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Rätselgedicht Nr. 2740

von Carl Trummer

Scharade (2+2 Silben)

An einem langen weißen Prunkaltar
Knien gar andächtig seines Gottes Priester;
Es dürstet sie – nach Weihe offenbar,
Doch ist ihr Blick nicht eben ernst und düster.
Nur Scherz und Heiterkeit sind dieses Tempels Lehren,
Und Tanz und fröhlicher Gesang,
Und Paukenwirbel, Trompetenklang
Scheint hier zum Gottesdienste zu gehören.
Auch steigt das Opfer hier nicht in die Luft empor;
Was einst die frommen Priester heimlich taten,
Geschieht hier öffentlich, es teilt der Chor
Für sich und unter sich den Opferbraten.
In diesem Tempeldienste war
Von jeher das noch sonderbar,
Dass die geweihten Männer, alt und jung,
Mit lautem Lärmen durch einander sprechen,
Und scheint es Ritus fast, in der Begeisterung
Der heil'gen Weihe sich zu unterbrechen. –

Der ersten Silben Paar
Nennt diesen Festaltar.
Doch während hier es tobt und lärmt,
Und Tag und Nacht begeistert schwärmt,
Wählt sich das letzte Silbenpaar die Nacht,
Und schleicht umher erst still und sacht,
Dann tönt's, dass weit es widerhallet,
Man hält den Wandrer an, der einsam wallet,
Man achtet nicht den Mann, der dort auf Schildwacht steht,
Und gegen Freund und Feind so tolerant,
Wie bei Bekannt und Unbekannt,
An seinem Häuschen auf und niedergeht.
Den hält man fest, man schleppt ihn fort,
Man drohet ihm mit Fluch und Mord
Fort geht der Zug mit Fackeln und mit Lanzen.

Noch finstrer ist das Bild des Ganzen.
'S ist eine feierliche Reih'
Von bleichen Heldenriesen.
Ein Sitz war sonst im Saal noch frei,
Der ward einst einem Jüngling angewiesen.
Nun richtet schon seit langer Zeit
Die ernste Schar die tapfern Ritter alle,
Ihr Urteil tönet dumpf und breit
Durch die gewölbte düstre Halle.
Weh jedem feigen Menschensohn,
Der, wo die Glocke stürmt, geflohn!
Ihm hilft die Flucht und Rettung nicht,
Das Ganze hält einst über ihn Gericht.

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(unbekannt)

Anmerkungen

Mit der Runde ist die Runde des Nachtwächters gemeint.

Verweise

Scharaden, Trummer, Forum