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Rätselgedicht Nr. 6596

von Henriette von Hohenhausen

Rätsel?

Sage mir – kennst du den Freund, der in guten Tagen uns treu ist,
Der dich in Freude und Glück – täglich und liebend begrüßt,
Aber treulos entflieht, wenn Unglück und Kummer erscheinen,
Wenn sich Krankheit und Schmerz, Sorgen und Leiden hier nahen?
Der uns am ersten verlässt, wenn wir seiner am meisten bedürfen;
Sehnsuchtsvoll dringt unser Ruf, aber vergebens, zu ihm.
Dennoch lieben wir ihn, und sehen ihn immer mit Freuden
Wiederkehren, – der stets unsrer Verzeihung gewiss
An der verlassenen Schwelle erscheint, wenn Unglück und Sorgen
Endlich meiden das Haus, dem er bei ihnen entfloh.
Nimmer entweich' er von euch, die noch harmlos vom Schilde der Jugend
Und des Frohsinns geschützt, seiner so süß sich erfreuen!
Nimmer mögen die Dornen des Lebenspfades ihn scheuchen,
Nie des Bewusstseins Schuld trostlos den Freund euch entziehen.
Immer bleib' er euch Lohn des geschäftig vollendeten Tagwerks –
Bis ihn einst spät, aber sanft – freundlich der Bruder vertauscht.

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(unbekannt)

Quelle

Tobias Heinrich Lotter: Neue Sammlung von vierhundert Charaden und Räthseln, für Freunde einer geistreichen, das Gemüth ansprechenden, Unterhaltung. Von dem Herausgeber der »Beispiele des Guten«. Mit einer Vorrede von F. L. Bührlen. Stuttgart: Metzler, 1831, S. 292f., Nr. 345.

Verweise

Worträtsel, Hohenhausen