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Rätselgedicht Nr. 6749

von Gustav Feuerlein

Scharade (1+2 Silben)

Drei Silben breiten über Mausoleen
Die mächt'gen Arme leidverkündend aus,
Sie sind des Todes prunkende Trophäen
Und mahnen an des Menschen letztes Haus;
Du hörst in ihnen Geisterstimmen wehen
Und es ergreift Dich Wehmut, Furcht und Graus;
Wo sie ihr traurigstolzes Haupt erheben,
Verstummt die Luft, erstarren Kraft und Leben.

Drum tilg' die erste Silb', und epikurisch
Lacht Dir das Leben; denn ein Kunstgebild,
Dem Weingott wert, erscheint, woraus purpurisch
Ein Freudenhorn aus tausend Ritzen quillt:
Ergreif' ein Trinkgefäß, sei es etrurisch,
Sei's vom gemeinsten Ton, und ist's gefüllt,
Entleer' es, schlag' die Grabgedanken nieder,
Und füll' es aus dem Kunstgebild Dir wieder.

Doch dies versiegt mit feiner Freudenquelle,
Raubst Du ihm vorne nur ein Zeichenpaar,
Es wandelt sich in eine wahre Hölle
Mit einem funkensprühenden Altar;
Trübsel'ge Gnomen stehn an seiner Schwelle
Und bringen Opfer dem Vulkane dar:
Allein besäng' ich ihre schwarzen Taten,
Dies Rätsel würd' ein Kind sogar erraten.

Lösung anzeigen

Zy+ Presse = Zypresse

Anmerkungen

epikurisch = auf Genuss, auf das Genießen gerichtet

Kunstgebild = Weinpresse

Verweise

Scharaden, Feuerlein