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Rätselgedicht Nr. 5787

von Constantin Möllmann

Worträtsel

Es herrschen in der Welt zwei Mächte,
Die schwerlich eine Macht besiegt;
Und wagt mit ihnen in Gefechte
Der größte Held sich auch, — er kriegt
Umsonst wenn er nicht ganz erliegt.

Wir alle stehen von der Wiege
Bis an das ferne, kühle Grab,
Stets unter ihrem Herrscherstab.
Oft zwingen sie das Volk zum Kriege,
Oft wenden sie ihn mächtig ab.

Sie fordern Steuer, doch wir haben
Dazu den Maßstab in der Hand,
Wir bringen ganz verschied'ne Gaben,
Gewählt nach dem verschied'nen Stand.

Ein Jeder kennet die Gesetze,
Die noch kein weiser Mann verwarf,
Sie wollen keine großen Schätze,
Nein, nur den täglichen Bedarf;
Doch den verlangen sie auch scharf.

Auch keiner von den Untertanen,
Reich oder arm, groß oder klein,
Bleibt steuerfrei, und täglich mahnen
Sie den Tribut von jedem ein,
So viel, so wenig er mag sein.
Dass sie zuweilen fürstlich Hausen,
An reich besetzter Tafel schmausen,
Ist wahr; doch diesen Überfluss
Verlangen sie nur von den Reichen,
Und nicht von mir und meines Gleichen.
Sagt, ob man das nicht loben muss?
Sie zechen auf ganz eigne Weise,
Mir deucht, sie kämen drob in Zank,
Der Eine nimmt allein die Speise,
Der Andre nimmt allein den Trank;
Doch hiervon schweige meine Leier,
Die ich gestimmt, als ihr Getreuer,
Zu ihrem Preis, zu ihrem Dank.
Denn wisst, der Menschheit nur zum Segen
Bestiegen sie den Herrscherthron;
Sie treiben uns auf tausend Wegen
Zu einem Ziel, zu einem Lohn.
Dass freilich viele töricht klagen,
Als herrschten sie, uns nur zu plagen,
Sei euch zu wissen noch vergönnt.
Nun, denk' ich, werdet ihr mir sagen,
Wie man die beiden Herren nennt.
Ihr sinnet lang', sinnt ihr noch länger,
Erbitt' ich Wein mir, Brot und Wurst;
Denn wisset, diesmal singt der Sänger
Nur für den Hunger und den Durst.

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Hunger und Durst

Verweise

Worträtsel, Möllmann