige schon
Hab' ich zu Feinden, die dein Stolz verschmähte.
,, Drum nenne mir ein Mittel, wie ich mich

Der wiederholten Werbungen erwehre,
Und leb' hernach und stirb, wie dir's gesällt.
Erschüttert ward von diesem ernsten Wort
Die Stolze, rang umsonst, sich loszuwinden.
Die Kunst der Thränen und der Bitten Macht
Erschöpste sie, den Vater zu bewegen;
Doch unerbittlich blieb der Khan. Zuletzt
Verlangt sie von dem unglücksel'gen Vater,
Verlangt, hört! was die Furie verlangte.
Sie sordert ein Edict von ihrem Vater,
Daß jedem Prinzen königlichen Stamms
Vergönnt sein soll, um ihre Hand zu werben.
Doch dieses sollte die Bedingung sein:
Im össentlichen Divan, vor dem Kaiser
Und seinen Räthen allen, wollte sie
Drei Rätsel ihm vorlegen. Löste sie
Der Freier aus, so mög' er ihre Hand
Und mit derselben Kron' und Reich empsangen;
Löst er sie nicht, so soll der Kaiser sich
Durch einen heil'gen Schwur aus seine Götter
Verpslichten, den Unglücklichen enthaupten
Zu lassen.

Der Kaiser läßt sich endlich von seiner Tochter erbitten, und es wird dieses in allen Landen kund gegeben. Viele Freier erscheinen, können aber die ausgegebenen Rätsel nicht lösen, und werden enthauptet und ihre Köpse aus das Stadtthor ausgesteckt. Da erscheint Kalas, Prinz von Astrachan, als Freier; der Divan wird versammelt und Turandot gibt dem Kalas solgende Rätsel aus, die er also beantwortet, und Turandot's Gemahl wird.

Turandot. Der Baum, aus dem die Kinder

Der Sterblichen verblühn,
Steinalt, nichts desto minder
Stets wieder jung und grün;
Er kehrt aus ein« Seite

Die Blätter zu dem Licht;

Doch kohlschwarz ist die zweite

Und sieht die Sonne nicht.

Er setzet neue Ringe,

So ost er blühet, an.

Das Alter aller Dinge

Zeigt er den Menschen an.

In seine grünen Rinden

Drückt sich ein Name leicht,

Der nicht mehr ist zu sinden,

Wenn sie verdorrt uud bleicht.

So sprich, kannst du ergründen,

Was diesem Baume gleicht?
Kalas. Zu glücklich, Königin, ist Euer Sklav',

Wenn keine dunklern Rätsel aus ihn warten.

Dieser alte Baum, der immer sich erneut,

Aus dem die Menschen wachsen und verblühen,

Und dessen Blätter aus der einen Seite

Die Sonne suchen, aus der andern fliehn,

In dessen Rinde sich so mancher Name schreibt,

Der nur, so lang sie grün ist, bleibt:

Er ist das Iahr mit seinen Tagen und Nächten, Turandot. Kennst du das Bild aus zartem Grunde,

Es gibt sich selber Licht und Glanz.

Ein andres ist's zu jeder Stunde,

Und immer ist es srisch und ganz.

Im engsten Raum ist's ausgesühret,

Der kleinste Rahmen saßt es ein;

Doch alle Größe, die dich rühret,

Kennst du durch dieses Bild allein.

Und kannst du den Krystall mir nennen,

Ihm gleicht an Werth kein Edelstein;

Er leuchtet ohne je zn brennen,

Das ganze Weltall saugt er ein.

Der Himmel selbst ist abgemalet , , In seinem wundervollen Ring;

Und doch ist, was er von sich strahlet,

Ost schöner, als was er empsing.
Kalas. Zürnt nicht, erhabne Schöne, daß ich mich

Erdreiste, Eure Rätsel auszulösen.

Dies zarte Bild, das in den kleinsten Rahmen

Gesaßt, das Unermeßliche uns zeigt,

Und der Krystall, in dem dies Bild sich malt, . ^, Und der noch Schöures von sich strahlt,

Es ist das Aug', in das die Welt sich drückt,
Dein Auge ist's, wenn es mir Liebe blickt,

Turandot. Wie heißt das Ding, das Wen'ge schätzen,
Doch zierts des größten Kaisers Hand;
Es ist gemacht, um zu verletzen;
Am wachsten ists dem Schwert verwandt.
Kein Blut vergießt's und macht doch tausend Wunden,
Niemand beraubt's, und macht doch reich:
Es hat den Erdkreis überwunden,
Es macht das Leben sanft und gleich.
Die größten Reiche hat's gegründet,
Die allsten Städte hat's erbaut;
Doch niemals hat es Krieg entzündet,
Und Heil dem Volk, das ihm vertraut.

Kalas. Dies Ding von Eisen, das nur Wen'ge schätzen,
Das China's Kaiser selbst in seiner Hand
Zu Ehren bringt am ersten Tag des Jahrs,
Dies Werkzeug, das, unschuld'ger als das Schwert,
Dem srommen Fleiß den Erdkreis unterworsen,
Wer träte aus den öden, wüsten Steppen
Der Tartarei, wo nur der Jäger schwärmt,
Der Hirte weidet, in dies blühnde Land
Und sähe rings die Saatgessilde grünen
Und hundert volkbelebte Städte steigen,
Von sriedlichen Gesetzen still beglückt,
Und ehrte nicht das köstliche Geräthe,
Das allen diesen Segen schus, den Pslug.

Wahrscheinlich hat Schiller nebst aus Gozzi auch noch aus dem romantischen persischen Gedichte lleit peiAer (die sieben Schönheiten) von Nisami*) aus Gendsch geschöpst, in welchem sieben Geschichten von sieben Prinzessinnen vorkommen. Die vierte Erzählung**) berichtet von der schönen Prinzessin Turandot, welche in einem mit Talismanen unzugänglich gemachten Schlosse eingesperrt war. Jeder Werber mußte vier Dinge leisten: ein rechtlicher Mann sein, die bezauberten Hüter besiegen, den schlangensörmigen Talisman wegnehmen, und vom Vaier die Einwilligung erhalten. Viele hatten ihr Glück umsonst versucht, ihre Köpse wurden aus die Zinnen des Schlosses gesteckt. Ein junger Prinz aber ließ sich durch

*) Er hieß Mohammed Ben Jussus, und war der bedeutendste persische ro, mantisch, epische Dichter. Er starb 1180. Seine gesammelten Schristen, der Fünser genannt, sind Chosru und Schirm, Leila und Medschnun, die sieben Schönheiten, das Buch Alexanders, und das Magazin der Geheimnisse.

"*) Hammer, Geschichte der schönen Redekünste Persiens, Wien 1818, S. Ilti. den Wall von Schädeln unglücklicher Werber nicht abschrecken, und sragte den weisen Vogel Simurg*) zuvor um Rath. Die drei Bcdingnisse waren ersüllt, allein der Vater wollte die Einwilligung nicht geben, bis der Prinz nicht die Rätsel seiner Tochter ausgelöst haben würde. Man sieht, daß dies das Mährchen der Prinzessin Turandot ist, die ihren schönsten Schmuck zwar Gozzi und Schillcr'n, ihre Geburt aber und ihren Namen dem Oriente verdankt. Bei dieser Gelegenheit kommt noch eine orientalische Symbolik vor, die, als an das Mystische des Räthscls gränzend, hier erwähnt werden soll. Die Prinzessin schickt dem Prinzen zwei Perlen aus ihrem Ohrgehänge. Der Prinz versteht sogleich die Lehre: „das Leben gleicht zwei Wasserkopsen"**). Er schickte das Ohrgehänge mit drei Diamanten zurück, das heißt: „Freude (Glaube, Hoffnung und Liebe) kann es verlängern." Die Prinzessin legte diese Iuwelen in eine Zuckerschachtel mit Zucker. Der Prinz sand sogleich den Sinn: „das Leben ist vermischt mit süßer Begierde der Sinnen." Er goß Milch daraus, die den Zucker aussraß, um dadurch zu sagen: „wie den Zucker ein Tropsen Milch verzehrt, wird die sinnliche Begierde von wahrer Liebe verzehrt." Die Prinzessin aß die Milch, um ihm zu verstehen zu geben, „daß sie mit ihm Milch effen und durch Liebe glücklich sein möchte"; ja sie sandte ihm sogar ihren Karsunkelring als das Symbol der Ehe. Er nahm denselben in die Hand, was nichts als ein Kompliment war: „solch' einen Karsunkel gibt es nur einen in der Welt", die Prinzessin nämlich. Sie band den Ring mit dem

*) Ein mythischer Vogel des Orients, welcher durch seine besondere Weisheit ausgezeichnet ist. Er wohnt aus dem Berge Kas einsam, gibt jedoch Iedem, der zu ihm seine Zuflucht nimmt, den besten und weisesten Rath, und durch ihn be. giiustigt, haben Mehrere Wunder der Tapserkeit ausgeübt. Den Helden, denen er besonders gewogen ist, gibt er von seinen Federn, die sie, als einen Talisman gegen alle Gesahren, aus ihre Kopsbedeckung stecken.

**) Es erinnert dieses an solgendes Gedicht des Persers Ferideddin Attar Mohammed Ben Ibrahim Attar) von Nischabur:

Ein Mann srug einmal einen Narren,

Was sind die beiden Welten wohl?

Sie sind, so sprach er, ans der Hand

Zwei Tropsen Wasser und nicht mehr.

Das Wasser sormte sich zuerst

In mannigsaltige Gestalten.

Was sich im Wasser mahlt, wür's Eisen,

Vergeht zuletzt in seinen Kreisen.

Es gibt nichts Härteres als das Eisen,

Und dieses selbst vergeht im Wasser.

Wer sich dem Wasser anvertraut,

Der hat aus flüß'gem Grund gebaut:

Noch hielt das Wasser niemals Stand,

Wie hätte draus ein Bau Bestand!

Ohrgehänge zusammen, um zu sagen: „ich bin sosort deine Gemahlin.^ Er band eine Glaskoralle dazu, um ihr zu antworten: „der Neid wird dieses Glück verkleinern." Sie hing den Schmuck um den Hals, die Koralle an die Brust, das ist: „umsonst verkleinert der Neid, er kann meiner Zärtlichkeit, die ich in der Brust trage, nichts anhaben, und Stolz aus den Schmuck eines solchen Ritters steist mir den Nacken." Hieraus wurde die Hochzeit geseiert.

H Ig. Wird ein Sprichwort in der Form eines Räthscls gegeben, so gestaltet sich das Sprichworträtsel, an welchem die deutsche Rätselliteratur sehr reichhaltig ist. In den Jahrgängen 1820 und des Nürnberger Correspondenten von und sür Deutschland sinden sich deren über Hundert, von denen einige als Proben hier mitzutheilen genügen wird.

1. Es geht toll her, es wird gestritten,

, , Man lärmt und zankt, es hilst kein Bitten,
Als wollt man greisen nach dem Stock;
Warum? ob einem abgeschabten Rock.

2. Der Amor ist ein arger Schalk;
Zwei Herzen hat er ganz vereint,
Und doch, er läßt die Tücken nicht,

Ost lacht das Eine, wenn das Andre weint.

3. Was tönet dem Trägen im schwellenden Flaum? ^ :r. Was nährt und belebet den irdischen Traum?

Was schließt uns so manche Geheimnisse aus?
Und össnet der Weisheit und Thorheit den Laus?
Wenn Erstes das Letzte mit Zweitem ersüllt,
So hast du des Sprichworts enträtseltes Bild.

, , ,4. Seht doch diesen matten Greis
Jünglingen gleich scherzen;
Seine Haare silberweiß,
Liebe noch im Herzen,
Möchte dieser alte Mann
Noch ein junges Weibchen hau.

b. Ein muntrer Knabe geht voran
Und macht der Sprünge viel,
Er bleibt aus der betretnen Bahn
Und treibt so manches Spiel.
Jhm solgt ein Mann, der akkurat
Gleich diesem Knaben thut;
Bleibt sest dabei trotz jedem Rath,
Bis er im Grabe ruht.

6. Der Eine strebt nach einem Ideale,

Der Andre bläst nur blauen Damps hinans;

Der liebt den Wein und Freunde bei dem Mahle,

Und der verändert stets an seinem Haus;

Der hält Toncerte, Iener Pserde,

Der ist entzückt, wenn ihm ein Mädchen winkt.

Und so wird's bleiben, bis die Erde

Zurück einst wieder in ihr Nichts versinkt.

7. Eisriges Ringen und krästiges Streben
Haben am Ende noch immer behagt;
Willst als vollendeter Künstler du leben,
Folge dem, was die Auslösung dir sagt.

8. Wenn der Erde holde Freuden
Dich umgeben, sei bescheiden,
Denn was aus Fortuna's Hand
Kommt, das hat nicht sichern Stand.

9. Euch, die der Geschästen Menge
Treibt in eine bange Enge,
Möcht' ich rathen

Was sich hatten
Schon vor Iahren,
Wohlersahren,
Unsre Alten
Ausbehalten,

Dasz man nie im vollen Trabe
Allzuviel gesangen habe.

10. Gesetzt, es geht die Sonne aus
Und es ist aus mein Lebenslaus,
Ich geh' zur Ruhe ein.

Ietzt hebt die Sonne sich ans's Neu,
Nun kommt auch an dich die Reih';
Was wird das Sprichwort sein?

11. Wie kommt es, daß mit wahrer Freude
Ans Tagwerk zehn die Ackersleute?

12. Was heute wohl zum Sprichwort ich genommen? Nur Zeitungen srisch her! dies wird mir srommen. Hier wird die seinste Waare ausgeboten,

Die schönsten Londner und Pariser Moden;
Dort preiset ein Gelehrter seine Schrift,
Ein Krämer seine Blei- und Röthelstist;
Hier Einer den Eichorienkasssee,
Ein Anderer ein Mittel sür das Magenweh.

Noch Tausend Andres hört mit Lärm man preisen:
Nun sage mir: wie soll das Sprichwort heißen?

13. A. Der Herr, der da in Pomp stolzirt einher

Muß ohne Zweisel sein ein Millionär?
B. Im Gegentheil, trotz aller goldnen Ketten,
Weiß er sich kaum vor Gläubigern zu retten.

A, Doch Iener im geflickten Kleid', so so,
Ist wohl ein armer Habenichts? ich wette.

B. O sehlgeschossen, reich war' ich und sroh,
Wenn ich zur Hälst' nur seine Schätze hätte.

14. A, Freund, siehe doch, mein Onkel hat mir da geschickt

Zum Namenstag ein Kleid, und das ist schon geflickt.
B, Ich will nicht hossen, daß dich drob der Aerger plagt,
Bedenk' nur, was das Sprichwort sagt.

15. Würd' dir vom Schicksal eine kleine Hütte,
Entsernt vom Pomp der Städte, zugedacht,
Dann sei genügsam, denn die Stille
Ist's, die uns östers glücklich macht.

Laß in den Goldpallästen Reiche schwelgen,
Du schmiegst dich an den Busen der Natur,
Und solgst, entsernt von Gram und Sorgen,
Nur einzig ihrer heitern Spur.

16. Ein Blümchen, blan, durchwirkt mit Gold,
Stand an des Users Grün;

Wie dieses Blümchen zart und hold,

Sah ich noch keines blüh'n:

Da sreut ich mich in stiller Lust,

Mit diesem Blümchen schön

Geschmückt Elisens treue Brust

Am nächsten Tag zu sehn.

Und als der nächste Morgen sich

Dem Schooß' der Nacht entwand,

Eilt' hin zu jener Stelle ich

Wo Blümchen gestern stand:

Doch, ach, da lag's an Users Grün

Verwelkt und sarbelos, , ,

Und meine Thräne rollte hin

Ans Blümchens Mutter-Schooß.

17. Schon lag an Ida's Brust ein Knabe,

Ein Mädchen wiegte sich aus Lina's Schooß;
Nur Bertha ging vereinzelt noch durch's Leben,
Dena ihr siel nicht der Schwestern schönes Loos.
Doch als zum drittenmal der Lenz erneute,

Da warb ein Jüngling um ihre Hand und Herz
Erröthend stammelte sie die Gewährung,
Und Freude hat verdrängt nun ihren Schmerz.

18. Ganz erschöpst und müde von der Reise
Trat Arist bei einem Landmanu ein,
Und er sah nach aller Bäter Weise

Um das Mahl versammelt Groß und Klein.
Ach, da schwellt ein plötzliches Verlangen
Nach der Heimath ihm den Busen an,
Und er rust mit hocherglühten Wangen:
„Wär' ich nicht ein hochbeglückter Mann,
Fesselten auch mich so sanste Bande,
Und ein Häuschen, war's auch noch so klein!
Wer nur nnstät schweist von Land zu Lande,
Wird gewiß nie wahrhast glücklich sein."

19. Wo mir des Lebens Sonne heiter lächelt,
Sei's auch entsernt wo meine Wiege stand;
Wo sanster Zephyr meine Wangen sächelt,
Auch dort erkenne ich mein Jugcndland.

20. Noch thronte Jugend aus den heitren Wangen,
Schön sloß ein Bart ums jugendliche Kinn,
Jn üpp'gen Formen war das Bild gezeichnet,
Kurz, Karl war schön, wie einst Adonis war.
Die Fürstin sah ihn, und es schwoll ihr Busen,
Der Wollust Flamme hatte sie ersaßt,

Sie hat das Herz und Bett mit ihm getheilet,
Er flog vom niedrigen zum höchsten Grad.
Doch lange konnt' er nicht sein Glück genießen,
Der Neid und die Verläumdung wurden wach;
Bald mußt' der an der Wand des Kerkers liegen
Der oftmals an der Brust der Fürstin lqg.

21. Dich geleitet's sreundlich durch das Leben,
Weicht von dir nicht auch bei aller Noth,

Aus dem Sterbbett wird es um dich schweben,
Steigt selbst mit Verbrechern aus's Schasset.
Doch bei allen diesen guten Zeichen
Hat es auch sehr Viele oft bethört,
Manchen ließ vor Hunger es erbleichen,
Wie ein altes Sprichwort dies bewährt.

22. Was du gelernt, das Keibe,
Bei deinem Leiste bleibe;

Fängst du bald Dies bald Jenes an,
Wird's um dich nicht zum Besten stahn.

Z3. Boshast ist Frau Salome,

Wünscht den Andern Ach und Weh;
Deshalb fliehen sie die Leute,
Ursel nur bleibt ihr zur Seite.

24. Dem Vorrates entdeckt ein Freund,
Daß ihn an einem dritten Orte
Gelästert und geschmäht ein Feind;
Draus sprach der Weise nur die Worte:
„Was solche Leute von mir sagen
Gilt mir im Ganzen einerlei,
Mich mag man nach Belieben schlagen,
Ist nur mein Rücken nicht dabei."

25. Schon zwöls Uhr schlug's, und noch beim Sorgenbrecher
Saß Klaus, der lustige Kumpan,
Und mehr des Weins verlangte noch der Zecher.
Da sprach zu ihm der Wirth, ein Biedermann:
Zwar sreut es mich, wenn gern' bei mir die Gäste bleiben,
Allein bis an den Morgen nicht,
Denn da ersordert meine Pflicht,
Die lieben Gäste anzutreiben,

Das alte Sprichwort sich wohl hinters Ohr zu schreiben.

fDie entsprechenden Sprichwörter sind: I, Biel Geschrei und wenig Wolle. 2. Was sich liebt neckt sich. 3. Morgenstund hat Gold im Mund. 4. Alter schützt vor Thorheit nicht. 5. Was Häuschen gewohnt läßt Hans nimmer. 6, Iedem Narren gesällt seine Kappe. 7, UeblNig macht den Meister. 8. Glück und Glas, wie bald bricht das, 9, Eile mit Weile. 1», Heute au mir, morgen an dir. ll. Lust baut das Land. 12. Klappern gehört zum Handwerk. 13. Der Schein trügt. 14, Einem geschenkten Gaul sieht man nicht ins Maul. 15, Wer zusrieden ist ist reich. 1s, Heute roth, Morgen todt. 17. Wer warten kann bekommt auch noch einen Mann. 18, Eigner Heerd ist Goldes werth. 19, IIb: bene, ibi Mria. 2«. Wer schnell hoch steigt, der sällt schnell. 21, Wer nur von der Hosssnung lebt, stirbt zuletzt Hungers. 22. Neunerlei Handwerk, achtzehnerlei Unglück. 23. Eine Krähe sitzt gern bei der andern. 24. Was ich nicht weiß macht mir nicht heiß. 25, Alles Ding hat seine Zeit.j i , ,, , . ,,,

H 27. Am Meisten Verwandtschast hat das Rätsel seinem Wesen nach mit der symbolischen Dichtung, daher wir jenes, wo die Ausgabe im Gewande eines großartigen Bildes gegeben ist, ein symbolisches Rätsel nennen können. Das älteste und blühendste ist solgendes aus der Bibel, woselbst der Prophet Ezechiel im siebzehnten Kapitel Folgendes sagt:

„Und es geschah das Wort Jehova's also zu mir: Menschensohn, ent, rätsele mir ein Rätsel, rede eine Gleichnistrede über das Haus Israel, und sprich, so spricht der Herr Jehova: der große Adler, groß von Flügeln, lang von Schwingen, voll des Gesieders, das bunt gestickt, kam zum Libanon und nahm den Wipsel der Ceder, Das Haupt seiner Reiser pslückt er, und bracht es ins Land Canaan, in der Stadt der Krämer legt ers nieder; und er nahm von dem Saamen des Landes und setzt ihn aus ein Saatseld, an vielen Wassern nahm er ihn, als Weide setzt er ihn. Er sproßte aus und ward zu einem Rebstock, herabhängend, niedrig von Wuchs, daß seine Ranken sich zu ihm bogen, und seine Wurzeln unter ihm waren; und er ward zum Rebstock, der Zweige trieb und Laub ausbreitete. Es war aber ein anderer großer Adler, groß von Flügeln nnd reich an Gesieder, und siehe! dieser Rebstock lechzte mit seinen Wurzeln nach ihm und sandte seine Zweige zu ihm, zu tränken ihn von den Beeten aus, wo er gepflanzt war. Aus gutes Feld, an vielen Wassern war er gepflanzt, um Gezweig zu treiben und Frucht zu bringen, zu werden zu einem herrlichen Weinstock. Sprich: so spricht der Herr Jehova: wird er gedeihen? wird jener nicht seine Wurzeln losreißen, und seine Frucht abschneiden, daß er verdorrt, und alle seines Gewächses Blätter verdorren? und nicht durch großen Arm und vieles Volk wird er ihn heben aus seinen Wurzeln? Sieh! « ist gepflanzt; doch wird er auch gedeihen? wird er nicht, wenn ihn der Ost anrührt, verdorren? aus den Beeten, wo er sproßt, wird er verdorren! Und es geschah das Wort Jehova's zu mir also: Sprich doch zum Haus der Widerspenstigkeit: wißt ihr, was dieß bedeutet? Sprich: sieh! es kam der König von Babel nach Jerusalem, und nahm seinen König und seine Fürsten, und brachte sie zu sich nach Babel. Und er nahm einen vom königlichen Saamen, und schloß einen Bund mit ihm, und ließ zum Eid ihn kommen; aber die Gewaltigen des Landes nahm er weg, damit das Königreich erniedrigt würde, sich nicht erhebe, damit er seinen Bund bewahrte und sest ihn stellte. Aber er siel ab von ihm, indem er seine Boten nach Egypten sandte, daß es ihm Rosse gebe und viel Volks: wird der gedeihen? wird der entkommen, der solches thut? Er brach den Bund, und sollt entkommen? So wahr ich lebe, spricht ,,,,^her Herr Jehova, am Ort des Königs, der ihn zum König machte, dessen Eid er hat verachtet und dessen Bund er hat gebrochen, bei ihm, in Mitten Babels, soll er sterben! Und nicht mit großem Heer und vieler Versammlung wird ihm Pharao im Kampse nützen, wenn man einen Wall ausschüttet und Bela, gerungsthürme baut, auszurotten viele Seelen. Er hat den Eid verachtet, den Bund zu brechen, und sieh! er hatte seine Hand daraus gegeben, und thut doch alles dieses; er kann nicht entkommen! Darum spricht so der Herr Jehova: so wahr ich lebe, gewißlich meinen Eid, den er verachtet, und meinen Bund, den er gebrochen, den bring ich aus sein Haupt! Und ich breite über ihn mein Netz, und er soll in meinem Garn gesangen werden, nnd ich will ihn bringen nach Babel, und daselbst rechten mit ihm ob de« Treubruchs, den er an mir begangen; und alle seine Flüchtigen in seinen Schaaren sollen durch Schwert sallen, und die Übriggebliebenen in alle Winde zerstreut werden; aus daß ihr wißt, daß ich Jehova hab geredet. So spricht der Herr Jehova: Nehmen will ich von dem Wipsel der hohen Eeder und es setzen, von dem Haupte seiner Reiser ein zartes will ich pslücken, und ich pslanze es aus hohen und erhabenen Berg, Aus dem Berg der Höhe Jsraels will ich es pflanzen, und es treibt Zweige und bringt Frucht, und wird zur herrlichen Ceder, und es wohnen darunter alle Vögel jeglichen Flügels, in dem Schatten seiner Aeste wohnen sie: aus daß erkennen alle Bäume des Feldes, daß ichJehova erniedrige den hohen Baum, erhöhe den niedrigen Baum, vertrockne den srischen Bann,, und sprossen lasse den trocknen Baum: ich Jehova rede und thue,"

^Auslösung*). Der Prophet stellt uns ein symbolisches Rätsel aus, damit er aus die Ergründung der verschleierten Wahrheit desto stärker den Sinn lenke**), Aus einem großartig angelegtem Bilde sehen wir einen gewaltigen Adler mit machtigen Flügeln und langen Schwingen, voll prächtigen bunten Gessieders, das der herrlichsten Stickerei vergleichbar, nach dem Libanon schweben und den Wipsel der Ceder hinwegnehmen. Er pslückt die höchste und erhabenste seiner Pflanzengestalten, und legt sie nieder in der Stadt des lebendigsten Handels und Verkehrs der Völker, Aber er ergreist auch einen Schößling von der Saat des Landes, wo er die hervorragendste der Cedern genommen, und pflanzt ihn wie eine Weide aus reichbewässerten Boden. Da sproßt er aus und wird zn einem Rebstock, der sich üppig ausbreitet, aber niedrigen Ansehns, mit zu ihm hingebogenen Ranken und unter ihm sestgehaltenen Wurzeln, doch Laub und Zweige treibend. Aber wir gewahren noch einen andern großen Adler, auch von mächtigen Flügeln und reichem Gesieder; nach diesem streckt sehn, süchtig der Rebstock Wurzeln und Zweige, daß er ihm erquickende Nahrung gebe von dem Boden aus, wo er gepflanzt war; und doch stand er aus gutem Felde, an vielen Wassern, Gezweig zu treiben, Frucht zu bringen und zu einem herrlichen Rebstock zu werden. Aber so kann er in dieser Hinneigung zum zweiten Adler nicht gedeihen, und der erste, der ihn gepflanzt und von dem er sich abgewandt, wird ihn aus seinen Wurzeln mit leichter Mühe heben und verdorren lassen. Der Prophet löst nun das Rätsel und giebt solgende Deutung. Der König von Babel ist der große Adler ***), der die höchste Ceder des Libanon raubt; Jerusalem ist der herrliche Libanon, und die Ceder der König Jochakin, der mit seinen Fürsten nach Chaldäa in die Gesangenschast wandern mußte. Da sollte er in einem andern Canaan weilen, in dem Canaan der großen Völkerstadt Babel, Der Sprößling, welchen der Adler von dem Saamen des Landes nahm und ihn als Weide an vielen Wassern-s-) aus ein Saatseld

*) Von Umbreit, prakt, Commentar über den Hesekiel; Hamb >84Z, S,93 u,s, Vrgl. »Iänus vän (Alse, speeimen exegetieum et eritieuiu exkib<'ns «om, me»wrium in «Aput XVII vu,ti«iui«rum L«eokisIis; ^m»teloä, 1836,

***) Der Adler ist Sinnbild der königlichen Gewalt, und bezeichnet hier den Nebnkadnezar, der unter demselben Bilde bei Jeremias XI. VIII, 4« und XI.IX. 22 erscheint.

-s-> Die Weide liebt besonders nasse Standorte, Einige (z, B, Wittstein, ety« mologisch,botanisch, Wörterb, Art. 8alix) haben daher den lateinischen Namen der Weide, 8sllx, von dem keltischen 8ä!, nahe, und Iis, Wasser, abgeleitet. Daher ist auch die Weide Symbol des Wassers s. meine Symbolik und Mythologie der Natur, Würzb. 1859, Z 162.

pflanzte, ist Zedekia, den Nebnkadnezar als Eingebornen in dem sruchtbaren Palästina zum Vasallenkönig machte. Er ragte sreilich nicht als Eeder mehr empor, sondern war nur wie eine Weide gesetzt, sproßte jedoch zu einem Reb» stock aus, der aber, obgleich er Zweige trieb und Laub ausbreitete, doch niedrigen gedrückten Wuchses blieb, und von seinen Früchten wird gar nicht geredet. Der andere große Adler, zu dem Zedekia sich neigt, und so bundbriichig gcgen Nebukadnezar wird, ist der König von Egypten, durch den die Vernichtung des Rebstocks, die Aushebung des Vasallenkönigthums in Ierusalem herbeigesührt wird. Der Prophet hebt die Thorheit und Treulosigkeit Zedekia's als Grund seines Falles hervor: Er sieht voraus, daß ihn, wenn es zur Belagerung Ierusalems kommt, selbst Pharao mit seiner großen Macht nicht retten könne; der mit dem Verbrechen des Treubruches Befleckte wird, seiner Freiheit gänzlich beraubt, als Gesangener nach Babel gesührt, und daselbst in einem srcmden Lande seinen Tod sinden. Seine flüchtigen Schaaren sollen theils getödlct, theils in alle Winde zerstreut werden, damit sie zur Erkenntniß Gottes kommen. Nun kommt ein Anderer und Größerer, als jener gewaltige Adler Nebukadnezar, der starke Held, Iehova selbst, und nimmt wieder von dem Wipsel der hohen Eeder, die gesällt worden, ein zartes Reis uud pflanzt es aus einen hohen nud erhabenen Berg. Es ist der Sprosse aus dem Stamme Isai's, der aus dem Zion sich erheben soll zur herrlichsten Eeder, unter deren reichen Zweigen alle Vögel Schutz und Obdach sinden werden; siehe da, die hehre Gestalt des Messias, der in sein Reich sammelt alle Völker ohne Unterschied. Denn es soll durch ihn an den Tag kommen der Rathschluß Gottes, den Hohen zu ernied» rigen, den Niedrigen zu erheben. Alle Reiche der Welt sinken zusammen vor dem Reiche Gottes j

Von symbolischen Rätseln neuerer Zeit verdienen solgende hier erwähnt zu werden:

l. Es schläst ein Kind aus Blumenmatten,
Süßlächelnd, wie ein Eugelbud
In stiller Palmen kühlem Schatten
Ein Guido's*) Phantasie ersüllt.
Es schläst, und Blüthenknospen schwellen
Und össnen sich dem Tageslicht;
Wie auch der Sturm des Sees Wellen
Zu Bergen hebt, er weckt es nicht.
Doch weh'! ein Weib mit wilden Blicken
Ersieht das Kind, ein schöner Fund!
Und drückt mit schrecklichem Entzücken
Den Kuß aus seinen Rosenmund.
Da flieht der Schlas, die Glieder strecken
Sich gräßlich aus, die Anmuth weicht,

*) Guido Rem, der berühmte italienische Maler, geboren zu Bologna I575, gestorben daselbst 1642.

Und angethan mit allen Schrecken
Ein Riesenhaupt sich endlich zeigt.
So nenne mir das Kind voll Milde,
Und auch das Weib mit wildem Blick:
Und naht es sich dem zarten Bilde,
So ruse ernst: zurück! zurück!

2. In schönster Bäume Schatten

Da sitzen drei Schwestern hold;

Vom blauen Himmel kommt ein Wind,

Der schüttelt von dem Baum' geschwind

Einen Apsel schön wie Gold.

Der Apsel Wt der Iüngsten

Grad' in den Schooß hinein;

Wie süß er dustet, wie er lacht;

Sie sreut sich an des Apsels Pracht,

An seines Goldes Schein.

Sie spielet mit dem Apsel,

Bis ihr das Spiel dünkt lang;

Wirst dann der Zweiten von den Drei'n
Ihn zu, die zieht ein Messerlein

Aus ihrem Busen blank,

Sie schneidet mit dem Messer

Den Apsel gar entzwei;

Nichts kümmert sie die äußre Pracht,

Nur aus das Inure hat sie Acht,

Wie es beschassssen sei;

Sie sieht nach seinen Kernen,

Sie wagt ihn mit der Hand,

Beschaut den ganzen innern Bau,

Und ruht nicht eh', bis sie genau

Das Kleinste drin erkannt.

Nun hat sie es ergründet, ,

Da spricht sie allerletzt:

Hab jetzt nichts mehr damit zu schassen,

Was halss, ihn müßig zu begassen,

Nimm du ihn, Schwester, jetzt.

Die Dritte nimmt den Apsel,

Sie lößt die Kerne aus,

Und steckt sie in das Gartenland,

Wohl manches Unkraut, das da stand,

Zieht sie zuvor heraus.

Da lüstern naht ein Knabe,

Dem reicht die Frucht sie hin,

Und spricht: theil' sie mit deinen Brüdern,

Der Kerne Saat wird dir's
Einst reichlich mit Gewinn.*)

3. Ich weiß ein hohes, schönes Schloß,
Drin wohnt ein mächtiger König,
Der hat ein schnelles Flügelroß,
Das kümmert die Weite wenig;
Bald braust es hin wie Wetterstrahl,
Bald geht es langsam am Zügel.
Füns Thore sühren zum Königssaal,
Davon hat jedes zwei Flügel,
Durchs erste Thor bringt man hinein
Dem König die köstlichsten Gaben,
Was schön von Formen oder Schein,
Das will der König haben.
Durchs zweite Thor ziehn ein ins Schloß
Der Sänger und Spieler gar viele,
Wenn ab der König stieg vom Roß,
So sreut er sich am Spiele.
Durchs dritte Thor hinans man steht
In einen schönen Garten,
Wo manche Blume dustend blüht,
Dem König auszuwarten.
Ein zweiter Garten ist noch nah,
Wo süße Früchte hangen;
Das vierte Thor ist dazu da,
Daß sie ius Schloß gelangen.
Zehn Ritter stehn am sünsten Thor,
Ie süns aus jeder Seite,
Die schickt der König ost hervor,
Bald sriedlich, bald zum Streite;
Die Ritter zu der re<hten Hand
Sind tapsrer als die linken,
Die werden meistens nur gesandt,
Wenn jene etwa hinken.
Geössnet sind den ganzen Tag
Die Thore all des Schlosses,
Bis Abends müd' daraieder lag
Der Herr des Flügelrosses,

4. Wer nennt das liebliche Klnd,
Geboren taub und blind
Und des Verstandes baar;
Sieht nicht den Weg vor sich,

-) Dieses und die solgenden zwei Mtbsel sind von Mises, aus dessen H ls2 erwähnten Mthselbüchlein.

Und sühret dennoch dich
Zur Heimath wunderbar-
Wer nennt mir, deren Speer
Schlägt Wunden ties und schwer,
Von Wonnen schwer statt Pein;
Nicht Streiten hilst, nicht Fliehn;
Seht ihre Sklaven ziehn
Gekettet je zu Zwei'n.
Wer nennt das schöne Weib
Mit Flügeln an dem Leib,
Mit grünem Kranz geschmückt;
Mit Augen, leuchtend ganz;
Ein Regenbogenglanz
Steht dort, wohin sie blickt,

5. Von zwei Worten will ich ein Sinnbild euch geben
Sie sind das Höchste und Schönste im Leben.
Das Erste, es ist ein gewichtiges Wort,
Es deutet das schassende Leben,
Nicht rastet und ruht es, es treibt sich sort,
Will Alles erkämpsen, erstreben,
Es denkt und handelt bis an das Grab,
Nie legt es nieder den Wanderstab.
Des Geistes Schwingen, es wagt sie keck,
Dringt hoch zu der Wissenschast Sphären,
Nichts hält es, kühn schreitet's darüber weg,
Das Weltall will es erklären;
Es schasst und zerstört, zerstört und schasst,
Und nimmer ruhet die mächtige Krast.
Und was es gedacht, und was es erschasst,
Das will es auch sichren ins Leben,
Nicht eitel verzehren soll sich die Krast,
Sie soll sich zu Thaten erheben,
Zur Frucht soll sie reisen, zur nährenden Frucht,
Das ist's, was kämpsend der Wille versucht.
Nach Außen will weit es, will immer es hin,
Die Welt, die ist ihm das Leben,
Im All' zu leben ist sein Bemühn,
Mit dem Ganzen will sich's verweben.
So ruht es nimmer und rastet nicht,
Bis endlich am Tode die Krast sich bricht, —
Das Zweite ist ein schönes, ein liebliches Wort,
Es deutet das bildende Leben,
Es liebt sich gern an gewöhntem Ort; „, ^ ,
Es will nicht Alles erstreben,
[graphic]

Es denkt und dichtet bis an das Grab,

Nie legt es nieder den Zauberstab.

Das stille Gemüth, es weilet gern

Jn der Liebe geheiligten Sphsren,

Und scheuet was weit, und scheuet was sern,

Das Nahe nur will es verklären.

Es liebt so lang's lebt, und lebt so lang's liebt,

Das ist sein mächtiger Zauber, den's übt.

Und was ihm an äußerer Krast verwehrt,

Das kann in dem Jnnern es sinden,

Nicht Thaten will es, des Ruhmes werth,

Es will nur sühlen, empsinden,

Und wenn die Knospe, die liebliche, blüht,

Genügt sich bescheiden das stille Gemüth,

Nach innen, nach innen nur will es hin,

Ein Mensch, der ist ihm das Leben,

Jn Einem zu leben ist sein Bemühn,

Mit dem Einen sich innig verweben.

So treibt es holdselig das sromme Gemüth,

Bis welk die Blume des Lebens verblüht.

sAuslös. 1. Das Gewissen; die Schuld*), 2. Schönheit, Wahrheit und Güte. 3. Der Geist und die süns Sinne. 4. Glaube, Liebe, Hossnung. 5. Der Mann; das Weib.I

K 28. In einem Lehrgedichte einverwcbt sindet sich das Rätsel in dem aus zwei Gesängen bestehenden alten Lehrgedichte aus dem zwölften Jahrhunderte: „König Tyro von Schotten und Fridebrant sein Sohn**)"

*) Das Kind, im Blumenthal gebettet,
Wo kein Orkan die Knospe knickt,
Wohin der Friede sich gerettet, -I
Bon wo der Lenz herüberrückt; .,, ,. ,, ,
Gewissen heißt's: in süßen Traumen
Schläst lächelnd es in reiner Brust,
,, ,..., ,„,. ,, ,Spielt in den lenzgeschmückten Räumen,

Des stillen Friedens sich bewußt. ,,
Da naht die Schuld dem schönen Thale,
Ersieht das Kind, ein edler Fund!
Und weh', des Gistzahns grause Male
Drückt sie aus seinen Rosenmund.
O! hegt das Kind mit Muttertreue,
Laßt seinem Bett' die Schuld nicht nahn!
Denn selbst die Thräne bittrer Reue
Erneuet nicht die Rosenbahn.

**) Das Original in: Bon der Hagen's Minnesänger, 1. Thl. Leipz. l«Z8, S, 5. Die Uebersetzung von Böckh in: Bragur, ein litterarisches Magazin der deutschen und nordischen Vorzeit, herausg, s, Böckh und Gräter, l. B, Leipz, N91. S- 22Z.

S riedreich, Besch, d. SiSthsel«, 5
In, ersten Gcsange legt Tyro seinem Sohne religiöse Rätsel vor, die von letzterem ausgelöst werden:

Tyro, I. Gott hat der Wunder mamiichsalt:
Damit zeigt er einen Wsltig ^
Der gedieh in vollem Lobesan*),; ,
Zween Bäume tras man drinnen au;
Der Wipsel Höh man also pries, , .

Daß sie sich weit und breit ob allen Baumen sehe,, ließ,

2, Als nun die Morgeuzeit begann,

Da brach ein Balsamdüstche« an^,, ,
Daraus ein starkes Wehen ging,
Daß jeder Baum den Dust empsing:
Der eine wurde breit und grün,

Der andre saul und ausgedorrt; so wie das Düstchen wehte hin.

3, Der grüne und der dürre Baum,

Jeder giebt einem Vöglein Raum; , .."

So tönt im Wald all überall ...

Von jedem Reis der Böglein Schall; .
Vom Duste nehmen sie die Krast.

Der dürre Baum nur und sein Vogel mit stetem Jammer sind behaft,

4, Damit hat uns ausgespäht,
Wie's um die beiden Baume steht.

: , , Auch that des weisen Mannes Mund

Des Walds, der Vöglein Deutung kund.
Errathest du sie, Fridebrant,

Mit schlichtem Sinne, lieber Sohn, so ist mein Lehr wohl angewandt,
Fridebrant. 5, Da sprach der junge König weis: , , , -
Mein lieber Herr, gönnt mir den Preis,
Den grünen Baum will ich euch deuten.
Mit Recht blüht er im Schmuck der Freuden;
Er deutet einen Priester an,

Der würdig Gott empsäht, weil er nie eine Hauptsünd hat getban,
6, Vor Schaum wird mir die Wange roth;
Wenn ich das heilge Himmelsbrod
Vergleiche mit des Balsams Ziel**),.5 ,, ,,
Da wag ich, Laie, wohl zu viel.
Denn wenn der Priester Messe halt,//,/'
Kömmt Gottes Gnad wie Balsamdust; Brod wird mit Fleisch und
Blut vermählt.'

*) D, i, in voller Pracht,

D, i, woraus der Balsam in dem Gleichnisse in der zweiten Strophe zielt.

7, Fragt ihr, wie's um den dürren steht:
Der Afterpriester auch empsüht

Den süßen Gott; doch wirft der Thor
Sich selbst den spitz'gen Angel vor;
Er hat mit Iuda gleiche Pein,

Der salsche Priester ist der Baum, und seine S«l das Bögelein.

8, Die Ehristenheit ist mir der Wald,
Ihr Seel ich sür die Vöglein halt,
Wenn sie bei Asterpriestern stehn,
Und doch aus Gott im Glauben sehn,
Wie er sich birget in ein Brod,

Mit Recht ihr' Vögel singen müssen: ihr Seel' entgeht der Höllen
Noth!

9, Ihr Laiensrauen, wo ihr steht,
Und aus zu Gott sestgläubig seht,
Der Asterpriester schad't euch nicht,
Soviel man Schändliches von ihm spricht;
Er selbst tritt sich in Iappes Stist*);

Wenn er den süßen Gott empsäht, verschlingt er Bippcrn»
Nattern-Gist.
I«. Welch Priester würdig Gott empsäht,
Vor seiner Psarr-Gemein hergeht,
Der ist sür sie ein Himmelreich;
Nichts kömmt an Würde beiden gleich,
Sie singen alle: Wohl uns dein!

Du hältst uns in so treuer Hut, daß wir entfliehs der Höllc„pein,

11, Trag ich die Krone aus dem Haupt;
Der Vorgang Priestern sei erlaubt,

"Den Rang hat ihnen Gott gegeben.'
Zwar schwächen sie ihr eignes Leben
Mit Geiz und mit uurechten Sitten,

Und süllen selbst mit dem sich an, ivas sie den Laien schars
verbieten. - ''

12. Doch alle Priester sind nicht so.
Zeigt sich ein reiner irgendwo,
Deß Stimme lehrt uns Gottes Wort,

Er ist ein wahrer Himmelshort: ,,"l""".'"?,
[graphic]

*) D. i, Spitze, Stachel, und ein Wurseisen, das man zur Falle legt. Was andeuten soll, läßt sich schwer errathen; vielleicht ist es der Name entweder ^ersertigers oder Legers solcher Falleiseg, oder der Name eines, der in ein Fallcisen getreten und sich dadurch verletzt hat. Eigentlich will es so viel als: „er verletzt sich selbst", wie oben in der siebenten Strophe: „der Thor "Angel vor", d, h, der Thor laust selbst in den Angel, Dem Sünden,See zum Damm ist Er, , .
[graphic]

Nun lohn dir Gott, viel lieber Sohn; weißt du soviel, so weißt du mehr*). ,, ... . , lZ. Euch römschen Pabste hochgenannt

Der edle König Fridebrant

Legt dieses heilge Gleichniß vor,

Dem römschen Vogt, vom Fürsten,Chor

Erwählt; was krumme Stabe trägt

Und wem man eine Platte scheert, sei dieses Beispiel vorgelegt *-). Tyro, N. Dem Daniel Wunders mehr geschah, Ein starkes Mühlenwerk er sah, . Das lag an einem Flusse ties; De^ untre Stein sehr stark umlies, Der obre konnte stille liegen:

Was mit der Mühle sich begab, das war mir leid, blieb dir's
verschwiegen,
15. Am Mühlenwerke geht ein Rad,
Das zwei und siebzig Kämme hat,
Die sind von mannigsaltger Art;
Der Einen man daran gewahrt,
Der ist vom Holze Aloe.

Nie reiner Holz aus Erden ward. Nun weißt's, wie's um das
Mühlwerk steh. „,„,

I6, Dies Mühlenwerk besorgt ein Mann,
Der nahm nie Fleisch noch Beine an;
,, , Der hatt ein Kind, das suhr hinein, . .,

Und drückt den untern Mühlenstein, ,,

Da stund er still; nnd schnell begann

Durch eines kleinen Wassers Trieb der obre Stein zu lausen an. 17. Das Kind, das hatte Knappen zart,

Da der Oberstein kam an die Fahrt, , , , ., ,,,,.
, , ,, ^.Sprach es: ihr sollet euch bewegen, , ^ , ,,,,
Des obern Steines wohl zu Pflegen.
Will sich der untre wieder heben,

So drückt ihn, wie ich Hab gethan; ich will dasür den Lohn euch
geben.

Fridebrant. 18, Herr, ihr habt sonderbaren Muth,
Daß ihr an mich die Frage thut.

*) Nach dieser Zeile wäre anzunehmen, daß jetzt König Tyro das Wort wieder enommen habe; allein nach dem Originale kommt Tyro erst in der vierzehnten Atrophe wieder redend vor.

"*) Jn dieser Strophe dedicirt Fridebrant seine Auslegung dem Pabste, de n Blschösen und der ganzen Klerisei.
[graphic]

Mehr wüßte ich vom Ritterspiel,
Wo jener siegte, dieser siel;
Wo Splitter aus den Helmen klangen,

Von Schwertern über die Schilde her, darunter sich die Helden
schwangen

19. Doch wollt ihr dessen nicht entbehren,
So will ich euch die Mühl' erklären:
Der alte Bund*) ist der untre Stein,
Der stellt sich sorthin nicht mehr ein.
Den hat der Jungsrau Sohn **) verdrungen,
Der obre Stein, der ist die Taus, mit der der neue Bund ent-
sprungen,

2«. Wie's mit den Kämmen sich verhält,
, ,u Wißt, zwonndsiebzig Sprachen hat die Welt,
Der Eine Kamm am Mühlenrad,
Der so besondre Schönheit hat,
Jst die Juugsran, von Jesse her geboren***),
Die Gott, der Herr der Welt, zur Mutter hat erkoren,

21. Die Knappen, die der Mühle pslegen,
Das sind die Priester, die den Segen
Erheben zu der Tause Ziel;

Den Psassen, ich sag nicht zn viel,

Macht's Gott zur Pslicht aus ihren Eid,

Unglanben daß sie unterdrückten, und sörderten die Christenheit,

22. Wollt ihr dann wissen um den Mann,
Der niemals Fleisch noch Bein nahm an,
Deß Kind trug einer Jungsrau Leib;
Die Juden sagen, sie wär' ein Weib.
Daniel beschwur es: Ganz gewiß

Geht's ihrem Jrrwahn, wie's erging dem Adam mit dem Apselbiß.

23. Der Strase peinigt sie noch viel,
Gott sür uns nicht mehr sterben will,
Sein Tod vertilgte ganz den Zorn,
Er sprach: Wer künstig wird geboren,
Der nehme an der Tause Theil,

Und solge nur der Klerisei; ich sterbe nicht mehr sür euer Heil-s-),

*) D. i. das alte Testament. **) D. i. Jesus, der Sehn der Jungsrau Maria.

***) Maria war aus dem Stamme Davids, und Davids Vater hieß Jesse,

Damit soll die Klage der Juden über die Strase ausgesprochen sein, die noch aus ihnen liegt, wegen der Aeußerung Jesus, daß, wer sich nicht tausen lasse, keinen Theil an der Gnade Gottes habe, und daß Gottes Sohn nicht mehr sür sie sterben würde, . ,' ö ^1
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Auch war 'mal ein Abt, ein gar stattlicher Herr;

Nur Schade! sein Schaser war klüger als Er.

Dem Kaiser ward's sauer in Hitz' und in Kälte:

Ost schlies er bepanzert im Kriegesgezelte;

Ost hatt' er kaum Wasser zu Schwarzbrot und Wurst,

Und öster noch litt er gar Hunger und Durst.

Das Psässlein, das wußte sich besser zu hegen,

Und weidlich am Tisch und im Bette zu pflegen;

Wie Vollmond glänzte sein seistes Gesicht,

Drei Männer umspannten den Schmerbauch ihm nicht.

Drob suchte der Kaiser am Psässlein ost Hader,

Einst ritt er mit reisigem Kriegesgeschwader

In brennender Hitze des Sommers vorbei.

Das Psässlein spazierte vor seiner Abtei.

„Ha, dachte der Kaiser, zur glücklichen Stunde!"

Und grüßte das Psässlein mit höhnischem Munde:

„Knecht Gottes, wie geht's dir? Mir däucht wohl ganz recht,

Das Beten uud Fasten bekomme nicht schlecht.

Doch däucht mir daneben, euch plage viel Weile;

Ihr dankt mirs wohl, wenn ich euch Arbeit ertheile;

Man rühmet, ihr wäret der psissigste Mann,

Ihr hörtet das Gräschen sast wachsen, sagt man.

So geb ich denn euren zwei tüchtigen Backen

Zur Kurzweil drei artige Nüsse zu knacken.

Drei Monden von nun an bestimm' ich zur Zeit,

Dann will ich aus diese drei Rätseln Bescheid,

Zum ersten: Wann hoch ich im sürstlichen Rathe

Zu Throne mich zeige im Kaiser-Ornate,

Dann sollt ihr mir sagen, ein treuer Wardein,

Wie viel ich wohl werth bis zum Heller mag sein?

Zum Zweiten sollt ihr mir berechnen uud sagen:

Wie bald ich zu Rosse die Welt mag umjagen?

Um keine Minute zu wenig und viel!

Ich weiß, der Bescheid daraus ist euch nur Spiel,

Zum Dritten noch sollst du, o Preis dcr Prälaten,

Auss Härchen mir meine Gedanken errathen;

Die will ich dann treulich bekennen: allein

Es soll auch kein Titelchen Wahres dran sein.

Und könnt ihr mir diese drei Rätsel nicht lösen,

So seid ihr die längste Zeit Abt hier gewesen;

So laß ich euch sühren zu Esel durchs Land,

Verkehrt, statt des Zaumes den Schwanz in der Hand." —

Draus trabte der Kaiser mit Lachen von hinneu. .

Das Psässlein zerriß und zerspliß sich mit Sinnen.

Kein armer Verbrecher sühlt mehr Schwulität,
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Der vor dem hochnothpeinlichen Halsgericht steht.

Er schickte nach ein, zwei, drei, vier Universitäten,

Er sragte bei ein, zwei, drei, vier Fakultäten,

Er zahlte Gebühren und Sportuln vollaus:

Doch löste kein Doctor die Rätseln ihm aus, *

Schnell wuchsen, bei herzlichem Zagen und Pochen

Die Stunden zu Tagen, die Tage zu Wochen,

Die Wochen zu Monden; schon kam der Termin!

Jhm wards vor den Augen bald gelb und bald grün.

Nun suckt er, ein bleicher hohlwangiger Werther,

In Wäldern und Feldern die einsamsten Oerter;

Da tras ihn, aus selten betretener Bahn,

Hans Bendir, sein Schäser, am Felsenhang an,

„Herr Abt, sprach Hans Bendir, was mögt ihr euch grämen?

Jhr schwindet ja wahrlich dahin, wie ein Schemen;

Maria und Joseph! wie hotzelt ihr ein!

Mein Sirchcn! es muß euch was angethan sein,"

„„Ach, guter Hans Bendir, so muß sichs wohl schicken:

Der Kaiser will gern mir am Zeuge was slicken,

Und hat mir drei Nüss' ans die Zahne gepackt,

Die schwerlich Beelzebub selber wohl knackt.

Zum Ersten: wann hoch er, im sürstlichen Nathe,

Zu Throne sich zeiget, im Kaiser,Ornate,

Dann soll ich ihm sagen: ein treuer Wardein,

Wie viel er wohl werth bis zum Heller mag sein.

Zum Zweiten soll ich ihm berechnen und sagen:

Wie bald er zu Rosse die Welt mag smjagen,

Um keine Minute zu wenig und viel;

Er meint, der Bescheid daraus wäre nur Spiel,

Zum Dritten, ich Aermster von allen Prälaten,

Soll ich ihm gar seine Gedanken errathen:

Die will er mir treulich bekennen; allein

Es soll auch kein Titelchen Wahres dran sein, , >-',,

Und kann ich ihm diese drei Rätsel nicht lösen,

So bin ich die längste Zeil Abt hier gewesen;

So läßt er mich fuhren zu Esel durchs Loind,

Verkehrs, statt des Zaumes den Schwanz in der Hand,""

„Nichts weiter? erwiedert Hans Bendir mit lochen,

Herr, gebt euch zusrieden, das will ich schon machen;

Nur borgt mir cur «äppchen, cur Kreuzchen und Kleid,

So will ich schon geben den rechten Bescheid,

Versteh ich gleich nichts von lateinischen Brocken,

So weist ich den Hund doch vom Osen zu locken;

Was ihr euch, Gelehrte, siür Geld nicht erw?rbt, ^

Das hab ich von meiner Frau Mutter geerbt," , ,

Da sprang, wie ein Böcklein, der Abt vor Behagen,
Mit Kappchen und Kreuzchen, mit Mantel und Klagen
Wird stattlich Hans Beudir zum Abte geschmückt,
Und hurtig zum Kaiser aach Hose geschickt.
Hier thronte der Kaiser im sllrsilichen Rarhe,
Hoch prangt er, mit Zepter und Kron' im Ornate:
„Nun sagt mir, Herr Abt, als ein treuer Wardein,
Wie viel ich igt werth bis zum Heller m«g ssin?"
„„Für dreißig Reichsgulden ward Christus verschachert;
Drum gab ich, so sehr ihr auch pochcrt und prachcrt,
Für euch keinen Deut mehr als zwanzig und nenn,
Denn Einen müßt ihr doch wohl minder Werth sein.""
„Hm, sagte der Kaiser, der Grund läßt sich hören,
Und mag den durchlauchtigen Stolz wohl bekehren;
Nie hält ich, bei meiner hochsürstlichen Ehr,
Geglaubct, daß so spottwohlscit ich war.
Nun aber sollst du mir berechnen und sagen:
Wie bald ich zu Rosse die Welt mag umjagen,
Um keine Minute zu wenig und viel,
Ist dir der Bescheid daraus auch nur ein Spiel?"
„„Herr, wenn mit der Sonn' ihr srüh sattelt und reitet,
Und stets sie in einerlei Tempo begleitet,
So setz ich mein Kreuz nnd mein Käppchen daran,
In zweimal zwöls Stunden ist Alles gelhan,""
„Ha, lachte der Kaiser, vortressslicher Haber!
Ihr süttert die Pserde mit Wenn nud mit Aber:
Der Mann, der das Wenn und das Aber erdacht,
Hat sicher aus Hackerling Gold schon gemacht.
Nun aber zum Dritten, nun nimm dich zusammen, zz-
Sonst muß ich dich dennoch zum Esel verdammen,
Was denk' ich, das salsch ist? das bringe heraus,
'' '" Nur bleib mir mit Wenn nud mit Aber zu Ha»s,"

„ „Ihr denket, ich sei der Herr Abt von St, Gallen;
Ganz recht! und das kann von der Wahrheit nicht sallen.
Sein Diener. Herr «aiser, euch trügt euer Sinn, »zllz!^:
Denn wißt, daß ich Bendix, sein Schäser, nur bin,"" ^
„Was Henker! du bist nicht der Abi von St, Gallen?
Nies hurtig, als war' er vom Himmel gesallen,
Der Kaiser mit großem Erstaunen darein;
Wohlan denn, so sollst dn von nun an es sein;
Ich will dich belohnen mit Ring nnd mit Stabe;
Dein Vorsahr besteige den Esel nnd trabe,
Und lerne sortan erst quid Iuris verstehn,
man will ernten,
Ich kann ja nicht lesen, noch rechnen und schreiben,
Auch weiß ich kein einziges Wörtchen Latein;
Was Häuschen versäumet, holt Hans nicht mehr ein.""
„Ach, guter Hans Bendix, das ist ja recht Schade,
Erbitte demnach dir eine andere Gnade; .'
Sehr hat mich ergehet dein lustiger Schwank,
Drum soll dich auch wieder ergehen mein Dank."
„„Herr Kaiser, groß hab ich so eben nichts nöthig:
Doch, seid ihr im Ernst mir zu Gnaden erbötig,
So will ich mir bitten, zum ehrlichen Lohn,
Für meinen hochwiirdigen Herren Pardon,""
„Ha bravo, du trägst, wie ich merke, Geselle,
Das Herz wie den Kops aus der richtigen Stelle,
Drum sei der Pardon ihm in Gnaden gewährt,
Und obendrein dir ein Panis-Briüs beschert:
Wir lassen dem Abt von St. Gallen entbieten:
Hans Bendix soll ihm nicht die Schase mehr hüten,
- Der Abt soll sein pflegen, nach nnserm Gebot,
Umsonst bis an seinen sanstseligen Tod,"

§ 30. Den Stoff zu diesen eben erwähnten beiden Balladen von Percy und Bürger sinden wir schon in solgenden drei älteren Schristen, nämlich 1. in einem Fastnachtspicle, wahrscheinlich von Hans Folz, 2. in Pauly's Schimps und Ernst und 3. in dem Esopus von Waldis, in welchen gleichsalls ein Abt die ihm ausgegebenen Rätsel nicht errathen kann, und die statt seiner von einem Müller und einem Schweinehirten ausgelöst werden.

I. Das Fastnachtspiel, wahrscheinlich von Hans Folz, aus der zweiten Hälste des sünszehnten Iahrhunderts, ist betitelt: „ein Spil von einem Keiser und eim Apt." Adelbert Keller hat es aus einer Papierhandschrift der Bibliothek zu Wolsenbüttel herausgegeben*). — Der Kaiser ist von seinen Rüthen, unter denen sich der Abt besindet, umgeben, und verlangt von ihnen einen Rath, wie dem überhandnehmenden Rauben und Morden abzustellen sei. Der Abt aber vermag keinen Rath zu ertheilen, und wird auch von den Andern angeseindet, wie denn der Herr von Meichssen sagt:

Oer spt Kat eucK ^e vol geraten

gutem trsnk unä Leistea präten.
LS es uu «« äen streioKen get,
8ü seeKt ir vie er äort stet
Unä sorgt, vir reiten im ins Kter.

*) LIN 8?IO V05l LlMN MV LIN A??. Herausgegeben

von Velbert Xeller. ?üdmgey 1850. 23 Seit, in N. 8. Meine Mittheilung ist aus dieser Schrist, ''
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drey sragen nit, so soltu kein apt mer sein. Der apt was traurig, vsd kam heym, snd gieng auss das seld spacieren, vnd kam zu einem saw hirten, der sprach. Herr jr seind gar traurig, was brist euch? Der apt sprach, das mir anligt, da kanstu mir nit helsen. Der saw hirt sprach, wer weist es, sagen mirs. Der apt sagt es jm, die drey sragen muß ich verantwurten. Der hirt sprach, herr seind guter ding vnd srölich, die sragen will ich wol verantworten, wann der tag kompt, so legen mir ein kutten an. Der tag kam, vnd der apt mit seinem Bruder kam, oder er schicket jn dar in seinem nanien. Der edel, mann sprach, äptlin bistu hin? Ja iunker sprach der apt. Wolan was sagstä auss die erst srag, was haltest« von mir? Der apt sprach, iunker ich schetz euch sür XXVIII psenning. Der iunker sprach, nit Kesser? Der apt hirt sprach, nein. Der iunker sprach warumb? Der apt sprach, darum». Christus ward sür XXX psenning geben, so achte ich den Kaiser sür XXIX psenning vlld euch sür XXVIII psenning, das ist wol verantwurt. Ans die ander srag, wa ist es mitten aus dem erdtreich? Der apt sprach, mein gotshauß ist mitten vss dem erdtreich, wollen ir es nit glauben, so messen es asß. Auss die dritt srag, wie weit ist glück und vuglück von einander? Der apt sprach, nit weiter dann vber nacht, wann gestern was ich ein sawhirt heut bin ich ein apt. Der iunker sprach: bv meinem evd, so mnstu apt bleibes vnd blib auch also apt.

3. Der humoristische Fabeldichter Bnrcard Waldis hat in seinem Werke „Esopus*)" ein Gedicht „wie ein Sewhirt zum Apte wird" mitgttheilt, aus dem ich Folgendes entnehme^):

Da war ein Fürst im selben Landt
Dem stieß ein vnsall an die haudt
Daß er bedorsst einr großen Summen
Doch wißt ers nit all zu bekümmert
Wiewol ers weit zusamen schrabt^),
Er het im Land ein reichen Apt,
Der het gautz ruhig lang gehauset
D«n langt er an vmb cllich tauset,
Des weigert sich der Münch zus, tbeul
Zeigt an den gbrechen und den seyhlf),
Hoch allegiert des Klosters not> , < / 5
Zum halben thcyl sich doch erbot,, ,, '.,
Da sprach der Fürst, hör was ich sag
Wil dir sürlegen etlich Frag, ^.
So du mich kanst in dreien tagen
Wol berichten derselben sragen,

Esepus gantz new gemacht, durch Burcardum Waldis, Franks. 1548. *) Die deutsche komische und humoristische Dichtung, von Jgnaz Hub, 1 B. Nürnb. I855, S. 123 u. s. ***) D. i, zusammen scharrt. -s-) D. i. Fehler oder Mangel des Klosters.

Erlaß ich dir der bstimpten schulden Für jede srage tausend gulden, Erstlich sag mir on arge list Wie weit hinauss ghen Himmel ist, Zum andern sag mir auch gut rundt , Wie tiess da sev des Meeres grundt, ,,..,,,. Auch wie viel klissen*) muß machen lassen Das große Meer darin« zu sassen Vnd diß soll sein das vierdte stück, Wie weit vom vnglück sei das glück. Nun war dem Fürsten wol bewust Das doch der Apt swiewel er fust Reich war, vnd grosser Prelatur) An weißheit war ein grober Bur (Wie sie auch jetz zu vusern Zeiten Künnen nur schlemmen, jagen, reiten) , , , ,> Solch hohe srag nicht wurd auss losen Drumb wolt er jn also bedösen**), Der Apt (wiewol ers thet nit gern) Doch mußt zu gsallen seinem Herrn Annemen die bstimpten radtzol***) ,. Welch jm nit bhagten allzu wol, Vnd machten jm ein groß beschwern Wust sich derhalb auch nit zu kern-s-) Bev seinen Brüdern suchen rath Da war keiner in höherm grad, Gelerter denn der Apt daselb Zu seiner Axt sandt er kein Halb-s-s-), Für grossem leydt ins Veldt spaciert On gsehr wirdts gwar der Sewehirt, Er kam vnd neigt sich gegen jm, Sprach, gnediger Herr, wie ich vernim Seit jr nit srölich wie jr pslegen Sagt mir, woran ists euch gelegen,' Der Apt sprach, wenn ich dirs schon klagt Davon lang schwatzet vnd viel sagt So bistu doch der Mann zwar nit Der mir köndt rathen etwan nit, Wenn ich zu Cölln jetzt wer am Rhein
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Da die Magistri nostri*) sein
Tausent gülden ließ ichs mich kosten
Weyß aber jetzt kein solchen Posten,
Der mir die sach so daldt bestellt
Das vnglück sür der Thür da helt
Wo ich morgen nit antwort breng
Werden mir alle löcher zeng,
Beschetzt**) werd vmb viel tausend Thaler
So wird mein statt vnd herrschassst schmaler,
Derhalben mag ich jetzt wol trawren
Ich stieß den Kopss schier an die Mauren,
Der Sewhirt sprach, damit sahr schon***)
Wer weyß, ob ich euch helsssen kan,
Da sprach der Apt, schweig du des nun
Solch ding ist nit von deinem thun,
Er sprach, Herr seit nit so verrucht-f)
Was thet ein ding doch vnuersucht?
Vitt, wölt der demut euch erwegen
Mir etwas von der sach sürlegen,
Es sein wol ehe (ob ichs nit rieth)
Vergebens so viel wort verschütt,
Der Apt hub an, verzelt jms gar
Wies jm beim Fürsten gangen war,
Vnd wie die sragen warn gerüst-s-f)
Drauss er gar nit z antworten wißt,
Er sprach, wenn jr mir solgen wolt
Der sorg jr baldt loß werden soll,
Vnd euch eins gringen vnderwinden
Ließt euch in meinen Kleidern sinden,
Mich wider in die ewr verkapt
So wolt ich morgen wie ein Apt
Vor dem Fürsten von ewrentwegen
Antwort geben, er solt sich segnen
Vnd solt leicht wenn jr das jetzt theten
Etlich tausend damit erretten,
Vnd geben mir ein klein geschenck,
Da sprach der Apt, kum baldt und henck
Mein Kappen ffs), laß ein blatten schern

*) Das sind aus den Akademien diejenigen, die aus der Akademie selbst, nicht anderswo Magister geworden sind.

**) D. h. geschätzt, mit der Auslage beschwert. ***) D. h. seid darum unbesorgt. D. h. hartnäckig, widerspenstig. D, h. eingerichtet, beschassen, -s-s-s-) Kappe, ein Kleid sowohl über den Kops als über den Leib; Mantel (die spanische sapa, davon eapilla und eapote).

S riedreich, Gesch, d. Räthsett. S

Bnd thu recht wie ein Apt gebern,
Vnd antwort, wie du weyßt zun sachen
Ich weyß jetzt besser nit zu machen,
Richtstus wol auß will dich begaben
Das du dein lebtag gnug solt haben,
Ich hab michs doch wol halb getrost
Bnd würd ich so durch dich erlößt,
Es wer sürwar ein grosses wunder,
Er sprach, solgt mir in dem jetzunder,
Wie ich gesagt hab also thut
Vnd habt derhalb ein guten muth.
Des morgens legt die Kappen an
Vnd trat her in des Apts person
Fürn Fürsten, das er antwort geb,
Sprach, gnediger Herr, das ich anheb
Wie mir ewr gnad hat aussgelegt,
Weil sich's denn jetzt also zutregt,
Die erst srag, die mir sür gestellt
Sich der gestalt vnd Massen helt,
Der Himmel ist nit (wie man meyut)
So hoch, wie er dasür vns scheint,
Ein kleine tagveyß, auch nit mehr,
Mit gmeynem spruch ich das bewer,
Da Ehristus seinen Jüngern schwur
Darnach hinauss zum Vater suhr,
Gschahs vor Mittag am heilgen ort,
Denselben abent war er dort.
Das Meer dadurch lausssen die Schiss s
Ist auch nit (wie man meint) so tiess
Das man sich drumb bekümmern darss
Ist nit mehr denn ein ebner Steinworsss,
Vnd wie viel küssen oder Töpsssen
Man dörfft, das Meer darin zu schöpsssen,
Wo man ein het die groß gnug wer
So dörsst man sonst kein machen mehr.
Das vierdte stück merckt auch dabev
Wie weit glück von dem vnglück sey,
Das ist, wie ich mich hab bedacht
Nit weiter denn ein tag vnd nacht,
Recht*) mußt ich hintern Sewen traben
Ietzt bin ich zu eim Apt erhaben,
Vnd der Apt ist auß seinem Orden
Kummen vnd zu eim Sewhirt worden,

*) D. h. gestern Abends.

So kurtz sich das glUckradt vmbwendt.

Der Fürst bald mercket all' vmbstendt

Bhagt jm wol des Gesellen red

Das er so weißlich gantwort het,

Vnd sprach, sür dein geschicklichkeit

Soltu bey all der herrligkeit

Dazu bey all den gütern bleiben

Vnd laß den Mönch die Sew heim treiben.

H31. Als Thema eines Lustspiels hat Contessa das Rätsel benützt, und im Jahre 1805 ein kleines Lustspiel unter dem Titel „das Rätsel" herausgegeben. Es spielen drei Personen: Elise, Karl und dessen Oheim. Elise und Karl sind Verlobte, aber auch der Oheim ist in Elise verliebt. Nun erhält Karl von seinem Freunde Wilhelm einen Bries mit einem Rätsel zugeschickt, welches Elise, welche sich gerne und mit Glück mit Ausgeben und Lösen von Rätseln abgibt, auslösen soll; die Auslösung des Räthscls ist in einem versiegelten Zettel beigelegt, mit der Bedingung, daß derselbe nicht eher geössnet werden dars, als bis Wilhelm, der aus den solgenden Tag dem Onkel einen Besuch zugesagt hat, selbst angekommen sei. Elise, aus Besorgniß, das Rätsel bis zur Ankunst Wilhelms vielleicht nicht gelöst zu haben und so an ihrem Ruhme als scharssinnige Rätsellöserin zu verlieren, verlangt von Karl den verschlossenen Zettel, welcher sich aber sest an die von Wilhelm gemachte Bedingung hält, und ihn nicht hergibt, wodurch Elise sich sehr gekränkt sühlt, an Karl's Liebe zweiselt und mit ihm schmollt. Da muß nun der Oheim den Vermittler zwischen Beiden machen, und, als er Elise mit Karl auszusöhnen sucht, ergibt sich das komische Mißverständniß, daß er, der bei dieser Gelegenheit Elisen einen verblümten Liebesantrag macht, glaubt, in Elisens Aeußerungen, die sich natürlich nur aus Karl bezogen, Erhörung seines Antrages zu sinden. Da erscheint Karl, der Oheim theilt ihm sein Glück mit, Karl kann ihn nicht begreisen, auch Elise erkennt ein Mißverständniß an, und der Onkel sühlt sich beschämt; an dieser Verwirrung trägt das Rätsel Schuld und es wird beschlossen, den Zettel zu össnen, in welchem steht: „das Rätsel ist das Weib." Das Rätsel hieß so:

Den höchsten Reiz, das süßeste Vergnügen
Mit Einer Silbe hast du sie genannt,
Es ist gemacht, um überall zu siegen,
Doch unbewehrt, den Palmzweig in der Hand.
Das Schönste, was des Künstlers Phantasie
Sich je erflog aus ihren kühnsten Flügen,
Es mußte sich in seine Formen schmiegen,

e*

Und es entzückt das Auge nur durch sie.

Und eine Blume reicht es dir allein,

Aus Himmelsgärten trug ein Gott sie nieder;

Im dunklen Thal erwachsen süße Lieder,

Vom Himmel schaute Morgeuroth herein.

Dein Führer durch der Kindheit Dämm'rungsauen,

Begleiter in der Iugend goldnem Licht,

Und dich erquickend, wenn der Mittag sticht,

Kann dir's allein den Erdenhimmel bauen.

Doch ist, wenn wir den bösen Zungen trauen,

Der Himmel auch ohn' Ungewitter nicht.

IV.

H 32. Da das Ausgeben und Lösen von Rätseln einen bestimmten Grad von Wissen, von Verstand und Scharssinn voraussetzt, so erscheint das Rä'thsel nicht allein als ein Sinnbild der Weisheit selbst, und ist auch selbstbelehrend, sondern es kann auch dazu dienen, um die geistigen Fähigkeiten eines Andern zu prüsen.

H 38. Als Sinnbild der Weisheit erscheint das Rätsel in der griechischen Mythe von der Sphynx (auch ?Kix genannt), welche Folgendes erzählt*). Here, die Gemahlin des Zeus, über die Thebaner erzürnt, hatte ihnen die verderbenbringende Sphynx als Strase zugesendet, ein Ungeheuer mit einem Mädcheukopse, weiblichen Brüsten, dem Körper eines Löwen oder einer Hündin, mit einem Drachenschwanze und Flügeln**),

*) Es ist hier nicht der Ort diese Mythe aussiihrlich darzustellen; zu unserem Zwecke genügt das Angegebene. Wer Mehreres über die Sphynz «nd die mit ihr verbundene Oedipussage lesen will, wird aus solgende Schriften verwiesen: Paulo, Realencyklopadie der klassisch. Alterthumswissensch. VI. B. S. 1377, V. Bd. S. 873, woselbst auch die hierher gehörige alte Literatur angegeben ist. Richter, Phantasien des Alterthums, I. Thl. Dessau 1808, S. 1S3. Schwenk, Mythologie der Griechen, Franks. 1843. S. 532. Meine Realien in der Iliade und Odyssee, 2. Aufl. Erlang. 185s, S. 485. Nork, etymologisch-symbolisch-mythologisches Realwörterb. IV. Bd. Stuttg. 1845, S. 305.

**) Es gab auch noch andere Zusammensetzungen: vorne ein Löwe, hinten ein Mensch, mit Greissklauen und Adlersflügeln. Aus einer Münze des Kaisers Hadrian sieht man die Sphynr mit weiblichen Brüsten vorne, und mit Thierbrüsten unter dem Bauche, sitzend, mit dem Vordersuße ein Rad haltend, und aus dem Kopse ein Kornmaaß tragend.

welches mit menschlicher Stimme redete, seinen Ausenthalt aus einem Berge bei Theben hatte, den Vorübergehenden ein Rätsel vorlegte*), und den, der es nicht lösen konnte, tödtete. Dieses Rätsel, welches sie ausgab, hieß:

„Welches Thier geht Morgens aus vier, Mittags aus zwei, und Abends aus drei Füßen."

Niemand konnte dieses Rätsel lösen, und da bereits schon mehrere Thebaner von der Sphynr getödtct worden waren, so setzte König Kreon, als auch sein Sohn Hämon ein Opser der Sphynr geworden, Herrschast und Hand seiner Schwester Iokaste aus die Lösung. Da erschien Oedipus und löste das Rätsel**) solgendermaßen:

„Es ist der Mensch, der als Kind aus Händen und Füßen kriecht, als Mann gerade aus zwei Füßen geht, und als Greis den stützenden Stab zu Hülse nehmen muß."

So wie das Rätsel gelöst war, stürzte sich die Sphynr vom Berge herab, war todt***), Theben war von diesem Ungeheuer sür immer besreit, und Oedipus erhielt das Reich und die Iokaste zur Gemahlin. — Erwähnenswerth dürste noch sein, daß diese Sphynxsage östers von der Kunst bildlich dargestellt ist f), wobei wir aber wohl unterscheiden müssen, ob sich die Kunstdarstellung aus die Zusammenkunst des Oedipus mit der Sphynr, oder daraus bezieht, wie die Sphynr die Thebaner, welche das
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Rätsel nicht lösen konnten, hinwegrafft. Jahn hat sich besonders bemüht, diesen Unterschied sestzustellen. Aus Oedipus werden am sichersten jene Kunstwerke bezogen, wo der aus einem Felsen, seltener aus einer Säule oder einem Altare sitzenden Sphynr ein ruhig stehender oder sitzender Mann gegenüber sich besindet, der durch Haltung und Geberde zu erkennen gibt, daß er das Rätsel zu errathen beschäftigt sei; Oedipus ist meistens jugendlich, nur einmal bärtig, bekleidet oder auch nackt dargestellt, gewöhnlich mit einer oder zwei Lanzen oder mit einer Keule bewassnet, oder stützt sich aus einen Stab; er ist nicht immer allein, sondern zuweilen von einem Genossen begleitet. Zweiselhast wird die Deutung aus Oedipus bei einem Vasenbilde, wo vor der Sphynr ein Jüngling sitzt, und außerdem aus der einen Seite zwei Epheben, aus der andern ein bärtiger Mann und ein Jüngling stehen, alle mit der Lösung des Rätsels beschästigt, was sie theils durch stilles Nachsinnen, theils durch lebhafte Geberdcn kund thun; hier sührt theils die zahlreiche Versammlung, theils der Umstand, daß die Sphynr dem vor ihr sitzenden Jünglinge die Klaue aus das Knie legt, zu der Ansicht, daß Thebaner vorgestellt sind, welche vergeblich das Rätsel zu lösen versuchen, ehe Oedipus zu ihnen kam; dieselbe Deutung gilt auch noch sür andere vorhandene Kunstdarstellungen, wo die Sphynr einen Fuß nach den bei ihr stehenden Fignren entweder ausstreckt, oder ihn aus dieselben legt. Aus andern Kunstwerken sehen wir es zu einem Kampse kommen: aus einem Vasenbilde sehen wir die Sphynr hinter einer Säule lauernd, mit erhobenem Fuße zum Ansprunge bereit, und aus einer Gemme, wie sie mit einem großen Satze aus einen Jüngling zuspringt, und sich an dessen vorgehaltenen Schild anklammert, er aber von Entsetzen ergriffen, kaum noch Krast zu haben scheint das Schwert gegen sie zu gebrauchen. Aus einem Vasenbilde bekämpst ein Jüngling die vor ihm kauernde Sphynr mit einer Keule; diese Darstellung hat man mit Unrecht aus Oedipus bezogen, denn Oedipus besiegt die Sphynr nicht im Kampse, sondern dadurch, daß er ihr Rätsel löst, und dies ist der charakteristische Zug der Sage: erst nachdem sie von ihm aus diese Weise besiegt worden ist, wie sie besiegt werden konnte, tödtct sie sich selbst oder bietet sich dem Oedipus zum Tode an, und so sehen wir auch den Oedipus aus Gemmen im Begriffe die Sphynr mit dem Schwerte zu tödten, aber hier ist keine Spur von einem Widerstande von ihrer Seite, nichts deutet aus einen vorausgegangenen Kamps, vielmehr gleicht die Handlung einem Opser. Sieht man aber, wie der Kamps mit der Sphynr zum Verderben des mit ihr Kämpsenden ausgeht, so ist nicht zu zweiseln, daß nicht Oedipus, sondern thebanische
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nibus ataue peckibus, lIua^rupeckie^ue similis meeäit^). Klox erigit sese, et bives gressum, Illgrsvesoeute setate soipionis aäminieuls peges Lrmat, ato.ue tum üt tripes. ?anäem vel morbs vel extreina seneetute, o.use et ipsa morbus est, frsotus, iuoessum prorsus reääitur iueptus, quslis et in ixss orta iuerat, at^ue tuns äeous üt quaärupes."

In einer alten deutschen Handschrist zu Karlsruhe sand Mone**) dasselbe Riithsel so:

Wenn es an dem Morgen aus stät,

vier suß es an im hat;

so es mitten tag Wirt,

so sind im zwen süß beschert;

so die nacht her gat,

us drien süssen es stat.

Wollen wir nun die griechische Sphynxmythe deuten, so müssen wir uns vorerst die egyptische Sphynr vorsühren. Kolossale Steinbilder, gewöhnlich aus Granit oder Porphyr, mit dem Gesichte und der Brust eines Weibes, im Uebrigen ein liegender Löwe, manchmal mit einem Bärtchen am Kinn, oder auch mit Widder- oder Sperberköpsen; solche phantastische Gebilde standen in Egypten am Eingange der Tempel, und wohl auch in denselben, als hätten sie die Wache in Beziehung aus Geheimdienst; man bettachtete sie im Allgemeinen als die mystischen Hüter und Schutzgeister der Tempel und als Symbole der Priesterweisheit. Bei den Egyptiern war also Sphynzc das Sinnbild der Stärke mit Weisheit verbunden; die Griechen nun erhielten von den Egyptiern, wahrscheinlich durch die Phönizier, Begriff und Figur, nur wurde beides von den Griechen etwas modisicirt; der Begriff der Stärke wurde mit der Grausamkeit vergesellschastet, und die Weisheit wurde durch die Rätselsprache dargestellt. Nun gelangen wir zu den Sinn, welcher dem Rätsel der griechischen Sphynr zu Grunde liegt und den Lasaulr***) solgendermaßen entwickelt hat. „Daß Oedipus das Rätsel der Sphynr gelöst habe, heißt objectivc nichts anderes, als daß die in sich abgeschlossene und verschlossene Natur des egyptischen Wesens durch und in dem griechischen Geist ausgeschlossen sei. Es ist also in diesem Zuge des sinureichen Mythus das Verhältnisz des Griechenthums zu Egypten ausgedrückt. Das alte an Rätseln reiche Wunderland Egypten bildet im Zusammenhang der weltgeschichtlichen Bewegung der Menschheit,

*) Derselbe Ausdruck kommt bei OviS, metam. XV, 3 vor: Miws in lueem zaeuit sine viribus iutaus; Uox qusLrupes, rituque tulit sua memdra ter«nm. **) Anzeiger sür Kunde der teutschen Vorzeit, Iahrg. 1838. ***) Ueber den Sinn der Oedipussage; Würzburg, l84l.
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deren Ziel Freiheit ist, die nächste Vorstuse sür Hellas. Das Gricchenthum hat das egyptische Wesen zu seiner Vergangenheit; was dieses verschlossen in sich hatte, ist in jenem ossenbar geworden, sowohl in Theologie, Philosophie und Kunst, als im Staatslebeu. Das höchste Resultat der egyptischen Theologie ist in der berühmten Inschrist des verschleierten Bildes der Ncith zu Sais ausgesprochen: „Ich bin was war, was ist, was sein wird, und meinen Schleier hat kein Sterblicher gelüftet; die Frucht aber, die ich gebar, ward Helios." Der lichte Gott der Hellenen dagegen, Apollon, begrüßte Ieden, der zu ihm kam, mit dem Spruche: „Mensch erkenne dich selbst", der im Pronaon des Delphischen Tempels in goldener Schrist gelesen wurde. Während dieses Fundamentalgcbot echter Philosophie, /,'oiSt <7«vrox, den Griechen als Basis jeder Erkenntniß sowohl als That' krast galt; indem ein Leben ohne Sclbstersorschung, wie Socrates lehrt, gar nicht gelebt zu werden verdiene, und nur die Selbsterkenntnis; den Weg zur Vergötterung bahnt, wird uns von den Egyptern ausdrücklich bezeugt, daß ihre Philosophie größtentheils in Mythen snd Sagen verhüllt war, die nur ein schwaches Abbild der Wahrheit durchblicken ließen, und daß ihre Theologie, wie auch die vor den Tempeln ausgestellten Sphynxe andeuten, nur rätselhaste Weisheit enthielt. In dem Rätsel der griechischen Sphhnr wird aber deutlich als Inhalt desselben der Mensch ausgesprochen; was aber der Mensch sei, haben die Egyptier nicht hiureichend durchsorscht, sondern erst die Griechen haben es erkannt. Sie waren ein echt menschliches Volk, menschlich aber mit allen Schwächen uud Sünden des natürlichen Menschen, und die daraus hervorgehende Unseligkeit des Lebens hat kein Volk tieser empsunden, als sie. Denn mitten durch die äußere Herrlichkeit und Freude des hellenischen Lebens zieht vom Anbeginn bis zum Untergang desselben ein tieser Klagclaut: ihre größten Weisen und Dichter haben es wiederholt ausgesprochen, daß man keinen Sterblichen glücklich preisen solle vor seinem Ende*), und haben es bitter beklagt, daß er sterben müsse**).

*) Iiasaulx, äe mvrtis äoininatu iu veteres r>. 51. Leroäot I, 32. **) Dies ist besonders bei Homer östers ausgesprochen, und selbst von den tapsersten Helden wird es beklagt, daß der Mensch ein jammervolles und unbeständiges Geschöps sei, ^1. XVII, 446. Ogyss, XVIII, 13s, und das Iammerloos, das ihm beschieden ist, liege vorzugsweise darin, daß er sterben müsse, und das sind die o<5v(>ot /Zporvt (unglücklichen Sterblichen) Uäzss. IV, 197. ^1. XIII, 569. Die Vergänglichkeit des Lebens wird .N. VI, 146 mit den Blättern verglichen, die vom Baume sallen und vom Winde verweht werden. Daher wird vom Tode nur mit Unmuth und Furcht gesprochen, und eben so vom Ausenthaltsorte der Abgeschiedenen, dem Hades, und Achilles sagt 0Sxss, XI, 489. er wolle lieber bei einem Armen Knecht als König des Schatteureiches sein; selbst den olympischen Göttern erscheint, nach ^l. XX, 64 der Ausenthaltsort der Todten verhaßt.

H 34. Das Rätsel kann belehren, und somit ein didaktisches Rätsel genannt werden, welches auch, wahrscheinlich seines größeren Nmsanges wegen, unter dem Namen Streckrätsel vorkommt.

l. Das Erste ist eine Gegend der Welt, von welcher wir noch nicht recht wissen, ob und von wem sie bewohnt ist, und die noch niemals der Fuß eines Europaers betreten hat; gleichwohl verkaust man in Europa topographische Karten, die ungesähr die Hälste desselben weit specieller darstellen, als die gewöhnlichen Karten europäischer Länder. Der Umstand, daß wir die Bewohner dieser Gegend nicht kennen, ist schon von mehreren Dichtern dazu benutzt wor, den, dieselbe mit den Geschöpsen ihrer Phantasie zu bevölkern. Der sranzösische Hospoet Alphonse de Lamartine hat sogar die dichterische Hypothese ausgestellt, daß daselbst gar keine wirklichen Wesen lebten, sondern bloß mögliche, und daß der liebe Gott dort gleichsam eine Plankammer, oder ein Kabinet von Zeichnungen solcher Geschöpse angelegt habe, die er schassen könnte, wenn er wollte. Der Flächeninhalt ist ziemlich sicheren Berechnungen nach so groß, daß, wenn Philipp der Zweite von Spanien König davon gewesen wäre, er mit noch weit mehr Rechte hätte sagen können: „die Sonne geht in meinem Staat nicht unter;" ja er hätte sogar hinzusetzen können: „und der Mond nicht aus." Bei den alten Römern war es der Name einer Gottheit, und auch die chinesischen Mongolen, die der Religion des Fo zugethan sind, scheinen es sür eine Art von Gottheit zu halten; denn sie glauben, daß es die Macht habe, durch die verschiedenen Veränderungen seines Gesichtes die verschiedenen Lebensalter ihres Katuchta's oder unsterblichen Oberpriesters zu bestimmen, und dieselben zu Kindern, Jünglingen, Männern, Greisen, und dann wieder rückwärts zu Männern, Jünglingen und Kindern zu machen, woraus sich denn allerdings deren Unsterblichkeit leicht erklären lassen würde. Nach den Gesetzen der Optik oder Sehwissenschast erscheinen uns bekanntlich die Gegenstände um so kleiner, je entsernter wir davon sind. Dieses Ding macht eine Ausnahme von der Regel: es läßt sich mathematisch beweisen, daß wir weiter davon sind, wenn es uns größer, und näher dabei, wenn es uns kleiner vorkommt. — Das Zweite. Ein Wild erzeugt im Walde das Zweite, und es wird nichts desto, weniger im Stalle geboren. Widernatürlich ist diese Herkunst keineswegs, aber sür illegitim könnte man sie halten; denn nach einem alten deutschen Gewohnheitsrechte wird es weder unter des Vaters noch unter der Mutter Namen in die Geburtslisten eingetragen, und muß sich dessen erst würdig machen durch die Erlangung der elterlichen Eigenschasten und Fähigkeiten. Sein eigner Name ist zwar an und sür sich eben nicht zu poetischem Gebrauche geeignet; aber er hat doch die Eigenheit, daß er sich mit jedem Dinge in der Welt reimen läßt durch einen sehr einsacheil rhetorischen Kunstgriss, welcher darin besteht, daß man xsrtem pro toto, d. h. einen Theil sür das Ganze setzt. Es liesert den Resonanzboden eines musikalischen Jnstrumentes, dessen Wirkung stärker ist, als die von Oberon's Horn, indem es die Leute zwingt, nicht nur nach sremder Pseise zu tanzen, sondern auch unter dem sürchterlichsten Blitz,, Donner, und Hagelwetter gewissermaßen im Takte zu bleiben. Jm Kriege

gebraucht man dies Jnstrument unter andern auch dazn, die Soldaten vor den ersten Wirkungen der seindlichen Äugeln zu schützen. Es liesert einen schmack, haften Braten in die Küche, aber ich halte es sür abgeschmackt, ihn nach der von Jean Paul ersundenen, neuen Orthographie der Stamm,Wörter zu schreiben, die durch Weglassung des bindenden Halbvokales s alle Landsleute in Landleute zu verwandeln, und die Wassersnoth, d. i. die Ueberschwemmung, mit der Wassernoth, d, i. dem Wassermangel, zu verwechseln droht. Aus Schwein darsst du also nicht rathen, denn dessen Braten kann gar süglich ohne s geschrieben werden, wenn schon nicht ohne S- — Das Ganze. Vom Manne wird es erzengt und vom Weibe geboren, und doch ist es kein Menschenkind und kein Thier, sonders eine Erscheinung in der Natur, welche ihren Namen erhalten zu haben scheint von einem Aberglauben, der dieselbe sür eine Wirkung des Ersten hält. Also eine Ausgeburt der Phantasie? Jch glaube kaum, ob, schon es bildlich auch im Reiche der Dichtkunst vorkommt, besonders als Trauerspiel.

sAuslösung. Das Erste ist Mond. Die Mondkarten sind insoserne speciel, ler als die Erdlandkarten, inwiesern sie alle dem bewassneten Auge unterscheid, baren Erhöhungen und Bertiesungen zeigen, und gleichsam ein Porträt der Mondoberfläche sind; aber nur von der Hälfte, weil der Mond uns immer die nämliche Seite znkehrt. De Lamartine schildert*) die Mondbewohner »nter andern so:

Sortis äemi - formes ckes mains clu 1'out>?uissant,

Iis tienveut ä Iä tois äe I'etre et cku neant. —

Usis ils sont äux regaräs äe Oien qui les tit näitre,

I/imsge äu possible et les «mores äe I'etre.

?ous les etres tuturs, au neant errraekes,

^pparoisseot ä'svimee en leurs ^enx ^bauenes. Der Mond geht natürlich im Monde nie aus. Den erwähnten Aberglauben der Mongolen erzählt Timkowski*"). Bei Aus, und Untergange sieht der Mond weit größer aus, als wenn er culminirt (durch den Meridian geht, vnlgo: hoch am Himmel steht), er ist aber dem Beschauer aus der Erde im letzteren Falle ungesähr um den Halbmesser der Erde näher, als im ersteren; denn vom Erdcentrum steht er in beiden Fällen gleich weit ab, aber da der Beschauer um die Erdare sich drehet, so kommt er dem Monde bald mehr bald weniger nahe, und ist ihm nun desto näher, je näher der Mond dem Scheitelpunkte sich besindet. Am allernächsten natürlich, wenn er ganz im Scheitelpunkte steht, wo die Entsernung des Beschauers vom Monde netto um den Erdhalbmesser kleiner ist, als die Entsernung des Mondes vom Erdcentrum; denn die letztere ist aus der ersteren, und aus der Entsernung des Beschauers vom Erdencentrum zusammengesetzt. Man hat diese Erscheinung, daß der Mond am Horizonte größer aussieht, als in der Nähe des Zenith,
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aus einer Täuschung der Urtheilskrast entstehend erklären wollen. Sehen wir den Mond am Horizonte, so sehen wir zugleich Gegenstände zwischen uns und ihm; steht er hoch am Himmel, so sehen wir keine oder weniger. Die Urtheilskrast, sagt man, schätzt ihn daher im ersteren Falle entsernter als im letzteren, und da er gleichwohl in beiden Fällen aus das Auge gleichmäßig wirken (aus der Netzhaut ein gleichgroßes Bild geben) muß, so macht sie der Seele weiß, er sei im ersten Falle größer als im zweiten. Das will mir nicht recht in den Kops, Alle Gegenstände erscheinen kleiner, je näher sie dem Zenith kommen. Man pflanze eine Scheibe aus einen hohen und steilen Berg, eine gleichgroße in gleicher Entsernung in die Ebene. Die erhöhte erscheint immer kleiner, schmäler als die andere, und gleichwohl steht man in letzterem Falle die Reihe der Zwischen,Gegenstände verkürzt, im ersteren überschaut man den Weg unter größeren Winkeln, man sieht mehr Zwischengegenstände: wie sollte die Urtheilskrast hier in den Jrrthum versallen können, der horizontale Weg sei länger als der aussteigende? Jch bin aus einen andern Einsall gekommen. Warum lies't man liegend, und das Buch über sich haltend, nicht so bequem als sitzend und das Buch vor sich? Warum erscheint in jenem Falle die Schrift unerkennbarer, kleiner? Jch denke, weil die Lustsäule um so stärker aus den Mittelpunkt des Auges drückt, je mehr sich derselbe nach dem Zenith hinrichtet. Dieser Druck verändert vielleicht die Distanz der Gläser, woraus der Operngucker unseres Auges zusammengesetzt ist, und dadurch würde sich die Vergrößerung und Verkleinerung quaestiuvis leicht erklären lassen. Man wird, in Bezug aus den Mond namentlich, einwenden: „die Täuschung verschwindet ja im Fernrohre, selbst im Rohre ohne Gläser; der scheinbare Monddiameter behält immer gleiches Maaß, er stehe am Horizont oder hoch am Himmel." Gleiches Maaß, allerdings; aber Maaß und Schätzung der Sensation sind verschiedene Dinge. Messe ich den Mond im Horizont, so sinde ich zwar, daß sein scheinbarer Diameter nicht größer ist, als im Zenith; aber seh ich ihn bloß an, so sieht er mir größer aus. Ja, ich glaube, das ganze Sehseld des Rohres sieht mir größer aus, obschon es das nämliche ist. Man schaue durch ein Blaserohr, erst horizontal, dann gerad auswärts, und srage die Sensation, ob ihr nicht im letzteren Falle der Kaliber kleiner vorkommt, obschon die Urtheilskrast ihr siegreich widerspricht, weil sie weiß, es ist dasselbe Rohr, — Die zweite Silbe ist Kalb, Die Hirschkuh bringt ein Kalb, die Stallkuh auch. Das Gewohnheitsrecht ist die Sprache. Man nehme „halb", was man will, so läßt sich Kalb daraus reimen. Das musikalische Jnstrument ist die mit dem Kalbssell überzogene Trommel. Kalbbraten sür Kalbsbraten klingt abgeschmackt, — Das Ganze ist Mondkalb, gleichbedeutend mit Mole (Mondkind, Windei, Mutterkalb). Die Mole ist eine unsörmige, häutige, fleischartige Masse, welche in der Gebärmutter gebildet wird, daselbst während ihres Ausenthaltes eine der Schwangerschast ähnliche Austreibung des Unterleibes hervorbringt, und unter wehenartigen Schmerzen durch die äußeren Geburtstheile ausgestoßen wird, jedoch ohne alle Fähigkeit sich zn einem außerhalb der Mutter sortzusetzenden selbstständigen Leben auszubilden. Man unterscheidet wahre und salsche Molen, Die wahren sind wirklich besruchtete Eier, die Folge eines Beischlases und einer uuregelmäßigen Empsängnis), und ge» wöhnlich ist eine krankhast wuchernde Bildung des Eies und des Mutterkuchens bei gehemmter Ausbildung des Fötus die Ursache dieser Asterbildung, in welcher man übrigens einzelne deutlich gebildete Theile einer Frucht sindet. Die salsche Mole setzt keinen Beischlas und keine Empsängniß voraus, sondern ist nur das Produkt einer krankhasten Thätigkeit der Gebärmutter, einer krankhaft gesteigerten Plastizität ihrer innern Haut, Ausschwitzung von Faserstosss, geronnenes Blut, und man sindet in ihr keine ausgebildeten Theile einer Frucht,

2. Ich stamme gleich dem Menschengeschlechte aus Asien, und bin der kolossalste Riese und zugleich ein kaum bemerkbarer Zwerg. Ich wohne zu ebener Erde, im mittlern Stock und unterm Dache. Meine Wohnung ist durch Grauen erregende Namen bezeichnet. Ich bin halb todt und halb lebendig. Menschen und Thiere verstehen mich sehr gut anzuwenden; doch bedürsen sie meiner nicht zum Leben, Vor mir kann sich Dummheit nicht verbergen, und die Verachtung, welche ich gegen andere Geschöpse kundgebe, sieht man mir vom Fuß bis zum Scheitel an. Wenn ich einen Schlag oder Stoß erhalte, reiß ich oft zur Bewunderung hin. Mein Austreten erregt überall einen gewissen Schrecken; nur einzelne Menschen hegen keine Furcht vor mir. Der Grund und Boden, aus welchem ich siehe, besitzt die Eigenthümlichkeit, daß er von dem Gerüste, aus welchem meine Wohnung erbaut ist, vollständig unabhängig ist. Wenn ich mich ergehe, richte ich mich in meinen Kreuz- und Querzügen je nach der Laune, die ich eben besitze. Ich gehe aus glatten und gebahnten Wegen, oft aber auch über gesährliche Abgründe, lege bisweilen zu besonderen Zwecken einen Harnisch an, und trete nicht selten als ein kampsgeübter Held aus. Meine kriegerischen Eigenschasten sind durch die Aussprüche der größten Männer des Erdeurundes documentirt. Doch werde ich auch gesürchtet als ein ruchloser, hinterlistiger Todtschläger, Ich bin sür den Selbstmord das imposanteste Tödwngsmittel, welches Gist und Dolch, Strick und Kugel, Wassersluth und Locomotiveuräder übertrisst, indem Ieder mich stets zur Hand hat, während aber nur die schwärzesten Seelen sich meiner bedienen. Vor einem unter meinem Einflusse verlausenden Rigorosum müssen die tüchtigsten Geister erzittern. Der strengste Examinator, sühle ich Iedem, mit nur ganz besonderen Ausnahmen, schars aus den Zahn und scheue mich hierin selbst vor den höchsten und angesehensten Personen nicht. Vor meiner examinatorischen Strenge haben nur diejenigen Ruhe, denen ich nicht gewachsen bin. In den Tiesen der Erde, wie in den Höhen des Himmels, aus den Schollen des Landes, wie aus den Wogen des Meeres, in allen Zweigen der Wissenschast und Kunst, wie bei den einsachsten Gewerben bin ich zu sinden. Als Einsiedler bin ich in der Barbarei zu Hause, halte mich häusig an den Küsten des Meeres aus, und schaue von den Masten der Schisse, wie von den Dächern der Hauser herab. Kurz, ich lebe aus dem ganzen Erdeurunde, besitze aber in jedem Lande eine andere Gestalt und einen andern Geist, Ich werde von sremden Nationen ost bekämpst, bin
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*) Rätsel und Auslösung sind von Müllner, in s. Mitternachtsblatt, 1827. Nr. 174 und 192.

dann stets ein hartnäckiger Gegner, doch nicht unüberwindlich. Auch sindet man mich häusig in der Bibel und in der Kirche, die ich nie verlasse, bilde ich eine ganze Gesellschast, Jm Kirchthurme weile ich ebensalls, doch in so eigen, thümlich versteckter Weise, daß mich schwerlich eines Menschen Auge entdecken wird. Ohne mich mußte ost die Monate lange Arbeit des Bergmanns als vollständig versehlt eingestellt werden; der Jäger braucht mich, um den Fuchs zu sangen, und im Kriege würden ohne mich die Minen dem Feinde keinen Schaden bringen. Wäre ich nicht vorhanden, so würden Bälle und Conzerte veröden, der Lampenputzer beim Theater würde seine Funktionen nicht verrichten können, die Pserde würden in ihren Ställen revoltiren, die Ochsen würden den Pflug stehen lassen, die Türken würden in ihrer Religion erkalten, die Gesechte mit den Wilden würden an Gesährlichkeit gewinnen, die Zahl der alten Jung, sern würde sich mehren, Krähwinkel und Schöppenstädt würden in besserem Ansehen stehen, und das ganze Erdenrund würde von Sansculotten wimmeln. Durch eine von mir erlassene Generalbestimmung sorge ich in Handel und Wandel sür die Wohlsahrt des Publikums, Man sindet mich beim Töpser, beim Tuchmacher, an Schornsteinen, nnd ein als gesährliches Raubthier bekanntes Jndividuum soll mich sogar tausendmal besitzen. Jn der Naturgeschichte hänge ich an einer Menge von Pflanzen und Thieren. Die Psychologie, die Pädagogik, die Medicin lehrt mich kennen, der Physiker weiß mich bei der Lehre vom Galvanismus zu schätzen, ohne mich würde die Hebelkrast in Nichts zusammensinken. Der Raucher liebt mich, wenn ich mit dem Tabak verbunden bin. Jch werde als Speise genossen. Mancher nimmt mich bei einer einzigen Mahlzeit in großen Massen zu sich, während ich sonst in einem einzigen Exem, plar zur Sättigung einer ganzen Familie beitrage. Man bezahlt mich mit hohen Preisen, und gibt auch nur wenige Thaler sür mich aus. Je theuerer aber ich bin, desto weniger bin ich gewöhnlich werth. Manchen Menschen habe ich dahin gebracht, daß er mit Selbstmordgedanken umging. Mir dient eine Legion von Narren, die ich so weit verwirre, daß sie in ihrem perplexen Zustande sich mit Thieren verwechseln. Bei all' dieser so vielsältigen Thütigkeit endlich besitze ich eine so sabelhaste und merkwürdige Ausdauer, daß bei der größten Anstrengung nie ich selbst, sondern nur diejenigen ermüden, welche mir zur Hülse beigegeben sind.

^Auslösung. Die Zunge. Die Zunge stammt mit dem Menschengeschlechte aus Asien. Als Landzunge ist sie der kolossalste Riese, als Zunge der kleinsten Thiers ein kaum bemerkbarer Zwerg. Die Zunge wohnt mit dem Menschen zu ebener Erde, im mittleren Stocke und unter dem Dache, Jhre Wohnung ist durch Grauen erregende Namen, als: Schlund, Rüssel, Rachen, Schnauze :c. bezeichnet. Sie ist todt als Erdzunge, lebendig als Zunge in thierischen Körpern, Menschen und Thiere verstehen die Zunge gut anzuwenden, doch bedürsen sie ihrer nicht zum Leben, da weder Menschen noch Thiere mit dem Verluste der Zunge auch das Leben einbüßen. Vor der Zunge (Fragen) kann sich die Dummheit nicht verbergen. Die in ihrer ganzen Länge herausgereckte Zunge ist ein vulgäres Zeichen der Verachtung. Wenn das Wort Zunge mit „Schlag" oder „Stoß" in Verbindung tritt, so entsteht der „Zungenschlag" oder „Zungen, stoß", wodurch aus Blasinstrumenten der Hörer oft zur Bewunderung hinge» rissen wird. Eine herausgestreckte Zunge ist den Meisten unangenehm; nur einzelne Menschen, die Aerzte, scheuen die Betrachtung derselben nicht. Der Grund und Boden der Zunge, das Zungenbein, ist der einzige Knochen am ganzen Körper, der mit dem Knochensysteme nicht zusammenhängt. Beim Reden macht die Zunge alle möglichen Wendungen, Kreuz» und Ouerzüge. Aus glatten und gebahnten Wegen geht sie, wenn sie über gewöhnliche Dinge spricht, über Abgründe, wenn sie gesährliche Dinge unvorsichtig berührt. Im Eiser und im Zorne legt sie einen Harnisch an (geharnischte Zunge), bei Disputationen bewährt sie sich als kampsgeiibter Held, Ihre kriegerischen Eigenschasten sind durch die Aussprüche großer Männer documentirt; wir lesen z. B. im Propheten Ieremias: „sie schießen mit ihren Zungen eitel Lügen"; in dem Psalmisten: „deine Zunge trachtet nach Schaden und schneidet mit Lügen wie ein scharses Scheermesser" und „ihre Zungen sind scharse Schwerter"*); bei Ieremias: „kommt her, laßt uns ihn mit den Zungen todtschlagen"**). Durch das Letztere, den durch sie ost herbeigesührten moralischen Todtschlag, ist sie zugleich als hinterlistiger und ruchloser Todlschläger bezeichnet. Für den Selbstmord ist die Zunge ein unsehlbares Tödtungsmittel, die s, g. Zungeiwerschluckung, ein Erstickungstod, durch welchen sich ost Negersclaven der Grausam keit ihrer Herren entziehen***). Ein Rigorosum unter dem Einflusse der Zunge (Sprache) macht ost die tüchtigsten Geister erzittern. Die Zunge sühlt, wörtlich genommen, Iedem schars aus den Zahn, resp. aus die Zähne, nur denen nicht, welche keine mehr haben. Vor ihrer examinatorischen Strenge haben nur diejenigen Ruhe, denen die Zunge noch nicht (groß) gewachsen ist, d. i, Kinder, die noch keinen Examen zu bestehen haben. In den Tiesen der Erde (bei Bergleuten und in der Erde lebenden Thicren), in den Höhen des Himmels (Vögel), q„«us den Schollen des Landes, wie aus den Wogen des Meeres (bei lebenden Geschöpsen aus dem Lande und im Wasser), in allen Zweigen der Wissenschast und Kunst (als Sprache), wie bei den einsachsten Gewerben (als technischer Ausdruck) ist die Zunge zu sinden. Als Einsiedler ist sie in der Barbarei zu Hause, indem dort ein von den Armen des Senegal umschlossenes Stück Land den Namen „Zunge der Barbarei" sührt; als Erdzunge ist sie an den Küsten des Meeres; sie schaut von den Masten der Schisse herab, da beim Schissbau der mittlere Theil des aus verschiedenen Stücken zusammengesetzten Mastes Zunge genannt wird; von den Dächern der Häuser schaut sie als Ochsenzunge (eine Art Dachziegel) herab, Sie lebt als Sprache aus dem ganzen Erdeurunde, besitzt als solche aber überall eine andere Gestalt und einen anderen Geist.
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Das Erlernen einer sremden Sprache gleicht einem Kampse mit derselben, der gewöhnlich hartnäckig ist, wahrend jedoch keine sremde Sprache als unüberwindlich gelten kann. Man sindet die Zunge häusig in der Bibel*) (Aussprüche der Bibel, die von der Zunge handeln), und in der Kirche, die sie niemals verläßt, bildet sie eine ganze Gesellschast als „Zungenwerk" in der Orgel. Jm Kirchthurme weilt sie in allegorischem Sinne als „eherne Zunge", Ohne die Zunge würde die Arbeit des Bergmannes ost versehlt sein, da im Bergbau die Zunge eine Art Zange ist, womit das abgebrochene Stück des Bohrers aus dem Bohrloche gezogen wird; der Jäger braucht sie, um den Fuchs zu sangen, da sich am Fuchseisen eine Zunge besindet; im Kriegswesen sührt das Stück Schwamm, mit welchem die Minen angezündet werden, den Namen Zunge, ohne welches die Minen also keinen Schaden thun könnten. Ohne die Zunge in manchen Blasinstrumenten und die Sprache der Unterhaltung würden Bälle und Concerte veröden; der Lampenputzer im Theater würde keine Funktionen haben, wenn Schauspieler und Sänger nicht durch die Zunge zu wirken vermöchten; die Pserde würden in Ställen revoltiren, wenn in den Schnallen der Pferdehalster der Dorn (auch Zunge genannt) sehlte; die Ochsen würden den Pflug stehen lassen müssen, wenn die den Namen „Zunge" sührende kurze Deichsel, daran die Wage hängt, nicht vorhanden wäre; die Türken würden ohne den Munzzim vom Minaret nicht zum Gebete eilen; die Gesechte mit den Wilden würden gesährlicher sein, wenn letztere nicht durch das Geschrei, mit welchem sie ihre Angrisse begleiten, den Gegnern die Gesahr verkündeten. Die Zahl der alten Jungsern würde sich mehren, da viele Heirathen, welche durch Ueberredung gestiftet werden, ohne die Zunge unterbleiben würden; Krähwinkel und Schoppenstedt würden in besserem Ansehen stehen, da von ihllen ohne die bekannte Geschichte, in welcher der aus die Stadtmauer gezogene Ochse im Sterben die Zunge herausstreckte**), ein dummer Streich weniger

*) 1. B, Mos, XI, 1. 2, B. Mos. IV, 10. B der Richter VII, 5. 2. BSamuel XXIII, 2. Hiob XXVII,4. Psalm V, 10. X, 7. XII, 4. XV, 3. XXXIV,I4. XXXV, 28. XXXIX, 2. I., 19. I.II, 6. 1.V, 10. I.XIV, 9. I.XXI. 24, «IX, 172. OXX, 2. «XXVI, 2. «XXXVII, 6. «XXXIX, 4. Sprichwört. VI, 17. X, 20. XII, 18. 19. XV, 4. XVI, 1 XVII, 4. 20. XVHI, 21. XXI, 23. XXV, Ib. XXVI, 28. Micha VI, 12. Zephanja lll, 13. Lucas XVI, 24. Apostelgesch.il, 2ö. Ossenbar. V, 9. XVI, 10. Marcus XVI, 17. u. m, andere Stellen.

**) Aus der Stadtmauer war viel Gras gewachsen, über dessen Verwendung der wohlweise Magistrat eine Berathung pflog, und endlich nach vielem Nachdenken zu dem wichtigen Resultate gelangte, daß dieses Gras Communalgut, und solglich sür den Gemeindeochsen zu verwenden sei. Um die Kosten des Abmähens und Herabschassens des Grases zu ersparen, wurde beschlossen, dasselbe vom Ochsen selbst absressen zu lassen. Aber wie den Ochsen aus die Stadtmauer bringen? Da verordnete der weiseste vom löblichen Rathe, und das war, wie überall, der Bürger, meister, dem Ochsen einen Strick um den Hals zu binden, und aus die Mauer hinauszuziehen. Der Weg war lang, der Strick legte sich sehr sest um den Hals des Ochsen, und dieser starb unterwegs den Erstickungstod, wobei sich seine Zunge aus dem Munde hervordrängte. Da rief der diesen Ochsenakt durch seine Gegenwart verherrlichende Bürgernleister aus: „seht! wie sich der Ochse aus das Gras sreut, er reckt schon die Zunge darnach heraus."

erzählt werden würde; das ganze Erdeurund endlich würde von Sansculotten wimmeln, wenn in der Hosenschnalle die Zunge sehlte. Die Zunge der Wage sorgt sür richtiges Gewicht im Handel und Wandel. Ein Thcil der Töpserscheibe heißt Zunge; beim Tuchmacher ist die Zunge ein schmaler Streisen, wo die Haare aus Verschen stehen geblieben sind; Zunge heißt auch die zwischen zwei lausenden Schornstcinen besindliche Scheidewand; das als gesährliches Raubthier bekannte Individuum ist die tausendzüngige Fama, das Raubthier des guten Ruses, *) In dcr Naturgeschichte hängt das Wort Zunge an mehreren Pflanzen und Thicren, z, B. Zungenaloe, Zungenbutterblumc, Zungenmausdorn, Zungeufledermäuse, Znngenassen u, s. w,**) Die Psychologie und Pädagogik lehren die Sprache, die Medicin lehrt die Zunge nnd deren Krank» heiten kennen. Der Physiker weiß sie bei der Lehre vom Galvanismus zu schätzen, da der galvanische Strom, wenn man die Znnge zwischen ein galvanisches Plattenpaar bringt, sich durch einen säuerlichen Geschmack äußert; der kurze Thcil des nnglcicharmigen Hebels sührt den Namen Zunge, deren Wegnahme die Existenz des Hebels vernichten würde; der Znngentabak, ein virginischer Tabak, dessen Blätter zungensörmig sind, wird von Vielen gern geraucht. Die Zunge dient als Speise. Heliogabulus und Lnenllus genossen in Massen Nachtigallen — und Psaueiizungen***); an einer Rindszunge labt sich eine ganze Familie. Dem reichen Schlemmer kostet seine Zunge jährlich Tausende; dem Armen nur wenige Thalcr. Ie mehr Auswand aber die Zunge ersordert, desto weniger ist sie gewohnlich Werth, indem sie nicht viel Geschcidtes zu Tage sördert. Manchen Menschen hat sie zu Selbstmordgedanken gesührt; der Philosoph Hegesias wußte die Beschwerden des menschlichen Lebens so lebhast zu schildern, seinen Zuhörern Selbstmordsgedanken erweckte. Die Zunge von nnen oder Schauspielerinnen haben schon Viele zu der Narrheit sie selbst den Wagen der Angebeteten gezogen haben. Bei anunge ermüdet nie dieselbe selbst, sondern dieAthmungs
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H 35. Es dient das Rätsel dazn, um die geistigen Fähigkeiten eines Andern zu prüsen. Hierher gehört: die Sage vom Könige Salomo und der Königin von Saba; die Prüsung des persischen

*) Ein Spruch des Reinm, von Zweiter sagt: „das böseste Fleisch, das getroug Wols oder Hund in seinem Mund, des bösen Menschen Zunge ist böser vil," **) Die Zungenaloö, ^loe lingua, die Zungenbutterblume, liminuuoulus linKua, der Zungenmausdorn, Ruscus K^poglossum, haben zungensörmige, lanzetsörmige Blätter. Die Zungenfledermäuse, i'KMostoins, haben eine wurmsörmige, vorschießbare Zunge, Dcr Znngenasse, Bemns, hat eine ganz besonders ausgebildete Zunge, ***) Der römische Kaiser Heliogabelus (218—222 nach Ehr,), und der Prätor L. Licinus Lucullus waren berühmt durch ihre Schwelgerei und Gastmahle, welche sie gaben, sür welche mit unendlichem Kostenauswande die seltensten und theuersten Sachen herbeigeschasft werden mußten. ..,.

f) Illustrirtes Familien-Iournal, 7. Bd. S. 95. 207. 222.
Fried reich, Gesch. d. Rätsels. 7

Helden Sal; die Sage vom Könige Hejdrick (Heidhrekr) und dem blinden

Gerster; das Vasthrudhnismal, oder das Lied vom Gotte Odin und dem Ioten Vasthrudnir; das Alvißmal, oder das Lied vom Gotte Thor und dem Zwerge Aldis; der Sängerkrieg aus der Wartburg und das Tragemuntslied. Von diesen nun insbesondere. (Z 36 — 42.)

H 36. In der Salomosage wird erwähnt, daß eine Königin von Saba*) ihn besucht habe, um seine vielgepriesene Weisheit zu prüsen**), woraus sich solgende biblische Stelle im ersten Buche von den Königen X, 1 bezieht: „und da das Gerücht Salomo's von dem Namen des Herrn kam vor die Königin vom Reich Arabien, da kam sie ihn zu versuchen mit Rätseln***). Wie diese Rätsel hießen, berichtet die Bibel nicht; doch haben wir darüber Notizen anderswoher. Aus dem Talmude (Märas NisKIae) sührt Lightsootf) solgende, als die von der Königin dem Salomo ausgegebene Rätsel an:

„Dielt ea, quiä doe est? Leptem exeunt et novem intrant. Dus miseent (vel psraut pooulum) et nnus bioit? Oieit ille: Leptem äies separationis foeminae exeunt-s-s-), et novem menses foetitstiouis intrant. Vns übers parant poeulum, et unus sugit. Iterum in<zuit Ma, ego quaeram, <JM dos est? ?oemiua äioit ülio suo: ?ater tuus erat pater mens, avus tuus

^) Nach äthiopischer Sage hieß sie Maqueda. Die arabischen Traditionen sühren sie unter den Herrschern von Iemen aus und nennen sie Balkis. Sie soll Dichterin und namentlich im Rätselspruche sehr gewandt und ersahren ge» wesen sein,

**) Die Schrist von Teibieb, äe ^uestiovibus adstrusis reßinae 8abae 8alomoui propos,, Viteb. 1744 konnte ich nicht aussinden. ,

***) Stollberg sagt in seiner Geschichte der Religion, 3. Thl. S. ls7: So sonderbar uns dieses Borhaben scheinen mag, war es weniger besremdend zu jener Zeit und im Morgenlande, wo angeborner Scharssinn in Verbindung mit müssigem Leben diese Spiele des Verstandes sehr beliebt machte. Pflegten ja doch auch Griechen und Römer bei Hochzeiten an Rätseln sich zu belustigen. Was von andern Menschen an sestlichen Tagen der Freude geübt wird, das wird bald an den Hösen der Könige tägliches Bediirsniß. Doch mögen diese Rätsel der sremden Fürstin wohl in Ausgaben aus der Naturkunde oder aus der Philosophie bestanden haben, Salomo lösete sie alle.

->-) Oper. vm. ?om. II. Roterocksm. 1686, p. 527. Hor. Kedrsio. evsmz. I^usse XI, 31: „Die Königin von Mittag wird austreten vor dem Gericht mit den Leuten dieses Geschlechtes, und wird sie verdammen; denn sie kam von der Welt Ende, zu hören die Weiheit Salomo's."

-s-s-) Nach Mosaischem Gesetze war ein Weib, nachdem sie ihre Menstruation hatte, sieben Tage lang uurein, und mußte so lange vom Manne getrennt bleiben; 3 BMos. XV, 28,
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Den Salomo hat Gott gesetzt zum Konig

Den wilden Thieren und des Himmels Vögeln,

Dem Erdgewürm, den Geistern und Dämonen,

Und er verstand die Sprache ihrer Aller,

Gleichwie auch sie die seinige verstunden.

Einst war sein Herz gar wohlgemuth beim Weine,

Da mußten Boten alle Könige

Des Morgen» und des Abendlandes laden

Zum Festgelag' in seinem Königsschlosse,

Und als sein Herz einst wieder wohlgemuth

Bei seinem Weine war, da ries er: Holet

Die Lauten her, die Eimbcln, Pauken, Harsen,

Aus denen einst mein Vater David spielte.

Und als der König wieder einst ersreut

Bei seinem Becher saß, da sprach er: Bringt

Des Feldes Thiere und des Himmels Vögel,

Das Erdgewürm, die Geister und Dämonen,

Daß sie allhier vor meinen Augen tanzen,

*) Loth beschlies seine beiden Töchter, schwängerte sie und jede von ihnen gebar einen Sohn (1 B, Mos, XIX, 32 — 38); somit ist Loth, der Vater seiner Tochter, auch der Vater des von ihr gebornen Sohnes; Loth ist der Großvater des von seiner Tochter gebornen Sohnes, und diese ist Schwester und Mutter ihres Sohnes.

") Iüdische Sagen Nnd Dichtungen, nach den Talmuden und Midraschen. Ansbach ld39, S. 37 a. s. Auch abgedruckt bei Iolowicz, der poetische Orient lauch unter dem Titel: „Polyglotte der orientalischen Poesie"), Leipzig 18S3,
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Und alle Könige, die ich geladen,

Hier meine Macht und Herrlichkeit erkennen.

Des Königs Schreiber riesen sie bei Namen

Und sie erschienen vor dem Könige,

Sie kamen ohne Fesseln, ohne Bande,

Von selbst, und keiner war, der sie gesührt.

Da zeigte sich, daß in der Vögel Schaar

Nur Einer nicht erschien, der Auerhahn*),

Der König ließ ihn zürnend herberusen

Und heischte, daß der Frevler sterben sollte.

Als nun der Auerhahn erschienen war,

Begann er flehend: „Herr, der Erde König,

O neige mir dein Ohr, vernimm mein Wort!

Bereits drei Monde irrte ich umher,

Und achtete nicht Speise und nicht Trank,

Jch flog durch alle Welt und speihete,

Ob nicht ein Land aus Erden noch zu sinden,

Das nicht dem König, meinem Herrn, gehorchte?

Da zeigte meinen Augen sich ein Reich,

Kittor genannt, im sernen Morgenlande,

Des Landes Staub ist köstlicher als Gold,

Und Silber liegt wie Koth aus allen Straßen;

Da stehen Bäume vom Beginn der Welt

Und trinken Wasser von dem Garten Eden.

Und in dem Lande wohnen Riesenvölker;

Mit Kränzen tragen sie das Haupt geschmückt,

Sie haben nie von Kamps und Krieg gehört

Und wissen nicht zu tressen mit dem Bogen,

Doch bald sah ich ein Weib, die über Alle

Regiert, sie heißt die Königin von Sab«,

Gesällt es nun dem König, meinem Herrn,

So gürt' ich meine Lenden, wie ein Held,

Und eile sort in jenes Land Kittor;

Jch binde seine Könige mit Fesseln,

Und seine Mächtigen mit Eisenkctten,

Und bringe sie dem Kön'ge, meinem Herrn,"

Dem Salomo gesielen diese Worte,

Und man beries die königlichen Schreiber; ,

Die schrieben einen Bries und banden ihn

Am Fittige des Auerhahnes sest,

Der in die hohen Lüste sich erhob:

Er drehte sich im Schwung, und alle Vögel

*) Jm Koran lSure 27, nach der Ausgabe von Ullmann), wo diese Geschichte gleichsalls erzählt wird, ist dieser Bogel der Wiedehops.

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Umkreisten ihn und solgten sausend nach;
Und also zogen sie ins Land Kittor. —
Des Morgens ging heraus die Königin
Von Sab«, um die Meersluth anzubeten.
Aus einmal sah sie jene Vögelschaar,
Dicht, daß die Sonne sich verssinsterte.
Da griss die Königin nach ihrem Kleide,
Riß es entzwei, und ihre Sinne schwanden:
Noch war der Geist ihr kaum zurückgekehrt,
Da slog der Auerhahn zu ihr herab;
Sie sieht den Bries dem Flügel angebunden,
Sie lös't ihn ab, sie össnet ihn und liest:

„Von mir, dem König Salome, Dir und den Deinen Frieden!

Du weißt, welch' eine Herrlichkeit der Höchste mir beschieden,

Der zum Gebieter mich gesetzt der Thiere und der Geister,

Zu der Dämonen Oberhaupt und der Gespenster Meister.

Und daß sich grüßend Könige mir nahn von allen Orten,

Vom Ausgang und vom Niedergang, vom Süden und vom Norden,

Und willst Du, meine Herrlichkeit zu schauen, zu mir reisen,

So will ich größre Ehre noch, als jenen, Dir erweisen.

Doch bist Du dieses nicht gewillt, send' ich in Deine Länder

Dir Könige und Reitervolk und Kriegerregimenter.

Und sprichst Du: welche Könige und welche Legionen?

Die Thie« sind's, die schrecklichen, die in der Wildniß wohnen.

Und sprichst Du: welch ein Reitervolk? Die Vögel sind's im Himmel,

Die nenn ich meine Kriegerschaar, mein Reitervolkgewimmel,

Dämonen und Gespenster sind und Geister meine Horden,

Die sollen Euch in Eurem Bett, in Euren Häusern morden.

Die Thiere werden aus dem Feld Euch würgen und verzehren,

Und das Gevögel in der Lust von Eurem Fleisch sich nähren."

Hieraus schrieb die Königin von Sab« einen Bries an Salomo, in welchem sie versprach, daß sie seiner Einladung solgen werde. Bei. ihm angelangt, gab sie nun, um sich selbst von der vielsach gepriesenen Weisheit desselben zu überzeugen, ihm drei Rätsel zum Errathen vor:

Sie sprach: ich lege Dir drei Rätsel vor; i ,

Wenn Du sie lösest, so erkenne ich,
Du bist ein Mann von Weisheit und Verstand:
Wo nicht, so bist Du gleich den andern Menschen.

„Ein Brunnen ist's von Holz, darein
Man einen Eiseneimer senket,
, , Der aus dem Born schöpst einen Stein Und ihn mit Wasser tränket."

Schminkbüchse*), sagte Salome, der Weise,
Und Saba's Königin begann von Neuem:

„Was ist es, das hervor vom Staub der Erde

Gekommen, und vom Erdenstaub sich nährte?

Man gießt es gleich dem Wasser aus,

Und es durchblickt das ganze Haus."
Das Naphta**) meinst Du, sprach der weise König,
Und Saba's Königin begann von Neuem:

„Nun, was ist das?

Fährt ein Sturm vorbei,

So hebt es an ein bitterlich Geschrei,

Und biegt das Köpschen, wie Binsengras;

Den Reichen schmückt es, '., - .2,,. «

Den Armensünder erdrückt und erstickt et;

Den Todten wird es mitgegeben

Um sie zu ehren,

Auch denen, die es im Leben ,'

Mußten entbehren;"

Es ist der Vögel Freude,

Doch den Fischen dient es zum Leide."
Das ist der Flachs, ries Salomo der Weise.
Da sprach die Königin: „ich glaubte nicht
Den Dingen, welche ich von Dir gehört,
Bis daß ich kam und meine Augen schauten."***)

*) Man vergl, damit das vierte Rätsel in der sünsuuddreißigsten Makame von Hariri; s. § 6«, Die Hebräerinnen schminckten nicht allein die Wangen, sondern auch die Augenbrauen, mit einer Mischung von gebranntem und gepulvertem Spießglanzerz und Zink, Oe >Vette, Lehrbuch der hebräisch,jüdischen Ar, chäologie, 3. Aufl. § 131, Jerem. IV, 30: „Wenn Du Deiue Augen mit Spießglanz bestreichst", ist die eigentliche Bedeutung der hebräischen Worte. Mehreres darüber ist bei Rosevmüller (das alte und neue Morgenland, 4. Bd. S. 2K9) aus andern Schriststellern gesammelt.

**) Ein ganz dünnflüssiges, gelbes, ost sast wasserhelles, durchsichtiges Erdöl, welches zur Beleuchtung benützt wurde. Es quillt besonders häusig aus der Erde aus der Jnsel Naphtoma im kaspischen Meere, und bei Baku, aus dem westlichen User dieses Sees jMmpfer, amoe»itat. exot. x. 273. Hanway's Reise durch Persien, 1. Thl. S. 278. Gmelin, Reise durch Rußland, 3. Thl, S. 43. ?orter, travels, Vol. 1. 2. p. 5I5. 5l7.)z auch bei Karkhnk in Nieder-Kurdistan, Die Erde, durch welche die Naphta dringt, gehört unter die Thonarten; sie braust mit mineralischen Säuren hestig aus, verhärtet im Feuer und läßt sich im Wasser ausgeweicht bearbeiten. Sie ist von der Naphtamaterie ganz durchdrungen; wenn sie ein paar Zoll ties ausgeschüret und mit einer glühenden Kohle berührt wird, so entzündet sie sich augenblicklich. Die Flamme ist blaulich, gelb und, ohne daß sie die Erde verzehrt, erhitzt sie dieselbe doch so, daß sie mit den Händen nicht berührt werden kann. Biblische Naturgeschichte von Rosenmliller, l. Thl. Lpz. I83», S. 14.

***) „Sie sprach zum Könige: es ist wahr, was ich in meinem Lande gehört habe von Deinem Wesen und von Deiner Weisheit, Und ich habe es nicht wollen

Im Allgemeinen dürsen wir annehmen, daß das Rathselspiel zwischen der Königin von Sabs und Salome ein heiteres und geistreich neckendes war, wobei der von Natan, seinem Erzieher und Lehrer*), in Gleichnissen und Rätselreden unstreitig srüh geübte König leicht aus jede Frage der Königin eine sinureiche Antwort geben konnte, was auch sür ihn noch um so rühmlicher erscheint, als die Königin selbst weise und im geistreichen Rätselspicle wohl bewandert gewesen ist.**)

§ 37. Der persische Held Sal***), erzogen von dem Wundervogel Simorgs) und berühmt durch seine Tapserkeit und Weisheit, erscheint vor Menutschehr, dem Schah von Iran. Dieser aber wurde über Sal's Erscheinen beuuruhigt, und beschloß ihn aus dem Wege zu räumen; beries aber vorerst die Mobcds und Sternkundigen zusammen, welche, nachdem sie in den Sternen gelesen hatten, aussagten: Sal werde einen Helden erzeugen, der im Kriege seines Gleichen nicht haben, und alle seine Liebe Iran zuwenden werde. Da sreute sich der Schah dieser Reden, reinigte
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sein Herz vom Hasse und sprach: „Was ihr sagtet, haltet geheim, wir wollen den Jüngling prüsen vorerst." Nun ries er Sal zu sich und die Mobeds legten ihm solgende Rätsel zur Lösung vor: -.,

Einer derselben sprach zu Sal: es stehen zwöls Cypressen im Kreise und grünen im Glanze, dreißig Zweige entsprießen an jeder, und nie wird ihr Ansehen hinsällig und ihre Zahl geringer im Lande der Parsi, Nach einigem Besinnen sprach Sal: im Jahre sind zwöls Monde und dreißig Tage hat der Monat, Der Zweite sprach: es sind zwei tresssliche Pserde, gleich schwarzem Pech das eine, das andere hell wie Krvstall, Beide lausend eilend vor einander her, nie trissst eines das andere, Sal erwiederte: Tag und Nacht sind's. Ein Anderer sragte: dreißig Reiter, wie sie vor dem Kaiser vorbeiziehen, zählst du sie einzeln beisammen, Einer wird weniger sein, und doch sind ihrer dreißig, wenn man im Ganzen sie sieht. Sal sprach: das ist der Mondlaus, der in einem Wechsel abnimmt, jenes ist die Zahl der Umläuse bis zum Neumond, wo die Zeit in jener Bewegung sich engt*), sieht man ihn aber nach dem Wechsel, dann mnß nach ihm Alles wieder sich ausgleichen. Der Vierte begann: es steht ein Vogelgarten voll Grüne, ein Manu mit großer Sense geht darin um, emsig mäht er Grünes und Trockenes, nicht Wehklage noch Unter, wersung mag ihn abhalten. Ein Anderer sügte hinzu: dort sind zwei Cr,pressen, aus den Wellen des Meeres steigen sie an wie Seegras, ein Vogel hat aus ihnen sein Nest; sitzt er darin, dann geht von ihm ein Geruch aus wie Me« schus, von den Bäumen aber grünet immer einer in Blättern und Frucht, während der andere welkt. Sal entgegnete: die beiden Cypressen sind die zwei Hälsten des Himniels, der Vogel ist die Sonne, von der alle Furcht und Hossnung aus Erden, das Nest aber das Zeichen des Widders, von ihm geht aus die Grüne, hat ihn die Sonne in ihren Strahlen umhüllt, steht er aber im Ausgang am Abend, dann kehrt Finsterniß und Dunkel zurück. Der Mann mit der Sense ist der Tod, Grünes und Welkes, Alles sürchtet ihn; machst du Ausflüchte, er hört nicht aus dich, sein ist der Aeltervater und der Urenkel; alles Wild, was ihm vorkömmt, jagt er aus. Daraus nahm ein Anderer das Wort und sagte: ich sah in dem Bergland eine seste Stadt, nur von Verständigen bewohnt, schweigend hatten sie das Haupt gegen den Himmel gewendet, Diener und Edle aber gingen aus der Stadt nieder zur Ebene und gericthen in wildes Dornenland; plötzlich entstand ein großes Geschrei, Feuer war ausgekommen und große Sorge bewegte alle Gemüther. Sal sprach: jene Stadt ist das Haus des Bleibens, das Dornenland aber die Wohnung des Uebels hienieden, wo zugleich Lust ist und Freude und Schmerz und Gram; der Athemzng deiner Brust wird dort gezählt; ein Sturm kommt daher, im Erdbeben bewegt sich der Boden, Lärm steigt aus der Tiese heraus, aber alles Uebel bleibt im Dornenlande und der Mensch geht zur Wolkenstadt,

*) Der synodische Monat, 29 Tage 12 Stunden, wird hier zu 30 gerechnet; der periodische 27 Tage 7 Stunden zu 29.

Wie Sal also gesprochen, sagte der Schah: „Wohl geredet!" Von Freude war die Wange aller Anwesenden erglüht, und er hieß ein Mahl bereiten, und Alle hatten Rosen in den Händen, und sie wurden sröhlich und trunken. Nachdem noch Sal sich im Ritterspiele durch Kühnheit und Gewandtheit ausgezeichnet hatte, entließ ihn der Schah reichlich beschenkt.

H 38. Der Götakönig Hejdrik (LsiükreKr), welcher in seiner Jugend sehr wild und unbändig war, wurde in seinen altern Jahren ein geehrter Herrscher, der das Recht ohne Ansehn der Person handhabte, und zu dem Ende jedem Gerichte zwöls ersahrene und rechtliche Männer zu Beisitzern gab. Die Könige pslegten damals wohl, ohne Urtheil und Recht, Diejenigen hart und ost sogar am Leben zu bestrasen, die sich ihr Mißsallen zugezogen hatten, und ost hatten sie daher Ursache ihre Uebereilung zu bereuen. Aber Hejdrik wollte seinem ungestümen Charakter einen Zügel anlegen, und that daher bei einem seierlichen Opser den Schwur, nie Jemand, der sich gegen ihn vergangen habe, anders als durch das Zwölsmänner-Gericht richten zu lassen, und ihn zu begnadigen, sosern er dem Könige nicht zu lösende Rätsel und Räthsclsragen würde vorlegen können. Wein König Hejdrik war so weise, daß er sie alle auslöste. In dem Lande war ein reicher und mächtiger Mann, der Gester, der Blinde, hieß, und der sich vielsach gegen den König vergangen hatte. Eines Tages schickte Hejdrik zu ihm und ließ ihn vor sich sordern. Gester, dessen Gewissen ihm nichts Gutes ahnen ließ, opserte dem Gottc Odin und slehte ihn um seinen Beistand an. Da erhörte ihn der Gott, und ging, statt Gester's, in dessen Gestalt selbst zum Könige, erinnerte ihn an seinen Eid, und bat ihm einige Rätselsragen zur Beantwortung vorlegen zu dürsen. Hejdrik gab dazu seine Einwilligung, und nun begann der Wettstreit in solgender Weise: *)

Gester. Jch möchte nur haben
Was gestern ich hatte;
Weißt du, was es ist?
Es löset die Zur
Es lähmt die S
Und bringt zum

Hejdrik. Reichet dar ihm
Den guten Trank!
Er löset die Zunge,
Aber im Uebermaaß
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*) Volkssagen und Volkslieder aus Schwedens älterer und neuerer Zeit, von Aszelius; aus d. Schwedischen übers, v. Ungewitter; Lpzg. 1842, I.Thl. S.227 u.s.

Lähmt er die Sprache
Und bringt zum Schweigen.

Bester, Bon Hause suhr ich,
Fort zog ich weithin,
Sah dann viel Wege:
Weg war unten,
Weg war oben,
Und Wege aus allen Seiten,
Hejdrik, du König!
Lös'st du mein Rätsel?

Hejdrik. Gut ist dein Rätsel,
Du blinder Gester!
Gesunden ist es:
Der Vogel flog oben,
Der Fisch der schwamm unten,
Ueber die Brücken du suhrst.
Gester. Was war es sür ein Trank,
Jch gestern genoß?
Nicht Wasser, nicht Wein,
Nicht Meth oder Mullgat"),
Auch keine Suppe;
Und dennoch gestillt der Durst,
Hejdrik, du Köuig!
Lös'st du mein Rähsel.

Hejdrik. Gut ist dein Rätsel,
Gesunden es ist:
Du lagst im Walde,
Thau war im Grase;
Dieser dir kühlte
Die trockenen Lippen,
Und löschte den Durst.
Gester. Wer ist der Helltönende,

Er geht aus harten Wegen,
Die er zuvor getreten;
Hartes er küßt.
Doppelt sein Mund ist,
Aus Gold nur er regt sich.

Hejdrik. Des Goldschmieds Hammer,
Wenn Gold er schmiedet.
Laut er singet
Aus dem harten Ambos.

*) Ein angenehmes Getränk, welches vormals in Schweden bei besonder« Gelegenheiten in geselligen Kreisen getrunken wurde.
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Gest«. Wie war das Wunder,
Ich draußen gewahrte
In einem Häuschen?
Zwei Todte es waren,
Nicht Leben sie hatten,
Doch kochten sie Wundlauch,

Hejdrik. In Schmiede »Bälgen
Nicht Leben sich sindet,
Nicht Leben noch Seele;
Doch schmiedet der Meister
ei ihrem Windhauche
erwundende Schwerter.

Gest». Wie war das Wunder,
Ich draußen gewahrte?
Acht Füße es hatte,
Vier Augen es hatte,
Und seine Kniee
Ueberragten den Magen,

Hejdrik, Du schautest, wie künstlich
Die Spinne dort webte
Gespinnst aus dem Magen*),

Gester, Wie war das Wunder
Ich draußen gewahrte?
Es hatte sein Antlitz
Ties unter der Erde,
Die Füße dagegen
Die Sonne beschien.

Hejdrik, Da sahest du wachsen

Die Zwiebel im Boden;
Das Haupt in der Erde,
Die Blätter nach oben.

Gester. Zwei weibliche Wesen »
Und weiße; sie trugen
Gesüllte Gesäße, ^
Gemacht nicht mit Händen,
Auch nicht durch den Hammer.
Draußen am Eiland
War der Geschickte,
Der solches vermochte.

^

*) Die Spinnen haben hinten am Leibe eine Oessnung, worin zwei bis drei Paar fleischige Warzen liegen, aus denen sie die Fäden ziehen. Die Alten glaubten irrig, daß das Gespinnst ans ihrem Magen komme.

Hejdrik, Weiß sind die Schwäne
Bei Eilanden draußen
Jm Meere, sie weilen^ ,/
Und bauen die Nester;
Nicht Hände sie haben,
Doch Eier sie legen.

Gester. Fahren sah ich . ^
Ein irdisches Kind.
Tod aus dem Todten,? ,.
Den Blinden ritt ein Blinder
Zum Meeresstrande;
Und leblos das Pserd war.

Hejdrik. Ein todtes Pserd sahst du
Aus schwimmendem Eise;
Oben ein Adler:
Der SKom trieb Alles.

Oester. Wer mag wohl schlasen
Jn Gruben der Asche,
Des Kiessl« Geschöps.
Nicht Vater, nicht Mutter,
Der Furchtbare hat.

Hejdrik. Asche hält das Feuer
Jm Heerde verborgen;
Der Kiesel sein Erzeuger.

Gest». Wer ist der Dunkele,
Der über Land sährt;
Verschlinget See und Wald;
Den Wind er sürchtet,
Nicht aber den Menschen.
Die Sonne verzehrt ihn.

Hejdrik. Das ist der Nebel,

Den Sümpsen entstiegen.

Gester. Wer sind die Munteren,
Im Lande vernehmbar;
Mit weißen Schildern
Zu Winterszeiten;
Doch schwarz im Sommer.

Hejdrik. Repphühner man nennt sie,
Die gessiederten Wesen;
Die Federn sich schwärzen
Zu Sommerszeiten;
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Gester. Wer sind die Beiden,

Zur Versammlung sie ziehen,
Haben mit einander
Der Augen drei, ^ '^'^

Der Füße zehn,
''KUnd einen Schweis.
So ziehen sie
Ueber Land hinweg.

Hejdrik. Odin es ist,

Aus Sleipnir er reitet,

Dem guten Pserde

Mit zweimal vier Beinen*),

Nun ist Gester (Odin) in Verlegenheit, daß Hejdrik alle seine Fragen beantworten kann, und er gibt ihm nun die letzte aus: was Odin seinem Sohne Balder ins Ohr gesagt habe, als dieser zum Scheiterhausen getragen wurde**). Diese Frage konnte nun natürlich Hejdrik nicht beantworten, weil dies der Gott Odin nur allein wissen konnte; damit erkannte er nun, daß Odin selbst der vermeintliche Gester gewesen fei, Und ries aus: „diese Frage weißt nur dn, du verwünschter Zaubergeist," zog im Zorne sein Schwert und hieb nach ihm; aber Odin nahm Falkengestält an und flog zum Fenster hinaus, Hejdrik tras aber noch die äußersten Schwanzsedern, und seitdem hat der Falke einen gespalteten Schwanz.

Dieselbe Sage vom Hejdrik und dem blinden Gester ist auch aus den Faroer zu Hause, von wo sie die nordische AlterHumsgesellschaft mitgetheilt hat***): ><^u«? '>.

Vom Hause geht der blinde E
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*) Odin erscheint zuweilen mit Einem Auge, .« sieht und übersieht aber mit dem emen Auge so viel, als wenn er deren viele hätte. Sein schnelles Reitpserd heißt Slelpmr, und hat acht Füße. In Schleswig-Holstein hat man ein ähnliches Rätsel vom Reiter; s. Müllenhosss Schlesw. Holst. Sagen, Nr, 22.

**) Dieselbe Frage stellt auch im Wasthrudismal Gangradr (Odin) an Wasthrudmr, welcher sie gleichsalls nicht beantworten kann; s. 8 39.

^utiquarisk lÄsKritt uggitet sf Set Kongelige aoräiske oläskrikt-selskab. ^sbenKsvn 1852, S. auch Wols's Zeitschr. sür deutsche Mythologie, 3. Bd. S. 12S. f) D, i. der Gott Odin, dem Gester um Hülse flehend geopsert hotte.

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„„Das ist gar nicht verwunderlich,

Daß ich so schweigend irr',

Die Rätsel wollen übel mir,

Morgen miss' ich den Hals,

Das ist gar nicht verwunderlich,

Daß ich erregt und stumm,

Uebel wollen die Rätsel mir,

Morgen miss' ich den Leib.""

„Wie großen Schatz von rothem Gold

Willst du geben mir,

Tret ich vor König Hejdrik hin

Und nenne Rätsel siir dich?"

„„Zwöls Mark in rothem Gold geprägt

Sollen werden dein,

Trittst du vor König Hejdrik hin

Und löst mein Haupt vom Tod,""

„Fahr du zu deinen Wiesen heim

Und walt aus deinem Hos;

Ich tret vor König Hejdrik hin

Und leg' ihm Rätsel vor."

Nun geht der alte Mann, Gott Odin, in der Gestalt des Gester zum Könige Hejdrik, erinnert ihn an seinen Eid und legt ihm solgende Rätsel vor, die Hejdrik alle löst:

„Höre, Hejdrik, König mein,
Wo weißt du zwei Nachbarn,
Gehen beide durch eine Thür,
Und keiner kennt den andern?"
„„Mein Gedanke, dein Gedank'
Sind zwar keine Nachbarn,"
Gehn doch beid' durch eine Thür
Und keiner kennt den andern.""
„Höre, Hejdrik, König mein,
Wo weißt du die Brüder,
Liegen vor der Außenschär,

Ha'n kein Vater und Mutter?"

„„Oesterstrom und Westerstrom
Kannst du nennen Brüder,
Liegen vor der Außenschür,
Ha'n kein Vater und Mutter,""
„Höre, Hejdrik, König mein,
Wie mag das sich nennen,

Weich wie Dünnen, hart wie Horn, ,,,.

Wie die Schneeflock'glänzend?" ,,
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Wo erwächst die Hölzung,
Deren Wurzel himmelwärts
Schießt, der Stamm zur Erde?"

„„Elseszapsen am Gebirg

Sind zwar keine Hölzung,

Doch die Wurzel himmelwärts ^„^

Ragt, der Stamm zur Erde,""

„Höre, Hejdrik, König mein,
Wo weißt du die Forstung,
Wird gesällt am Feiertag,
Ist kein Holz darinnen?" -

„„Der Bart an jedes Mannes Kinn
Ist zwar keine Forstung,
Doch man scheert ihn jedes Fest,
, , ,,,, , Ist kein Holz darinnen."," **j , . ....^ „!.^

<' „Höre, Hejdrik, König mein, !„«» .Zii^I^: -s' .

Wo weißt du die Brüder, Zn<'.Ä 5i/ - /

Wachsen aus in einem Haus,

Und ha'n kein Vater und Mutter?"

„„Torserde, Schweselstein
Sind selbander Brüder,
Wachsen aus in einem Haus,
Ha'n kein Vater und Mutter.""

Es solgen nun noch einige Antworten Heidrik's, zu denen aber das von Odin gegebene Rätsel sehlt, daher ich sie übergehe. Nachdem Hejdrik alle Rätsel gelöst hatte, eilte Odin in Vogelgestalt rasch von bannen.

§ 39. Im Wasthrudhnismal***) (das Lied vom Wasthrudnir) versuchen sich der Gott Odin und der Iotes) Wasthrudnir mit Rätselsragen,

*) Dieses erinnert an das lithauische RLthsel: was ist das, Wintergrün und Sommerschnee? Antwort: Tanneureisig und Seeschaum,

**) Die Deutschen haben ein ähnliches Rätsel über den Bart: „Mein Feld wird nicht abgemäht, bis die Saat unterm Schnee (Seise) steht,"

Ich entnehme die Uebersetzung aus der Edda Pom Simrock, Stuttg. 1851, und süge erläuternde Anmerkungen aus der nordischen Mythe bei,

-s-) Unter Zote, Iotum oder Iette versteht man Einen jenes Riesenstammes, von dem man glaubte, er sei, wenn nicht am ältesten im Norden,, doch wenigstens älter als Odin; daher eine Feindschast zwischen Odin und den Ietten,

welche sich aus die Cosmogeme der Skandinavier beziehen. Odin beschließt, sich in die Wohnung des Wafthrndnir zu begeben und ihn zu prüsen, ob er so weise und allwissend sei, als er ausgegeben wird. Odin tritt ein in die Halle des Wasthrudnir, woraus sich zwischen diesem und ersterem solgendes Gespräch entspinnt:

Odin, Heil dir, Wasthrudnir! . ,.

In die Halle kam ich
Dich selber zu sehen.
Zuerst will ich wissen,
Ob du weise bist
Und ein allwissender Iotte.

Wasthrudnir. Wer ist der Mann,
, Der in meinem Saal

Das Wort an mich wendet?

Auskommst du nimmer

Aus unsern Hallen,

So ich dich nicht den klügera erkenne.

Odin. Gangradr heiß ich,
Die Wege ging ich
Durstig zu deinem Saal.
Bin weit gewandert
Des Wirths benöthigt
Und deines Empsangs bedürstig.

Wafthrudnir. Was stehst du und sprichst
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Wasthrudnir.

Gangradr,

Wasthrudnir.

Sage denn, so du

Von der Schwelle versuchen willst,

Gangradr, dein Glück,

Wie heißt der Strom,

Der den Söhnen der Riesen

Den Grund theilt und den Göttern?

Der Strom heißt Jsiug,

Der den Söhnen der Riesen

Den Grund theilt und den Göttern.

Ossen wird er ziehn

Durch alle Zeiten,

Nie wird Eis ihn engen."*)

Sage denn, so du

Von der Schwelle versuchen willst,

Gangradr, dein Glück,

*) Nach skandinavischer Mythe nahm der Allvater die Nacht und ihren Sohn, den Tag, gab jedem ein Roß und einen Wagen, und versetzte sie an den Himmel, damit sie Nachts und Tag die Erde mit ihren Rossen umsahren. Die Nacht sährt zuerst mit ihrem Rosse, das Hrimsari, d. i. Reis,mähne heißt, welches jeden Morgen mit dem Schaume "seines Gebisses die Erde bethaut. Das Roß des Tages heißt Skinsari, d. i, Glanz,Mähne, von dessen Mähne die ganze Lust und Erde erhellt wird, **) Ein Strom dieses Namens wird in den Eddaliedern nicht unter den Strömen genannt. Wahrscheinlich soll er hier die wesentliche Verschiedenheit der Götter und Riesen bezeichnen. Das Niegesrieren des Stromes drückt die Unüber, sieiglichkeit der gesetzten Scheidewand aus. Simrock, S. 346.

Wie heißt das Feld,

Wo zum Kamps sich sinden

Surtur*) und die seligen Götter?
Gangradr, Vigrid heißt das Feld,

Da zum Kamps sich sinden

Surtur und die seligen Götter.

Hundert Rasten zählt es rechts und links:

Solcher Wahlplatz wartet ihrer, **)
Wasthrndnir, Klug bist du, Gast:

Geh' zu den Riesenbünken

Und laß uns sitzend sprechen.

Das Haupt zur Wette hier

Steh in der Halle,

Gast, um weise Worte.
Gangradr, Sage zum ersten,

Wenn Sinn dir ausreicht,

Und du es weißt, Wasthrudnir,

Erd und Ueberhimmel,

Von wannen zuerst sie

Kamen? kluger Jote!

*) Er ist der Herrscher in Muspelheim (der südliche, lichte und warme Theil der Welt), «nd ein unversöhnlicher Feind der Asen (ein Völkerstamm in Asien, dessen Oberhaupt Odin war). Wenn die Fülle der Zeit kommt, zieht Surtur mit Mus, »elheim,s Bewohnern in Verbindung mit dem bösen Loke (dem Schandflecken der Götter und Menschen) und dessen Geschlecht in den Kamps gegen die Asen, bezwingt sie und setzt Himmel und Erde in Brand. Dann kommt ein neuer Himmel und eine neue Erde, in der ewige Gerechtigkeit herrscht,

**) Nach skandinavischer Sage wird aus dem hundert Meilen großen Felde Vigrid die große Schlacht zwischen den Asen und Surtur und seinem Anhange geschlagen, und hier findet Ragnarokr, d. i. der Untergang der Welt statt, der in der Edda beschrieben wird, sDie Edda, von Rühs, Verl, 1812, S. 226 u, s,) Zuerst kommt ein sehr hestiger Winter (Fimbulveter genannt), der die Sonnenwärme vernichtet, und solcher Winter solgen drei auseinander, von keinem Sommer unterbrochen. Es entsteht ein allgemeines Blutvergießen, Brüder, Eltern und Kinder tödten einander. Dann verschlingen zwei Wölse die Sonne und den Mond, die Sterne verschwinden, die Erde erbebt, Berge stürzen zusammen, das Meer steigt über seine User; der bisher gesesselte sürchterliche Wols (Fenriswols) reißt sich los, und die bisher im Meere lauernde ungeheure Midgaardsschlange schießt hervor und speit Gist aus; das größte, von den Nägeln todter Menschen gebaute Schiss, Naglsar genannt, wird flott und bringt den grausamen Riesen Hrymir. Während dieses Getümmels kommen Muspelheim's Söhne herangeritten, angesührt von Surtur, der mit Feuerflammen umgeben ist; sie ziehen aus die Ebene Vigrid, wo sie zum Fenriswols und der Midgaardsschlange stoßen, und wo sie auch den bösen Loke tressen. Nun rüsten sich die Asen und die Einheriar (die abgeschiedenen Helden in Walhalla) zum Kampse, und rücken unter der Ansührung Odin's in die Ebene Vigrid, wo eine mörderische gegenseitige Vertilgungsschlacht geschlagen wird, und zuletzt Surtur Feuer aus die Erde wirft, welches die ganze Welt verzehrt. Nach dieser allgemeinen Vertilgung steigt aus dem Meere eine neue schöne Erde hervor mit den besten Früchten; zwei Namens Lis und Listhraser, haben sich während der allgemeinen Zerstö, Jrte, Hodminir's Holz genannt, verborgen und sich vom Morgen»

Wasthrudnir. Aus Imirs Fleisch

Ward die Erde geschassssen.
Aus dem Gebein die Berge,
Der Himmel aus der Hirnschale
Des eiskalten Hünen,
Aus seinem Schweiße die See *)
Gangradr, Sag mir zum andern,

i Wenn der Sinn dir ausreicht,
Und du es weißt, Wasthrudnir,
Von wannen der Mond kommt,
Der über die Menschen sährt,
Und so die Sonne?
Wasthrudnir. Mundilsöri **) heißt
Des Mondes Vater
Und so der Sonne.
Sie halten täglich "'" ^
Am Himmel die Runde
Und bezeichnen die Zeiten des Iahrs,
Gangradr. Sag mir zum dritten,
So du dich weise dünkst
Und du es weißt, Wafthrudnir,
^"''jV« hat den Tag gezeugt,
^ > , , /Der über die Völker zieht

Und die Nacht mit dem Neumond?
Wasthrudnir. Dellingr—*) heißt
Des Tages Vater,
Die Nacht ist von Nörwi-f) gezeugt.

Nmer ist der erste von dem Riesengeschlechte, Seine Entstehung wird aus solgende Weise erzählt. Die Hitze von Muspelheim und der Frost von Nislheim (der nördliche, kalte Theil der Wclt) begegneten einander in Ginnungagap (ein Abgrund, das Ehaos, das vor der Schöpsung des Himmels und der Erde da war, und im Norden an Nislheim, im Süden an Muspelheim gränzt), und da entstand ein Geschöps in menschlicher Gestalt, Imer. Vile, der Bruder, und Ve, der Sohn Odm's, tödteten den Imer, und es floß so viel Blut von ihm, daß sein ganzes Geschlecht darin umkam, mit Ausnahme seines Enkels Bergelmer, der sich mit seinem Weibe aus einem Bote rettete, und Stammvater eines »neuen Geschlechtes wurde. Vile und Ve nahmen Imers Leichnam und bildeten daraus die Erde; aus seinem Blute Meer und Seen, aus seinen Gebeinen Berge, aus seinen Zähnen Steine, aus seiner Hirnschale den Himmel, und aus seinem Gehirne die Wolken. , , Auch Mundilsare (d. i. Achsen-sahrer), ein Mann, der zwei Kinder hatte, welche so glänzend und schön waren, daß der Vater das eine, den Sohn, Main, Mond, und das andere, die Tochter, Sol, Sonne nannte; die Götter, diesem Ueber» muthe zürnend, nahmen beide dem Vater hinweg, und setzten sie an den Himmel als Mond und Sonne. Nverup, S. 59. Schwenck, S. 20.

Die Erde (Iördh) war vermählt mit Dellivgr (gebildet aus äsA-Iingr, d. h. Tägling), dessen Sohn Dagr (Tag) hieß.

Auch Norve, ein Iette, Vater der Nacht.

Des Mondes Mindern nnd Schwinden
Schusen milde Wesen,
Die Zeiten des Jahres zu bezeichnen.

Sag mir zum vierten,
Wenn du's ersorscht hast
Und es weißt, Wasthrudnir,
Woher der Winter kam
Und der warme Sommer
Zuerst den güt'gen Göltern?

Wasthrudnir, Vindswalir heißt

Des Winters Vater,
Und Swasudr des Sommers,*)
Sie wandern selbstander
Durch alle Zeiten
Bis die Götter
[graphic]

Dann stoben Funk» , ..?

Aus der südlichen Welt

Und Lohe gab Leben dem Eis,*)

Gangradr. Sag mir zum siebten,

Wenn du dich sinnig dünkst

Und es weißt, Wasthrudnir,

Wie zeugte Kinder

Der kühne Jote,

Da er der Gattin irre ging?

Wasthrudnir.

Gangradr.

Wasthrudnir,

Gangradr.

Wasthrudnir,

Unter des Reisriesen Arm

Wuchs, rühmt die Sage,

Dem Thursen**) Sohn und Tochter,

Fuß mit Fuß gewann

Dem surchtbaren Riesen

Sechsgehäupteten Sohn.

Sag mir zum achten, ,
Wenn man dich weise achtet
Und du es weißt, Wasthrudnir,
Was gedenkt dir zuerst,
Was weißt du das älteste?
Du bist ein allkluger Jote,

Jm Urbeginn der Zeiten,
Vor der Erde Schöpsung
Ward Bergelmir geboren.
Des gedenk ich zuerst,
Daß der allkluge Jote
Jm Bott geborgen ward.

Sag mir zum neunten,
Wenn man dich weise nennt
Und du es weißt, Wastrudnir,
Woher der Wind kommt,
Der über die Wasser sährt
Den Sterblichen unsichtbar.

Hräsvelgr heißt

Der an des Himmels Ende sitzt
Jn Adlerskleid ein Jote,

*) Eliwagar heißen einige Flüsse, die vor der Schöpsung der Welt in den Abgrundsschlund (den schon erwähnten Ginnungagap) hinausströmten, und diesen mit Lagen von Eis ansüllten Als Funken aus Muspelheim diese zusammengehäufte Eismassen trasen, singen sie an zu schmelzen und träuselten; die Tropsen erhielten Leben, und der Jette S)mer (oder Oergelmir) entstand.

**) Die Skandinavier haben den Namen Thurser oder Thusser mit Jetten ohne Unterschied gebraucht, als wenn sie eine Völkerschast wären. ,'

Mit seinen Fittichen

Facht er den Wind
Ueber alle Völker. *j

Gangradr, Sag mir zum zehnten,

Wenn der Götter Zeugung

Du weißt, Wafthrudnir,

Wie kam Niördr **)

Aus Noatun

Unter die Asensöhne?

Hallen und Heiligthümern

Gebietet er hundert

Und ist nicht «sischen Ursprungs,

Wafthrudnir. In Wanaheim***)

Schusen ihn weise Mächte

Und sandten ihn Göttern zum Geisel.

Am Ende der Zeiten

Soll er aber kehren

Zu den weisen Wanen.

Gangradr, Sag mir zum eilsten,

Wenn der Asen Geschicke
Du weißt, Wasthrudnir,
In Heervaters Halle
Was schassssen die Helden
Bis die Götter vergehen?

Wafthrudnir, Die Einherier alle
In Odin's Saal
Streiten Tag sür Tag;
Sie kiesen den Wal
Und reiten vom Kamps heim

*) Er kommt auch unter den Namen Egdir oder Egthier vor. Da das Wort Hräsvelgr eigentlich Aasverschlinger bedeutet, so mag sich eine Analogie dieser Sage in dem Sinne eines wohlthätigen Genius der Stürme, welcher die uureinen aashasten Dünste zerstreut, sinden lassen.

**) Auch Njord oder Niohr, Einer vom Gesolge der Asen, wohnt aus der Burg Noatun, schaltet über den Gang des Windes und beschwört Meer und Feuer, Man rust ihn an zur See und beim Fischsange. Vom Asengeschlecht selbst ist er aber nicht. Er stammte aus Wannaheim, und wurde zusolge eines Vertrages den Asen als Geisel übergeben, kehrte aber später wieder nach Wannaheim zurück. Er wurde in Schweden, Norwegen und aus Island göttlich verehrt.

Das Land der Vaner, Diese werden in der Edda als eine von den Asen verschiedene Völkerschast erwähnt; sie haben gewöhnlich das Epitheton „die weisen", Snorro iMeiWZkriogla, eg. LoKSuins, I, v. 6) sagt, daß die Vaner am Flusse Tanais oder Vanaqvisl wohnten, und erwähnt den Krieg, der dort zwischen den Asen und Vanern gesührt, und die Aussöhnung, die zwischen ihnen gestistet wurde, bei welcher Gelegenheit Niördr als Geisel nach Skandinavien kam.

Mit Asen Ael zu trinken,
Und SLhrimnirs satt -
Sitzen sie sriedlich beisammen.*)

Gangradr, Sag mir zum zwölsten,

Wenn der Götter Zukunst
Du alle weißt, Wasthrudnir,
Von der Ioten und aller
Asen Geheimnissen
Sag mir das Sicherste
Allkluger Iote.

Wasthrudnir. Von der Ioten und aller
Asen Geheimnissen
Kann ich Sicheres sagen,
Denn alle durchwandert
Hab ich die Welten,
Neun Reiche bereist ich
Bis Niselheim nieder;
Da sahren die Helden zu Hel.**)

Gangradr. Viel ersuhr ich,
Biel versucht ich.
Besrug der Wesen viel.
Wer leibt und lebt noch,
Wenn der lang besungene
Schreckenswinter schwand?

Wasthrudnir, Lis und Listhrasir
Leben verborgen
In Hoddmimirs Holz,
Morgenthau
Ist all ihr Mal;

Von ihnen stammt ein neu Geschlecht.

Gangradr. Viel ersuhr ich,
Viel versucht ich,
Besrug der Wesen viel.

*) Die Einheriar sind die abgeschiedenen Helden, womit Odin sich in Walhalla umgiebt, und welche er aus das beste bewirthet, in der Hossnung, daß sie beim Untergang der Welt mit ihm gegen Muspelheim's Söhne streiten werden. Während ihres Ausenthaltes in Walhalla ergötzen sich die Einheriar damit, daß sie Meth (Ael) trinken, den Speck des unvergänglichen Ebers Sührinmir verzehren, mit einander kämpsen, sich todt schlagen und wieder ausleben.

**) Nieselheim, die Nebelheimath, ist der nördliche und kalte Theil der Welt, wo Eis und Frost herrscht. Dorthin wurde Hel, die Tochter des Menschenseind» lichen Riesen Loke, von Alsader, dem vornehmsten der Götter, hinabgeschleudert, wo sie diejenigen empsängt, die wegen Krankheit oder Alter sterben. Die Gegend von Niselheim, wo sich die Hel aushält, heißt Helheim.

Wohe r kommt die Sonne

An den klaren Himmel,

Wenn diese Fenrir*) sraß?
Wasthrudnir. Eine Tochter entstammt

Der strahlenden Göttin,

Eh der Wols sie würgt:

Glänzend sährt

Nach der Götter Fall

Die Maid aus den Wegen der Mutter,
Gangradr. Viel ersuhr ich,

Biel versucht ich,

Besrug der Wesen viel.

Wie heißen die Mädchen,

Die über der Zeiten Meer

Borwissend sahren?
Wafthrudnir. Drei über der Völker

Besten schweben

Mögthrasir's Mädchen **),

Die einzigen Huldinnen

Deren aus Erden,

Wenn auch bei Riesen auserzogen,
Gangradr. Viel ersuhr ich,

Viel versucht ich,

Besrug der Wesen viel.

Wer waltet der Asen

Des Erbes der Götter,

Wenn Surtur's Lohe losch?
Wafthrudnir. Widar und Mali

Walten des Heiligthums,

Wenn Surtur's Lohe losch.

Modi und Magni

Sollen Miölnir schwingen

Und zu Ende kämpsen den Krieg. ***)
Gangradr. Viel ersuhr ich,
, Viel versucht ich,

Besrug der Wesen viel.

*) Der Fennswols ist ein Kind des bösen Riesen Loke, und liegt von den Aseu gesesselt, bis die Zeit des Unterganges der Welt kommt, wo er sich losreißt und die Sonne verschlingt.

Das sind die Nornen, die Schicksalsgöttinnen, welche die Lebenszeit der Menschen bestimmen. Warum sie hier Mögthrasir's Töchter genannt werden, ist nicht erklärt.

Wenn Surtur die Erde mit Feuer zerstört hat, ergreisen Odin's Söhne Widar, Modi und Magni den Miölnir (Odin's Wasse, ein ungeheurer Hammer, mit dem er Alles niederschlägt) und setzen den Kamps sort bis zur Erschassung der neuen Erde. > -

Was wird Odin's
Ende werden,

Wenn die Götter vergehen?

Wasthrudnir. Der Wols erwürgt

Den Vater der Welten:
Das wird Widar rächen.
Die kalten Kiesern
Wird er klüsten''
^ Im letzten Streit dem Starken,*)

Gangradr. Viel ersuhr ich,
Viel versucht' ich,
Besrug der Wesen viel:
Was sagte Odin
Ins Ohr dem Sohn . ' .,
Eh er die Scheitern bestieg?

Wasthrudnir, Nicht Einer weiß

Was in der Urzeit du

Sagtest dem Sohne ins Ohr.

Den Tod aus dem Munde

Meldet' ich Schicksalsworte

Von der Asen Ausgang. ,-. .

Mit Odin kämpft' ich

In klugen Reden:

Du wirst immer der Weiseste sein,

Wasthrudnir erklärt sich hier sür überwunden, da er keine Antwort aus diese Frage weiß.**) Daß er den Tod verwirkt hat, ist ihm wohl bewußt; ob er an ihm vollzogen ward, vermeidet der Dichter zu melden. Daß er mit Odin gekämpst hat, erkennt der Besiegte an dem Inhalt der Frage, die ein Geheimniß betrisst, von dem kein Anderer Kunde haben kann. Sollen wir uns gleichwohl eine Vermuthung erlauben, so möchten wir aus der Stellung der Frage unmittelbar nach der über das Ende der höchsten Götter schließen, daß das hier waltende Geheimniß aus die einstige Wiedergeburt der Welt und der Götter zu beziehen sei***).

*) Bei dem, durch Surtur veranlaßten Weltuntergange verschlingt der Fenrir's Wols den Odin; aber Widar saßt ihn und reißt ihn mit gewaltiger Hand die Kieser und den Rachen auseinander und tödtet ihn so. Widar kommt unbeschädigt von Surtur's Flammen davon, und lebt dann in der neuen Welt,

**) Diese Frage schließt auch den Wettstreit zwischen dem Könige Hejdrik und dem blinden Gester (Odin) und kann auch von dem weisen Hejdrik nicht beantwortet worden; s. 8 38.

***) Simrock's Edda, S. 347,

§ 40. Dem Alvißmal (dem Eddaliede vom Alois) liegt solgende Sage zu Grunde*) Der Zwerg Alois, der unter der Erde wohnt und unterm Stein Stätte hat, will eilig seine Braut, dcs Gottes Thor Tochter, die schönglänzende, schneeweiße Iungsrau heimholen. Diese wird ihm, dem Bleichnasigen, der Nachts bei Leichen gelegen, verweigert, Alvis aber berust sich aus eine unverbrüchliche Verheißung. Thor will aber diese ausheben, er allein, als Vater, habe über die junge Maid zu versügen und er sei nicht daheim gewesen, als die Verheißung geschehen. Er nennt sich aus die Frage des Zwerges und wiederholt, daß die Hcirath ohne seine Zustimmung nicht zu Stande kommen werde. Der Zwerg hosft doch diese zu erlangen, und Thor willigt ein, wenn der Zwerg alles, was er wissen wolle, aus jeder Welt zu sagen vermöge. Alvis ist bereit die Probe zu bestehen, denn alle Welten hat er durchsahren und jedes der Wesen kennen gelernt. In einer Reihe von Fragen und Antworten gibt nun Alvis Bescheid, wie Erde, Himmel und Gestirne, Wolken, Winde, Meer, Feuer, Baum, Nacht, Saat, Bier u. s. w. bei den verschiedenen Wesenklasseu, bei Menschen, Asen, Vaneu, Iötunen, Alsen, Zwergen, verschieden benannt seien. Diese Rätselsragen, die Thor vorlegt, und die Antworten des Alvis heißen so:

Thor, Sage mir, Alvis,

Da alle Wesen,

Kluger Zwerg, du erkennst,

Wie heißt die Erde,

Die Allernährende,

In den Welten allen?
Alvis. Erde den Menschen,

Den Asen Feld,

Die Wanen nennen sie Weg,

Allgrün die Ioten,

Die Alsen Wachsthnm"),

Lehm heißen sie höhere Mächte,
Thor. Sage mir, Alvis,

Da alle Wesen,

Kluger Zwerg, du erkennst,

Wie heißt der Himmel,

Der hoch sich wölbt,

In den Welten allen?
[graphic]

*) Der Mythus von Thor, von L, Uhland; Stuttg. 1836, S, 78, **) Wer die Asen und Wanen sind, wurde bereits erwähnt; die Alsen sind der älteste Völkerstamm, der in Skandinavien gewohnt hat.

Alvis. Himmel den Menschen,
,,. Dach heißt er den Göttern,

Windweber den Wanen,

Elsen Glanzhelm,

Zwergen Träuselthor, Thor. Sage mir, Alois,

Da alle Wesen,

Kluger Zwerg, du erkennst,

Wie heißt der Mond,

Den die Menschen schauen,

In den Welten allen? Alvis. Mond sagen Sterbliche,

Scheibe Götter,

Bei Hel sagt man rollendes Rad,

Sputer bei Riesen,

Schein bei Zwergen,

Iahrzähler aber bei Alsen. Thor. Sage mir, Alvis, .' Da alle Wesen,

Kluger Zwerg, du erkennst,

Wie heißt die Sonne,

Die den Geschlechtern leuchtet,

In den Welten allen? Alvis. Sonne den Menschen,

Gestirn den Göttern,

Zwerge sagen Zwerg's Ueberlisteria,

Lichtauge Ioten,

Alsen Glanzkreiß,

Allklar Asensöhne. Thor. Sage mir, Alvis,

Da alle Wesen,

Kluger Zwerg, du erkennst,

Wie nennt man die Wolken,

Die nebelhaften,

In den Welten allen? Alvis, Menschen sagen Wolken,

Schauerer Götter,

Windschisss die Wanen,

Riesen Regenbringer,

Alsen Unwetter, , ,., ^ ,

Bei Hel heißen sie Nebelhelm. Thor. Sage mir, Alois,

Da alle Wesen,

Kluger Zwerg, du erkennst,

Wie heißt der Wind,

Der weithin weht.

In den Himmeln allen?

»lvis. Wind bei den Menschen,
Wehe bei den Göttern,
Wieherer höhern Wesen,
Bei Ioten Grein«,
Lärmer bei Alsen,
Bei Hel heißt er Heuler,

Thor. Sage mir, Alvis,
Da alle Wesen,
Kluger Zwerg, du erkennst,
Wie heißt die Lnststille,
Die liegen soll
Ueber allen Welten?

Alvis. Den Menschen Lust,
Lager den Göttern,
Windflucht sagen die Wanen;
Schwüle die Riesen,
Alsen Morgeuröthe,
Zwerge heißen sie Heiterkeit.

Thor. Sage mir, Alvis,
Da alle Wesen,
Kluger Zwerg, du erkennst.
Wie heißt das Meer,
Draus Männer rudern,
In den Welten allen?

Alvis, See sagen Menschen,
Spiegel die Götter,
Wanen nennen es Woge,
Riesen Aalheim,
Alsen Wasserschatz,
Zwerge heißen es hohes Meer,

Thor, Sage mir, Alvis,
Da alle Wesen,
Kluger Zwerg, du erkennst,
Wie heißt das Feuer,
Das den Völkern brennt,
In den Welten allen?

Alvis. Feuer den Menschen,
Den Göttern Flamme,
Woger sagen Wanen,
Riesen Raschler,
Zwerge Zünder,
Bei Hel heißt es Wüster.
Thor. Sage mir, Alois,

Da alle Wesen,

Kluger Zwerg, du erkeunst,

Wie heißt der Wald,

Der ewig wächst,

In den Welten allen?
Alvis. Wald heißt er den Menschen,

Den Göttern Haar des Berges,

Bei Hel Hügelmoos,
^Bei Riesen In die Gluth,

Bei Alsen Schönverzweigt/

Wanen heißt er Heister. Thor. Sage mir, Alvis,

Da alle Wesen,

Kluger Zwerg, du erkennst,

Wie heißt die Nacht,

Die Nörwis Tochter ist,

In den Welten allen? Alvis. Nacht bei den Menschen,

Nebel den Göttern,

Hülle höhern Wesen,

Riesen Ohnelicht, , ^

Alsen Schlummerlust,

Traumgenuß nennen sie Zwerge.

Thor. Sage mir, Alvis,

Da alle Wesen,

Kluger Zwerg, du erkennst,

Wie heißt die Saat,

Die da gesäet wird,

In den Welten allen? Alvis. Saat bei den Menschen,

Bei Göttern Samen,

Gewächs bei den Wanen,

Bei Riesen Atzung,

Bei Alsen Stoss,

Bei Hel heißt es wallende See. Thor. Sage mir, Alvis,

Da alle Wesen,

Kluger Zwerg, du erkennst,

Wie heißt das Ael,

Das Alle trinken,

In den einzelnen Welten?

Alvis. Ael bei Menschen,
Bei Asen Bier,

Wanen sagen Saft,
Riesen helle Flut,
Bei Hel heißt es Meth,
Geschlürs bei Suttungs Söhnen,*)
Thor. Aus Einer Brust
Alter Kunden
Vernahm ich nie so viel.
Mit schlauen Listen
Verlorst du das Spiel,
Der Tag verzaubert dich, Zwerg:
Die Sonne scheint in den Saal.

Es ist Alvismal eine Nachahmung von Wasthrudnismal.**) Die Aehnlichkeit tritt zuerst in den Namen hervor. So wie Wafthrudnir der allkluge (alsviSKr) Riese, so heißt Alvis der allkundige (aIvis) Zwerg; beide sind in allen Welten, und in geheimen Kunden aus der Urwelt bewandert, und besonders ist der Zwerg der Sprache aller Welten kundig.***) Im Wasthrudnismal ist ein Wettgespräch Odin's mit dem Riesen, bei dem das Haupt zur Wette stand, zur Form der Belehrung über die höchsten mythologischen Dinge benutzt; im Alvismal gibt ein Fragespiel Thor's mit dem Zwergen, bei dem es nun eine Braut gilt, Veranlassung, eine Reihe poetischer Synonime vorzusühren. Beide Einkleidungen beruhen aus dem uralten Gebrauche der Rätselsragen, bei welchen das Haupt des Verlierenden zu Psande zu stehen pflegt, wonach im Wasthrudnismal der Riese unterliegt; im Alvismal, wo von keiner Strase die Rede ist, sollte eigentlich der Zwerg, der alle Fragen gelöst hat, siegen und den verheißenen Lohn, die Braut, davontragen, aber um diesen wird er durch eine List

*) Kvaser, oder Ouaser, ein Mann im Gesolge der Asen, war so weise, daß ihm Niemand eine Frage vorlegen konnte, die er nicht zu beantworten wußte, Er wandelte in der Welt umher, um Weisheit zu predigen, u)id kam einst zu den beiden Zwergen Fialar und Galor, welche ihn tödteten und Honig in sein Blut gossen und daraus einen Trank bereiteten, der den Zauber besaß, daß Ieder, welcher davon trank, Dichter und Weiser wurde. Der Riese Suttung raubte aber diesen Sast den Zwergen und verwahrte ihn im Berge Heitbjerg; Odin jedoch entdeckte diesen Ausenthaltsort und raubte den Sast und sührte ihn nach Asgaard, einer mitten in der Welt gelegenen Stadt, wo die Asen wohnten. **) Simrock, S. 373, Uhland, S. 80.

***) Einem Zwerge die allseitige Sprachkenntniß beizulegen, war ein volksmäßiger Anlaß gegeben. Das besondere Gebiet der Zwerge erstreckt sich über das Innere der Erde, Gestein sowohl als urbaren Grund, Vom Gestein aber hallt aller Klang, aller Wesen Sprache wieder, und noch jetzt heißt in den nordischen Mundarten das Echo Zwergrede; namentlich läßt ein säröisches Volkslied in den Bergen, in jedem Fels diese Zwergsprache singen. . . gebracht, da Thor ihn durch seine Fragen aushält, bis er, vom Tageslicht überrascht, zu Stein erstarrt. Es liegt aber noch eine besondere tellurischcosmische Symbolik im Alvismal. Die Tochter Thor's und seiner Gemahlin Sis ist Thrud (Thrudhr), und da der Name Thrud die Bedeutung Krast und Stärke hat, so ist das Nächste hier an das nährende und stärkende Erdmark zu denken, an die Nährkrast, die im Korne liegt, dem eigensten Erzeugnisse der Eltern Thor und Sis. Thor verweigert seine Tochter dem Zwerge, dem sie in seiner Abwesenheit verlobt worden. Daß diese Tochter schönglänzend und schneeweiß genannt wird, paßt ganz aus das neugewachsene und neues Leben beginnende, goldsarbige, weißmehlige Saatkorn. Der Zwerg ist als unterirdischer, lichtscheuer Erdgeist gezeichnet; er haust unter Erde und Stein, ist bleich um die Nase, als hätte er die Nacht bei Leichen zugebracht, die auch in der dunklen Erde liegen. Ihm ist Thor's Tochter, während dessen Abwesenheit, anverlobt, das ausgestreute Saatkon? ist dem sinstern Erdengrnnde gegeben. Bei seiner Zurückkunst überrascht Thor den Zwerg mit Tageslicht und Sonnenschein; dies kann aus die Wiederkehr der längeren, sonnigen Tage bezogen werden, welche dem Boden die Saat wieder abgewinnen; dabei waltet noch die in manche Sage eingreisende Vorstellung, daß Nachtgeister vom Tageslicht überrascht, in Steine verwandelt werden, wie es hier dem Zwerg geschieht, der von Thor durch die Fragen so lange mit List ausgehalten wird, bis ihn das Tageslicht überrascht, und ihn zu einen Stein erstarrt.*)

K 41. Das Gedicht vom Wartburgkriege, dessen Absassung in die ersten Iahre nach 1215 sällt, stand an der Spitze änigmatischdramatischer Dichtungen jener Zeit. Indem dasselbe, sagt Bechstein**), uns zu allbekannten Schauplätzen sührt, überstrahlt es sagenhast und dichterisch zugleich den geweihten Boden der Wartburg, und läßt tiese Blicke in das hösische Gebahren jener Zeit, sowie in das sociale Leben der Sänger, ihre Anschauungs- und Gesühlsweise thun. Es war ein sröhliches Treiben der am Hose des Landgrasen Herrmann von Thüringen aus der Wartburg versammelten Genossen (Wolsram von Eschenbach, Klingsor aus Ungerland,

*) Aehnlich ist die schwedische Sage von den Elsenjungsrauen, welche ihre Spiele und Tänze aus der Erde mit Sonnenuntergang beginnen, was bis zum Hahnengeschrei dauert; sobald sich aber dieser hören läßt, dürsen sie nicht länger aus der Erde verweilen; haben sie aber dieses versäumt, so werden sie aus derselben Stelle, wo sie sich gerade besanden, einen Tag lang bis zum nächsten Hahneurus unsichtbar gebannt.

**) Mythe, Sage, Mähre und Fabel im Leben und Bewußtsein des deutschen Volkes; 2. Thl. Leipz. 1855, S. 6.

Walter von der Vogelweide, Heinrich von Reisbach, Reinmar von Zweier, Biterols von Stilla u. A.), so daß selbst Walthern von der Vogelweide endlich von dem Lärm die Ohren wehe thaten, und er sang:

„Ein Schaar sährt aus, die andre ein, Nacht und Tag;
Und galt ein Fuder Weines tausend Psund,
Nie standen doch der Ritter Becher leer."

Darum konnte gar Wohl ein alter Sänger die Wartburg dichterisch ein Schloß Zechenbach nennen*), weil den Zechern allda der edle Wein gleich einem Bache floß. Bei diesem Sängerkriege legt nun Klingsor dem Wolsram Rätsel vor**), welche letzterer lös't, woraus Wolsram gleichsalls dem Klingsor ein Rätsel vorlegt:

1, Klingsor, Ein Vater seinem Kinde ries,

An eines Sees Damme lag es da und schlies:

„Erwache Kind, ich wecke dich aus Treue;

Diesen See bestürmt der Wind,

Auch kommt die sinstre Nacht; erwache, liebes Kind!

Verlör' ich dich, das büßt' ich stets mit Reue."

Noch suhr das Kind zu schlasen sort; als das der Vater sshe,

Er trat zur Stelle, wo es lag.

Und gab mit seiner Hand ihm einen Ruthenschlag,

Er sprach: „erwache Kind, die Nacht ist nahe."

Den Vater übernahm der Zorn,

Mit seinem Munde blies er in ein helles Horn,

Und sprach: „du schlässt, wach endlich aus, du Dummer!"

Aus rechter Liebe das geschah,

Das Kind bei seinem krausen Haare nahm er da,

Und gab ihm einen Backenschlag im Schlummer.

Er sprach: „das Herz ist dir versumpst, ich muß dich besser ziehen1

Erscholl mein Horn nicht laut genug,

Und srommte dir die Ruthe nicht, mit der ich schlug,

Noch hels' ich dir, willst du der Flut entfliehen."

*) Albrecht von Halberstadt dichtete „Metamorphosen Ovids", deren Dichtung in das Jahr 12 l«, also ganz nahe mit dem Wartburgkriege zusammensiel. Dieses Gedicht ging, bis aus den Prolog, verloren, und nur eine spätere Ueberarbeitung durch Georg Wickram aus Colmar blieb erhalten; dieser nennt ein Schloß Zechen, bach, daraus der thüringer Landgras Hermann den Sänger Albrecht gehalten habe, meint das jedoch jedensalls in demselben scherzhasten Sinne, in dem noch heute ein erlesener Kreis von Freunden unter sich jenen berühmten Sängersitz die Humbenburg nennt, denn ein Schloß Zechenbach giebt es nicht im sang, und klangreichen Thüringerlande, wohl aber war, nach der Minnesänger eigenem Zeugniß, des Zechens nicht wenig aus der sängerbelebten Wartburg.

**) Jch nehme die Uebersetzung von Simrock (der Wartburgkrieg, Stuttg. 1858) im Auszuge, indem ich nur das ansühre, was aus das Rätsel und seine Auslösung Bezug hat, und deshalb manche Strophe und Vers hinweggelassen habe.

Friedreich, Gesch. d, Rätsel«. 9

Der Bater sah sein liebes Kind noch schlasen dort,

Mit Jammer er die Angen zu ihm wandte; , , Davon ward sein Gemüthe schars, Daß er mit einem Schlegel nach dem Kinde warf)' Er sprach: „Nimm wahr, den Boten ich dir sand»;.' Dein pslag ein Thier, Ecidemon*), das war gar sonder Galle, Da solgtest du des Luchses Rath, , j-.. Der dich in diesen salschen Schlas betrogen hat." ü, -.:! Da brach der Damm und kam der See mit Schalle., Wolsram. So höre, wer dem Kinde ries: Altissimus**) der starke. Ein jeder Sünder ist das Kind, Gottes Horn die weisen Meisterpsassen sind: So schwebt in deines Sinns See meine Barke. Nun höre, ob ich weiß zu spühn: Den Ruthenstreich läßt Gott an Freunden dir Groß Herzeleid, das ist sein erstes Strasen. Versäumst du Besserung zu lang, Den Backenschlag verstehe: du wirst selber krank, Willst du zu lang in deinen Sünden schlasen, Des Schlegels Wurs, das ist der Tod, den er dann an dich sendet,

Womit er Beicht' und Reu' begehrt;

Wird beides ihm nicht völliglich von dir gewährt,

So harrt dein Höllenpein, die nimmer endet., ^

Jst mir der Sinn im Herzen zahm,

So will ich dich bescheiden von des Sees Damm:

Das ist die Zeit, die Gott dir zugesprochen.

Versäumst du aber deine Zeit,

So glaube mir's gewiß ohn' allen Widerstreit,

Daß du den Damm dir selber hast durchbrochen.

Der See ist deine künst'ge Zeit, die Tage sind die Winde,

Dein Engel ist Ecidetnbn,

Der Luchs der Teusel, der dir wägen mag den Lohn,

Gar schlimm V,.^,".-,,',.,,.^,- ^.^" 2. Klingsor. Ein König hat zwei Kinder lieb,

Jungsräulein, deren Jugend ungekrönt noch blieb,

Ward hohe Krone beiden auch gemessen, : '. ,. Zwei Männer hat er dann erwählt,

In rechter Eh' den schönen Kindern anvermählt;

Er sprach: „Jch will euch zweie nicht vergessen.
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,>bLi. Mt euern Frauen krönen werd' ich euch nach zwanzig Wochen, Daß ihr zusammen Kronen tragt

Aus Häuptern zwein." Wer mir dieß sremde Wunder sagt,

Deß Meisterkunst bedünkt mich unzerbrochen.

Der eine Mann gewann den Sinn,

Er sügte seiner jungen Königin

Viel Herzeleid und großen Jammers Peinen;

Er schlug sie ost mit scharsem Dorn,

Unter seine Füße wars er sie im Zorn,

Sie sudelnd in dem Psuhle bei den Schweinen,

Das sah der König, der die Krone diesen Zwein verliehen;

Gerechter Jorn ihn übermannt:

„Jch muß mich euer schämen," sprach er allzuhand,

„Mein Angesicht will ich euch stets entziehen."

Die andre Magd litt große Noth

Von ihrem Friede!*): ost ward ihr das Auge roth.

Nun Meister, merkt mein Singen und mein Sagen,

Er bewars sie ost mit schnödem Mist;

Darnach erdacht' er eine wunderliche List,

Zu einer Quelle hat er sie getragen,

Und wusch ihr gütlich wieder ab, womit er sie entreinigt.

Da ward ihm hold des Königs Herz.

Aus dieß Gebäude ziemte wohl ein Dach von Erz:

Jch muß ihn preisen, wer es recht vereinigt. /««hmIA Wolsram, Da ich mit Erz dir decken soll,

Der König ist Gott selber: so erkenn ich wohl

Zwo Seelen in den schönen Kindern beiden.

Die jungen Manner sind ihr Leib;

Noch todt, bis ihnen Leben gibt die Seel, ihr Weib.

Der Krone noch entbehren sie als Heiden:

Nach zwanzig Wochen bringet sie die Tause dann mit Freude,

Die tragen sie aus Häuptern zweien.

Wer mir das verwersen wollte, spräche Mein:

So deck ich meisterlich ein sremd Gebäude.

Nun merke, Mann und selig Weib,

Wie doch die Seele martern kann ein salscher Leib: . .i,,^ Unkeusche Worte gleichen jenem Dorne;

Wenn Sünde dann das Herz vollbringt,

Daß Herz und Zunge übel nur zusammenklingt,

Mit Füßen trittst du so die Auserkorne.

Wo je der Leib die Seele will im Lasterpsuhl entreinen,

Daß er sie in die Sünde legt,

*) D. i. von ihrem Angetrauten,

Sie dann zum Waschen nicht zum Quell des Brunnens trägt,
Gott schämt sich sein, der so sich kann versteinen*)

Z. Klingsor. Herr Salomon, der König reich,

Der ließ sich zimmern einen Thron gar ohne Gleich,

Von Gold und auch von edelm Elsenbeine,

Aus sechs der Stusen auswärts gings,

Zwöls junge Löwen aus den Stusen rechts und links:

Nun merke Meister, was die Möre meine:

Zu beiden Seiten standen einzeln noch zwei große Leuen.

Ganz umsangen war der Thron

Mit zweien Armen: schön saß König Salomon

Und mächtg da

Wolsram. Verschone, Meister, mich dein Haß:

Altissinlus gewaltig in dem Throne saß,

Seine Mutter auch, der Thron, ist hoch zu preisen.

Seiner Allmacht gleicht des Goldes Schein;

Der reinen Magd vom Himmelreich das Elsenbein;

Zwöls Löwen aus die zwöls Apostel weisen.

Zur rechten Hand steht Gabriel, ein starker Len, zur linken

Johannes der Evangelist.

Simeon und Joseph, sie umsingen Christ,

Das sind die Arme

4. Klings«. Gewachsen ist ein edler Baum, ','.

Mit hoher Kunst gebildet in des Gartens Raum:

Sein Wurzel hat der Hölle Grund durchgangen.

Sein Wipsel rühret an den Thron,

Da der süße Gott bescheidet Freunden Lohn;

Von den Besten ist der Garten ganz umsangen;

Jn soller Zierde prangt der Baum, belaubt in reich» Schöne.

Dazwischen sitzen Bögelein, , .' .

Die singen süßen Sang in Stimmen klar und seiu,

Vielsach ist ihre Kunst und ihr Getöne.

Unter dem Baume liegt ein Thier,

*) Simrock erklärt dieses Rätsel aus der alten Ansicht, daß das Kind im Mutterleibe die Seele erst empsange, wenn die Mutter die erste Bewegung unter dem Herzen spürt. Dann also werden Leib und Seele verbunden: zwanzig Wochen später, also gleich nach der Geburt empsängt das innig verbundene, bis dahin heidnische Paar die Krone durch die Tause. Dieser Paare sind zwei, weil der Dichter au ihnen veranschaulichen will, wie verschieden der Leib mit der ihm anvertrauten Seele umgehen könne. Der Eine schlägt sie mit Dornen, wirst sie im Zorne unter die Füße und besudelt sie im Psuhle. Auch der Andere behandelt sie ansangs unwürdig, er bewirst sie mit schnödem Mist; hernach aber trägt er sie zum Brunnen und reinigt sie, wodurch er die Gunst des Königs, ihres Vaters, wieder gewinnt. Diese beiden sind nach Wolsram's Deutung darin verschieden, daß der Eine in der Sünde be, harrt, der Andere sie bereut und Buße thut.
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Das heißt mit Recht nach seiner Art Alistenier*): Es achtet nicht das Obst, das niedersinket, Ob Sonn es lös't, ob Windeswehn. Nur weise Gotteskinder es zu lesen gehn, Wie ihnen dort ihr hoher Meister winket, Der oben aus dem Baume steht und Früchte bricht vom Zweige. Wer mir nun rathen kann den Stamm, Vor seinem Löwenmunde will ich sein ein Lamm, Da ich, wo Er will reden, billig schweige, Wolsram. Der Garten ist die Christenheit,

Der edle Baum das heilge Kreuz**); das mag so breit,

So hoch und weit die ganze Welt beschließen,

Den Himmel und der Hölle Grund,

Wo der leide Teusel aussinnt manchen Fund;

Denn wo er liegt, da mag ihn wohl verdrießen.
Wer mit Gott gedeihen will, das Bild erwähl' er gerne,
Führe das Kreuz an seiner Hand:
Er ist behütet, kam' er weit in sremdes Land,
Und sei gewiß, der Teusel bleibt ihm serne.
Nun greis ich an die Aeste breit,
Die trägt das edle Kreuz in all die Welt so weit,
Jn mancher Hand***): wer sich damit will decken
Der ist beschirmt so Nacht als Tag:
Das ist dem leiden Teusel gar ein Schwertesschlag,
Sein kranker Sinn der muß davon erschrecken.
Erlöset des Kreuzes Krast die Jsrael'schen Gäste;
Seine Wurzel klang zur Höllenglut
Und nahm daraus das reine Himmclsgut:
Davon zerbrach die leide Höllenveste.
Wolsram. Ein Jäger, der zur Haide suhr

Nach Thieren groß und klein, gewahrt er ihre Spur,
So wies er seinen Leithund aus die Fahrte,

*) Mit diesem Worte soll der als Schlange unter dem Baume liegende Teusel gemeint sein,

**) Die bildende Kunst des Mittelalters pflegte das Kreuz des Heilandes als Baum mit Aesten, Zweigen und Blüthen darzustellen. Die Isgenää smreä berichtet, das Kreuz sei aus viererlei Bäumen zusammengewachsen, der Stamm unten eine Ceder, mitten eine Cypresse, oben ein Oelbaum, die beiden Arme eine Palme ge, Wesen. Nach einer andern Legende soll Adam eine Ceder, Fichte und Cypresse gepflanzt haben, die zum Stamme des Kreuzes zusammenwuchsen. Der iSrundge, danke bleibt immer, das Kreuz ist aus dem Baume des Lebens gezimmert, daher es auch aus griechischen Bildern nicht behauen, sondern noch als ein ganz grüner Palmbaum abgebildet erscheint,

***) Hier ist aus den Kreuzzug, aus die Glaubensstreiter und die christlichen Apostel hingedeutet.

Er suchte beides, Wild uud Zahm; -
Von mancher salschen Fahrt er ihn mit Sorgen nahm.
Dem nie ein Rätsel Widerstand gewährte,
Klingsor, wer ist der Jäger? Kannst du seinen Hund mir nennen,
So ist dir Meisterschast gewahrt.
.... Der Jäger sucht nichts aus, als was ein Arzt begehrt.
Eine Aessssin lies vor ihm in Eil: , ,^,„

Da ließ er seinem Leithund schießen gleich das Seil;
Sie trag der Kinder zwei aus beiden Armen.
Hin würse sie das leide Kind gern bei des Hernes Schalle,
Doch sest am Hals ihr hielt sich das:
Sie konnt es nicht entlassen, trug sie ihm auch Haß;
Das liebe Kind vor Müde ließ sie sallen,
Dieß Thier sein Leben hier verzehrt;
Das leide Kind wie ein Wunder von dannen sährt,
Nicht sangen kann's der Jäger mit dem Hunde;
Auch trugen sie des nicht Begier,
Das leide Kind und all die Wunder deute mir,
Da du acht Zungen trägst in deinem Munde, *)
Klingsor. Der Jäger ist der Tod genannt,

Er sührt der Seuchen mancherlei an seiner Hand,

Deren eine meinte Wolsram mit dem Hunde.

Er hetzt dich mit der Seuche, bis du alle Sünd' ertränkest

Mit Beichte; das nimmt er sür gut.

Die hohe Warnung er zn deiner Beßrung thut;

Sonst hüls er seinem Hunde, daß du sänkest.

Die Seele legt Natur in Bann:

So Mann als Frauen, eure hohe Menschheit kann

Sie wohl im Sturm in Höllenseuer wehen.

Man sindet Leute, so beschied

Mich Savelon**) von Babylon, die immer mit

Der eigenen Natur den Kamps bestehen,

Dem Teusel hilst Natur, an dir sein Zürnen zu vollbringen.

Jch lehre dich, was dich besreit:

Scham und Sinn und hütende Besonnenheit:

Das schützt dich, wenn du's hast, vor Höllenschlinge«.

Getreuer Jäger, mir ist kund,

Du warnest manchen mehr als zehen Mal; den Hund

Von seiner Fährte weißt du wohl zu ziehen.

') D. h. „du weißt so viel zu sagen, als hättest du acht Zungen in deinem Munde"; damit will Wolsram dem Klmgsor etwas Schmeichelhastes sagen. Ein ähnliches Lob wird dem Tragemunt (§ 42) gespendet: „es seien ihm zwei und siebzig Länder bekannt".

**) Der Name eines Zauberers, Sterndeuters, der auch anderswo (in Zabu, lons Buch) von Wolsram Zabulon genannt wird, ..." ...
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Wenn du das Thier noch schonen willt, . ,'.,!',,-'
So brichst dn ab und suchest dir ein ander Wild:
So mag dir weder Jung noch Alt entsliehen,
Wohl dienst du manchen: argen Mann in deiner zorngen Weisel

Das leide Kind ist Sündenlcben:
Hälst du die Buße nicht, die dir die Priester geben,
Sünd' ist verwiesen aus des Himmels Reichen, dl?" .

Gott gibt sür Sünd' Erbarmen dem, der sie mit Reue suchet.
Sie bracht' ihn in die große Roth,
Daß er ward einer Jungsrau Kind, vom ew'gen Tod
Uns zu besreien; wir waren sonst verfluchet.

H 42. Das dem vierzehnten Jahrhunderte angehd,rige Tragemuntslied stammt von der alten Gastsreiheit, Wanderer, Wallsahrer, Pilger u. dergl. wurden mit Herberge, Speise und Trank bewirthet; da aber auch schlechtes Gesindel und Vagabunden nicht selten Einkehr begehrten, so legte der Bewirthende Räthsclsragen vor, um zu sehen, ob der Fremde zur Ehre des Gastgebers antworte, ob er einer gastsreundlichen Ausnahme würdig sei. Analoges s;nden wir in der Edda, wo die Riesen und Zwerge von Odin und Thor durch Rähselsragen geprüst werden, ob sie wirklich so weise und klug seien, als von ihnen ausgesagt wird.*) Schon diese Analogie mag mit zu den Beweisen gehören, daß das Tragemuntslied altdeutschen Ursprunges ist, und nicht, wie Einige, welche das Wort von Dragoman, Dollmetscher, ableiten und es Dollmetscherlied nennen**), glauben, aus dem Osten zu uns herüber gewandert sein soll. Grimm***) bringt das Wort Tragemunt.
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mit Tragebodo, Tragaboto, Traboto, d. i. Bote in Verbindung, und da die Begrisse von Bote und Pilger und Gast zusammenschmelzten, so erhalte dadurch das Wort Tragemunt seine Bedeutung; auch spricht dasür solgende im „König Orendel" vorkommende Stelle:

„Da kam ein armer wallender Man,
Der wolt zu dem heiligen Grabe gan,
er was genant Tragemunt
im waren I.XXII kiinigreich kunt."

Ein Alterthum bürgt dem andern. Diese Stelle sei ein episodischer, epischer Einfluß aus unserm Gedicht, oder eine wirkliche Anspielung; es kann nicht bestritten werden, daß der Name Tragemunt unserer ältesten Poesie angehört, und es ist noch besonders bemerkenswerth, daß die letzte Zeile von obiger Stelle aus „König Orendel" dem Wiederholungssatze im Tragemuntsliede s„zwei und siebenzig lant die sint dir kunt") vollkommen entspricht. — Nachdem Tragemunt, als sahrender Mann, bewillkommt ist, legt ihm sein Gastsreund solgende Rätselsragen vor*), die ich in unsere Sprache solgendermaßen übertrage:

Frage. Nun sage mir, Meister Tragemunt,

Zwei und siebenzig**) Länder sind dir bekannt:
Welcher Baum trägt ohne zu blühen?
Welcher Vogel säugt seine Iungen?
Welcher Vogel hat keine Zunge?
Welcher Vogel ist ohne Magen?
Kannst du mir dieses sagen,

So will ich dich sür einen stattlichen Knappen halten.
Antwort. Das hast du gesragt einen Mann,

Der dir dieses ausrichtig sagen kann:
Der Wachholder trägt ohne zu blühen***),
Die Fledermaus säugt ihre Iungen-s-),
Der Storch ist ohne Zunge-s-f),

*) Das Original steht bei Grimm a. a, O. Ein verstümmelter Abdruck daraus bei Oeser, Geschichte der deutschen Poesie, 1 Thl. Leipz. 1844, S. l54.

**) D, h. sehr viele; 72 ist die poetische, wunderbare Zahl der Größe. Aehn» lich sagt Wolsram zu Klingsor in dem Rätselkampse (8 4l): „du hast acht Zungen in deinem Munde".

—*) So sagt auch ein altes deutsches Rätsel: Rath, Ritter gut, Was trägt ohne Bluth? f) Die Alten rechneten die Fledermäuse zu den Vögeln. 1^) Der Storch hat keine Stimme (er klappert nur mit dem Schnabel), daher glaubten die Alten, daß er keine Zunge habe.

Der Swarbe*) ist ohne Magen.

Das will ich dir getreulich sagen.

Und sragst du mich jetzt noch mehr,

Ich sage dir's weiter dir zu Ehren.
Frage. Nun sage mir, Meister Tragemunt,

Zwei und siebenzig Länder sind dir bekannt:

Was ist weißer als der Schnee?

Was ist schneller als das Reh?

Was ist höher als der Berg?

Was ist sinsterer als die Nacht?

Kannst du mir dieses wohl sagen,

So will ich dich sür einen stattlichen Knappen halten.
Antwort. Das hast du gesragt einen Mann,

Der es dir gründlich sagen kann.

Die Sonne ist weißer als der Schnee,

Der Wind ist schneller als das Reh,

Der Baum ist höher als der Berg—),

Der Rabe ist schwärzer als die Nacht,

Das will ich dir getreulich sagen.

Und sragst du mich jetzt noch mehr,

Ich sage dir's weiter dir zu Ehren.
Frage, Nun sage mir, Meister Tragemunt,

Zwei und siebenzig Länder sind dir bekannt:

Durch was ist der Rhein so ties?

Oder warum sind die Frauen also lieb?

Durch was sind die Matten so grün?

Durch was sind die Ritler so kühn?

Kannst du mir dies jetzt sagen,

So will ich dich sür einen stattlichen Knappen halten. Antwort, Du hast gesragt einen Mann,

Der es dir gründlich sagen kann.

Von mancher Quelle ist der Rhein so ties,

Von hoher Minne sind die Frauen also lieb,

Von manchen Kräutern sind die Matten grün,

Von mancher starken Wunde sind die Ritter kühn.

Und sragst du mich jetzt noch mehr,

Ich sage dir's weiter dir zu Ehren,
Frage, Nun sage mir, Meister Tragemunt,

Zwei und siebenzig Länder sind dir bekannt:

Durch was ist der Wald so grau?

Durch was ist der Wols so weiß?

*) Gs ist unbekannt, welches dieses Thier sein soll. Grimm glaubt, es sei ein mythischer Vogel; Simrock übersetzt in seinem deutschen Rätselbuche mit „Taucher".

**) D. h. der Baum, der aus dem Gipsel des Berges steht.

Durch was ist der Schild verblichen?

Weshalb hat mancher gute Gesell den andern verlassen?

Kannst du mir das wohl sagen, . ''."

So will ich dich sür einen stattlichen Knappea halten,
Antwort. Von manchem Alter ist der Wald grau, , - ?>,,.'

Von unnützen Gängen ist der Wols weiß*X ,

Von manchem starken Heerzug ist der Schild verblichen,

Wegen Treulosigkeit hat mancher gute Gesell den andern verlassen.

Und sragst du mich jetzt noch mehr, i'

Ich sage dir's weiter dir zu Ehren,
Frage, Nun sage mir, Meister Trageinunt,

Zwei und siebenzig Länder sind dir bekannt:

Was ist grün wie der Klee? . . ,.'

Was ist weiß wie der Schnee? . , ',

Was ist schwarz wie der Kohl?

Was trabt leicht wie das Füllen?

Kannst du mir dies jetzt sagen,

So will ich dich sür einen stattlichen Knappen halten,
Antwort. Das hast du gesragt einen Mann,

Der dir dieses gründlich sagen kann. ,.-"

Die Ageleie**) ist grün wie der Klee,

Und ist weiß wie der Schnee, :'',

Und ist schwarz wie der Kohl,

Und hüpst leicht wie das Füllen,

V.

K 43. Nebst dieser bisher erwähnten ernsten Bedeutung kommt dem Rätsel aber auch durch seinen Witz und seine Laune eine erheiternde, sröhliche, scherzende zn, wodurch es sich im socialen Leben eine besondere Geltung verschafft hat. Wir erwähnen hier das Rätsel bei den Gastmahlen, reihen an die Heiterkeit des Mahles den Frohsinn der Liebe mit seinen erotischen Rätselliedern, und erwähnen dann das eigends sür Scherz und Laune geschassene Neckrätsel. (tz 44 bis 48.)

*) Von vereitelten Gängen des Wolses ist in der Thiersabel ost die Rede; dieses Betrogenwerden verursacht dem Wols Kummer, und er altert vor der Zeit, wird weiß.

**) D. i. die Elster (Ageleister, Aglaster, Atzel), von der gesagt wird, sie habe kleegrüne Augen, eine weiße und eine schwarze Farbe, und eineu hüpsenden Gang.

§ 44. Daß das Ausgeben und Rathen von Rathseln eine erheiternde Unterhaltung bei den Gastmahlen*) gewähren kann, ist allseitig anerkannt worden. „In jooosisimrratismdns, sagt Kirch er**), atc^ue coQviviorniu sermouldus suus est locus; o.uoä et, ingenium acuere siinul, et suspeusuiu et äudium auüitoi uW animum Keets possunt aä praesentium et, aästantiuill KilaritatSm et laetitiam"; Wachsmuth***) sagt: „die Griphoi waren eines der vielerlei Witzspiele, mit welchem der hellenische Geist die Symposien zu beleben pslegte". So war es nun auch wirklich bei den Griechen gebräuchlich, sich bei den, von ihnen so sehr geschätzten Gastmahlen****) Rätsel auszugeben; daraus deutet die Stelle bei Aristophancs-s-), wo Xanthias dem Sosias seinen Traum erzählt:

Zanthias Ein Adler, schien mir?, schoß

, ^- , Aus den Markt herab, ein gewaltiger, packte mit seinen Klau'n, Als ob's 'ne Schildkröt' war', einen ehernen Schild, Und trug ihn empvr bis Koch in de« Himmels blaue Höhn, Und wars ihn wieder zur Erde trotz dem Kleonymosff). Sosias. Da sehlt ja dem guten Kteonymos, Freund, zum Rätsel nichts: - , Was ist es, wird man künstig sragen beim Trinkgelag,

Was ist es sür ein Geschöps, das wohl zn Wasser und Land, ,, Zu Fuß und Roß hinweg die halbe Schildkröt' wirft? Wer bei den Gastmahlen die Rätseln errieth, erhielt eine Belohnung, wer sie nicht errieth, mußte zur Strase Wein mit Salz vermischt, oder sonst etwas Uebelschmeckendes trinken f-j-t,). Ein solches Gastmahl wird von Plutarch in seinem „Gastmahle der sieben Weisen" erwähirt. Ein Gastsreund gibt solgende Räthsclsragen nebst ihren Auslösungen:

Was ist das älteste? die Zeit; was ist das größte? die Welt; was ist das , Leiseste? die Wahrheit; was ist das schönste? das Licht; was ist das gemeinste?

*) Die Abhandlung von 2«i-n, „Siss, ge smtiquo seuiginatum in Ooenis usu" konnte ich nicht austreiben.

—) Oeäipus «Mtiaens, II. ?. I. Olass. 1. «!w. 4. Kom. 1653, p. 28. Helle„ische Alterthumskunde, 2. Ausl. 2. Bd. Halle 184s, S. 7ss.! 5»°*«) Den sröhlichen Mahlen wurde ein besonderer Werth beigelegt, so daß Homer (Oüz'ss. IX, 5) den Obussen? sagen läßt, er kenne kein angenehmeres Ver» gnügen als ein sestliches Mahl. Zn den geselligen Genüssen, welche nebst dem Gesange mit dem Mahle verbunden "waren, gehörten noch besonders gegenseitige Mit» theilungen, Erzählungen:c,, daher der homerische Ausdruck: „das Herz nahm an dem Mahle Antheil"; ^1. I, 468. II, 4Sl. VII, 32s. f) Wespen 15 — 23. ff) Kleonymos ist der von Aristophanes so ost verhöhnte, ein großer breit» schultriger Mensch, der mit seinem Kriegsmuth prahlt, unter den Schreiern sür den Äi:ieg einer der lautesten ist, mit Helmbusch und Wehre umherstolzirt, und, wenn es zur Schlacht kommt, der Erste ist, der seinen Schild wegwirst und davonläust,

^.rKeuseus, IZeivuosopKist, X, 88. Läit. 8eKveißKaeuser. StueKii, an. tiquiwwil l eonvivialium libri tres, 1^, III, 17. I^uri 1582, p. 359. Die bei den Gastmahlen ausgegebenen Rähseln hießen daher L^,u«r« xv^t«««.

der Tod; was ist das nützlichste? Gott; was ist das schadlichste? der Dömon; was ist das stärkste? das Glück; und was ist das leichteste? das Angenehme. Daraus erwiederte Thales Folgendes: „Iede dieser Auslösungen hat Fehler und Beweise von Unwissenheit. Wie kann die Zeit das älteste sein, da sie theils vergangen, theils gegenwärtig, theils zukünstig ist; die nach uns kommende Zeit muß ja sür jünger gehalten werden, als die Dinge und Menschen, die jetzt sind. Daß er die Wahrheit siir Weisheit hält, kommt mir ebenso vor, als wenn er sagte, Augen und Licht sei einerlei. Wenn er das Licht, wie es auch wirklich ist, schön nennt, wie hat er die Sonne übersehen können. Die Antwort hinsichtlich der Götter und Dämonen ist dreiste und gewagt, und die von dem Glücke ganz unüberlegt, denn wäre es unter allen Dingen das stärkste und sesteste, so würde es sich nicht so leicht verändern. So ist auch der Tod nicht das gemeinste, weil er mit den Lebenden nichts zu thun hat." Nun beantwortete Thales diese Fragen solgendermaßen: „Was ist das älteste? Gott, denn er hat keinen Ansang. Was ist das größte? der Raum, die Welt enthält alle Dinge, der Raum aber die Welt. Was ist das schönste? die Welt, denn Alles, was schön und ordentlich ist, ist ein Theil derselben. Was ist das weiseste? die Zeit, denn sie hat schon viele Dinge ersunden, und wird auch aoch viele ersinden. Was ist das gemeinste? die Hossnung, wer auch sonst Nichts hat, hat doch wenigstens diese. Was ist das nützlichste? die Tugend, denn durch einen guten Gebrauch macht sie alles Andere nützlich. Was ist das schädlichste? das Laster, wo es hinkommt, richtet es Verderben an. Was ist das stärkste? die Notwendigkeit, denn sie allein ist unüberwindlich. Was ist das leichteste? das natürliche, dena auch der Wollust wird man oft müde.*)

K 4ö. Eine solche griechische Gastmahlscene hat Becker**) solgendermaßen nachgebildet:

„Geben wir uns Rätsel aus, ries Charikles, ich liebe vor allem die Grivhen, sie geben zu vielerlei Scherz Veranlassung. Dieser Vorschlag sand Beisall. Gut denn, sagte Glaukon, so bestimme ich dem, der die Ausgabe löset, eine dieser Tänien, und wer sie gestellt hat, muß ihm einen Kuß geben: Wer aber das Rätsel nicht erräth, der trinkt diese Schale voll ungemischten Weines aus; sür dich aber, Stephanos, setzte er lachend hinzn, wird statt Wein Salzwasser eingegossen; sonst weiß ich wohl, daß du Nichts erräthst. Ieder gibt natürlich dem Nachbar zu seiner Rechten zu rathen aus. Also zuerst dir, Ktesiphon; höre an:

Kennest du zwei der Geschwister, von denen eines das andre
Sterbend gebiert, um selbst vom Gebornen geboren zu werden?
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") Einige dieser Rätselsragen hat Sebastian Schesser nachgebildet; s. 8 93. **) Eharckles, Bilder altgriechischer Sitte, 2. Aufl., von Hermann, l Bd. Leipz, I854, S. 167.

Das ist leicht zu sagen, antwortete Ktesiphon rasch; die Geschwister sind Tag und Nacht, die wechselweise sterben und gebären. Richtig, sagte Glaukon; hier schmücke ich dein Haupt mit dieser Binde und hier hast du meinen Kuß. Nun sahre sort. Ktesiphon wandte sich an Lysiteles und sprach: Das Wesen nenne mir, dem nicht aus Erden, , Jm Meere nicht, nicht unter Sterblichen

Ein zweites gleicht; dem Wachsthum seiner Glieder 'Gab die Natur ein sonderbar Gesetz,

Geboren wird's: da ist es mächtig groß;
Doch Nein erscheint's in seines Alters Mitte,
Und ist dem Ende seines Daseins nah,
. , Wie wunderbar, zum Riesen wird es wieder.

Ein sonderbares Wesen, sagte Lysiteles, das mir schwerlich einsallen wird. In der Kindheit groß, in seines Alters Blüthe klein und zuletzt wieder groß! O ja, ries er plötzlich, man dars nur den Gnomon ansehen: es ist der Schatten, der des Morgens groß ist, und dann zusammenschrumpst, bis er gegen Abend sich wieder ausdehnt. Getroffen, ries die ganze Gesellschaft, und Lysiteles empsing Tänie und Kuß. Nun, Charikles, sagte er, ist es an dir zu rathen:

Nicht sterblich ist's, doch auch unsterblich nicht;

Gemischt aus beiden; halb der Menschen Loos

Und halb der Gottheit theilend; immer neu

Entsteht und schwindet wechselnd es dahin.

Unsichtbar ist's, doch Allen wohl bekannt. Dein Mthsel ist etwas unbestimmt und dunkel, sagte nach einigem Nachdenken Charikles, doch irre ich nicht, so läßt es sich wohl vom Schlase erklären. Nicht wahr? Aber du hättest es deutlicher machen sollen. Nun aber Enktemon, suhr er sort, jetzt gib wohl Acht; mein Rätsel ist voll Widersprüche. Hüte dich vor der Strase. Die Strase möchte noch angehen, sagte Euktemon, aber du wirst mich doch nicht um deinen Kuß bringen? Hört, ries Glaukon, eines ist noch zu erinnern. Wie wenn die Ausgabe nicht gelöset wird? Soll dann der Nächste rathen? Nicht doch, meinte Ktesiphon, wer es zuerst erräth, dem gehört Binde und Kuß; räth er aber salsch, so trinkt er Strase. Das wurde angenommen, und zu Enktemon gewendet sagte Charikles:

Kennst du das Wesen, das in seinem Busen

Die eignen Kinder still bewahrend trägt?

Stumm sind sie; aber weithin über Meere ^ Jn sernes Land dringt ihrer Stimme Rus.

Sie spricht, zu wem sie will, und in der Ferne Vernimmt er sie, und Niemand hört sie doch.

Das war sür den Scharssinn Euktemon's zu viel. So sehr er sich abmühte, die stummen Sprecher zu errathen, es gelang ihm nicht und er mußte Strase trinken. Ich weiß es, ries Stephanos; es ist die Stadt und ihre Kinder sind die Redner, die schreien, das man weit über das Meer in Asien und Thrakien es hört, Lautes Gelächter ersolgte. Aber, Stephanos, sagte Charikles, hast du auch schon einen Redner gesehen, der stumm wäre, er müßte denn dreimal der Paranomie überwiesen und verurtheilt worden sein? Salzwasser, riesen mehrere Stimmen, und so sehr es Stephanos verbat, er mußte den Becher schlürsen. Ich will euch des Rätsels Sinn sagen, sprach daraus Ktcsiphon; es ist der Bries, und seine Kinder, die er in sich dirgt, sind die Buchstaben, die stumm und lautlos zu dem nur sprechen, an den der Bries gerichtet ist. Vortresslich, ries Glaukon, wie werden alle die Binden, die du heute verdienst, aus deinem Haupte Platz sinden! Jetzt war die Reihe an Enktemon. Dn sollst auch trinken müssen, sagte er zu Nausikrates, der unterdessen die eine der Flötenspiclerinnen aus sein Lager gezogen hatte; sage, was ist das:

Es ist ein Mensch und doch auch nicht ein Mensch; V
Es trägt sich selbst, und dennoch wird's getragen.
Zu jedem Schmause sicher wird's bestellt,
Und doch kömmt unerwartet es zum Schmause.
Den Becher liebt's, doch lößt's den Becher stehn,
Und dennoch trinkt es mehr als andre zehn. ,

. sagte Nausikrates, der Gegenstand ist nicht sern; das ist Niemand anders als Stephanos. Ich? ries der Parasit, das ist salsch; leider bestellt mich Niemand zum Schmause, die Welt ist so ernsthast geworden, daß Niemand mehr über mich lachen will. Ganz recht, erwiederte Nausikrates: als Kranz wird es bestellt, und als Parasit kömmst du ungeladen, und trinkst mehr als zehn andere. So ging es nun den ganzen Kreis der Gäste hindurch, bis die Reihe an Stephanos war. Jetzt werdet ihr staunen, sagte er:

Zehn Monde währt's, da kömmt das Kind zur Welt;
Zehn Jahre trägt des Elephanten M»tter

^ "^Jn ihrem Leib der Glieder Riesenbau;

Doch länger noch trag ich ein Ungethüm
An Größe stets und stets an Stärke wachsend
Jn meinem Leib und werd' es nimmer los.

O, ries Glaukon lachend aus, ich hätte gern nicht gerathen, um deinen Bart nicht küssen zu müssen; aber das ist doch zu leicht, denn daß es der Hunger ist, den du im Leibe trägst, das begreift Jedermann. Es wurde noch hin und her über die Ausgaben gescherzt, da trat die von Lysiteles bestellte Tänzergesellschast in den Saal, und nun begann eine andere Art der Unterhaltung.
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H 46. Wir reihen hier an die Heiterkeit der Tasel den Frohsinn der Liebe an, und sügen erotische Rätsellieder bei. — In einem alten deutschen Liede verspricht der Jüngling das Mädchen zu ehelichen, wenn es seine ihn? ausgegebenen Rathselsragen beantwortet*):

Jungser, ich will ihr was auszurathen geben,

Und wenn sie es erräth, so heirath ich sie. .'

Was sür eine Jungsrau ist ohne Zops?

Was sür ein Thurm ist ohne Knops?
^ ,. „ Die Jungsrau in der Wiege ist ohne Zops,

Der babylonische Thurm ist ohne Knops."

Was sür eine Straße ist ohne Staub?

Welcher grüne Baum ist ohne Laub?

„Die Straße aus der Donau ist ohne Staub,

Der grüne Tannenbaum der hat kein Laub."

Was sür ein König hat keinen Thron?

Was sür ein Knecht hat keinen Lohn?

„Der Konig in der Karte hat keinen Thron,

Der Stieselknecht hat keinen Lohn,"

Was sür ein König ist ohne Land? ''- . ,

Was sür ein Wasser ist ohne Sand?

„Der König aus dem Schilde**) ist ohne Land,

Das Wasser in den Augen ist ohne Sand." ,"

Wo ist eine Schee«, die man nicht schleist? , -,

Wo ist eine Amsel, die niemals pseift?

„Der Krebs hat Scheeren, die man nicht schleist,

Eine ausgestopste Amsel niemals pseist,"

Welches schöne Haus hat weder Holz noch Stein?

Welcher grüne Strauß hat keine Blümelein?"

„Das kleine Schneckenhaus hat weder Holz noch Stein,

Der Strauß am Wirthshaus hat keine Blümelein."

Welcher Schütz zielt stets und trisst doch nie?' ^

Was lernt ein Mädchen gar ohne Müh?

„ Der Schütz am Himmel zieht stets und trisst doch nie,

Lieben lernt ein Mädchen gar ohne Müh',"

Was geht tieser wohl als ein Bolz?

Und welches ist das tresslichste Holz?

„Liebe geht tieser wohl als ein Bolz,

Die Rebe die ist das tressslichste Holz."
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*) Hocker hat es in Wols's Zeitsch. sür deutsche Mythologie, l Bd. S. 25I, mitgetheilt. , ^

So sag' mir: welches Feuer ist ohne Hitz'? Und sag' mir: welcher Degen ist ohne Spitz'? „Ach, schönster junger Herr zc. Ein ausgelöschtes Feuer ist ohne Hitz', Ein abgebrochener Degen ist ohne Spitz'." Merk' aus, sein Jüngserlein Zc. So sag' mir: welcher Thurm ist ohne Spitz'? Und sag' mir: welche Jungsrau ist ohne Witz? „Ach, schönster junger Herr :c. Der babylon'sche Thurm ist ohne Spitz', Die Jungsrau in der Wieg' ist ohne Witz." H 47. Zu den erotischen Rätselliedern gehört auch das sogenannte Kranzsingen, wovon Simrock*) solgende alte Lieder mitgetheilt hat: 1. Weichet aus, Arm und Reich,

Weichet mir aus Psad und Steig,

Der mich zu der hübschen Jungsrau trägt!

Gott grüß' euch, hübsche Jungsrau, sein:

Würd' euer Rosenkränzlein mein!

Ach greiset höslich und sein

Mit eurer weißen Hand

An eures Haares oberstes Band,

Das euch so kaum berühret

Und mich so sern hersühret!

So will ich es legen in einen Schrein

Und will es tragen über Rhein,

Und will es euch sagen zu Ehre,

Wie mir es die hübscheste Jungsrau verehret,

Die im ganzen Land' wäre.

Gott grüß euch, hübsche Jungsrau sein,

Laßt es noch dieses Tages sein,

Es sei denn, ihr versagt es mir

Mit höslichen Worten hier,

„Hübscher Knab', aus meines Vaters Giebel

Sitzen der Vögelein sieben:

Wovon die Bögelein leben, , Könnt ihr mir das sagen,

So sollt ihr mein Rosenkränzlein von hinnen tragen."

„„Der erste von eurer Jugend,

Der andere von euerer Tugend,

Der dritte von eurer süßen Aeuglein Blicke,

Der vierte lebt eures Gutes,

Der sünfte eures Muthes,

Der sechste eures stolzen Leibes,

Der siebente eures reinen Herzensschreines, *) Deutsches Rätselbuch, l, Samml., S. 82.

Sriedreich, «tsch, d. Rächst», !v

Gebt mir das Rosenkränzelein,

Es ist an der Zeit zart Inngsräulein,

Es sei denn ihr wollt mir versagen

Mit hübschen Worten und daran nicht verzagen.""

„Hübscher, junger Knabe! könnt' ihr mir zeigen

Den Stein, den nie Glock überscholl,

Nie Hund Überboll,

Nie Wind übersauste,

Nie Regen überbrauste?

Könnt ihr mir das sagen,

So sollt ihr mein Rosenkranzlein von hinnen tragen."

„„Der Stein liegt in der Hölle Grund,

Den nie Glock überscholl,

Nie Hund Überboll,

Nie Wind übersauste,

Nie Regen überbrauste.

Zart Iüngserlein,

Gebt mir nun eder Rosenkränzelein.""
2. Erster Sänger, Ich komm' aus sremden Landen her,
Und bring' euch viel der ueuen Mär,
Der neuen Mär bring' ich so viel,
Mehr denn ich hier euch sagen will.
Die sremden Lande sind so weit,
Darin ist gute Sommerzeit,
Drin wachsen Blümlein roth und weiß,
Die brechen Iungsrau'n mit ganzen, Fleiß,
Und machen d'raus den Rosenkranz,
Den tragen sie beim Abendtanz,
Und lassen die Gesellen um ihn singen,
Bis einer das Kränzlein mag gewinnen. —
Mit Lust tret' ich an diesen Ring,
Gott grüß' mir alle Bürgerskind,
Gott grüße sie mir all' zugleich,
Ob sie arm sind oder reich;
Gott grüß' mir all' die seinen,
Die großen wie die kleinen.
Grüßt' ich die eine, nicht die andre,
So sagten sie dem Sänger: wand«!
Ist kein Sänger in diesem Kreis,
Der mich sragt, was ich nicht weiß?
Derselbe soll sich nicht besinnen,
Will er mir das Kränzlein abgewinnen.
Zweiter Sänger. Sänger, wohlan und mer? mich eben!

Ich will dir eine Frage ausgeben:
Was ist höher wohl als Gott?

Was ist größer als der Spott?

Und was ist weißer als der Schnee?

Und was ist grüner als der Klee?

Kannst du das singen oder sagen,

Das Kränzlein sollst du gewonnen haben.

Drum will ich jetzt stille stah'n,

Den sremden Sänger zu mir lahn.

Erster Säuger. Sänger, du hast mir eine Frag' ausgegeben,
Die gesällt mir wohl und ist mir ebeu:
Die Kron' ist höher wohl als Gott,
Die Schand' ist größer als der Spott,
Der Tag ist weißer als der Schnee,
Das Märzenlaub grüner als der Klee,
Sänger! die Frage konnt' ich dir sagen;
Das Kränzlein mußt du verloren haben.
Mit Lust trat ich an diese Statt;
Gott grüß' mir einen weisen Rath;
Einen weisen Rath nicht alleine,
Dazu auch die ganze Gemeine!
Ein weisen Rath hab' ich zu grüßen Macht,
Dazu die ganze Nachbarschast;
Gott grüß' mir auch die Iungsrau zart,
Die mir das Kränzlein gemachet hat!
Iungsran, ich komm' vor euch getreten
Und hab' euch.nie zuvor erbeten,
Und bitt' euch, zart Iungsräulein,
Zum erstenmal um euer Kränzelein:
Ihr wollt mir's geben und nicht versagen,
So will ich's von euretwegen tragen;
Um euretwegen nicht allein:
Um all' die hübschen Iungsräulein,
Die das Kränzlein gemachet hat
Und dazu hals mit Rath und That.
Iungsran, wohlan, so merkt mich eben,
Ich will euch eine Frag' ausgeben:
Könnt ihr mir's singen oder sagen,
Eu'r Kränzlein sollt ihr länger tragen.
Iungsrau, sagt mir zu dieser Frist,
Welches die mittelste Blum' im Kränzlein ist?
Denn der Blümlein seh' ich viel,
Die im Kränzlein steh'n bei diesem Spiel.
Ich hör' ein großes Schweigen:
Das Kränzlein will mir bleiben.
So merkt mich, liebe Iungsrau mein:
Ihr mögt die mittelste Blum' im Kränzlein sein.

ll>* So komm ich her vor euch getreten,
[graphic]

Und hab' euch zweimal schon erbeten,

Und bitt' euch, zart Jungsräulein,

Zum drittenmal um euer Äränzelein.

Jungsrau, hebt aus die schneeweiße Hand

Und gebt dem Kränzlein einen Schwank,

Und setzt mir's aus mein gelbes Haar,

Das wie ein Jgel sieht sürwahr. — . «,.

Schau, guter Gesell, nun schaue,

Das gab mir eine schöne Jungsraue,

Die Jungsrau, die mir's geben wollte,

Sprach, daß ich's wohl bewahren sollte.

Jungsrau, habt ihr kein Nädelein,

Mir auszuhesten das Kränzelein,

Daß ich es nicht verliere,

Wohin ich auch spaziere,

Daß ich es nicht verzette

Eh' ich komm zu meinem Bette.

Darnach so leg' ich in die Truhe,

Daß es die ganze Woche ruhe,

Jungsrau, ich soll euch grüßen

Von der Scheitel zu den Füßen:

So grüß' ich euch so manches Mal

Als Sterne steh'n am Himmelssaal,

Als manche Blume wachsen mag

Von Ostern bis St, Michelstag.

Jungsrau, ich soll euch was schenken:

Jch will mich nicht lange bedenken.

So schenk' ich euch einen goldnen Wagen,

Darin ihr sollt gen Himmel sahren,

Und eine goldne Krone sein,

Darinne steh'n drei Edelstein',

Der erste Stein der ist so gut:

Gott behüt' euch vor der Hölle Gluth!

Der andere ist so tugendreich:

Gott gebe euch sein Himmelreich;

Der dritte Stein ist so tugendhast:

Gott behüt' euch eure Jungsrauschast!

Hiermit so will ich's bleiben lahn

Und will aus diesen Reihen gahn; >

So steh' ich aus einem Lilienblatt:

Gott geb' euch allen eine gute Nacht!

H 48. Dem Frohsinn entspricht besonders das eigends sür Scherz und Muthwille geschaffene Neckrät hsel (oder Vexirrätsel). Es wird der, dem das Rätsel zur Lösung vorgelegt wird, aus mancherlei Weise geneckt; entweder dadurch, daß die Ausgabe so gestellt wird, daß man entweder glaubt, das zu errathende Wort sei schon im Rätsel selbst gesagt, es aber ein ganz anderes Wort ist, welches die Rätselausgabe meint; oder daß die Auslösung im Rätsel selbst gegeben wird, jedoch so, daß sie der Andere nicht merkt, oder daß das Rätsel absichtlich aus etwas ganz Anderes hinlenkt, als das eigentlich zu Errathende ist; oder endlich, daß die Ausgabe selbst als ein Unsinn erscheint, jedoch durch einen nicht leicht zu machenden Witz gelöst werden kann. Beispiele:

l. Die erste Silbe ist ein Hund, die zweite und dritte sind ein Iunge und das Ganze ist ein Hundsjunge. Was ist das?

2. Willst du des Rätsels Schleier lüsten,
Dann, Freund, ersorsche mir geschwind!

Was ost die Reize der Koketten, , . .

Und was so manche Schmeichler sind;

Was Ieder sein muß, der sich tüchtig

Bewähren will als Diplomat,

Und was vom schlechten Kalkuliren

Nur zu ost ist das Resultat.

Rühmst du als Rätsellöser dich

Auch noch so großer Heldenthaten,

Hast du doch eben sicherlich

Bei allem Scharssinn falsch gerathen.

3. Leicht wirst du die Erste nicht errathen,
Und ich sag' dir, sie ist wirklich schwer.
Ging's Rathen bei der Ersten auch nicht gut,
So sasse nur zur zweiten Silbe Muth.

4. Ich bin nicht, ich war nicht, ich werde nicht sein;
Du meinest ich scherze, ich sage dir, nein.

Ich stehe ja sichtbar vor deinem Gesicht,

Sagst du meinen Namen, so nennst du mich nicht,

5. Vorwärts bin ich ein — doch halt', ich hab' mich verralhen;
Rückwärts suche mich nur, wahrlich du sindest mich nie.

6. Gekleidet in der Unschuld Kleid,

Verträglich, still, sind wir aus grüner Flur zerstreut;

Doch, wo es Menschen gibt, sehlt's da wohl je an Streit?

Man störet grausam unsern stillen Frieden,

Umgiebt, die Wassen in der Hand,

Von allen Seiten unser kleines Land,

Und zwingt uns gegen uns zu wüthen. . ..

Hier tritt besiegt ein Theil der Kämpser ab,

Hier sällt mit bangem Klaggeläute

Der Bruder an des Bruders Seite,
Vom Feind versolgt ins ossne Grab.
Doch stützet uns bei unsers Kummers Weheu
Der Trost, wir werden wieder auserstehen.

7. Wie kann man beweisen, daß eine Katze drei Schwänze hat?

8. Er kommt dir entgegen mit Weinen
Und ist doch ganz wohlgemuth;

Er möchte dir Etwas schenken
Und läßt sich's doch bezahlen gut.

9. Das Erste ist ein Vers, das zweit' nur leerer Tand;
Errathest du das Ganze, dann hast du gewiß Verstand.

sAuslösungen, l. Spitzbube, 2. Falsch, 3. Schwermuth. 4. Nicht. 5. Ein. Nie. 6. Die Billardkugeln, 7. Eine Katze hat einen Schwanz mehr als keine Katze; keine Katze hat zwei Schwänze; ein und zwei Schwänze sind drei Schwänze, solglich hat eine Katze drei Schwänze. 8. Der Weinwirth. 9, Verstands

In dem §90 erwähnten alten Rathbüchlein sindet sich solgendes Neckrätsel mit beistehender Auslösung.

„Radt. Es ist von oben herab kommen, hat vil leydens an sich ge» nommen. von hitz kelt vnd beschneyden. noch vil mehr müßt es leyden. hat nit lang do heim gesogen, in die srembt ward es gezogen, mit sich vnd leuten so es hat. sein leger warn nit linde bei. lust noch sreud es nie begert. XXX psennig was es wert, verkausst gesangen gebunden ward es hat geschlagen gezogen gesurt manch sart. ein kreutz gemacht daran gespert. nyemant wart sunden der ds wert, sein seydt verwundt vnd ander glider, nindert geschondt hoch oder nider, daraus sloßen heilsam brunnen, in der sinster gantz on sunnen. eim yeden menschen zu gut. der sich darzu schicken thut. Antw, Ein weinsaß das kompt vom baum herab leyt hitz so es gebrut wirt in haißem waßer. vnd auch kelt zu seiner zeyt. vnd von dem pinder geschulten. Es saugt oder sacht den wein nit lang an eim ort. sunder wirt gesurt vnd gezogen in die srembdt von pserden vnd surleuten. sein leger ist hart, ein klein saß git XXX psenning. Wirt gesangen so es die raiss s hat. gepnnden geschlagen gezogen gesurt hin und her. das kreutz anss dem legner mit schließen gespert. die wunden ist der spunt vnd die zapssen löcher, darauß fleußt der wein, eim yeden zu nutz der in praucht. in der sinster gantz on sunnen. das ist in dem keller.

VI.

§ 49. Im Gegensatze mit dem bisher erwähnten Zwecke, durch Ausgeben von Rätseln bei sröhlichen Gelegenheiten, bei Gastmahlen und bei Liebesanträgen sich gegenseitig zu vergnügen, steht jener, wo das Ausgeben des Rätsels als Tendenz hervortritt, eine Veranlassung zum Streite

vom Zaume zu reißen, d. h. um mit demjenigen, dem es ausgegeben und von ihm nicht errathen wurde, einen Streit zu beginnen.

H 80. In diese Kategorie des Rätsels gehört jenes, welches Simson bei seiner Hochzeit den Philistern ausgegeben hat. Die hieher gehörige biblische Stelle heißt*): „Simson ging hinab gegen Timnath, und sah ein Weib zu Timnath unter den Töchtern der Philister. Und da er heraus kam, sagte er es seinem Vater und seiner Mutter, und sprach: ich habe ein Weib gesehen zu Timnath unter den Töchtern der Philister, gebt mir dieselbige zum Weibe. Sein Vater und seine Mutter sprachen zu ihm: ist denn kein Weib unter den Töchtern deiner Brüder und in deinem Volke, daß du ein Weib bei den Philistern nimmst, die unbeschnitten sind? Simson aber sprach zu seinem Vater: gib mir diese, denn sie gesällt meinen Augen. Nun ging Simson hinab mit seinem Vater und seiner Mutter gen Timnath; und als sie kamen an die Weinberge zu Timnath, da kam ein junger Löwe brüllend ihm entgegen. Und der Geist des Herrn gerieth über ihn**), und er zerriß ihn wie man ein Böcklein zerreißt, und hatte doch gar Nichts in seiner Hand***); und er sagte es nicht seinem Vater noch seiner Mutter, was er gethan hatte. Da er nun hinab kam, redete er mit dem Weibe, und sie gesiel Simson in seinen Augen. Und nach etlichen Tagend) kam er wieder daß er sie nähme, und trat aus dem Wege daß er das Aas des Löwen besähe; stehe da war ein Bienenschwarm in dem Aas des Löwen und Honig ff). Und er nahm ihn in seine Hand

Buch der Richter XIV, 1. ?Iävius ZosePüus, autiyuitat. ?uä. I.ib. V.

8.

**) D. h. er war gleichsam von einem übermenschlichen Muthe beseelt, mit ganz außerordentlicher Stärke ausgerüstet. Aus diese Weise wird noch einigemal in dem Buche der Richter ausgedrückt, daß ein Mann von der Gottheit mit einem außerordentlichen Muthe ausgerüstet sei, z. B, Othniel HI, 10; Gideon VI, 34; Jephta XI, 29.

*—) Dieses Bild kommt östers an deutschen und sranzösischen Kirchenthüren vor. SoeK, eglise äs ZNvsIIs, 1850, x, 56. viäron^ uumuel p. 104. Die Art, wie Simson aus dem Löwen mit einem Fuße kniet, während er den andern herabhängen läßt, und mit beiden Händen den Rachen des Löwen ausreißt, ist typisch und kehrt aus allen Bildern wieder, und ist die ähnliche Attitude, welche wir aus den Mithrasbildern sinden, wo dem Stiere der Dolch in den Nacken gestoßen wird.

f) Dieser Ausdruck ist hier nicht wörtlich zu nehmen, da in der Bibelsprache unter Tag überhaupt auch irgend ein beliebiger Zeitraum zu verstehen ist; z. B. „Gott vollendete am siebten Tage seine Werke" (l, B, Mos, II, 2), d. h. die Bildungs, geschichte der Erde läßt sich nach sieben verschiedenen Zeiträumen abtheilen: „Jhr werdet Trübsal haben zehn Tage" (Osssenbar, Joh. II, 1«), d. h. eine geraume Zeit, ff) Man muß sich hier kein saulendes Aas vorstellen, da Bienen in ein solches ihren Honig nicht setzen, sondern man muß annehmen, daß die Leiche des Löwen und aß davon unter Wegs, und ging zu seinem Vater und seiner Mutter und gab ihnen, daß sie auch aßen; er sagte ihnen aber nicht, daß er den Honig von des Löwen Aas genommen hatte. Und da sein Vater hinab kam zu dem Weibe, machte Simson daselbst eine Hochzeit, wie die Jünglinge zu thun pflegen. Und da sie ihn sahen, gaben sie ihm dreißig Gesellen zu, die bei ihm sein sollten. Simson aber sprach zu ihnen: ich will euch ein Rätsel ausgeben, wenn ihr mir das errathet und trefft diese sieben Tage der Hochzeit, so will ich euch dreißig Hemden und dreißig Feierkleider geben*); könnt ihr es aber nicht errathen, so sollt ihr mir dreißig Hemden und dreißig Feierkleider geben. Und sie sprachen zu ihm: gib dein Rätsel aus, laß uns hören. Er sprach zu ihnen:

„Speise ging von dem Fresser und Süßigkeit von dem Starken." Und sie konnten in drei Tagen das Rätsel nicht errathen. Am siebten Tage sprachen sie zu Simson's Weib: überrede deinen Mann, daß er uns sage das Rätsel, oder wir werden dich und deines Vaters Haus mit Feuer verbrennen; habt ihr uns Hieher geladen, daß ihr uns arm macht oder nicht? Da weinte Simson's Weib vor ihm und sprach: du bist mir gram und hast mich nicht lieb; du hast den Kindern meines Volkes ein Rätsel ausgegeben und hast mir es nicht gesagt. Er aber sprach zu ihr: siehe, ich habe es meinem Vater und meiner Mutter nicht gesagt, und sollte dir es sagen? Und sie weinte die sieben Tage vor ihm, weil sie Hochzeit hatten; aber am siebten sagte er es ihr, denn sie trieb ihn ein. Und sie sagte das Rätsel ihres Volkes Kindern. Da sprachen die Männer der Stadt zu ihm am siebten Tage, ehe die Sonne unterging:

„Was ist süßer denn Honig? Was ist stärker denn der Löwe?"

durch die große Hitze in jenem Lande schon ausgetrocknet, mumisicirt war; die Wälder in Palästina sind mit einer großen Menge von wilden Bienenschwärmen angesüllt, welche zu ihrem Ausenthaltsort hohle Bäume, Felsritzen u. dergl, wählen, und eben so gut auch sich in dieser ausgetrockneten Mumie ausgehalten haben konn» ten. Oedmann, vermischte Sammlungen aus der Naturkunde; a. d. Schwedischen, 6. Hst. S. 135. Rosenmüller, biblische Naturgeschichte, 2. Th. Leipz. 1831. S. 423. Herodot (1^, V, Eap. 114) berichtet, daß wilde Bienen in dem Schädel des Onesilos, Tyrannen der Insel Eyprus, dessen Haupt die Bewohner von Amathun ausgehangen, Honig abgesetzt hätten.

*) Bei den Griechen pflegte der Bräutigam den Freunden der Braut sür das Hochzeitssest Feierkleider zu geben, Madame Dacier sin ihrem Eommentar zu Homer, OäzM, VI, 25) glaubt, dieser Gebrauch habe auch bei den Israeliten geherrscht, und daraus beziehe sich das von Simson gemachte Anerbieten; dagegen sagt aber Pope: „ich bin vielmehr der Meinung, daß das, was Simson sagt, sich aus einen andern Gebrauch der Alten bezieht, bei Festen ein Rätsel vorzulegen, und dem, der es löste, eine Belohnung (also auch ein Feierkleid) zu geben,"

Aber er sprach zu ihnen: wenn ihr nicht hättet mit meinem Kalbe gepflügt, ihr hättet mein Rätsel nicht getroffen. Und ver Geist des Herrn gerieth über ihn, und er ging hinab gegen Asklon, und schlug dreißig Mann unter ihnen, und nahm ihr Gewand und gab Feierkleider denen, die das Rätsel errathen hatten. Und er ergrimmte in seinem Zorn, und ging heraus in seines Vaters Haus. Aber Simson's Weib ward einem seiner Gesellen gegeben, der ihm zngehörte."

Meier*) sagt über diese Stelle Folgendes: „Das Rätsel ist in seiner poetischen Form erhalten; es ist rhythmisch sehr regelmäßig gemessen und hat Alliteration, die wie der Reim in der hebräischen Poesie ein Element bildet, nur kein herrschendes wie in den altnordischen und altgermanischen Liedern. Das Rätsel lautet: aus dem Speiser ging Speise hervor, und aus dem Sauren**) ging Süßes hervor***). Die Frage, was ist das? sehlt hier, ebenso wie gewöhnlich in unsern gereimten Volksrätseln, die überhaupt dem obigen vielsach ähnlich sind. Als die Gesellen das Rätsel nicht herausbringen, veranlassen sie durch Drohungen die junge Fran, ihrem Gatten die Auslösung zu entlocken und ihnen zu verrathen. Die Antwort der Gesellen ist sehr hübsch, und mit einen: seinen Wortspiele in eine neue Rätselsrage gekleidet. Am siebten Tage, ehe die Sonne unterging, sprachen sie zu Simson: „was ist süßer als Honig-Seim? und was saurer als der Löwe?" Simson erkennt sosort die Verräthereif) und erwiedert: „hättet mein Kalb ihr nicht angespannt, so hättet ihr mein Rätsel nicht errathen" s-s-). Nun

*) Geschichte der poetischen National-Literatur der Hebräer; Leipz, 1856, S. 99, **) Eigentlich: aus dem Grimmigen, Grausamen, Der Gegensatz kann auch in süß und bitter gesucht werden, welche beide Wörter im Hebräischen Wechselbegrisse sind (Studer, das Buch der Richter, Bern 1835, S, 323,) So wird östers in der Bibelsprache das Schädliche und Verderbenbringende mit dem bittern Mermuths verglichen; s, 5. B. Mos. XXIX, 18. Sprichwort. V, 4. Klagelied Jerem, III, 15. Amos V, 7. VI, 12.

Wir sinden das Rätsel Simson's in dem H 97 angesührten Buche von Buchler so:

Os torti, lllirum est, äuleeäo Proveuit iuzenL,
Suavis et egreäitur äe eomeäeute «ivus.

-s-) Nach Josephus soll er an den letzten Spruch anknüpsend noch gesagt haben: „sügt noch hinzu, was ist salscher als ein Weib?"

-s-f) Einige Ausleger haben in dem Ausdrucke: „das Kalb anspännen" (d. h. mit ihm pslügen) einen Vorwurs der Unkeuschheit sinden wollen, nämlich, daß die junge Kuh die junge Frau, und das Pflügen das Unzuchttreiben mit ihr bedeute; d, h. hättet ihr nicht mit meiner Frau gehurt. Allein es scheint diese Auslegung unrichtig, denn der Ausdruck: „mit der Kuh eines Andern pflügen" bedeutet in der Bildersprache jener Zeit so viel, als: „mit der Hilse eines Andern etwas ausrichten," Bauer, hebräische Mythologie, Leipz. 1802, 2. Bd. S, 4g. Studer (a, a. O. S. 325) sagt: „das Pslügen oder Ausbrechen des harten Bodens zur geht Simson nach Ascalon, erschlägt dreißig Philister, nimmt ihnen die Feierkleider ab und giebt sie den dreißig Gesellen, und verläßt voll Unmuth seine Frau. Herder*) stellt als Zweck, warum Simson von den Philistern ein Weib begehrt und nachher ihnen ein Rätsel ausgegeben habe, den aus, um Gelegenheit zu erhalten mit den Philistern Händel ansangen zu können**). Simson war ein heroischer Abenteurer, der besonders durch Iovialität und Uebermuth charakterisirt war. Wein und starkes Getränke war ihm versagt***), desto mehr hielt sich der rasche Iüngling an Abenteuer und Liebe. Allein welch' ein sonderbarer Gedanke: „ich will ein Weib aus den Philistern nehmen, damit ich eine Ursache zu Händeln mit ihnen sinde," war das Liebe? Keine empsindsame unseres Iahrhunderts, eine Abenteurer-Liebe, denn, schlugen die Philister ihm das Weib ab, so war Grund genug zu Händeln mit den Philistern da, und gaben ihm die Philister das Weib, so lassen sich ja auch mit einem Weibe Händel erheirathen. Nun wars bei der Hochzeit Simson den Apsel der Eris hin, nämlich das Rätsel, das schwer zu errathen, und an eine harte Bedingung, sechszig Kleider zu schassen, was damals viel war, geknüpst war. Warum ließ sich aber der so starke Simson die Auslösung des Rätsels von seinem Weibe entlocken? Weil er, wie mehrere Helden der Art gegen Männer stark, aber gegen Weiber schwach war s); man sand ihn entweder im Schooße eines Weibes oder im Handgemenge mit Männern. Er entdeckt dem Weibe das Rätsel, und geht und schlägt dreißig Philister todt, plündert ihre Häuser und bringt die Kleider; und das wollte er ja eben. Das ist die historisch begründete und rechtsertigbare Deutung des Simson'schen Rätsels. Aber die Sucht, in den althebräischen Erzählungen Prototypen des Christenthums sinden zu wollen, hat auch dieses Rätsel christianisirt; so sagt Augustinus:

künstigen Erndte bezeichnet im Bilde das Durchbrechen der rätselhasten Worte, um zu ihren verborgenen Sinn zu gelangen. Wir sagen in einem andern Bilde, eine harte Nuß ausknacken, um zu ihren Kern zu gelangen."

*) Vom Geiste der hebräischen Poesie, Tübing. 1805, 2 Thl. S. 253. **) Simson, Israelite, war den damals über Israel herrschenden Philistäern, die ihn gereizt hatten, besonders gram, und sügte ihnen, als glücklicher Parteigänger durch mehrere heroische Thaten vielen Schaden zu. Er spricht selbst (Buch der Richter XV, 3) seinen H>,ß gegen die Philisträer und seinen Vorsatz, ihnen Schaden zuzusügen, aus.

Simson war dem Bunde der Nasiräer einverleibt, welche sich der geistigen Getränke enthalten mußten; IV. B. Mos. 6, 2. 3. 4. Buch der Richter XIII, 3. 4. f) So wie er seinem Weibe sein Rätsel verrieth, so ossenbarte er auch der Hure Delila das Geheimniß, daß er seiner Stärke beraubt sei, wenn man ihm seine Haare abschneide; B, d. Nicht. XVI.

„ös eomeckents «xivit eibns, quiü aliucl aiAiliüsat, <zuam OKristum a mortuis resurAentem? äe eäente utique, iä est äe morte, quae ouneta öevsrat, atqus oovsumit, exivit oidus ille, qui äixit: ÜAs svm p^nis vivus, ^ui äe coelo Sesoenäi;" und analog hat sich auch Menzel*), der in Simson ein alttestamentalisches Vorbild Christi (als der allüberwindende starke Held, aber auch als der Verrathene und Leidende) erkennt**), ausgesprochen: „in dem Gerippe des Löwen, den Simson gctödtet hatte, nisteten Bienen, daher das Rätsel Simson's: Süßes kommt vom Starken; daö wurde solgerecht Sinnbild der christlichen Kirche, die gleich einem Bienenstock im Grabe Christi ihren Ursprung und ihre Heimath gesunden."

VII.

§ 31. Alle Völker haben Rätsel. Ihr Witz und Scharssinn, ihre Dichtungsgabe äußert sich damit über einzelne Gegenstände aus die leichteste Weise; es wäre zu wünschen, daß wir von allen Völkern Proben ihres Witzes und ihres sich übenden Scharssinnes in Sprichwörtern, Scherzen und Rätseln hätten, wir hätten damit die eigensten Gänge ihres Geistes, denn jeder Völkerstamm hat in Aussindung solcher Aehnlichkeiten bei seinen Licblingsideen und Lieblingsgegenständen ganz seine eigenthümliche Weise***). Gehen wir nun zu einer Rundschau der nationalen Literatur des Räthscls über.

H S2. Bei den alten Hebräernf) muß, bei ihrer bekannten Neigung zur allegorischen und parabolischen Redeweise, die sie mit den übrigen orientalischen Völkern gemein hatten, die Unterhaltung mit Rätseln sehr ausgebildet gewesen sein; aber es ist uns verhältnißmäßig wenig von ihnen erhalten worden. Aber noch lange standen die Rätsel in Ansehen, und Sirach rühmte von einem Schristgelehrten.- „versteckte Geheimnisse ersorscht

*) Ehristliche Symbolik, 2 Thl. Art. Simson.

Auch Büchner (biblische Real- und Verbal-Eoncordanz, 9te Aufl. von Heubner, Art. Simson) sagt: „Simson war ein Vorbild Ehristi." —*) Herder, a. a. O. S. 273. f) Die Schrist von Sellermiuiii, äe Kedraeoruin, asnigmatibus, Lrt. 1796, konnte ich nicht aussinden.
er und mit Rätselsprüchen beschäftigt er sich," und Salomo lobt er mit den Worten: „die Erde bedeckte dein Geist, und du sülltest sie an mit Rätselsprüchen," Das Rätselspiel Salomo's mit der Königin von Saba wurde schon in K 36 erwähnt, Nebstdem ist noch Salomo's Rätselcorrespondenz mit dem Könige Hiram*) zu erwähnen**). An diesen, welcher nach seines Vaters Abibals Tod zur Regierung von Tyrus gelangte, schickte Salome, der damals zu Ierusalem regierte, Rätsel, und erbat sich dergleichen auch von ihm, mit dem Vorschlage, daß der, welcher sie nicht würde lösen können, dem Andern eine Geldstrase erlegen solle. Hiram nahm den Vorschlag an und mußte, da er die Rätsel nicht lösen konnte, zur Strase eine große Summe Geldes bezahlen. Hieraus lösete sie aber ein Tyrier, , Namens Abdamon, und legte dagegen dem Salome Rätsel vor, welche dieser nicht lösen konnte, und daher an Hiram viel bezahlen mußte.

H 33. Ein hebräischer Weiser, Agur, der Sohn Iakeh's, von dem weiter nichts bekannt ist, hat in dem von ihm versaßten dreißigsten Capitel der Sprüche Salomo's solgende süns Sprüche ausgestellt, die unbestreitbar ihrer Fassung nach den Rätseln beigezählt werden dürfen, wosür auch noch der Umstand spricht, daß Agur Auslösungen beigesetzt hat; sie heißen so:

1. Drei Dinge sind unersättlich, und das vierte spricht nie: „es ist genug."

2, Drei Dinge sind mir zu wunderbar, und das Vierte begreise ich nicht,

3. Drei Dinge beuuruhigen (machen erbebend) ein Land, und das Vierte mag es nicht ertragen. 4. Viere sind zwar die kleinsten der Erde, und dennoch klüger als die Weisen, 5. Drei Dinge schreiten herrlich einher, und das Vierte geht schön einher. sAuslösung. 1, Die Hölle; die Unsruchtbarkeit des Weibes ^); die Erde, die nie satt an Wasser wird-s-), und das Feuer, welches nie sagt „genug"-ff). 2. Der Weg des Adlers in den Himmel; der Weg der Schlange aus den Felsen; der Weg des Schisses aus dem Meere-s-s-f), und der Weg des

Er war Freund und Bundesgenosse Davids und Salomo's fliessei, äiss, Se simoitia 8aIom, et Hirami; Ilpsa!. 1734), denen er, jenem zum Baue eines königlichen Palastes, diesem zum Tempelbau und zur Ausrüstung einer Flotte phönizische Künstler und Holz sendete, 1. Buch der Könige V, 1—18. 2. Buch Samuel V, 1l. l. Buch Chronik XV, l. 2. Buch Ehronik'II, 3.

**) ?Iavius ^osepKus, s. a. O I^ib, VIII, Oap. 5. ß 3. Derselbe ooutra ^pionero I^il>. I, 8 17,

***) Wie das unsruchtbare Weib unersättlich ist, zeigt 1, Buch Mos, XXX, 1, wo die unsruchtbare Rahel mit Ungestüm Kinder verlangt: „schasst mir Kinder, wo nicht, so sterbe ich."

-s-) In der Edda wird den Trinkern angerathen, die Erdkrast anzurusen, denn „die Erde trinkt und wird nicht trunken".

-s-f) Im Litopaäeca seine indische Fabel' und Spruchsammlung; Ausg. von Lassen, S, 66) heißt es: „das Feuer wird nicht satt des Holzes".

-s-f-s-) Weil der Adler zum Himmel fliegt, die Schlange über den Felsen kriecht, und das Schiss die Wogen durchschneidet, ohne daß eine Spur des Weges, den sie genommen haben, zurückbleibt, deshalb scheinen ihre Wege wunderbar.

Mannes in die Dirne*). 3. Ein Knecht, wenn er König wird; ein Thor, wenn er zu satt ist; eine Gehaßte (Feindselige), wenn sie geehelicht wird; eine Magd, wenn sie ihre Herrin beerbt, 4. Die Ameisen, ein schwaches Volk, und doch schassssen sie sich im Sommer ihren Vorrath an Speisen. Die Klippendachse, ein schwaches Volk, und baut dennoch in Felsen sein Haus. Die Heuschrecken haben keinen König und ziehen doch in geordneten Hausen aus—). Die Spinne—) arbeitet mit den Händen und ist in der Könige Schlössern. 5, Der Löwe, mächtig unter den Thieren, er kehrt nicht um vor Iemand; der Lendenstarke (d, i. der Hirsch), ein Widder und ein König, gegen den sich Niemand auslehnen darsf).

Zwei dieser eben erwähnten Rätsel sind später von lateinischen Dichtern nachgebildet worden. Das erste von H icron. Arconatus unter der Ueberschrist: „?ria iusatiabilia"; das zweite von Sebast. Schesser unter der Ueberschrist: „quatuor res uulli ooAllitse":

1. Omnia cum possiut expleri, tempore null»

Hxpleri possuot toemiua, gamma, tretum.

2, Die mini, tuns c>u«vis sapieute valentior esto,

vomia <M serebro te retinere Mias.
Lub Zove suvt g^ullse vvstigis quauta volsvtis?

Rupe eolubrorum sunt ubi signs peäum? Lemiua o.use meäiv äum eurrit in seo.uore nauta? ^uis ^uveuum serotis aä loea toeäa gragus? H ö4. Bon Abul Hassan Inda Ha-Levi, einem der größten neuhebräischen Dichter, geb. in Castilien um I08tt, kenne ich solgende Riithsel-^):

*) Was darunter zu verstehen sei, erhellt aus dem nachsolgenden Spruche, der aber nicht mehr zu den Rätseln gehört: „so macht es die Ehebrecherin, sie genießt, wischt sich den Mund uud spricht: ich habe kein Unrecht gethan," d. h, man kann an ihr, als einer schon geschlechtlich gebrauchten Fran, nicht entdecken, daß sie einem Andern den Weg zu ihren Geschlechtstheilen, den Ehebruch, gestattet. Aus analoge Weise bezieht es Schulten? (proverbia Lalamonis; I^ugä. Lat. 1748, p, 456) aus die erkennbaren Merkmale der Jungsrauschast: „via viri in aäolvseentula, vel, cum rmella, seilieet ^m eorrupta; uam iu virgine vestigium üetiorationis extat, m eorrupta non item." Wohl mit Uurecht bezieht es Berlheau (die Sprüche Sa» lomo's, Leipz. 1847, S. llv) aus den Mann, und auch Herder wird man nicht beistimmen können, wenn er (a. a, O, S, 27l) darunter die Bildung des Menschen im Mutterleibe, was den Morgenländern das tiesste Rätsel war (Prediger Salomo, XI, 5), verstehen will.

**) Alle, welche Heuschreckenzüge beobachtet haben, stimmen darin überein, daß sie in einer geregelten Ordnung ziehen. Morier, der mehrere solcher Züge beobachtet hat, sagt: sie scheinen durch einen gemeinschaftlichen Instinkt angetrieben zu werden, und sich in einem geschlossenen Zuge zu bewegen, der einen Ansührer an seiner Spitze hatte. Auch Shaw bemerkte, daß sie Ordnung wie Soldaten halten.

*5"°) Einige haben mit Eidechse übersetzt, S, meine Schrist: Zur Bibel; naturhistorische, anthropologische und medicinische Fragmente, Nürnb. 1848, 1. Thl. S, 33,

f) Einige übersetzen auch so: „ein König in seinem Purpur", s. Meier's hebräisches Wurzelwörterbuch, S, 668.

-ff) Aus Iolowicz, der poetische Orient, Leipz, 1853, S. 3Z4.

1. Was ist's, das nackt ins Grab mm legt,
Und dennoch nicht den Tod erleidet,
Dort Kinder zeugt, sie sorgsam pflegt,
Bis sie erscheinen wohl bekleidet.

2. Was ist's doch, über das, wenn's weint,
Das Herz uns sröhlich lacht;

Das aber, wenn es heiter scheint,
Betrübt und traurig macht.

3. Ein kleiner Stab, doch unermeßlich werth,
Grünsarben, wie von Liebesgram verzehrt,

Von hohlem Körper, doch mit muth'gem Herzen,
Wirst Helden nieder, bringt gar Vielen Schmerzen,
Eilt hin zum Faß, um weidlich sie zu süllen,
Mit leerem Mund vollsührt's nicht seinen Willen,
Und süns der Diener sind bereit zur Stelle,
Bollziehend unverdrossen die Besehle.
Bald liebt's Gesang und Schmuck zu überreichen,
Bald weiß es Fürstenherzen zu erweichen,
Den Frieden kann's, den Krieg bereiten.
Sag' an, was ist's, was soll's bedeuten?

fAuslösung. 1, Das Weizenkorn. 2. Der Himmel, wenn Regen nöthig ist. 3. Das Schreibrohr.)

§ 33. In der vierten der Makamen des in der ersten Hälfte des dreizehnten Iahrhunderts lebenden hebräischen Dichters Inda Ben Salomen Alcharisi lassen sich zwei Hebräer in einen gegenseitigen Wettstreit ein, in welchen! sich solgende zwei Rätsel*) bessinden**):

l. Eine Dirne, geboren aus dem Feld, gerüstet wie ein Held, des Mor. gens der Beute nachstellt; leichter Füße, schmaler Lenden, sitzt sie an allen Enden; schwarz und doch schön ist die Kleine***), doch von Eva's Töchtern keine, hat dunkle Tracht und kommt aus ihrer Höhle Nacht; eilt jeden Tag dem Morgenlicht zuvor und ist srühmorgens unterm Thorf), läust aus allen Steigen und Sträuchen, allen Wegen und Stegen, allen Straßen und Gassen. So lang der Winter dauert hält sie sich eingemauert, und ist der Winter aus, so kommt sie heraus aus ihrem Haus, nach ihrer Nahrung hin und her zu eilen, und kann

*) Ich entnehme die deutsche Nachbilduug von Krasst, Proben neuhebräischer Poesie, l, Bd. Ansbach 1839,

**) Die Eigenthümlichkeit srüherer hebräischer Dichter, ganze od» halbe Bibel» verse in Prosa und Gedichte zu verslechten, oder wenigstens aus solche anzuspielen oder hinzudeuten, sindet man bei Alcharisi sehr ausgedehnt; so auch bei den solgen» den Rätseln, weshalb ich die tressenden Bibelstellen in Anmerkungen beisüge. —) „Ich bin schwarz, aber gar lieblich", Hohes Lied I, 5. f) „Sie rust in der Thür am Thor", Sprichwört. I, 2l.

nicht mehr zu Hause weilen; rennt den ganzen Tag aus jeder Bahn, thalab und bergan; trägt Müh' und Last ohne Rast, läuft und rennt ohne End', ar> beitet immer zv ohne Ruh', um sich mit Nahrung zu versehen, um Beute sür ihr Haus zu erspähen*). Sie gehört unter die Zwerge, und trägt doch Lasten wie Berge; Behren von dem Felde erbeutet sie und Grotten unter der Erde arbeitet sie, und süllt sie mit dem reichen Ertrage der Sommertage. Den ganzen Tag eilt sie von Ort zu Ort, geht Abends heim und Morgens sort. Und hat sie im Winter sich versteckt in dem Erker von ihrem Kerker, so siehst du sie im Sommer von Neuem lausen in Hausen, um mit den Kommenden Getreide zu kausen**). Und ist die Zeit der Ernte nah und der Bote der Lese da, so gürtet sie mit Krast ihre Lende, und verläßt ihre Wände und wendet sich zur Tenne behende. Sie ziehet aus mit dem Schnitterheere und drischt gar säuberlich jede Aehre; sie geht nicht von der Ernter Seite und sammelt auch ein ihr Getreide. Da siehst du sie in den Tennen aus, und niederrennen, bis sie der Knechte Mitleid sieht, und sie unter den Garben sammelt, ohne daß ihr Leid geschieht; sie schenken ihr von dem Segen, den sie erwarben, sie ziehn heraus sür sie aus den Garben; sie lassen es liegen daß sie lese, und werden ihr drum nicht böse***). Und Einer sagt zum Andern: es sei ihr unverwehrt, denn ihre Seele ist verstört****), ihr Haus ist geleert, und kein Same ihr bescheertf), Sie schweift tagtäglich aus dem Feld, wie eine Magd die Nachlese hält. Jn ihrer Weisheit, ihrem Verstsnde, bringt sie ihre Nahrung aus sernem Lande-s-s-), und hält ihre Speise bereit sür die dürre Zeit; jedes Gerstenkörnlein, das sie sindet nah und sern, wahrt sie wie ihren Augenstern, eilt in das Schatzhaus es zu legen, und birgt es vor Sturm und Regen, aber Weizen und Spelz wird nicht zerschlagen, weil sie kommen in spätern Tagen fff). Und sieht sie die kalten Tage nahn, da Schnee und Eis deckt jede Bahn, da Sturm und Regen Jeden treibt, daß er zu Hause bleibt, so nimmt sie aus den Speichern ihre Beute und vertheilt sie unter ihre Leute, ihrer Hände Frucht ff-s-f), und was sie mit Mühe gesucht. Sie zeugt durch ihr Werk von der Weisheit des Herrn, und es loben sie ihre Thaten

*) „Sie steht des Nachts aus und gibt Futter ihrem Hause", Sprichwort. XXXI, lö.

**) „Also kamen die Kinder Jsraels Getreide zu lausen, sammt Andern, die mit ihnen zogen", l. Buch Mos. XI.II, 5.

***) „ Und da sie sich ausmachte zu lesen, gebot Boas seinen Knaben und sprach: lasset sie auch zwischen den Garben lesen und beschämet sie nicht; auch von den Haufen lasset überbleiben und lasset liegen, daß sie es auslese, und Niemand schelte sie darum." Buch Ruth II, 15. I6.

—„Laßt sie, denn ihre Seele ist verstört", 2. Buch Könige IV, 27.

f) „Wird sie aber eine Witte, oder ausgestoßen und hat keinen Samen, so soll sie essen von ihres Vaters Brod", 3. Buch Mos. XXII, l3.

ff) „Sie ist wie ein Kausmannsschiss, das seine Nahrung von serne bringt", Sprichwört. XXXI, 14.

-s-s-s-) „Aber der Waizen und Spelz wird nicht geschlagen, denn es war Spätgetreide", 2. Buch Mos. IX, 32.

-s-s-s,s-) „ Sie denkt nach einem Acker, und kaust ihn, und pflanzt einen Weinberg von den Früchten ihrer Hände", Sprichwört. XXXI, l6.
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nah und sern*). Heil ihm, der von ihr lernt, dem Weisen, doch wehe dem Fanlen, der von ihr sich nicht läßt unterweisen; er geht einst nackt und bloß einher, ein Weinstock von Frucht und Blättern leer, seine Lippe küßt den Harm,

und den Mangel umschlingt sein Arm,

Hieraus erhebt der Hebräer noch solgendes Lied:

Eine schwarze Heldin sinden
'Können wir aus Höh n und Gründen,
Ihren Leib mit Krast gegürtet,
Nicht mit Gürtel oder Binden,
Schwarz wie Myrrhen, reicht sie doch nicht
Wie die Myrrhen Dust den Winden,
Mit jedwedem neuen Morgen
Geht sie, Beute zu ergründen;
Ist schon reg' in aller Frühe,
Und die Nacht laßt sie dahmten.
Eh' der Morgeurothe Strahlen
In der Höhe sich entzünden,
Häust sie Speise sür die Tage,
Da des Iahres Früchte schwinden.
Iedes Körnlein, das sie sammelt,
Gräbt sie in der Erde Rinden;
Haut und baut sür sich mit Mühe
Höhlen in des Bodens Gründen,
Und verbirgt in ihre dunklen
Kammern, was sie konnte sinden;
Ist nicht Diebin und doch geht sie
Fremde Güter ausznkünden,
Ueberall ist sie im Sommer,
Aber birgt sich vor den Winden,
Und besorgt die Winterschätze,
Ihre überreichen Psründen,
Sie begräbt sich selbst lebendig,
Wenn die Lüste slohn, die linden,
Und sucht ihrer Wohnung Thüren
Allenthalben zu verspünden.
Kaum der Lenz ist da, so siehst du
Sie dem Grabe sich entwinden;
Nach Brodhaiisenflugs zu wandern
,j g,,,. Bricht sie aus aus ihren Schlünden,

Bis sie weiß, daß sern der Heimath

*) „Sie wird gerühmt werden von den Früchten ihrer Hände", und ihre Werke werden sie loben", Sprichwört. XXXI, 31.

**) Eigentlich nach Bethlehem, d. i, Brodhausen.

Bor dem Frühroth ist sie längst schon

Aus den Füßen, den geschwinden,

Wie die Händler, die aus jedem

Weg' und Stege sich bessinden.

Klugheit, die sie nicht gelernet,

Lehrt sie doch den Menschenkinden,

Gehet, wenn noch schläst der Faule,

Um das Frührolh zu verkünden. 2. Er ist einer von den Mohren, doch nicht im Mohrenland geboren, schwarz wie ein Schlot, srißt er des Frevels Brod*), und geht aus ohne Schwert aus Mord und Tod, Wie der Osen wärmet er, und überall, wie ein Dieb, schwärmet er. Er sitzt in deinem Kabinette, in deinen Kleidern, deinem Bette, bei Nacht srißt er an deinen Gliedern Stück sür Stück, und raubst du sie am Tage seinem Blick, am Abend gibst du sie ihm zurück. Wenn der Schlummer die Seele gesangen hält und tieser Schlas aus die Men» scheu süllt naht er leise dich zu übersallen mit seinen Krallen, und saugt dein Blut ohne Säumen im Wachen und Träumen. Und suchst du ihn, er ist dahin, und denkst du, ich hab' ihn gesunden, er ist geflohn und verschwunden. Und wenn du ihn auch mit Hast ein» und zweimal gesaßt, so kann es ihm noch gelingen zu entspringen, und er entfliegt wie mit Adlers Schwingen. Wie ost birgt er sich unter dem Mädchenkleide, und kommt von den Hüsten bis zur Seite, und geht von da zu den Brüsten sort, drum nennt er sein Lager zenen Ort. Und sindet er eine Iungsrau oder junge Fran, er hängt sich an sie bei ihr zu ruhn, bis sie ihre Stimme erhebt ob seinem bösen Thun. Und das Mägdlein schreit, und ist Keiner der Hilse beut; und sragt man sie: warum weinst du und legst dich nicht still aus's Ohr? so sagt sie: es ist gekommen der Mohr, und hat in meinem Schooß ausgeschlagen sein Haus, an meinem Busen ruht er aus, als wäre er mein Myrrhenstrauß***); die ganze Nacht liegt er mir bei, und nimmt sich zum Lager srei und ohne Scheu Arm und Wangen, und noch Allerlei. Er ist dem Priester zu vergleichen, der da nennt Schenkel und Brust sein eigen, die Brust nimmt er als Webe, und die Schenkel als Hebe, und das Fett ganz von dem Fcttschwanz-s-). Er schürt die ganze Nacht des Kampses Glut, von dem er nicht eher ruht bis er getrunken der Erschlagenen Blut. Ohne Wehr und Speer und Wassen kann er hiurassen, ist klein und kann Große bezwingen, ist gering und kann Helden niederringen. Umsonst wirst du ihm Netze legen, kein Bogenschütze kann ihn erlegen; kein Feldherr kann ihm widerstehen, übersällt er die Helden, so ist es um sie geschehn. Und

*) „Denn sie nähren sich von gottlosem Brod, nnd trinken vom Weine des Frevels", Sprichwort. IV, 17.

**) „Da ick Gesichte betrachtete in der Nacht, wenn der Schlas aus die Menschen sällt", Hiob IV, 13.

„ Mein Freund ist mir eia Büschel Myrrhen, das zwischen meinen Brüsten hängt", Hohes Lied I, 13.

-s-) „Und soll also von dem Dankopser dem Herrn opsern zum Feuer, nämlich sein Fett, den ganzen Schwanz, und alles Fett am Eingeweide", 3, Buch Mos. III, 9.

Sritd reich, Besch, d. RötKselj. >l

wenn du dich schützest durch Riegel und Thür, er kommt von oben mit seinem Flügel zu dir; und glaubst dn, du seist von ihm los, bald wirst du ihn spüren in deinem Schoost, bald wird er packen deinen Nacken Und sollte dir's glücken seine Heere zu zerstücken, so kommen ihre Nächsten, ihr Blut zu verströmen und Blutrache am Mörder zu nehmen, Hann er den Weg zu des Königs Schloß nicht entdecken, er sucht sich in seinen Kleidern zu verstecken und in seinen Decken, und kommt wie ein sremder Wanderer zu ihm bei Nacht, daß der König er, schrecken auswacht, und verächtlich schauet aus all seine Macht, Er rust seine Knechte zur Hand, die breiten aus sein Gewand; es rusen einander die Mägde rings, süns Leuchter rechts und sünse links; er entschlüpst, wenn sie ihn ge, sangen meinen, er lacht über sie und sie weinen. Würde er sreilich gesunden, so würde er lebendig geschunden; aber überall ist ihm Zuflucht bereit, eine Freistatt sindet er in jedem Kleid, Und hat ihn der König zum Gesangenen gemacht, und ist er in seiner Macht, so wirst er zu Boden seine Galle voll Wuth, bis sich gelegt sein Blut. Das ist nur ein Theil seiner Thaten, ein Stückchen von seinen Psaden, Denn sastet er auch den ganzen Tag, an jedem Abend holt er s nach Den Schuldlosen quält er ohne Erbarmen, er leckt das Blut der Reichen und der Armen, und verschlingt sie lebendig mit seinen Armen. Allezeit ist sein Dichten Blutbad anzurichten. Und wenn er nun eine Zeitlang da war, und zu Ende gehet das Jahr, und er merkt, daß der Wind ihn sortstößt, und die Kälte ihn auslöst und der Regen ihn sortstößt, so ver. kriecht er sich in des Stanbes Klüste und gräbt sich unter der Erde Schilifte; alle seinen Schaaken ziehen weiter, und machen sich Reisekleider, und steigen von ihrer Stelle mit dem Jhren lebendig zur Hölle, Und so lange es windig und kalt, sind des Staubes Schollen ihr Ausenthalt, und da weilen sie, bis wieder in Feld und Wald der Frühling schallt. Und sehen sie Regen und Kälte vergangen und den Sommer anlangen, dann ist da ihre Zeit und sie machen sich zur Reise bereit, und blühn aus der Erde empor, gleich dem Früh, lingslaube, und Viele erwachen ans, so da schlasen im Erdenstaube*). Hieraus erhebt der Hebräer noch solgendes Lied:

Der Nachtgeborne, den des Dunkels Schlingen

Und schwarze Finsternisse stets umsingen,

Jhn hätte längst die eigne Gluth verzehrt,

Wenn ihn nicht schützten seine lichten Schwingen,

Es scheint, er ist ein Feuerkünstler, den

Die Flammen, die versengenden, umringen.

Er fliegt nur mit den Fittigen der Nacht,

Weiß überall verstohlen einzudringen.

Wenn er mir Wunden schlägt, so kann mir nur,

Wenn ich den Frevler tödte, Heilung bringen.

Sein Schwert ist Zahn und Mund, und aus mein Blut

Zückt er in jeder Stunde seine Klingen.

Geröthet, wie die Rose, ist sein Blut,

*) „Und Viele, so unter der Erde schlasen liegen, werden auswachen", Da

niel
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Doch pflegt er es erst Andern abzuringen.
Und schließ ich auch allnächtlich meine Thür,
Mich zu erreichen wird ihm doch gelingen.
Er liebt zu thun als wie die Fledermaus,
Die nur bei Nacht entsaltet ihre Schwingen;
Doch weilt er auch die ganze Nacht bei dir,
Beim Morgeurothe wird er dir entspringen.
Als wenn er Honigströme sand' in mir,
Sucht er mich sest voll Durstes zu umschlingen.
Er ist gar klein, von winziger Statur,
Ein Windessäuseln kann zur Flucht ihn zwingen.
Ein Dintentüpslein scheint er mir zu sein,
Wie sie beim Schreiben aus der Feder springen.
^Auslösung. l. Die Ameise, 2. Der Floh.Z

§ 36. Unter den Türken war Ali, ein herumziehender LatwergenVerkäuser, unter dem Beinamen Mamaji, d. i. der Rätselhaste, bekannt wegen seiner Stärke im Ausgeben und Lösen von Rätseln. Er soll auch eine eigene Abhandlung über das Rätsel geschrieben haben, welche mir, so wie seine Rätseln, unbekannt sind. Von Fani, einem um 1003 lebenden Spezereihändler, kenne ich solgendes, die Lippen der Geliebten bezeichnendes Rätsel:

Was ist der Becher, dem Rubine gleich,
Der voll von Perlen, wie der Fluthen Reich,
Der, wenn geschlossen, in ein Nichts zerfließt,
Der, wenn geössnet, Zuckerkandel gießt?

H 57. Von dem Derwische und Dichter Mohammed BenOöman Ben Ali Nattasch, genannt Lamii, d. i. der Glänzende (gest. 938), find solgende Rätsel noch vorhanden*):

l. Sag mir, aus welchem Ast der Vogel singt,

Der sederleicht mit Silber ist beschwingt,

Der, wenn er lustig flieget hin und her,

Sich wie ein Nachen stürzet in das Meer,

Und wenn er dann zur Höhe wieder trachtet,

Ist stets sein Schnabel reich mit Frucht besrachtet.

Er flieget aus zu dem Rubinennest,

Worin ein Zuckerpapagey sitzt sest,

Er giebt den Bissen ihm und kehrt zurück,

Das ist sein täglich' Thun mit gutem Glück.

Nachdem er Fremden dieses vorgetragen,

Dars Lamii wohl um die Antwort sragen,

*) Geschichte der Osmanischen Dichtkunst, von Hammer»Purgstall, 2. Bd. Pesth 1827, S. 1SO.

2, Welche Blume ist es, die zu jeder Zeit
Im Winter wie im Sommer sich erneut?

Es streut das Holz derselben Gold zu Füßen,
Und Veilchen wirbeln sich sie einzuschließen,
Sie kommt vom Stein und sinkt zuletzt in Staub,
Sie lebt von Lust und wird des Wassers Raub;
Sie war' Rubin, wenn die Rubinen brennten,
Und Sonne, wenn die Sonnen Grimm bekennten:
Sie ist ein Schöner voll von Strahlenlicht,
Von schwarzem Haar und Flammenangesicht,
Aus ihren Glanz ist neidisch selbst die Sonne,
Denn sie ersüllt die Welt mit Licht und Wonne,
Wie Tulpen glüht sie voll von Scham und Harm,
Das Auge Gluth, die Stirn und Wange warm.
Den Glanz des Mond's läßt sie dahin gestellt,
Indem bei ihr das Licht anzündet Welt,
Sie machet, daß der Stahl wie Wachs zerfließt,
Und daß der Stein wie Wasser sich ergießt,
Ihr, die so schön mit wohlgesüllter Tasche,
Genüget doch zuletzt ein wenig Asche,
Nimmt Prügel an vom mindesten der Wichte,
Und steht durch Nied'rige sich selbst im Lichte.

3, Was ist's, das überall und nirgends ist,
Das ohne Seele doch lebendig ist,

Das, wenn versammelt bildet einen Teich,
Und wenn zerstreuet, ist den Sternen gleich;
Wenn du es tobtest, tödtet es dich wieder,
Und sprichst damit, so sährt's dir durch die Glieder;
Auch ohue Schwingen kann es fliegen tüchtig,
Ein Sklave ist's, dock) ist der Sklave flüchtig,
So ohne Kops als Fuß ist's srank und srei,
Und steht doch Männern von Verdienst nicht bei.

4, Welch Drach' ist dieß, der einem Vielsuß gleicht,
In dessen Herz der Pseil dem Bogen gleicht,
Im Fluge er sich bis zum Himmel schwingt,

In Ruh' sein Fuß bis zu dem Abgrund dringt;
Wenn seine Lasten auch Gebürge sind,
So gehet er damit doch schnell wie Wind,
Er machet seinen Weg nur ans dem Bauch,
Sein Schweis ist seines Weges Führer auch.
Ein weißes Zelt, wobei noch steht der Psahl,
Wie Himmelszelt von innen leer zumal,
Der Rumps, der Mast, sind Tintenfaß und Kiel,
Womit aas Flutben wird geschrieben viel;

Bon »ugen melancholischer Pallast
Von Innen nur phlegmatischer Ballast:
Er wird, indem er seine Ketten schleppt,
Im Wasser balc und bald im Schlamm geschleppt,
Er war ein Schloß, wenn Schlösser so spazierten.
Er war ein Berg, wenn Berge manövrirlen;
Er ist sürwahr der seltsamste der Drachen,
Der haucklos saugt das Volk in seinen Rachen,
Es naget ihn wie Salomon der Wind,
Und sührt ihn durch die ganze Welt geschwind.
Er betet, wie einst Chiser, aus den Fluthen,
Daß giinst'ge Lüste kommen ihm zu Guten,
Vom trocknen Lippeurand, wiewohl im Meer,
Wiewohl kein Vogel, sliegt er hin und her,
Durchschneidend ohne Fuß der Erden Gürtel,
Des Meeres Fluth geht ihm nicht bis zum Gürtel.
». Was sür ein Schlangenleib ist dieß mit Silberschwingen,
Aus dessen rothem Schweis des Moschus Düste dringen?
Sein Mnnd ist Kamphcr und sein Inneres ist Harz,
Er hat nicht Herz noch Seel', ist blöde, dumm und schwarz,
Bald wälzt er sich in einem Meer von Gist und Schlamms,
Bald tanzet er wie Zucker süß und licht wie Flamme,
So ost er sich dem Meer der Finsterniß einschwingt,
Aus seiner Zunge Fluth die Lcbensquelle springt,
Ein Zweig des Lebensbaums, nur ist er umgekehrt,
Ein Lotoszweig, jedoch mit Ambra reich beschwert,
Zweiziiugig wie die Schlangen gibt er keine Kunde,
, ^ Bis man ihm abgehauen nicht den Kops zur Stunde,
Sein Loos ist schwarze Schrist und was ihm thuet gut,
Ist wie verliebten Herzen nur das Herzenblut.
Wer Lamii dich mit der Lösung wird ersreuen,
Bor dem sollst du Iuwelen wie der Kiel ausstreuen,

Vogel ist's, der schwingenlos die Well durchfliegt,
dessen glattem Aenßern viel Geheimniß liegt?
ie die Perien durchziehet er die ganze Welt,
Wenn man ihn aus der Hand und aus dem Kopse hält,
Die Schönheit seines Angesichts dem Geiste mundet,
'Ii Doch wird von seinen Worten ost das Herz verwundet,
Von außen kampherweiß, von innen Moschusdust,
Ein tresslicher Kourier schnell wie die Morgens
Zusammengerollet ist er Knospe von Iasmin,
Entfaltet Rosenhain, worinnen dustet Sinn,

*) Sevägzi luescKreb, von gallichtem oder melancholischem Naturell, ein Wort» spiel mit dem im nächsten Verse solgenden Lsata, was sowohl Galle als Ballast bedeutet.

Ein lustiger Kumpan, der Scherz und Witz versteht,

Ein zärtlicher Genoß, der stets zur Seite geht.

Dem, welcher diesen Bries wird zu entsalten wissen,

Soll er wie Lamii die Hand' und Füße küssen. IAuslösung. l. Der Lössel, (Der Ausdruck „sederleicht mit Silber be» schwingt", erklärt sich dadurch, daß die türkischen Lössel von leichtem Bein sind, und der Stiel mit gesponnenem Silber umwunden ist.) 2. Das Feuer. 3. Da« Quecksilber, 4, Das Schiss. 5. Die Schreibseder. ( Die in rothe Dinte ge» tauchte Spitze der Feder ist mit dem Ausdrucke „ der rothe Schweis" bezeichnet.) 6. Der Bries.)

H 38. Bei den Persern sind besonders ihre Logogrvphen (Mima) bemerkenswerth *). Sie übertressen die unsrigen bei Weitem an Schwierigkit. Es ist nicht genug an der Versetzung der Buchstaben, um mittels derselben ein oder mehrere Wörter zu errathen, sondern mit den Buchstaben selbst müssen allerhand Künste der Punktirung und Nichtpunktirung, der Umkehrnng und Verwandlung vorgenommen werden, bis das Wort, welches der Logogrhphenschmied im Sinne hatte, herausgesunden wird. Hammer selbst gibt zn, daß die meisten dieser Logogryphen, die er mit oder ohne Erläuterung angetrossen, ihm meistens unverständlich geblieben seien, und er lege dieses ossene Bekenntniß mit um so weniger Scheu ab, als selbst Dewletschah, der Biograph der persischen Dichter, von diesen Künsteleien nichts zu verstehen, ganz ossenherzig bekenne. Uebrigens haben mehrere berühmte persische Dichter mit ganzen Bänden solcher Buchstabenkünsteleien Zeit und Mühe verloren. Die Rätsel- und Lygogryphenkunde macht einen eigenen Zweig des dreihnndcrtarmigen Baumes der orientalischen Encyllopädie bei Hadschi Chalsa aus, und sowohl Watwat, der persische, als Surnri, der türkische Boileau, sühren dieselben in ihrer Poetik aus.

H 39. Von den Persern sind solgende zu erwähnen. Abul KasimMansur, welcher gewöhnlich unter der Benennung Ferdusi (d. i. der Paradiesische) vorkommt, geboren 940 v. Chr. unweit Tus in Chorasan, erreichte ein Alter von 80 Iahren. Er dichtete das Schahname (Königsbuch), ein in Reimen versaßtes Epos über die alten Könige Persiens, welches als Quelle der persischen Geschichte benutzt werden kann, jedoch nur mit scharser kritischer Sichtung**). In diesem Gedichte besinden sich Rätsel, welche dem Helden Sal ausgegeben werden, und die bereits in § 37 an

*) Geschichte derschönen Redekünste Persiens, von Hammer; Wien 1818, S. 34. **) Zu dieser Sichtung bietet die umsang» und gehaltreiche Einleitung Schack's zn seiner metrischen Uebersetzung der „Heldensagen von Firdusi", Berlin 185l, die nöthigen Anhaltspunkte.

gesührt worden find, Asbschedi aus Mens, einer der Dichter des Sultan Mahmud, den er stets aus seinen Zügen begleitete; von ihm ist solgendes Rätsel (die Melone) bekannt:

Farbe, Geschmack und Geruch, Smaragden, Zucker und Moschus,
Ambra sür die Zunge, sarbiger Stosss sür das Auge,
Wenn du in Spalten ihn theilest, gibt jede Spalte den Neumond,
Wenn du ihn ganz läßt, stellet er den Vollmond dar.

Rasi, auch Abul-Mesachir lebte zur Zeit des Sultans Gajasseddm; er war ein großer Gelehrter und Dichter, und hat zuerst die Dichtungs«t der Rätseln unter den Persern in Schwung gebracht. Emir Chansade, bekannt unter dem Namen Tablbas, d. i. Trommelspieler; sein Dichtername war Deliri. MewlanaNisan ausAstrabad; er hat desonders zur Verbreitung der Rätseln beigetragen, und selbst ansangs vorzugsweise nur Rätseln gedichtet, spater aber seinen Dichtungen eine religiöse Richtung gegeben, und Gedichte zum Lobe des Propheten und seiner Familie geschrieben. Schereseddin Ali von Jesd, einer der größten persischen Geschichtsschreiber, besonders berühmt durch seine durch ?etit äs lä Or«ix's Uebersetzung bekannt gewordene Geschichte Timur's; er war auch zugleich Dichter »nd soll mehrere Rätseln hinterlassen haben; er starb im Jahre der Hedschira 834 (1430). Von diesen Persern sind mir keine Rüthsel bekannt geworden, und auch die Hauptquelle über die perssische Dichtkunst, das citirte Werk von Hammer schweigt darüber.

H Li). Bei den Arabern waren ganz vorzugsweise Rätsel und Sinnsprüche von sehr großer Geltung, und es kann Arabien als das Vaterland der Rätseln angesehen werden*). Von den Arabern ist besonders Hariri (ein Gelehrter aus Basra, geb. 446, gestorb. 515 oder 516 nach muhamedanischer Zeitrechnung) zu erwähnen, in dessen Makamen sich solgende Rätsel besinden**).

In der sechsten Makame sagt der Gast, der alte Abu Seid, zu seinem Wirthe:

„ Nun ich gespeist habe, und Mund und Hand noch seist habe, regt sich in mir ein andrer Gelust, den du als mein Wirth besriedigen mußt. Geh, und bringe mir dar ein schönes Paar, eines davon ein schlankes Knäbchen, sein gedreht, ein geschnitztes Stäbchen, glatt und sest, geschmeidig und süße, der den Mund mir küsse, und es sich lasse munden wenn die Zähne ihn verwunden.

*) Keil, Commentar über die Bücher der Könige, Moskau 1846, S, 149, **) Jch entnehme die sreie deutsche Nachbildung und die Auslösung aus Friedrich Nückert, die Verwandlungen des Abu Seid von Serug, oder die Makamen de« Hariri, 2 Bde., Stuttg. 1837.

Dann eia reinliches Mädchen, erzeugt in einem Kramlädchen, lind anzusühlen und weich, den himmlischen Nymphen gleich, leicht von Gewicht und lustig, wohlriechend von Athem und dustig, das auswalle mit Schaumen, wenn es mir küßt den Daumen, und zngethan mir bleibe, wenn ich's mit der Hand zerreibe." Da erwiederte der Wirth: „wie scherzest du wunderbar gelaunt! glaubst dn, daß ich ein Harem von Mädchen und Knaben hab' in meiner Fremdenwirthschast vergraben?" Der Gast aber klärte ihn mit den Worten aus: «ich meine Zahnstocher und Seise,"

In der siebten Makame wird ein vor dem Richter zur Entscheidung sührter Streit zwischen einem Alten und einem Jünglinge erzählt.

Der Alte sprach: „Walte Gottes Gnade hie, halte und erhalte den Kadi, daß er recht walte und gerecht verwalte, sich recht verhalte und das Recht erhalte! Ich hatte eine seine, allerliebste kleine, glatte, nette, niedliche, spitzige doch sriedliche, schlanke, blanke, flinke, unermüdliche, eine dienstsertige Dirne, die sich lenken ließ an einem Zwirne; zierlich, manierlich, behend, hanthierlich, ans-und einschlüpsend, hin» und herhüpsend, alles mit Fleiß verknüpsend; die überall säumte und doch nichts versäumte, die überall steckte und stickte, und der alles fleckte was sie slickte. Daß ihr Herz war stählern, rechnete ich ihr nicht zu den Fehlern, noch daß sie liebte Fehden und sührte Stichelreden. Denn zwar un. biegsam, war sie mir doch schmiegsam; spitzzüngig wie ein Schlängelchen, doch Pill und sromm wie ein Engelchen, Sie hätte nur wandeln sollen aus Seiden, Und an geblümten Borten weiden; doch sie erging sich vergnügt und bescheiden, aus meiner Armuth kahlen Heiden. Nackt blieb sie, um Nacktheit zu bekleiden; doch wo sie zog durch die Steppe, da zog sie hinter sich her eine lange Schleppe. Dieser Iüngling nun hat sich nach ihr gesehnt, und ich habe sie ihm gelehnt, sie sich zu Nutz zu machen, doch zu schonen der schwachen, und keine Unbilligkeit zuzumuthen ihrer Willigkeit, sie nicht anzustrengen über ihre Kräste, und sie nicht zu mißbrauchen im Geschäfte, Da bringt er sie zurück mir itzt, und das Ohr ist geschlitzt, und vom Ersatz, den er mir bietet, wird mein Schaden nicht gegütet." Der Jüngling sprach: „Es ist gegründet, was der Alte verkündet. Doch schlecht hat sie sich ausgesührt; ich hatte nur schies sie angerührt, und mein Finger war ohne Hut, da biß sie mich drein und leckte mein Blut, Doch er hat von mir im Versatz einen Schatz, ein barsches Bürschchen, als wie ein Hirschchen, mit Zinken nnd Zacken und elsenbeinblinkendem Nacken, muth. willig und eitel, will jedem über die Scheitel, Iungen die Locken krausen, Alten die Borsten zausen. Er liebt Putzen und Zieren, durch Wälder zu spazieren, und sürchtet nicht den Weg zu verlieren, bricht durch dünn und dicht, und was sich sträubt, das macht er schlicht. Den gab ich zum Unterpsand dem Alien, doch er hat ihn nicht wohlgehalten; ich weiß nicht, was mein Bürschlein hat verbrochen, er hat einen Zahn ihm ausgebrochen." Der Richter, welcher diese rätselhasten Angaben des Alten und des Iünglings nicht auslösen konnte, ries: „erkläret euch näher, ihr Streiter, oder scheerel euch weiter," Daraus gab der Iüngling die Auslösung wie solgt: „Eine Nadel, abgestumpst und abgenutzt, schwarz gerostet und von keinem Nutze, lieh er mir zu übler Kleider Besserung, daß sie alte Lappen neu ausstütze; brach sie ans GebrechlichKit, so ist kein Grund, daß er ein Verbrechen mir ausmutze Doch er hält dasür in seiner Hast zurück meinen Kamm*), dn mir gedient zum Putze." In der neunzehnten Makame tritt ein Sänger unter ein srohes Gelage, und gibt ihm solgende zwöls Rätsel aus:

1. Was gestern war und heut gewesen,
Und morgen wird zuerst es sein,
Und, merkt, gemeinschaftlichen Namen
Mit einem trägt's von diesen Drei'n.

2, Weil es Eins ist, da« zersällt in vieles.
Sagt man's billig in der Bielzahl aus!
Die die Vielzahl dann sür Einzahl halten.
Bilden eine neue Vielzahl draus.

Sag' es, wenn du's weißt, so gehe nie dein
Glück dazu, noch salle drein dein Haus.

3. Höher wird's nicht, aber edler,
Wenn ihr setzet Ho davor.

Doch das Ho war dran von Ursprung,
Bis sich's durch Gebranch verlor.

4, Wo die Lüste des Frühlings hauchen,
Um dich schlüpsen Vogel und Reh,
Kannst du eines zum Psühl dir machen,
Und ein andres zum Dach, versteh!
Jenes hat R oder W zum Ansang,
Dieses zum Ansang G oder W,

5, Es verändert die Farbe nicht,
Wenn man ihm vorn ein L abbricht:
Mit dem L war es irdisch noch,
Ohne das L ist es himmlisch Licht,

6. Es ist der Name einer Frucht,

Die zwar dem Gaumen wohl behagt;
Doch wo sie sich dem Ohr vereint,
Da wird darüber nur geklagt;
Und wer sich die gesallen läßt,
Der ist das, was der Name sagt.

*) Statt des Kammes ist im Original ein Gegenstand, dem die ersorderliche doppelsinnige Beschreibung aus eine sür uns anschauliche Weise nicht abzugewinnen war, nämlich der Angensalbenstist, Mil genannt, d. i. dasjenige Jnstrument, womit die im Orient gebräuchliche schwarze Schminke an die Wimpern und Angenränder gebracht wird; ein eben so nothwendiges Toilettenstück jener Gegenden als der Kamm bei uns. Der Kamm ist nun sreilich nicht ganz im Kostüm, wenigstens der Männer, die dort glatt geschoren sind, und nichts zu kämmen haben. Doch bliebe auch bei diesen etwa noch eine Zuslucht sür den Kamm der Bart. Aber unser Kamm gehört einem jungen Bürschchen zu, und diese tragen dort allerdings auch langes Haar wie die Mädchen. ,. .,

? Wenn's in einer Schaale ist,

Sind'» der Theile zweie;

Wenn's aus einem Hausen liegt,

Sind es zwöls und dreie,
8, Vom Roß und sich rühmt's der Araber,

Denn es ist rüstig und bequem;

Doch ist am Boden und am Weibe

Das Gegentheil ihm angenehm.

Ein M hat's oder H zum Ansang,

Dasselbe ist's mit dem und dem:

Doch wenn du es vom Boden braucheft,

Gib ihm zum Ansang nur das M
9, Welch Wort verliert, wenn ihm ein Un

Wird vorgesetzt, nicht die Bedeutung?

Doch der verliert, der von ihm mit

Oder ohne Un hat die Bestreitung, lv. Da meist es ist dem Fuß verbunden.

So weiß, wenn man den Fuß ihm raubt,

Fast Niemand recht, wie er's soll brauchen,

Mit oder ohne S am Haupt;

Da einer das ihm zugehörige

S ihm vom Fuß entzogen glaubt,

Ein andrer meint, es sei vom Fuße

Das sremde S ihm angestaubt.
N, Mit Einer Silb' ist's abgethan;

Was ist es? Flügel hat's am Leib,

Mit einem A ist es ein Mann,

Mit einem U desselben Weib.
>2. Zwei Wörter weiß ich, in jedem Worte

Verschmolzen sind der Begrisse zwei.

Jm ersten Worte gilt eine Sache

Mit ihrer Zeit dir sür einerlei;

Jm andern eine Person zugleich mit

Dem Raum, als ob sie nichts eignes sei.

So seltsam sind in ihrer Bedeutung

Die beiden Wörter: es steht dir srei,

Zu sagen, daß das erste im andern,

Und daß das andre beim ersten sei.

sHariri hat die Erklärung dieser Rüthsel in einem Anhange zur Makame gegeben. Rückert giebt solgende Auflösung: l. Der Morgen. 2. Die Trümmer, als Plural vom Singular: das Trumm; als weiblicher Singular aber macht es den neuen Plural: die Trümmern. 3. Spital, Hospital. 4. Rasen, Wasen. Gipsel, Wipsel, 5. Lazur, Azur. 6, Die Feige, die Ohrseige; seige, das Ad. jectiv, 7. Mandel. 8. Mager, Hager, 9. Kosten, Unkosten, l0. (Fuß.) Tapse oder Stapse ll. Hahn, Huhn. 12. Mahlzeit, Frauenzimmer.)

In der drei und zwanzigsten Makame gibt der Vater seinem Sohne in RSthselworten solgenden Auftrag:

Aus, mein Sohn, geh mit dem vollmondrundlichen, settlichen, mündlichen, der aus der Welt nichts verschuldet hat, aber Vieles geduldet hat, der eingesenkt ward um auszustehn, und eingetränkt ward um auszugehn, der sich mußte lassen schneiden und treten, malmen und kneten, und ins Feuer schieben bis er war erstarkt; mit ihm geh aus den Markt, und hole von dort den schmächtigen, schwängernden, trächtigen, Nutzens und Schadens mächtigen, Gluthen schwitzen, den, Funken spritzenden, donnernden, blitzenden, geschlagnen, schlagenden, nicht sersagenden, Lust zu Lumpen tragenden, knatternden, knitternden, nicht unnütz aus dem Feld verwitternden, sondern in seinem Berus zersplitternden, sAus, lösung. Der vollmondrundliche, settliche zc ist der Kuchen, und der schmächtige, Funken spritzende ,c. ist der Feuerstein. Der Sohn verstand diese Nätsel, sprsche, nahm einen Kuchen, ging damit aus den Markt, und tauschte dasür einen Feuerstein ein.)

Die sechs und zwanzigste Makame enthält mehrere Gesetzesfragen nebst der Beantwortung, welche wegen der Doppelsinnigkeit der gebrauchten Worte zn den Rätselsragen gezählt werden. Ich will nur die sür uns am verständlichsten ansühren.

l. Dars ich Springwasser*) zur Abwaschung**) brauchen? Nicht einen Finger darsst du darin ohne Verunreinigung tauchen, 2, Dars man sich waschen in dem, was speit ein Drache ***)? Ja, so gut wie in jedem Bache. 3. Wie, wenn ein Krämer sich abwusch und er vergaß mit abzuwaschen seine Elle? Er sange von vorne an aus der Stelle, Oder ein Töpser vergaß seine Scheibe? vergebens wusch er sich am übrigen Leibe, Oder ein Schlosser und vergaß den Schlüssel? er sülle nur noch einmal die Schüssel. Oder ein Schreiber und vergaß das Blatt? er ist unrein geblieben an der Statt****), 4. Dars ein Mos, lem sich laben an des Christen Bache?-s-) Nein, sie ist ihm eine verboteue Sache. 5. Mag ein Einsichtiger zum Jman taugen? Nein, er soll sehen aus beiden Augen. Dars der Jman einen Bruch haben? Ja, zum Steingraben-s,s-). 6. Dars der Jman Mädchen f-s-f) Nöthen? Ja, und auch Maden tödten. 7. Jst

*) Mit diesem Worte wird auch das Urinlassen bezeichnet. "°") Zur gesetzlichen Abwaschung beim Gebete, Ueber die verschiedenen Arten von ganzer und theilweiser Abwaschung des Leibes hat der Moslem die genauesten und kleinlichsten Borschristen zu kennen und zu beobachten, sonst verunreinigt er sich statt zu reinigen, und muß mit den Waschungen von vorne ansangen. ***) Drache bedeutet im Arabischen auch einen Bergstrom. ****) Elle bedeutet den Ellenbogen. Scheibe, d. i. die Kniescheibe. Schlüssel, d. i. das Schlüsselbein. Blatt, d. i. das Schulterblatt, Alle diese Theile müssen mit abgewaschen werden.

1°) Bache bedeutet hier ein Mutterschwein.

-s,s-) Der Einsichtige, d. i. der nur aus Einem Auge steht, Bruchs d. i. ein Steinbruch, Der Jman soll sehlersrei sein, -r-s-f) D. h, kleine Maden.
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, den man besticht?*) Ja, im Kriege, wenn man gegen ihn sichi S, Jst es sromm, arme Schuldner auss Gericht zu laden? Ja, durch iw Ladung verdienst du Gottes Gnaden; und gar sie drängen mit Gerichtekosten? Lieberes werden sie Nichts kosten**), 9, Soll ich salsch Zeugniß ablegen? Ja, alles Böse sollst du ablegen. Dars man Geschwornes brechen? Ja, oder ganz ausstechen"**), 1», Dars mau verdammen****) einen Reinen? Ja, einen Brunnen mit Steinen. II, Dars man mit Hadern-s-) vor dem Nichter stehen? Ja, nicht jeder Arme kann in reichen Kleidern gehen. 12, Soll man Eingangs, wünschen guten Sitten? Nein, daß sie nicht eingehen, soll man Gott bitten, 13, Dars man einem Ohrenbläser das Ohr abschlagen?^) Allerdings soll man ihm Gehör versagen, 14. Dars ein Vormund seine Pupille s-s-s,s-) drücken? Ja, und auch mit der Hand sie jücken. I5. Wie, wenn ich eine Maus oer' letze? Wird der Verletzte lahm, so büßt du's nach dem Gesetze, Was geschieh, dem, der mir die Knöchel zerbrach? Nichts, das Spiel ist eine Schmach, Und wer meine Kieser zerbricht? Lad' ihn als Baumsrevler vor Gericht^). IK, Dars eine Gärtnerssrau verkausen ihre Frucht? Nein, aber ihre Zucht d). 17, Ist ein Schieser«) tüchtig zum Schreiben? Ja, doch die Schrist wird nicht lange bleiben. 18. Jst der ein Gelddieb, der eine Katzes) stahl? Ja, eine gespickt! zumal. 1«, Was verdient der, der mir einen Lössel stiehlt? Er hat den Ar' beitslohn verdient. Oder der, der meinen Garten raubt? Gieb ihm zum Donk von deinem Kraut ein Haupt. Doch wer mein Haus am hellen Mittag sprengj? Er macht, daß dich die Gluth weniger sengt. Oder, wer mir die Nahrung ebschneidet? Er ist so nützlich als der, der dir die Heerde weidet«). 20. Dns ein Schlosser gebrauchen eine Feilet) Es gereicht ihm nicht zum Heile, 21, Hilft der gerechten Sache im Kamps ein Wunder?«) Besser ist ein Tapsern, Gesunder. 22. Dars eine Magd ihrer Frau einen FußtrittK) geben? Js, um
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D. h. aus Einen einstechen, . Aus's Gericht laden, d, h, aus eine Gastbewirthung laden. Mit Gericht«, kosten drängen, d. h, sie drängen die Gerichte zn verkosten,

***) Falsch Zeugniß ablegen, d, h. dasselbe von sich entsernen. Geschwornes, d. i. ein Geschwür,

2 . ****) D. h. nmdämmen, mit einem Damm umgeben. .
f) D. i. Lumpen, schlechte Kleider,
-j-r) Eingehen, in Versall gerathen.
1^) D, h. verweigern,
-s-s-s-s-) D, i. die Pupille des Auge«.

ä) Maus, d. i, Muskel, mnsenlus. Knöchel, d. i, Würsel. Kieser, d. h Kiensöhre, Föhre.

b) Frucht, d. h. Leibessrucht. Zucht, d. i. das, was sie in ihrem Garten ge. zogen hat.

o) D. i, die Schiesertasel zum Schreiben.
S) D. h. die Geldgurte.

e) Einen Lössel stielt, d. i. mit einem Stiele s«rsieht. Rauben, d, h. Raupen ablesen. Das Haus sprengen, d. i, mit Wasser besprengen. Die Nahrung abschneiden, d. i. der Schnitter,

5) D, h, eine seile Person, Hure,
ß) D, h. ein Verwundeter.

k) D, i, ein Fußschemel, ....

die Füße daraus zu heben. 23. Dars ich meinem Vorgesetzten*) entgegenhan, dein? Ja, du darsst allezeit deinen Sinn verwandeln. .

In der neun und zwanzigsten Makame ruhen mehrere Reisende aus dem Felde aus, und unterhalten sich über Rätselsragen. Da mischte sich der alte Abu Seid unter sie, und gab denselben solgende zwanzig Rätsel aus, sich an einen nach dem andern von ihnen wendend und ihn anredend:

l. Du in der Rennbahn des Geistes tummelnd,

Mit Sporn des Scharssinns des Witzes Gaul,

Nimm dich zusammen, mit Einem Worte

Zusammen sasse mir „Löwen,Maul", 2 Du, dessen seiner Hand die Lösung

Macht nicht des seinsten Knotens bang,

Wie hilsst du dir, wenn du sollst sagen

Mit Einem Worte „gleich dem Klang"?

3. Du, aus dessen Gartenbeeten
Wuchert ew'gen Lenzes Grünheit,
Kannst du mit dem Wort' mir dienen,
Das in sich halt „Adler,Kühnheit"?

4, Du, dessen Glücksgebäude
Gott schirme vor'm Versall!
Welch' Wort ist's, das gebieterisch
Stets ruft: „Herbei Metall"?

5. Du, wenn deine schöne Sklavin

Dich bedroht mit einem Grimmchen;

Weißt du wohl mit Einem Worte

Jhr zu sagen: „Halt ein Jmmchen"? **) t>, O du, aus dessen Wangen

Der Freude Widerschein ist;

Kannst du ein Wort mir sagen,

Eines, das „zweimal rein" ist? 7, Du, dem das Kleid der Bildung
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*) D. i, das Borgesetzte, der Vorsatz,

*-) Mit dem Worte Jmmen wird diejenige Klasse der Jnsekten, in welche die Bienen gehören, belegt.

Wie kann mit Einem Worte Man sagen: „Klare Sänger"? lv. O der du schatzest nach Würden, was Man schönes schreibet und schönes spricht; Wie kann man einfach mit Einem Worte „ Feld.Narren" sagen und anders nicht?

11, Kluger! wenn du irgend Träger
Ohne Trage sähest, sage,

Welch' ein Wort du brauchen würdest
Statt der beiden: „Ohne Trage"?

12, Edlerl wenn dein Vatersbruder
Ging im schlechten Wetter aus;
Könntest du mit Einem Worte
Ihm nicht sagen: „Ei! nach Haus".

13, Reicher! wer in deinem Hause
Ist's, der lange dir zuvor war?
Nenn' ihn mir mit Einem Namen,
Welcher sagt: „bejahrt und Borsahr",

14, Weidereicher! dessen Thäler
Stehn von Bergen sest umhagt;
Sage, was iu Bergesklüsten
Nennt sich „Muhme wohlbetagt"?

15, Frommer! schmachtet das Land nach Regea,
Wie viel werth ist ein Tropsendort!
Betend sage zum Himmel: „Feuchte
Schicke", sag' es mit Einem Wort,

lö. O Schöner! mögest du mit Glück
Bestehen alle Fehden!
Nenn' einer Schönen Namen, der
Bedeutet: „wählte jeden".

17. Freigebiger! dem theuer
Nicht seine Heerden sind;
O sag' mit Einem Worte:
„Schasräuber, komm geschwind."

18. Will denn der Lust des Lebens
Sich mischen Gram ach immer?
Komm, laß mit Einem Worte
Uns sagen: „Gram ach nimmer"!

19. O ihr, vor und hinter denen
Liegen Lander unbezirket;
Eh' ihr auseinander scheidet,

Sag' Ein Wort euch: „Freunde wirket",
Z0, Hast du mit der Sonne
Blicken dich geletzt,
Sag' mit Einem Seuszer:
„Niederwärts zuletzt".

^Auslösung. 1. Leumund (Leu»Mund). 2. Wiederhall (wie der Hall). Z, Armuth (Aar-Muth). 4. Kommerz (komm Erz). 5. Rubinchen (ruh' Bien» ches), 6. Purpur (pur, pur). 7. Barbar (baar, baar). 8. Schallmey (schall' May), 9. Hellebarden (helle Barden), 10. Autoren (Au.Thoren). ll. Sonder» bare (sonder Bahre). 12. Oheim (o! heim). I3. Altan (alt Ahn). 14. Basalt (Bas alt). 15. Tausende (Thau sende). 16. Koralle (kohr alle), 17 Wolseile, so viel als Wohlseilheit (Wols, eile), 18. Harmonie (Harm sI nie), IS, Brü» derschast (Brüder schasst), 2s, Abendlich (ab endlich),)

Die süns und dreißigste Mäkame gibt ein ähnliches Bild, Wanderer lagern sich um auszuruhen, als unerkannt von ihnen der alte Abu Seid in ihre Mitte tritt, die Wanderer aber ihn schnöde zurückweisen, denn er habe eine Störung unter sie gebracht, da sie sich eben hätten mit Rätseln unterhalten wollen. Abu Seid bittet daran Antheil nehmen zu dürsen, waS ihm unter der Bedingung gewährt wird, daß er zuerst ansangen sollte, woraus derselbe ihnen solgende zehn Rätsel ausgibt:

1. Die Magd, die durch das Hans von einem Ende
Zum andern läust und umkehrt ohne Stocken;
Leicht, ohne auszusüßen, schwebt sie nur,

Ihr Amt ist, mit Ersrischungen zu locken.

Ihr Kleid ist, wenn sie dient, im Sommer seucht,

Im Winter aber, wenn sie seiert, trocken.

2, Der Sohn, der, seiner Mutter
Entnommen, längst verschmachtet,
Und der der Mutter Nacken
Neu zu umschlingen trachtet.
Wann ihr der Mutter Schätze
Zu plündern Anstalt machtet,
Dient euch der Sohn zum Helser,
Und wird dasür geachtet.

3. Es geht ein unvernünstiges Geschöps

Gesührt von kundiger Hand aus glatten Flächen,

Und sein gespaltner Hus drückt Spuren ein,

Worüber Denker sich den Kops zerbrechen;

Und wenn's aus seinem Gange durstig wird,

Tränkt man dazwischen es an trüben Bächen, 4. Ein schmächtiger Mann hat zu bedienen

Zwei sich in Allem gleiche Frauen,

Die srischer sind nach der Bedienung

Und jugendlicher anzuschauen.

Er gibt den Vorzug keiner Schwester,

Sie theilen also sein Vertrauen,

Daß er von der zn der sich wendet,

Sie wechselweise zu bethauen.

Die LiebeSopser, die er sparte,

Als beide waren jung und braun,

Vermehrte er, els sie grau geworden;

Das ist bei Männern selten, traun, b. Welche Zunge, die nicht spricht, .. .

Gibt verlässigcn Bericht?

Schlichtet anders kein Geschsst,

Als mit Nachdruck und Gewicht.

Gold und Silber gilt ihr gleich,

Doch das Mehr und Minder nicht.

Sie besriedigt die Parteien,

Wo sie sitzet zu Gericht,

Ob sie gleich im Ausspruch schwankt;

Eben das ist ihre Pflicht. 6, Ein starker Baum der gibt es,

Ein schwacher Manu der scheint'S.

Das Glück aus Erden ist es,

Mit jedem sich vereints.

Und es sergeht, o Wunder,

Beim Untergang des Feind«. .

7. Ein innerhalb der Psorte Gereihter Doppelchor,

Die einer nach dem andern

Sich richteten empor.

Bis einer nach dem andern

Sich wiederum verlor.

Sie sind der Schmuck der Psorte,

So lang' sie stehn in Flor,

In solchem Aleid, wie Lilie

Und Perle sich erkohr;

Ein Mißstand ist's, wenn zwischen

Den weißen steht ein Mohr.

Von ihren Hellebarden

Jst nicht gesperrt das Thor;

Sie schmeid'gen nur was eingeht,

Wie sie's berührt zuvor,

Und dienen zur Verstärkung

Dem was da geht hervor.

8. Geboren ist's von reinem Stamm, Bösartig ward's im Haus von Scherben. So lang' cs gut ist, taugt es nichts,

Es droht, o Moslem, dir Verderben;
Wenn's in Verderbnis; ubergeht.
Wird es die Äieinheit erst erwerben.
O Wunder, wer als Sünder lebt,
Und als ein srommer Mann kann sterben.
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9. Ein Wesen, zwischen Lust und Wasser,
Halb Fisch, halb Vogel, sich bemühnd,
Stets von sich selbst hinabgezogen,
Wie's auszustreben sich erkühnt;
In seiner Arbeit kläglich stöhnend
Und unablässig Thränen sprühnd,
Es dars in seiner Qual nicht rasten,
Als bis dadurch der Boden grünt,
l». Ein altes Weib, das flink sich dreht,
In dessen Fleiß sich kleidet
Der Araber, der Städte baut,
Wie der Kamele weidet,
Doch, wie es jede Blöße hüllt,
An Nacktheit immer leidet,
Weil es um Andrer willen stets
Von seinen Füllen scheidet.
. Dem dieses Weibs gleicht mein Geschick,

Wer ist, der es beneidet?
So hab' ich meines Geistes Schätz'
In Rätseln hier vergeudet,

^Auslösung. l. Die Lustsache von Leinwand, (Eine Leinwand, in der Höhe des Daches über den ossenen Raum des Hauses ausgespannt, die, an einem Seil gezogen, sich durch die ganze Länge des Raumes hin und her bewegt, um Kühlung zu verbreiten, besonders wenn man die Mittagsruhe halten oder Nachts schlasen will, Sie wird nur in der heißen Iahreszeit gebraucht, und dann mit Wasser benetzt) 2. Das Palmseil, (Ein Seil von Palmbast, das man gebraucht, um die Palme zur Ernte der Datteln zu besteigen ) 3. Der Schreibekiel. 4, Der Augesalbeustist. (Ein seiner metallener Stist, womit man die schwarze Schminke an das Auge brachte, wodurch nicht nur der Glanz des Auges erhöht, sondern auch die Sehkrast gestärkt, und im Alter den grauen Wimpern ein jugendliches Ansehen gegeben werden sollte.) 5, Die Zunge an der Waage, 6. Der Schatten. 7, Die Zähne, 8, Wein und Essig. 9, Das Schöpsrad, 10. Die Spindel, (In der zwanzigsten Makame kommt der Aus» druck vor: „nackter sein als eine Spindel." Die Spindel spinnt immer Klei. der, und hat selbst keines, wie man ihr alle, die sie sich angelegt, wieder abnimmt, um sür Andere welche darans zu machen. Dieser Gedanke ist in diesem Rätsel ausgesprochen.^

In der sieben und zwanzigsten Makame erzählt ein Wanderer (Abu Seid) von den Merkwürdigkeiten, die er aus seiner Reise gesehen hat, und bedient sich dabei doppelsinniger (rätselhaster) Bezeichnungen:

l. Am Morgen sah ich einen sich schwer Bemühenden, der aus dem Felde allein war mit einer ganzen Schar, 2. Ich sah, wie mancher Brave zu Feigen Zuflucht uahm, die schirmten ihm das Leben, als Roth im Lande war, 3. Manchen Edlen sah ich, der wollt ein Gastgebot aurichten, dazu lud er zuerst

Sried reich, «esch, d. RZthsel«. l2
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schmidt, kein Räuber legt ob ihr sich je aus die Lauer. 6. Welcher Stock wurde zu Fleisch und Blut? 7. Wer war der, welcher aus seiner Mutter ritt, und sich mit seinem Vater bewassnete; der Wasser trank, aber weder von der Erde noch vom Himmel, und der den Tod ans seiner Schulter trug? 8. Was ist das, was nach El Assr nicht mehr verkäuslich ist? 9. Die erste Hälste des Namens sindet sich bei den Gewürzkramern, und die zweite in der Festung*), ^Auslösung. I, Der Mond. 2. Die Fußknöchelringe der Weiber und Kinder, 3. Die Salzsäule von Loth's Weibe, 4. Die erste die Trüsssel, die andere die Feige, die dritte die Maulbeere. 5, Eine graue halepinische Schlange, welche eine Aehnlichkeit mit der dortigen Prätzel hat, die ringsörmig und mit Samen von Sesam bestreut ist. Der Stab Moses, der zu einer Schlange wurde*^, 7. Die Auslösung dieses Rätsels liegt in solgender Erzählung: Ein junger Mensch verkauste seine Mutter, und kauste sür das erhaltene Geld ein Pserd, Hieraus verkauste er seinen Vater, und von diesem Gelde kauste er sich Wassen, Er trat eine Reise durch die Wüste an, wo er einen so großen Mangel an Wasser litt, daß er genöthigt war den Urin seines Pserdes zu trinken. Bald daraus stieß er aus einen Menschen, welcher ihn ersuchte einen Bries von ihm nach einem gewissen Orte mitzunehmen nnd dort abzugeben; er nahm ihn zwar eine Strecke Weges mit, allein da er nachher nicht Lust hatte, jenen Ort zu besuchen, so übergab er ihn einem Andern, In der Folge hörte er, der Ueberbringer sei sogleich von dem Empsänger des Brieses umgebracht worden, weil dieser Besehl den Inhalt desselben ausmachte, 8, Die Eitrone, Diesem Räth sel liegt ein Wortspiel zum Grunde, Nämlich El Assr heißt sowohl die Zeit, welche zwischen Mittag und Sonnenuutergang gerade in der Mitte liegt, als auch das Auspressen, Hier bedeutet es das letztere, weil eine ausgepreßte Ei' trone von Niemand gekaust wird. 9, Das Wort Manszur, Es ist dieses zwar ein gewöhnlicher arabischer Name, hier will man aber einen berühmten Heiligen darunter verstehen, dessen Grabmal in Bagdad ist. Die erste Hälste seines Namens Man bedeutet das Manna, das bekannte Arzneimittel, und die zweite Hälste Szur bedeutet die Festungs-Mauer,)

H 62. Die Araber erzählen von einem Mädchen Namens Serka, welches besonders gewandt im Ausgeben nnd Lösen von Rätseln war. Einmal zählte es mit seinem sehr scharsen Gesichte einen Hausen schnell vorübcrsliegeuder Tauben, und gab die Zahl derselben rä'thselnd so an:

*) Für diejenigen, welche die arabische Sprache interessirt, will ich diese Rathsel im Originale, wie sie Weetzen gegeben hat, beisügen. 1, ^uslo, mittl eeKrs, u sI llusstd Kiilll,. 2. Na6grube dels äenKi, raKKiK ei Ks6ä msaseduki: ^Ktar rna türa aäseKabs LI emsäeKsä i>il s?uKi. 3. NillKK ma bitskut sbsäan. 4, ?smra bela ssrrs, u tsmra beia ssKer, u I°smra beia KisKer. 5. XsKe s?ilmsmije aI aI Keit m!rmi,je, I^a 8«szeg biss?iMeKa, u Is KtümsoKülla Ksrrsmye. 6, Isebi asss,je eili s?arit Isebm u gemm. 7. Isebu lectäi riKKib ummo, u ittkalle ada, u sedimb ma Ia min arä n Ia min snemms, u Kammst maut sts üatto. 8, Lact aI ^ssr ma KMKa. g, Nu^f ei issm snä sI ^ttKar, u nnsf ei issm ei aedsr

^) S. 2. Buch Mos. IV, 1—4.

„Kehrten die Tauben ein zur einen Taube mein, und die Hälste obendrein, genug würden mir hundert sein."*) Ms man später die Tauben zählte, sand man, daß es sechs und sechszig Tauben waren, die mit der Hälfte, d. i. drei und dreißig, und mit der einen Taube, welche das Mädchen schon hatte, zusammen hundert machten)

Dieses Rätsel hat der arabische Dichter Nabega von Dhubjan am Hose Noman's von Hira benutzt. Derselbe hatte in einer Kasside die Reize der Königin besungen, wodurch er sich die Ungnade des Königs, der einen Argwohn schöpste, zuzog, woraus er ein sünszig Verse enthaltendes Gedicht, durch welches er die Gnade des Königs wieder zu erlangen suchte, versertigte**), in welchem solgende aus das Rätsel der Serka sich beziehende Stelle vorkommt:

Urtheile, wie geurtheilt hat das Mädchen dort im Gaue,

Als sie die Tauben fliegen sah hin zu des Baches Thaue.

Sie ries: O daß der ganze Flug von Tauben hier sich süge

Zu meiner Taub', und obendrein die Hälste, daß mir's gnügel

Hin durch die Bergschlucht flogen sie; und sie versolgend blinkte

Ein Aug' krystallklar, das sich uicht der Blödheit wegen schminkte.—)

Und als der Flug gezählet ward, da sanden, wie sie zählte,

*) Dieses Rätsel ist nachgebildet von Schäser, die Wunder der Rechenkunst, S. Aufl. Weimar I84l, S. 3s:

„Ein Gäns'rich watschelte in Ruh

In einem Erlgesträuche;

Da flog ein Gänseschwarm hinzu

Von einem nahen Teiche,

Der Gäns'rich sprach: ich grüß euch schön!

Fürwahr ich bin verwundert,

Euch insgesammt allhier zu seh'n,

Ihr seid gewiß an Hundert.

Ein kluges Ganschen draus versetzt:

Wird viel zu Hundert sehlen,

Du hast zu hoch die Zahl geschätzt,

Drum magst du selbst nun zählen.

Verdoppele unsre Zahl, dann sei

Die Hälste noch gewonnen,

Ein Viertel, und dn, Freund, dabei,

Wirst Hundert dann bekommen." s.Es waren 3s Gänse; diese Zahl verdoppelt gibt 72, dazu die Hälste der 36 Gänse d. i. 18 und noch das Viertel derselben d, i. 9, gibt mit dem Gänserich Hundert.)

**) Ein Auszug aus diesem Gedichte sindet sich bei Iolowicz, der poetische Orient, «eipz. I853, S, 36s,

Es bezieht sich dieses aus die 8 36 erwähnte orientalische Sitte, die Augen zu schminken. Von der Serki wird gesagt, daß sie ihr hellblaues Auge mit der schwarzen Schminke salbte, nicht, wie sonst geschieht, um es von der Blödheit zu heilen, sondern um seine natürliche Krast und Schönheit zu erhöhen, wodurch es so geschärft wurde, daß sie diese Tauben in ihrem schnellen Fluge richtig zählen konnte.

Sich neun und neunzig, keine war drüber, keine sehlte.

Da war das Taubenhundert voll durch ihre Taub' erschienen,

Und nicht verrechnet hatte sie sich in der Eil' an ihnen.

§ KI. Bei den Griechen*) können die Rätsel bis in die älteste Zeit zurückgesührt werden, und zu den ältesten Volksrätseln gehört wohl jenes, welches, wie Herodot berichtet, Fischerknaben dem Homer ausgegeben haben sollen:

„Was wir sangen, wersen wir hinweg, und was wir nicht sangen, nehmen wir mit nach Hause,

Sie meinten damit die Läuse, die sie sich suchten, welches Rätsel vielsach in andern Sprachen wiedergegeben wurde, und sich bis aus die neueste Zeit erhalten hat**). Ohne Zweisel schließen sich die alten griechischen Rätsel an die Orakelsprüche an, welche, wie die Rätsel, ein Problem enthielten, das erst gelöst werden mußte; daher war dem Orakelpriester und dem Seher das «/i«xi/Zo4«x (Zweideutige) der änigmatischen Form sür ihre Aussprüche sehr willkommen***), und besonders zeichnete sich das Orakel zu Delphi durch seine dunklen und zweideutigen Antworten aus, daher auch Apollo, der Vorsteher dieses Orakels, den Beinamen ^'««f) hatte-j-f). „Wo nur irgend, sagt Wachsmuth-s-j-f), in den Begebenheiten bedeutender Männer oder in den Geschichten hellenischer Staaten Doppelsinn eines Wortes, das einen darin vorkommenden Gegenstand bezeichnete, vorkam, Doppelheit eines Ortsnamens u. dergl., da war sicher der Witz thätig, einen Orakelspruch zu sertigen; es war ein Gedankenspiel, wie heut zu Tage mit Charaden
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und Calenbourgs." Für das Rätsel selbst hatten die Griechen zweierlei Benennungen, nämlich (auch «ix,^«?) und Worin der Unter

schied zwischen beiden bestand, ist noch nicht genau ermittelt. Einige erklären /AiPvs (was in der ursprünglichen Bedeutung ein Netz bedeutet) sür eine eigene Art der Unterhaltung bei Tische, welche in einer dem Rätsel ahnlichen, gleich einem Netze ausgeworsenen, versänglichen Ausgabe bestehe, welche die Sache, die sie bezeichnen will, absichtlich in Dunkelheit verhülle. Andere unterscheiden «u^,« von dadurch, daß ersteres einen Scherz, letzteres

etwas Ernsthastes enthalte; so sagt tüael. KKoäiAinus*): „sz^mpotica et oouvivslia tuerurlt et illa, aeinAma et AripKus; illuä Insum Kabebat, Kie vero etiam stuäium a,e ouram." Eine theoretische Schrift über das Rätsel hat Clearchus aus Ssli (myl ^°») versaßt**).

K 64. Von dem Fabeldichter Aisopus aus Phrhgieu (580 v. Chr.) soll solgendes Rätsel sein:

„Es ist ein großer Tempel, in diesem ist eine Säule mit zwöls Städten, von denen jede von dreißig Balken gehalten wird, und diese dreißig Balken umgehen zwei Weiber." ^Der Tempel ist die Welt, die Säule das Iahr, die zwöls Städte sind die zwöls Monate, die dreißig Balken sind die dreißig Tage eines Monates, und die zwei Weiber sind der Tag und die Nacht-Z

§ 63. Von Alexis aus Thurm«***) hat ^tKenaeuö X, 71 solgendes Rätsel, den Schlas bedeutend, mitgetheilt:

Nicht sterblich ist's, doch auch unsterblich nicht;'
Gemischt aus beiden; halb der Menschen Loos ..
Und halb der Gottheit theilend; immer neu
Entsteht und schwindet wechselnd es dahin.
Unsichtbar ist's, doch Allen wohlbekannt, i ," '-

§ K6. In der Komödie „Sappho" von Antiphanes-f) kommt, nach der Mittheilung von ^tkenaeus X, 73 solgendes, den Bries mit seinen Wörtern bedeutendes, von der Sappho selbst ausgegebenes Rätsel vor:

*) ^ntiq. leet. I.ib. XV, (Äp. 4.

**) ^tKeuseus, DeipuoüopKjst. X, 69, Ich citire diesen Schriststcller nach der Ausgabe von Schweighäuser.

Aus dem Zeitalter Alexanders des Großen; einer der sruchtbarsten Dich» ter der s. g. mittleren attischen Komödie, deren er, nach Suidas, 24b geschrieben haben soll; es sind auch wirklich Titel und Namen und einzelne Berse von mehr als hundert Komödien noch bekannt, welche beweisen, daß er das Zeugniß der An» muth und des Witzes, das man ihm beilegt, verdiente. ...>

-s-) Aus Rhodus, 406 v, Chr. Er war Dichter der mittleren attischen Komödie, deren er mehrere hundert geschrieben haben soll, von denen aber nur noch Titel und einzelne Bruchstücke bekannt sind.

Kennst du das Wesen, das in seinem Busen
. , Die eignen Kinder still bewahrend trägt?
Stumm sind sie; aber weithin über Meere
In sernes Land dringt ihrer Stimme Rus.
Sie spricht zu wem sie will, und in der Ferne
Vernimmt man sie, und Niemand hört sie doch.

H 67. Aristonhmus zu Alexandria*) soll unter dem Titel eine Sammlung von Anekdoten, witzigen Einsällen und Nathseln herausgegeben haben, Fabricius**) sagt von ihm: „g^pbus texsre «ptime ealledat.«

H 68. Bon Clearchus***) Soli f), von dessen Schrist ^«xki? schon in H L3 die Rede war, hat ^,tKellaeus X, 76 solgendes Rätsel mitgetheilt:

Ein Mann, der kein Mann war, wars mit einem Holze, das kein Holz war, und mit einem Steine, der kein Stein war, einen Vogel, dcr kein Vogel war. ^Auslösung. Der Mann war ein Verschnittener, der kein Mann mehr ist; das Holz ist die Ferula, Steckenkraut, das zu leicht ist, um Holz genannt werden zu können-s-f); der Stein ist der Bimsstein, der zwar Stein genannt wird, aber nicht zu den Steinen gehört; und der Vogel ist die Fledermaus, die fliegt und doch nicht zu den Vögeln gehört. Dieses Rätsel erwähnt auch Plato im sünsten Buche von den Gesetzen, wo er die Philosophen, die sich mit unbedeutenden Dingen abgeben, mit den Knaben vergleicht, die sich dieses Räth» sel ausgeben,)
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*) Ausseher der Bibliothek unter Ptolomaus Philadelphia und Philopator. Er wird als Schriststeller von den Alten mehrsach genannt, und es sind auch mehrere Komödien von ihm, wenigstens dem Titel und einigen Bruchstücken nach, be» kannt. Ich muß übrigens eingestehen, daß ich nicht gewiß weiß, ob dieser Aristo» nymus und der Versasser der T^«^x« eine und dieselbe Person sind. Einige nehmen an, der Versasser der T^n^n salle in eine spätere Zeit, Es ist jedoch noch nicht genau ermittelt,

Liblivtd. graee, eä, »arles, II, 28g. ***) Ein Schüler des Aristoteles, und emer der ausgezeichnetesten unter den srühern Peripatetikern,

-s-j Es ist nicht mit Gewißheit ermittelt, ob er aus Soli in Eilicien, oder aus Soli aus der Insel Eypern gewesen ist; jedoch scheint der, nach Diogenes von LaertS (I, I, 5I) nur dm Bewohnern der erst genannten Stadt zukommende Aus» duck « ^«>tkv5 sür die erste« Annahme zu sprechen. S. Verraert, giatrib, aea» 6mis, äe OIsarsIi0 pbiIosspK, peripatet. klauäav. 1823, p, 4.

-s-s-) Deshalb bedienten sich die alten Pädagogen desselben wegen seiner Leich» tigkeit zur Züchtigung der Schüler (daher nennt Martial den Ferulzweig den Skepter der Pädagogen, und die Ausdrücke „eaeäere fernla", „ oiiMrgsri 5erulis" bedeuten so viel als gezüchtigt werden), und der Weingott besahl den Trinkern, sich nur der Zweige des Ferulkrautes zu bedienen, damit ihre Schlägereien in der Betrunkenheit nicht gesahrlich würden.

H 69. Von Cleobulus*) von Lindu« hat Brunck**) solgendes Rathsel, das Iahr mit den zwöls Monaten und den dreißig Tagen mit Tag und Nacht bedeutend, mitgetheilt:

Einer ist Vater, und zwöls sind Kinder ihm, aber ein jedes
Kind hat zweimal dreißig verschieden gestaltete Kinder;
Diese sind weiß von Farbe zu schauen, schwarz aber die andern,
Und unsterblichen Seins, doch schwinden herunter sie alle.

Von der Tochter des Cleobulus, Cleobuline, wegen ihrer Weisheit auch Eumetis genannt***), und berühmt im Ausgeben und Errathen von Rätseln, ist, von den vielen Rätseln, welche sie gedichtet haben soll-s-), nur noch solgendes, welches in Plutarch's Gastmahl der sieben Weisen vorkommt, vorhanden:

„Einer setzt dem Andern Erz mit Feuer an den Körper." sDer metallene Schröpflops der Alten.)

K 70. Von dem Grammatiker Diomedes -s-f) haben OaleaAnins, äe tessersr. luäs, Sssil. 1544, p. 296, und Voss, eomment. rbetor., ?. II, Klard. 1781, p. 208 solgendes Rätsel ausbewahrt:

„Ich sah menschliches Fleisch, welches aus einem hölzernen Felde mit Knochen spielte." IDie Auslösung ist ein Würselspieler: das menschliche Fleisch ist die Hand, das hölzerne Feld der Tisch von Holz, und die Knochen sind die Würsel, welche von den Alten von Thierknochen gesertigt wurden.)

K 71. Von dem Tragiker Theodektes von Phaselis (um 400 v. Chr.), der im Ersinden und Lösen von Rätseln sehr berühmt war, sind nur noch

*) Einer von den sieben Weisen Griechenlands und Tyrann von Lindus; er soll Gedichte und Rätsel x«t /^iPov?, an dreitausend Verse versaßt haben,

Divß, I^aert. I, 89.

**) ^naleet, veter. poetsr. gruee. ?, I, ^rgeutor. 1776, p. 76. ***) In Plutarch's Gastmahl der sieben Weisen kommt solgende Stelle über sie vor: „In der Halle saß Anacharssis, und vor ihm stand ein Mädchen, welches mit den Händen seine Haare in Ordnung brachte, und aus Thales zulies. Thales küßte sie. Ich sragte, wer dieses Mädchen sei? Kennst du sie nicht, sagte er, die wegen ihrer Weisheit so berühmte Eumetis? Wenn du sie lobst, sagte Niloxemus? so geschieht es wohl wegen ihrer Weisheit und Geschicklichkeit in Rätseln, denn einige ihrer Ausgaben sind sogar bis nach Egypten gekommen. Deswegen nicht allem, erwiederte Thales, denn mit den Rätseln spielt sie nur, wenn es ihr einsällt, wie mit Würseln zum Zeitvertreibe der Gesellschaft; aber sie besitzt noch eine bewunderungswürdige Größe der Seele, einen richtigen Verstand, zumal in Staats» sachen, eine menschensreundliche Denkungsart, und hat ihren Bater zu einem milden Regenten seiner Bürger gemacht"

f) Diog. v. Inerte I, S9. ^adrieius, bibliotK. grsee. ?. II, x. 117. 6S4. r. IV, p. 469.

-sf) Bekannt durch seinen Eommentar und Scholien, die er zu der Grammatik des Dionysius ?Krk« schrieb.
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solgende zwei, von ^tdenaeus X, 74 ausbewahrte Rätsel vorhanden*), von denen das erste den Schatten, das zweite Tag und Nacht bezeichnet.

1, Das Wesen nenne mir, dem nicht aus Erden,
Im Meere nicht, nicht unter Sterblichen

Ein Zweites gleicht; dem Wachsthum seiner Glieder

Gab die Natur ein sonderbar Gesetz.

Ist es geboren, da ist es mächtig groß,

Doch klein erscheint's in seines Alters Mitte,

Und ist's dem Ende seines Daseins nah,

Wie wunderbar, dann wird's zum Riesen wieder,

2. Kennst du zwei der Geschwister, von denen eines das andre
Sterbend gebiert, um selbst vom Gebornen geboren zu werden?

Diese Rätsel sind einigemal ins Lateinische übersetzt worden. Schweighauser hat sie in seiner Ausgabe von ^tKenaeus so übertragen:

1. In reruin natura, quotqunt terra nutrix tert,

(juotquot mare, atque aäeo nes inter domines alilIuiä est,
tZuoä inemdrorum Kabeat inorementum simile lmis.
Ortus nainque prineipio inaxima ea res est; ,I ',
Neäio vigore parva; seneotute autem in ipsa,
Alagnituäine as speoie raaxima rursus.

2. öorores gemiuae, gignit o.uarum altera semper
^Itersin, et inäe parens tit tilia nats vioissim.

Bei «z^alSus, Oper. Sasil. 1580, 7s«. II, p. 448. 4«2, kommen

sie so übertragen vor:

1, Natura quaeeunuue psrit tellus, ue^ue pnntus,
Nee similem membrorum auotum mortslibus affert:
Lst Kaee o.uanäo suo oatsli raaxima prilns:

Dum rueäius vigor est illi, parva; inque seneota
Reäckitur aspeetu et ma^or, proeerac^ue rursus.

2. llna aliam gignit; geroinae sunt namo.«s sorores,
^uaec>ue prius genits est, mox rursus giguitur ipsa.

H 7S. Bei ^tKenaeus X, 85 sindet sich solgendes griechische Rätsel, von denen aber kein Versasser angegeben ist:

„Füns Männer kamen mit zehn Schissssen aus einem Platze zusammen und lieserten eine Schlacht mit Steinen, es war aber kein Stein zum Ausheben da; sie gingen vor Durst zu Grunde, obschon ihnen das Wasser bis über das Kinn ging." sEs ist dieses Rätsel schwer zu verstehen**), und trotz vielsacher Be
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mühungen noch keine richtige Lösung gesunden, Easaubonus") sagt: obseuruin illuä est: interpretum cciuutus, Mgieio meo, plus ine quam eorum intei-pretatioues," Dalechamp**) gibt solgende Erklärung: „iu,uc>ue olassis prseteeti pugnain Zeeem savilzus eommiserunt, ?rseli«tum esse suxis, c^namvis in se^uore ssxum nulluin possit eolligi, Lellatores siti perierunt, aröore pugnsnäi aestuautes: et sitibnueli, <zuainvis ac>ua ineutum superaret, äepressis so gemersis navibus, (Zuiäam a^usm inento superiorem iuterpretaatur stillantem e naribus stirism," Eine andere Erklärung eines Ungenannten sührt Casaubonus an,: nach dieser seien die süns Männer Kämpser, die zehn Schisse die zehn Hände sweil nämlich ans /Tirv^o? gezielt werde, welches sowohl ein Schiss, als die zum Schlagen ausgestreckte Hand bedeute); die Steine, aus welchen sie stritten, sei ein gepflasterter Platz, das Wasser, das ihnen bis über das Kinn ging, sei der Schweiß. Dagegen bemerkt aber Ea» saubonus mit Recht, daß die ungleiche Zahl süns sich nicht zu Fechtern schicke, und daß //trv^v,.- nicht von einem Schisse gesagt werde, sondern vom Rauschen des Meeres beim Rudern, oder vom Rnder allein, oder von den Ruderern; doch könne eine gedoppelte Metalepsis angenommen werden, nach welcher diese Ideen: Ruder, Rudcrknecht, Schiss, einander erzeugt haben.) Z

§ 73. Eine Sammlung von acht und dreißig Rätseln aus verschiedenen griechischen Schriststellern hat LrrmoK, analeets veterum poetarum Araeeorum, ?om, III. ArZentor. 1776 p. 313—326, mitgetheilt.

§ 74. Zu der byzantinischen Literatur gehören 1. Psellus (geb. zu Constantinopel IOZV n, Chr.), wegen seiner umsassenden Gelehrsamkeit mit dem Ehrennamen q^ac«Pl,„. „Ti,,?«? belegt. Er hat mehrere an den Fürsten Michael gerichtete Rätsel in griechischer Sprache versaßt, welche LoissonaSe, anectoäa Ai-aeea, VsI. III, ?aris 1831, p. 429—436, nach den «öS. der k. Bibliothek zn Paris mitgetheilt hat. 2. Basilius Megalomites, dessen in griechischer Sprache versaßten Rätsel sich gleichsalls bei Boissonade, p. 437—152, besinden.

H 73. Die Römer waren zu ernst, als daß sie an dem Spiele der Rätsel einen besonderen Geschmack hätten sinden können, und es war nur sehr selten, daß bei ihnen, wie bei den Griechen, bei den Gastmahlen zur Unterhaltung Rathsel ausgegeben wurden. Die römische Literatur ist daher sehr arm an Rätseln. ^pnle^'us soll ein „Uder lngrieorum et Frz?pKorum" geschrieben haben, dasselbe aber verloren gegangen sein. ^,ulus (ZsIIius (noetes attioae) spricht zwar in I^ib. XII, Oap. VI, „äe aeniAroate", sagt darüber aber nur Folgendes***): „Huae Araeei äiouvt aeuig
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mats, Koe Aeous ^niÄam e nostris veteridua soirpos appellstverunt: quale est, quorl ouper inveniinna per Kerole antiquum perqne lepiäum tridus versibus senariis eomps«itum, aernAma: quoä reliquimus ine»airatum, ut IeAentium o«u^eeturas in requireuäo aoueremus. Versus tres Ki sunt: I

Kemel minnsrie, gu bis minus, nou sat ssio; /

^n utrumc>iie eorum, ut quainlsm auäivi äieier, . .
!ssvi ipsi reg! nvluit eoneeäere.

Hoc ciui uolet äiutius apuä sese quaerere, iuveoiet quili »it in N. Vs^ronis De sermone latiuo a< i Alsreellum lidr« seoun^l)." Diese Schrist von Varro, aus welche sich Gellius hier berust, ist jedoch verloren gegangen; es läßt sich daher nichts Näheres über dieses Rätsel angeben.

H 7ö. Wir haben eben ersehen, wie arm die römische Literatur an Rätseln ist; aber desto reichhaltiger ist die der spätern Lateiner, die wir hier anreihen können. Hier sinden wir die zwei berühmten und sruchtbaren Rätseldichter Symposius und Aldhelmus.

§ 77. Caelins Firmianus Symposius (auch Symphosius oder Symphrosius) hat im vierten Iahrhunderte eine Sammlung von hundert Rätseln in Hexametern heransgcgcben*), worüber mehrere Ausgaben und Commentarc vorhanden sind, von denen wir besonders aus solgende ausmerksam machen: Die älteste Ausgabe ist von Joachim Perionins, über deren Druckort und Iahrzahl man noch uneinig ist, die jedoch mit ziemlicher Gewißheit von Mich. Maittairius**) nach Paris aus das Jahr 1533 verlegt wird; der Titel heißt: ßMpbosii veteris poetae ^en!^wats, rinne primum inventa et exensg., eiirn sententiis septem (Zraeeiae s<^pientum omenäatioribus et nuetioribusz apucl I^näovieum O^aneum. Eine zweite Ausgabe erschien 1537 zu?aris spuä ^acodum Lerver unter dem Titel: L^mpKosü Poetae veteris eleZantissimi eru6ita ^'uxta ar^uta et testiva ^eniAmata, nuns priwnm inventa et exeusa: aeeessernnt septem Ltraeeiae sspientium sententiae multo quam anteKas

emengatiores et versibns aliquot etiam auetiores. — 8^mpss!i aenig

. .. .. . ... .
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nun immer Gewebe versertigt; sie braucht zur Versertigung des Kleides, peplus, kein Weberschiss, raäiuin, da sie alle Fäden aus sich selbst herauszieht,) 4, '1'auriis, <?asipKsc., die Gemahlin des Königs Mnss, hatte eine hestige Leidenschast zu einem schönen Stiere, mit dem sie sich begattete, und das Ungeheuer Uino tsurus, halb Mensch halb Stier, gebar, welches Ninos in das Labyrinth, und die ?a,sirir,as in einen hölzerneu. Stier einsperren ließ, ,,Lt Oilicum inous silin'' ist ein Wortspiel, da dieser Berg auch Maurus heißt. „Vencir in eseli8" bezieht sich aus das Sternbild taurns,) 5. Aula, (Der Maulesel ist das Produkt der Vermischung zwischen Pserd und Esel, „eolltusi generis", und kann sich selbst nicht mehr sortpflanzen.) 6. öew, (Ein Wortspiel zwischen dem griechischen Buchstaben deta und der Zotn genannten Pslanze, Der Buchstabe wird von den Griechen vollständig dew ausgesprochen, aber nicht von den Römern, welche nur be aussprechen. Die Pflanze Reta ist bets, vnlMris, der gemeine Mangold, und war bei den Alten an den Thüren der Gastwirthe angeschrieben, welche dieselbe mit Oliven u. dergl, zubereitet verkausten, wie diese Pflanze noch bei uns, unter dem Namen rothe Rübe mit Essig, Oel u. dergl. zubereitet genossen wird.) 7. Klz?rrKa, (Myrrhe, die Tochter des Königs Xiirz-ras, hatte mit ihrem Vater zur Nachtszeit, ohne daß sich Beide erkannten, den Beischlas ausgeübt; als sie aber von ihrem Vater erkannt wurde, versolgte sie dieser mit dem Schwerte. Myrrhe flehte die Götter um Hülse und Schutz an, und diese verwandelten sie in den Myrrhenbaum, aus welchem immer Thränentropsen fließen,) 8, IVlola, (Die Mühlen der Alten bestanden aus zwei Steinen, sei-ralia süxs. genannt, zwischen welchen das Getreide lag; der untere Stein blieb ruhig liegen, und der obere wurde durch Menschenhände in Bewegung gesetzt,) 9, ^eus, (Den Ausdruck „fsoiem Iaesis" kann man verschieden deuten: man kann es beziehen aus die Nadel, ein chirurgisches Instrument, mittelst dessen Operationen am Auge verrichtet werden, wie z. B. die Staarnadel, wodurch der Blinde sein Sehvermögen, Gesicht, lseies, wieder erhält; es kann aber auch so gedeutet werden, daß durch die Nadel, Nähnadel, das Zerrissene seine srühere Gestalt, faeies, wieder bekommt,) 1«. Olepsz'Srs, (Die Alten bezeichneten mit diesem Worte eine Art Wasseruhr, durch welche den vor Gericht Sprechenden die Zeit mittels des Lauses des Wassers in der Wasseruhr zugemessen wurde; die Quantität des lausenden Wassers richtete sich nach der Wichtigkeit des Falles. Diese durch Wasser zugemessene Zeit ist daher „lex 6ieeuäi, tcx tsoenäi," ll, Nulum, (Man leitet maIuin, Apsel, vom Griechischen ^,^«^ ab. Die „Oonteuti» iinrgim goai-uin" bezieht sich aus Folgendes: bei einem Gastmahle wars Eris, die Göttin der Zwietracht, einen Apsel mit der Ausschrist: „der Schönsten" in den Saal, wodurch ein Streit unter den Göttinnen. Here, Athene und Aphrodite entstand, weil jede von ihnen die schönste sein wollte; Paris entschied zn Gunsten der Aphrodite. „I'raus ,ju. völlig pnlckri" deutet aus Folgendes: Atalanta, welche in Jungsräulichkeit leben wollte, wurde von ihrem Vater Iasos ausgesordert, ,sich zu vermählen; da bestimmte sie, daß jeder Freier mit ihr einen Wettlauf unternehmen solle, der Besiegte müsse den Tod erleiden, der Sieger erhalte ihre Hand; nun ließ sich der schöne Milanion mit ihr m den Wettlaus ein und siegte durch Hilse
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goldener Zlepsel, welche er während r,es Lauses aus die Bahn wars, welche aus. zuheben Atalanta sich nicht enthalten konnte, und durch diesen Zeitverlust erhielt Milanion den Vorsprung über sie, ,.^lultsrum eura snrorum" sind die Hesperiden, die Hiiterinnen der hesperischen Gärten, deren Bäume goldene Aepsel trugen, welche Hcre bei ihrer Vermählung mit Zens von der Erde zum Hochzeitsgeschenke erhalten hatte, „Lella rlnenta poregi" deutet daraus, daß Aphrodite dem Paris aus Dankbarkeit, weil er ihr in dem oben erwähnten Streite zwischen den Göttinnen den Preis der Schönheit zuerkannte, hals, die schöne Helena zu entsühren, was Veranlassung zum trojanischen Kriege und dem Untergänge Troja's war) 12. Niles Iiullaßrieug. (Ein Wortspiel mit pes als Maafz und als Fuß, Als Soldat hatte er siins Fuß, Maafz und jetzt als p«gajzrieus kaum zwei gesunde Füße,))

H 18. Aldhelmus (auch unter den Namen Aldelmus, Adelmus, Adelinus vorkommend), Bischos von Schirnburn (gest. 709), hat hundert in lateinischer Sprache geschriebene Rathscln hinterlassen. Einige sinden sich noch in Handschristen vor, z. B. in einer Handschrist des achten Iahrhunderts aus der Bibliothek zu Bern, sowie in zwei Handschriften des zwölsten und vierzehnten Jahrhunderts aus der Wiener Bibliothek. Zuerst wurden sie herausgegeben von Delrio, Mogunt. ilivl, und wurden dann in der maxima LibliotKeea veteruir, patrum, 'I'om. XIII, I^u^äun. 1677, p. 23 seq. abgedruckt, Ueber andere Manuskripte und Ausgaben siehe Mone's Anzeiger sür Kunde der deutschen Vorzeit, 7. Iahrg. 1838, S. 32. Die neueste Ausgabe besindet sich in: Saneti ^Iäbelmi ex sdbsrte Ualmesburiensi episeopi 8eliireburvengis operu <luue extant omnia e esäieidus Klss emenäavit; nonnulla nuuu primum eüitlit ^. lZiles, 0xsn. 1844, p. 249—270. Irrig hält Meyer i« d. praefat!s ack antI,sIoAiam lutmain p. XXXVIII den Aldhclmuö und den F 77 erwähnten Symposius sür eine und dieselbe Person. Uurichtig urtheilt Warton, wenn er in seiner Iiistor^ sf enAlisK poeti^, I^ollä. 1840, Vol. I von diesen Rathscln sagt: „eopieck from a vork of tKe same title aiiäer tKe iiame o5 Symposius;" daß Aldhelmus in einzelnen Bersen den Symposius nachgeahmt hat, ist zwar nicht zu läugneu, und Paul hat in seiner äissertatio tle Lxmposü ae»igWatibus, Leiol. 1654, p. 19 die betressenden Stellen aus beiden einander gegenüber gestellt; allein eine Copie, wie Warton sich ausdrückt, können die Rathsel des Aldhelmus keineswegs genannt werden, da die Mehrzahl derselben sich nach Inhalt nnd Form als originell auszeichnen. Sie sind eiugetheilt in 19 aeni^matu tetrastioda, 15 auiiiAWata pentaatiolia, 1!! Iiexastiolla, 19 Ileptastielia, 20 setostieKa, 1,1 eveaätieka, 4 äeea»tiLka; dann ein aen^ma <IsäeeastieIwa, ein tris K 38 erwähnten Rätsel von Gester leben noch jetzt unter dem schwedischen Landvolke. Mir sind außerdem noch ein paar bekannt geworden:
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1, Der Sii8 fogel tMerlns utaf trä löflös, Sa Ksm Kustrun muulös sed at uv fos«! gagerlös. <Es flog ein Vogel sederlos aus einen Baum blattlos; da kam eine Frau mundlos und sraß den Vogel sederlos,) 2. UvilKen fogel dsr ingeu tunga, neK KvilKeu togel Kar mgeu lunga, oeK KvilKen fsMl ger sine ungsr äi. (Welcher Vogel hat keine Zunge und welcher Vogel hat keine Lunge, und welcher Vogel säugt seine Iungen?*) sAuslös, 1, Der Schnee und die Sonne,**) 2. Der Storch, die Eule und die Fledermaus. (Die Alten glaubten der Storch habe keine Zunge, weil er keine Stimme habe, sondern nur klappere. Warum man glaubte die Eule habe keine Lungen, weiß ich nicht. Die Fledermaus wurde, weil sie sliegen kann, von den Alten irrig zu den Vögeln gezählt.) )

Fünszig norwegische Rätsel hat Landsted in seiner Sammlung norwegischer Volkslieder verössentlicht; einige davon stehen in Wolfs Zeitschrist sür deutsche Mythologie, 3. Bd. S. 8,

§ 80. In den „slavischen Volksliedern", übersetzt von Wenzig, Halle 1830, S. 191, besindet sich solgendes russisches Rätselftagenlied:

Sage, Maid, was ohne Feuer brennet,
Ohne Feuer brennt, fliegt ohne Schwingen,
Ohne Schwingen fliegt, läust ohne Füße?
„Ohne Feuer brennt die schöne Sonne,
Ohne Schwingen fliegen schwarze Wolken,
Ohne Füße lausen schnelle Flüsse."

H 81. Zweihundert acht und dreißig lithauische Volksrätsel sindet man in solgender Schrift: Lithanische Mährchen, Sprichworte, Rätsel und Lieder; gesammelt und übersetzt von Aug, Schleicher, Weimar 1857. Wir theilen daraus solgende mit:

l. Wenn du ausstehst, in was trittst du zuerst? 2. Zwei Schwestern kommen über ein Berglein nicht zusammen, 3, Ein blindes Taubchen flattert durch die ganze Welt, 4. Vier Brüder tragen einen Hut. 5. Drei Schwestern tragen einen Kranz. 6, Em kleines Fäßchen, ohne Dauben und ohne Reise, innen zweierlei Bier. 7. Eis durchschlug ich und sand Silber; Silber durchschlug ich und sand Gold. 8. Als ich lebendig war, nährte ich Lebende; als ich todt war, trug ich Lebendige, 9. Die Wurzel nach oben, nach unten der Gipsel, ls. Was kannst du nicht über das Dach wersen? I1, Der Vater ist noch nicht geboren, der Sohn stemmt sich an den Himmel, 12. Füns Gänger
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*) Dieses Rätsel kommt auch in alten deutschen Handschristen vor; s. das achte Rätsel in 103.

^) Dasselbe Rätsel besindet sich anch in der alten Reichenauer Handschrist, s. 8 88, und in Reußner's 8 94 erwähnten Rätselsammlung.

gritdrktch. «esch, d. RZthse». l 3

lassen einen Bären Dünnes machen, 13. Ein Gürtchen von Fleisch und ein

Zäunchen von Gold (Silber oder Messing). 14. Ein Tops voll Fleisch, an beiden Enden durchlöchert, 15, Ein schwarzes Pserd springt, Fußstapsen sind nicht zu sehen. 16. „Wohin läusst du, Krummer?" „„Was kümmert's dich, Geschorue."" 17. Ein weißes Fäßchen mit rothem Zäpschen. 18. Zwei graue Wölse beißen sich und weißes Blut fließt, 19. Eine Eiche hat zwöls Aeste, jeder Ast vier Zweige, 20, Ein lebendes Wesen ißt aus lebendem Tische lebende Speise, 21. Am Rande der Flur steht eine Geberin; wer kommt, dem gibt sie, 22. Ein Lappen aus dem andern, ohne einen Nadelstich, 23, Ein rundes Löchlein, ein haariges Dieblein. 24, „Wo gehst du hin, Längling?" „„Was kiimmert's dich, Ouerling?"" 25. Als ich klein war, beherrschte ich viere; als ich erwachsen war, wars ich Berge hin und her; als ich gestorben war, ging ich in die Kirche. 26, Ein Bär voll Wersche, 27, Ein grauer Ochse leckt den Himmel. 28. Kam geflogen ein Vogel, setzt sich aus einen Baum ohne Beste; kam eine Iungsrau ohne Füße und verzehrte ohne Lippen den Vogel. 29. Wer ist's, der klug geboren mit einem Gänslein pflügt? 3«. Wo kräht der Hahn dreien Königen? 31. Ein kleines Franchen ißt immer zn, indem sie läust, 32. Richtete es sich aus, den Himmel würde es stützen; hätte es Hände, den Dieb würde es sangen. 33. In einem Topse von Fleisch kocht Eisen, s^Anslösungen. l, Ins Alter, 2. Die Augen. 3. Der Bries. 4. Dis Baracke. (Ein aus vier Stangen ruhendes Dach, um im Freien liegendes Heu u. dergl. zu schützen.) 5. Der Dreisuß, 6. Das Ei. 7^ Das Ei. 8. Die Eiche. 9. Ein Eiszapsen am Dache. 1s. Die Feder, 11. Das Feuer und der Rauch, 12. Füns Finger reinigen die Nase, 13. Finger und Ring, 14. Der Finger» hut. 15. Der Floh. 16. Der Fluß und die abgemähte Wiese. 17. Die Gans. 18. Die Handmühle. (Sie besteht in Lithauen aus zwei grauen Steinen, deren oberer gedreht wird.) 19, Das Iahr mit zwöls Monaten zu je vier Wochen, 2«. Ein Kind trinkt aus den Knien der Mutter an deren Brust. 21. Die Klette. 22. Der Kohlkops, 23. Das Mausloch und die Maus. 24. Der Mensch und die Thürschwelle. 25, Der Ochse; klein saugt er an den vier Zitzen der Kuh, erwachsen pflügt er, und aus des Tobten Haut werden Schuhe gemacht. (Beim Lithauer Landvolke werden die Schuhe als Sonntagsputz besonders beim Kirchenbesuche getragen; die Frauen pflegen gewöhnlich baarsuß bis zur Kirche zu gehen, und erst vor der Kirche Strümpse und Schuhe anzuziehen, die nach beendigtem Gottesdienste wieder abgelegt werden, so daß beim Lithauer das lederne Schuhwerk in naher Beziehung zum Kirchenbesuche steht.) 26. Der Osen, um welchen sich die Leute wärmen. 27. Der Rauch. 28. Der Schnee und die Sonne, 29. Der Schreiber mit der Feder. 3s. In Smaleninken an der Grenze der Königreiche Preußen, Polen und Rußland. 3l. Die Sjzule. 32. Der Weg. 33. Der Zaum in des Pserdes Maul.)

H 82. Englische Rätsel sinden sich bei „Sallivsll, imrssr? rKz?meg s5 VnAlavck, I^onckoii 1846," und von demselben Versasser: „popnlar rK^mes ang uurserz? taIes, I^onä. 1849." Die Rätsel in ?ero^'s XiuA .lstm anä tde abbst sL Oanterbur? wurden bereits tz 29
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*) Ein ähnliches Rätsel haben die Deutschen:
Ein eisernes Pserdchen, begreise!
Mit einem flächsernen Schweise;
Bald hüpft es aus in die Lüste,
Bald schlüpst es durch Höhlen und Grüste,

(Wie weit ist der Abstand zwischen Kälte und Hitze?) ^Auslösung, l. Der Töpser. 2, Jonas im Wallsische, 3. Der Fingerhut. 4. Zweisuß ist das Huhn, welches aus dem Roste, dem Dreisuß, liegt; Biersuß ist die Katze, und der andere Zweisuß ist die Köchin, 5. Die süns Finger im Handschuh, 6. Flachs, Leinwand, Lumpen, Papier. 7. Die Birkenruthe. 8. Nadel und Faden, wenn genäht wird. 9. Die glühende Kohle, l0. Eben so weit, als von der Nase eines Hundes (die immer kalt ist) bis zu dessen Aster-I

H 87. Am reichhaltigsten ist die deutsche Literatur sowohl in ihrer eigenen als auch in der lateinischen Sprache. Rätsel von namhasten deutschen Dichtern sind bereits in den vorausgegangenen Paragraphen erwähnt worden, worüber in tz 1V? der Nachweis geliesert wird. Nebstdem gibt es noch viele deutsche Nätselsammlungen (Rätselbüchlein), von denen ich die besseren noch später erwähnen werde.

H 88. Aus einer Reichenauer Handschrist aus dem Ansange des zehnten Jahrhunderts hat Mone in seinem Anzeiger sür Kunde des deutschen Mittelalters, 1838, S. 40, mitgetheilt:

Volsvit volueer sine plumis, seäit in srdore sine toliis, veuit komo sin« msnibus, eonsesnäit illum sine peäibus, assavit illum sine ignum, et vomeäir illum sine «re. sEs ist der aus den blattlosen Baum gesallene Schnee, der von der Sonne geschmolzen wird. Dasselbe Rätsel haben auch die Schweden, s. Z 7g. s

H 89. Eine alte deutsche Sammlung von mehreren hundert Rätseln in klein Oktav oder Sedez, unbetitelt und undatirt, ist, so viel aus der Schrist zu entnehmen ist, ansangs des sechszehnten Jahrhunderts zu Augsburg bei Hans Froschauer gedruckt. Wackernagel hat in Haupt's Zeitschrift sür deutsches Alterthum, 3. Bd. S. 27—34, von diesen Rätseln sechszig mitgetheilt, von denen solgende hier Platz sinden sollen:

I. Ein srag, wie vil vnser hergot thuchs zu einem parHosen bederss, soder hvmel als die heilig geschrisst sagt sein stul, vnd das erdtrich sein sußschemel ist. Antwurt. ein ellen thuchs ist genug einem armen menschen. Dann christus spricht was ir einem aus den minsten der meinen thut das habt ir mir ge° thon. 2. Ein srag, welchs das gröst wunder werk Gottes sey, Ant. das er so vil menschen geschassen hat, doch kains dem andern gleich ist, 3. Ein srag, welches die edelsten vnd achtbarsten heiligen sein. Ant. sandt Martin vnd sant Jörg die reitten. mussen die ander zu suß geen. 4. Ein srag, Weichs der geringst oder der leychst heulig sey, Ant. sandt Quinten, der geen. iiij, auss ein lot, 5, Ein srag. Wo sür die bauren vusern hergot am maisten bitten. Ant, Für die Reysigen pserdt. dann wo die selbigen abgiengeu, wurden die edeleüt die bauren mit sporn reuten. l,. Rat. Weichs sein die sünss köstlichen vnd besten wasser. Antw. der tauss das wevchwasser, das wasser so man sür die sündt weynt, wasser der «eynenden kindt so man sy strasst, vnd das wasser so die müln treybt, 7. Ein srag. Welcher dreck äin land schab sey. Ant. den die tu in das wasser sallen laßt der kann das Erdtreich nit düngen oder bessern. 8. Ein srag. Welches das meisterlich vnd kunstreich thier sey. Ant ein saw, so die ein alten dreck ißt macht sy einen jungen darauß, 9. Rat. Ein vogel in der lüsst schwebt seines gleichen auss erdt nit lebt, sein slügel sein in der hitz gewachsen, wann in hungert ißt er syben ochsen. Ant. Der han auss der kirchen, seins gleichen hat kein leben, sein slügel sind im seur ge» aracht, er hat nymmer hunger. 1«. Ein srag. Ob der hundt am schwantz hang oder der schwantz am hund. Ant, hebsta den hundt bey dem schwantz über sich so hang der hundt am schwantz. hebst aber den kopss über sich so hangt der schwantz am hundt, ll. Es schickt sin ritter über rein, seiner liebsten srawen sein, gutten wein on glaß, vnd alle andere trinn<ksaß rat warjun der wein was, Ant, er schickt ir tranken darjun het sy den wein, 12. Ein srag. Welchs ist ein wald on laub. ein straß on staub, ein hauß on rauch ein volck on gauch, ein land on dieb, ein geselschassi on lieb, Antwurt, Der Wald ist ein thann wald. Die straß ist ein schissreich wasser. Das hanß ist das paradeyß. das volck ist Enoch und Hellas, das land on dieb ist der himel, die gesclschassst on lieb, sein die in der hellen. 13, Rat. wann man es hört so erschrickt man vnd hörts nit gern, hats doch ye lenger ye lieber. Ant. ein pserds eysen so das ein reytter auss dem selde hört klappern das es absallen wil erschrickt er. vnd so ers lenger hört so er mer hosst das selbig in die herberg zu bringen. 14. Ein srag. Welchs das getreust thier sey, Ant. ain lauß die lößt sich mit eim hencken bleybt bey im biß in todt. 15. Ein srag. Welchs den srawen das nützst vnd best hant. werck sey. Ant. Die wassen schmidt die machen beyhell oder agst do mit man das holtz hawt. Das sünst villeicht die man auss den bösen weybern entzzway schlugen, 1s. Rat, Welchs hantweck am meisten stilt, Ant, die lössel macher ond die keßler an den psannen inachen vil stil. 17, Rat, welcher vnderm bartscherer oder vnder «im mader der das gras abschneit die gröst sreyhait hab, Ant, der mader mag auss sein stümpss hossiern oder sein notlurssst thun das wirt dem scherer nit zu gelassen 18, Ein srag. Warum» die storcken nii auss der mül nisten, Ant. Sy sürchten der müller stell in die ayer. 19. Rat, ein bäum hat dreyzehen eßt vnd yeglicker ast hat iiij. nester. vnd in yeglichem sest syben iungen, der hat yeglicher seinen namen besunder, *) Ant. das iar hat Xij. monat. die monat iiij wochen. Die wochen ir tag. 2s. Ein srag. Wie serr von oim ort der welt an das ander sey, Ant. ain tag raiß. als die
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sunn bezeugt mit irem aussgang des morgens, vnd nider gang des nachtes. *) 21. Ein srag. Welchs das srölichest volck auss erdtreich sey. Ant. die gayst» lichen die in den Elöstern vnd Stissten, wann die singen tag vnd nacht. 22. Ein srag. welchs die srölichsten srawen sein. Ant. Die yennen so die kinder seligen singen ossst so ander leüt schlassen als man spricht, welcher ein süügets tind hat der hat ain singenden sraw, 22. Ein srag welcher mensch hat ain gantz viertail der welt getödt oder vmb bracht, Ant. Ehayn erschlug seinen bruder Abel darvor lebt aiemandt dann sy zwen vnd ir eltern ädam und eua. 2.?. Ein srag. Wer geschryen hab das die gantz welt hort, Ant der esel in der archen noe. 24. Rat. dreh srawen worden verwandelt in blumen auss dem feldt sten. doch der ayne mocht des nachts in irem Hausz sein, sprach auss ain zeyt zu irem man, als sich der tag nahet widerumb zu iren gespilen auss das seld kommen vnd ain blum werden mußt, so du heüt vor mittag kumbst vnd mich ab brichst wirbt ich erlöszt vnd sürhin bey dir bleiben, als dann also geschah. Nun ist die srag wie sy ir man gekent hab, so die blumen gantz gleich vnd an im selbs kam vnderschaydt was. Ant, die weil sy die nacht in irem hausz vnd nit auss dem seldt was siel der taw nit auss sy als auss die andern zwo. do bey sy der man kant.**) 25. Rat. Wer ist des mans liebster vnd getreuster sreündt, vnd wer ist sein ergester seind, Ant, sein weib nach dem die wol oder übel will. 2t>, Stunden so vil srawen sein, als tropsen seindt im rein, vnd wer dir aussgesetzet zu büß. sy hinüber zu süren truckens suß. on brücken, schiss steg karren oder wagen, ich lob dich srcy kaust du mir es sagen. Ant. Geb ir yegklich ein tropssen auss die zung. so bleibt kain wasser mer da,

§ 80. Rathbüchlein mit allerhand welt- und geistlichen Fragen sammt deren Beantwortungen; Cöln und Nürnberg (ohne Iahrzahl), mit dem Motto:

Das Rockenbüchlein heiß sonst ich,
Wer langweilig ist, der kaus mich,
Er sindet in mir viel kluger Lehr,
Mit verir, rathen und anders mehr.

Das Büchlein enthält Rätseln, in Rubriken geordnet, über: Gott, die Heiligen, die Vögel, die Hnndc, die Handwerker, die Menschen u. s. w.

*) Dasselbe Rätsel kommt in Percy's „ King ^olin smä tKe Abdot of Osnterbur?", und in Bürgers „der Kaiser und der Abt" vor; s. 8 29.

**) Dieses Rätsel steht in Simrock's Rätselbuch so: Drei Frauen waren in Blumen verwandelt, die aus dem Felde standen. Nur die eine durste des Nachts entzaubert in ihrem Hause sein. Da sprach sie einmal zu ihrem Manne, als der Tag anbrach und sie wieder zu ihren Gespielen aus das Feld gehen und eine Blume werden mußte: „wenn du heute Vormittag kommst und mich abbrichst, so werde ich erlöst und dars künstig bei dir bleiben." Das geschah. Nun ist die Frage, woran sie ihr Mann gekannt habe, da doch die Blumen ganz gleich und ohne Unter» schied waren. Antwort: weil sie die Nacht hindurch in ihrem Hause und nicht ans dem Felde zubrachte, siel der Thau nicht aus sie wie aus die beiden andern, und daran erkannte sie ihr Mann,:

Die meisten dieser Rätsel sind unbedeutend und albern. In einem heißt es: „Ich habe mehr Geld in meinem Seckel, als der Fugger," woraus man schließen will, daß um die Hälste des sechzehnten Jahrhunderts gesammelt worden sei.*) — Eine neue Auslage dieses Rathbüchlein hat den Titel: Dritthalbhuudert kurzweilige Fragen sammt derer Antwort, womit man die melankolischen Mücken vertreiben und die lange Zeit sehr kurz machen kann; Franks, und Leipzig (ohne Jahrzahl). Einige Rätsel aus diesem Rathbüchlcin sind Z 48 angesührt worden.

H öl. ^eniAmaturu libri III. Reoens oouseripti, reeoAniti, et sueti, auetore ^«an. I^orieKis Hsäamario. k>aneof. Die praefatio ist mit 1540 unterzeichnet, und am Ende des Buches steht 1545. Es sind 84 Blätter in kl. 8. Voran schickt der Versasser eine Einleitung über den Begriss des Rätsels. Die daraus solgende Sammlung von Rätseln enthält theils solche von Andern (z. B. das Rätsel der Sphynx, das dem Homcr vorgelegte Rätsel, Rätsel von Ausonins, Helius Eobanus u. A.), thcils eigene. Die meisten Rätsel sind nach ihren Objecten abgetheilt, z. B. „ex saoris literis, <ie Des, ge sanotis, ge preestionidus; ge avibus, 6e piseidus, Se ean!bus, äe eoelo, äe terris et regionibus, äe sftieiis, üe Kominidug, ge literis et soripturis u. s. w. Reusner hat in seiner ae»iAi»s,toArapIiia mehrere Rätsel von Lorichius mitgetheilt, von denen ich auch in H 93 mehrere angesührt habe. Daher es genügen mag, dorthin zu verweisen.

§ 92. ^nlii Oaeaaris SeaÜAeri psemata in guas partes Sivisa Ohne Druckort (apuä Metrum 8a»ta»Sreanum) 1591. ?. I, 663 Seit., ?. II, 336 Seit, in 8. Im ersten Theile beginnen S. 546 die aemAmata, und S. 614 die I^oAvAripKi.**) Von beiden solgende als Proben ***):

1. Huoä vitsre neauis, tam evitsre laboras,

Orbis sum prisoi, sum^ue satena novi.

2. tjuoä tibi ne« fortuna äadit, nes fata äeäere,

llos ero: seä liuiä sim, förte soio nee ego,

3. Lreseeus äeüeio, ingratus luatrisMe vnrator;

Nors tamea illius inorte Minta me», est.

4. 8um uonäum äira ooukews morte, sspuKrts,

Lauck urna, dauä saxum, non Kuinus ulla te^it:

*) Görres, die deutschen Volksbücher; Heidelb, 18»7, S. l?5.

Der Vers, nennt sie zwar Logogrvphi, nach der von mir 8 8 ausgestellten Unterscheidung gehören sie jedoch zu den Elisionsrätseln,

Man sindet mehrere Räthscln von Scaliger in der 8 93 erwähnten senißinatogiapKia von Reusner,
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*) Dasselbe kommt unter den alten deutschen Rätseln so vor: Was ist das sür ein Ding, Einer ders stehet, der begcrts nicht, Vnd ders macht bedarssss nicht, Vnd ders kausst wils nicht, Vnd ders darsss vnd braucht weiß es nicht. **) Dasselbe besindet sich auch als Epigramm in der Epigrammensammlung von Lauterbach; ?räneof. l562.

die Sage sei daher entstanden, daß Niobe nach dem Tode ihrer Kinder aus Gram gestorben und iu einem aus Stein erbauten Grabe bestattet worden sei. Die natürlichste Deutung ist die: die Kinder der Niobe starben plötzlich an irgend einer (,vielleicht epidemischen) Krankheit"), über welchen Verlust Niobe aus das Schmerzlichste ergrissen, bildlich gesagt, aus Schmerz zu Stein wurde**) und zur Ausschmückung der Sage trug die Aehnlichkeit des Felsen mit einem weinenden Weibe die Jhrige bei; Pausanius sagt, er habe diesen Felsen erstie, gen, und dort die Niobe gesehen, in der Nähe,erscheine sie als bloßer Felsen, trete man aber zurück, so glaube man ein gebeugtes, weinendes Weib zusehen, Chandler sagt***): „Dieses Phantom (die versteinerte Niobe) ließe sich erklären als die Wirkung einer gewissen Masse von i!icht und Schatten aus einen Theil des Sipylus, die man aus einem besondern Gesichtspunkte wahrnimmt; der Reisende, der nach diesem Fingerzeig Magnesia besucht, wird gebeten ans eine steile, in die Augen sallende Klippe ungesähr eine Meile von der Stadt besonders Acht zu haben, und seine Distanz zu verändern, indeß Sonne und Schatten, die nach und nach näher kommen, darüber weggehen: ich habe Ursache zu glauben, daß er Niobe sehen wird,)

Stepkani ?asenasii aenigmata,

1. Äluta arbor lueram o.uae nun« moäulorque, eanoo.ue:

Vitä miki sie mors, mors miki vita tuit.
Invnla viventi nam quam natura negarat,
I>ost obitum lelix aääiäit ars animam.

2. Oui natura, oeulos, aures animamquo negavit,

Lie tamen est ooeeo äuxque reäuxque viae.

3. Oetera eoQtinuis praetervol« oursibus unus:

Uno perpetuus sum tamen ipse loeo.

4. I^on ferior sterilisz sim fertilis, ken petit omnis

Kle populus saxisz qu«äqus lero, ferior.
b. Huis ^acet nie? Julius: nee o.uiä nisi marmor inane,

l^uamvis sis aliquiä, tu quoöque nullus eris. 6. Lsse alilzuiä puto me äum vivo, a morte nikil sum: Hoc aliquiä nibil est, ko« nikil est aliquiä. ?rigiäam mors vitam, mortem rapit altera vita: Klors vanae vitae Luis, origo bonae. ^ Auslös. 1. I^z?ra. 2, Laoulus. 3. ^,mnis. 4. ^rbor nuoiiera. 5. (Ze, notapnium. 6. Vita asterua/j

*) Der plötzliche Tod wurde von den Griechen dem Apollo, welcher die Männer, und der Artemis, welche die Weiber tödtet, zugeschrieben; s. IIom. ^1. XIX, 59. XXIV, 606. 0ä?«s. III, 28«. VII, 61. XVII, 251. ?avius, äs tabula Romeri, Holline et Oiana komines sagittis ioterLeientibus, Oob, 1784. Meine Realien in der Jliade und Odyssee, 2. Aufl. Erlangen 1856, S. 191.

**) Es ist dies ein bildlicher Ausdruck der alten Sprache; darans deutet auch ^1. XXIV, 611, wo es heißt, die Kinder der Niobe seien unbegraben geblieben, denn Heus habe das Volk versteinert, d. h. der Schmerz war so groß, daß man nicht einmal an da« Begräbniß dachte.

***) Jn seiner Reise in Kleinasien, 79, Kap.
Sriedreich, Gesch. d. RZthsels. 14
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setzung zu rächen, als eben Apollo seinen Liebling im Wursscheibenspiel, Discuswersen, unterrichtete, die von Apollo emporgeschwungene Wursscheibe an den Kops des Hyacinthus trieb, das; dieser todt niederstürzte. Apollo ließ nun, um ihn zu verewigen, aus seinem Blute die herrliche Blume, die Hvacinthe hervorsprießen, aus deren Blätter man die Buchstaben «', den griechischen Wehe. rus, erkennen will.) 2. Neutba. (Minthe, ^5<?^, war die Geliebte des Gottes der Unterwelt, des Hades, welche dessen Gemahlin Persephone aus Eisersucht in die Pflanze Alentba verwandelte, oder, nach anderer Sage, in Staub, aus welchem Hades diese Pflanze hervorbliihen ließ. 3. Nautilus. (Das Schissboot, eine Art Schalthier, das mit seiner Schale gleich einem Schisse segelt, und von dem die Menschen das Schissen erlernt haben sollen,) 4, Lepia. (Die Dintenschnecke, welche einen schwarzen, dintenähnlichen Stoss s von sich gibt.) 5. ^eipeuser, (Der Stör, welcher bei den Griechen und Römern bei den Gastmahlen das vornehmste Gericht war. Daß er aber jetzt keine beliebte Speise mehr sein sollte, ist ein Irrthum) 6. Les^us. (Der Papageissisch, der besonders im karpathischen Meere zu Hause ist; dorthin hatte Tiberius Claudius Schisse abgeschickt, um diese Fische holen und sie an die Küste von Eampanien verpflanzen zu lassen.) 7, OosKIea. 8. Ac^uila. (Unter dem puer ist der schöne Ganvmedes verstanden, welchen Zeus durch einen Adler, oder nach anderer Sage, selbst in Gestalt eines Adlers in den Olymp entsührte, wo er die Funktion eines Mundschenkes versah.))

AeuiAMata iueertoruin auetorum.

1, ^rbor ivest svlvis, c^uae scribitur oeto lignris;
kme tribus äemtis vix uuam in raille viäebis.

Es kommt dieses auch so vor:
Kst c^uaeiZam 6e fruetiteris oots ovmibus srbnr;

Li uomen quaeras ooto eleinenta notant,
Ultima sie posito tria si äe nomine äemas,
luter mille aIias vix erit uua tibi.

Oder so:

Lst, c^zusegarli seribenäü, aotis bis c^uattuor arbor:

8vmr,osiis aptas 5erre suets nuoes,
8i tres inäe iwtas postremas äemseris inter

Nille alias unam vix reperire ^ueas.
Los premit, Kvsque levat; bos äe^ioit, erigit Ulos:
Ongit et in vsrios domiues äesoenäere oasus.
8i deue äispieias res suin notissims eunotis,

Nnu ita soä nuiltis eopia faets mei.
Ue non sptsret ^uis, si earuisse lieeret,

^t tanäem miser est, quis^uis babere eupit.
^ui pretis reäiinit, nvstrs non inäiget usn,
Huique parsvit, opus uou Ksbet ille mei.

2.
3.
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Itc^ue pro asbis miseris sä iguem;

Dis midi czuis sit?

12. 8um äeeus in manibus; sustento senem; rego gressus;
8um terror esnibus; Kabet et me pro äuee tessus.

13. ?er tria sunt septem, septem sex, sex c^uoque tres sunt,
Huattuor oeto gsnt, o.uatuor septem tibi äonant.*)

14. Viva tui in s^lvis, sum äira oeoiss seouri,

Dum vixi tseui, mortua äulce o«no.

I Auslös, 1. Oastanea. (Äsw. 2, ?ortuna. 3, Oapulus. 4. ?eima seriptoria. 5. Ickus. Nuses. Nuseatum. Nustum. 6. OonMgium. 7. Oornix. Xix. 8, ?estuäo, (Die Schildkröte ist das Sinnbild, daß dem weiblichen Geschlechte die Bewachung des Hauses zieme, und daß es im Hause bleiben soll, wie die Schildkröte stets in ihrem Hause ist. Aus einem Holzschnitte in einer alten Emblemensammlung von Reusner, emblematum über ^rgentor, 1591, ist die Venus dargestellt mit einem Fuße aus einer Schildkröte und der Ueberschrist: oustos äomus uxor. Der Maler Apelles und der Bildhauer Phidias haben die Venus mit einer Schildkröte zu ihren Füßen dargestellt.) 9, Dspes. ^pes. ?es, 10. ^nna. 11. Osllus, (Der Hahn wird miles genannt, weil er als ein kampslustiges und streitbares Thier Sinnbild des Krieges und Kriegsgottes ist. ?emporum vates heißt er, weil er durch seinen Rus die Zeit verkündet, und zur Arbeit und zum Gebete mahnt, und so ist er auch, als Verkünder der Zeit, Wahrsagungsvogel, Prophet. Die letzte Strophe bezieht sich aus das bei den Iuden am Versöhnungstage gebräuchliche Opsern eines Hahnes zur Sühnung der Sünden.) 12. öaeulus. 13, Die Auslösung besteht darin, daß die Buchstaben der Wörter zusammengezählt werden, z, B. die Wörter „ter tria" haben sieben Buchstaben, sunt septem; „septem" hat sechs, „sex" hat drei Buchstaben u. s. w. 14. I^ra. (Hermes tödtete eine Schildkröte und bildete aus ihrer Schale die Leier,))

Osuraäi RacKmallui aeniAinata. Es sind neun und zwanzig ,,ack Ls.rtmalllluiii Lrauuu, pastorem KrundurA. aimeuW suum." gerichtete Rätsel, von denen solgende als Proben:

1. ?arva mibi äomus est, eui zanua semper aperta,

Innitor et uullus, äura nee alla sera; Omnibus iuvisus, miKi retia mille Ioeantur, 8um tamen in patula tutior ipse äomo,

2. Nulla äies abiit, l^uü, sim saturats. reliots,

lZuamvis eaessreas äesiäeam iuter opes.
Imo, ^noä Kis vasto oomprenäit dimate munckus,
Li teneam, esurio elsmito et esurio,

3. Negligor sestatis vitis; eum trigus inborret,

Oiligor, et ounetis äieor smiea moäis;

*) Es kommt dieses Rätsel auch so vor:

?er tria sunt septem, septem sex, sex <Iusc^ue tres sunt,
Lt si beue uumeres eeutum, sex esse viäedis.
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10. aiiis vaLLvr, ueo c^uicqu^W Uaseitur » me; Dissimills ipatri, aissiinilisc^ue patri,

11. Naßllus avwr, mkuorc^ue tiäes, et m^xima virtus,

^Iterius viwm morte parare sua,

12. Angelus in penva, peäe latro, voee geKeimt;

Die, quae sum volueris? sie miKi ?doebus eris.

13. Nou os est aut linMa, Ioc>uor tameu ipsa, loeuta

Leä morior, mesum eommoriente sono,

14. Ipso sui simul seeusator, et est reus, atgue

luäex, et tortor äenic^uez inre o..uis est?

15. Zses numerus, muneri veo pars, seä priueipium suro,

Li miKi uil agäis, ms^or ers uumerus.

16. ^trs seges (viäeu?) Kio in osmps eeruitur Ädo:

?raetereuut multi, nee riatet ills seges.*)

17. ^,emula suin Laeebi, me Nuleiber exeos.uit, Kauä Kol;

Neptunus pater est, mater et aIma Oeres.

18. ?ert esruem, premit et esruem, äum fertur ad illa,

Lauguiuis et earuis nil Iiadet illa tmneu. I Auslös. 1. Heus. 2. Lnoebus. lHennoch, der Vater Methusala's, wurde nach biblischer Mythe wegen seiner Frömmigkeit lebendig zu Gott entrückt ) 3, LsI, 4, Nelmla. 5. Nix a sole li^uefaeta. 6. Maurus, ( Die Nymphe Daphue wurde von Apollo geliebt, flieht aber vor diesem und wird von der Mutter Gäa, Erde, in ihren Schooß ausgenommen, welche, dem Apollo zum Troste, den immer grünenden Lorbeerbaum, äar,Kne, emporwachsen ließ; nach anderer Sage wurde sie von Apollo selbst mit den Worten: „weil du meine Geliebte nicht sein willst, so sollst dn wenigstens der mir geheiligte Baum sein" in den Lorbeerbaum verwandelt. So erhält nun der Lorbeer, denn Apollo ist Gott der Seher und Lehrer der Weissagekunst, eine augurische Symbolik, bekränzt die Stirne der Seher, und ist Sinnbild des Ruhmes und Sieges.) 7. Huereus. 8, ?spaver, (Der Wohn ist wegen seiner betäubenden Eigenschaft Sym» bol des Schlases, daher der Schlasgott mit Mohnstengeln dargestellt wird.) 9, Maurus, (Hier ist der Stier als Sternbild, als Pflugthier und als das Hauptgebirge Asiens, wurus genannt, genommen,) 10. Alulus. (Die Maulesel, Bastarde vom Esel und der Stute, sind nicht sähig sich unter sich sortzu» pflanzen, werden aber bisweilen vom Pserde trächtig.) 11, ?elieauus. (Man glaubte vom Pelikan, daß er sich selbst die Brust ausreiße, und mit seinem Blute seine Iungen ernähre.) 12, ?avo. 13, Lebo. 14. Oonsoieutia, 15. Huitas, als Eine. 16. öeriptura, 17. Oerevisia, (Mulciber ist ein Beiname des griechischen Feuergottes Hephästos, und bedeutet auch Feuer.) 13. LpKippium.)

*) Em altes deutsches Rätsel sagt:

Ein weiß Feld, darin ist schwarz Saat,
Manch Mann sürvber gath,
Der nicht weiß was da stach.
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So, oder auch Nauneo äe^Vata, Gottesvogel, wurde sriiher der Paradiesvogel genannt.
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Ich sörcht mir niemahl von dem Todt,

Weil ichs halt mit den Frommen,
Durch schwere Trübsal, Angst und Roth,

Bin ich so hoch ankommen.
Wird niemahl abg'lößt von der Wacht,

Ich schrey mich ost ganz heys«,
Bin srisch und munter Tag und Nacht,

Kann schasssen mit dem Keyser.
Der mich kann nennen ist kein Lapp,

Sondern ein brasser Kerl,
Wünsch ihm zu Lohn ein Doctors Kapp,

Versetzt mit Stein und Perl.

2. Ein jeder hüt sich wol vor mir,
Wann ich eingenommen ein Purgier,

Ein Pillul sambt dem Stüpl,
Wann auch das Kraut ligt in der Psann,
Darin sein Schnabl stöckt der Haan,

Mir kocht ein warmes Siipl.
So kombt mich alsbald s' Grimmen an,
Daß ich d' Wind nit verhalten kan,

Muß sie srisch lassen krachen.
Wann man mir draus blaßt in das Loch,
Wird d' Nasen den Rauch gspühren aoch,
Mich kennen an dem g'Schmachen.

3. Ihr Weißheit, hoch- und wohl-gebohren,

Seynd meine rechte Titl.
Ich sechte gern wann ich bin gsrorn,

Aus zweyen bin ichs Drittl.
Die mehrist Zeit bin ich im Krieg,

Bin kein Soldat nie gwesen.
Der mich aushalt, ich leicht betrieg,

Weil ich gschwind ihn verweesen,
Zweimal sich in der Welt ganz gleich,

Im Leben und im Sterben.
Wenn ich nur außgib einen Streich,

Muß ich daraus abserben.
Wann man mir zwagt mit warmer Laug'n,

So muß ich gleich crepieren,
Ich muß verschwinden Gsicht der Augen,

Und mich stod uriniren.

4. Ein kleines und buderwintziges Ding,
Ganz rund, als wie ein Vorhangs-Ring,
Gilt viel, bei Iungen und Alten,
Wenn man alle Narredev der Welt

Mir geb dasür, und grosses Gelt,
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Bin ich aus d' Welt gebohren,
Ein nackend blosses F«l
Wann man mich beißt w d' Nasen,
Angreisst mein blosse Haut,
Auch in da« Gsicht thut blasen,
So schrey ich überlaut.
8. Der grausam Diocletian
Und noch mehr seine? gleichen,
Haben vilen g'schmidet die MartHr,Kron,
Durch Kütten, Band, und Kenchen.
Diß alles ist ein küles Thau,
So d' Marter levden müssen,

Den ich mit Ernst recht anschau,

Zittert an Händ und Füssen.
Jch kan die Heilige snderst ttille«> ,
Thuß unbarmhertzig schlagen,
Sie müssens leyden um Gottes willen,
Keiner darss sich beklagen, .,
Jch bünd sie veft zam bey d» Mitt,
Daß sie kaum Kimen schnausen.
Eircumcidirs mit einem Schnitt,
Und thnes in Stock einschrausen,
Wann sie diß g'iitten Mit Gedult,
So thue ichs gontz neu kleiden,
Draus laß ichs rais« in die Dult,
Der Himmel brancht vil Leyden.

9, Wann, wie das alte Sprichwort meld,
Der Bart den Mann thut machen,
So steh trutz eim Mann im Feld,
Du magst mich wol auslachen.

Wie wohl ich hab kein Hosen an,
Noch Stisssl, oder Sporn,
So macht mich doch der Bart zum Mann,
Mit dem ich bin gebohrn.

10. O lieber Freund, und ?eser schan,
Allhir liegt ein betagte Frau

Jy diser Grusst begraben,

Bor diesem war sie hoch in Ehren,

Ein jeder wokt ihr Gnad begehren,

Und ihre reich« Gaben.

Vil Kinder hats aus d' WM gebohnl, "^'

Jhr Jungsrauschafst doch nie «erlohr«,

Seynd all vor ihr v«dörben,

Sie ligt am Durchfluß Tag vsd Nacht,

Das letz Kind hat ihrn Boraus «Macht,
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Am Durchgang ist sie gstorbeu.
Sie war weith, und braith bekannt,
So wohl zu Hos als aus dem Land,
Ist auch geweßt in Bender,
Wilst wissen wie sie g'heissen hab,
So reiß den Kopss der Catzen ab,
Und schick ihn in die Länder,

11. O Wunder, wie ein artlichs Thier,
Schaut aus dem Osen-Loch hersür,
Halb Maul im Angl ossen.

Man schauts gleich an, srühe oder spath

Keinen solchen Maulassm hat

Man schwerlich antrossen.

Es haben biß Ding Sonn, und Mon,

Der Steinbock, Low, und Scorpion,

Iedoch nit die Planeten,

Die Waag braucht? nit, noch auch der Schitz,

Mitten in Rom hats seinen Sitz,

Der Pabst hats nit vonnöthen.

Der König hats, der Kayser nit,

Doch prangt des Kausers Kron damit,

Die Pollisch Kron hats Dopel,

An Ohren hängts dem Es<lskopss,

Dem Ochsen steht es in dem Kropss,

Man sindts auch im Tauten.Kobl,

Wie muß maus doch nur nennen?

Es wird gar g'wiß (bild mirs schon ein)

Ein arger Vocativus sevn,

Der sich nit gern laßt kennen.

12. Wer kunt ihm doch nur bilden ein,
Daß d' Welt nit solle ungrecht sehn,
Weils einen Engel keusch und rein,
Der sehr vil Guts gethan der Gmein,
Ansetze aus der Erden,

Laßt drucken, und gschlageu werden.
An statt des wohlverdienten Schein,
Ein Kleidung gibt von einer Schwein,
In Band und Evsen schlichet ein,
Und doch hierumb noch globt will sevn,
Nit nur von gemeineu Leuthen, .. ^,

Sondern auch von gscheiden,

13. Loß Bruder, was ist das? Es ligt gar gern im Grasz: Sitzt hinten aus dem Vaß,

Es ist bald kurtz, es ist bald lang,
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Es windt sich bald als wie ein Schlang,

Es ist die Handheb an der Stang.

Ist gern, wo es naß,

Und wo ein guter Fraß,

Sag Bruder: was ist das? 14. Die Wahrheit kann ich sagen doll,

Kurtz, und mit wenig Worten.

Mein Butter ist blitz, stral, stern voll,

Bin nie erschassen worden.

Im Himmel hab ich gar kein Lust,

D' Höll thut man mir verweisen,

Mein Mutter hat eine harte Brust,

Ihr Leib ist gantz von Evsen,

Mein Batter, der vom Stammen hoch,

Ohne Weib mich hat gebohren,

Mein Mutter ist ein Jungsrau noch,

Ist sich gantz gleich eim Mohren,

Beim trüben Wetter stehe ich ab,

Kan über Nacht nit bleiben,

Ich gehe, und stehe, kein Fuß nit hab,

Die Zeit thut mich vertreiben.

Ich stirb ossstmal in einer Stund,

Leb doch daraus gleich wider,

Kombt nach dem Tod gantz srisch und gsund,

Zu Nachts leg ich mich nider. "i ..:

15, Ein edles Kunst-Stuck der Natur,

Besetzt mit Spieß und Klingen,

Von Mutter-Leib mein Armatur,

Ich aus die Welt thue bringen.

Ich bin der Liebe Eontrase,

Ein Spigl der Jungsrauen,

Der mit mir schertzt, empsindt das Wehe

Niemand will mir mehr trauen;

All die unehrbar mich versucht,

Vnd srech angreiffen wollen,

Haben mein Keuschheit sehr verflucht,

Osst gwunschen in die Höllen,

Wer mit mir schertzt, der brauch Manier

Dann er mich zwenig kennet,

Bil tausend haben sich an mir,

Zu ihrem Spott derbrennet,

Mein Namen ich vom Feur hab, „.

Bin hitzig über dmasftn, .' ,i . ^!'

Doch allzeit kiel, und selten lab,

Thue selbst das Feuer hassen.

.' , „., , Die Kuehe mit ihrem weiten Maul,
Thut mir das Vrthl sprechen,
. . - Vnd osstmals auch ein alter Gaul,

Den Stab des Lebens brechen. lZluslös. 1, Der Glockenschwengl, 2, Eine geladene Kugel»Büchse, 3, Ein Schneeballen. 4. Das Auge, 5, Das gute und böse Gewissen, K. Die zwei Schlüssel Petri, 7. Ein Dudel-Sack. 8. Der Bnchbinder. 9, Der Geißbock. 10, Das vergangene Iahr, welches im alten Calender begraben ligt. I1, Der Buchstabe 0. 12, Der Doctor Engel mit seinem eingebundenen z'ure canonieo. 13, Der Buchstabe 8, 14, Der Schatten an der Sonnenuhr, dessen Bater die Sonne, und dessen Mutter der eiserne Zeiger ist. 15, Die Brennessel,)

§ 100. ötuckiosus ^ovialis, seu ^uxilia aä Hsesse et Koneste äiseurrenäum z a Oäilone KoKreAer, Leneäiotins in exempto monasterio Dns6ort?ensi. Läitio seeuvöa.' Nonacnii et?egepsoti, snmptidus ^saunis lZsstl, Lidliopolse. 1751. 840 Seit, in kl. 8. — Eine in dreizehn Kapitel abgetheilte Sammlung von „axiomata varia, varia aFindola et emblemata, avaArammata, varia prodlemata, oKronolo^iea öe rernm initiis, artitioia varis, apoptKe^mata snriosa, Teutsche lächerliche Begebenheiten, epitspvis ouriosa, «dservationes variae, varia mepioradilia". Das siebente Kapitel sührt die Uberschrist: aeni^mata onriosa, und enthält lateinische Rätsel; die meisten sind aus den schon erwähnten lateinischen Rätselsammlungen bekannt. Dann solgen hundert und ein „quaestiones ouriosas."

Das achte Kapitel hat die Ueberschrist: „teutsche kurtzweilige Rätzl" und enthält 159 Rätselftagen. Aus beiden Kapiteln solgendes als Probe:

1. (Zins non vaws mortuus est? 2. Huis slsmavit sine lingua? 3, Huis semel nstus et d!s martuus? 4. L,qua qnae taNaciWima? 5. Our snnulus in sinistrs portatur? 6. ^nst äies eura uxore Meuväi? 7, Vivites in ou. mers, et pauperes in erumens quinsm? 8, klominem quiä fsoit senem? 9. <Zuillam doinines rsrs viäent sslein? 1li. I^apis sub sole <Iuinam pretiosissinms? 11. ^Inlierum partienla sarvoris qUaenam pessiins? 12. yuig non sinsnins a1>sc^ne lserimis? 13. (jvaugs ik«niliaritas stiam iuter ainieissimos ssIvitur? 14. <jnig cum sole plernmque oeoumdit? 15. ^ui sunt deustlöiis suis plerumc>us ingrati? 16. Hnae rss in vits inetn earet?

17, ^uis ss«I>e reäit Se sevuloKrs, et quigem ea6em porta, c>ua intrs,vit?

18. Hui domines eurtsm a6moäum KsKent memorism? 19. Huae animalia Wdern^nt mun6um? 20. Huick eonservat salutem reipubliese? 21. (juig rarissimum in snlis nrmeipnm? 22, ^uae rss se maIe Kabet? 23. ^uick illnä, <zuv6 oreseit eunäs, geereseit quieseenäs? 24. In c>us mnlieres prae viris abunäaut? 25. ^ui male utitur lingua? 2ö, tZuis in dos munäs servus servorura? 27. Mi msla bona sunt, et ubi dona malg.? 23. Huse mater felicitatis et infelicitatis? 29, HuoZ inter grammatioos voeavulum miserrimum? 30, Hui mutuo se Huvaiit in mordis?

^ktesvous!o. 1, ^äam, 2. 8allgnis ^,belis*>, 3. I^s^srus a OKristo aä vitsm revocatus, 4. Kluiierum Iaerzinas. K, Ilt s, äextra äefenäi possit. 6. Zivi: Kiter o.uo gueitur; aIter o.uo mortua eöertur. 7, ^ritdmetiei,

8. Ours, Mxta illuä: cur», tsoit sanos, c^uamvis domo llon Kabet svnos.

9. Lbrii, vivunt enim in obseuris, 10. Nolsris, eum es aä vitae Kumsnae usu'm earere ueutiquam vossumus. 11, I^ingua; die Zung ist der Weiber Gchlachtschwerd. 12, Milium, 13, Oum eorum alter aä Konorss eveKitur; Äam nonores mutsnt mores. 14. Memoria acdeptorum deneüeiorum. 6ratitugo raro sonseneseit, ultra äiem vix vivit. 15. Oominorum ksmuli; nam mults surripiunt, gratis non agunt. 1L. Lona eouseientia. 17. Oinus vel potns ultra mockum iriMstus. 13. NaMi potstorea; vix eautKarum ab ore removeut, bidisse obliviseuntur, iterum dibnut, 19, Oves äant memdra

. num; anseres salamos; apes seram; quibus geerets ?rineivum eoustsnt et mun6us regitur. 20. öona lex, sapiens rex, odeüiens grex. 21. Veritss. 22. Vitium inter mauus öermanorum, nummi inter ntanus rlebraeorum, sapiens in meSis stultorum. 23. ?ams. 24, Lensibus; nsm praeter o..uin<zus sensus Kabent pertiuaeiam et !sc^Uaoitatem, 2S. Ltultus Ioa.uengo, et sapiens tacenäo, 2b. Hui «mnibus plseere vult. 27^ In sownio; si <zsis enim rem raslam somni^t bonum est rem non ita se Kabere: et seeus. 23. ?Kautssis, 29, Labuisse, v«I, tuisse, Ouplieiter miser es, c^ui telix auie tuisti. 30, Neäieus et aegrotus: meäieus curat valetuZinem aegroti, et äegrotus marsüpium meäioi.^ ''

1. Warum seynd die Weiber nicht so gescheid und klug, als wie die Männer? 2. Wo hat Adam den ersten Lössel zum essen genohmen? 3. Wer hat aus seiner Mutter Holtz gehauet? 4. Wann wird das Uebel ärger? 5.Mann und Weib, wer aus beyden ist das gescheidiste? K. Warum seynd die Weiber so hartnackig? 7. Warum hat die Natur den Weibern keinen Bart gegeben? 8. Was ist das beste in der Mühl? 9. Warum nistet der Storch nit aus die Mühl? 1s. Welche seynd die kleineste Fische? 1l. Was sür ein Thier trinckt das schätziariste Getranck? 12. Wie kanst du machen, daß die Mäuß dein Korn nit sressen? 13. Warum gibt man ossstermals große Aembter denen Un> würdigen? 14. Wie kommen die Menschen zu hohen Aembtern? 15. Was l ist das: einer hats gehabt, der andere bats noch, der dritte häts gern? 1b. In welcher Stadt sterben die meisten Leute? 17. Wie kau einer geschwind und leicht ein hoher Heiliger werden. 18, Wo tragt man die Säu' iu Händen? 19. Was sür ein Kranckheit macht gute Täg? 2«. Was ist das: der Bauer wirssts weg, der Herr schiebts ein? 21. Wie kann manIsaac mit einem Buchstaben schreiben? 22. Was ist das: Es ist nit viel grösser als ein Mauß, und ziehens vier Pserd ait übern Berg hinaus? 23. Für was sorgen die Bauern am meisten? 24. Wie kann man in einem Tag sünszig paar Schuh machen? 25. Was ist sür ein Unterschied zwischen einem Metzger und einem Schinder?

*) „Die Stimme deines Bruders Blut schreit zu mir von der Erde", l. B, Mos, 4, 10.

l Antworten, 1. Weil dos erste Weib, die Eva, aus der Rippen und nit aus dem Kops des Manns erschassen. 2, Bei dem Stiel. 3. Adam, dann die Erde war sein Mutter aus welcher er gemacht worden. 4 Wann man ein bößes Weib schlagt, schlagt man einen Teusssel heraus, so schlagt man zehn darsür hinein. 5, Das Weib, dann eia Weib kan vil Männer zu Narren machen. 6. Weil die Weiber von der harten Rippe des Adams herkommen. 7. Weil sie so lang nit schweigen können als man sie butzet. 8. Daß die Sack nit reden können, sonst würden sie manchen Müller verrathen. 9, Weil er sörchtet, der Müller möcht ihm die Eher stehlen. 10. Die den Schweis nächst am Kopss haben. 1l. Der Floh, dann dieser trtnckt Meuschen.Blur. 12. Schencke ihnens, so sressen sie das ihrige und nit das deinige Korn, 13, Weil billich ist, man lege den schweren Last aus Esel, als aus verständige Leute. 14, Einige per AomiuativuW, durch grossen Nahmen. Einigs per genitivum, durch dafj Geschlecht. Einige per gativrmi, durch schmirallien. Einige per aeousativum, durch verleimbdung. Einige per vosativuva, durch rechten Beruss. Einige per Mativum, durch verehrung eines andern Guts. I5. Das Geld. Der Ber» schwender hats gehabt, der Geitzige hats noch, der Arme häts gern. 16. In der Bett'Statt; dahers sagt man: sck leetum, sä letKum. 17. Wann er sich aus einen hohen Heu-Wagen leget, so ist er ein hoher Heulieger. 18. Bei dem Karten Gspihl. 19. Das Fieber; dann wann selbes sinen Tag ausbleibet, so pflegt man zu sagen: heut hab ich einen guten Tag. 2». Der Rotz; der Herr schiebt diesen mit einem Schnups'Tüchlein in den Sack, 21, Wann man ein 5 aus einen Sack schreibet. 22. Ein Zwini'Kneul. 28. Für die Pserd, damit sie nit abgehen; dann giengen diese ab, so würden die Edel-Leut aus denen Bauern reiten. 24. Wann man sünszig paar Stnsssel nimmt, und dieselbe unten abschneidet, so hat man sünszig paar Schuh. 25. Der Metzger sagt, wo stehts, der Schinder, wo lieg», nemlich das Vieh.)

H 101. Altdeutsche Volks- und Meisterlied« aus den Handschristen der Heidelberger Bibliothek, herausgegeben von I. Görres; Franks, a. M. 1817. Diese Sammlung ist abgctheilt in: Liebeslieder, scherzhafte Lieder und Neidharte, Romanzen und Balladen, historische Lieder, Legenden und

geistliche Lieder. Unter der Rubrik historische Lieder besindet sich S. 236 solgendes mit der Ueberschrist: „Rätsel":

So wollt ich gern singen,
Mancher wiegts geringe,
Einer horts gern, der Andre nit,
Der Dritt wollt, daß ichs vermied;
Der Viert spricht: hör aus!
Der Fünst hebt an zu schreyen,
Der Sechst spielt gern aus dreien,
Der siebent spricht: reich Karten her!
Der Acht der sprach: ich bin halt ler,
Leih her das Glas, ich sauss!
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Das ist Gott am jüngsten Tag, i .:,,,,.

Als uns die wahr Geschasst hie sag

Durch seine gnadeureiche Gunst.

Aus einem Regenbogen er uns kummt,

Zwey scharsse Schwerd zehn ihm durch seinen Mund.

Darvon wird manche Seel verwundt / ,: ' .' ,>^.

Tief in der Hölle Grund, i., /

Und wird auch nimmer mehr gesund

Vor ewiger Roth.

Die Pseil habt Ihr vernummen;

Das seyn die sechzig Zungen,

Die keinen rechten Glauben hat,

Daraus die Kristenheit nur stat,

Und lebten in Gottes Zorn.

Die Aest sollt'ihr merken also schon,

Das seyn vier Horn im miltiglichen Ton;

Wenn Gott sein jüngstes Gericht will hon,

Er heißt die Todten auserston.

Er zeit euch jeglichem seinen Lohn,

Darnach er verdienet hat.

Merkt ihr Kristenleute!

Die Rosen ich Euch bedeute:

Das seyn siins Wunden roth und zart,

Damit er uns erlöset hat,

Die Frauen und auch die Mann.

Mich dünkt vor allen meinen Sinnen,

Maria die reine Königinne,

Wie sie die dorne Ruthen sey;

Sie macht uns aller Sünden srey,

Und wer sie russset an,

Den hält Gott miltiglich in seiner Huth,

In seinen Nöthen er ihm helsen thut.

Iesu Ehristi reines Blut

Komm uns armen Sündern gut;

Bewahr uns vor der Hölle Glnth,

Und vor des Teusels Pein,

nitl ij>j g,j 'zizi'^ 7zoo!! SzchizA iiiI K 102. Rätselbüchlcü, von Dr. Mises; Leipzig 185«, 96 S. in

Duodez. Der Versasser (Pros. Fechner in Leipzig) sagt im Vorworte: „ Das vorliegende Büchlein enthält eine Sammlung der Räthscln und Charaden, welche in meinen Gedichten, in mehreren Iahrgängen (1846, 1817, 1849 und 185«) von Nieritz Volkskaleudcr, und in der Brockhausischen illustrirten Jugendzeitung (1847 und 1848) von mir erschienen sind, vermehrt um
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die zweite !858 erschienene Auslage enthält zwei Riithsel mehr. Folgende als Proben*):

1. Es ist eine kleine Unterwelt,

Die sich im Bilde vor euch stellt; ':-., ,

Nur statt der Lethe ist darin :, .

Ein Wasser von ganz anderm Siun. ..--..

Man kommt durch einen engen Schacht

In einen Raum, so schwarz wie Nacht;

Da breitet sich ein dunkler See;

Allein kein Berg ragt in die Höh',

Kein Fisch schwimmt aus des Sees Grund, .,

Nicht Vögel fliegen drüber bunt;

Nur Wesen, weißen Geistern gleich,

Die steigen ost herab zum Teich

Zu trinken draus; ein kleiner Schluck

Ist jedem aus einmal genug:

Dann, wie begeistert, reden sie

Von dem, was sie gesehen nie,

Von jeglicher Vergangenheit,

Von jetziger und künst'ger Zeit;

Und fließt die Rede nicht mehr gut,

Giebt neuer Trunk gleich neuen Much.

Zuletzt ist ausgetrunken die See,

Da süllt er sich wieder aus der Höh'.
2. So weiß wie Lilien, weiß wie ein Engel,

Durchwandle ich langsam die Welt voll Mängel,

Die Füße getaucht in Morgeuroth,

Doch wenn der Geist in serne Weiten

Will tragen sein Werk und sern in die Zeiten,

Alsbald die Schwingen ich dazu bot;

Die Schwingen, gewöhnt nicht an irdisches Fliegen,

Gemacht nur dem höhern Berus zu genügen;

Beseelt ist jede Feder darin.

Doch hab' ich noch manch' ander GeschLste:

Verlangst du im Schlummer neue Kräfte,

Ein weiches Lager breit' ich dir hin.

Und willst du dich letzen am köstlichen Mahle,

Gar ost mein Leben ich dasür zahle, - ,

Daß du uur werdest satt und sroh;
'Bring' gleich zum Braten dir mit die Früchte;

Wie dustet so herrlich nun das Gerichte,
Indeß meine Seele von hinnen floh,

*) Drei symbolische Rätsel aus Mises sind bereits in § 27 angegeben worden.

3. Ich liege sest in mich gedrängt,
Klein, daß mich eine Hand umsangt,
Doch wollt ich einmal ganz mich strecken
Wind' ich manch' hundert Ellen decken.
Mitunter ruh' ich lange Zeit

In einer Höhle eingeschneit,
Umgeben rings von manchen Wassen,
Die meisten sür den Stich geschassen.
Wird mir das Müßigsein zu viel.
So sang' ich an ein Lanzenspiel;
Das aber schadet meiner Dicke,
Ich schwinde mehr und mehr dem Blicke.

Zuletzt bleibt von mir keine Spur,.

Doch umgeschassen werd' ich nur,:
Und trugen einst mich Hände seine,
So mach' ich jetzt mich aus die Beine.

4. Wie war mir einst so wohl zu Mnth
Im grünen Kleid mit blauer Bluth;
Doch als verschossen war mein Kleid,
Ersuhr ich nichts als Herzeleid.

Und wieder ward mir wohl zu Muth
In schöner Frauen guter Huth;
Doch als ich ward ein altes Wrack,
Gerieth ich unters Lumpenpack.
Und wieder ward mir wohl zu Muth
Als neu geboren mich die Fluth;
Daß mir' nicht wieder geht so krumm,
So schreibt nicht Zeug, was gar zu dumm,

5. Ich bin bei der Kirche angestellt,
Mein Wesen ist ganz erbaulich,
Und über den Dingen dieser Welt
Mein Standpunkt hoch und beschaulich.
Mein Wort ist einsach, doch es hat die Macht
Zur Andacht zu rusen die Frommen;

So dien' ich der Kirche bei Tag und bei Nacht,
Und bin doch hinein nie gekommen.

6. Wer nennt mir das Geschöps, das nur ganz langsam kriechet,
Aus Bergen gerne wohnt, sich gern an Häuser schmieget?
Von Eiern jedes Iahr bringt's eine starke Brut,
Doch brütet's selber nicht, weil es die Sonne thut.
Die Eier össnen sich; was draus kommt wird gesangen;
Gar wild geberdet sichs, Freiheit ist sein Verlangen;
Ihr haltet's gut in Hast; bald scheint es wieder mild;
Nun nehmt euch erst in Acht, sonst machts euch selber wild.
7. Der Krebs ist schwarz im Leben
Und nach dem Tode roth;

Doch ich bin roth im Leben , ,

Und schwarz nach meinem Tod.

Daß Keiner mich berühre.

Schlimm wird es ihm gedeihn;

Ob keinen Zahn ich sühre,

Doch tüchtig beiß' ich drein.

8. Ein weißer Vogel kommt geflogen,
Geflogen über Meer und Land;
Bei Tag und Nacht ist er gezogen,
Da greis ich ihn mit meiner Hand.
Nun heb' mir an, dein Lied zu singen!
Ich harrte lange schon daraus. ? ^

Er schweigt; da brech' ich, ihn zu zwingen,
Ihm seinen rothen Schnabel aus*).

9. Es ist eine Festung gewesen,
Drin Peter stritt, der Soldat;
Den hat eine Kugel erlesen
Zum Ziele nach Gottes Rath.
Doch ehe er sagte sein Amen,

So schrieb er, zu zeigen sich treu, , ,
Der sernsten Liebsten den Namen - ,
Der Festung, getheilet iu Drei.

lv. Wer mögen die kleinen Leutlein wohl sein
Mit dickem Kops und dickem Bein,
Doch einen Leib ach! sadendünn;
In den größten Köpsen ist nichts drin.
Auch sußlos siehst du Einzelne stehn,
Doch wenn sie hinter einander gehn,
Bekömmt gleich Füße das ganze Heer,
Ie rascher sie lausen, desto mehr,

ll. Hinter dem Menschen alle Tag'
Still im Finstern geh' ich her;
Zuweilen auch wohl der Nase nach,
Dann aber schnaub ich wie ein Bär.
Die Arbeit, der ich mich muß sügen,
Macht mich gar zeitig runzlich, alt,
Doch, wenn ich in ein Bad gestiegen,
Erschein ich glatt und jung alsbald,

*) Ein Aehnliches:

Aus dem weißen See

Schwimmt eine rothe Rose:

Willst du die schwarzen Fischchen sprechen

Mußt du die rothe Rose brechen.
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12. Ich komme mit Scham,
Ich gehe, kommt Gram,
Ich komme mit Freud', > r
Ich gehe, kommt Neid.
So lang' ich mag stehn, "^
Lust, Leben, wie schön!
Wenn ich ganz vergeh',
Glück, Iugend, ade! ,. "',
l3. Seht, wie dort aus dem Schneeseld mit Schnelle
Hineilt der lange leichte Geselle, .! . .'

Nie sah ich so geflügelten Schritt; Doch macht mit den Tapsen er schwarze Zeilen; Wie kommt's? Ei, weil er beim Lausen zuweilen In einen schwarzen Tümpel tritt.'' 14. O weh dem armen Haus, in dem man mich nicht sände, Doch dreimal wehe dem, das selber in mir stände. , Im ersten, sei gewiß, wohnt Mangel drückend schwer; Im andern, sei gewiß, wohnt Morgen Niemand mehr.' 15. Es steigt ein mächtig Gewimmel

Der Ersten hernieder vom Himmel
'Und klar erkennst du daraus,

Daß nun von hinnen geschieden,'
Die lange geblüht hat hienieden,
Die Tochter aus himmlischem Haus. ''
Wenn durch die Lüste dann wandern
Die Klänge vom Paare der Andern,
So weißt dn, nun sinket iu Nacht^
Auch der kleineren Tochter Leben,'
Die Allen hat Freude gegeben
Durch ihres Auges Pracht.
Der Ersten an Schein nicht weichend,
Den Andern in Form sich vergleichend,
Steigt lieblich das Ganze empor;
Es steigt empor als ein Zeiches,'
Die Tochter aus himmlischen Reichen
Kehrt wieder durch blühendes Thtt, ^
I6. Du siehst im ersten Silberpaar
Das Schönste aus der Erde;
Ein junger Ossicier sogar ""^
Hält höher es als Pserde, ""-
Die Dritte sucht manch' armer Trops
Im Schisssbruch zu gewinnen, ^'
Doch hat sie Jemand vor dem Kops,
So litt er ihn schon drinnen. >
Das Ganze ist ein eben Feld,

Aus dem wird viel gestritten;
Auch manche Dame kämpft als Held
Und jede ist beritten. - ,
17. Die beiden Ersten machen

Den Weibern ost es nach,

Jetzt sieht man sie noch lachen

Und weinen gleich danach.

Ein Sultan ist die Dritte,

Geht stets gespornt einher

Mit stolzem Herrschertritte,

Doch niemals reitet er.

Das Ganze ist beweglich

Zwar, wenn es still steht, stumm,

Doch schreit's mitunter kläglich

Sobald sich's dreht herum.
IS. Die erste Silbe ist ein klingend Jnstrument,
Das älteste gewiß von allen, die man kennt;
Ein Jeder trägt's und braucht's das liebe lange Jahr;
Die schönen Damen auch? srägst du. Jch dachte gar.
Die beiden andern sind ein klingend Jnstrument,?
Das muntre Beine macht, doch müde macht die Hand';

Am meisten hat mich stets bei seinem Schall erbaut,

Daß das, was so erklingt, nicht meine eigne Haut.

Das Ganze endlich ist ein klingend Jnstrument,

Das von dem Ersten du nie hörest abgetrennt;

Es taugt nicht zum Concert, taugt auch nicht sür den Ball;

Doch streit ich nicht mit dir, wenn dir gesällt sein Schall.

19. Wer aus den ersten Beiden
Sehr ost die Dritte thut,
Den könnt ihr unterscheiden
An seiner Nase Glut.

Sonst geht stets aus den Höhen
Herab des Steines Laus;
Das Ganze läßt ihn gehen
Hoch in die Lust hinaus.

20. Die ersten sind ein Unterthan,
Die Dritte ist ein Unterthan;
Das Ganze ist ein Unterthan,
Der von dem andern Unterthan
Wird unter den ersten Unterthan
Ganz unterthänig gethan.

21. Es stellt als Frucht das erste Paar,
Als Pflanze sich das andre dar.
Doch wenn ihr beide wollt verbinden,
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22. Sagt, wie das stimmt:

Die Erste schwimmt, . .

Dis Zweite läuft,
. - >Das Ganze steift.

23. Die beiden Ersten sind mehr als gut,
Mit der Dritten wehrt sich die Gaffenbrut,
Das Ganze ist die adelige Klasse

Unter einer sonst sehr gemeinen Race.

24. Die erste ist ein Wort zum sragen,
Die Zweite gut um zuzuschlagen.
Das Ganze läßt den Gaumen zagen,
Ist aber heilsam sür den Magen.

2b. Der Genius, der shn' Erbarme»
Des Lebens schönste Blüthen kni<kt,
Dort hat er in der Mutter Armen
Das einzige Kindlein todt gedrückt;
Nun steht sie an dem grünen Hügel,
Der es verschließt aus immerdar;
Aus ihrer Bugen blauem Spiegel'
Blickt M das erste Silbenpaar.
Das zweite Paar such zn besitzen,
Denn unvergleichlich ist sein Schutz,
Mag Zeus auch selber drohn und blitzen,
Entgegen trittst du ihm mit Trutz;
Zum Liebchen läsz'ts dich sicher schleichen,
Bom Nebenbuhler «sgekannt;
Und gehst dn, Gaben still zu reichen,
Verdeckt's die Wohlthat dein« Hand.
Zwiesachen Sinus, schleppt hier das Ganze
Dem Tode nach sich, schwarz uud schwer;
Fliegt neuem Leben, neuem Glanze
Voran dort leicht und sorgenleer;
Zwar wie ein Schatten ist's zu schauen
Sogar im hellsten Sonneuscheiu,
Doch kannst du sicher daraus bauen,
Daß dann ein ganzer Sommer dein.

26. Es ist ein krummes Schwert, dos hauet mitten drein
In eine große Echan, doch schneidet nicht ins Bein;
Es theilt sich bloß die Schaar, da wo d«s Schwert hinschlug,
Und steht ein Weilchen still, wosern ste war im Zug;
So stellt es Ordnung her im Ranm und in der Zeit,
Sosern der, der es sührt, nur selber ist gescheut.
Die Frauen aber, wen» auch sonst der Ordnung Hut,
Gebrauchen allzumeist das Schwert nicht allzngut.

27. Es ist eine süße Zaubersrnchh ' ^
Die Einer umsonst zn brechen versucht,
Nur Zweie zusammen können sie brechen,
Doch kann es niemals geschehen im Sprechen;
Und wollte sie Einer haschen allein, , ^
Er haschte und schnappte ins Blaue hinein.

28. Wer nennt mir das Kloster von sestem Stein,
Drin wohnen viel schöne Iüngserleia; ^ ^
Ein eiserner Paladin klopst an's Haus, i
Gleich springen mehrere Jüngserlein heraus;
Sie tanzen um ihn, sie glühen so roth,

Sie tanzen sich alle zusammen bald todt.

29. Ich bin ein Grab stumm und verschwiegen;
Am rundm Denkmal über mir

Erblickst da in erhabnen Zügen , , i., ,
Bald Schriftwerk, bald Symbol als Zier.
Wohl andere Gräber sieht man grünen,
Ich scheine nur ein Beet von Schnee,
Aus andern Gräbern flattern Bienen,
Hier, scheint es, ging der Krähen Zeh.
Willst dn, der Geist soll mit dir sprechen,
Der in dem Grabe kam zur Ruh,
So gilts das Denkmal zu zerbrechen,
Deß Zauber ihm den Mund schließt zu.

30. Die Erste enthält die Mittel zum Beißen,
Die Zweite enthält die Sachen zum Beißen,
Das Ganze hindert die Mittel zum Beißen
Zu kommen zu den Sachen zum Beißen.

31. 'Bon einem Ort zum andern-"" ! Die Erste stets muß wandern, , , Wohl über Fluß und Feld, I» um die ganze Welr; Mcht Flügel hats noch Beine,""'. Auch Räder hat es keine, Kein Wagen doch, kein Flug' ''^ Holt's ein, ists gut im Zug. ^ iiZm zweiten Silbenpaare ,°!„!as?! ai, «i sS ^ Bekommt rxan weiße Haar«,,,^ n/. .r"r'.''r.>! . . Ist man auch juug und srischz, .... r

; r,.:?. „Sein Nachbar Krebs und Fisch. ?, z
Auch ists ein guter Mahler, ,-c

Dem Mo» schon manchen Thaler
Für das, was er gemahlt,, , , ,7

. Ganz willig hat bezahlt. ,. , ,, . ^

Als großes Ungeheuer,
Mit Flügeln, wie kein Geier'
Jemals besittigt war,
Stellt sich das Ganze dar;
: Doch fliegen nicht, nur gehen

Siehst du's, und dennoch flehen
- . Stets an demselben Ort,

Geht's gleich in Einem sort.
32. Die beiden ersten, voll und ohne Falten,
Die beiden andern, wenn sie Wort nur halten,
Sind zu dem Karneval! die besten Zwei.
Doch hüte dich, daß nicht von deinem Glanze
Gelockt, zu nah' dir komme da das Ganze;
Nur gar zu gerne stellt sich's dabei ein.
23, Am Paar der Ersten sreut nach wackern Thaten
Wohl Jeder sich, sie winken ihm zur Rast.
Das Paar der Andern hat gar oft verrathen
Den Lügner als ein ungebetner Gast.
Das Ganze ist die allerscho,nste Schleppe,
Dran Gold und Purpur streiten um den Sieg;
Man sieht sie kehren noch die hohe Treppe,
Nachdem die Königin schon niederstieg.
34. Die erste ist immersort bemüht

Ein Ding zu theilen, das Niemand sieht,
Jn Theile, die Jeder sehen kann,
Und das wird mit zwei Fingern gethan.
Wer an dem Leibe die Andern trägt,
Gar srei sich durch den Raum bewegt,
Doch wer sie sührt in seiner Hand
Jst sest zur Stelle meist gebannt.
Das Ganze liegt gewickelt krumm.
Wie eine todte Schlange stumm;
Doch mangelt nicht die Lebenskraft,
Die löst ein Schlüssel aus der Hast.
35. Weiß bin ich, doch zur Reise
Biet' ich ein schwarzes Gleis;
Die Reise macht euch weise,
Oder macht euch etwas weiß.
36. Die erste Silb' hat Zahn' und Haare,
Die zweite Zähne in den Haaren;
Wer aus den Zähnen nicht hat Haare,
Der laus' vom Ganzen keine Waare.

sAuflösung, I. Tintensaß. 2. Gans. 3. Knaul im Strickbeutel, Strick, strumps und Strümpse. 4, Flachs, Leinwand, Papier. S. Kirchthurm. 6. Weinstock und Wein. 7. Glühende Kohle. 8. Bries mit rothem Siegel.

sriet reich, Gesch. d. RZthseli. >6
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Stück Land? l0. Welche Haltung ist die wichtigste sür den Menschen? 1I,Wel. ches Gewicht muß ein Mensch haben, um nicht umzusallen? 12, Wann muß man vorsichtig sein, um sein eigenes Herz nicht zu zerbeißen? 13. Wem wäre es erwünscht einäugig zu sein? 14, Wie kann man Pillen in Wasser nehmen, ohne sich den Mund naß zu machen? I5, Welches Pflaster legt man aus keine Wunde? 1ti, Welcher Todtenkops ist lebendig? 17. Jn welchen Adern fließt kein Blut? 18. Welcher Fall thut nicht wehe? 19, Welches Leid ist jedem Menschen zu wünschen? 20, Warum soll man beim Waschen auch den Mund reinigen? 21. Womit sängt der Tod an? 22. Nach welchen Zeiten sehnt sich der Hungrige? 23. Wo fliegen Einem die gebratenen Tauben ins Maul? 24. Ein Knabe aß, und je mehr er aß, desto mehr wurde es, und als « satt war, wars er den ganzen Hausen hinweg. Was hat er gegessen? 25. Welche Augen und welche Ellen werden gegessen? 26. Welche Würste können Würste essen? 27, Wann hat man zu essen die Fülle in Hülle? 28. Wem sallen vom Wassertrinken die Augen zu? 29. Wo schmeckt der Wein am besten? 30. Wie kann man unterscheiden, was an einer Wurst hinten oder vorne ist? 31, Wie viel Stücke kann man von einem ganzen sechspsündigen Laib Brod schneiden?

32. Wie kann man im Sommer das Hammelfleisch immer srisch erhalten?

33. Die Sonne kocht es, die Hand bricht es, der Fuß tritt es, und der Mund genießt es, 34. Ausgedeckt, zwei Finger ausgestreckt, ins Loch gesteckt, wie, der zugedeckt, hat gut geschmeckt. 35. Was sindet man zur Zeit einer Theuerung jedensalls aus dem Markte? 3ti. Welches ist das theuerste Wasser? 37. Wer hat es besser, der Kassee oder der Thee? 38. Aus welchen Kelchen trinken keine Menschen, sondern nur Thiere? 39. Welche Tracht ist die beste? 40, Wie viele Hosenträger gehören zu einer Hose? 41. Welche Tracht halten die Menschen viel zu lange in der Mode? 42. Welche Mode ist hölzern? 43. Welche Tasche ist lebendig? 44. Welche Schuhe zieht man gar nie an, und benützt sie doch? 45. Welchen Hut setzt man nicht aus den Kops, sondern aus die Spitze? 46. Welche Häuser sind lebendig? 47. Welches Haus hat weder Holz noch Stein? 48. Welche Kammern sind voll Blut? 49. Jn welches Gemach begibt sich Niemand gerne? 50. Was ist vorwärts und rückwärts ein Schornstein? 51. An welchen Leitern steigt man nie hinaus, obwohl sie immer am Hause stehen? 52. Welchen Wall sindet man auch in Städten, die keine Festungen sind, 53, Aus welchem Wege geht man nicht hin? 54. Welcher vielbesahrne Weg ist ohne Staub? 55, Welche Posten sahren nicht? 56. Was hintert den Reiter aus dem Pserde zu sitzen? 57. Welches ist die beste Fahrt? 58. Jn welchen Nachen wird nicht aus dem Wasser gesahren? 59. Welches ist die höchste Straße? 60. Wer springt ohne Füße? 61. Welcher Handwerker ist der hochmüthigste? 62. Welcher Handwerker bringts am Höchsten? 63. Zu welchen Handwerkern gehören diejenigen, die an verschlossenen Häusern klingeln? 64. Zu welchen Handwerkern gehören die Blasebalgtreter und die Schnellläu, seh? 65, Welchen Schneidern vertraut man keine Kleider an? 66. Welcher Dreher handelt schlecht? 67. Welcher Handwerker verldumdet am Meisten? 68. Weicher Stand ist der seinste? 69. Jn welchen Formen bewegen sich die Soldaten? 70. Welche Ähnlichkeit ist zwischen schlechten Schützen und schlechten Malern? 7l, Welche Maler verläumden? 72. Welche Krämer bieten ihre Waare nicht zum Kause? 73, Warum ist den Gastwirthen nicht recht zu trauen? 74, Vorwärts und rückwärts, dem Mersmanne unentbehrlich. 75. Die Ersten sind ein Unterthan, die Dritte ist ein Unterthan, das Ganze ist ein Un» terthan, der von dem zweiten Unterthan wird unter den ersten Unterthan ganz unterthänigst gethan, 76, In einem Zimmer sind ein Großvater, zwei Väter, zwei Söhne und ein Enkel, und doch sind nur drei Personen in dem Zimmer. 77. Wer ist meiner Eltern Sohn und doch nicht mein Bruder? 78, Welche ist die härteste Mutter? 79, Welche Pathen sind die dauerhastesten? 80, Welche Menschen gehen aus Köpsen? 81, Welcher Mensch kommt quer in die Kirche? 82. Welcher Mann kann auch ein Kind sein? 83, Wer läßt bezahlen was er schenkt? 84. Wer hilst vorwärts und rückwärts immer in Gesahr und Noth? 85, Wer kann aus Holz Steine machen? 86. Welche Leute machen ihre Arbeit verkehrt und doch recht? 87. Wer ist der, der eine Kanne aus dem Kops trägt? 88. Wer ist der, der seine Kappe ties ins Gesicht gezogen hat? 89. Was ist sin Hausbewohner, der vom obersten Stockwerk in das unterste gezogen ist? 9». Wie kann man einen Menschen nennen, der uns mit Briesen zur Last sällt?

91, Warum wird es den bösen Buben im Walde unheimlich zu Muthe?

92. Warum können die verständigen Leute nicht schwimmen? 93. Wer kann alle Sprachen reden? 94. In welchen Köpsen haben hohe und tiese Gedanken keinen Platz? 95. Wann hat der größte Narr gelebt? 96. Wer ist der größte Gutsbesitzer aus Erden? 97. Was ist die Tasche eines Bettlers? S8. Was sind alle Menschen unter einander, jeder Einzelne aber erst nach seinem Tode? 99. Welche Aehnlichkeit ist zwischen Tagelöhnern und wohlthätigen Menschen? 1sv. Wie kann man mit schwarzer Dinte roth schreiben? 101, Wie können sich zwei Menschen zwischen ihre Nasen stellen? 102. Zweibein sitzt aus Drei» bein und melkt Bierbein. 103. Welche Ratten sind die größten? ls4. Wel» ches sind die größten Assen? 105. Vorwärts eine Ziege, rückwärts das End vom Siege. 106. Was hat keine Füße, braucht aber vier Füße um zwei Füße zu tragen? 107. Welches Fürstenthum ist eine Stütze? 108, Welche Thiers sind bei der Schöpsung zu kurz gekommen? 109, Mit welcher Angel kann man keine Fische sangen? 11s, Welche Made kommt im Haare vieler Men» schen vor? 11l. Ihr liebe Leut, was das bedeut't: hat viele Häut, beißt alle Leut'. 112. Welche Pflanzen können auch von den Blinden erkannt werden? 113. In welchem Walde muß es sehr poetisch hergehen? 114, Welcher Ast sitzt aus der Schuldank? 115, Vorwärts schwarz, rückwärts naß. 116. Was macht der, der in Schnee sällt? 117. Wornach sucht man in der Geographie, aber nicht in der Poesie? 118. Wohin gehören die Besenbinder? 119. Wo» hin gehören die Höslichen? 120. Wohin gehören die Friseure? 121. Wohin gehören die Heißblütigen? 122. Wohin gehören die Frommen? 123. Wohin gehören die Frierenden? 124. Wohin gehören die Zanksüchtigen? 125, Wo»

'hin gehören die Eierhandler? 126, Wohin gehören die Buchdrucker? 127. Wo» hin gehören die Kreditlosen? 128. Korn wird in ihnen rein gemacht, und Eines gibt mit ihnen acht. 129. Welcher Sack ist ein Mensch? 13s. Welche Windung ist die schwerste?

lAuslösungen. 1. Bon sich selbst. 2. Der Buchstabe r. 3. Der Wirbel. 4. Das Hühnerauge, denn das ist beständig aus den Füßen. 5. Nichts. 6, Drei, eine im Hals und zwei Kniekehlen, 7. Wenn man zu Pserde sitzt, 8, Mark, Kram. 9. Wenn sie im Grabe liegen. 10. Seine Erhaltung. 11. Das Gleichgewicht.


12. Wenn man das Herz aus der Zunge hat. 13, Einem Blinden. 14. Man setzt sich ins Bad, und schluckt die Pillen trocken. 15. Das Straßenpflaster, 16. Der Schmetterling, Todtenkops. (Srckinx atropos. Er hat aus dem Halse einen, einem Todtenkopse ähnlichea Flecken, daher sein Name.) 17. In den Erzadern. 18. Der Beisall. 19, Das Mitleid. 2». Damit man keinen ungewaschenen Mund bekommt. 2l. Mit dem Buchstaben T. 22. Nach Mahlzeiten. 23. Nir. gends. 24. Nüsse. 25. Die Neunaugen (Fische) und die Forellen, 26. Die Hanswürste. 27. Wenn man Wurst ißt. 28. Dem Ertrinkenden. 29. Aus der Zunge, 3«. Wenn man sie über die Schulter hängt. 31. Nur eines, denn nachher ist der Laib Brod nicht mehr ganz, 32. Wenn man die Hammel nicht schlachtet. 33. Die Traube und der Wein. 34. Der Schnupftabak. 35, Daß Alles theuer ist. 36. Das Wasser, was der Wirth in den Wein und der Advokat in die Dinte thut. 37. Der Kassssee, denn der setzt sich, der Thee aber muß ziehen. 38. Aus den Blumenkelchen. 39. Die Eintracht. 4V. Drei, der Mensch und die zwei andern Hosenträger. 41. Die Zwietracht. 42. Die Kommode. 43. Die Plaudertasche. 44. Die Hemmschuhe. 45. Den Fingerhut, aus die Spitze der Finger. 46. Die Sachsenhäuser, Schasshäuserzc. 47. Das Schneckenhaus, 48. Die Herzkammera. 49. Ins Ungemach. 50. Die Esse, 51. An den Blitzableitern. 52. Den Krawall. 53. Aus dem Herwege, 54. Der Weg aus dem Wasser. 55. Die Vorposten. 56. Der Sattel. 57. Die Wohlsahrt. 58. In den Almanachen. 59. Die Milchstraße, 6s. Das Wasser des Springbrunnens. 61. Der Schornsteinseger, dena der will immer oben hinaus. 62. Der Dachdecker. 63. Zu den Drahtziehern. 64. Zur gar keinen, .. denn sie treiben ein Fußwerk. 65. Den Beutelschneidern, 66. Der Rechtsverdreher. 67. Der Schornsteinseger, weil er Ieden, der ihm nur etwas zu nahe kommt, anschwärzt. 68. Der Anstand. 69. In Unisormen. 7». Beide tressen nicht. 71. Die Miniaturmaler, weil sie Alles verkleinern, 72, Die Kleinigkeits - und Neuigkeitskrämer. 73, Weil sie immer Etwas im Schilde ^ sühren. 74. Die Egge, 75, Der Stieselknecht. 76. Es sind Großvater, Vater ^ und Sohn. 77. Ich selbst. 78. Die Perlmutter. 79. Die Karpathen. 80. Iene, welche Nägel in den Stieseln oder Schuhen haben. 81. Das Kind, welches zur Tause in die Kirche getragen wird, 82. Wer Hermann heißt. 83. Der Wirth. 84. Der Retter, 85. Der Dreher, weil er die Steine zum Brettspiel macht. 86. Die Kupserstecher. 87. Eiu Bekannter. 88. Ein Verkappter. 89. Ein herunter gekommener Mensch. 90. Einen Briesbeschwerer. 91. Weil im Walde die Prügel wachsen. 92. Weil sie immer aus den Grund gehen. 93. Das Echo. 94. In slachen Köpsen. 95. Zwischen seinem Geburts» und seinem Sterbetage. 96. Der Tod, weil er sast in jedem Dorse ein Stück Land, den Gottesacker hat. 97. Ein Psennigmagazin. 98. Verschieden. 99. Sie beschästigen sich viel mit den Armen. 10«. Wenn man das Wörtchen „roth" schreibt. 101. Wenn sie sich mit ihren Rücken gegen einander stellen. 102. Viehmagd, Schemmel, Kuh. 103. Die Mahratten (ein Volk in Indien). 104. Die Girassen. 105. Geis. Sieg. 106. Die Sänste. 107. Anhalt. 108. Die Fische, denn sie sind beschuppt (betrogen) worden. 109. Mit der Thürangel. I l v. Die Pomade. 111. Die Zwiebel. 112. Die Brennesseln. 113. Im Odenwald«. 114. Der Gymnasiast. 1I5. Neger. Regen. 116. Einen Eindruck. 117. Nach der Länge und Breite, 118. Nach Birkenseld. 119. Nach Bückeburg. 120. Nach Harburg. 121, Nach Eisleben und Schneeberg. 122. Nach Fünskirchen und Neunkirchen, 123. Nach Osen. 124. Nach Streitberg und Hadersleben. 125. Nach Hennegau. 126. Nach Preßburg. 127. Nach Siebenbürgen, 128. Sieben. 129, Der Kossack, 130, Die Selbstüberwindung.^

H 103. Volksrätsel aus Dörsern in der Umgegend von Gießen hat Weigand in Wolfs Zeitschrift sür deutsche Mythologie, 1 Bd. 398, mitgetheilt, z. B.:

I. E Vilche von Elsenban verzird den Melier d' Melstan, den Bauer ds Roß, den Ellmann ds Schloß, den Schneirer di El nann di Schir. (Ein Vögelein von Elsenbein verzehrt dem Müller den Mühlstein, dem Bauern das Roß, dem Edelmann das Schloß, dem Schneider die Elle und die Scheere.) 2. Seald onne nan den Grond, do stied e bondiger Hond, e eaß von eller ard, eann horr'n blon bard. (Dort unten im Grund steht ein bunter Hund, er ist von.edler Art und hat einen blauen Bart.) 3. Vom Bam säil just der Huckepack, doch saß 'm «ss den Kobb die Kapp; do kom e deank medd vüier Ban, eann drnkk d' Huckepack eamm Bauch nach ham, (Vom Baume siel der Huckepack, noch saß ihm aus dem Kopse die Kappe, da kam ein Ding mit vier Füßen und trug den Huckepack im Bauche nach Hause.)

sAuslös. 1. Der Würfel. 2. Der Flachs, 3. Der Huckepack ist die Eichel, und das Ding mit vier Füßen ist das Schwein, welches die Eichel gesressen hat.s

H 106. Eine Sammlung von ein hundert und sechs und achtzig Bolksrätseln aus dem Aargau hat Rochholz in Wolfs Zeitschrift sür deutsche Mythologie, 1. Bd. S. 133 mitgetheilt, von denen einige hier solgen: 1. Vier Stamperli, vier Plämperli, zweu Horcherli, zweu Stupserli, zwei Gugguggerli, es Heuropserli, es Grasmussseli, und es Fleugewädeli. 2. Es goht zum Brunne mit, und saust und saust doch nit. 3. Vorne wie en Chamm, z'mitts wie nes Lamm, hinde wie ne Sichel; roths mei lieber Michel. 4. 's ist e chlis Chlösterli, doch goht kei Thürli dri und auch kei Fensterli, was mag's echt si? 5. Wiß wie Schnee, grüen wie Chlee, roth wie Bluet, schwarz wie ne Filzhuet. 6. Jm Früilig chum i als Büseli (Kätzchen) a, im Summer leg i zweu Röckline a, s' erst chaust (kann) mer abriße, s' zweut muesch mer abbiße, wenn du mi witt ha, 7, Wenn mes gsieht so nimmt me's ned; gsieht mes ned, so nimmt mes doch, 8. Hau se ne nit und stich se nit, leg se ab und brich se nit; mach er's unt' und obe guet, aß sies hüer wieder thuet, 9. Es goht e Jumpsere üben Rhi (Rhein), sie het eHampsle (handvoll) rothe Wi, ohne gschirr und ohne glas; sind so guet und rothet das, 10. De best Schmutz (Schmalz) chot me nit, das best Holz spalt me nit, das best Bluest (Blüthe) schmückt me nit, de best Vogel rupst me nit. 11, Roth mer i und roth mer a, s' brönnt ums Hus und zünds net a. 12. Es seit de groß Alexander, es lausid vieri mit enander: s' erst laust und wird nit matt, der zweut srißt und wird nit satt, der dritt snst und wird nit voll, die viert blofl und 's tönt nit wohl, 13. S' iß n ganze Matte (Wiese) voll, uni> gab doch ke Chratte (Korb) voll. 14, J weiß e chlises Ställeli mit viele wisse Welleli, es schneit nit dri, es isch kei Faß und doch isch 's alle wile naß, 15, Mit eime Gwalt machts warm und chalt, 16. Es schreit öppis im Holz und isch doch deheim, es leit öppis im Holz und schreit doch deheim. 17. Zwüsche zwei Beine bin i deheime, in eine Spalt isch mei Usenthalt. 18. Obe dünn und unte breit, durch und durch voll Süeßigkeit, 1S. Je meh me devo nimmt, desto größer wirds; je meh me dezue thuet, desto chliner wirds. 20, Es steht im Holz und rüest im Holz und git em keins e Antwort, 21. Der Himmel hets und d' Erd nit, d' Maidli hands und Widere nit, der Tüsel hets und ^ Soit nit. 22. E hölzigi Mueter, drü isige Chind (drei Kinder von Eisen); roth mers gschwind. 23. S' ist öppis zwüsche vier Mure und rüest alle Nach» iure, 24. Rothet hi und rothet har: bin i voll und bin i lür, isch mi Buch s Bauch Z voll Winde g'si, han i doch cheis Buchweh nie. 25. I bin von Fleisch und Bluet geborn, han aber wedder Nasen noch Ohrn, und het me mi is Eböpfli gschnittn und i die rechte Schwemmt gritte, uud lot mi denn spaziern goh, denn chan i vor Heren und Fraun b'stoh.

s Auslösungen, I, Die Kuh, 2. Die Kuhschelle. 3. Der Hahn. 4. Das Vi. b. Die Kirsche. K, Die Wallnuß, 7, Die wurmstichige Haselnuß. 8. Die Weiurebe, 9. Die Weintraube. 1«. Dünger, Weiurebe, Aehre, Biene, 1l. Die Brennessel. 12. Wasser, Feuer, Erde, Luft. 13. Der Thau. 14. Der Mund. I5. Der Hauch, 16. Das Kind in der Wiege. 17. Die Messerklinge, 18. Der Zuckerhut. 19. Das Loch. 2s, Der Psarrer aus der (hölzernen) Kanzel. 21. Der Buchstabe I.. 22. Die Heugabel, 23. Die Hausglocke, 24. Der Blasebalg. 25. Die Schreibseder.Z

H 107« Nachträglich zur deutschen Literatur wird noch ausmerksam gemacht aus solgende Rätselsammlungen: Agrionien, ein Taschenbuch sür das gesellige Vergnügen, herausgegeben von Hell, Leipz. 1811; es enthält 3«9 deutsche und 37 sranzösische Rätsel (s. tz 83). Simrock, deutsches Rätselbuch, Franksurt, ohne Jahrzahl (wahrscheinlich 1850); Mittheilungen daraus habe ich in tz 4ö, 47 und 83 gegeben. Rätsel von verschiedenen deutschen Dichtern habe ich bereits in den vorausgegangenen Paragraphen erwähnt, als: von Appel in § II; von Bürger in tz 4; von Contessa in tz 31; von Eberhard in § 4; von Haug in tz 14; von Hell in § 8, 11 und 14; von Houwald in § 4; von Kind in § 4; von Körner in tz 8, 10, 1I und 14; von Kretschmann in tz4; von Krummacher in tz 8; von Langbein in tz 4; von Maltitz in tz 14; von Müchler in tz 4; von Fr. Müller in tz 4; von Müllner in tz 34; von Schiller in tz 4 und 25; von Schreiber in tz 14 und von T iedge in tz 8. — Folgende Schristen habe ich nicht aussinden können; 8s mm er aeniAmatoArapKia, AaAäed. 1605. ^eniAmatoArapKia r?tKmiea, ein newcs Rätzelbuch durch Huldrichum Therandrum, Magdeburg 1S05 (es soll mehrere altdeutsche ins Lateinische übersetzte Rätsel enthalten).

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Fußnoten

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1 Über die verschiedenen Definitionen der Alten s, Voss, comenthar. rhetor. P. II, Marb. 1781, Lib. IV, §5. Oselius ^aKaßniuus, sper. Lasil. 1544, p. 44, Delrio, ugagislia saora , 1', I. I^ugä. 1U12. ?rvlog. p. VII. Lireber, oe^ipus aogWtiaons, ?on>. H, Rvm. 1L53, Olass. I, Osp, 4,

2 Geschichte der poetischen Nationalliteratur der Hebräer, Leipzig I856, S. 164.

3 Poetischer Hausschatz des deutschen Volkes, 6. Aufl. Leipzig 1844, S. 1138.

4 Kurz, Handbuch der poetischen Nationalliteratur der Deutschen; dritte Abteilung, Zürich, 1842, S. 279

5 Dass dem Rätsel eine poetische Bedeutung nicht abgesprochen werden kann, ist klar. Wackernagel (in Haupts Zeitschrift s. deutsches Altertum, 3. Band, S. 25) sagt ganz richtig: Versinnlichung des Geistigen, Vergeistigung, des Sinnlichen, verschönende Erhebung dessen, was alltäglich vor uns liegt, alles das gehört zum Wesen des Rätsels, wie es zum Wesen und den Mitteln der Poesie gehört.

6 Sehr viele sind gesammelt in der Schrift von Enslin, die ich noch in $104 erwähnen werde

7 das ist Stein, Kiesel, Sand

8 Zeichen heißt in der Waidmannssprache beim Hirsch das, woran man ihn spürt; Himmelszeichen das, was er in der Höhe, an den Bäumen, deren Laub er streiset, lässt

9 gleichbedeutend mit Ast

10 das st seine Atzung, sein Futter

11 das heiße "besinne ich mich recht", man sagt auch "ist mir anders recht"

12 nämlich im Mutterleibe. Ein ähnliches deutsches Rätsel fragt: "Wer hat den Wolf über den Berg getragen?" – Die Wölfin

13 In der altdeutschen Sprache heißen Frauen nicht alleine die schönen, sondern auch die klugen, weisen: die weisen, wahrsagenden Frauen, die schönen Göttinnen Nornen, die die Lebenszeit der Menschen bestimmen, die kluge Göttin Gnotra mit holdseligen Gebärden in der skandinavischen Mythe, u.s.w.

14 Rätsel von Schiller kommen auch in seiner "Turandot" vor, die ich noch in § 25 erwähnen werde

15 Zu bemerken ist, dass fast in allen Ausgaben von Schiller sich der Druckfehler „nur" fortgepflanzt hat. Dass „nie" den richtigenSinn gibt, wird sich aus der Auslösung ergeben.

16 Es ist dieses eine Nachbildung eines altern deutschen Rätsels:

Es ist die wunderschönste Brück,
Worüber noch kein Mensch gegangen;
Doch ist daran ein seltsam Stück,
Dass über ihr die Wasser hangen,
Und unter ihr die Leute gehn
Ganz trocken und sich froh ansehn,
Die Schiffe segelnd durch sie ziehn,
Die Vögel sie durchfliegen kühn;
Doch stehet sie im Sturme fest,
Keinen Zoll noch Weggeld zahlen lässt.

17 Der Phönix ist ein mythischer Vogel der Ägypter, welcher, wenn er 500 Jahre alt ist, einen Scheiterhausen baut, sich aus demselben verbrennt, und ans seiner Asche wieder verjüngt hervorgeht.

18 Die Horen sind die Göttinnen der Witterung, insofern sie die in atmosphärischen Veränderungen sich kundgebenden Jahreszeiten bezeichnen, Sie geben durch Regen und heiteres Wetter den Feldfrüchten Gedeihen, und besorgen auch das Weg- und Vorschieben des dichten Gewölkes, welches den Eingang in den Olymp bedeckt, Sie werden als schöne Jungfrauen, gewöhnlich im Reigen, was den Kreislaus der Zeit andeutet, dargestellt; öfters sind sie auch, die Erzeugnisse der einzelnen Jahreszeiten tragend, dargestellt.

19 Die schöne Erscheinung des Regenbogens hat Schiller ähnlich in seinem Gedichte „die Gunst des Augenblickes« geschildert:

Wie im hellen Sonnenblicke
Sich ein Farbenteppich webt,
Wie aus ihrer bunten Brücke
Iris durch den Himmel schwebt.

20 Flora ist die Göttin der Blumen und Frühlingsgöttin. Cvthere ist ein Beiname der Göttin der Schönheit Aphrodite, von der Insel Cvthera, wo sie, die aus Meeresschaum Geborene, zuerst landete, und die ältesten Tempel hatte.

21 Oedipus aegyptiacus, Tom. II, Rom. 1653. Class. I, Cap. 4.

22 Die im Totenreiche wohnenden Rachegöttinnen in der griechischen Mythologie, welche die Verbrechen strafen, Sie sind das Symbol der aus jede Freveltat folgenden Straft des bösen Gewissens, und vorzüglich des Fluches, der aus jedem Frevel lastet, der die heiligsten Pflichten der Menschen verletzt.

23 Von den Logogriphen der Perser ist eigens in §58 die Rede

24 Es ist dabei das unsinnigste Zeug vorgekommen. So steht bei Athanas, Kircher (oedipus aegyptiacus, Tom. II, Rom. 1653, Class I, Cap. 4): „aIpi pen ca ba tothabet ninas, quot habet gras", d.h. „aIba pica pennas tot habet, quot habet nigras".

25 Von der Logogriphensammlung von Reusner ist in §95 die Rede

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