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Rätselgedicht Nr. 6229

von Joseph Sigismund Ebersberg

Homonym

Vier Brüder kenn' ich, die nicht durch das Band
Der süßen Liebe freundlich sich gewogen –
Vier Brüder, die ein Sinn, ein Vaterland
Geboren nicht, ernährt nicht und erzogen.
Sie sind der Tat nicht, bloß dem Namen nach
Gebrüder, leben zwar in süßen Frieden,
Den andern Brüdern auch nichts stets beschieden,
Doch nie vereint und unter einem Dach.

Der Älteste hat es fein hoch gebracht
Und glänzt und strahlt, als wär' er noch so groß;
Jedoch trifft ihn das schnöde Erdenlos,
Dass bloßer Schein all die erborgte Pracht.
Und trät' er auch vor uns mit noch mehr Kunst,
Mit falschem Schmuck geziert und Diamanten —
Wir wissen's doch, die wir sein Wesen kannten,
Dass er nichts ist, als leerer Schein und Dunst.

Der zweitgeborne Bruder ist wohl mehr,
Denn hier zu Lande gilt er Geld und Ehre.
Doch ist es männiglich bekannt, dass er
Nichts ohne seinen hohen Nachbar wäre.
Ja wohl, sein Nachbar ist ein braver Mann,
Der freundlich uns und immer gastlich nützet,
Uns schirmt und deckt und väterlich beschützet —
Drum schließt er an den Nachbar fest sich an.

Der Dritte strahlt und glänzt im eignen Schein;
Geborgt nicht, wie des Erstgebornen Mächte,
Darf seine Größ' und seine Würde sein.
Er prang' durch eigenes Verdienst, durch Rechte
Die ihm die Sonne schenkt, die freundlich ihn
Und milde überstrahlt, und Lust und Leben
Jedwedem Untertan vermag zu geben;
Denn er weilt um die Segen-Spenderin!

Und solltest du den vierten Bruder nicht,
In Wien Erzeugter, ihn sollst du nicht kennen?
Den Bruder sollst dem Frager lächelnd nennen,
Der durch der blanken Waffe Sonnenlicht
Berühmt, sich stets des edlen Kriegers freut,
Der zahlreich auf ihm weilt und Sorge traget
Ob sich kein Feind in unsre Mitte waget
Und Kampf und schwarze Zwietracht uns erneut.

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Hof

Anmerkungen

1. Hof des Mondes, 2. Hof des Hauses, 3. Hof eines Regenten, 4. der Platz »Am Hof« in Wien

Verweise

Homonyme, Ebersberg