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Rätselgedicht Nr. 5982

von Leopold Enk von der Burg

Rätselgeschichte

Freund Heins Launen

Dass wir schwache Menschen tausend Launen haben, ist verzeihlich: denn wir leben gerade lange genug, um endlich, wenn es zu spät ist, einzusehen, wie wenig dabei herauskömmt. Aber von Freund Hein, dem Sohne einer Unsterblichen — nach Hesiodus gebar ihn die Nacht — der eine so lange Praxis vor sich hat, sollte man eine solidere Aufführung erwarten. Wie hübsch wäre eö nicht, wenn er bei seinem Geschäft mit einer gewissen Ordnung und Verlässlichkeit verführe, und die Schurken alle durch eine bestimmte Krankheit, z. B. durch eine Verengung der Luftröhre, die Guten hingegen aus den weichen Armen seines Bruders übernähme/ Statt dessen greift er immer nur zu, wie es ihm feine tolle Laune eingibt, und ist ein so unsystematischer Strudelkopf, wie man sich nur immer einen vorstellen mag.

So zum Beispiel hätte der Philosoph Alerander aus Elis noch wie viele Distinktionen und Sophismen aussinnen können, um sich selbst und andere ehrliche Leute damit zum Besten zu haben: aber da treibt ihn unser Mann, als er durch den Alpheus schwimmt, gegen ein spitziges * und macht damit allen seinen Spitzfindigkeiten mit einem Male ein Ende.

Vier Zeichen nennen das ausgelassene Wort. Nimm das erste davon weg, und sie nennen einen Teil des menschlichen Körpers. a)

Der Dichter Sotades besaß einen ungemein leichten Witz, und schrieb, um diesen recht glänzend zu zeigen, eine Menge hämische Gedichte gegen den König Ptolomäus. Der König, welcher an dem Witze des Dichters, so leicht dieser auch war, nur wenig Geschmack fand, ließ denselben in eine bleierne ** verschließen und ihn ins Meer werfen.

Vier Zeichen geben einen Frauennamen an; setz ihnen noch ein fünftes vor, und sie nennen das Gefäß, durch dessen Schwere der unselige Dichter, trotz der Leichtigkeit seines Witzes, in die Tiefe gezogen wurde. b)

Jenen holte sich Freund Hein aus der Tiefe? einen andern , den Hussiten-Anführer Rohaz, wollte er im Gegenteil von der Höhe wegnehmen. Auf die Höhe seines Felsennestes vertrauend, hatte der Hussite dem Kaiser Sigismund lange übermütig getrotzt, bis er demselben zuletzt dennoch in die Hände siel. Der Kaiser ließ ihn jetzt Hängen; allein nicht auf die gewöhnliche Weise, welche die Sache an einem simplen Balken oder an einem Baume abmacht; sondern mit Auszeichnung und mit billiger Rücksicht aus den Hochsinn des Beteiligten. Der Galgen nämlich, an welchem man den Hochsinnigen hing, hatte mehrere —

Die erste Silbe in den Wäldern geboren, und unscheinbar an sich selbst, macht, reich verziert, wenn sie in die rechten Hände gelangt, oft den ganzen Erdkreis, aber auch in ihrem unscheinbaren Naturgewande denjenigen erzittern, der mit ihr in eine unfreiwillige Berührung gerät; auf die beiden letzten wende dein ganzes Sinnen und Streben: denn nur durch sie kannst du werden und gelten, was zu werden und gelten du wünschest. c)

Dass er so oft durch den Schmerz tötet, ist grausam und traurig genug; aber fast noch grausamer ist es, dass er sich oft tückischer Weise selbst der Freude bedient, um, seine Opfer hinzuraffen. Das Letztere soll Mehreren begegnet sein, welche in den olympischen oder dramatischen Wettspielen den Preis erhalten hatten; unter Andern auch dem Komiker Cratinus: obwohl einige erzählen, dass er aus Traurigkeit über einen umgestürzten ** gestorben sei.

Die erste Silbe weckt die Freude und tröstet den Schmerz; einen bekannten Philosophen und rüstigen Pamphletschreiber nennet dir die Zweite. d)

Wie Viele Freund Hein mitten im Genüsse der Tafelfreuden wegrafft, ist bekannt. Da die meisten Lebemänner recht gut wissen, wie viel sie ihrer Verdauungskraft zumuten dürfen, und unser werter Freund in der Tat eh' zu viel, als zu wenig Nachsicht gegen sie beweist: so kann man unbedenklich jede Ausnahme dieser Art auf Rechnung seiner extravaganten Launenhaftigkeit setzen. Zwischen ein halbes und ein ganzes Dutzend Hühner pflegte der schlesische Herzog Boleslav auf einem Sitze für gewöhnlich zu essen: an einem Ostersonntag aß er einst deren zwölf. Freund Hein ließ es ganz ruhig geschehen. Aber nun fällt es dem guten Herzog ein nach dem dreizehnten zu langen; und das dünkt unserm Sauerkopf mit einem Male zu viel zu sein. Ohne weitere Umstände greift er dem guten Herzog in den **; so unsanft, dass er das Kauen für immer unterlassen musste.

Wie Herkules hat der Mann, welchen die vier in den Sinn genommenen Zeichen nennen, die grimmigsten Tiers gebändigt. Das fragliche Wort ist gefunden, wenn ihr seinem Namen noch ein Zeichen vorsetzt. e)

Weit mehr Nachsicht pflegt er mit den Trinkern zu haben. Allein auch hier zeigt er keine Konsequenz; und Manchen rafft er gleich bei seinen ersten Versuchen dahin, der, wenn er ihm zur Ausbildung seiner Talente Zeit gelassen hatte, schon nach wenig Jahren es mit den ausgezeichnetsten Männern vom Fache hätte ausnehmen können.

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a) Rohr, Ohr; b) Anne, Kanne; c) Stockwerke; d) Weinkrug; e) Acken, nacken

Verweise

Rätselgeschichten, Enk