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Rätselgedicht Nr. 6641

von Gustav Feuerlein

Logogriph

Wem ist das Lied von Claudius nicht teuer,
Das Lied: »Wenn Einer eine Reise tut?«
Wer hört nicht gern, was nicht so ganz geheuer,
Was seltsam klingt, erzählt nur kurz und gut?
Und so bericht' ich denn ein Abenteuer;
Das einst mich fast begrub in Stambul's Flut,
Ein Rätsel allen Basen, allen Vettern
In Einem Silbenpaar von sieben Lettern.

Zu Pera war's, im fränkischen Quartiere,
In eines Tanzsaals kerzenheller Nacht,
Als ich mich kreiselnd übt' im Fußturniere
Mit mancher Dame, reich an Reiz und Pracht;
Bis unter Saitenklang im Lustreviere
Einbrach und rasch verschwand die Mitternacht,
Und es mich drängte den vier ersten Zeichen
Des Rätsels lustgesättigt zu entweichen.

Herausgetreten aus des Tanzsaals Schwüle
Begann mich Ruh' und Stille zu umfah'n;
Auf mich herunter strömte Tau und Kühle
Das Sternenheer aus dem azurnen Plan;
Ergriffen von unnennbarem Gefühle,
Sprach ich des Himmels gold'ne Lichter an:
Darf ich, Atom nur der drei letzten Laute
Der ersten Silb', Euch grüßen als Vertraute?

Jetzt hub es an im Osten sich zu röten
Und die Sophienkuppel schien im Fluss;
Aus weiter Ferne tönten Hirtenflöten
Und vom Serail scholl ein Kanonenschuss;
Die wachen Imams riefen zu Gebeten,
Und von den Minaretts erscholl der Gruß,
Der wohlbekannte der vier Mitteltöne
Des ganzen Rätsels, an des Islams Söhne.

Indes sich schon die off'nen Bazars zieren,
Durchfurchten tausend Kiele kühn das Meer;
Hier sieht man schon Armenier sich rühren,
Dort rührt sich Jud' und Grieche noch viel mehr;
Ein ernster Türke geht hier stolz spazieren,
Und dort beginnt ein Sänftenträger-Heer
Tief seufzend unter den vier letzten Zeichen
Des ganzen Wortes langsam fortzukeuchen.

Doch auch der Toten pflegt nicht zu vergessen
Im regsten Leben selbst der Muselmann,
Um seine Lieb' und ihr Verdienst zu messen,
Muss einen Blumenkranz ihr Grab empfah'n;
Er wandelt sinnend unter den Zypressen,
Und lauscht, gestreckt jetzt auf den grünen Plan,
Den Sängern dort auf den drei letzten Lauten
Des ganzen Rätsels, seines Grams Vertrauten.

Und plötzlich an des Meeres steilem Rande
Geht ein zerlumpter Derwisch auf mich zu,
Ich zieh' die Börse, löse sacht die Bande
Und such' und wühl' im Geld in sich'rer Ruh;
Doch er entreißt sie mir, und stößt vom Lande
Mich in die Flut hinab in einem Nu –
Weh mir! weh meiner Börse! so gewichtig,
So silberblank, gespickt, so gold꞊durchsichtig!

Jedoch in solcher kalten Wellenbettung
Verlässt mich Hoffnung, Kraft, Besinnung nicht;
Mir hilft die überraschende Entkettung
Von meines Mammons lastendem Gewicht:
Die Freiheit von Ballast ist meine Rettung;
Ich schwimm' ans Land und ende dies Gedicht. –
Du bist zu der Enträtslung schon gekommen;
Wie so? – Du hast das Lösungswort vernommen.

Lösung anzeigen

Ball, All, Alla, Last, Ast, Ballast

Verweise

Logogriphe, Feuerlein