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Rätselgedicht Nr. 6535

von Johann Gabriel Seidl

Scharade (2+1+1 Silben)

Die beiden Ersten sind ein stilles Haus,
Der Geist der Andacht gießt sich d'rüber aus.
Sie ließen einst von seines Lebens Wunden
Gar eines Kaisers blutend Herz gesunden.
In Stadt und Städtchen trefft ihr's leichtlich an,
Denkt ihr an Scott – so ist es ein Roman.

Die Dritte gibt es hier auf Erden nicht.
Doch hielte Jeder, was er uns verspricht,
Verschwände Sünd' und Täuschung aus dem Leben,
Wär' alles gut und edel jedes Streben;
Und wäre Jeder, was da Jeder scheint,
Das wäre wohl, was diese Dritte meint.

Die Vierte nennt euch ein Gebäud' in Wien,
Aus dem euch oft ein guter Stern erschien;
Denn unter seinen Fenstern zählt es eines,
Durch das er gern euch schimmert, milden Scheines.
Und ist auch ringsum düst're Wetternacht,
Getrost, mein Vaterland! dein Leitstern wacht.

Das Ganze prangt mit stolzem Herzogshut,
Verschließt in seiner Brust ein heilig Gut,
Und stützt, durchmusternd seine Pracht im Spiegel,
Sich auf den Schemel seiner Rebenhügel.
Die Chronik deckt euch sein Entstehen auf: –
Doch – wisst ihr's gleich – so ruht ein Schleier d'rauf.

Lösung anzeigen

Kloster + neu + Burg = Klosterneuburg

Anmerkungen

Die »Burg« ist die Hofburg in Wien, Residenz der Habsburger bis 1918, danach Sitz des Bundespräsidenten und der Bundeskanzlers.

Das Stift Klosterneuburg liegt nordwestlich von Wien in der gleichnamigen Stadt Klosterneuburg (Niederösterreich) und gehört der Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren an. Der Komplex geht auf eine Stiftung des österreichischen Markgrafen Leopold III. dem Heiligen zusammen mit seiner Frau Agnes von Waiblingen zurück, die zu Beginn des 12. Jahrhunderts erfolgt war.

Um die Gründung des Stiftes Klosterneuburg spinnt sich die Schleier-Legende. Am Tag ihrer Vermählung sollen Markgraf Leopold III. und seine Gemahlin Agnes von Waiblingen am Söller ihrer Burg am Leopoldsberg gestanden haben, als ein plötzlicher Windstoß den Brautschleier der Agnes erfasste und davontrug. Erst neun Jahre später soll der fromme Markgraf den Schleier seiner Frau während einer Jagd in den Wäldern Klosterneuburgs unerwartet wieder gefunden haben – in unversehrtem Zustand auf einem blühenden Holunderbaum verfangen. Dies soll als göttliches Zeichen verstanden worden sein, weshalb Leopold III. an dieser Stelle ein Kloster errichten ließ. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde diese Legende noch zusätzlich durch eine Marienerscheinung bereichert.

Quelle

Feierstunden der edleren Jugend (1832), S. 640.

Verweise

Scharaden, Seidl