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Rätselgedicht Nr. 4663

von Carl Töpfer

Worträtsel

Das Irrlicht und der Lahme

Ein Irrlicht und ein Lahmer,
Die hangen sich Euch an,
Und spielen hier auf Erden
Um alles Haschemann.

Das Irrlicht ist behände,
Und springt wie toll und blind
Wohl über Zaun' und Hecken,
Wie Denken so geschwind.

Herr Wunsch, das ist sein Vater,
Die Furcht heißt dessen Frau,
Die nehmen's mit den Wegen
Des Kindleins nicht genau.

Also geschieht's, dass dieses,
Frei über Raum und Zeit,
Sich trüg'risch vor Euch hinpflanzt,
Wohl tausend Meilen weit.

Da flackert es und schwanket,
Und will Euch prophezei'n,
Und will, ihr sollet glauben
Dem ungewissen Schein.

Allein der Lahme, wenn auch
Auf seinen Füßen schwach,
Hat kaum geseh'n das Irrlicht,
So humpelt er ihm nach.

Er nennt sich Sohn der Wahrheit,
Wahrscheinlich adoptiert -
Mit dieser Dame hatte sich
Kein Mann wohl mesalliert.

Dem sei nun wie ihm wolle,
Er hat viel von Mama:
Gilt es nur Splitter suchen,
Ist auch der Lahme da.

Er ist dem Kinde Irrlicht
Gar bitterlich verhasst:
Das Kindlein kann nicht trotzen,
Wenn es der Lahme fasst.

D'rum, sieht es ihn im Rücken,
So fasst es schon ein Schreck,
Denn hinkt er in die Nahe,
So blast er's sicher weg.

Er blast es weg - Vertilgung
Kann nicht durch ihn gescheh'n,
So lang Herr Wunsch der Vater
Und Madam Furcht besteh'n.

D'rum fangt auch stets die Täuschung
Des Irrlichts wieder an,
Und ewig spielt der Lahme
Mit ihm sein Haschemann.

Lösung anzeigen

Die Wörter »Wenn« und »Aber«

Anmerkungen

Haschemann ist eine andere Bezeichnung für das Spiel »Haschen« bzw. »Fangerln«.

Was bedeutet »mesalieren«? Soviel wie »eine Beziehung eingehen«? Evtl. vom Messalina, der dritten Frau von Kaiser Claudius, die als nymphoman galt?

Verweise

Worträtsel, Töpfer