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Rätselgedicht Nr. 6705

von Gustav Feuerlein

Scharade (1+1 Silben)

Ist's nur ein Hirngespinst unreifer Knaben,
Das Wiederseh'n im bessern Vaterland?
Ein Balsam nur, das wunde Herz zu laben,
Wenn uns'rem Herzen sich ein Herz entwand?
Wird mit der Schale auch der Kern begraben,
Was in uns dachte, wollte, liebt', empfand?
Und ist der Schluss von jeder Lebensrolle
Nur eine Rückkehr zu der Erdenscholle?

Was wir dort durch des Glaubens Fernrohr schauen,
Im stillen Ozean der Ewigkeit,
Sind's wirklich Inseln, sind's die Götterauen,
Die Plato schon zum Sitz der Sel'gen weiht?
Sind's Klippen nur, an welchen dem Vertrauen,
Naht's ihnen sich, kein Ankergrund sich beut?
Wie? – lotset durch des Todes grause Brandung
Die Tugend selbst nicht zur ersehnten Landung?

Wird dort des Schwelgers Felsenherz gepeinigt?
Bekömmt die Armut den Ersatz heraus?
Wird jede Schuld vom Richter dort bereinigt,
Und weint die Unschuld ihren Jammer aus?
Wird Lieb' und Treu' auf ewig dort vereinigt?
Gibt's für die Kindlichen ein Vaterhaus?
Harrt dort ein Sabbat auf den müden Fröner?
Behält er Recht der große Nazarener?

Wer ist der Kühne, welcher sonder Klügeln
Die Fragen all zu lösen sich vermisst?
Wer weiß der Zukunft Pforte aufzuriegeln,
Wenn jene der Vergangenheit sich schließt?
Wer die gebund'ne Seele zu beflügeln,
Dass sie, erlöst, die Freiheit froh begrüßt? –
Wer haut mit Eins ein zweiter Alexander
Des Schicksals Gordiusknoten auseinander?

Der ist's, der nicht mit Fürstentiteln prangend,
Doch über alles Volk das Haupt erhebt,
Durch den, Entscheidung ahnend und empfangend,
Bereits von rein'rer Himmelsluft umwebt,
Die bange Brust, nach Fried' und Ruh' verlangend,
Dem unentdeckten Land entgegenbebt;
Der kräftig jeden Herzenssturm beschwichtigt,
Und so das Nichtsein oder Sein berichtigt.

Die Wunderleiter weiß er anzuschlagen,
Die Jacob einst zu Betel sah im Traum;
Sie führt hinauf, wo es beginnt zu tagen,
Aus Erdendunkel über Zeit und Raum;
Die Hoffnung sieht auf ihr sich fortgetragen
Bis zu des Sternenzeltes letztem Saum,
Wo der Erbarmer dem verlor'nen Sohne
Verzeihung schenket und die Gnadenkrone.

Zwei Silben sind es, die den Starken nennen,
Der zu dem Jenseits unaufhaltsam führt;
Du magst ihn aus der Ersten schon erkennen,
Wenn noch ein weit'res Letternpaar sie ziert:
Die treuste Mutter ist es, die wir kennen;
Ach! wer ist, den ihr traurig Los nicht rührt?
Die wärmste Liebe gab ihr selbst das Leben,
Doch darf sie selten selbst dies Beispiel geben.

Zürnt der Natur, und weiht der Mutter Zähren!
Denn es gelang ihr seit Äonen nie,
Lebendigmunt're Kinder zu gebären:
Begraben in die tiefste Lethargie,
Kann eines kaum des Todes sich erwehren,
Noch eh' sie wirklich leben, sterben sie,
Sie atmen nie des Himmels rein're Lüfte,
Und ihre Wiegen werden ihre Grüfte.

Mit sich verdoppelt mahnt an Band und Ketten
Die zweite Silb', an Eisengitter Dich;
Du siehst Gerippe dort auf Moderbetten,
Nur Brod und Wasser nährt sie kümmerlich:
Gewiss kann sie daraus das Ganze retten,
Um welchen Preis? – Das Rätsel löset sich!
Hast du es – o! es kann Dich nicht erbauen,
Du zürnst dem Dichter, denn es fasst Dich Grauen!

Lösung anzeigen

Hen[ne] + Ker[ker] = Henker

Verweise

Scharaden, Feuerlein