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Rätselgedicht Nr. 5643

von Friedrich Treitschke

Worträtsel

Wer kennt, wer nennt mir den Propheten,
Der Fürst und Bauer schätzt und liebt?
Der nicht gedehnte dunkle Reden,
Nur kurze Sprüche deutlich gibt?

Es strahlt sein Kleid die Sonne wieder,
Doch hat's nicht Stickerkunst vollbracht.
Es fügt sich sanft um Leib und Glieder,
Und doch kein Schneider hat's gemacht.

Alt ist der Stammbaum unsers Helden;
Alt, wie man keinen Stammbaum sah.
Vor Adam stand, nach heil'gem Melden,
Der Ahnherr prophezeiend da.

Sein Haupt belastet eine Krone,
Von ernsten Sorgen schwankt es schwer.
Und wie der Sultan auf dem Throne,
Umwandelt ihn ein Frauenheer.

Was fragt der Weise nach dem Scheine?
Was soll ihm Gold und eitler Tand?
Gemeine schmückt das Ungemeine,
Er schreitet barfuss durch das Land.

Und welchen Gott sein Herz verehret,
Jehova, Fohi oder Tien,
Das hat er nie die Welt gelehret,
Doch preis ich hoch bewundernd ihn:

Denn, vor dem ersten Glanz der Sterne,
Wie vor der Sonnenrosse Lauf,
Kehrt er den Blick zur Himmelsferne,
Steigt sein Gebet zum Schöpfer auf.

Ach, Tugend hindert nicht Verderben;
Blind trifft der Frevel ohne Wahl.
Ich sehe, Seher, du musst sterben, –
In Weiberhänden droht der Stahl!

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Der Hahn

Anmerkungen

Tien ist Chinesisch und bedeutet »Himmel« oder auch »Höchstes Wesen«.

Fohi (Foschi, Fokih), mythischer Herrscher und Weiser in China in der frühsten Zeit, der nebst andern mythischen Herrschern, wie Yao, Schun u. a., als Begründer von Staat, Religion, Sitte, Recht, Sprache, kurz der ganzen chinesischen Kultur gilt.

Fu Xi soll der erste der chinesischen Urkaiser gewesen sein, deren Mythen in der frühen Zhou-Zeit aufkamen. Der Legende nach ist er auch der Urahn der Menschen.

Jehova (JHWH) ist der Eigenname des Gottes Israels im Tanach, der Hebräischen Bibel. Er stellt sich seinem Volk im ersten der Zehn Gebote vor.

Quelle

Gedichte von Friedrich Treitschke. Wien: Wallishausser, 1817

Verweise

Worträtsel, Treitschke