ALL EN FR ES IT

Logo

≡ ► ◄ ▲

Rätselgedicht Nr. 6471

von Ernst Thomas Theodor von Krieger

Streckenscharade

Geographisch-didaktische Charade

Zwölf Worte, jedes Wort zweisilbig angetan,
Wovon die erste nur sich immer wechselnd treibt,
Die zweite aber gleich durch alle Zwölfe bleibt,
Lad' ich mit ganzer Last auf euren Backenzahn.
Ich weiß, dass ihr Geographie studieret,
Geschichte auch in jedem Sinn versteht,
Wohl Scharfsinn auch in eurem Schilde führet,
So ratet denn, eh' Euch die Lust vergeht,
Und wer mir alle zwölf gut zu benennen weiß,
Der wähl' sich Eins davon, als wohlverdienten Preis.

[1]Das Erste mag die Küche nicht entbehren,
Wohl auch der Tisch, wobei man sitzt und isst,
Es macht der Armut harte Not erschweren,
Weil es um teures Geld nur zu bekommen ist:
Und willst du kühn das ganze Wort ergründen,
So blicke hin nach jenen Bergeshöh'n,
Aussätzige wo ihre Heilung finden,
An jenem Land, wo Sohlenbäder stehn.

[2]Es ist nicht mehr. – Im Strom der Zeit verschwommen
Gibt keine Macht die Silbe dir zurück,
Und hat das Glück in Obhut dich genommen,
Dann flieh' des Wörtchens bittern Augenblick.
Verbinde dann auch die vier letzten Zeichen,
So wirst du bald an Dymels heitrem Grün
Das Rätselwort in einer Stadt erreichen,
Willst anders du nur nach Westfalen gehn.

[3]Ein träges Tier verschläft sein halbes Leben,
Und still und einsam wohnt's in seinem Bau,
Doch boshaft ist's, wenn es sich Preis gegeben
Des Jägers Rüden mit Gebiss und Klau'!
Schön prangt vereint das Silbenpaar zusammen
Als Grafschaft und veraltete Ruin,
Denn als in Elsass tobten Kriegesflammen,
Da stürzt das Schloss auch als ein Opfer hin.

[4]Verwandt mit Aphroditens Götterleben,
Der Mythe nach, treibt mich das hohe Meer,
Im Schwanenkleid muss ich dem Stoff entschweben
Und segle still auf Bier und Wein umher.
Willst freundlich du die and're Silbe spenden,
So bin als Schloss ich heute noch zu sehn,
Und willst nach Wien du deine Schritte wenden,
So kannst du hin zum Bücherhändler gehn.

[5]Bist einem Menschen du nicht wohl gewogen,
So sprich das Wort, so dir ins Auge sticht,
Es hält als Schutz viel Pflanzen oft umzogen
Und weh' der Hand dann, die die Rose bricht.
Thüringen ist das Vaterland der Beiden,
Und an der Saale türmen sie sich auf,
Doch auch die Stadt muss jenes Wort bekleiden,
Wo unten wogt des Flusses rascher Lauf.

[6]Müsst' ich zum Fasten eine Speise wählen,
So wär's der Fisch, den ihr zu raten strebt,
Es ließ sich viel von diesem Tier erzählen,
Weil es zu Land' und auch im Wasser lebt;
Doch wollt' ihr nicht die and're Silbe trennen,
In Dänemark dann sich das Ganze zeigt
Als Handelsstadt, wie wenig nur zu kennen,
Hat zweimal es den Schweden sich gebeugt.

[7]Im heißen Süd' werd' ich als Trank bereitet
Aus einem Rohr, und habe mich von dort
Durch alle Welt mit meinem Geist verbreitet,
Fast unentbehrlich ist's an Schiffes Bord.
Des Ganzen Sinn in Böhmen zu ergründen,
Wird leicht gewiss für jene Damen sein,
Die viel Geschmack am zarten Linnen finden,
Gewebt im Gut des Fürsten Lichtenstein.

[8]Gar mancher trägt's im bunten Wechselleben,
Bald schwer, bald leicht, von Gold und Edelstein,
Als Glaubensbild muss es sich fromm erheben,
Und schmückt zuletzt noch deinen Leichenstein.
Den Silben zwei, drei Städte sich entreißen
In Eisensach und Schlesien zu seh'n,
Die Dritte alt, liegt östlich tief in Preußen,
Am Huntau-Fluß muss ihre Würde steh'n.

[9]Dem Geiste nur ist es als Vorzug eigen,
Es schwingt sich kühn durch jede Fessel auf,
Gebund'nes muss sich vor der Silbe neigen,
Wohl dir, sagst du's von deinem Lebenslauf.
Im höchsten Lande von Europa bringen
Vereinte Silben dir den Namen dar,
Am Sanen-Fluß kannst du den Preis erringen,
Dort wird das Rätsel dir erhellt und klar.

[10]Es nützet uns auf tausendfache Weise,
Hegt manches Tier in seinem dunkeln Schoß,
Drin spielt der Wind mit seinen Kindern leise,
Doch peitscht er sie, wird er im Sturme groß.
Und mögst du gern schon die Bedeutung haben,
So kannst du sie am Iler bald erspäh'n,
Die Donau rauscht an ihrer Grenz' in Schwaben,
Am alten Schloss die Wetterfahnen dreh'n.

[11]Aus tiefem Schacht muss mich der Knappe holen,
Geläutert nur kann ich dir dienlich sein,
Man martert mich durch Feuer, Dampf und Kohlen,
Doch töt' ich dich mit andrem im Verein.
Bin eine Stadt, durchspült von Silberwellen,
Hab' auch ein Schloss, so ziemlich fest noch ist,
In Kärnten wird das Wort dir leicht erhellen,
Gehst du der Spur nach, wo die Feistritz fließt.

[12]Ich drücke schwer und halte fest gefangen,
Was meiner Kraft der Meister hat beschert,
Doch muss zur Freiheit wieder es gelangen,
Verschieden doch, nach seiner Formen Wert.
Wer kennt dich nicht mit deiner schönen Lage,
Du, unsers Landes königliche Zier,
Ob auch die Letzte hier in meiner Frage,
Dank' ich so manche heit're Stunde dir.

[13]Und endlich muss die zweite Silb' ich geben,
Die treu und rein, wie Minnesängers Lieb',
Wie dicht verschränkt am Stamm die Ranken kleben,
In jedem Wort stets die Gefährte blieb.
Sie ist in Wien und jedem Land zu finden,
Bald alt und neu, als Schutzwehr aufgestellt,
Von weitem oft muss sich ihr Glanz verkünden,
Doch sieht man auch sie finster und entstellt:

Dann wölben eng sich moosbedeckte Flechten
Wohl übers Ganze grauenvoll dahin,
Das Recht der Zeit und Stürme zu verfechten.
Nun ratet doch, was ich an Zwölfen bin?
Und gebt mir bald von dem so leichten Funde,
Getreu Bericht und freundschaftliche Kunde.

Lösung anzeigen

Burg

Anmerkungen

1. Salzburg; 2. Warburg; 3. Dachsburg (Dagsburg); 4. Schaumburg; 5. Dornburg; 6. Aalburg (Aalborg); 7. Rumburg (Rumburk); 8. Kreuzburg; 9. Freiburg; 10. Meersburg; 11. Goldburg; 12. Pressburg (Bratislava); 13. Burg

Die Diemel (Dymiel) ist ein 110,5 km langer, westlicher und orographisch linker Nebenfluss der Weser in Hessen und Nordrhein-Westfalen in Deutschland. Sie ist der erste, also südlichste, der größeren Weser-Zuflüsse nach der Entstehung derselben durch den Zusammenfluss von Fulda und Werra.

Verweise

Scharaden, Krieger