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Rätselgedicht Nr. 2273

von Wilhelm Usener

Scharade (1+1 Silben) und Homonym

Die erste Silbe meines Worts, die ewig dürstend
Mit tausendfachem Mund aus tausend Quellen trinkt,
Verschlingt sogar die Kinder, die ihr Schoß geboren,
Und doch füllt nichts des ungemess'nen Bauches Raum;
Denn was sie heut' verschlingt, das zieht oft düster Morgen
In mancherlei Gestalten über Länder hin.
Ihr ungetrübtes Angesicht, die heit're Ruhe,
Die oft aus ihrem ganzen Wesen spricht, bewegt
Den Sterblichen, ihm bergend ihres innern Tücke,
Voll Hoffnung selbst sich ihrem Rücken zu vertrau'n,
Auch in ihr Innerstes dringt er verwegen ein.
Oft aber, ihn für seine Kühnheit zu bestrafen,
Erhebt sie tobend sich mit wildem Ungestüm,
Verschlingend ihn samt seiner Habe, raubt sie grausam
Ihm seiner Mühe, seines Glückes reichen Segen,
Und brausend bildet dann die zweite Silbe sie;
Doch ihr Gehalt ist klein, sie ist soviel als – nichts,
Vergänglich, gleicht der Erdenfreude, die eben so,
Wie sie, aus Sturm und Widerstand geboren wird.
Das holde Urbild alles Schönen, dessen Tempel
In aller Herzen sich erhebt, dem Völker dienen,
Und ihm Altäre weih'n, ist meines Ganzen Tochter.
Das, was die Hand der Menschen kunstvoll aus ihm bildet,
Ist Männern, ja oft Weibern auch, unendlich wert.
Es ist das Ehrenzeichen eines großen Ordens,
Der, wenn auch noch nicht alt, doch weit verbreitet ist,
Wer ihm geschworen, mag von ihm sich niemals trennen,
In Händen trägt er 's, hüll 't es oft in Seide ein
An seinem schönen Halse prangt ein seidnes Band
Von Silber eine Kette, den Kopf bedeckt ein Hut.
Und dankbar diese große Gunst erwidernd, leitet's
Der Sorgen schwarzes Heer von seines Freundes Haupt,
Erheitert seine Stirn, beflügelt seine Stunden,
Versöhnt durch Opferdampf sogar der Laune Dämon;
Doch dieser Dank verzehrt sein edles Eingeweide

Lösung anzeigen

Meer + Schaum = Meerschaum

Anmerkungen

1. Mineral; 2. Schaum auf den Wogen des Meeres

»meines Ganzen Tochter«, also die Tochter des Meerschaums, ist eine Anspielung auf Aphrodite, die Schaumgeborene, in der griechischen Mythologie die Göttin der Liebe, der Schönheit und der sinnlichen Begierde. [Wikipedia]

Meerschaum oder Sepiolith ist ein eher selten vorkommendes Magnesiumsilikat. Sepiolith wird vor allem zur Herstellung von Meerschaumpfeifen abgebaut. Es dient aber auch zur Herstellung von Schmuckstücken wie Armbändern, Halsketten und anderem. [Wikipedia]

Verweise

Scharaden, Homonyme, Usener