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Robert Franz Arnold

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Robert Franz Arnold

Robert Franz Arnold (Levissohn) (* 27. Nov. 1872 in Wien; † 24. Jan. 1938 ebenda) war Professor für Literatur in Wien, Bibliothekar, Literatur- und Theaterwissenschaftler. Seiner Beschäftigung mit dem Kunsträtsel entstammen die Anthologien »Das Labyrinth« (1825) und »Der Irrgarten« (1828).

Siehe auch: Wikipedia, Wikisource, Deutsche Biographien, Österreichisches Biographisches Lexikon, Wien Geschichte Wiki

 

Das Labyrinth

333 neue Rätsel
von Robert Franz Arnold und Heinrich Joseph

Steyrermühl-Verlag, Wien, , 93 Seiten
333 Originalrätsel von R. F. Arnold. und H. Joseph ohne Lösungen in der Tradition von Franz Brentano.
 

Der Irrgarten

333 deutsche Rätsel.
Ausgewählt, nachgewiesen u. eingeleitet von Robert F. Arnold

Österreichischer Bundesverlag, Wien, , 179 Seiten
Sammlung von 333 Rätseln bekannter und weniger bekannter Autoren, darunter viele Erstveröffentlichungen. Alle Lösungen sind auf einem losen Beiblatt angegeben; zu allen Rätseln gibt es detaillierte Quellenangaben.
 

Die Folterkammer

333 neue Rätsel

Krystall-Verlag, Wien, , ? Seiten
Dieses Buch ist möglicherweise nie erschienen; Arnold ist 1938 gestorben. Eine Ankündigung des Verlags findet sich in Walther Horwitz Büchlein »Turandot« von 1937. Wir haben nirgendwo sonst einen bibliographischen Hinweis auf dieses Buch finden können.
 

Rätsel von Franz Arnold aus "Der Irrgarten"

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Nr. Erste Zeilen des Rätsels Ref SW
1007 In allen Farben spielt's, allein du irrst, mein Sohn,   B
1029 Ein Richter, welcher, weil man ihn bestach, gerechtes   B
1038 Als t, ein junger Mann, sich härmte, dass nur für s Si-19 B
1049 Dank, tiefster Dank, viel Menschenalter schon Ziemt R-93 B
1057 Ein Schachbrett, welchem Turm und König fehlt, Ein   BS
1065 Galeerensklaven, sagt man, gibt's heute nicht. V B
1078 Du warst, o Weib, und wirst, was ich V B
1085 Mit ihm verlangte der Verleger als Kläger, Man stell'   BS
1087 Sobald der Schnee zergangen, Gewahrt man sie mit R-90 B
1093 Er spricht wenn alle Stimmen schweigen, um   BS
3102 Wer es ist, der hat nicht viel zu sagen, Wer es hat, R-87  
3114 Ein paar Hände und zwei Paar Flügel, Drei paar R-91  
3136 Der schrecklichste Komplex, den Freud entdeckt H-35  
3158 Dies Blatt des unverfrornen Stümpers sieh Und dies H-42  
3190 e, Tief erschüttert durch der Menschheit Weh, Hat als L-23  
3212 Das, was Thron und Altar erschüttert, guillotiniere: L-39  
3228 Eins war der Wein und floss in Strömen, gold und rot, S-69  
3256 Von Erstem dies sich sagen lässt: 's ist weder Si-20  
3283 Hat einer Zwei in vielen Exemplaren, So wird er Si-18  
4611 Von länglicher, gerundeter Gestalt, Tauch ungefähr R-88  
4628 Tust du's dir selbst, so lobt man dich als sparsam, H-36  
4633 Trennt man die Worte, hört ihr ein Gebot, Das nie Hi-06  
4660 Dramatiker und Drama wohlbekannt, Zugleich zwei H-41  
4666 Die – selber ließ ihn auch im Stich, Auf Gott allein A-09  
4675 Vorwärts nenn ich in Latiums Rede die Zierde des P-13  
4689 Erste Silben Landwirts zweite laben, Doch bedaur' ich S-68  
4710 Wörter sollen drei beisammen stehn, Erst ein Ort, wo Si-13  
4726 Mit g ein Staat, wo Fried' und Glück im Bund; Mit l L-26  
4731 Als, um zu rächen der Erschlagnen Blut, Dicht hinter L-31  
4758 Die gute Hausfrau weiß in allen Zweiten Noch immer Si-17  
4765 Des Liebsten Vater und des Liebsten Frau. Für beide H-39  
4773 Der vereint getrennt. Sein letztes Wort: Hier die Hi-09  
4781 A: manchen Pilgers Ziel, von Sünden rein, E: heilig L-37  
5802 »Immer höher muss ich steigen,« Rufst du, wie R-89  
5824 Mit a ist's höchsten Gottes Attribut, Mit e vergießt's, L-29  
5846 Wie sie etwa vor fünfhundert Jahren Waren, Wird -H38  
5868 Der an die Großstadt ich geschmiedet bin, Nenn' ich's -L30  
5890 Eins, Zwei getrennt gehört ins Pflanzenreich Und wird Hi-08  
5901 Eins kriegt der schale Witzling oft zu hören Und darf S-67  
5923 Mit W besonders häufig bei den Jungen, Bevor sie L-34  
5945 Erstaunen ruft hervor den Ton Des Ersten oder auch Si-08  
5967 Nach dem mit b geschriebnen Worte Begehrt L-24  
5989 Eins nennt modernsten deutschen Dichters Stück, Si-15  
    R-92  
    L-28  
    H-37  
    L-33  
    Hi-07  
    L-25  
    P-14  
    Si-09  
    L-36  
    Si-14  
    L-27  
    H-40  
    L-32  
    Hi-10  
    L-35  
    Si-16  
    L-38  

Nr. ist die Nummer der Rätsels hier bei uns;

Ref ist die Nummer des Rätsels in Der Irrgarten von 1928.

SW zeigt an, in welche moderne Sammelwerke das Rätsel aufgenommen ist: S = Volker Schupp (Deutsches Rätselbuch), B = Hans Bauer (Rätsel der Weltliteratur)

Im Irrgarten und im Labyrinth sind die Rätsel kapitelweise nummeriert; in X-nn steht das X für: A = Anagramm, B = Buchstabenrätsel, H = Homonym, Hi = Homoinym, P = Palindrom, R = Wort/Sach/Sinnrätsel, S = Scharade, Si = Scharadoide, V = Vorwort.

Rätsel von Berta Arnold aus "Der Irrgarten"

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Nr. Erste Zeilen des Rätsels Ref
    A-06
    A-07
    A-08
    R-86
    S-67
    Si-08
    Si-09
    Si-10

Rätsel anderer Verfasser in "Der Irrgarten"

* = Erstveröffentlichung; ↑= externer Link

Bittkow, Theophil (1813-1880): R74

Brechler, Otto (1885-1951): Hi13*, S71*

Brentano, Franz: R78, R79, R80, S58, S59, S60, Si3, Si4, Hi4, Hi5, B18, B19, B20

Buttmann, Philip: S10, S11

Castelli, Ignaz Franz: R51, R52, R53, R54

Contessa, Karl Wilhelm: R44

Crüwell, Gottlieb August: R85

Eberhard, Christian August Gottlob: S22, R43

Eisenschitz, Emil (1870-?): Si7*, B21*, H30*, H31*, S61*, S62*

Enk von der Burg, Michael:  P1, S31, S32, S33, S34, S35

Fechner, Gustav Theodor:  R63, R64, R65, R66, R67, S46, S47, S48, S49

Follen, Adolf Ludwig: R61

Franz, Agnes: S44

Freytag, Philipp: H3, P10

Geibel, Emanuel: R76

Gilm, Hermann von: S54

Glaßbrenner, Adolf: B14

Goethe, Johann Wolfgang von: R1, R2, R3, R4, R5, R6, R7, S1 (das Original von R6 wird Alexis von Thurium zugeschrieben)

Grillparzer, Franz:  S36

Güll, Friedrich Wilhelm: R73

Harrys, Georg: H9

Hauff, Wilhelm: H23, B12, P6

Haug, Johann Christoph Friedrich:  R30, R31, R32, R33, R34, R35, A1, B4, S7

Hebbel, Friedrich: R75, S55 (Autorenschaft unsicher)

Hebel, Johann Peter: R22, R23, R24, R25, R26, R27, R28, R29, H1, H2, H3, B2, B3, S3, S4, S5, S6, Si1

Heine, Heinrich: S44, S45

Hell Theodor: s. Winkler.

Heyse, Paul: H27

Hörler, Olga: R84*

Hoffmann von Fallersleben, Heinrich: R63

Houwald, Ernst Freiherr: R45, R46, S24, S25, S26, S27, S28

Humboldt, Wilhelm von: R39, R40, R41

J. B. v. K: B11

Jacobs, Christian Friedrich Wilhelm: R83

Jellinek, Max Hermann: Si5*, Si6*

Immermann, Karl: R60

Jordan, Wilhelm: R77

Joseph, Heinrich:  H43, H44, Hi11, Hi12, A10, A11, A12, A13, A14, A15, A16, A17, B40, B41, B42, P15, P16, Si21, Si22 [ÖBL] [†1941]

Kafka, Gustav (1883-1853): H45, S70

Kannegießer, Karl Ludwig: R48

Kerner, Justinus: R50

Kind, Johann Friedrich: R42

Körner, Theodor: H21, H22, A2, B6, B7, B8, P2, S37, S38, S39, S40, S41, S42

Kügelgen, Wilhelm von: H24

Kuffner, Christoph: S29

Langbein, August Friedrich Ernst: R8, R9, S2

Lenau, Nikolaus: s. Niembsch

Levitschnigg, Heinrich von:  R72 (Zeile 5–8 weggelassen).

Loewicke, Robert: R82, R83, B17

Ludwik, Wilhelmine (1885-?): H46*, S72*, S73*, Si23*

Maltitz, Gotthilf August von:  A4

Matthisson, Friedrich von: S8

Mises, Dr.: s. Fechner.

Möbius, Paul: R81, H26, B15, B16, P8, P9, S57

Mörike, Eduard: R68, R69

Moltke, Max: P8

Müchler, Friedrich Karl: R36, R37

Neuffer, Christian Ludwig: H8

Niembsch (Lenau): S50

Oettinger, Eduard Maria: S52, S53

Paul, M.: s. Möbius.

Pfizer, Gustav: H25

Pick, Georg: A5*

Platen, August Graf von: R62, B9, B10, P5

Pollak, Valentin (1871-?): Si11, Si12

Raimund, Ferdinand: R59

Reinick, Robert: R71

Robert, Ludwig: R47

Rückert, Friedrich: R55, R56, R57, H10, H11, H12, H13, H14, H15, H16, H17, H18, H19, H20, B5

Schiller, Friedrich: R10, R11, R12, R13, R14, R15, R16, R17, R18, R19, R20, R21

Schleiermacher, Friedrich: H4, H5, H6, H7, Hi1, S12, S13, S14, S15, S16, S17, S18, S19, S20, S21

Scholz, Wilhelm von (1864-1969): R94

Schopenhauer, Arthur: R58

Schreiber, Alois Wilhelm: S9

Seidl, Johann Gabriel: R70

Sonnleitner, Alois Theodor: A29*

Sperber, Hans (1885-?): Hi14*

Spitteler, Carl (1845-1925): H28

Tagfrey: s. Freiitag.

Thiersch, Heinrich: S56

Tiedge, Christian August: B1

Towska, Kory (1868-1930): H32, H33, H34, B22, S63, S64, S65

Uhland, Ludwig: S30

Viehoff, Heinrich: P3

Vischer, Friedrich Theodor: Hi2, B13, S51

Willemer, Marianne von: R49

Winkler, Karl Gottfried Theodor: S23

Wolff, Hedda (1900-1991): S77, S78

Wolff, Karl (1890-1963): S74, S75, S76, Si24, Si25

Zohner, Alfred (1903-1967): S79*

Anmerkungen des Herausgebers

Die langen Texte der Vorwörter zu Arnolds Büchern besteht aus wenigen, seitenlange Absätzen; wir haben ihn in kürzere Absätze untergliedert, um die Lesbarkeit zu verbessern. Fußnoten 1) haben wir in Endnoten umgewandelt und verlinkt. Fußnoten (Anmerkungen) von uns sind mit ] gekennzeichnet, z.B. 1]

Vorwort zu "Das Labyrinth"

Wenn wir es unternehmen, eine Rätselsammlung herauszugeben, so bedarf das erklärender Rechtfertigung nach zwei Seiten hin. Obwohl nicht einzig dastehend, könnte doch manchen die Tatsache eigentümlich berühren, dass zwei Angehörige gelehrter Berufe sich mit einer immerhin an das Spiel streifenden Angelegenheit befassen, die, von außen angesehen, höchstens mit der Lebensausgabe des einen von ihnen, des Literaturhistorikers [d. i. Arnold], eine flüchtige Beziehung aufweist, schwerlich aber sich in einen Zusammenhang mit der Zoologie bringen lässt [d. i. Joseph].

Wir dürfen uns indes auf das allgemeine Menschenrecht, das jedermann die Zucht harmloser Steckenpferde zubilligt, berufen und, mit dem gebührenden Gefühl der Distanz, aus nicht wenige rätseldichtende Gelehrte vor uns, unter ihnen auch solche hohen und höchsten Ranges, auf Schopenhauer etwa, Thiersch, Buttmann, Schleiermacher, Fechner, Hermann Grimm, Fr.-Th. Vischer und Brentano. Namentlich dieser, einem von uns persönlich befreundet, hat mit seinem köstlichen »Aenigmatias« uns beiden eine so kräftige Anregung gegeben, dass wir uns in dieser Hinsicht als seine Schüler betrachten dürfen. Doch hätte das Beispiel jener Großen allein uns gewiss noch nicht zum Schritte in die Öffentlichkeit ermutigt; der eigentliche Anstoß kam aus engerem und weiterem Freundeskreis, der sich schon seit Jahren an vielen unserer Rätsel ergötzte und mit anerkennender Ermunterung nicht kargte, ja immer wieder die Drucklegung verlangte.

Freilich müssen wir zur Vermeidung von Missverständnissen einen deutlichen Strich zwischen uns und gewissen Erscheinungen von heute ziehen. Die jetzt umgebende Rätselepidemie hat eine Anzahl von Rätselarten in den Vordergrund allgemeinen Interesses gerückt, die zwar als angenehmer und spannender Zeitvertreib, bei dem man auch mancherlei lernen kann, in weitesten Kreisen einer geradezu fanatische Begeisterung ausgelöst haben, die aber doch an Gehalt und Form mit dem, was wir unter Rätsel verstehen, nicht in eine Linie gestellt werden dürfen.

Ein wertvolles Rätsel, welcher Art immer, setzt bei dem Leser und Löser unter anderem eine gewisse Summe von allgemeiner Bildung, Sprachverständnis, Kombinations- und Assoziationsgabe voraus und soll durch gefällige, womöglich originelle Form ästhetische Forderungen befriedigen, durch witzig konstruierte Schwierigkeiten der dem Denkenden Menschen innewohnenden Neigung zur Überwindung solcher entgegenkommen. Um also jeder Enttäuschung vorzubeugen, betonen wir, dass die von uns zu stellenden Aufgaben von durchaus anderer Qualität und Tendenz sind, als beispielsweise die neuerdings in allen Ländern und Schichten rasch beliebt gewordenen Kreuzworträtsel und ähnliche mechanisch herzustellende und aufzulösende Spielarten.

Was die Kategorien unserer Rätsel betrifft, so sind einzelne so allgemein bekannt, dass eine Erklärung entfallen kann. Die edelste, zugleich auch für Verfasser und Löser schwerste Form, das Rätsel in eigentlicher Bedeutung (Sinnrätsel), wie es sich auch als klassisches Beispiel bei unseren größten Dichtern findet, gehört hier an erste Stelle. Es gestattet und erfordert eine möglichst geistreiche Einkleidung, Umschreibung und Vergleichung und verzichtet auf jene sprachlich-technischen Hilfen, wie etwa anderen Arten (Scharade, Buchstabensrätsel usw.) zu Gebote stehen.

Was mit einer Scharade gemeint ist, darf als allgemein bekannt vorausgesetzt werden. Dies gilt nicht von den Scharadoiden (unseres Wissens von Brentano zuerst ersonnen und benannt); sie unterscheiden sich von den Scharaden durch die nicht silbenmäßige Teilung des zu ratenden Wortes. Brentano selbst illustriert an einem Wort sehr einfach und treffend den Unterschied: Eidotter gibt die Scharade Ei+Dotter und die Scharadoide Eid+Otter.

Eine schwere formelle Belastung der Scharaden und Scharadoide bildet die meist als obligat betrachtete Anführung der Silben nach Zahl und Ordnung innerhalb des Rätseltextes. Brentano stellt die erforderlichen Angaben voran, und wir vereinfachen das Verfahren noch weiter durch eine Art mathematischer Formel. Wenn es etwa bei uns heißt: 1+1+2, so bedeutet das so viel wie bei Brentano »3 Teile, die ersten beiden von einer, der letzte von zwei Silben«, wobei es ganz gleichgültig bleibt, ob von Scharade oder Scharadoide von natürlichen oder durch einen Einschnitt wie zwischen Eid und Otter künstlich erzeugten Silben die Rede ist. In den selteneren Fällen, wo ein Scharadoid-Teil vokallos ist, wird dies entsprechend angezeigt, etwa so: »Drei Teile, das Ganze zweisilbig«.

Den Homonymen (zwei oder mehrere Bedeutungen bei gleichem Wortlaut, zum Beispiel »Bogen« als Waffe, als geometrische Form, als als Maß) stehen bei Brentano die Homoionyme nahe, bei welchen die Teilung des Wortes (gewöhnlich gekennzeichnet durch »vereint« oder »getrennt«) in zwei oder mehr Stücke ein anderer Sinn erzielt wird: zum Beispiel »Meineid« und »mein Eid«; auch Wörter, die verschiedenes Geschlecht (zum Beispiel der und die Hut) oder verschiedene Betonung annehmen können (Erlangen, erlangen), dürfen Gegenstände des Homoionyms werden.

Unter Palindromen verstehen wir nicht allein (im Sinne einer gelegentlich auftauchenden engeren Definition) Worte, die von vorn und hinten gelesen gleichlauten, zum Beispiel »neben«, sondern Worte, die nach beiden Richtungen gelesen überhaupt irgendeinen, wenn auch verschiedenen Sinn ergeben, etwa »Gras« — »Sarg«.

Bei Buchstabenrätseln wird immer an Ort und Stelle angegeben, welche Operationen vorzunehmen sind, zum Beispiel Änderung der Anfangsbuchstaben usw.

Für eine Rätselform sei hier ein unzweideutiger Name im vorhinein festgelegt. Es ist jene, bei welcher durch Umstellung und unter Verwendung aller Laute eines Wortes (oder mehrerer) neue Worte gebildet werden sollen (einfaches Beispiel: Erbe, Rede, Eber) Von den beiden hiefür gebräuchlichen Namen »Anagramm« und »Logogriph« wählen wir den ersten, der uns bezeichnender und bisher eindeutiger angewandt erscheint, während »Logogriph« oft im Sinne unserer »Buchstabenrätsel«, auch wohl indem einer bestimmten Varietät dieser Gattung gebraucht, wird.

Von Anagrammen findet sich in unserer Sammlung eine vielleicht neue Spielart (vergleiche Seiten 39, 40), die in gewisser Beziehung eine Erleichterung für den Löser bedeutet. Die durch Umstellung der Laute gewonnenen Worte sind in die durch Gedankenstriche markierten Textlücken so einzufügen, dass sie den Sinn des Textes und sein Metrum ergänzen. Man hat also in der leicht erschließbaren Silbenzahl  und Betonung einen Anhaltspunkt mehr für die Lösung. Und auch der – sagen wir einmal – Dichter hat's manchmal leichter. Er erspart sich umständliche Beschreibungen des Erfragten und überlässt es dem Inhalt des lückenhaften Textes, den Leser auf die Spur zu helfen.

Wir haben das Material nach den Kategorien geordnet  und dabei unsere beiden Anteile selbstverständlich gemischt. Auch fehlt im Text selbst die Anführung des jeweiligen Autors. Eine tabellarische Übersicht auf Seite 93 trennt die Beiträge nach Autoren. Vielleicht bietet es jedoch jenen Lesern, die einen von uns oder beide persönlich kennen, eine erwünschte Verschärfung der Aufgabe, auch den Verfasser zu erraten. Dass wir hier der Sammlung keine Lösungen beigeben bedarf wohl nicht erst der Berufung auf Brentanos Beispiel.

Wien, Juli 1925
Arnold — Joseph

Vorwort zu "Der Irrgarten"

Noch vor wenigen Jahren, ehe uns eine von Amerika und England ausgehende Welle erreichte und überschwemmte, fristete das kümmerliches, kaum bemerktes Dasein — auf der letzten Seite harmloser Familienjournale, bei einzelnen Verehrern Schleiermachers oder Brentanos, in den Lesebüchern der unteren Schulklassen und überhaupt dort, wo Kinder waren; die Kinderstube war sein Altersheim geworden. Aber aus diesem ist es nun triumphierend hervorgekommen und spielt derzeit eine Rolle wie gewiss seit der Urzeit niemals. Nur wenige Tagesblätter und Zeitschriften können sich seiner noch erwehren; nicht eine Zeitung, nein, fast ein Dutzend befasst sich nur allein in Wien ausschließlich mit diesen »Schleifsteinen des Verstandes«, namentlich mit der besonders modischen Gattung des Kreuzworträtsels. Jeder Tag gebiert hunderte dieser schwarz und weiß geschachten Quälgeister; Hunderttausende, vielleicht Millionen mühen sich um die dem Löser winkenden Ehren und Preise; in Amerika gibt es natürlich schon Rekords und Champions, dort und hier eigene Kreuz-Wörterbücher; Herren und Damen gehen als Kreuzworträtsel verkleidet auf den Ball, die Reklame bedient sich wirksam des Frag- und Antwortspiels, ja in Ungarn hat ein armer Teufel sogar seinen Abschied von der Welt in diese zeitgemäße Form gekleidet.

Der Grund solcher Erscheinungen, die natürlich auch nicht ewig dauern, sondern wie jede Mode abflauen und verschwinden werden 1] liegt offen zutage: in dem Rätsel hat die Menschheit der Nachkriegszeit 2] ein vorzügliches und dabei fast kostenfreies Mittel gefunden, sich von der Betrachtung ihrer eigensten Angelegenheiten, von den ungezählten Sorgen des Einzelnen, des Familiengliedes, des Staatsbürgers usw., von dem Brüten über einer schmerzlichen Vergangenheit, von dem Ausblick in eine geheimnisvolle Zukunft abzulenken.

Ähnlich wirken nun freilich auch Spiel und Tanz und Sport — und auf sie alle haben sich unsere Zeitgenossen mit Leidenschaft gestürzt; aber diese Vergnügungen kosten Geld und, was auf dasselbe herauskommt, Zeit, überdies kann ja nicht jedermann ihre an den Körper gestellten Forderungen erfüllen.

Auch die Kunst, zumal die Musik, auch die Wissenschaft, zumal die Philosophie, üben — freilich auf weit höherer Ebene — eine ähnliche Kraft des Sorgenbrechens aus; allein wie gering ist im Verhältnis zur Gesamtzahl der seelisch und leiblich Gequälten die Zahl derer, die den Tröstungen dieser erhabenen Göttinnen zugänglich sind!

Nein, mit dem Rätsel kann doch vorläufig nichts wetteifern. Sein geringer Umfang — immer nur wenige Worte oder Sätze oder ein leicht übersehbares Bild — macht es zum bequemsten Begleiter auf allen Wegen und Fahrten des gehetzten Großstadtmenschen; es bedarf nicht erst einer besonderen Stimmung; es beschäftigt fast immer zugleich die Phantasie und den Verstand, häufig auch unser Gedächtnis auf das angenehmste; es lässt uns den anscheinend erstaunlichen Umfang unserer Bildung vergnügt überschauen und gewährt sogar, ist das Problem nur entsprechend schwer, bei der Lösung ein Gefühl, das dem des Glücks nicht allzu ferne steht. Vor allem aber: so lang uns die Sphinx in ihren Löwenklauen hat, ob wir nun Rätsel lösen oder gar selber welche machen, sind alle Sorgen vergessen. Und nichts begehren die Menschen, zumal die älteren, heute so sehr.

Aber so modern und zeitgemäß diese kleinen Dinger in Vers und Prosa, in Linien und Bildern aussehen, dennoch handelt es sich bei ihnen um eine alte, eine ururalte Betätigung menschlichen Geistes, um eine literarische Form, die wir so wie Märchen und Sprichwort schon in der Wiege des Menschengeschlechtes suchen müssen. Sie begegnet uns in den ältesten mündlichen und schriftlichen Überlieferungen der jetzigen Kulturvölker und überall schon als etwas Althergebrachtes, sehr wohl Bekanntes; sie begegnet uns fast ausnahmslos bei den sogenannten primitiven, bei den Barbaren der Gegenwart, z. B. in besonders schönen Exemplaren im Süden, Westen und bei den Mischvölkern im Norden Afrikas. So gut wie nie und nirgendwo fehlen und fehlten diese Fragen, die eine Sache, einen Vorgang, ein Wort, kurz irgend etwas dunkel umschreiben oder beschreiben, ohne es zu nennen; der, welcher zuhört, übernimmt gewissermaßen wie eine Pflicht die Aufgabe, jenes geheimnisvolle Etwas herauszukriegen, daher man im Deutschen treffend vom »Aufgeben« der Rätsel spricht.

Man stelle sich nur den Vorgang beim primitiven Rätsel recht dramatisch vor: der eine, der Aufgabesteller, hat das Rätsel ersonnen oder irgendwoher übernommen, jedenfalls erfreut er sich, wenn er es nun einem anderen »aufgibt«, des herrlichen Gefühls geistiger Überlegenheit, das so lang anhält, als der andere sich den Kopf zerbricht. findet dieser nun aber endlich oder gar schnell die Lösung, dann ist der Triumph auf seiner Seite, nun kann er lachen, und wer zuletzt lacht, lacht bekanntlich am besten. Der Vorgang nimmt häufig das Wesen einer Wette oder eines Glückspieles, oft mit hohem Einsatz, an.

In unseren bescheidenen Verhältnissen winkt dem Löser eines Kreuzworträtsels oder vielmehr dem Glücklichen, den der Notar aus einer Schar von Lösern herauslost, eine Fahrt auf den Semmering 3] oder ein halbes Dutzend Seidenkrawatten oder ein Jahresabonnement — und die Schriftleitung, die die Preise ausgesetzt hat, weiß ohnehin von vornherein, dass sie sie hergeben muss; wem, ist ihr gleichgültig. Aber in der primitiven Zeit, wie sie sich uns in Mythen und Märchen abspiegelt, ging es nicht so harmlos zu. Wer das berühmte Rätsel der Sphinx (was geht morgens auf vier, mittags auf zwei, abends auf drei Beinen?) nicht löst, wird von dem Ungeheuer getötet; dies aber verübt — wie in einem amerikanischen Duell — Selbstmord, als Ödipus das Rätsel in der bekannten Weise löst.

In wie vielen Märchen ersichtlich uralten Stammbaumes ist an die Lösung von Rätselfragen (gewöhnlich sind es ihrer drei) irgend eine wertvolle und folgenschwere Belohnung geknüpft, Z. B. die Herrschaft über ein Reich, die Hand einer Prinzessin, die Befreiung eines Verurteilten. Aber im entgegengesetzten Fall, wenn die Rätsel ungelöst bleiben, droht der Tod — also Rätsel auf Leib und Leben, »Halsrätsel«, eine Vorstellung, die uns allenthalben, etwa in den Liedern der Edda, in der altisländischen Saga, in der von Schiller übersetzten italienischen Komödie Turandot begegnet, die ihren Stoff aus einem persischen Märchen schöpft. 4) Was ein richtiger Märchenprinz ist, wird die Rätsel natürlich immer lösen; hat ja doch das Märchen überhaupt eine große Vorliebe für geistige Leistungen gegenüber roher Kraft, für den Triumph des aufgeweckten Knirpses über einen Tölpel von Zyklopen.

Nahe verwandt mit dieser uralten Geltung des Rätsels als eines geistigen Zweikampfs ist eine andere, besonders bei den alten Indern reich entwickelte Erscheinungsform. Sobald ein Volk zur Kultur aufsteigt, entwickelt es auch einen Kultus. Zu jedem Kultus gehören Bräuche, Formeln, Symbole, Zeremonien, aber nur eine kleine Minderheit der jeweiligen menschlichen Gemeinschaft kennt den Sinn, die tiefere Bedeutung des Rituals, die Laien aber wissen nicht Bescheid. Eine eigene Form des indischen Rätsels, bereits in den Veden 5] schriftlich festgelegt, bewegt sich in katechetischen Fragen nach der Bedeutung verschiedener Zeremonien, insbesondere beim Opfer, und die richtige Antwort erfolgt in der Regel durch die Ausdeutung eines Gleichnisses, etwa so wie in der Bibel die Träume Pharaos von den mageren und den fetten Kühen, die Rätsel- reden Simsons ausgelegt werden oder wie selbst in unseren Tagen viele Menschen in ihren Träumen irgend einen Sinn suchen, sei es durch deren mechanische Gleichsetzung mit Lotterienummern, sei es (poetischer und sinnvoller), indem sie in den bunten Bildern des Traumes ein Gleichnis irgendwelcher Vorgänge, namentlich der Zukunft, vermuten.

Wer »an Träume glaubt«, dem gibt schließlich fast jeder Traum ein Rätsel auf, denn jeder scheint etwas zu bedeuten. Aber was? Hier muss die Phantasie die Brücke zu seiner Deutung oder Bedeutung schlagen, weil sich die Möglichkeiten der Traumwelt nicht übersehen lassen. Wer aber sind in primitiven und altertümlichen Verhältnissen die berufenen Traumdeuter?

Wieder die Priester, denen ja auch die Rätsel des Kultus und seiner Symbole zu deuten obliegt — dieselben Priester, die nicht nur Rätsel lösen, sondern auch in der Form dunkler Weissagungen (wie die der Pythia oder der Propheten des Alten Bundes) aufgeben. Und so verliert sich auch beim Rätsel, dieser bescheidenen literarischen Form, wie bei den hohen Gattungen der Lyrik, des Epos, des Dramas die Spur oder mindestens eine Spur, wenn man sie nur weit genug zurück verfolgt, in den Kultus der Urzeit, in das frühe Verhältnis des Menschen zu seinen Dämonen oder Göttern.

Ganz unmöglich ist es, hier außer dieser einen (allerdings der wichtigsten) vorgeschichtlichen Wurzel des Rätsel noch alle anderen auszugraben. prägen wir uns jedenfalls die Tatsachen außerordentlich hohen Alters und außerordentlich weiter Verbreitung ein; denken wir uns alles, was der menschliche Geist (zumeist ohne jeden literarischen Ehrgeiz) auf diesem Gebiet geschaffen hat, als eine Einheit, zum allergrößten Teil mündlich verbreitet, uns daher nur zum kleinsten Teil erhalten; stellen wir fest, dass die Gattung, wenigstens was Umfang, Technik, auch einen großen Teil der Stoffe betrifft, sich von der Urzeit bis auf die Gegenwart eigentlich nicht sehr verändert hat — und suchen wir nun in das Wesen und zugleich in das Werden des Rätsels einzudringen.

Einfache Beispiele werden gute Dienste leisten. Ein vielleicht bis in die arische Urzeit, jedenfalls tief in die germanische Vergangenheit zurückreichendes Rätsel lautet in einer weitverbreiteten Fassung etwa folgendermaßen:

Es kam ein Vogel federlos,
Setzte sich auf den Baum blattlos,
Da kam die Maid mundlos
Und fraß den Vogel federlos. 6)

Die Lösung ist an und für sich durchaus nicht leicht, allerdings allbekannt: der Vogel federlos bedeutet den 5chnee, mit dem Baum blattlos hat es seine reale Richtigkeit, die Sonne wird eine mundlose Maid genannt; wie der Schnee auf den Baum herabschwebt, das wird mit dem Niederflug eines Vogels verglichen und der Schnee verschwindet hernach vom Baum, so wie etwas verschwindet, wenn man es aufisst, etwa die Frucht eines Baums. Es werden also sehr verschiedene Gegenstände oder eigentlich Vorgänge miteinander verglichen, ja geradezu einander gleichgesetzt. Die Phantasie ist es, welche dem unbekannten Verfasser die Ähnlichkeit dieser Vorgänge nahegelegt hat; sie hat ihn gleichsam den einen im anderen erkennen lassen: den niederschwebenden Vogel im herabgleitenden Schnee, das gierige Aufzehren in der Einwirkung der Sonne auf das weiße Kleid entblätterter Äste.

Dies Ergebnis einer primitiv dichterischen Phantasie könnte natürlich auch ohne das Fragezeichen der Rätselform, etwa wie ein homerisches Gleichnis, austreten: »Der Schnee schwebte auf den kahlen Baum herab, so wie sich ein Vogel auf solch einen Baum niederlässt, und er verschwand hernach, als ihn die Sonne beschien, als hätte ihn diese aufgezehrt« Das Gleichnis verwandelt sich in ein Rätsel, wenn man den eigentlichen Gegenstand, den Ausgangspunkt der Metapher, verschweigt und nur das stehen lässt und heraussagt, womit er verglichen wird; in unserem Fall werden Schneefall und Schneeschmelze verschwiegen, Vogel und Maid bleiben stehen. Nun aber handelt es sich ja in Wirklichkeit nicht um Vogel und Maid, sondern um ganz andere Dinge; das Rätsel macht auch darauf aufmerksam, dass, wenn es von Vogel und Maid spricht, wirklich weder ein Vogel noch eine Maid gemeint seien, indem es den Vogel federlos und die Maid mundlos nennt: offenbare Unmöglichkeiten, Widersprüche begrifflicher Art. Es handelt sich also um etwas, was dem Vogel, und um etwas, was der Maid irgendwie ähnlich, bei aller Verschiedenheit doch ähnlich ist — und nun muss die Phantasie des Erratenden den- selben Weg gehen, den die Phantasie des Rätselschmiedes vorher ging, aber in umgekehrter Richtung.

Ich bespreche dies schöne alte Rätsel deshalb so ausführlich, weil sich an ihm die. beiden Haupttriebkräfte der Gattung hier gleichsam in Reinkultur zeigen lassen. Ich unterscheide nämlich beim Rätsel eine bildliche (tropische) und eine begriffliche (logische) Tendenz, entsprechend den wie an allen Künsten so auch an der Dichtung und daher am Rätsel beteiligten Geistesgewalten: Phantasie einerseits, Verstand anderseits. Die von der Phantasie bemerkte Ähnlichkeit zwischen den Dingen oder Vorgängen a und b wird zum tropischen Rätsel ausgeprägt, indem der Aufgabesteller fragt: Was ist dem b ähnlich? Freilich wird in den meisten Fällen eine solche Fragestellung nicht genügen; denn dem b sind sehr viel Dinge ähnlich und ein Rätsel, auf das es viele Antworten gibt, ist keines. Es muss also, um bei unserem Beispiel zu bleiben, das zu Erratende noch näher bestimmt werden. Der bloße Vergleich des Schnees mit einem Vogel genügt nicht, dem Vogel gleicht auch vieles andere; aber durch die (richtige) Angabe vom Baume blattlos wird das Feld der Untersuchung schon stark eingeengt, noch mehr durch die bildliche Beschreibung eines Vorganges, an dem sich jetzt auch noch ein Ding c, verglichen mit d (die Sonne als Maid) beteiligt. Also eine Gleichung (oder vielmehr eine Ähnlichsetzung) mit zwei Unbekannten.

Die tropische Tendenz des Rätsels wendet sich an unsere Phantasie und verlangt von ihr, dass sie gewissermaßen dichterisch verfahre, dass sie zum einen Teil eines Vergleichs den anderen finde, während die logische Tendenz uns antreibt, einen offenbaren Widerspruch oder Unsinn aus der Welt zu schaffen. Hier also etwa folgendermaßen: einen Vogel federlos, eine Maid mundlos gibt es einfach nicht, folglich kann hier der wörtliche Sinn nicht stattfinden, es muss etwas anderes gemeint sein, als was die dürren Worte besagen — und nach dieser logischen Operation setzt abermals die Phantasie ein und liefert so lange Hypothesen, bis irgend eine allen Anforderungen des Rätsels gleichzeitig gerecht wird.

Gewöhnlich arbeiten sich in den alten und edlen Formen des Rätsels Tropik und Logik in die Hände. Die Rätsel der Primitiven und so auch noch die heute im Volk und bei den Kindern umlaufenden (wie sie u. a. Simrock bei den Deutschen gesammelt hat) erzielen diese Doppelheit von Gleichnis und Widerspruch sehr häufig dadurch, dass sie den zu erratenden, fast immer unbelebten Gegenstand zum Zweck des Rätsels gleichsam beseelen, ihn als belebt vorstellen oder mit etwas Belebtem vergleichen — womit dann zugleich auch schon der Widerspruch gegeben ist, denn irgend etwas wird nun gewiss nicht stimmen. So wird in einem afrikanischen Rätsel nach dem Wind gefragt: »Was fliegt immer und ruht nie?«, in einem anderen desselben Weltteils nach der menschlichen Stimme: »Was hat weder Flügel noch Beine, fliegt aber schnell und kann nicht eingesperrt werden?« Überall beseelendes Gleichnis und Widerspruch.

Die Beispiele lassen sich aus jeder beliebigen Sammlung, gleichviel welcher Zeit und welchen Orts, ins Endlose vermehren. Nennen wir nur noch eines volkstümlich deutscher Herkunft, das uns lebhaft an unseren guten Vogel federlos erinnert; gemeint ist der Frühlings- oder Tauwind:

Es schnaubt und heult die Straß' herauf
Und hat doch keine Lunge,
Es leckt den Schnee wie Butter auf
Und hat doch keine Zunge.

Wie denn überhaupt gewisse, besonders auffällige Naturphänomene (Wind, Donner, Blitz, Feuer — Eis, Schnee — das Ei — der Schatten) von den verschiedensten Völkern zu den verschiedensten Zeiten »berätselt« worden sind und oft mit ganz denselben Gleichnissen oder Widersprüchen.

Der Widerspruch, die um jeden Preis zu beseitigende Antinomie, stellt beim Rätsel gewissermaßen das Salz oder sonst eine Würze vor. Diese kann manchmal besonders hübsch dadurch erzeugt werden, dass man die »tropischen« Elemente häuft, indem das zu erratende Objekt der Reihe nach mit b, c, d, e usf. verglichen, also in der Sprache des Rätsels allen diesen Dingen gleichgesetzt wird. Vom Standpunkt des Hausverstands ist das natürlich ein Unsinn, denn ein Objekt kann nicht ganz verschiedenen andern Objekten in einem Atem gleichgesetzt werden. Der Lösende muss also mit dem Verstande festhalten, worin die verschiedenen Ähnlichkeiten mit b, o, d bestehen, und sich dann von der Phantasie den geometrischen Ort zeigen lassen, der alle diese Eigenschaften vereint. Hier erwächst also der Widerspruch aus der« Fülle der Gleichnisse; besonders schöne Beispiele liefern uns Rätsel 10, 65, 85 unserer Sammlung.

Als Gegenbeispiel diene ein anderes ehrwürdigsten Alters, das, wenn wir einer schon von Heraklit und Plutarch erzählten Anekdote glauben wollen, den Tod keines Geringeren als Homers herbeiführte, weil er aus Gram, es nicht lösen zu können, starb. Dieses Rätsel ist überaus langlebig und weit verbreitet, in Pompeji haben es Gassenjungen an die Wand geschrieben und fünfzehnhundert Jahre später taucht es in den Notizen Leonardos da Vinci auf — und es ist fast ganz logisch; das tropische Element hat sich in die Einkleidung versteckt. Fischerknaben wurden gefragt, was sie gefangen hätten; sie antworteten:

Was wir erjagten, ist fort;
was nicht, das tragen wir heimwärts.

Der erste Gedanke des Ratenden zielt natürlich auf Fische, aber die Unmöglichkeit dieser Lösung ist offenbar; wie können denn die gefangenen Fische »fort« sein, die nicht gefangenen heimgebracht werden? Mit beiden Gattungen des Sanges geschieht im Rätsel gerade das Gegenteil von dem, was man erwartet, und so lange zeigt sich kein Ausweg, als man sich nicht von der nebensächlichen Vorstellung der Fischer befreit. Dann aber bleibt ein rein logisches Rätsel übrig, ein vollkommener Widerspruch, und endlich ergibt sich auch die Lösung: das Ungeziefer in den Haaren der Fischer (und der Menschen überhaupt).

In der Doppelheit seiner Funktionen, in den wechselnden oder vereinigten Forderungen an Einbildungskraft und Scharfsinn liegt letzten Endes der eigentümliche Reiz der gesamten Gattung. Kraft ihrer Bildlichkeit gehört sie der Dichtung an, ganz abgesehen davon, dass ihre Erzeugnisse von alters her häufig Versgestalt angenommen haben; das logische Element aber, die Aufzeigung eines (scheinbaren) Widerspruches und dessen Beseitigung, die Lösung einer (scheinbaren) begrifflichen Verwirrung — das ist es, was jedem Rätsel den Charakter der Kotnik verleiht, mag diese nun in der Form des billigen Wortspieles sich offenbaren oder in der überraschenden, also witzigen Befriedigung gespannter Erwartung oder in humoristischer Auffassung des Alltagslebens und alltäglicher Objekte oder gar in erhabener Ironie.

Durchaus komisch betont sind z. B. all die vielen Abarten des Rätsels, die sich nicht wie das älteste, echte und reine Rätsel aus dem Begriff oder der Anschauung eines Dinges, sondern» aus dem sprachlichen Bild, dem Wort als Wort genommen, ergeben: also alle Scharaden, Scharadoide, Palindrome, Anagramme, Buchstabenrätsel, Homonyme, Homoionyme, dann alle Scherzfragen, auf die mit einem Wortspiel, einem richtigen »Witz« geantwortet wird — aber auch das vorwiegend tropische oder bildliche Rätsel kann durch seinen bloßen Wortlaut, seinen Stil, allerdings erst wenn die Lösung gefunden ist, komisch wirken, wenn zwischen irgend einem ganz unscheinbaren Gegenstand, z. B. einem Stiefelknecht, und einem erhabenen oder furchtbaren, z. B. einem Drachen, ein Gleichnis konstruiert und durchgeführt wird, natürlich in pathetischem Stil, der dann, sobald sich die Lösung ergeben hat, unangebracht und daher komisch erscheint.

Als Beispiel diene aus der von meinem Kollegen Joseph und mir herausgegebenen Sammlung »Das Labyrinth« (Wien, Steyrermühl, Tagblatt-Bibliothek Nr. 226-7) ein Rätsel, dessen drollige Lösung ich bereits verraten habe und dessen Komik darin liegt, dass es sich den Tonfall von Schillers Romanze »Der Kampf mit dem Drachen« zu eigen macht.

Mein Äuß'res werden alsobald
Des Dichters Worte deutlich machen:
Ein Drache schein' ich von Gestalt
Mit weitem Krokodilesrachen
Und wohn' in einem engen Haus,
Dahin des Himmels Strahl nicht leuchtet.
Dort schlaf' ich, krieche dann heraus,
Wenn Abendtau die Wiesen feuchtet.

Kommt nun ein Wandrer hergewallt
(Zum Ort des Friedens führt die Straße),
So brech' ich aus dem Hinterhalt
Hervor und schnappe nach dem Fraße.
Der Boa gleich und gleich dem Hai
Bin ich in meiner Wut zu schauen,
Doch keiner Seele graut dabei,
Auch kann das Mahl ich nicht verdauen.

Der Lindwurm, der viel Jahre lang
Hirten und Herden, Weib und Kinder
Zu Rhodus wild hinunterschlang,
Fand endlich seinen Überwinder.
Doch ich, der auch recht viel geraubt, ,
Kann nicht durch Menschenhand verbluten
Und sterbe, sterb' ich überhaupt,
Wie Herakles in Feuersgluten.

Das heißt, um vom erhabenen Ton in den des Allltags zu fallen: der Stiefelknecht kann kein anderes Ende finden als höchstens dies: verbrannt zu werden.

Der tropischen und der logischen Tendenz des Rätsels gesellt sich als dritte, nicht ganz ebenbürtige und jedenfalls viel, viel jüngere das Spiel mit dem Wort als solchem, mit dessen lautlicher (in späteren Zeiten: mit dessen schriftlicher) Gestalt.

Damit sind eigentlich alle Möglichkeiten des Rätsels erschöpft. Und so hat der Rätselschmied, wenn er dem Publikum Einblick in seine Werkstatt gewähren will, keine Geheimnisse zu verraten. Jeder Tag trägt ihm eine Unmenge von Dingen und Begriffen, von Bildern und Wörtern. entgegen; bin ich einmal auf das Rätselmachen eingestellt, dann werde ich eben auffallende und möglichst neue Ähnlichkeiten zwischen möglichst weit auseinander liegenden Vorstellungen festhalten, diese Ähnlichkeit durch Nachdenken noch verstärken, dann die eine Seite des Gleichnisses, welche eben erraten werden soll, weglassen und die andere Seite in Verse bringen und auf diese Weise ein vorwiegend tropisches Rätsel gemacht haben. Oder mir fällt an irgend einem Ding oder Begriff ein scheinbarer Widerspruch auf; ich sinne nach, ob sich noch weitere Widersprüche finden lassen, verbinde sie untereinander, stecke diesen Rattenkönig in ein möglichst gefälliges Versgewand und ein vorwiegend logisches Rätsel ist fertig.

Was die verhältnismäßig billigen, auf Wortlaut oder Schriftbild beruhenden Gattungen betrifft, so achtet der »dem Rätseldämon verfallene Mensch schon unwillkürlich darauf, ob sich ein Wort, namentlich ein ungewohntes oder neu auftauchendes, umkehren oder in Bestandteile zerlegen lässt, die jeder für sich einen Sinn ergeben — und was der- gleichen Manipulationen mehr. Nichts ist notwendig, als ein wenig Phantasie von wegen der Gleichnisse, die Fähigkeit scharfer Begriffsbildung von wegen der Widersprüche, Freude am Objekt, an der Wirklichkeit als solcher, Scharfblick für sprachliche Erscheinungen, metrische Gewandtheit, auch so was wie humoristische oder ironische Lebensanschauung. Dazu gesellt sich noch die Kenntnis allerlei kleiner Kunstgriffe, die meist darauf abzielen, dass der Löser gewissermaßen in den April geschickt werde, dass man ihn, recht wie bei einem Kinderspiel, ganz anderswo suchen lasse als dort, wo das versteckte x liegt; auch eignet man sich mit der Zeit eine geheimnisvoll-dunkle Ausdrucksweise wie die der delphischen Orakel an und es ist zehn gegen eins zu wetten, dass, wenn das Rätsel einen recht erhabenen und großartigen Ton anschlägt, die Lösung einen recht harmlosen oder hausbackenen Gegenstand ergibt; siehe Stiefelknecht.

Wenn ich nun aus meiner eigenen Praxis, die sich in den spärlichen Mußeviertelstunden eines herrischen Berufs abspielt, einige Beispiele für die Entstehung von Rätseln beibringen darf, so fange ich mit einem vorwiegend logischen an, mit der Bemerkung eines scheinbaren Widerspruchs. In diesem besonderen Fall ist das Rätsel sehr kurz geraten (zwölf Worte in zwei Versen) und folgendermaßen entstanden· Bekanntlich leben die Hausfrauen, ja die Frauen überhaupt, in fortwährendem Krieg mit dem Staub — in einem Krieg, der sich jeden Tag erneut, nie zu einem endgültigen Ergebnis kommt und oft mit überflüssigem Stimm-, Zeit- und Kraftaufwand geführt wird. Mit dieser nicht besonders originellen Erkenntnis, die unter der Marke »Staub« irgendwo in meinem Gedächtnis lagerte, kreuzte sich eines Tags die berühmte biblische Formel für die Richtigkeit alles menschlichen Tuns, dass der Mensch aus Staub gemacht sei und zu Staub werde — der Mensch, also auch das Weib. Natürlich bedeutet Staub in den beiden Sätzen keineswegs ganz dasselbe, aber von solchen Bedeutungsschwankungen lebt ja eine Unzahl von Rätseln. Also zwei verschiedene, auf weit voneinander entfernten Ebenen liegende Urteile mit scheinbar demselben logischen Subjekt. Nun galt es nur noch einen Widerspruch zu finden und der lag nahe genug. Damit war das Rätsel gegeben:

Du warst, o Weib, und wirst, was ich.
Weshalb verfolgst du mich?

Die Entstehung eines andern, vorwiegend tropischen Rätsels, sei nur ganz kurz erzählt, weil sie sich zum Teil aus dem kleinen Gedicht selbst ersehen lässt. Mir drängte sich, weiß Gott woher, als ich eine Postbeamtin mit großer Energie Briefmarken abstempeln sah, die Ähnlichkeit zwischen diesem Verfahren und dem Brandmarken von Schafen oder Rindern auf; ich versuchte unwillkürlich, auf diese Beobachtung ein bildliches Rätsel aufzubauen — aber ohne Erfolg; dann kehrte ich in Gedanken zum Ausgangspunkt, dem Brandmarken, zurück, dem ja nicht nur Tiere, sondern ehemals auch Menschen, z. B. Sträflinge und Galeerensklaven, unterworfen wurden. Bei diesem letzten Wort ergaben sich nun wirklich noch einige Analogien zwischen einer Briefmarke und dem schon erwähnten Galeerensklaven, sodass die Elemente für ein tropisches Rätsel bald beisammen waren:

Galeerensklaven, sagt man, gibt's heut nicht;
Vernehmt jedoch wahrhaftigen Bericht:

Man riss mich von den Meinen los,
Schlug auf mich ein (die Male kann ich weisen),
5chickte mich dann auf weite Reisen,
Doch immer als Gefangnen bloß,
Den weder Land noch Meer entzückt,
So lieblich sie an ihm vorüber gleiten. —
Dem ersten Kerker kaum entrückt,
Lieg ich nun fest in einem zweiten
Und meine Zähne haben nichts zu beißen.
Wie mag ich heißen?

Mustern wir nun die verschiedenen Spielarten des Rätsels. Die älteste, edelste, aber mindestens für den Verfasser schwierigste Form ist das sogenannte »reine« Rätsel oder Sinnrätsel, das auf alle sprachlichen und schriftlichen Hilfen verzichtet und seinen Gegenstand nur bildlich oder logisch andeutet — häufig beides zugleich. Die bisher beigebrachten Beispiele gehören alle in diese Kategorie.

Viel leichter zu behandeln ist das homonym (Gleichklang), das sich Wörter oder Redensarten mit mehr als einer Bedeutung sucht und den Löser dadurch in Verwirrung setzt, dass es bald auf diese, bald auf jene Bedeutung anspielt. Wörter etwa wie Bogen (als geometrischer Begriff, als Waffe, als Papiermaß) oder das Fremdwort Lama (als südamerikanisches Tier oder tibetanischer Mönch) oder die Redensrat «einen Bock schießen« im Sinn des Jägers und in der gewöhnlichen Bedeutung und unzählige andere bieten sich dar. hübsch fallen Homonyme dann aus, wenn die verschiedenen Bedeutungen des Rätselwortes recht weit voneinander abliegen und trotzdem zwischen diesen Bedeutungen irgend ein Zusammenhang hergestellt wird; vgl. z. B. das 34. unseres »Irrgartens«. Das Homonym lässt Kombinationen mit fast allen anderen Gattungen zu, auch z. B. mit dem Kreuzworträtsel, worauf Reiz und Schwierigkeit dieser Abart in England und Amerika beruht.

Nah verwandt ist das erst von Brentano benannte, aber schon viel ältere (vgl. Nr. 1 der betreffenden Abteilung des »Irrgartens«) Homoionym, das ich, um Grenzstreitigkeiten mit dem Homonym auszuweichen, auf solche Fälle einschränke, wo ein Wort und eine Wortgruppe (»vereint«, »getrennt«) gleichweis geschrieben werden, z. B. »Antimon« und »an Timon«. Hier geraten wir, wenn wir von orthographischer Gleichheit absehen und uns mit annähernder lautlicher zwischen Wort und Wortgruppe oder zwischen Gruppe A und Gruppe B begnügen, in die Nähe der sogenannten Dal-Dal- oder Füllrätsel, die von Brentano und später von Kafka geistreich behandelt worden sind und wiederum Variationen (Schlingfüllrätsel in der Art von schüttelreimenden Silbenreihen) zulassen.

Was eine Scharade oder ein Silbenrätsel ist, weiß jedermann: ein mehrsilbiges Wort wird in seine grammatisch normalen Silben (Bau–er) oder Silbengruppen (Hoch–Ofen) zerlegt und nun jeder dieser Teile wie ein selbständiges Rätsel (oder Homonym) behandelt, aber auch das ganze Wort. Diese Gattung war zu Ende des 18. und bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts in ganz Europa sehr beliebt, sogar Gegenstand dramatischer Darstellung. 7) Wie das Homonym, kommt auch sie am elegantesten heraus, wenn durch die einzelnen Teile und das Ganze ein geistreich gezwirnter roter Faden läuft. Besonders heimtückisch ist das von Franz Brentano erfundene und benannte, wenn auch noch etwas unscharf definierte Scharadoid (Spalträtsel); sein Witz beruht darauf, dass ein mehrsilbiges Wort nicht aus seinen Teilwörtern oder normalen Silben aufgebaut werden muss, sondern in anderer, überraschender Weise zerlegt und diese Einteilung nun zur Basis des Rätsels gemacht wird. Zerschneiden wir z. B. das Wort Stabstrompeter gegen alle Anatomie in Stab, Strom und Peter, den Maler Murillo in Mur und Illo, eine Polkamelodie in Pol, Kamel, o und die, so kann man sich leicht vorstellen, wie daraus ein Scharadoid wird: eine sehr lustige Spielart, aber wie alle Rätsel, bei denen das Schriftbild, das Optische oder graphische Moment eine Rolle spielt, von rechter Volkstümlichkeit ausgeschlossen. Scharade und Scharadoid verbinden sich gern mit dem Homonym.

Eine andere Spielart, wiederum von Brentano aufgebracht, die (etwas gezwungenen) Verdoppelungsscharaden (-scharadoide) haben »das Besondere, dass jeder der geschiedenen Teile erst verdoppelt seine Bedeutung gewinnt«, wenn wir z. B. Hausbesen in die Hälften von Haha + Usus + bebe + Sensen auflösen; vgl. unsere 71. Scharade.

Vorwiegend auf dem Schriftbild beruht das Palindrom (Rücklauf), das sich an solche Worte ansetzt, die vor- und rückwärts gelesen gleich lauten, z. B. Otto oder Kajak, oder doch, wie etwa Nebel, rückwärts einen Sinn ergeben. In den langen Mußestunden des Mittelalters hat man sich sogar den Spaß gemacht, lateinische Hexameter auszudenken, die vorwärts und rückwärts gleich lauten. Der Inhalt dieser »Krebsverse« ist freilich meist aufgelegter Unsinn; aber mit dem Palindrom an sich lassen sich ganz hübsche Wirkungen erzielen, wie Th. Körners Beispiel beweist.

Verwandt ist das Anagramm (Schiebrätsel), in welchem die Buchstaben irgend eines Wortes oder einer Wortgruppe zu verschieben sind, bis sich ein neuer Sinn ergibt, also eine Art von Permutation — eine sehr alte Gattung mit vielen Unterspielarten, geadelt durch Galilei und Huygens, die große astronomische Entdeckungen zunächst in diese Form hineingeheimnist haben; oder das Kapselrätsel, wo ein Wort gewissermaßen in Kern und Schale zerlegt wird, die wie die Teile eines Scharadoids behandelt werden, usw.

Letzten Endes lassen sich alle diese Spiele mit den magischen Figuren, den Verwandlungs- und Ergänzungsrätseln und anderen unter den Begriff des Buchstabenrätsels zusammenfassen, dessen Wesen auf allerlei Manipulationen mit dem lautlichen oder, was auf dasselbe herauskommt, mit dem schriftlichen Bilde des Wortes beruht. Rätsel dieser Art sind es vor allem, nebst den Scharaden und Homonymen, die den Bedarf der Zeitungen und Zeitschriften decken. Man kann sie nach der Elle machen und leider werden sie meist nach der Elle gemacht, denn jedes zusammengesetzte Wort und noch manches andere eignet sich äußerlich zur Scharade, von homonymen Worten und Wendungen wimmelt unsere Sprache, für Lautschiebungen innerhalb eines Wortes gibt es überhaupt keine Grenze. Aber natürlich kann solch eine Massenproduktion höhere Forderungen an Geist und Form nicht befriedigen, so witzige oder anmutige Ergebnisse dem Talent selbst in diesen untergeordneten Gattungen gelingen, wie folgendes ganz einfache Buchstabenrätsel (nach der älteren Bezeichnung Logogriph) Brentanos beweisen mag:

Mit O bring ich dir Veilchen,
Viel bunten Flor mit A;
doch wart' ein Weilchen,
Bis mit verschämten Wangen
Die Rosen erst gekommen und gegangen.

Eine besondere Liebhaberei Brentanos war es, Worte ausfindig zu machen und dann aufs geistreichste zu verrätseln, in denen alle fünf Vokale Platz tauschen konnten (vgl. »Irrgarten«, Buchstabenrätsel 18, 19). Er behauptete einmal mir gegenüber, sämtliche in der deutschen Sprache vorhandenen Möglichkeiten erschöpft zu haben; sein »Aenigmatias« (München, C. H. Beck) enthält in der 3. Auflage ihrer 14; gleichwohl konnte ich noch fünf andere austreiben und verarbeiten (z. B. Nr. 29, 37).

Wenn in diesen Untergattungen doch noch das lautliche mit dem schriftlichen Bild, Akustik mit Optik wetteifert, so wendet sich dafür eine andere minderwertige Gruppe ganz und gar an das Auge. Zu ihr gehören die Arithmogriphe, die die Buchstaben des zu suchenden Wortes durch Zahlen ausdrücken oder sonst mit Ziffern allerlei Kombinationen und Spielereien vornehmen; dann die rätselhaften Inschriften, zeitweilig in »Über Land und Meer« und den »Fliegenden Blättern« gepflegt, irgend einen Scherz in scheinbares Latein verbergend; ähnlich Kryptogramme; anders Rösselsprünge und Königszüge; dann die jetzt in England und Amerika modischen Akrosticha.

Ferner die uralte Gattung des Rebus, Nachkomme der Bilderschrift frühester Kulturen. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts herrschte, von Frankreich eingeschleppt, in Deutschland eine förmliche Rebusepidemie, sodass z. B. die Leipziger »Illustrierte Zeitung« in jeder Nummer solch ein Vexierbild brachte und die ersten 50 in einem eigenen »Rebus-Almanach« (1845) vereinigte.

Endlich der Löwe des Tages, das Kreuzworträtsel, im Gegensatz zum Rebus blutjung, einige Jahre nach dem Weltkrieg von dem amerikanischen Maler, Schriftsteller, Lehrer Gellet Burges entdeckt und in seiner Heimat, dann von dort aus hier fabelhaft schnell verbreitet und gelegentlich (z. B. durch das Silhouetten-Rätsel) variiert. Bei uns ist das Ausfüllen dieser (gewöhnlich symmetrischen) Fragebögen nach einiger Übung ganz leicht, weil das Deutsche selbst mit Einbeziehung aller möglichen und unmöglichen Eigennamen und Fremdwörter gleichwohl nur einen ganz geringen Vorrat von Wörtern besitzt, die sich zu »Kreuzwörtern« eignen, nämlich solche mit regelmäßigem Wechsel von Selbst- und Mitlaut. Schließlich sind es immer dieselben Wörter: Ute, Ebene, Ala, Emu usf., die bald in dieser, bald in jener Reihenfolge und Anordnung aufmarschieren. Und mindestens wäre es wünschenswert, dass nach diesen ohnehin auf der Hand liegenden Lösungen richtig gefragt würde — was keineswegs immer der Fall ist. Haben wir doch mit Verwunderung aus Kreuzworträtseln erfahren, Gera sei eine Stadt mit Universität, Eli ein Prophet, Epos eine lyrische Dichtungsgattung, Isaak der Sohn Jakobs und der Egel ein Lurch: lauter Entdeckungen, von denen sich die betreffenden Wissenschaften bisher nichts haben träumen lassen. Im Englischen liegen die Verhältnisse dank der witzigen Frageweise, 8] dank der Vieldeutigkeit der (meist einsilbigen) Wörter, dank dem weiten Horizont des Empire anders; dort und in Amerika kann sich selbst der Scharfsinnige und Hochgebildete tagelang an einem »crossworcl puzzle« abmartern.

Das Rätsel ·fehlt nirgendwo: weder in den volkstümlichen Überlieferungen, noch in der kunst- mäßigen Literatur irgend einer Nation. Uns zieht natürlich die Geschichte des deutschen Rätsels vornehmlich an, für die ich schon lange Material sammle. Als Gattung ist das deutsche Rätsel natürlich uralt, verhältnismäßig jung dagegen das Wort »Rätsel«, das erst im späten Mittelalter auftaucht und noch im 16. Jahrhundert manche Konkurrenten, wie »Rettelsch«, »Rättersch«, »Reizlein«, hat. In der alt- und in der eigentlichen mittelhochdeutschen Zeit findet man noch andere Ausdrücke, unter denen als besonders stimmungsvoll das alte »Tunkal« erscheint. Das unserem Wort zugrunde liegende Zeitwort »raten« ist möglicherweise in der entsprechend älteren Form für das von Tacitus beschriebene Deuten oder Enträtseln der Runen angewendet worden.

Stellen wir uns nun den Werdegang des deutschen Rätsels so vor, dass eine geschlossene und für das gesamte Volk geltende Überlieferung aus arischen und germanischen Urzeiten her ohne Unterbrechung, wenn auch mit mancherlei Einbußen und Vermehrungen, bis zur Gegenwart herflutet; ihr Inhalt trägt, soweit er nicht der Schule dienstbar gemacht worden ist, mundartliche Form und ist in erster Linie Gegenstand der Volkskunde. Das literarische Rätsel aber tritt zunächst im Herbst des Minnesanges, dann folgerichtig bei den Meistersingern auf.

Ein für das spätere Mittelalter sehr charakteristisches Werk, die Dichtung vom Sängerkrieg auf der Wartburg, ist zum großen Teil von weitschweifigen tropischen oder allegorischen Rätseln erfüllt, die die streitenden Sänger einander — es geht um Leben und Tod — aufgeben.

Auch im Fastnachtsspiel und in angrenzenden Gebieten des Volksliedes erscheint unsere Form.

Verbreitung durch den Druck fand sie erstmals 1505 oder 1506. Dieses älteste deutsche Rätselbuch enthält zumeist altes Volksgut — und vieles darin würden wir gar nicht Rätsel im engeren Sinn nennen, sondern Witze oder Wortspiele, bloß dass sie in Frage und Antwort zerlegt sind; die unflätige Bärenhäuterei des Jahrhunderts macht sich unangenehm bemerkbar. Immerhin ist einzelnes auch heute noch recht ergötzlich, z. B. die in etwas veränderter Form von unseren Lesebüchern aufgenommene Frage nach den achtzehn stummen Gesellen und ihren fünf Dolmetschern (Mit- und Selbstlaute) oder der aus der Zeit der Kirchenspaltungen geborene Aufsitzer: »Was hat Gott nicht, der Papst selten, der gemeine Mann täglich?« Antwort: »Seinesgleichen!« Oder folgendes wirklich geistreiche, das übrigens Versgestalt trägt:

Ein Vogel in der Luft schwebt,
Seins Gleichen auf Erd nicht lebt.
Seine Flügel sind in der Hitz' gewachsen,
Wann ihn hungert, isst er sieben Ochsen —

Ein Rätsel, das auch bei den Skandinaviern begegnet und dessen Lösung (der Wetterhahn) wegen des 5chlußverses »wann ihn hungert, isst er sieben Ochsen« zunächst verblüfft. Hier liegt eben die Tücke: »wann ihn hungert! aber hat er denn überhaupt jemals Hunger?« — Über vier Jahrhunderte weg glauben wir das dröhnende Lachen des deutschen Handwerkers oder Bauern zu vernehmen, wenn ihm der Sachverhalt endlich klar geworden.

Der von mir in jahrelanger Arbeit gesammelte große Vorrat gibt die Möglichkeit, die Literatur des literarischen, des kunstmäßigen Rätsels in Deutschland seit jenem alten Straßburger Druck von Station zu Station zu begleiten, wobei sich nicht wenige interessante Abwandlungen je nach Persönlichkeit und Einstellung der Dichter, auch merkwürdige Bindungen bald an das Volkstum, bald an das Ausland zeigen würden. Sollte ich dazu gelangen, die Geschichte des deutschen Kunsträtsels darzustellen, so würden in ihr kein Geringerer als Luther und neben ihm so manche Humanisten und Schulmeister der Reformationszeit eine Rolle spielen; so träten in der Barockzeit neben die mitteldeutschen Logau, Harsdörffer, Zesen auch originelle Katholiken des Südens; so könnte ich das Rätsel sogar im Dienste des Pietismus zeigen; so ließen sich an namhaften Poeten des 18. Jahrhunderts und aus dem geselligen, zumal dem höfischen Leben der Zopfzeit vor allem Einflüsse Frankreichs nachweisen; so erschiene es schon früh — kein Wunder — als Freund der Kinderwelt.

Jedenfalls sind die zehn Menschenalter zwischen dem Straßburger Rätselbuch und Schillers Komödie »Turandot« für unsere Zwecke durchaus nicht unergiebig; aber dieses aus dem Italienischen übersetzte Lustspiel stellt doch eigentlich den Ursprung des im engeren Sinn modernen deutschen Kunsträtsels vor. Nämlich so: In dem italienischen Original von Carlo Gozzi (1762) legt die Prinzessin Turandot jedem Werber drei Rätsel vor; errät er sie, so hat er ihre Hand gewonnen, wo nicht, sein Haupt verwirkt — wir kennen dies Entweder-Oder schon als uraltes Märchenmotiv. Für die Uraufführung (30. Jänner 1802) seiner Bearbeitung in Weimar nun schrieb Schiller drei Rätsel (nur eins im Anschluss an das Original) und für die vier Wiederholungen des Stückes immer wieder neue, im ganzen vierzehn, dazu kam für die zweite Ausführung eines von Goethe. Dieser nannte in einem Brief an Schiller (2. Feb. 1802) dessen Rätsel »entzückte Anschauungen des Gegenstands«, worauf man fast eine neue Dichtungsgattung gründen könne. Jedenfalls tragen alle das Gepräge von Schillers hohem Stil und edler Persönlichkeit; besonders schwer sind sie wohl nicht und wir begreifen kaum, wie vor dem glücklichen Bewerber Kalaf so viele andere Prinzen ihr Leben einbüßen mussten.

Von Goethe gibt es einige zwanzig 10] Rätsel; sie sind meist neckisch und machen mehr den Eindruck geselliger Scherze als gewollter und bewusster Kunstübung. So liegt denn auch nicht bei Goethe, sondern unverkennbar bei Schiller die Kopfstation des neueren deutschen Kunsträtsels; auf der Scheitelhöhe seines Ruhms hat er der bescheidenen Gattung den poetischen Ritterschlag gegeben.

Wie seine Rätsel auf seinen Freundeskreis aneifernd, wenn man will ansteckend wirkten, bezeugen die Namen Goethes, Humboldts, Theodor Körners, aus größerer Entfernung Tiedges und Matthissons. In seiner alemannischen Heimat verstärkt sich sein pathetisches Beispiel durch das schalkhafte des einflussreichen, fast gleichaltrigen Hang und des stammverwandten »Hausfreundes« Hebel, sodass uns als Rätselschmiede nicht wenige namhafte Schwaben begegnen: Neuffer, Kerner, Uhland, Hauff, Mörike, der eine Pfizer — und dieser Gruppe steht Lenau nahe. Und diesem wieder, mindestens geographisch, die vormärzliche Literatur Österreichs, wo, anderer zu geschweigen, der oberflächliche Castelli und der tiefsinnige Enk von der Burg eine Massenfabrikation jener von Logogriphen, dieser von Scharaden betrieben und Levitschnigg noch 1861 eine ganzes Sammlung von »Nüssen zum Aufknacken für schöne, doch feste Zähne« zustande brachte.

Überhaupt gedeihen Rätsel, so scheint es, in unpolitischen, d. h. von der Politik ausgesperrten oder der Politik überdrüssigen Perioden besonders gut: Beweis eben das Österreich Metternichs und überhaupt die deutsche Biedermeierei, deren ungezählte Almanache und schöngeistige Zeitschriften eine so große Nachfrage insbesondere nach Scharaden, Homonymen u. ä. untergeordneten Gattungen bedeuten, dass das Angebot kaum Schritt halten konnte.

Hierher gehören die Langbein, Lotz, Prätzel, Harrys, Müchler, Robert, J. v. Voß, Schall, Contessa, dann, in dem sächsischen Literatenparadies, wo der Sterne Chor um die Sonne Hell / Winkler sich stellt, die Apel, Laun, Kind, Eberhard, Gerhard usw., usw., lauter kleine Leute, in deren Händen die Gattung versimpelt und zum Wahrzeichen des Philisters wird; kein Wunder, wenn man in den Vierzigerjahren das Rebus förmlich als Erlösung empfindet.

Neben jenen betriebsamen Lieferanten, die im »Irrgarten« immerhin nicht völlig fehlen durften, vertritt Platen formschön antike, Rückert spitzfindige orientalische Rätseltraditionen und diesem Tausendkünstler fehlt auch die an das Volksrätsel anklingende kindliche Note nicht, wie sie sonst Heu, Güll, das große Kind Hoffmann von Fallersleben, viele Schulmänner, zuletzt Paula Dehmel angeschlagen haben.

Dass Frauen, als Löserinnen den Männern oft überlegen und ihrer Mentalität nach doch mindestens für das tropische Fragespiel begabt, auffallend geringen Anteil an der Rätseldichtung nehmen, bringen die, wenn wir von Lebenden absehen, ganz isolierten Namen Marianne von Willemer, Agnes Franz, Gisela Grimm und eben Paula Dehmel zum Bewusstsein.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist man, scheint es, der Rätselei gründlich müde; nur eine Reihe von Gelehrten, zum Teil hohen Ranges, hält die Tradition notdürftig aufrecht, und das ist angesichts der logischen Tendenz des Rätsels nicht verwunderlich. Scharfes Denken und Unterscheiden, die Gabe des Abstrahierens d. h. des Absehens von Unwesentlichem, der weite Horizont des Wissens, all das befähigt, wenn man Kleines und Großes nebeneinander nennen darf, zum Rätsel wie zur Wissenschaft.

Den Reigen eröffnet hier noch zu Schillers Zeit der berühmte Theologe Schleiermacher, an dessen scharfsinnigen, epigrammatisch-zugespitzten Scharaden sich die Berliner Intellektuellen jahrzehntelang ergötzten, sodass ihm noch eine ganze Menge fremder zugeschrieben wurden, wenn sie nur seinen Tonfall aufwiesen. Hier reihen sich Schopenhauer, die Philologen Buttmann und Viehoff, der Theologe Thiersch, hier der österreichische Ästhetiker Enk, hier der Psychophysiker Fechner, von dem 203 geistreiche Rätsel aller Art erhalten sind, hier Friedrich Theodor Vischer und Herman Grimm ein und den Höhepunkt der durch diese Namen bezeichneten Linie bedeutet der schon mehrmals erwähnte weiland Lehrer an der Wiener Universität, Franz Brentano. Durch gedankenvolle und formschöne Spiele mit Begriffen, Bildern und Worten hat er Jahrzehnte hindurch eine freilich kleine Gemeinde erheitert und unter Dresdner, Innsbrucker, Kölner, Prager, Wiener Professoren Schüler gefunden, zu denen sich auch der Herausgeber dieser Sammlung, des väterlichen Freundes nicht ohne Rührung gedenkend, zählen darf. Und die modische Begünstigung des Rätsels in unseren Tagen, von der zu Eingang dieser kleinen Studie die Rede gewesen ist, hat Brentanos feine Kunst eigentlich erst zu verdienten Ehren gebracht.

Was sich nun den lieben Lesern, jungen und alten, auf den nachfolgenden Seiten darbietet, ist eine sorgfältige Auswahl aus einem im Laufe vieler Jahre (zunächst zu Zwecken der Wissenschaft) angehäuften großen, zum Teil ungedruckten Material. 9) Soll solch eine Auswahl überhaupt zustande kommen, sich nicht ins Grenzenlose verlieren, so muss ihr ein Höchstausmaß bestimmt werden; diesmal ist die für Heinr. Josephs und mein »Labyrinth« scherzweise gewählte Ziffer 333 in Kraft geblieben. Maßgebend für die Aussonderung war natürlich neben dem Bestreben, alle wirklich merkwürdigen Vertreter des deutschen  Kunsträtsels diesseits von Schiller zu Wort kommen zu lassen, geistreiche Erfindung, hohe oder niedere Komik, bisweilen auch edles» Pathos und vollendete Form. Die Lösungen teile ich nicht mit, wiewohl sie mir (abgesehen freilich von den Humboldtschen Sonetten und dem vieldeutigen Rätsel Immermanns bekannt sind. Nur so kann der »Irrgarten« werden, was Brentanos »Aenigmatias« und, in gebührendem Abstand, das »Labyrinth« schon sind: des Besitzers treuer Gefährte, ja Freund, »dessen Scherze nie verblühen«, dessen Unterhaltungsgabe niemals ganz versiegt. Denn auch dem Scharfsinnigsten enträtselt sich solch ein Buch schwerlich jemals ganz — und eben der ungelöste Rest, mag er auch im Laufe der Zeit durch glückliche Eingebung oder verschärfte Denktätigkeit immer kleiner werden, er ist es, der Rätselbüchern so etwas wie ewige Jugend verleiht.

Weihnachtsabend 1926

Arnold


Fußnoten

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1] Hier irrt Arnold. Kreuzworträtsel sind auch heute noch, fast 100 Jahre später, die beliebteste Rätselart überhaupt.

2] Gemeint ist der erste Weltkrieg

3] Der Semmering ist ein beliebter Ausflugsberg der Wiener, ungefähr 100 km südlich von Wien.

4) Vgl. meine Studie »Turandot« in der Wiener Monatsschrift »Der Neue Pflug«, Januarheft 1927.

5] Die Veden ist die heilige Schrift des Hinduismus

6) Vgl. »Irrgarten« Rätsel Nr. 63

7) Vgl. das 51. Kapitel in Thackeray's Vanity Fair

8] Im englischen Sprachraum ähneln Kreuzworträtseln unseren »Um die Ecke gedacht« Rätseln, wie sie Zweistein in Die Zeit populär gemacht hat.

9) Bei dessen Ermittlung und Beschaffung mich Elly Adolf, Lisbeth Arnold, Paul Bornstein, Gottlieb August Crüwell, Anton Dörrer, Max Friedländer, Friedrich Hahn, Adolf Hoffmann, Ernst Lissauer, Virginia Munduczernski, Fritz J. Miller, Frau Landgerichtsrat Pfizer, Wilhelm von Scholz, Friedrich Thiersch, Hermann Ullrich, Elfriede Underberg, Robert Vischer, Maria Wechsler, dann alle Verfasser und Verfasserinnen ungedruckter Texte (siehe Verfasser- und Quellennachweis) unterstützt haben. Freundliche Sendungen von Fritz Guggenberger, Franz Körner und Fritz Polack trafen leider erst nach Abschluss der Sammlung ein.

10] Wir haben von Goethe bisher nur 15 Rätsel finden können, trotz aller Suche. Hier irrt Arnold möglicherweise.