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Rätselgedicht Nr. 2233

von Franz Brentano

Rätsel

Das Chamäleon

Ich kenn ein Ding, wer nennt das Ding?
Oft ist's ein kleiner, schwarzer Ring,
Ein Zauberkreis bedeutungsvoll,
Weißt du nur, was er sagt und soll.
Oft hat es einen dicken Kopf,
Und hinten hängt ein langer Zopf;
Oft ist es kahl wie eine Maus;
Oft sieht es wie ein Vöglein aus,
Das mit den Brüdern hockt im Neste
Und trillert drin aufs allerbeste.
Oft schmückt es ein Beamtenkragen,
Zwei, drei der Striche darf es tragen;
Oft wie ein Fröschlein hüpft's im Trab
Auf seiner Leiter auf und ab,
Sitzt oben es, gleich wird es hell,
Sitzt's unten, finster wird's zur Stell'.
Und, wie der Herde tut der Hirt,
Scharweis es eingepferchet wird;
Doch, fasset sonst in jedem Fall
Geduldger Schafe viel ein Stall,
Scheint es hier umgekehrt zu sein,
Unruhige gehn mehr hinein.
So wird dies wunderliche Wesen
Zum Hofrat bald, bald zum Chinesen,
Bald scheint es Laubfrosch gar zu sein,
Bald Lamm, bald Maus, bald Vögelein.
Kein Proteus scheint so schwer zu fassen;
Doch wird dein Witz dich nicht verlassen.

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Notenzeichen auf dem Notenblatt

Anmerkungen

Schwarzer Ring: ganze Note; dicker Kopf, langer Zopf: Achtelnote; trillert mit Brüdern im Neste: Akkord; zwei, drei Striche: Bezeichnung der Tonhöhe (eingestrichen, zweigestrichen, usw.); Froschleiter: Notenlinien, auch Tonleiter; oben hell: hoher Ton, unten dunkel: tiefer Ton; von den "unruhigen, unsteten" Achtelnoten passen mehr in einen Takt als von den "ruhigen" ganzen Noten; Beamtenkragen sind Fahnen am NotenHALS mehrerer verbundener Achtel- oder Sechzehntelnoten.

Verweise

Worträtsel, Brentano, Forum