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Rätselgedicht Nr. 5432

von Moritz Döring

Scharade (1+2+1 Silben)

Jüngst ging ich zu dem Kaufmann hin
Und fand dort Mützen aller Sorten,
Doch keine war nach meinem Sinn;
Die eine hatte zu viel Borden,
Die andre hatte zu viel Gold,
Die dritte hätt' ich gern gewollt,
Doch überbot er sie zu sehr,
Drum ward die Erste mir gar schwer.

Und während ich in strenger Wahl
Mich bald zu der, zu jener neige,
Da trifft mein Blick mit einemmal
Auf eine wahre Vogelscheuche.
»Nein,« rief ich, »Herr, bei meiner Ehre,
Wer diese kaufte, wahrlich, wäre –«
»Ein schmucker Herr – nur hübsch gemach,«
Mich rasch der Kaufmann unterbrach:
»Ich wette, sie wird Ihnen stehen!«
Und richtig, kaum war das geschehen,
Was euch die beiden andern sagen,
Fand ich sie passend, selbst zu tragen.

Doch als ich nun die Mütze nahm,
Und es zur letzten Silbe kam,
So denkt euch nur, wie mir geschah!
In allen Taschen mocht' ich suchen,
Und wettern mocht' ich oder fluchen,
Ach, nirgends war mein Beutel da.
Und da mir alle Hoffnung wich,
Was war zu tun? scifiert' ich mich.

Das Ganze soll ich euch verraten?
Fragt nur darnach im Bücherladen!

Lösung anzeigen

Wahl + Verwandt + Schaft = Wahlverwandtschaft

Anmerkungen

Die Wahlverwandtschaften ist ein Roman von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahr 1809. Er beschreibt die Geschichte des in abgeschiedener Zweisamkeit lebenden Paares Charlotte und Eduard, deren Ehe durch das Hinzukommen zweier weiterer Figuren auseinander bricht.

scifiren (veraltet) = sich heimlich entfernen, davonschleichen [Wörterbuch über die Schwierigkeiten der deutschen Sprache, von Moritz von Goertz Wrisberg, 1835]

Wie ist die letzte Silbe zu verstehen? Auch die "nächsten beiden" passen nicht ganz, man fragt ja die "Verwandtschaft" und nicht die "Verwandt". Angenommen, das Lösungswort wäre "Wahlverwandtschaften", was auch besser zu Goethes Roman passen würde, dann wäre die letzte Silbe "ten".  Hilft auch nicht wirklich.

Verweise

Scharaden, Döring